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nr. 145 Erster Blaff

178. Zahrgang

Zreitag. 22. Juni 1928

«rieflet täglich,«ch« Sonntag» and feiertags.

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Die Scholle

moeat»»Bejiflsprtis: 2 Rnch»»arb and 2D Reichspsenittg ftr Trüg« lohn, auch bri 3hd)t#r» fdytmmeinjrlnrrThumnrrn infolge her er Okto alt 3<rn|pred>an|d)iant:

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Sildjrtft für Drahtnach» richten. iHjdgtr Oietz«.

poßlcheSfonlo:

grantlirtam mein 116*.

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

druck wirt Verla-: vrShfsche UwtoerfitStS'Bidh iirt Stefnönitferd K taugt in Siezen. Sdfrtflletting und SeschSslrftelle: Schwlftraße 7.

.Innahmk oor Lnjeiee» ftr bie laqetnemmcr bi» ju« Nachmittag vorher.

Preis l*i l mm Höhe ftr Snjtiqtn von 27 ium Breite örtlid) 8, auswärt» 10 Aeichrpfennig- für Re- Mlameanifigen von 70 mm Breite 35Jteid)tPfennig, Platzvorschrist 20' . mehr.

Chefredakteur

Dr Fnedr Will). Gange. Berantroartlich für Poluili Dr. Fr WUH Gange für Feuilleton Dr H Thyriot, für den übrigen Teil Ernst Blum'chein, für den An­zeigenteil Äurt Hillmann. sämtlich in (Biefjen

Kein Zortschritt in der Regierungsbildung. Herman« 9Rühzr verhandeU Weiler.

Berlin. 21. 3unt IPpiv.-Tol) Die inter­fraktionellen Verhandlungen im Reichstag wur­den heute mittag nach etwa zweistündiger Dauer beendet <M hatten sich so grvhe Schwierigkeiten ergeben, bafi Adgevrdneter Müll«-Franken sich entfchloffen hatte, am Rachmittag den Reichs­präsidenten aufzusuchen, um ihm zu er Hären, dafi er keinen AuSweg Mir Belettigung dieser Schwierigkeiten sehe. Die Deutsche V o l k S p a 11 e i stellte heute neue Forderungen auf. die der Sozialdemokratie unan­nehmbar erscheinen. Sie forderte u. a. die Steuerveranlagung nach einem dreijähri­gen Durchschnitt und die Beseitigung der KapI - taltrtragMleucr Ruch in militärpolitischen Fragen, namentlich in der Frage deS Panzer­kreuzers. konnte man sich nicht näherkommen. Den Ausschlag gab aber vor allem daS Fest- Hallen der Deutschen DvlkSpartei an ihrer For­derung. dah die preußische Regierung pari passo mit der ReichSreqierung in der Rich­tung auf die Drohe Koalition um gebildet werden würde. Auf dieser Forderung der gleich­zeitigen Umbtlthmg blieb die Deutsche DolkS- I? ar lei bestehen, während von den übrigen Par­teien erklärt wurde, diese Bedingung fei nicht zu erfüllen, da die Landragriraktionen nicht vor dein 10. Juli zusammen treten.

Der ZentruniSabgeordnete von Dur-rard hat harnt einen DermittlungSvorschlag zur Regelung der Fra-w der Renierungöumbildung in Preunen gemacht. Danach sollen die ReichS- tagSsraltionen der Weimarer Koalition zusagen. bei den entsprechenden preußischen Fraktionen dahin zu wirken, dah die Derhandlungen über die ilmbilbung deS preuhischen Kabinetts im Herbst ausgenommen werden. Rach eixer Besprechung mit Gu'rard entschloß sich der Abgeordnete Müller-Franken trotz deS hiSher ergebnislosen BerlauseS der inter­fraktionellen Bethandlungen, nachmittags noch einmal mit den FraktionSführci-n darüber zu sprechen, ob diese noch einen Weg zur Beseitt- gtntg der Schwierigkeiten leben. Geir« ursprüng­lich für heute nachmittag in Aussicht genommene Berichterstattung beim Reichspräsidenten hat Ab­geordneter Müller deshalb einstweilen zurück- gestellt.

