Ausgabe 
22.6.1928
 
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Falle' Cudo tm» SimplielS Rnnerr schlechter' Dings nur zusammen Auto fahren, sie sind näm­lich sogenannte ..siamesische Zwillinge", obwohl sie von der Philippinemnsel Samar stammen.

Lucio und Simvlicio sind sehr nette, gefällige junge Leute, und sie haben nur den einen Fehler, daß sie am Rücken aneinanbergewachsen sind. Sie verstehen da- Autolenken au» dem ff. und be­sitzen einen prächtigen amerikanischen Wagen aus Aluminium. LIrfprünglich hatte die hohe Polizei auch nicht das geringste gegen die Aushändigung her Fahrerlaubnis an die unzertrennlichen Brü­der einzuwenden. Aber dann auf einmal, am grünen Lisch kamen die Bedenken. Wenn z.D. der eine der Brüder den Wagen lenkt und jeman­den durch eigene- Verschulden überfährt, - kann und bars man dann den anderen mit ein­sperren? MnD andere, ähnlich kniffliche Fra­gen gingen der Verkehrspolizei von Manila durch den gewissenhaften Kopf. Sie kam zu keiner Klarheit und hieb einfach den gordischen Knoten durch. Allerdings nicht den, der die beiden BrÜ- der unlöslich vereint, sondern sie entzog ihnen die Fahrerlaubnis. Bekannte Juristen auf den Philippinen sind in der einheimischen Presse daraufhin sofort In einen leidenschaftlichen Mei- nung-kampf darüber eingetreten, ob man aus solchen ungewöhnlichen Gründen unbescholtene Staatsbürger an ihren Rechten beschneiden darf.

Selbstverständlich haben die beiden Dodinos ge­gen dieses Vorgehen der Derkehrspoltzet Be­schwerde eingelegt. Diese hat ihnen daraufhin an- heimgegeben, sich durch einen chirurgischen Ein­griff .auSetnandernehmen" zu lassen, was die Zwillinge jedoch ablehnen, da eS sehr lukrpttv ist, aneinanbergewachsen zu sein. Denn sonst wür­den sie nicht solchen Wert aufS Autofahren legen können.

Die Weichselbrücke von Marienwerder.

Bei Marienwerder führt eine herrliche, ein Kilometer lange Brücke über die Weichsel, die im Jahre 1909 mit einem Kostenaufwand von rund 9 Millionen Mark erstellt worden ist und die einzige feste Verbindung an der unteren Weichsel barstellt, ble heute zwischen O st - preuhen und dem polnischen Korri­dor besteht. Sic ist dank der ausgezeichneten Bestimmungen bes Versailler Vertrages und entgegen Den früheren Gepflogenheiten, wonach die Grenze zwischen zwei Ländern in der Mitte eine- Flusses verläuft, polnisches Eigen­tum geworden, ebenso wie ein Teil der Hoch­wasser-Sicherungen auf dem rechten Weichselufer, deren mangelnde Instandhaltung die ganze Rie- berung auf der deutschen Seite zeitweilig größten Gefahren auSsehte.

Dieses Eigentumsrecht benutzend, oder vielmehr mißbrauchend, hat Polen kürzlich beschlossen, die gewaltige Brücke abzubrechen und an an­derer, ausschließlich den innerpolnischen Verkehrsbebürsnlssen bienender Stelle wieder aufzubauen. SS mag sein, bah die polnischen VerkehrSbebürfnisse einen solchen neuen Brücken­bau nötig machen: es mag auch sein, bah durch die Grenzziehung von Versailles der Verkehr über die Weichselbrücke von Marienwerder, sicherlich nicht ohne Dazutun der polnischen Grenzschikanen, geringer geworben ist. Wie bem aber auch fei, bedeutet eS eine unverantwortliche Schädigung der Bevölkerung auf beiden . Seilen des bisherigen Verkehrsweges, und zwar gerade des polnischen Hinterlandes der Stadt Marienwerder, ihr die einzige Verkchrsgelegen- heit wegzunehmen. Und Darüber hinaus ist eS bezeichnend für die Auffassung, die in Polen von 1 der so gern und sooft im Munde geführten, ^.gesamteuropäischen Verständigung, von DerIn- teressenverbundenhcit und von der wirtschaftlichen i Einheit Europas in Wirklichkeit herrscht, daß man eine Politik der Abtrennung zwischen deutschen und polnischen, ehemals zusammen- gehörigen und noch heute wirtschaftlich verbun­denen Gebieten mit derartigen kulturwibrigen Mitteln durchführt. Das läßt sich durch leine technischen Bedürfnisse rechtfertigen. Und auch die AuSrede, bah der Bau einer neuen Brücke iiducS Material erfordern unb deshalb mehr kosten würde, als wenn man die bestehende verlegt, vermag nicht zu überzeugen. Denn für den tn der vorigen Woche begonnenen Abbruch find Hunderte von Menfchen nötig, gewaltige Mengen Holzbalken, um baS Abbruchswerk ab-

