fparnisse müßten «zielt werten durch 6ie Neuregelung des Derhältnisfes zwischen dem Reich unb den Ländern. Einheitlichkeit in Verwaltung und Gesetzgebung müsse herrschen. Das Kabinett Adelung wolle das wirtschaftliche und aeographische He.sen erhalten, um es später als Ganzes beim Einheitsstaat einzubringen und als Gleichberechtigte am Derhandlrmgstisch das für Hessen Möglich« herauszuholen. Der Redner bezeichnete dann das Festhalten an der Weimarer 'Verfassung als Voraussetzung für die Erreichung unserer außenpolitischen Ziele: er bekannte sich zu einer friedlichen und würdigen Außenpolitik. Minister Korell gedachte dann der Gründung der demokratischen Partei vor zehn Jahren und erinnerte dabei an ihre rege und erfolgreiche Mitarbeit bei der Schaffung der Grundlagen für den neuen Staat. Mit herzlichen Wünschen für den weiteren Aufstieg unseres Volkes im neuen Staate schloß der Redner seine mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Ausführungen.
Rektor Loos, ter Vorsitzende der Gießener Ortsgruppe ter Demokratischen Partei, betonte noch einmal die treue Hingabe ter Männer des neuen Staates für das Volk, die die Hände rein behalten hätten und die Retter des Vaterlandes gewesen seien. Worte warmen Gedenkens widmete der Redner noch dem Minister Henrich, zu dessen Ehren sich die Versammlung von den Plätzen erhob.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Gießen, den 22. November 1928.
Oberhessischer (Seschichisverein.
Der erste Vortrag dieses Winters fand am Donnerstag statt. Als Redner war der kürzlich vom Verein zum Ehrenmitglied ernannte Professor Dr. Röschen (Laubach) gewonnen worden, der die Ergebnisse seiner neuesten Forschungen über das Treffen vom 21. Mürz 17 61 bet Gründers und Laubach oortrug. Vor 39 Jahren — am 16. Oktober 1889 — hatte Prof. Röschen dasselbe Thema schon einmal in einem Vortrag des Oberhessischen Geschichtsoereins behandelt. (Sgl. Mitteilungen R. F. 3, 133.) Er verwertete damals die Werke von Tempethoff, Renouard, Westphalen, die Darstellung der „Offiziere des preuß. Generalstabs" und Waddington, sowie das Kartenmaterial des Großen Generalstabes in Berlin und die Ergebnisse der eigenen Forschung in den Staatsarchiven Marburg und Darmstadt, der Landesbibliothek Kassel und dem reichsgräflichen Archiv zu Laubach. 1910 hat er im Anhang seines Handbuches über Vogelsberg und Wetterau eine Darstellung des Treffens, wobei auch feine Forschungen im Londoner Staatsarchiv, dem „Record Office" verwertet wurden. Am Donnerstag bot er in seinem Vortrag hierzu wesentliche Ergänzungen aus dem Archiv des französischen Generalstabes zu Paris, wodurch neues Licht über jene Kampfhandlungen auf oberhessischem Boden, insbesondere über die damaligen, bisher nicht bekannten Stärkeoerhältnisse des französischen Heeres verbreitet wurde. Der Vortragende hielt sich für verpflichtet, auch hier gebührenden Dank für die französische Liebenswürdigkeit zu sagen. Es sei hierbei auch erwähnt, daß der Redner 1894 und 1901 wertvollen Stoff in der „BibliothLque Rationale" in Paris zusammengetragen hatte, wo die Berichte der Generäle d'Etrees, Droglie und Soubise aufbewahrt werden. Das groß angelegte Werk „Die Strieae Friedrichs des Großen , das der deutsche Große Generalstab von 1901 herauszugeben begann, kommt für das Laubacher Treffen nicht in Betracht, da es nur bis zur Schlacht bei Torgau, 3. November 1760, durchgeführt ist und eine Weiter- bearbeitung für absehbare Zeit nicht erfolgen kann, da der Große Generalstab 1918/19 aufgelöst werden mußte.
