Ausgabe 
22.5.1928
 
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Nr. Ny Erstes «sM

178. Jahrgang

Dienstag, 22. Mai 1928

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Bet lagt«. (Blc^rnrr

Weimar ne 13Ub Di» Scholle

B?onat»«B»ju6»prtlJ: 2 Reid)smarh unb 20 Rrichspsrmnig flr Trägt» lohn, auch bei Slidjter- scheine« einzelner Nummer, nfolg« höherer Gewalt. Aernsprechantchlllsse:

61. M und 112 Lnlchrtfl für Draht,ach» richten listiger tlt^nu vollschecNonio. freifferl ae Main 11686.

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

ünnf int ftrlog: BrfiN'fdje Untoerfiläts.Bid). ,nd Stthrtniderti R. langt In Wt»en. Sdjrtftlettnng und «tfdfäflrteBt: SchnUttaßt 7.

.innadme hi ln)tiflr, |ir die Tegetnemmer bi« jum Nachmltiag r.-rbet.

Preis rtr l mm höhe für Clnuigen von 27 inm crtiu brihd) 8, auswärt« 10 Neichspsennig für Xe» klameameigtn von 70 u m Breite 35 )ieich«pfeig, Platzoorfchnst 20 . mehr.

Chefrebakteur

Dr. Fnebr Diib Lange. BerantwonUch löt Dol tik Dr. Fr Wilh Lange für Feuilleton Dr h Tbguot, für den übrigen Teil Ernst Blumschein: für den An« getgenteil Auri hivmann, sämtlich in (Ditfjen

Vor dem Mlkttitt des Kabinetts.

Zusammentritt des neuen -leichbtaqs nicht vor Mitte Juni

Berlin, 21. Mai. (pnoatmdbung.) Jn der V rette ist die Dranulnng ausgesprochen worben, daß bie Reichsregierung olelleichI schon morgen jartrffretrn fönntr. P.mgrgenübrc ist herauf hinzu- roeifen. bah zunächst da« amtliche Mahler- ged i i s abgrroartrl werden muh. Vie Regierung wünscht, wie oerlaulet. auch durch ihren Rücktritt eine Regierungskrise nicht eher Herdeizuführen, als bie Bedingungen für den unmittelbar beoorstehen- den Zusammentritt des Reichstags ge­geben Hnb. Der Reichstag durfte in den lagen zwischen dem 10. und 14. Juni zusammen- Irrten, wenn bie Regierung lange vorher zurück- Ireten würde, so wurde sie mit brr Führung der Geschäfte beauftragt werden müstrn, was gewisse Schwierigkeiten mit sich brächte.

Wen enstenden Heffen-Aaffau und Hessen in den Reichstag?

DSR. Frankfurt a.Hl.. 21. Mai. Del bet gestrigen Wahl find von den einzelnen Wahl- Vorschlägen folgende Kandidaten gewählt und werden in den Reichstag einziehen:

Reffen» Jlaffou:

Don den Sozialdemokraten: Scheide- rnann-Berlin. Dewerkschaftsfekretär Wed- Frankfurt a. M.. Bezirksleiter Recker- Herborn, Parteisekretär Schnabrich -Hcrsseld, Witte- Wiesbafen.

Don den Deutschnationalen: Amts­richter a. D. v. Li n de i ne r -W i l d a u-Ber- lin. Landwirt und Dürgermeifter Lind-Rd.- Issingsheim.

Dom Zentrum: Universitätsprofessor Dr. Dessauer- Frankfurt a. W.. Vizepräsident Dr. E r v n e - M ü n z e b r o ck-Berlin. Mittel'chul- lehrer Schwarz- Frankfurt a. M. (durch Listen» Verbindung,.

Don der Deutschen Dolkspartei: The» miker Dr. Wilhelm Kalle-Frankfurt a. M., Landwirt und Bürgermeister Günther-Wüst- willenroth (durch Listenverbindung).