Klucht in die Wüste.

Voll Waldemar Kelter.

Warum ich geiab* heut dazu aufgelegt bin, diese schöne Jugendeselei zu erzählen ich weiß nicht. Vielleicht macht ee, nach langen Regentagen, die Sonne, die alte Sehnsüchte in weiteste Ferne neu belebt. Damals vor 21 Jahren große ffiütcl Dar­über sind wirklich schon 21 Jahre vergangen da- mal» war ich ein frisch angebräimkr Schiffsjunge an Bord einer Hamburger Vtermastbark, hatte die erste Reise non der Elbe nach Rieder-Kalifornien hinter mir, 150 Tage ununterbrochener Segelfahrt, und der seelische Magen (so was gibt es) beschäftigte sich intensiv damit, sine große Enttäuschung zu verdauen. Diese» Land nannte sich Mexiko. Wo aber waren die Palmen, die Papageien, die Caballero» auf stolzen Rossen? Irgendwo anders waren sie. Hier breitete sich trostlose Wüste, kahle Berge, ratzekahl, stiegen In furchtbaren Glnthimmel, und nur auf der Insel Tor. tuga, draußen im Golf, konnte man mit dem Glas eine 81 rt Vegetation wahrnehmen, riesige Kakteen, die in dem ebenmäßig gekrümmten Rücken des Ei- landes steckten wie Wäschepfähle. Stile Leiden eines Schiffsjungen, frisch von, Gmnnasium importiert, hatte man mit Heroismus getragen, sogar die drei entsetzlichen Wochen an der Wetterecke des Kap Hoorn wurden durchleuchtet von dem Gedanken: Es geht nach Meriko, hott au», du wirst delohntl Und nun? Ein Wüstenkaff, in gelbem Gand aufgebaut, ein paar rauchende Schlote der Kuvferfchrnelzcn, kein Baum, kein Strauch da» präsentierte sich al» MerikoI Obwohl die Tage»temperatur nicht selten 52 Grad Celsius betrug, war die Stimmung unter dem Rull, punkt

Nicht nur bei mir, auck bei Otto E, meinem lieben, wenn auch nicht sehr tapferen Weggenossen, mit dem ich später manche» kleine Abenteuer erlebte. Ihm war die Petersilie so gründlich verhagelt, daß er kaum noch einen Bissen zu sich nahmOtto," sagte ich, das geht nicht, du mußt effenT .,Had ar en Zweck nid)!" erwiderte er dann und kroch in die Koje. Zwei vom Schicksal geschlagene Sechzehnjährige wurden irre an der Welt, bangten vor der nächsten Ent- täuschung.

Die anderen Jungen wir waren im ganzen acht nahmen e» leicht Sie hatten sich den Wei»- heitsspruch der Matrosen ongeclgnet-Was brau.

zustühen rmv technische Einrichtungen, deren An­wendung zuzüglich der Arbeitslöhne und des Materials wahrscheinlich nicht viel weniger kostet, als der Bau einer völlig neuen Brücke an Ma­terialtosten verschlingen würde. Aber selbst wenn auf diesem Wege ein Viertel oder ein Drittel der Baukosten für eine neue Brücke gespart werden könnten, würde sich der VandaliSmuS nicht rechtfertigen, mit bem man eine bestehende, feit bald 20 Jahren in das Verkehr-- und Wirt­schaftsleben einer Gegend eingereihle Verkehrs- cinrichlung von einziger Art kurzerhand be­seitigt.