Die Ereignisse auf dem westlichen Schauplatz des Siebenjährigen Krieges, wo die mit Friedrich dem Großen verbündeten englisch-hannöverschen Truppen unter dem Herzog Ferdinand von Braunschweig, einem genialen Feldherrn, gegen die Franzosen kämpften, wurden nur berührt, soweit es zum Verständnis der Kampfhandlungen am 21. März 1761 nötig erschien. Im Februar überfiel der Herzog die Franzosen in ihren Winterlagern bei Langensalza, Marburg und Fritzlar. Der französische General Herzog Broglie wurde zum Rückzug nach dem Main genötigt, hinterließ aber starke Besatzungen in den kurhessischen Festungen Kassel und Ziegenhain, die
nun von den verbündeten Truppen belagert wurden. Mitte März ergriff Herzog Broglie wieder die Offensive, und es kam am 21. März — Samstag vor Ostern — zum Treffen bei Grünberg und Laubach, wobei der Neffe des Dberfttommanöieren- den, der Erbprinz Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig, den Napoleon 1806 bei Jena ver- nichtend schlug, eine sehr empfindliche Schlappe erhielt. Der Gefechtsplan war vom Herzog Broglie geschickt entworfen und wurde von den umsichtigen Generalen Stainoille und Closen tatkräftig durchge- führt. Dem Erbprinzen dagegen kann bei aller persönlichen Tapferkeit der Vorwurf der Unbedacht- samkeit nicht erspart bleiben. Er wurde, eines Kampfes nicht gewärtig, gegen 2 Uhr nachmittags Nordöstlich von Atzenhain durch die von Gießen vorrückenden Franzosen in umfassendem Angriff um- ringt und zum fluchtartigen Rückzug nach Burg- Gemünden gezwungen. Er verlor beinahe die Hälfte seiner Truppen, 1500 bis 2000 Mann, an Toten, Verwundeten und Gefangenen, außerdem 11 Kanonen und 19 Fahnen und 36 Offiziere befanden sich unter den Gefangenen. Es gelang dem General Luckner, einem Ahnen des während des Wellkrieges als Kommandant des „Seeadler" berühmt gewordenen Grafen Luckner, die völlige Niederlage abzu- wenden. Nach dem Plan der Franzosen sollte Luck- ner bei Laubach durch den General Diesbach von dem Erbprinzen abgedrängt werden, um diesen desto sicherer schlagen zu können. Luckner vermochte es jedoch, die Gegner abzuschütteln und die Trümmer des erbprinzlichen Korps bei Nieder-Ohmen zu retten. Die früher schon von dem Redner ausgesprochene Vermutung, daß General Diesbach bei Laubach nicht genug Reiterei zur Verfügung Halle, um eine wirksame Verfolgung durchzuführen, bestätigt sich nach den neuesten Forschungen. Diesbach hatte vornehmlich schwere Reiterei, Luckner dagegen 15 Schwadronen Husaren — der Erbprinz selber verfügte nur über 8 Dragoner-Schwadronen. Der Rückzug der verbündeten Truppen unter dem Herzog von Braunschweig hinter die Diemel und die Aufhebung der Belaaerung von Kassel und Ziegenhain waren die Folge der Schlappe bei Laubach und Grünberg.
Prof. Röschen erläuterte seinen Vortrag durch eine von ihm entworfene schematische Karte, worauf die Richtungen des Angriffs und Rückzugs bärge- stellt waren. Durch eine Anzahl Lichtbilder, die er selber in Paris erworben hat, wurde der Vortrag in anschaulicher Weise ergänzt: es wurden Bilder deutscher Generäle, des Reden-Denkmals in Grünberg, Laubachs und von verschiedenen Uniformen gezeigt.
Prof. Dr. Seite, der zuvor schon den Redner in Vertretung des Sorsitzenden mit herzlichen Worten begrüßt hatte, dankte ihm warm für feine interessanten und lehrreichen Ausführungen und den Zuhörern, die mit ihrem Beifall nicht zurückgehallen hatten, für das bekundete Interesse.
Fürsorge für ältere Angestellte.