Die FraktionSführerbefprechung im Reichstag, die heute nachmittag stattfand, hat schon nach kurzer Zeit zu einer wesentlichen Entspan­nung der Vage geführt. Offenbar hat ^er­mann Müller in dieser Besprechung auch bereits Andeutungen in der Richtung der Weimarer Koalition als AuSweg nach Scheitern der Derhandlungen über die Droste Koalition ge­macht. £err p Guörard hat aber erklärt, dah da - Zentrum die Weimarer Koalition nicht m i t m a ch e n würde. ES wird behauptet, dah auch der Dorsihende der demokratischen Fraktion, Dr. Koch, sich diesem Standpunkt an- geschlossen Hal«. Diese Ereignisse haben nun in parlamentarischen Kreisen doch wieder zu einer günstigeren Beurteilung der Berständi- gungSmSglichkeiten über die Drohe Koalition geführt. Wie weit diese Auffassung berechtigt ist. wird nicht zuletzt von dem Ergebnis der morgigen FraÜionSsihung der Deutschen BolkSpartei abbängen AlS ein Symp­tom der Entspannung gegenüber der Lage vom Bvrmittag wird aber im Reichstag die Tat­sache gewertet, dah ReichSminister Dr. S t re se­in a n n heute abend seinen älrlaub an­tritt. den er auf etwa acht Wochen berechnet bat. Dr. Ltresemann wird zunächst in ein Sa­natorium in der Rahe von Baden-Baden gehen, um dann die zweite Hälfte feinet Urlaub- in Karlsbad zu verbringen

. poincare über bie Stabilisierung des Franken.

Paris. 21. Juni. (WB.l 3n der Kammer sprach Pvinear6 über die FinatH- und die allgemeine Politik der Regierung un Hinblick auf die bevorstehende Stabilisierung der Wäh­rung. Dincent Auriol habe die Finanzpolitik scharf bekämpft, aber die Regierung habe doch bewiesen, dah man «1 einem Ergebnis gelangt fei; 1924 fei er, Poincars, zurückgetreten, weil die Wähler sich gegen ihn ausgesprochen hätten. Zetzt habe die Regierung keine Beranlassung «habt, zurückzutteten. weil man die Solidarität, bie die Minister untereinander verbinde, nicht habe brechen wollen. Wenn die Kammer die Ge­schäfte einer neuen Regierung übertragen wolle. r° stchc ihr daS frei, aber man möge daS erst in der kommenden Woche tun. da in Zwei Tagen dem Parlament ein wichttgeS Ge­setz über die Währungspolitik unter­breitet werde. Als die jetzige Regierung anS Ruder gekommen fei habe sie nicht verheimlicht, dah sie eine ernste Partie spiele Die Regierung habe die schwebende Schuld in be­trächtlichem Maste berrmgert. Diele Kapita­listen. die ihr Geld ins Ausland zu bringen pflegten, seien nach Wiedergewinnung des Der- trauerns anderer Ansicht geworden. Seit acht­zehn Monaten das müsse man zugestehen habe die Bank von Frankreich immer inter­venieren müssen, um die tatsächliche Stabilisierung nicht zu gefährden.

Die Hausse-Spekulation auf den Franken haben zu einer Vermehrung des üblichen gedeckten

Kn'iische Lage in Südslavien.

Die (Schüsse von Belgrad.

