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Meiner werten Kundschaft zur gefl. Kenntnis, daß ich Frankfurter Strabe 89 ein
Damen- und Herren-Friseurdeschäfl eröffnet habe. Um geneigten Zuspruch bittet hochachtungsvoll
Oskar Schön
20 Fortsetzung.
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Den Kopf hintüber gelehnt an saß sie und schaute mit entrückt Augen auf zu den Sternen. Ob
Slromplbanilöflrlel
mit 2Paar Strumpfhaltern
Oie goldenen Berge.
Roman von Clara Diebig.
Copyright bh Deutsche Verlags-Anstalt Stuttgart.
schmutzig war er von Staub und Schweiß! Er traute sich gar nicht ins Städtchen hinein.
Erst als es dunkel geworden war, wagte sich Joseph zwischen die Häuser. Vielleicht, daß er hier
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da oben blinkte, wohl auch Menschen wohnten? Eine Näherin wohnte wie sie? Eine, die dort, wie sie hier, einsam war, vor der Türe saß und sich sehnte? Ach, so sehr sehnte! Die Einsame seufzte tief: sie fühlte sich heute besonders matt. „Sie nähen zuviel, Fräulein Nettche," hatte die Frau von oben
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Wir bringen hiermit zur allgemeinen Kenntnis, daß am nächsten Sonntag, dem 25. März 1928, die Geschäfte m 11 *ootOi5 6 litt im staut amtlicher Bekanntmachung) für öeo MM iWgeUleli werden ßfirfenl
Oer Vorstand.
blühende Pflanzen in reichster Auswahl und allen Preislagen Rud. Weber, Gartenbaubetrieb
Joseph nrußle lange so sitzen geblieben sein. Nun machte er die Augen auf, die er geschlossen hatte — weiß Gott, er muhte geschlafen haben, es war schon Abend. Seine Kleider waren feucht vom Tau. In der vergangenen Nacht hatte er sich ums Elternhaus Herumgetrieben, hatte dann, als es Tag wurde, in einer verlassenen Bretterbude an der Chaussee, die der Obstpächter erst wieder im Herbst bezieht, Unterschlupf gesucht. Und dann war er gewandert, lange schon. Die Mosel macht unendliche Windungen, und die Chaussee macht sie immer mit; die Füße taten ihm weh von dem langen Gehen auf der harten Straße. Seine Sohlen waren zerrissen und hielten nichts mehr ab. Bis zur Kreisstadt würde er heute Abend noch kommen, da dann die Nacht zubringen — aber wo? Wie? Er hatte kein Geld für die Herberge.
Eine verfluchte Situation! Er stieß einen kurzen Pfiff aus und kraute sich hinterm Ohr. Wieder in irgendeiner verlassenen Bude liegen, oder wenn er keine solche fand, ganz im Freien nächtigen? Im Städtchen kannte er niemand, und niemand kannte ihn, so würde ihn auch keiner da aufnehmen. Na, dann mußte es eben so gehen. Wenn er erst in Koblenz war, kriegte er ja Geld, und dann war er wieder obenauf und alles ging gut! Er pfiff wieder, aber jetzt klang das Pfeifen anders, es hatte bereits Melodie.