Das Reichsarbeitsministerium hat im März d. I. Wittel zur Verfügung gestellt, aus denen arbeitslosen, über 40 Jahre alten Angestellten Darlehen gegeben werten können, die es ihnen erleichtern sollen, sich wirtschaftlich selbständig zu machen. Es war selbstverstärchlich, daß auch diese Maßnahme bas Problem, in welcher Weise die älteren, arbeitslosen Angestellten wieder einer volkswirtschaftlich wertvollen Tätigkeit zugeführt werden können, nicht endgültig lösen konnte, sondern nur einem kleinen Tei c der betroffenen Derufsangehöri- gen Hilfe bringen würde. Jmmerchin hat sich die Maßnahme bewährt. Hm ihre Auswirkung zu verstärken, hat der Reichsarbeitsminister daher weitere erhebliche Mittel bereitge- stellt. Die Maßnahme wird auch weiterhin von ter Kreditgemeinschaft Gemeinnütziger Selbsthilfeorganisationen in Berlin im Zusammenwirken mit der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung durchgeführt. Anträge sind, wie bisher, bei den Landesstellen der Kredit gemeinschast (Landeswohlfahrts- Lnller) einzureichen.
Gießener Wochenmarktpreise.
Cs kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Käse 10 Stück 60 bis 1,40; Butter Pfund 2,10 bis 2,20; Matte 30 bis 35; Wirsing 12 bis 20; Weißkraut 8 bis 15; Rotkraut 15 bis 25; gelbe Rüben 10 bis 20; rote Ruben 10 bis 20; Spinat 25 bis 40; älnter-Kohlrabi 8 bis 10; Grünkohl 15 bis 25; Rosenkohl 40 bis 60; Feldsalat 1,00
bis 1,20; Tomaten 30 bis 40; Zwiebeln 12 bis 20; Meerrettich 50 bis 1,50; Schwarzwurzeln 40 bis 60; Kartoffeln 5; Aepfel 20 bis 40; Birnen 10 bis 30; Dörrobst 35 bis 40; Hagebutten 10 bis 15; Honig 40 bis 50; junge Hähne 1,00 bis 1,10; Suppenhühner 1,00 bis 1,20; Gänse 90 bis 1,20; Nüsse 60 bis 80; Eier Stück 17 bis 18; Blumenkohl 60 bis 1,20; Salat 10 bis 20; Endivien 10 bis 20; Lauch 10 bis 15; Rettich 10 bis 20; Sellerie 10 bis 50; Wirsing Zentner 10 bis 12 Mk.: Weißkraut 6 bis 7; Rotkraur 12 bis 15; Aepfel 20 bis 35; Birnen 10 bis 20; Kartoffeln 4,30 bis 4,60.
Bornotizen.
— Tageskalender für Donnerstag: Gießener Konzert-Verein: Symphonie-Konzert, im Stadttheater, 19.15 Uhr. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Rothausgasie". — Astoria-Licht- spiele: „Ohne Gesetz und Recht".
— Stadttheater Gießen. Aus dem Stabt* tßeaterbureau wird uns geschrieben: Morgen, Freitag, 19.30 Uhr, findet die Erstaufführung von Alfred Neumanns Schauspiel „Der Patriot statt. Die Spielleitung hat Waller Ebert-Grass ow, der gleichzeitig die Titelrolle des Patrioten, Graf Pohlen, spielt. Den von Despotenwahnsinn besessenen Zaren spiell Edelbert G a r e i s , Maria Koch die weibliche Hauptrolle, Gräfin Anna Dftermann. Das russische Milieu wird in stilisierter Form angedeutet, die neuen Kostüme sind in den Werkstätten des Stabttheaters angefertigt Die Bühnenbilder sind von Karl Löffler entworfen und ausgeführt. Es wirken in der Aufführung ferner mit die Herren: Bastö, de Castro, Gehre, Haeser, Knur, Linkmann, Ritter, Schubert, Seitz, Dolck, Wesener.
— Vorn Konzert-Verecn wird uns tze- schrreben: Das am heutigen Donnerstagabend im Stadttheater stattfrndente O rchester- Konzert brrngt außer Mozarts O-Moll Shmphomen, und der Drethovenschen Achten auch das Haydnsche Cello-Konzert. 3n ihm betätigt sich als Solist ein Großmeister seiner Kunst: Max Orobio de Castro. Der in Gießen zum ersten Male erscheinende Künstler ist trotz seines spanischen Nomens ein Holländer, ter „Große Niederländische Cellist", wie ihn seine Landsleute nennen. Sein Ruhm beschränkt sich indessen nicht bloß auf sein Vaterland, sondern er ist auch als genialer Vertreter seiner Kunst durch sein meisterliches Spiel und seinen außerordentlich schönen Ton weit bekannt und berühmt, und hat sich auf zahlreichen Gastspielen in den Rheinlanden, in Belgien, Frankreich usw. unbestrittene Anerkennung und reiche Erfolge erspielt. Da sich seit langer Zeit keine Gelegenheit — obwohl fie öfter begehrt wurde — geboten hat, ein Cello-Konzert mit Orchester zu hören, dürfte mit dem Vortrage des Hahdnschen berühmten Werkes vielen Wünschen enffprochen werden.