Don den Kommunisten: Schriftsteller Münzenberg - Berlin.

Don den Demokraten: Reichsminister a.D. Dr. Peter Reinhold- Dresden.

Don der Ehristl.-Rat. Bauern- und Landvvltspartei: Landwirt Hepp-Seel­bach.

Hessen:

Don den Sozialdemokraten: Staats­präsident a. D. U 1 r i ch - Darmstadt. Reichs- Minister a. D D.'. D a v i d - Berlin. Redakteur Dr. Q u e s s« l - Darmstadt.

Dom Zentrum: Rechts nw.:lt Dr. Dockius- Mainz.

Don der Deutschen Dolkspartei: Rechtsanwalt D i n g e i d e h - Darmstadt, da der an erster Stelle stehende Minister a. D. Dr. Decker aus der Reichsliste annehmen wird.

Don der L h r i st l. - R a t. Bauern- und Landvolkspartei: Landwirt Wilhelm Dorsch !l.-Wölfersheim.

Der demokratische Spitzenkandidat in Hes'en, Dr. Hellpach. findet in Rafsau nicht (K gend Rest stimmen, um auf die'e Weife in bc3 Reichsparlament einziehen zu können. Gi ist aber auf der ReichSliste an sicherer Stelle zum gleichen Ziele gelangt. Der zweite Kandidat deS Zentrums. Regienrngirat Knoll, wird voraussichtlich nicht tm Reichs­tag fitzen, da die Rossauer Reststimmen der Zentrumspartei höher sind olS die hessischen die somit nach Rafsau sollen müssen.

Der kommende Mann.

TaSHamburger ^remdenblatl" zum Waßlergebnis.

Berlin. 21. Mai. ($11.) Das »Hamburger FremdenblaN führt die Fortschritte der Wirtschaftspartei zum großen Teil auf bie für ein armeS Dolk viel zu schnell voll­zogene Entwicklung deS Trusts in der Industrie wie im Binnenhandel zurück. Auch der Heine Exporteur werde bedroht durch das Aufsaugen der Heinen Industriellen von den groben Konzernen. Dasselbe gelte von der B e orängung der Einzelhändler bur ch Warenhäuser und Konsumvereine. Am Schluß deS Artikel« wird die Erwartung ausgesprochen, daß es zur großen Koali­tion kommen wird. Man werde sich auch mit Bern Gedanken vertraut machen müssen daß deren Führer ein sozialdemokratischer Reichskanzler wird, und zwar komme wobl nur Ministerpräsident Broun in Betracht, dem an Format keiner seiner Parteigenossen gleicht. Die Unfreundlichkeit. die er im Streit mit Hon. bürg manchmal gezeigt hat. soll uns den Blick für die Befähigung des Mannes nicht trüben. Sr habe die Fähigkeit gezeigt, ein Kabinett mit starker Hand zusammenzuhalten und über die Schranken der Parlcilehre hinaus ^u'iehcn: er werde auch Blick dafür haben, daß die Drohe Koalition im Reiche vielfach aus andere Wege geführt werden muh als die Koalition mit der bisher in Preußen regiert mürbe: ja. wahrscheinlich werde auch in Preußen die Große Koalition wieder erstehen.

Das Ausland zur Deichsiagswahl.

Zufriedenheit in Paris.

-Jede Erwartung übertroffen.