Diese Brücke von Marienwerder ist ein Symptom. Ihr Olbbruch ist ein schlagender Beweis Dafür, daß es Polen nicht darum zu tun ist. mit oem deutschen Rachbarn in ein mög­lichst cngeS und möglichst ersprießliches Verhält­

nis zu kommen, sondern baff jede- bcFicLige Interesse als Vorwand ausreicht, um Brücken abzubrechen, die ein Zusammenkommen der beiden Völker und ihrer Interessen ermöglichen oder erleichtern könnten. Jede Brücke gilt, wie das immer wieder bei Einweihungsfeierlichkeiten betont wirb, als ein Mittet zur Verbindung von Menschen und Völkern. Und nicht umsonst ist der Begriff der Brücke und des DrückenlchlagenS bildlich in den Sprachgebrauch übergegangen, um baS Ergebnis einer Verständigungstätigkeit zu kennzeichnen. Polen, dessen außenpolitischer Vertreter gerade in diesen Tagen eine unzeit­gemäße und allgemein, zum Teil sogar in seiner Heimat als unerwünscht empfundene Einmischung in den deutsch-französischen ,Brückenschlag' am Rhein vollzog, blieb der Abbau einer wirk­lichen Brücke zwischen zwei Völkern vorbehalten.

Em halbes Jahrhundert Oberhessischer Geschichtsverein.

Von Or. Walbrach, Gießen.

Der heutige Oberhessische GeschichtS- verein wurde am 15. Juni 1878 alsOber­hessischer Verein für Lokalgeschichte" gegründet. Diese DründungSversammlung leitete der erst 1923 in München verstorbene bekannte Recht-- lehrer Karl Gar eis, der von 1883 ab Ehren­vorsitzender deS Vereins war Unter den Grün­den, die die Bildung eines Geschichtsvereins in Gießen ratsam erscheinen ließen, erwähnte Gareis besonders, daß der frühere Verein zu locker gefügt gewesen sei, um nicht allmählich auSeinanderzusallen, daß der Historische Verein für Hessen In Darmstadt Infolge der räumlichen Trennung für Oberhessen nicht in derselben Weise wie für die beiden anderen Provinzen wirksam sein könne, daß Oberhessen außerordentlich reiches Material für vorgeschichtliche und römerzeitliche Forschungen biete, und daß in Gießen als einer ^lniversitätsskadt immer eine größere Anzahl Männer leben, die sich mit dem Studium der Geschichte beschäftigen. Der neu gegründete Ver­ein erfreute sich lebhaften Anteils der Gießener Bürgerschaft, so daß die Mitgliederzahl schon im Mai 1879 auf 165 angewachsen war. An­der äußeren Geschichte deS Vereins seien mir die Ramen der Vorsitzenden genannt, da es sich hier in erster Linie um die Tätigkeit des Vereins und seine Leistungen für die Erforschung unserer Heimatgeschichte handelt. Vorsitzender war bis 1883 Prof. Dr. Karl GareiS. bis 1889 Pros. Dr. von Ritgen, bis 1891 Prof. Dr. Frhr. von der Ropp, bis 1895 Pros. Or.Höhlbäum, bis 1897Pros, Ör. Otto Buch­ner, biS 1903 Pros. Dr. Höhlbaum und seitdem Geheimerat Prof. Dr. Dehaghel.

Die Tätigkeit deS Vereins auf heimatgeschicht- lichem Gebiet läßt sich zunächst in drei großen Ru­briken unterbvingen: Wissenschaftliche Vorträge, bei denen bekanntlich auch Gäste gern gesehen wer­den, dieMitteilungen", von denen jährlich ein Band Den Mitgliedern gratis zuzugehen pflegt, und die Gründung intD Förderung des Oberhess. Museums im Alten Schloß. Um einem weiteren DevölkerunaSkreis Rechenschaft davon abzulegen, waS der Verein in den 50 Jahren seines Be­stehens für die geschichtliche Erforschung unserer Provinz geleistet hat, und um alle für die Heimatgeschichte Interessierten mit unseren Be­strebungen bekannt au machen, werden im folgen­den Die Leistungen des Vereins auf Den genann­ten drei Gebieten zusammengestellt.

Selbstredend ist es nur möglich, eine kleine Auswahl der gehaltenen Vorträge hier au er­wähnen. Sie werden unter bestimmten Gesichts­punkten zu Gruppen geordnet ausgezählt. Ramensnennung und Datum des Vortrags mußten Der Kürze wegen wegbleiben, so inte­ressant es auch für manchen Wohl Ware, die Rainen Gareis, von Ritgen. Buchner. Binde-

Wald u. a. zu lesen. Die erwähnten Vorttäge befassen sich durchweg mit Oberhessen.