— Männer- und Frauenvereini- gung der Ma t thäusgeme inde. Morgen, Freitag, abends 8 ilßr, veranstaltet die Männerund Aauenvereinigung der Matthäusgemeinte einen Gemeindeabrnd im Matthäussaal. Alni- versitätsgarteninspektor Rehnel t, ter schon mehrmals zwecks botanischer Studien Italien bereiste, wird einen Lichtbildervortrag über das „schöne Italien" halten. Wer seine früheren Vorträge mit wuntervollen, meist farbigen Lichtbildern gehört hat, weiß, daß dieser Gemeinte» abend über das schöne 3falten etwas ganz Besonderes bringen wird. (Siehe Anzeigei)
— D ie Vortrags-Vereinigung hat für ihren dritten Vortragsabend den durch seine Weltreisen und Afrikaforschungen, wie auch durch seine zahlreichen Bucher und Reisebeschreibungen bekannten Schriftsteller Dr. Colin Roß zu einem Lichtbildervortrag über „Das Interessan- tefte von meinen Weltreisen" eingeladen. Dr. Colin Roß bringt die interessantesten Erlebnisse aus seinen zahlreichen Reisen und Eindrücken aus aller Welt, die er am schönsten und bemerkenswertesten fand, um sie in Bild und Wort festzuhalten und persönlich zu schildern. Der Vortrag wird sicherlich allseits stärkstes Sirter» esse finden. (Siehe heutige Anzeige.)
** Ein Derkehrstag erster Ordnung war für unsere Stadt wiederum der gestrige preuß.sche Buß» und Bettag. Mit der Eisenbahn, mit Kraftomnibussen, Personenwagen und Fahrrädern, aber auch zu Fuß tarn der preußische Besuch wieder nach dem hessischen Gießen, um
Sudermann f.
Hermann Sudermann ist, wie aus Berlin gemeldet wird, dort gestern nachmittag im Franzis- kus-Krankenhause gestorben. Der Dichter hatte, rote erinnerlich, vor sieben Wochen einen Schlaganfall mit Darmlähmung erlitten: in den letzten Tagen ist bann eine Lungenentzündung hinzugetreten. Er war seit 24 Stunden bewußtlos; um 17.15 Uhr ist er gestorben, lieber die Beisetzung ist noch nidjts bekannt roorben.
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Nun ist es also boch Wahrheit geworden, was man seit jener ersten, beunruhigenden Meldung befürchten mußte, und die Optimisten, die bessere Nach- richten zu haben glaubten und auf die kräftige Natur des Siebzigjährigen vertrauten, haben leider nicht recht behalten. Sudermann ist tot, und das ganze geistige Deutschland, alte und junge Generation, wird ihm, sofern sie nur einen Funken von Gerechtigkeit besitzt, die letzte Ehre so erweisen, wie es ihm gebührt. Es gibt immer noch manche, die diesem Manne viel abzubitten haben.
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Vor uns auf dem Schreibtisch liegt das letzte, noch unbesprochene Werk, vor wenigen Wochen erst erschienen, in zwei Tagen mit Freude und stiller Bewunderung gelesen: „Purzeichen", „ein Roman von Jugend, Tugend und neuen Tänzen". Seht, dies ist das heitere, reife, abgeklärte Buch eines Siebzigjährigen, mit diesem letzten Gruß hat er uns verlassen. Sell wir es kennen, müssen wir immer wieder an eine Stelle denken, die uns innerlichst betroffen gemacht und mit tiefer Rührung erfüllt hat.