Paris. 22. Wal. (Tel.) Das Ergebnis der deutschen Reichstagswahlen wird in Paris, und zwar nicht nur im Quai d Orsay. mit außer­ordentlicher Zufriedenheit aus- j genommen. So schreibt der .TempS". Eins müsse man bereits feststellen, daß das deutsch Dolk sich nach links gewandt habe und sich kategorisch für die Politik der Befestigung deS republikanischen Systems und deS Friedens entschieden habe Die Riederlage der Deutsch- nationalen hätte jede Erwartung über­troffen. insbesondere in jenen Gebieten. die als Hochburg der imperialistischen Reaktion an- zusehen seien. Der Sieg der Sozialdemokraten und die Riederlage der Deutschnationalen kenn­zeichneten eine t l e s a e hende Wand­lung in der öffentlichen Rieinung. Die deutschen Massen hätten sich dem Sozialismus xugewanbt. weil sie In ihm die sichere Kraft erblicken, um sich der imperialistisch-militärischen Reaktton deS Grafen Westarp in den Weg zu (teilen. Der Widerstand gegen die Weimarer Verfassung und gegen die Politik von Locarno und Gens sei in den Wahlen vom 20. Mai desavouiert worden, die eine Verurteilung der Regie- rungskoalitiondergemäßigten Par­teien mit der nationalen Rechten, wie Marr sie geschaffen habe, bedeuten. Die nationalistische .Liberty" schreibt: Für Frank­reich und die Alliierten handelt es sich darum, ob zu Ehren eines links gerichteten Reicfetages ein fetteS Kalb geschlachtet wird, d. h. bat Rheinland geräumt werden wird. An­dererseits muß Frankreich aufmerksam die deutsche Finanzlage verfolgen, um die eS nicht besser als um die französische bei einer unter dem nationalistischen Einfluß stehenden Regierung be­stellt fein würde.

Für Frankreich Ist die Allernattve immer bie gleiche: entweder ein veutschlanb, bas fähig ist zu zahlen unb Infolgebeffen stark unb gefährlich ist ober ein Deutschland, in dem die Demagogie herrscht, das wohl wegen seiner Schwäche be- ruhlgl, aber wegen seine« Ruins zahlungs­unfähig ist.

Nach her dem Linkskartell nahestehenden3 n forination" würde bie Bildung einer Weimarer Koalition nicht leicht sein, da sie nicht üjer eine solide Majorität verfügen würde. 3m übrigen würde der WirtfchaftSpartei die Aufgabe zufallen, den Kernpunkt einer neuen Majorität zu bilden, doch fehle es dieser an einem festen Programm, da sie im wesentlichen aus unzufriedenen Bürgern gebildet sei. Besonders bedeutsam erscheint dem Paris midi" der Sieg der Kommunisten, den diese dank der Moskauer Unterstützung errungen batten, und d i e Verluste der Demokraten. Diese Mischttngspartei besitze keine Zukunft in Deutschland und würde sich wohl über kurz oder lang mit der Volkspartei vereinigen. Der 20. Mai wäre ein historischer Tag gewesen. Gr hätte bewiesen, daß die Deutschnationalen auch in ihren reaktionären Hochburgen angreifbar waren. Der sozialistische P o o u 1 a i r e schreibt: Unsere heiß ersehn tenWünsche haben sich erfüllt. Der deut­sche Sozialismus geht vergrößert aus der schweren Wablschlacht hervor Er hat den Sieg baoongetragen; er schlägt die deutsche Reaktion. Das ist auch der cieg der deutschen Republik und der Sieg des Friedens und der Annäherungspolitik der Völker.

Da« gemäßigt rechts eingestellte _Petit Journal" zieht zwei Folgerungen aus dem Wahlergebnis, einmal die. daß Dreioiertel deS

Die Minderheiienschule in Oberschlesien.

Zaleski sabotiert den Haager Schiedsspruch

Berlin, 19. Mai. Der polnische Außen­minister Zaleski hat eine Rede über die pol­nische Außenpolitik gehalten und dabei geäußert, nach dem Schiedsspruch des Haager Schieds­gerichts über die Minderheitsschulen in Oberschlesien habe der Völkerbund jetzt die Aufgabe zu erwägen, ob bie Eprachprüfun- gen entsprechend der grundsätzlichen Entschei­dung deS Haager Schiedsgerichts aufrecht zu erhalten seien.