Die Schüsse im Belgrader Parlament haben wieder einmal die Aufmerksamkeit auf die von den Serben erbittert bekämpften kroatischen Autonomiebestrebungen gelenkt, bie sich vielleicht mit den elsässische, vergleichen lassen, nur besteht hier der eine Unterschied, dah die Kroaten begeisterte Südslawen sind und jederzeit ihr Herzblut für daS 1918 geschaffene jugoslawische Reich lassen würden, wenn eS gilt, die Grenzen deS Staate- gegen äußere Feinde ZU verteidigen. Wiederhe4t haben sie Gelegen­heit gehabt, Proben ihres Patriotismus zu geben, erst jüngst waren eS gerade die Kroaten, die sich vorwiegend an den antiitalienischen De­monstrationen beteiligt halten, woraus sich eine scharfe Spannung zwischen Belgrad und Rom entwickelte. So sehr sie für den jugoslawischen Staatenverbanb eintreten, in dem Serben, Kroa­ten und Slowenen nebeneinander wohnen, so stark ist auch ihr Wunsch nach einer eigenen Verwaltung. Sie wollen sich nicht von den Serben in Belgrad bevormunden lassen, sondern mit ihnen gleichberechtigt an der Herr­schaft im Staate teilnehmen. Die Serben da­gegen. die wiederum den Einheitsstaat, natürlich unter ihrer Führung, ansteuern, wollen in den Autonomlebestrebungen der Kroaten eine Untergrabung der Kraft und Stärke der Ratton erblicken und haben bisher nichts unterlassen, um sie auf diesem Gebiete zu bekämpfen. Daraus ist ein starker kroatisch-serbischer Gegensatz er­wachsen, der dazu geführt hat. dah in der Skup- schtina die kroatische Bauernpartei unter der Führung Stephan Raditschs gegen die Radikalen, hinter denen hauptsächlich die Grohserben stehen, in die Opposition hinübergewechselt ist. Ramentlich bei den ver­schiedenen Parlamentswahlen ist diese Feindschaft als Wahlterror der Radikalen in die Erscheinung getreten, gegen den sich aber die Kroaten stet» mit gutem Erfolg zur Wehr zu setzen vermochten.

Die Spannung zwischen den beiden Gruppen bat sich jetzt bei der 'Beratung über die Rati­fizierung der Rettuno-Dertrage, von der Italien daS Weiberbestehen deS Freund- schasiSvertrageS mit Jugoslawien abhängig macht, weiter verschärft, weil d t e K r o a t e n. die in den an den italienischen Staat grenzenden Gebieten wohnen, sich benachtei ligt fuhlem Sic lehnen die Ratifikation ab. während sie von den Radi­kalen, allerdings auch nur aus realpolitischen Erwägungen, befürwortet wird. Die Kroaten hätten vielleicht mit sich über die Annahme deS DertrageS reden lassen, wenn die Radikalen ge­schickter operiert und ihnen im Rahmen des jugoslawischen Staates die Rechte der Selbst­verwaltung eingeräumt hätten, auf die fic An­spruch erheben. Durch die Mordtat im Belgrader Parlament, der kroatische Führer zum Opfer ge­fallen find, ist diese innere Zerrissenheit Iugo- flawiens in das grellste Licht gerückt worden. Wahrscheinlich wird sie nicht ohne Folgen blei­ben. Welche Rückwirkungen da» Attentat bei den Kroaten auSlösen wird, besonders wenn Stephan Radittch auch noch seinen Derletzungen erliegen sollte, ist noch völlig unklar. Der lachende Dritte ist natürlich Italien, dessen Spiel der wild ge­wordene radikale Ttbgeprbnete Racic nur er­leichtert hat.

Die Kroaten fordern RiickirittderRegierung Reue Ltratzcnunruhcn in Belgrad.

Belgrad, 22. Juni. (IZL) Donnerstag um 16JO Ahr wurden die Leichen der getöteten kroatischen Abgeordneten Paul Radittch und Dr. Georg Ba- sarittchek zum Bahnhof gebracht, um nach Agram übergeführt zu werden. Die Ueberführung der Leichen gestaltete fich ohn? jede Zeremonie. <£» wurde feine Trauerrede gehalten.