Vorgeschichte. Prähistorische Riederlas- fung Reubäusel unb Butzbach. Vorgeschicht­liche Besiedelung her Wetterau. Der Steinsarg von Odenhausen.

Germanen- und Römer zeit. Das Castrum Altebura bei Arnsburg. Die römische Villa bei Holzheim, ©ermanentoanberungen be­

sonders in Oberhessen Eroberung und Sicherung der Wetterau durch die Römer. Der Pfahl- graben in der Wetterau.

Reuere Geschichte. Hessische Franzosen- zcit 1806 bis 1814. KriegSleiden im 1 c. und 18. Jahrhundert. Hessische Politik 1863 bis 1871.

Rechtsgeschichte. Bürgerliche Rechts- entwicklung in Hessen. Das Friedberger Malefiz­buch. Die alte Gerichtsstätte bei Kaichen.

Kirchengeschichte. Gin Ketzergericht in Gießen 1750. Staat unb Kirche in Hessen biS 1900.

Kriegsgeschichte Anciennetätsliste des Hess.-Darmstädttschen Leib-Inf.-Regiments. Die Hess, freiwilligen Jäger 1814.

Kulturgeschichte. Eine QfUfelber Dich­terin des vorigen Jahrhunderts. Anfänge des Buchdrucks und der Zensur in Gießen. Hessische Fachwerkbauten. Stromer und Vagabunden (Zi­geunerhinrichtung in Gießen 1726).

Gießen. Daugeschichtliche Wanderung durch Gießens Umgebung. Gießen im 30 jährigen Krieg. Blücher in Gießen. Baugeschichte der Stadtkirche. Kunstgeschichtliche Reuigkeiten aus Gießen und Umgcgenb. AuS alten Gießener Stammbüchern. LiebigscheS Laboratorium. Alte Gießener Fa­milien.

älniversität. Der Pietismus und die Hochschule. Die älteste Matrikel. Pros. K. T. Dahrdt in Gießen. (Siebener Stu deuten tum in der Frühzeit der Unioerfität. Burschenschaft unb Landsmannschaft und die Gießener Schwarzen 1814 bis 1820.

Städte, Burgen unb Klöster in Oberhessen und der Rachbarschast. Geschichte von Laubach. Die Münzenberger Alter und Ent­stehung von Friedberg. Geschichte von Alsfeld. Grünberg mit AntoniterhauS unb v. Büdingen. Geschichte des Kalsmunts bei Wetzlar. Der Dom zu Wetzlar. Portal der Grvtzlindener Kirche. Geschichte der Burg Gleiberg, des Klosters Arnsburg.

Ebenso wie bei Den Vorträgen, können auch bei Den in denMitteilungen" des Vereins gebrudten Abhandlungen nur Die die engere Heimat- geschichte betreffenden Arbeiten erwähnt werden: eine Vollständigkeit ist bei Der großen Zahl der Aufsätze unmöglich Von den Mitteilungen find fünf Bände alsMitteilungen des Oberheffischen Vereins für Lokalgeschichte" erschienen und 27 Bände alsOlliHeilungen deS Oberhessischen Ge- fchichtsvereiuS". Die Einteilung nach sachlichen Gebieten, die bei der Bcttachtung Der Abhand­lungen beobachtet wurde, ist etwa dieselbe wie bei den Vorträgen.

Lieber Vorgeschichte sind mehrere Ar­beiten erschienen: z. B. Die Hügelgräber bei Stockhausei,, ein größerer Ausgrabungsbericht von verschiedenen oberhessischen Orten, ein Grab­hügel auS der Bronzezeit bei Alsfeld.

Die Gcrmanenzeit ist durch Auffätze übet altgermanische Gräber und die Ringwälle auf dem Honsberg bei Butzbach vertreten

Mit Den Römern in Der Wetterau beschäfti­gen sich naturgemäß eine ganze Anzahl Auf­sätze (Pfahlgraben, Kastelle usw.).

Mittelalterliche und Reuere Ge­schichte. Einige Arbeiten über die Wettcrauer

chcn wir nn Land zu gehn, mir können das Land von Bord ans sehn!", und ihr Interesse konzen- tricvic sich durchaus auf den^ Schnaps, den man filnlfabo nennt. Von Mefer Seite war selbst der Trost gemeinsamer Klagelieder nicht zu erhoffen. Otto und ich, mir schwiegen daher, und immer trüber wurde unsere Gemütsverfassung. Bis eines Nachts das große Wort, Zukunft malend, sich löste.