Diese Acußerung des polnischen Außenministers steht, wie die ,2äg[. Rundschau" schreibt, i n flagrantem Widerspruch mit der Haager Gerichtsentscheidung selbst. Das Schiedsurteil, das am 26. April gefallt wor­den ist. stellt ausdrücklich fest, daß die Regelung, die nach Artikel 131 der Denser Konvention vor­gesehen ist, keine Einschränkung. Be­einträchtigung oder Bestreitung zu- läht. Es gibt also ganz deutlich und Har zu er­kennen. daß alle Beanstandungen einer Anmel­dung zur Minderheittschule der einmal getroffe­nen Regelung widersprechen. Auch in der Begründung des Urteil« ist noch einmal aus­drücklich bestätigt, daß Rachprüfungen nicht zulässig sind. und eS wird in diesem Sinne da auch festgestellt, daß das Verbot einer Bestreitung oder der Rachprüfung der einmal erfolgten Anmeldung auch dann aufrecht zu erhalten ist, wenn bei der Anmeldung falsch«

Landes Stresemanns Annäherungs- und Frie­denspolitik gebilligt habe, daß aber anderer­seits die innere Politik des Reiches schwieriger und verwickelter wird als je. da der Bruch de« G l e i chg e wl ch t e s zwilchen den Sozia­listen und linksbürgerlichen Parteien die letzteren in allen Fragen nach links tühren müsse. ,Q u o t i b i c n , da- führende Blatt deS ehemaligen Linkskartells, vertritt den Stand- puntt. daß das Ergebnis der ReichStagswahlen die französische Politik verpflichte, denn, so schreibt er, wenn der Wille Frankreich«, wie wir überzeugt sind, ein Friedenswille ist. wird es dann nicht angebracht sein, diese Gelegenheit zu ergreifen, um die zwischen beiden Ländern fort beste hen den Differenzen zu regeln und loyal von beiden Seiten die Aera der Versöh­nung zu inaugurieren? Da« Nationalist isch- Herikale .Journal" schreibt: Nicht« wäre ge­fährlicher. alS die jetzige Orientierung al« eine Verstärkung der Friedensverträge anzusehen. Deutschland schwankt zwischen der Unzufrieden­heit der Rechten und der Unzufriedenheit der Linken, unzufrieden ist es immer. DaS ebenso eingestellte .Echo de Paris" schreibt: Die Grundgedanken der deutschen Poli­tik werden durch die Wahlergebnisse kaum be­rührt werden. Diese Grundgedanken seien mili­taristisch, bu r e a u k r a t i s ch und all­deutsch. Der monarchistische .D a u l o i S" warnt vor Illusionen. Man dürfe nicht ver­gessen, daß die deutschen Sozialdemokraten 1914 wie ein Mann in den .srlsch-sröhlichen Krieg" gezogen seien.

Genugtuung in England.

Tic Rückkehr Ltresemannv nlo Außenminister wird erwartet.

London, 22. Mai. (TU) Vie Blätter beschrän­ken sich auf bie Wiedergabe der Berichte ihrer 'Ber­liner Horrclponbenten. Lediglich in den Ueberfchris- ten findet sich eine Meinungsäußerung, wobei ent­weder von einem Ruck nach links oder einer Festi­gung der Republik gesprochen wird. Ais interessante Einzelheit wird die Niederlage Dr. S t r e s e - mannt in Bayern verzeichnet unb mit offensicht­licher Genugtuung feine Wahl auf der Re.ch»ttste feftgeftellt. In politischen Kreisen wird die Wahl als ein weiteres Zeichen der inneren Festigung Deutschlands angesehen Die Gewinne der K o m m u n i ft e n finden starke Beachtung Die Kräfteoerfch ebung durch den Gewinn der Sozial­demokraten und bie Schwächung der Deutschnatio­nalen wird insofern ats von erheblicher Bedeutung angesehen, als ziemlich allgemein mit der Bil­dung einer neuen Regierungskaali- tion unter sozialdemokratischer Füh­rung gerechnet wird. Die Hauptaesichlspuntte für das englische Urteil der deutschen Wahlen find aber vorwiegend außen- und wirtschaftspolitischer Natur. In dieser Hinsicht wird die Rückkehr Dr. Stresemanns auf den Auhenministerposten, mit der man sicher rechnet, sehr begrüßt, wobei wirtschaftspolitisch keine einschneidenden Aenderun- gen erwartet werden

Das Echo der Berliner presse.

