IM6 Zweites Blatt Lietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhejseil) Donnerstag, 25. Februar '928
Das Revirement in der englischen Diplomatie.
Don unserem k.-Berichterstatter.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.
London, Februar 1928.
Wenn in der britischen Diplomatie Umbesetzungen erfolgen, so hat dies auch immer ge- wiise Aenderungen in der amtlichen Politik zur Folge, da die englischen Diplo- maten — im Gegensatz zu ihren Kollegen auf dem Kontinent — nicht nur stets sehr ausgeprägte Persönlichkeiten zu sein pflegen, sondern in der Regel auch eine stark persönlich gefärbte Politik zu treiben pflegen. Allerdings ist hierbei zu berück^ich.izen, daß die englische auswärtige Politik in ihren Grundlinien einer jetzt jahrhundertalten Tradition folgt, so das; grundlegende Umstellungen sich immer nur unter besonderen Umständm vollziehen werden. Das ist der Gesichtspunkt, unter dem man das große Revirement onschen muh, das England mit der Ent endung seines bisherigen Unterstaats^elretärs Thrrcl als Botschafter nach Paris und der Berufung des bisherigen Berliner Botschafters Linds ay an dessen Stelle nach London vollzogen hat. Soweit g un sähliche Dinge der englischen Außenpolitik in Frage stehen, darf man dabei auch als sicher annehmen, daß die Umbesetzung n keinen Wechsel der bisherigen Außenpolitik des Landes bedeuten, ja vielmehr im Gegenteil, daß England weiter an der Entente mit Frankreich und der Locarnopolitik Deutschland gegenüber festhalten wird.
Dennoch verleihen besondere Umstände dem Revirement in der britischen Diplomatie ein besonderes taktisches Gewicht. Denn das Revirement kommt nicht nur in einem ganz besonderen Augenblick — die internationalen Borverhandlungen über eine etwaige Abänderung des Reparationsplanes stehen vor der Tür — sondern ist auch in anderer Hinsicht so interessant, daß es sich verlohnt, auf diese Dinge näher einzugehen, da sie die Absichten Englands angesichts der gegenwärtigen weltpolitischen Situation eindeutig erkennen lassen.
So ist die Ernennung Tyrrells zum Botschafter in Paris keineswegs allein durch die Tatsache bedeutsam, daß Paris der wichtigste Posten im englischen Außendienst ist und daher den besten Mann unter Englands Diplomaten erfordert, sondern darüber hinaus ist Paris — infolge der eigentümlichen Verhältnisse für die Pläne Englands charakteristisch. Der bisherige britische Botschafter in Paris Lord Crewe hat sich nämlich, je länger die Zeit fortschritt, umso weniger dem französischen Außenminister B r t - and gewachsen gezeigt. Briand, der noch vor wenigen Jahren in England als ein wenig aussichtsreicher Eigenbrödler der französischen Linken galt, hat es verstanden, das Instrument des Locarnovertrages, das ursprünglich auch als Mittel zur Wiedereinschaltung Englands in die deutsch-französlschen Beziehungen von Lord D'Abernon erdacht war, so ausschließlich i n französischem Interesse auszunutzen, daß aus Grund dieser Politik heute in allen europäischen Angelegenheiten Frankreich und nicht England Trumps ist. Das geht fast so weit, daß man von einer politisch-moralischen Hegemonie der französischen Diplomatie in Europa sprechen kann, der allein Italien und — in wenigen Fällen — auch Deutschland sich nicht beugen, während England, durch seine Freundschaft an Frankreich gefesselt, trotz der häufigen Zusammenkünste Chamberlains mit Briand nur selten die Gelegenheit fand, sich von Frankreich zu separieren und eine selbständige Politik zu treiben. Der Kern dieser Situation lag dabei groteskerweise gerade in dem Verhältnis Chamberlains zu Briand. Denn ebenso wie in den Augen des nationalen Frankreich die guten Beziehungen Driands zum deutschen Außenminister Dr. Stresemann als „belastend" galten, waren auch umgekehrt die guten Beziehungen des englischen Außenministers
Das Meer brenni.