3m Logis waren die Lichter gelöscht: der Kampf mit den Wanzen hatte begonnen. Ein aussichts­loser Kampf. Ich hörte Otto auf gut Sächsisch fluchen, hörte, wie er au» der Koje sprang, sich hastig in die Kleider warf und an Deck lief. Wir sanden ims an der Nagelbank des Kreuzmastes. Ein märchenhaft schöner Mond stand am Fimmel, ruhig atmete der Golf. Otto spreizte seine fünf Sfinger gegen den armen unschuldigen Mond und auchte aus Herzensgrund:Schwindel!" Nun latte aber der liebe Gott dafür gesorgt, daß ein neue» Hofftiungslämpchen in mir entzündet wor­den war. Zuweilen nämlich versuchte ich, im Ge­spräch mit den Leichtersührern. den Lanchero^, meine spanischen Sprachkenntniste etwas aufzu- bessern, und gerade an diesem Nachmittag hatte mir einer erzählt: Im Innern der Halbinsel seien frucht­bare Täler, mit Quellen und Palmen unb weihen Kirchen unb so. Dao flüsterte ich leise meinem Otto E. ins Ohr, an nichts denkend. Er fchaute iroß auf, nahm die Pfeife au» dem Mund, lief in und her, rüttelte an den Parduhnen.Was ast du. Otto?"Mensch", sagte er,da brinne also I» was los?"Der Lanchero muß ce wissen."Dann albt» doch nur een» In der Welt, wir picken au»!' Auspicken heißt soviel wie auoreißen, fliehen. Der Mond lachte. Mir wurde etwa» schwindlig.

Zwei, auch drei, vielleicht vier Stunden haben wir geredet. Dann waren wir einig. Am Samstag nachmittag wollten wir um Landurlaub bitten, am Sonntag früh ohne jede Bepackung, unter Hinter- laffung unsere» Hab und Gute», den Marsch ins Innere antreten. Keinem Menschen würde da» auffallen. Unser Ziel sollte die «ladt San Zgnacio [ein, die der Lanchero genannt hatte. Wo lag Can Uflnaclo? Wir wußten e» nicht. Egal, es war da. Was wollten wir dort anfangen? Keine Ahnung. Zwanzia Peso) hatten wir zusammen, da» reichte für» erste, e» mußte sich auch Beschäftigung finben.

und bann weiter, weiter, mir heraus au» dieser Wüste, weg von diesem Schiff, bem wahren Aben­teuer entgegen! Wir drückten uns die Hände.

Der Schicksalstag kam. Wir hatten unseren Landanzug angezogen, die Taschen mit Kleinig­keiten vollgestopft. Das dicke Monkeyjackett nah­men wir über den Arm. Fertig standen wir am Fallreep, da» Boot wartete. Da trieb der Zufall den ersten Steuermann herbei.Seid ihr verrückt geworden?" staunte er.Seestiefel bei dieser Hitze?" Es ist wegen des Sande», Herr Lasten", stot­terte ich und fühlte, wie mir das Blut in den Kopf schoß.Der Sand kommt immer so in die Schuhe, mir wollten gern da oben auf den Berg, man soll die jenseitige Küste von dort sehen können." Lassen feiste übers ganze Gesicht.Na, denn man laut Verrückte Bagage!" Und damit fchlenderie er da» Deck entlang. Der unbewußte Singriff war abge­schlagen, der Marsch nach San Lgnacio konnte be­ginnen.

Lm Hotel Central kauften wir eine riesige Wasser­melone. Otto wollte nicht, aber ich bestand darauf. Nu fach mal, wer joll'n des Ding schleppen?", fragte er bitterböse.Jeder eine Stunde. Es wird bald nichts mehr davon übrig fein."Des I» doch aber Quatsch mit so'n Dingi" ereiferte er sich.Wenn de» erst angeschnidd'n ie. läuft uns ja d'r Sabber ann (Bleebcrn runter!"Otto, Rindvieh, du willst durch die Wüste marschieren, und denkst nicht an» Trinken?!"Mährde!" grunzte er. Der Fall war erledigt, wir zogen los.