Bolksparieiliche Auffassung.

Tic Möglichkeit der Großen Koalition.

Berlin. 21.Mai. Dem Wahlausfall ent­sprechend rechnen die Blätter übereinstimmend mit dem Zustandekommen der Großen Koa­lition unter Führung der Sozialdemokratie. DieDeutsche Allgemeine Zeitung" gibt ihren Wahlbetrachtungen bereits die Ueber- schrist ..Reichskanzler Otto Braun", weist aber auch daraus hin. daß noch geringfügige Aenderungen im Zahlenbilde der Parteien rela­tiv bedeutenden Einfluß auf die Abschätzung der politischen Möglichkeiten des neuen Reichs­tages mit sich brinf.cn können. Das Bla t erklärt, dem Sinne des parlamentarischen Systems ent­spreche eS aus alle Fälle, wenn nun umgehend ein Vertreter der stärksten Partei, der Sozial­demokratie, mit der Regierungsbildung be­traut wird. Die Sozialdemolratie solle doch einmal zeigen, was sie an wirklicher Ar­beit zu leisten vermag. Möge doch nun­mehr ein Kabinett unter ihrer Führung beweisen daß bie schrankenlosen Versprechungen, die sie in der Opposition machen konnte, von ihr durchgeführt werden.

DieTägliche Rundschau" schreibt: Die Wahlen vom 20. Mai ha'.en den von der Sozial- dewokralie ertrarteen Ruck nach links gebracht und damit eine Radikalisierung unserer Parteiverhältnisse, die sich nicht nur In dem zi fernmäßigen Zuwachs der Sozialdemo­kraten und Kommunisten ausdrückt, sondern auch viel ach durch die Radikalisierung innerhalb der Parteien, die durch den Aussatt der Wahlen eine S.ärkung criah.e.i wird. Jedenfalls kann man schon heute fagei. daß es außer­ordentlich schwer se.n wird, diesen Reichs-

tag arbeitsfähig zu machen unb arbeitsfähig zu erhalten.

Das Zenirumsurteil.

Tic Kolgen innerer Uneinheit.

Die® e r m a n i a" halt es für weder glaub­würdig noch nachweisbar, baß bie Sozialdemokra- tie aus den Reihen des Zentrums viel Zuzug er­halten hat, sondern führt den Rückgang der Zen- trumsstimmen auf bie Splitterparteien unb auf Wahlenthaltung zurück Das Zentum, schreibt das Blatt, hat gerade im Laufe de» letzten 7>ahies große Stürme aushalten müssen. Neben dcn fach- lichen Schwierigkeiten, die in der vergangenen Koa­lition lagen, haben sich auch öffentliche Aus- einandersetzungen unter denFührern ergeben, die letzten Endes doch auf bie Wähler nicht ohne Rückwirkung geblieben zu fein scheinen. Wir wollen über uns selbst und unsere Politik ein­dringlich nachdenken und danach trachten, daß wir wieder zu einer stärkeren Einheit auch in Fragen der Praxis unb Methode zurückkommen. Das Blatt stellt fest, daß, was das Ausmaß ter links gewonnene!» und rechts verlorenen Mandate an flehe, der Wahlausgang doch überraschend fei Was am me (ten zu denken gibt, ist der Um- stand, daß auch die Kommunisten ) u ge­nommen haben und daß damit die allgemeine Tendenz eines Ruckes nach links gekennze ch et sei. Das Blatt ist der Ansicht, daß die Sozialdemokrat n sich nur mit der Hilfe ehemals bürgerlicher St m- men habe verstärken können Ziehe die Sozialtsmo- krotie in so ftattl cher Anzahl in den Re ch'.tag ein, so werde in verstärktem Maße die Frage i vch her Verantwortung an sie gestellt merden muf­fen (Eine solche Partei werde vraktiich zu ?e gen haben, was sie von ihren Wahlversprechurgen wahr zu machen imstande sei.