Von Robert Neumann.
Ich bin nicht selber dabeiaewesen: Kapitän Coercamp von der „Katendrecht" hat mir diese Geschichte erzählt, als wir mit sechstausendsünf- hundert Tonnen Benzin gegen Rorden fuhren, die portugiesische Küste entlang auf Kap Finis- terre zu. Er sagte:
Hier geht es steuerbords nach Santander, San Sebastian, Bayonne, Biarritz. Bor ein paar Jahren fuhr ich wie heute von Datum mit Benzin hier herauf — auf einem anderen Schiff und sür eine andere Reederei: Rainen tun nichts zur Sache. Ich hatte fünftausend Tonnen in meinen Tanks, davon sollten zweitausend nach Santander, dreitausend waren für London. Ich biege eben nach der Reede von Santander ab. da bringt mir der Marconist die Depesche, daß die zweitausend nicht in Santander zu löschen sind, sondern vier Stunden weiter östlich, in Passagas, einem kleinen Ha en hinter San Sebastian. Ich finde eine schmale Fahrtrinne vor, die in ein natürliches Becken führt, eng, zwischen Bergen, und in das mündet ganz hinten in einem Winkel ein kleiner Fluß. An dem einzigen hölzernen Pier lag ein Rorweger und löschte Ballen gepreßtes Papier oder Zellulose, wie man sie von dort oben bringt. Zwischen diesem Rorweger und der Mündung des Flusses ging ich vor Anker, legte Trossen an Land, und die Pumpleitung führten wir über zwei kleine Leichter an das steinige 11 "er zu einem Pumphaus. Don dort ging sie weiter etwa hundert Meier flußaufwärts und dann quer unter dem Flußbett nach der anderen Seite hin, wo ein paar große Benzintanks gebaut waren.
Wir beginnen also zu pumpen, das Oel fließt glatt ab, aber wie nach unseren Apparaten tausendzweihundert Tonnen gelöscht find, kommt ein Mann von den Tanks und sagt, sie hätten dort nur achthundertdreihig Ton en im Eingang. Dreihundertsiebzig Tonnen wa.en verschwunden. Spurlos verschwunden. Unsere Leitung an Land und zum Pumphaus war dicht: so mußte also ein Loch in der Erdleitung sein, die von dort nach den Tanks führt. Ich stelle die Pumpe ab und erkläre, nicht weiter zu löschen, bis man den Fehler gefunden hat. Dann kommt der Hafen-
Chamberlain zu Briand für Poincarö ein Anlaß. den englischen Einfluß nicht zu stark werden zu lassen. Wenn daher Chamberlain in Besprechungen mit Briand bestimmte englische Wünsche gesichert zu haben glaubte, stellte es sich immer wieder heraus, daß P o i n c a r 6 diese Zusagen nur zur Geltung kommen ließ, wenn er dies im französischen Interesse für absolut erforderlich hielt!
Das war natürlich eine Situation, die den britischen Botschafter in Paris vor eine unmögliche Aufgabe stellte, do er der ganzen Sachlage nach zu einer strikten Reutralität zwischen dem sranzösi chen Außenminister und dem französischen Ministerprä identen gezwungen und damit persönlich so gut wie ausgeschal- t e t war. obgleich seine Sympathien zweifellos stärker aus der Seite Poincares standen. Die Ernennung Tyrrells an seiner Stelle ist denn auch in der Tat dazu bestimmt, diese Situation abzuändern. Tyrrell ist eben nicht wie Crewe „neutral", sondern ein ausgesprochener Freund Poincare s, dem Frankreich u. a. die feierliche Erneuerung der englisch-französi chen Entente im Frühjahr des vorigen Iayres zu verdanken hat, die bekanntlich von Chamberlain wie von Briand nicht immer eindeutig begrüßt worden ist!