Heiliger Bimbam, die f)ihel Schon al» der erste Hügel am Ausgang dertotabt" erklommen war, rannen Bäche von Schweiß am Leibe herunter. Wenn de» jo lveld'r geht", meinte Otto,schteht mr de» Wasser ball» m'n Schtiebeln." Er wollte die Melone anfchnelden unb zückte sein breites Scheidemesser, über da kam er an den Rechten. Kaum dreiviertel Stunden Weges und schon dur­stig! Ausgeschlossen, lieber Otto.Mensch, her mit dem Dinge oder'ch weeß nich mehr, wos'ch due'" Nur über meine Leiche!"(Bemeener Gerl!" grollte er unb steckte fein Mester wieder ein.

Und nun ging es bergab, bergauf, In praller Sonnenglut, ohne den geringsten Schutz. Zuweilen konnten wir eine kleine Talsenkung benutzen, die ein wenig Schatten gab, aber dahinter lag sicher ein großes Plateau, tiefsanbige Wüste, in der ble Seestiefel bi» über die Knöchel einsanken. Otto

Stadiebünde im 13. imb 14. Jahrhundert, Me Mark Altenstadt u.a.

Heber Hessische Fürsten finden sich klei­nere Abhandlungen.

Rechtsgeschichte Grundbesitz und Kredit in vberhesfischen Städten. Die Münzenberger Rechtshandschrift.

Kirchengeschichte. K. von Grvßen- Linden.

Kriegsgeschichte. Oberhessen im Dreißig­jährigen und im Siebenjährigen Krieg.

Kulturgeschichte ist in mehreren Ar­beiten vertreten (Zunftgeschichte u. ä.).

Lieber Orts - und Familiennamen in Oberhessen wird ebenfalls gehandelt.

Der Deutsche Orden in Oberhessen ist mehrfach Gegenstand von Abhandlungen, ins­besondere die Geschichte Der Evmmende Schiffen- berg.

Gießen. An größeren Arbeiten sind solche über die Geschichte der Stadt und Festung, über die Befestigungsanlagen zu erwähnen.

Hebet die Universität sind mehrere Ar­beiten erschienene z.B. die Matrikel, Akten zur Gründungsgeschichte. Lebensbilder von Pro- fcfTotcn, Darsteilungen der katholisch-theologi­schen Fakultät und aus Der Studensengeschichte: Earl Zollen und die Gießener Schwarzen (Fest­schrift zur 300-Iahrfeier der älniversität).

Oberhessische Städte. Dörfer,Bur- gen, Klöster usw Gleiberg. Lich. Schotten, Höchst a. Ridder, Lißberg. Schiffenberg. Arns­burg, Grünberg, Ridda. Diese Arbeiten find zum Teil recht umfangreich

HrfunDen und urkundliche Betträge linden sich über Gießen, Vetzberg, Gleiberg, Alsfeld, die Herren von Zalkenstein-Münzenberg usw.

Schon in der Gründungsversommlung des Ver­eins hatte Prof. Hofmann die Einrichtung eines historischen Museums für Lokalgeschichte angeregt. Das Museum, das zunächst im alten Rathaus untergebracht war, hatte bereits nach einem Jahr etwa 150 germanische und römische Gegenstände aufzuweisen und etwa 1100 Münzen. Im Februar 1879 trat Pros. Dr. Otto Buch­ner an die Spitze dieser Reugründung, Deren Förderung er sich lange Jahre mit Liebe hingab. ..Prähistorische Funde in Der llmgegenb von Gießen'. heißt es in dem Museumsvericht von 1898, ..Zahlreiche Gräberöffnungen, wiederholte und glückliche Ausgrabungen am römisch-germa­nischen Oren emaile, vefcheidene Ankäufe. Schen­kungen und Legate vermehrten die Schätze des Museums binnen kurzem." AIS neuen Unter- kunftSort fand das Museum im Rovernber 1901 das von der Stadt Gießen wiederhergestellte alte Schloß am Brand, in Dem es heute unier- gebracht ist. 1913 wurde nach längeren Verhand- l an gen zwischen Dem Vereinsvorstand. Herrn Kommerzienrat Dr. W. Gail und Der Stadt­verwaltung über Die Vereinigung ihrer Samm­lungen von Altertümern und Gegenständen der Völkerkunde, der Kunst und des Gewerbe» die Errichtung einer Gesellschaft mit beschrankter Haf­tung unter Der BezeichnungOberhefsisches Mu­seum und Gailsche Sammlung" beschlossen. Zum Museumsdirektor wurde Der bisherige Konser­vator Hauptmann a.D. Kramer bestellt, den die Universität einige Jahre zuvor wegen feiner wissenschaftlichen Verdienste zum Ehrendoktor er­nannt hatte. Die Entwicklungsgeschichte des Mu­seums fomüe natürlich hier nicht dargestellt werden: es handelt sich inrr Darum, zu betonen, daß da« Oberhessische Museum seine Entstehung Dem Geschichtsverein zu danken hat, Der auch jetzt noch die fähriichen Museumsderichie über Funde und Erwerbungen in seinenMitteilun­gen" erscheinen läßt.