Da spricht ein junges Berliner Mädel von heute und morgen mit seinen biederen bürgerlichen Eltern von gestern und vorgestern und macht ihnen ihre höchst moderne „Wellanschauung" klar: dabei fallen die Worte: „... bann ist mir zumute wie der Magda von Sudermann, der, wie du immer erzählst, Mammi, in deiner Jugend mal so berühmt war ..." So schreibt der Siebzigjährige, lächelnd über sich selbst in seinem letzten Buch.
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Der mal so berühmt war. Die Berühmtheit von damals war nicht ganz echt, war immer ein wenig von Sensation getrübt und nur in schweren und . unerquicklichen Kämpfen behauptet. Der Dlußm von heute ist minder laut, aber auch minder umstritten
und er wird von Dauer sein: Sudermann hat sich nicht auf den Lorbeeren von damals zur Ruhe gesetzt, er ist, je älter er wurde, immer besser, immer ruhiger und künstlerischer geworden. Er braucht nicht wie mancher Altersgenosse und Weggefährte (wir wollen keinen Namen nennen) von einer fast verschollenen Berühmtheit zu zehren. Sudermann hat feinen Weg gemacht. *
Ein langer, oft stürmischer, aber zuletzt beruhigter und zum Ziel gebrachter Lebensweg ist abgeschlossen. Am 30. September 1857 wurde Hermann Eutermann zu Matziken in Ostpreußen als Sohn eines Landwirts geboren. Er machte das Gymnasium in Til it durch, wurde Apotheker, studierte in Berlin und Königsberg Literatur und Geschichte, wurde Redakteur, bann Hauslehrer und begann ,zu schreiben". Er hat es nicht leicht gehabt. Noch ist die Geschichte unvergessen, die er später schmunzelnd aus der Zeit seiner jungen Hof nungen und gänzlichen Namenlosigkeit erzählte.
Wie er damals ein großes Paket Manuskripte, sauber auf weißes Papier geschrieben, an irgendeinen Verleger schickte mit einem bescheidenen Brief, jener möge davon bebalten, was ihm brauchbar schiene... und wie bann nach langer, langer Zeit bas ganze große Paket wieder zurück kam, mit sämtlichen Manuskripten... nur den schönen, breiten, blütenweißen Rand hatte ter tüchtige Verleger überall abgeschnitten. Das war das Brauchbare. Nein: Sudermann hat es nicht leicht gehabt.
Er hat ten Mut nicht verloren: die ersten großen, heute längst gesicherten Romane „Frau Sorge" (1888) und „Der Kahensteg" blieben zwar zunächst ohne allen Erfolg. Aber bann endlich, am 27. November 1889, gelang ter große Schlag: das Schauspiel „Die Ehre" hatte einen Erfolg am Berliner Les ingtßeater, wie er in der Geschichte des beut, eßen Theaters immerhin nicht ganz häufig zu verzeichnen ist. Unb Sudermanns Name war mm auf einmal in aller Munde. Das Stück wirkte über Deutschland hinaus, und sein Schöpfer schien ein gemachter Mann.
Es hat sich später erwiesen, daß er weder mit ter „Ehre" noch mit „Sodoms Ende", noch mit ter „Heimat" von 1893 „gemacht" war. 3m Gegenteil: es kamen schwere Mißerfolge, schwere
und oft unsachliche und ungerechte Angriffe, die in bester Absicht und mit aller Berechtigung von ihm selbst zurückgewiesen wurden; aber das war ungeschickt angefangen und hat mehr geschadet als ' 'rten.
Nicht jeder hätte das Zeug dazu gehabt, sich in bteii e echten zu behaupten, von denen man heute kaum mehr weiß, mit welcher Schärfe unb Erbitterung, mit wie unfeinen und unfairen Mitteln sie ausgetragen Worten sind.
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Dann folgt die lange Reihe ter Dramen von ter .Schmetterlingsschlacht" (1894) bis zum „ Hasenfellhändler", der noch nicht aufgefußrt ist. Vieles ist veraltet, vieles ist nicht mehr interessant, einiges davon wird immer wieder gespielt werten, schon aus dem einsachen Grunde, weil es, vom Inhalt ganz abgesehen, allerbestes Theater ist und nie versagt.