Daß England den glühendsten Berteidiger der Entente zu Poincare schickt, ist daher mehr als symptomatisch für die Auffassung, die man in London von der Lage in Europa hat. Man hält eben Poincare für den „M a n n, der wiederkomm t", und hofft, wenn erst die Derhandlungen über die Dawesrevision in Gang kommen, für die besondere Freundlichkeit, die darin liegt, daß England dies Herrn Poincare bereits vor den Wahlen durch die Entsendung seines Freundes Tyrrell zu verstehen gibt, von vornherein eine Atmosphäre zu schaffen, in der die englisch-französische Zusammenarbeit gegenüber Amerika zum Mindesten persönlich nicht belastet ist. Was immerhin als Tatsache von weltpolitischer Bedeutung angesehen werden muß, da ja schließlich die Entscheidung über die Aktionspläne in der Frage der Reparationsverhandlungen. soweit die ehemaligen Alliierten in Frage stehen, nicht bei England, sondern bei Poincare liegt. Die Aufgabe Tyrrells in Paris dürste damit zweifellos ziemlich klar umrissen sein. Sie kann der ganzen Sachlage nach nur darin bestehen, den englisch-französischen Standpunkt in der Reparationsfrage auf einen gemeinsamen Renner zu bringen.
Auch die Berufung des bisherigen Berliner Botschafters Lindsay nach London an die Stelle Tyrrells und seine voraussichtliche Ersetzung durch einen besonderen Kenner Amerikas dürfte unter diesem Gesichtswinkel verständlich erscheinen, da sie jedenfalls nicht, wie man vielleicht annehmen könnte, als besondere Freundlichkeit für Deutschland gedacht ist. Lindsay ist in Berlin durch seine außerordentliche Zurückhaltung aufgefallen. Man kann von ihm zwar nicht sagen, daß er sich irgendwie unbeliebt gemacht hätte (soweit seine Persönlichkeit in Frage kommt, ist das Gegenteil der Fall!), aber man kann auch nicht behaupten, daß er eine übertrieben aktive prodeutsche Politik getrieben hätte. Daß er dies in London als Unterstaatsselretär tun wird, ist daher gleichfalls nicht zu erwarten. Gehört doch Lindsay durchaus zu den Leuten aus dem Freundeskreise Tyrrells, die man als gemäßigte Cntentefreunde ansprechen könnte, die aber nicht ganz so weit französisch gesinnt sind, wie das zweifellos bei Tyrrell selber der Fall ist. Dagegen scheint es sicher zu sein, daß man in London an führender Stelle jemanden zu sehen wünscht, der die Derhältnisse in Deutschland aus eigener Anschauung kennt, der also gerade mit Bezug auf die innerpolitische Lage in Deutschland, die deutsche Wirtschaft, das deutsche Derhältnis zu Rußland usw. als besonders sachverständig zu gelten hat. Insofern ist die Ernennung Lindsays zum Unterstaatssekretär natürlich zu begrüßen, da sie zweifellos einer gewissen antideutschen Strömung im Foreign Office die Möglichkeit nimmt, bei den kommenden Reparations
kapitän zu mir und fragt mich, ob ich nicht mit ihm nach San Sebastian will, mit der Straßenbahn eine halbe Stunde: der König von Spanien sei eben dort. Ich gehe mit ihm, übergebe das Schiff dem ersten Offizier: an Weiterarbeit war vor dem anderen Morgen nicht mehr zu denken.