Die kroatifche Bauernpartei hielt ge­meinsam mit den selbständigen Demokraten

unter dem vorflh de» Parteiführer» Pribltschewitsch eine Sitzung ab. Rach der Sitzung wurde ein Be­richt oerdffenltld)L in dem die Partei ihrer Ver­wunderung darüber Ausdruck gibt, dah bie Re­gierung noch immer nicht jurütf ge­treten sei. wa» jur Beruhigung der ganzen Ra­tion und insbesondere de» froatifdjen Volke» not­wendig wäre. Die Bereinigte bäuerlich-demokratische Koalition habe sich enffdjloffen, dah sie mit dieser Regierung in keine Verbindung treten werde und In die Belgrader Skupsästina solange nicht zurückkehren werde, bi» für da» vergossene Blut ihrer gefallenen Märtyrer Genugtuung sowohl wie volle Gleichberechtigung gegeben werde.

In den späten Abendstunden des Donner»lag kam e» in Belgrad zu schweren Zusammen- sl o h e n zwischen der Polizei und Demonstranten. Die Demen ft ran ten, bestehend au» Studenten und Kommunisten, veranstalteten noch in den Abend­stunden einen Vernon st ralionszug, wobei Rufe gegen die Regierung laut wurden. Die herbei­eilenden Gendarmerie- und Polizeibeamten versuch­ten die Demonstranten ja zerstreuen. Diese errich­teten jedoch an verschiedenen Strahenrcken der Stadt Barrikaden und griffen die Polizei mit Steinen an. Vie Polizei machte von der Schuhwaffe Ge­brauch, wobei vier Personen getötet und 12 verwundet wurden. Um Mitternacht gelang es der Gendarmerie und der Polizei, die Ruhe in Bel­grad wiederherzustellen. 27 Demonstranten wurden

verhaftet. Die Studenten wurden nach Feststellung ihrer Personalien wieder aus freien Futz gesetzt, während die Kommunisten In haft gehalten wurden.

Oie Auffassung in Hom.

Rom. 21. Juni. (X.-1L) Zu den Belgrader Ereignlsten bemerkt der .Piccolo" u. a., dost Stefan Raditfch. gegen den vor allein ' le Revolvcrschüsfe gerichtet waren, der schärfste Feind Italiens fei. Seine grobe Populari­tät In Kroatien genieste er feit dem Zusammen­bruch der Donaumonarchie. Radlisch. der sich früher a!S hartnäckiger Anhänger der Ham­burger Dynastie hervorgetan habe, habe sich fc.;ic Popularität bei den Bauernmasten Kroatiens, hie noch immer Anhänger deS alten Regimes feien, durch feine Anhänglichkeit an daS alte Ocst'rreich erworben. Radlisch fei da« Dorbild eines Demagogen, der fähig fei, vor den gemeinsten Lugen nicht ,urück­zuschrecken wenn eS gelte, die Gunst der Masten zu erwerben. Die Vorgänge in der Sttlp- schtina werden zweiiellvS zur Steigerung der Spannung zwischen Serbien und Kroatien beitra­gen. DaS Boulevardblatt .Brlllantc" fleht in den Auseinandersetzungen in her Skupschttna d e logische Folge deS Temperaments. bc3 Thar-ck- tero und der Erziehung einiger oder sehr Dielet Mitglieder der wenig illuftrcn jugostawilchen po­litischen Gesellschaft, der cd nur mit Mühe ge­lungen fei, sich zu europäisieren. Die Dcr'chie- denheit der Rasse, der Gebräuche und der e- ligion bilde die Grundlage bei lebendigen HasteS der Serben, Kroaten und Slovenen.

Seuischland organisiert den Szeanflngverlehr.