Man hat Sudermann immer unb immer wieder die Fehler angeireitet, die man anderen Leuten stillschweigend verziehen hat, unb man hat ihm meßt verzeihen wollen, baß er, er ganz allein, die von ter französischen Schule überkommene Bühnenteehnik so glänzend be-^errschte, daß man manchmal vor lau.er gutem Theater das eigentliche Stück vergaß. Aber es stünde auch um das gegenwärtige Theater besser, wenn es mehr so saubere Handwerker und so in allen Sätteln gerechte Könner unter unseren jungen Leuten gäbe, wie Sudermann einer gewesen ist. Die spätere Zeit wird das ruhig zu^eten.
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Und wenn sie sich dazu nicht wird verstehen können, dann wird sie doch dankbar und bewundernd anerkennen, was Sudermann als Erzähler geleistet hat. Nicht mehr um die „Ehre", um „Sodoms Ende" und die ,Heimat" wird man sich später streiten, sondern die großen Romane und die ausgezeichneten Novellen, vom „Katzensteg" und der „Frau Sorge" über die „Litauischen Geschichten" bis zum „Tollen Professor", dem „Steffen Tromholl" und dem „Pur- zelchen" werden später einmal den Namen, die Stellung und Wertung Sudermanns bestimmen.
Und wenn man sein mächtiges Lebenswerk mit Ruhe überblickt, wird man nur wünschen können, es möchte recht viele Dichter geben, deren künstle- rischer Weg mit zunehmendem Aller so ruhig und stetig zur Höhe und Reite führt, wie das von Sudermann getagt werden muß. Das ist man ihm schuldig.
Wenn Ihre Empfehlungsanzeige in derSamsiagsnummer desGießenerAnzeigers durch sorgfältige und wirksame Sahaussiaftung weefrett soll bann geben Sie sie bitte spätestens im Laufe des Donnerstag in der Geschäftsstelle auf!
hier ten größten Teil des Tages zu verbringen. Während auf der Reichsbahn am Vormittag ter Deickchr nur mäßig war, erreichte er mit ten Mtttagszügcn aus den Richtungen Marburg. DUilenburg, Weilburg unb Wetzlar einen gewaltigen älmfang. Sonterzüge waren allerdings zu» Bewältigung tes Menschenandranges nicht erforderlich, jedoch wurden die planmäßigen Züge bis zur höchsten verstärkten Belastung gefaßten. 3m Zentrum der Stadt herrschte den ganzen Acrchnrttlag über starker, bis weit in ten Abend hrnein sogar lebhafter Verkehr, ter nachmittags stellenweise die Form eines argen Gedränges annahm. Die Schaufenster unserer Geschäfte wurden etngeßenb in Augenschein genommen vielfach konnte man auch eine rege Betätigung der Kauflust bemerken. 3m Stadttheater war die Nachmittagsvorstellung gut besucht, die Abendvorstellung ausverkauft; auch in ten übrigen Vergnügungsstätten herrschte regster Betrieb. 3n ten Abendstunden schwoll der Verkehr auf der Reichsbahn noch einmal gewaltig an. und bei Gelegenheit ter Heimkehr der preußischen Besucher konnte man an bzn zahlreichen mitgeführten Paketen erkennen, wie stark die Kauflust gewesen war. Trotz dcS sehr umsangrsichen Verkehrs waren erfreul.ch^rweise keine Unglücksfälle oter sonstige Mrßhelligkeiten zu verzeichnen.
** Zweitägige Sperre der Mühl- ft r a ß e. Wegen Rohroerlegungsarbeiten des Städtischen Gaswerks wird die Mühlstraße zwischen Bahnhofstraße unb Tiefemveg am 23. und 24. November für Fahrzeuge gesperrt.
** Erweiterter Straßenbahnbetrieb zum Friedhof beim Tote nfeft. Wie die Direktion der Straßenbahn heute im Anzeigenteil bekanntgibt, wird anläßlich des Totenfestes der Straßenbahnbetrieb zum Neuen Friedhof am Samstag und Sonntag bereits um 10 Uhr vormittags beginnen.
** Die Farbe im Stadtbild. Morgen Freitag, abend 8 Uhr spricht Dr. M a y e r - O b e r i st aus Hamburg auf Einladung der Stadtverwaltung in den Einhorn-Lichtspielen am Kirchennlatz über die Förderung der Farbe im Stadtbild. Der Vortrag wird durch eine grrße Anzahl farbiger Lichtbilder belebt werden. Jeder Bürger, dem die Verschönerung unseres Stadtbildes durch richtige und zweckmäßige Verwendung der Farbe bei der Herrichtung der Häuser angelegen ist, insbesondere aber die Hausbesitzer und Fachinteressenten, sollten den lehrreichen Vortrag besuchen. Der Eintritt ist frei. (Siehe An zeige vom Dienstag.)