Den König sah ich nicht: aber San Sebastian ist sehr schön. Wir aßen im Kasino, saßen dann noch lange im Strandpavillon unter Menschen. Als wir heimkamen war es sieben Uhr, im März säst schon dunkel. Ich gehe an Deck — es riecht nach Benzin. Sie wissen, daß es auf einem Benzinschisf nicht nach Benzin riechen darf. Der kleinste Funke genügt — und man geht in die Lust. Am Mississippi kam vor zwei Jahren auf einen holländischen Petro enmdainpser der Zollkontrolleur. Er hatte neue Rägel in den Sohlen, und die schlugen Funken am Eisenblech, als et ein Tankventil prüfte. Dreiundzwanzig Manschen verbrannten. Ich gehe also an Deck, unö es riecht nach Benzin. Wit untersuchen die Verschlüsse der Kammern. Alles ist dicht. Manometer, Dentile, Leitungen — alles in Ordnung. Trotzdem läßt mich etwas nicht in Ruhe: ich lasse die Kessel unter Dampf sehen und alle Luken schließen. Warum? Ich weiß es nicht. Wir gehen nach hinten zum Maschinenmeister in die Kajüte, und ich erzähle von San Sebastian.
Um zehn Uhr kommt ein Matrose, reißt die Tür auf, schreit: „Kapitän, das Meer brenn tl" Wir stürzen auf Deck.
Am Hafeneingang, drüben, neben der Fahrtrinne. stehen zwanzig, dreißig, vierzig blaue, blaffende Flammen über dem Wasser. Schießen hoch, vergucken. Jagen dahin, dorthin. Werden breit. Rennen näher. Rennen, Hände mit Fingern. Erreichen den Rorweger. Zischen hoch um den Bug. Lecken mit kleinen Krallen die Wanten entlang. Dort Geschrei. Die Rorweger- matrosen springen hintereinander hinaus auf den Pier und laufen. Lausen und deuten nach meinem Schiff her. Und ich habe dreitausendachthundert Tonnen Benzin in den Kammern, und sehe, wie das blaue Feuer blafft und herübergreifll Ich schreie „An Land! Alle Mann an Land!" Da springen sie auch schon — wir hatten keinen Steg ausgelegt — da springen sie dwars auf den niederen Leichter hinunter und auf die Steine hinaus und Rettern und laufen. Wie sie
Verhandlungen mit unsachlichen Argumenten nach dem Muster Augurs krebsen zu gehen, die bekanntlich auf Darstellungen ba.icren, die längst als überholt und der wirklichen Sachlage nicht als ent prechend zu bezeichnen sind.
Damit ist, wenn man die Situation überdenkt, die takti'che Bedeutung des britischen Revire- rnents ziemlich klar ersichtlich: England ist nach wie vor nicht gewillt, eine enge Zusammenarbeit mit Deut chland zur Richtschnur seiner europäischen Politik zu machen: im Gegenteil, es wünscht die Beziehungen zu Frankreich stärker zu pflegen, weil es „der An ich t ist, daß nur auf die em Wege die großen Probleme der internationalen Politik zu ihrer Lösung getrieben werden kinnen". Mit anderen Worten. Deut.chland ist ihm dabei nur Mittel zum Zweck, um ieine eigenen Ziele zu fördern, wie man auch in England der Ansicht ist, daß die Duldung der deut ch°sranzösischen Verständi- gungspolitik Briands durch Poincare nur unter die em Gesichtswinkel verstanden werden kann. Ja, das gilt auch für die bevorstehenden Reparationsverhandlungen. Genau so, wie einst nach dem Ruhrkampf es für England daraus ankam. im Intere se des englischen Absatzes Deutschland Lust zu schassen, kommt es England heute daraus an, öie deutsche Wirtschaft durch eine möglichst hoch bleibende jährliche Deparationsverpflichtung zu drosseln, um die unbequeme deutsche Konkurrenz nicht zu groß werden zu lajen. Daß man sich ausgerechnet mit Poincar 6 , der im Interesse der französischen Währung möglichst große deut,che Reparationszahlungen zu erhalten wünscht (um damit die Amerikaner zufrieden- zustellen!), besonders gut zu stellen wünscht, ist daher ebenso charakteristisch für die Entwicklung der englischen Politik, wie die Tatsache, daß man in London eine Persönlichkeit nach Berlin zu schicken beabsichtigt, die infolge ihrer persönlichen Kenntnisse dem amerikanischen Einfluß in der Wilhelmstraße ein Paroli bietet!
parlamentarisches ans Hessen.