Angaben gemacht worben Hnb. Danach unter­liegt es also keinem Zweifel, baß burch bas Haager Schieb'gerichtSuntcU etwaige Sprach- Prüfungen ober sonstige Maßnahmen zur Ein- schrankung bc8 Willen- ber Antragsteller auf Grunb bet getroffenen Vereinbarungen völlig unzulässig sind. Der Forberung, bie ber polnische Außenminister erhoben hat. kann nach bem Sinn unb Wortlaut bes Haager Schieds- gerichtsurtcils unter keinen llmftänben entsprochen werden.

DerDonezprozeß.

Ein Lchulddekenntnis.

Moskau. 21. Mai. (WTB.) 3n ber heu­tigen Vormitta-z-sihung wurde bie Beweis- aus nähme eröffnet. Einer ber Hauptange­klagten, Beresowski, ein Ingenieur aus der Zarenzeit, der in der Anklageschrift als Kapi­talist von 20 020 Rubel bezeichnet wird, gab ein Schuldbekenntnis ab. daS lediglich seine Gesinnung unb nicht Tatsachen betraf Bere­sowski war nach seinen Angaben der Heber* zeugung, daß das Lowjetregime vorüber­gehend sei. Er glaubte daher pflichtgemäß zu panfein, wenn er den Weifungen frühe­rer Grubenbesitzer folgte. Er bestritt, ben Schacht I ersäuft zu haben, behauptet vielmehr, der Schacht habe bereits unter Mal er gestanden. AuS seiner Darstellung ging fervor daß er kein Verbrechen beabsichtigt hat. sondern durch das gegenrevolutionäre Cßerhalten feiner Kollegen mitgerissen worden ist. Er gab zu, den Weisungen der früheren ©rufen»

besitzet, bie bie GtufenauSfeute m&glid st ver­ringern wollten, gefolgt zu fein. Erschwerend fällt in- Gericht, daß Beresowski dafür Veld genommen hat. Die deutschen Angeklagten rerlangten nach Dolmetschern, da sie nicht in der Lage waren, fern Prozeß zu folgen. J?ad> Ablehnung Müntes als Derieibiger bean­tragte Rechtsanwalt DotmS. ihn wen! strn« als vereidigten Dolmetscher heran­zuziehen. doch lehnte das Gericht auch diesen Antrag ab.

Lnqenieurverfolqungen.

Ausländische Techniker und Ingenieure verlassen ihre Posten.

K o w n o . 22. Mai. ($H.) Aus Moskau wird gemeldet, bah im Zusammenhang mit fern Dv* nezptozeh unb ben Verfolgungen gegen In­genieure unb Techniker diese ihre Poften in ben Fabriken verlassen Aach in- ofsiz.ellen Angaben fe'infen sich in ber Sowjet­union über 530 Ingenieure und Techniker, von denen mehr als die Hälfte deutscher Herkunft sind. Einige Gruppen haben sich an die Sowjetregierung mit fern Ersuchen ge­wandt. sie von ihren Verträgen zu befreien und hnen b;e Rückkehr nach ber Heimat zu ermöglichen. Die tussifchen Ingenieure werfen von der D. P. LI. überwacht. 3m Gou­vernement Tambow hat das Gericht zwei In­genieure wegen politischen Banditentums zum Tode verurteilt. Das Urteil ist be­reits vollstreckt.