Bau eines ^iesenflugbostö auf den Ooenierwerteu. KSHl übernimmt die Leitung

Berlin, ?1 3«mL ,PrlöaM»leg<amm.) Am Schluh feiner gestrigen Rebe auf dcm zu Ehren der drei Ojeanflicger veranstalteten Festbankett bei kroll erklärte der Reichsverkchrsmlnister Dr. Loch, bafj Deutschland berufen sei, im kommenden Iran»- ozeanflugverkehr eine führende Rolle zu fpklen. Wie wir erfahren, sind die Vorbereitungen hierzu schon weiter gediehen, al» ursprünglich an­genommen werden durfte. Bei den Dornier- werken am Bodensee befindet sich zur Zelt ein Riefenflugboot mit einer Leistung von 5000 Pferdestärken im Bau, mit zehn Motoren au»ge- rüftcl, da» auf der geplanten Iransojean- route eingesetzt werden soll. Da» Flugzeug, da» in riesigen Abmessungen gehalten sein wird, soll Imstande fein, auf dem' Ozean zu landen und wieder vom Ozean zu flarlen. Den Iranrozeanoerkehr wird die Deutsche Luft­hansa in enger Zusammenarbeit mit dem Reich»- verkehr»minislerium elnrichlen. Leiter diese» deut­schen Tran»ozeanflugverkehr» wird Hermann Köhl sein, dem eine führende Stelle in der Lufthansa an- geboten worden Ist. Köhl Hal sich, wie wir zuver­lässig erfahren, bereit erklärt, da» ihm ge­machte Angebot anzunehmen. (Ein prominentes Mit­glied der Lufthansa erklärte, dah Köhl infolge feiner grofjen flugtechnischen Erfahrungen und feines hohen Ansehens in der ganzen Well wie fein Zweiter für diese Aufgabe geeignet fei.

Hindenburg empfangt die Ozeanflieger.

Berlin, 21. Juni. (WTB.) Die Ozean- fliegcr Hauptmann a.D. Köhl, Freiherr von H u n e f e l b und Major Fitzmaurice statte­ten heute dem Herrn Reichspräfibcnten einen Besuch ab. Am Portal des Hauses des ReichSprästdenten empfing StaatSfekretär Dr. M e i st n e r die Flieger und geleitete fie zum

Reichspräsidenten, wo er die Herren iwrstellle. Der Herr Reichspräsident sprach in herz­lichen Worten den Ozean fliegern feine Glück­wünsche für daS Gelinaen deS kühnen Fluges und zugleich als alter Soldat feine Anerkennung für Die hierbei bewiesene Tapferkeit und Tatkraft aus. 3n der ansch! testen den Unter­haltung liest sich der Herr Reichspräsident über die Einzelheiten der OzeanÜberquerung beridj'en. Beim Abschied überreichte der Herr Reichs­präsident jedem der drei Herren ckl« Zeichen seiner Anerkennung und zur steten Erinnerung fein eigenhändig unterschriebenes Bild mit sil­bernem Rahmen.

3m Garten des Hauses des Reichspräsidenten fand heute nachmittag ein Empfang der drei Bremen"-Flieger statt. Der Herr Reichspräli- dent, unterstützt durch Staatssekretär Dr. Meist- ner, begrüßte die Flieger herzlich Reichskanzler Dr. Marx, der Dlzekanzler Dr. He cgi, die Minister v. Keudell, Köhl«, Schätzet. Groener, BraunS, Lurttu-, Schice waren ebenfalls er- schienen.

Am Vormittag waren die .Bremen"-Flieg« ein« Einladung de- Magistrats und der Stadt­verordneten von Berlin zu einem Frühstück im Festsaal deS Berliner Rathauses gefolgt Die Säfte wurden durch den Gtadtverordneten- sitzung-faal nach den Feflräumen geleitet, wo sie sich an den reichgeschmückten Tafeln nied«- liesten. Anwesend waren neben Vertretern deS Magisttats. der 6tabtoeroEbnetenDerfammlimg und der DezirlSkörperfchaften. den Sfcrenbürgern und Stadlältesten Berlins, der Botschafter der Bereinigten Staaten von Amerika, S h u r m a n, Vertreter der Reichs« und Staatsbehörden, der Parlamente, der Luft- und Seefahrt, der Wis­senschaft. d« Finanz. deS Handels. Der Indu­strie. der Technik und de« Handwerkes, de« AuSstellungs-, Meste- und Verkehrswesens, bet Beamten-, Angestellten- und Arbeiterorganisa­tionen und der Presse. Im Verlaufe des Früh­stücks sei«te Cbcrbürgenneift« Dr. Böst die Flieg« in ein« herzlichen Ansprache