Die Deutsche Dolkspartei hat im Landtag folgenden Antrag eingebracht: Die Regierung zu ersuchen, baldmöglichst ein Gesetz vorzulegen, durch das die Verteilung der persönlichen Kosten der Höheren Schulen geregelt wird. Es ist unbestritten, daß das die Kostenverteilung regelnde Gesetz vom 21. März 1914 abänderungsbedürftig ist. Auch die Regierung hat dies anerkannt und im Finanzausschuß eine Reuregelung in Aussicht gestellt. Geschehen ist bisher noch nichts, anscheinend weil man sich nicht einigen konnte. Da alle Kostenträger ein erhebliches Interesse haben, zu wissen, wie man sich die Kostenverteilung denkt, muß die Regierung aus ihrer Zurückhaltung hervortreten und geeignete Dorschläge machen.
Die demokratische Fraktion beantragt, der Landtag wolle beschließen: 1. Den durch das Unwetter im Jahre 1927 geschädigten 39 Gemeinden des oberen Vogelsberges wird von der Regierung das zum Anbau für das Jahr 1928 erforderliche Saatgut bis zum Betrage von 130000 Mk. zur Verteilung an die bedürftigen Landwirte bis zu einem Besitze von 50 Morgen unter Aufsicht des Staates zur Verfügung gestellt. 2. Die Regierung wird ersucht, baldigst zu prüfen, ob nicht im Wege der staatlichen Unwetterversicherung für die Zukunft ein Selbstschutz der Landwirte gegen Unwetterschäden geschaffen werden kann.
Die sozialdemokratische Landtagsfraktion beantragt, der Landtag wolle beschließen: 1. Die Regierung möge dem Landtag raschestens ein Wohnungsbauprogramm vorlegen, das die staatliche Förderung des Wohnungsneubaues mindestens in dem gleich n Umfang wie im Rj. 1927 für 1928 sicherstellt und das ferner aus Grund eines für mehrere Jahre berechneten Bauprogramms hie endliche Bewältigung der Wohnungsnot in Hessen ermöglicht. Das Erträgnis der Sonder st euer vom bebauten Grundbesitz ist dabei in größtmöglichem Umfang
drüben sind, gehe auch ich. Jeden Augenblick kann das Schiff in die Luft gehen — das Schiff, die Hasenanlagen, der Berg Kohlen am Kai, die großen Tanks hinterm Fluß. Drüben rennen sie schon, Hafenarbeiter, Weiber, Kinder. Rennen mit Geschrei und fieltern in die Hügel hinauf. Von den Felsen her breit einer der Offiziere mich an durch die hohle Hand: „Kapitän, geh vom Schiff! Die Flammen sind um das Heck!"
Ich springe also hinunter auf den ersten Leichter — drei Meter tief — und wende mich. Das Schiff liegt da, Flammen ums Heck.. Und am Heck fünf Menschen. Fünf Matrosen, alte Leute, zu alt zum Sprung, die auf Heck stehen und daraus warten, mit dem Schiff in die Luft zu gehen. Ich: „Herüber!" Sie wollen nicht. Drunten schieben sich die Flammen backbords und steuerbords gegen den Bug vor. Da rennt einer über Deck, wirft im Lausen die Jacke ab, rennt bis zum Bug und springt, wo das Wasser noch frei ist. Er schwimmt. Die blauen Flammen laufen ihm nach. Er biegt aus, quer über den Hafen, nach der anderen Seite hin. Die blauen Flammen laufen ihm nach, erreichen ihn. Er brüllt auf, ist verschwunden.