Der Tättgkeitsbereich des OberhessUchen Gc- schichtsvereins erstreckt sich aber noch weiter. Hier ist in erster Linie die Fürsorge für die Er­haltung von oberhessischen Baudenkmälern und Der Ruinen der ilmgegenD zu erwähnen. Schon leit 1879 arbeitete Der Verein in Gemein­schaft mit dem (Bleiberger Gesellig- keitsverein an der Wiederherstellung Der noch unter Dach stehenden aber vom Verfall be­drohten Bauten. Auch um die Erhaltung der Dadenburg,die zwar geschichtlich von geringer Bedeutung, hat sich der Verein dadurch ncrDient gemacht, daß er die Abtragung Der baufälligen Mauerrestc verhinderte und Durch eine Geld­spende Deren Instandsetzung ermöglichte Ebenso setzte er sich für die würdige Instandsetzung der alten Kapelle auf dem Schi f senberg ein. Rachdem es schon zuvor Dem Verein gelungen war, stöhnte cnlsctzliel, unb schleifte fein Jackett am Boden hinter sich her. Immer wieder verlangte er nach der Wassermelone, jedoch ohne energische Geste; die Stimme war schon ganz klein geworden. Man soll nun keineswegs glauben, daß mir selbst etwa wohl zumute war. O nein! Eine innere Krise bildete sich mit teuflischer Schnelle, wie ein Schnee­ball rollten, wuchsen Gedanken und Gefühle ... wie ein Schneeball ach! Nur di« (Erinnenma an Schnee mußte wahnsinnig machen, und dabei stand ich Im Ruse, unglaubliche Portionen von Hitze vertragen zu können. Was mich in dieser Lage non Otto unterschied, war lediglich da» ftumme Der- biffenfein. Er jammerte. Ich schwieg. 3m Grunde waren wir beide schon gehandicapt.

An einer Schattenwand ließen wir uns endlich nieder. Hartbrot kauen mochte keiner, aber Die Me» tone mußte Daran glauben. Auch meine Wider­standskraft war erschöpft. Bald lagen nur noch die Schalen umher. Otto wollte unbedingt ausruhen, ich halte nichts dagegen, und so machten wir nn» lang. Es muß Hoyer Mittag gewesen sein, denn als wir vorn Schlaf erwachten, stand die Sonne schon lief. Otto sah mich von der Seite an.Nu?" E» gab nur eine Antwort auf diese lakonische Frage.Wir werden an Bord zuruckgehen, Otto", sagte ich.Gehn mr, erwiderte er. Nacht siel ein, wir tappten mühselig in unbekannter Wildnis. Der Mond machte alles groß unb fremd. Wir beide aber dachten an denSegen" de» ersten Steuermanns, wenn wir am Morgen nicht z»mk Dienst antreten würden, und nahmen alle Kräfte zusammen, die Lust unb auch den Schmerz. End­los dauerte der Rückmarsch. Daß wir schließlich doch den Hafen erreichten, kommt mir noaj heute wie eine gütige Schicksalsfügung vor. Nach vielem Suchen erwischten wir einen Menschen, der am Kai herumlungeric: für einen Peso brachte er uns an Borh. Alle* schlief. Der Wachmann, der unsere Erschöpfung falsch deutete, meinte:Na, war der Anisado flut?" Zum Teufel mit dem tlnifabo! In bie Klappe. Keiner von un» hat In dieser Nacht bi» Wanzen gespürt. Und am Morgen waren wir prompt zur Stell».

Welt hinten, irgendwo, lag San Ignaelo mit feinen Lmellen, feinen Palmen. Wer weiß: viel« leicht hatte der Lanchero auch gefüinfert.