•• Dienstjubiläum. Am Dienstag, ten 20. ds. Mts., konnte der bei dem Hauptzollanrt Gießen beschäftigte Zollassistent Georg Schmidt aus Heuchelheim auf eine 40jährige Tätigkeit im Reichsdienst zurückblicken. Aus diesem Anlasse versammelten sich die Beamten tes Hauptzollamts zu einer schlichten Feier, am dem Äubilar ihre Glückwünsche darzubringen. Der Vorsteher tes Hauptzollamts, Zollrat Horn, händigte dem verdienten Beamten ein Glückt Wunschschreiben des Herrn Reichspräsidenten aus und übermittelte ihm gleichzeitig die Glückwünsche des Landessinanzamts Darmstcrdt. Für die Beamten tes Hauptzollamts sprach Ooerzollinspek- tor S ch r o ck e r t, der dem 3ubilar ein von den Beamten gestiftetes Andenken überrsichte. Tief bewegt sprach ter Gefeierte seinen Dank für die Ehrung aus.
"Spiel -und Sport-Abteilung des Tv. 18 46. 3n seiner jüngsten Hauptversammlung hatte ter Turnverein die Spielabteilung zu einer Spiel- und Sport-Abteilung ausgeöaut. um den heute stark in den Vordergrund ge r:lenen Leitesübungen, wie Volksturnen. Spielen und Wintersport, in seinem Uebungsbetrieb eine würdige Stelle einzuräumen. Dieter Tage sand nun die erste Versammlung im „Andres" unter Lei-
Le st den letzten Roman vom „Purzeichen" und schüttelt lächelnd und wehmütig den Stopf, wenn Ihr die Stelle findet, die wir vorhin abgeschrieben haben. Bescheidenheit, Allersweisheit und über allem Gezänk der Meinungen stehende, sanfte Ironie haben den Satz in die bunte Handlung des Buches eingewirkt.
Eine spätere Generation, mit klarem Blick und gerechtem Urteil, wird diese kleine Resignation so richtig stellen, rote es der Dichter verdient. Die schwankende „Berühmtheit" von damals ist bann längst von der unangreifbaren Bedeutung von heute überholt. —7—
Port.
Don HctnS Webau.
Pork wurde zum Direktor gerufen. ,Pork". sagte ter, »Sie müssen sofort nach Berlin reisen!"
Pork schwieg.
.Haben Sie verstanden? Sie müffen sofort nach Berlin reiten!"
„3atooßT, sagte Pork.
„Allo pa'sen Eie auf", erklärte ter Direktor. „®te l)sen sich eine Fahrkarte dritter K aste und nehmen den Zug um 12.24 Ahr. Der ist um 15 Uhr in Berlin. 3m Wortes aal e sen Sie schnell eine Bockwurst, nehmen ein Auto und fahren sofort zu Triebler & Co.. Dernburger Straße 44. Da lassen Sie sich bei Triebler senior melden und bitten ihn, ten Vertrag, den ich Ihnen mitgebe, zu unterzeichnen. Wenn er nicht will, sagen Sie ihm, es täte Ihnen sehr leid, dann hätten Sie den Auftrag, zur Hobach A. G. zu gehen; die würden daö Geschäft mit Kuyhand machen. Wenn Triebler un.terzsichnet hat, fahren Sie zum Bahnhof und nehmen ten Zug 17.20 Uhr nach hier. Verstanden?"
»Jawohl", sagte Pork und nahm den Vertrag.
„Unß wenn es irgendeinen Zwischenfall gibt“, schloß der Direktor, „wenn etwas nicht klappen sollte, schicken Sie sofort ein dringendes Telegramm. Sie bekommen dann weitere Instruktionen."
Eine halbe Stunde später faß Pork im Zuge.
Um 16.05 erhielt der Direktor folgendes Telegramm: „Bockwurst im Wartesaal nicht vorrätig. Was tun? Pork."