Inzwischen haben die kleinen Leichter zu brennen begonnen. Ich springe auf die Steine hinaus. Zwischen Land unö Schiff liegt die blaue Flammenwand. Und die vier alten Leute am Heck. Ich: „Herüber!" Da waren die Trossen, zwei Drahtseile, an denen das Schiff von Land her vertäut lag. Diese Trossen griffen sie alle vier und turnten durch die Luft nach dem Ufer. Sie kamen nicht bis ans Land, lieber den Flammen waren die Seile zu heiß. Reben den Steinen fielen sie alle vier in das brennende Wasser. Aber sie schleppten sich auf den Sand wie Fackeln und wälzten sich, bis das Feuer erstickt war. Dann rannten sie. Es ist ihnen nicht viel geschehen.
Weiter? Ich blieb am Ufer, als einziger neben dem Schiff. Die blauen Flammen schlm gen am Bug hoch, leckten am Heck hinaus, bis über die geschlossenen Luken der Mannscha'ts- kajüten und nach den beiden Rettungsbooten am Kran. Das Schiss brannte nicht. Das Schiff sing nicht Feuer. Das Schiff ging nicht in die Luft.
Der Bürgermeister kam. in goldstro enter Uniform: ich sollte das Schiff aus dem Hafen brin-
zur Finanzierung des Wohnungsneubaues heranzuziehen.
2. Für den Fall, daß die für den Wohnungsneubau erforderlichen Kapitalien auf dem In- landsmarlt nicht zu angemessenen Bedingungen zu erreichen sind, soll die Regierung ermächtigt sein, einen entsprechenden Auslandskredit aufzunehmen.
3. Solange sich auf dem Wohnungsmarkt Angebote und Rachsrage nicht ausgleichen, wolle die Hessische Regierung bei den Reichsbehörden und im Reichsrat gegen jede weitere Erhöhung der Mi et en Stellung nehmen.
4. Die Regierung wolle sich für unbedingte Aufrechterhaltung des Mieterschutzes einsctzen.
5. Bei reichsgesehlicher Freigabe gewerblicher Räume ist dafür zu sorgen, daß die kleinen Geschäftsleute vor übersteigerten Mieten bewahrt bleiben, da sie sonst dem Ruin ausgesetzt würden.
Das Zentrum hat folgenden Antrag cingebracht: In Hessen hält die wirtschaftliche Entwicklung -nicht gleichen Schritt mit dem wirtschaftlichen Aufstieg im übrigen Deutschland. Beweis dafür sind u. a. die hohen, weit über dem Reichs- durch schnitt stehenden Arbeitslosenziffern unseres Landes. Rur ein wirtschaftlich gesundes und aufstrebendes Land kann seine sozialen und kulturellen Aufgaben erfüllen, ohne übermäßige Steuerbelastung seiner Bevölkerung, nur ein wirtschaftlich' blühendes Land wird bei der Reu- ordnung der Verhältnisse im Reich in der Lage sein, entscheidend mllzubestimmen. Wir beantragen daher: Der Landtag möge einen wirtschaftspolitischen Ausschuß einsehen, der geeignete Vorschläge zur Förderung der wirtschaftlichen Verhältnisse in Hessen machen soll. Der Ausschuß soll das Recht haben, Sach' verständige aus den Kreisen der Regierung und der Wirtschaft zuzuziehen.
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Der Hessische Landbund hat im Landtag folgende Anträge eingebracht: Die Regierung wird ersucht, mit Rücksicht auf die große Rotlage der he,s. Landwirtschaft die Finanzämter anzu- weisen, Anträgen auf Stundung von Landessteuern zu entsprechen, wenn die Bezahlung der Steuern ans eigenen Mitteln nicht möglich ist. — Die Regierung wird weiter ersucht, gestundete Landessteuern in allen den Fällen n i e d e r z u s ch l a g c n, wo äu erkennen ist, daß Einkommen aus dem Betrieb nicht vorhanden sein kann und wo die Leistung der Steuer nur durch die Aufnahme neuer Schulden möglich wäre. — Die Regierung wird beauftragt, auf die Reichsregierung einzuwirken, daß das Reich den Rentenbankzins als steuerliche Vorbelastung d r Landwirtschaft auf die Reichskasse übernimmt.