Als ein paar junge Mäherinnen, die Gebunde Gras auf dem Kopf, nun über die abendliche Chaussee daherkamen und nach dem einsam am Gra^enrand Sitzenden äugten, sprang er auf. Waren das hübsche Frauenzimmer und lustige dazu! Sie unterbrachen ihr Lachen und erwiderten heiter sein Gutenabend, blitzten ihn dabei an mit blanken Augen. Es tat ihm leid, daß er mit den zweien nicht anbändeln konnte, aber sie gingen weiter. Denen war er wohl zu abgerissen? Er verwünschte seine heruntergekommene Kleidung. Dom Liegen i.m schmutzigen Stroh der Bude war die auch nicht besser geworden. Scham überkam ihn: oh, wie
nungcn, allerlei Ideen, lauter Unmöglichkeiten, solche Unmöglichkeiten, daß sie schon Verrücktheiten waren. Ach, nur nicht verrückt werden über die Einsamkeit unb über das leere Leben. Heber das Altwerden ohne Mann, ohne Kindl
Nettchen schreckte zusammen; wer kam da? Sie Halle um diese Zeit im Gäßchen noch niemals Schritte gehört. Hier wohnten keine Leute, die spät abends nach Hause kamen. Es hatte sie noch niemals ein Mensch gestört, und wenn sie hier bis nach Mitternacht gesessen hätte. Nur die Katzen aus der Nachbarschaft kamen miauend geschlichen, und Fledermäuse, deren Zickzackflug man nicht mehr sehen konnte, spürte man durch ein leis-wehendes Streifen am Gesicht vorbei.
Sie hatte sich dock) wohl getäuscht — kein Tritt mehr. Und doch wurde sie das Gefühl nicht los: da drüben an jener Wand des Hauses lehnt jemand unb sieht hierher — nach dir? O was, nach ihr sah ja keiner. Ober ber Mann, besten Gestalt sie, jetzt schärfer hin seh end, entdeckte, verkannte sie. Der wartete auf eine anbere. Sie räusperte sich. Und dann sagte sie ruhig: „Guten Abend." Sie hatte ja nichts zu fürdjten.
Don drüben erwiderte einer: „Guten Abend," unb kam dann über die Straße.
Auf Nettchens Gesicht fiel Sternenschein, der verschönte,^es schimmern machte wie Mond im Dunkeln. Sonst sah man nichts, nur dies weiche Mondengesicht.
Der Mann schien erstaunt, hier eine so einsam zu finden. Auf der Bank vor der Tür im Dunkeln, unb ironn doch allein?! Soviel er erkennen konnte, ein hübsches Gesicht, unb es schien ihm zu lächeln. "Dar^ ich mich neben Sie sehen, Fräulein? Ich bin müb.' Er sagte es mit einem Seufzer.
-*3a, setzen Sie sich nur." Nettchen rückte ein bißchen. Sie kannte ihn nicht. Wäre er einer von hier gewesen, so hätte sie ihn erkannt, trotz ber unsicheren Dunkelheit; aber b e n hier hatte sie noch niemals gesehen. Aber sie hatte keine Angst vor ihm, er schien ihr hübsch unb sehr jung.
.'Noch so spät auf?" sagte er und klemmte sich neben das Mädchen auf das schmale Bänkchen. „Auf wen wartste denn?"
„Auf niemand."
Er legte zutraulich den Arm um sie.
Sie zuckte unwillkürlich zusammen: ach, jetzt merkte der junge Mensch, daß sie einen Buckel hatte!
doch eine Unterkunft fand: etwas zu essen, einen Bottich zum Waschen und ein Lager, auf dem er sich ausstrecken konnte. Vor Sonnenaufgang würde er sich dann heimlich auf und davon machen. Er schlich, suchend, scheu wie einer, ber kein gutes Gewissen hat, durch die dunkeln, vom Sommerdunft mit schwerer Luft erfüllten müden Gassen....
In b^r engen Gaste, von der es hinunter an die Mosel geht, saß die Schneiderin Nettchen Schmitz auf ber schmalen Bank an ber Hauswand. Sie hatte den ganzen Tag zu geschnitten, probiert, genäht, und das dis um zehn Uhr am Abend, nun schöpfte sie Lust. Alles im Haus war zur Ruhe gegangen, nur sie allein war noch wach. Sie war immer diejenige im Haus, die am längsten auf keiner mehr was.
gefaat, als sie heute beim Vorbeigehen zu ihr ins ^ensterchen guckte, „Marjö, wat sind Sie blaß! Fehlt Ihnen was? Sie sehen bald aus wie en Gespenst." Unb dann hatte sie sich darüber sehr amüsiert, einen so guten Witz gemacht zu haben. Nettchen seufzte wieder: ach, ihr fehlte nichts — unb doch fehlte ihr etwas, ihr fehlte sehr viel! Sie konnte bas nur nicht sagen. Alles fehlte ihr, was sie befriedigen würbe, gesund machen unb glücklich. Die Frau oben erwartete jetzt das dritte Kind, hatte rote Backen, war gesund und fröhlich. Die hatte gut lachen!