Rotenumlaufs geführt. Die Höhe des Roten­umlaufs drohe eine Steigerung der LebenSm it telprei se nach sich zu ziehen. Ohne StabUisierung werde die Dank von Frank­reich grobe Schwierigkeiten haben, die Speku­lation einzudämmen. Poincare erklärte alsdann, daß et eigentlich Anhäng« einer teilweisen Revalorisierung fei: aber diese würde die wirttchafiliche Lage des Landes beunruhi­gen: austetdem würden dadurch die Einnahmen des Schatzamtes verringert, was eine Er­höhung der Lasten zur Folge habe. Eine Revalorisierung würde auch eine Herab­setzung der Beamtengehälter und der zu zahlenden Pensionen im Ge.vlge haben. Au- allen dielen Gründen habe die Regierung sich für die Stabilisierung entschieden. Poincare kam bann auf die in teralliier- ten Schulden zu sprechen und erklärte imt« dem lebhaften Beifall aller Gruppen von der Rechten bis zur äust«sten Linken, dah keine Rede davon sei, die Abkommen von London und Washington ohne Vorbehalt zu rati­fizieren. Wir haben, so meinte Poincare, bis­her alle Termine eingehalten und ich hofie. dah wir darin sorfiähren können. Wenn die Möglich­keit einer Gesamtregelung der internatio­nalen Schulden ins Auge gefaßt werden tollte.

so wären wir sehr gern zu einer sehr gründlichen Prüfung der Frage bereit unter der Bedin­gung, dah die Interessen Frankreichs nicht ver­letzt n>ett)en. Die auswärtige schwebende Schuld fei vollkommen getilgt, und die innere schwebende Schuld von 94 auf 75 Milliarden herabgesetzt. Al- PoincarL in der Frage der Stabilisierung eine Politik der Einigkeit forderte, kam es zu scharfem Wortwechsel zwilchen den So­zialisten und Abgeordneten her Rechten. Pom- care verwies darauf, dah die deutschen Sozial­demokraten mit Abgwrdneten and«er Parteien in diesem Augenblick üb« die Regierungsbildung verhandelten. Die Haltung der französischen So­zial :1t en sei wohl nur auS einem wohlüber­legten Opportunismus heraus zu v«stehen.

Reparationslieferungen und Kohlenkrisis.

London, 21.Juni. (WB.) In der Unterhaus- debatte über die Voranschläge des Dergwerksministe- rimns sprach das Arbeüermitglied Hall über die kritische Lage der Kohlenindustrie und betonte, daß seit 192-5 1112 Gruben geschlossen wor­den, und dah in manchen Gebieten 68 Prozent

der Bergarbeiter erwerbslos seien. Die Fehlbeträge, die sich seit Beginn des augenblicklichen Abtommens angehouft hätten, beliefen sich aus 24 712 000 Pfund Sterling. Das liberale Mitglied Nunciman nannte es eine tragische Tatsache, dast jur gegenwärtigen Zeit die Zahlungen von Reparationen in Kohle von selten Deutschlands tatsächlich viele Tausende britisch« B«garbeit« arbeitslos machten D« Präsident des Handelsamtes. Tunliffe-Li­st e r erklärte eS in sein« Antwort für un­möglich, durch administrative ober legislative Qfftion die die Kohlenlieferungen berührenden Bestimmungen des Friedensvertrages zu ändern. England habe die Frage in der ReparattvnS- kommission und durch diplomatische Vorstellung aufgeworfen.

Oie Ermordung Rasputins.

Tcr Prozeß gegen Zussupojf.

Paris, 22. Juni. (WTB. Funkspruch.) Fürst Iussupoff, gegen den die Tochter Raspu­tins einen Prozeh auf Schadenersatz wegen Ermordung ihres Vaters angestrengt hat, gab gestern einem Vertreter desSlatin* gegenüber die Xat ohne weiteres zu und «Härte, es habe fich um