Nie süddeutschen wissenschaftlichen Assistent n un t> Nc neue »tarnten) efolbunß
Man schreibt uns: Angesichts der bevorstehenden Landtagsverhandlungen über die Reuregelung der Deamtenbesoldung in den süddeutschen Ländern fand am 19. Februar 1928 in Stuttgart eine Besprechung der Vorsitzenden der süddeutschen Landesverbände im Deutschen Akademischen Assistentenverband statt. Aus dem Bericht des Verbandssyndikus ergab sich, daß in den großen norddeutschen Ländern nach den neuen De- soldungsgesehen die Besoldung der wissenschaftlichen Assistenten nach wie vor durch Gesetz unter Einstufung in die Rormalgruppe der höheren Beamten mit der Möglichkeit weiteren Aus- steigens in dieser Gruppe geregelt ist. Auch in Bayern ist eine Regelung der Assistentenbesoldung durch das neue bayerische Beamtenbesol- dungsgesetz zu erwarten. Mit Recht erwarten daher die Assistenten auch der übrigen süddeutschen Hochschulländer von ihren Regierungen und Parlamenten, daß bei der bevorstehenden Deamtenbefoldungsneuregelung auch die Bezüge der für den Unterricht, die Forschung und die Verwaltung an den Hochschulen unentbehrlichen wissenschaftlichen Assistenten durch Gesetz in entsprechender Höhe festgesetzt werden und daß La
gen. Wie? Mit wem? Das ganze Hafenbecken war eine Flamme. Hinten links in einem Winkel brannten fünf oder sechs kleine Fischrurter. Reben dem Rorweger brannte der Pier mit der Zellulose — weißgelbe Stichflammen. Feuerwe'-r kam, die Feuerwehren von San Sebastian, und spritzten sinnlos ins Wasser.
Um zwei Uhr morgens huschten die lebten blauen Flammenhände über das Mecr. Um drei Uhr tarnen meine Matrosen wieder, einer und noch einer. Wir gingen an Bord. Die Lackfarbe an den Wanten war ein wenig verbrannt. Sonst war alles in Ordnung. Die drei^ tausendachthundert Tonnen Benzin lagen glatt in den Kammern. Eine Brandwache stellte ich aus. Dann warfen wir uns in die Kojen und schliefen wie Tote.
Andern Vormittags brachten sie mir den Mann, der ins Meer gesprungen war. Er hatte sich trotz der Flammen über den Hafen gerettet, verbrannt, ohne Haut, ohne Fleisch, eine halbe Stunde im Salzwasser. Er lag vier Monate im Spital.
Dann kamen der Kapitän des Rorwr-ers und die Fischer von den Barken zu mir. Sie wollten, daß ich bezahle. Wir nahmen ein Protokoll aus. Cs ergab sich, daß die Pumpleitung undicht war, dort wo die Spanier sie unter dem Flusse durchgeführt hartem Das Benzin war in den Fluß gegangen und öie Flut hatte es flußaufwärts gedrückt. Mit der Ebbe kam es dann abends in den Hafen herunter. Gegen zehn Uhr hatte ein Fährmann ein paar Land- leute über den Hafenausgang gerudert. 'Auf der Rückfahrt wollte er Geld zählen, eine Peseta fiel ihm ins Boot unö er suchte s e mit einem Streichholz. Das warf er dann ins Was er. unö so brannte das Meer. Er ret e:e sich schwimmend, seltsamerweise ohne jede Verletzung. Sern Doot ging in Flammen auf.
Schaden — ich harte keinen Schaden bis auf öen verbrannten Lackanstrich außenbords. Der Rorweger war halb ausgebrannt und mußte auf Dock geschleppt werden nach Sanlan er. Zweieinhalb Millionen Peseten zahlte die Assekuranz- gesellschaft. Mein Schiff wollten s e nicht fort- lassen, obwohl ich keinerlei Schuld hatte.
Aber ich fragte nicht. Ich zog meine Anker auf, nachts, und ging ab. Ich bin nicht wieder nach Passagas gekommen.