Das einsame Mädchen erschauerte. Wirre Gedanken durchschossen Nettchens Kopf: ad), nur nicht immer wieder diese Gedanken, die sie so oft heim- fuchten unb quälten! Sie tarnen in ber Nacht, und dann war's vorbei mit dem Schlaf; sie blieben bis zum Morgen, unb bann stand sie auf, müde und matt. Sie kamen auch bei ber Arbeit, unb dann war es am schlimmsten, denn bann mußte sie nach- her trennen. Begehrende Gedanken, wilde Hoff-
Aber er merkte nichts. Er war müde und ganz vom Dunkel umfangen. Hier saß es sich gut — ah’ Er streckte die müden Beine mit den schmerzenden Füßen von sich. In einer Regung, die dreist war — war die hier vielleicht ein gefälliges Mädchen — unb die doch etwas Bangsuchendes in sich barg, wie bei einem Knaben, ber sich im Wald verirrt bat, zag er sie näher zu sich heran. Man konnte ja mal versuchen, vielleicht nahm sie ihn auf. Sie durfte es nur nicht merken, wie heruntergekommen er war. Gut, daß es so dunkel war! Ihn fröstelte, nach heißem Tag kühlte die Nacht jetzt plötzlich rasch ab, ein Obdach wäre nicht zu verachten. „Wie heißt du, mein Schatz?"
„Nettchen!" Sie ging auf seinen Ton ein; es siel ihr gar nicht ein, „Sie" zu sagen oder abwehrend zu tun. Dieser hier war wie vom Himmel herunter in ihre Gasse gefallen, ein fremder Mensch und doch — „Unb du, wie heißt du?"
„Joseph." Er küßte sie.
Und sie ließ sich so ruhig küssen, wie sie es sich hatte gefallen lasten, daß er den Arm um sie legte unb sie näher an sich heranzog. Sie hielt ganz still, nur ihr Herz schlug rafenb, in bem Tempo eines schnellen, unerhörten, schindelnden Gefühls: ah, nun erfuhr auch sie es einmal, wie es einer zumute ist, um die sich der Arm eines Mannes legt! Jesus Maria, wenn er es nur nicht doch merkte, daß sie bucklig war! Ein Glück, daß es so dunkel war. Nettchens ängstlicher Blick suchte den Himmel ab: Gott sei Dank, kein Mond war zu sehen! Nur bie Sterne blinzelten traulich. Die flüsterten da oben Stern bei Stern, wie zweie hier unten miteinander flüsterten.
Was sie eigentlich miteinander zu flüstern hatten, hätte keines von ihnen vorher zu sagen gewußt. Die Nacht sank, vertraut machend, immer tiefer auf sie herab. Arn Ufer vorbei schlich leise die Mosel. Dumpf dröhnte nun lcmgfam die alte Kirchenuhr sie tat zwölf Schläge.
"Als zwölf! Ich bin so müb," flüsterte gähnend ber Bursche. „Unb verdammt hungrig." Der Magen tat dem Joseph weh, er hatte Krämpfe darin vor Hunger.
"2ch habe zu essen," flüsterte das Mädchen. Oh. wie war Nettchen auf einmal so froh, daß sie am Abend keinen Hunger gehabt hatte, es mar alles noch da: Brot, Wurst, und ein Topf voll Milch ..Ich holen dir was heraus, für zu esten!" Sic fPrang hastig auf._____________(Fortsetzung folgt.)
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