Ausgabe 
22.3.1928
 
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tm Erholungsheim Orbishöhe in -er vorletzten Woche berichtete. Der Donk der Versammelten, dein der Vorsitzende, Pfarrer Sattler, Ausdruck gab, gipfelte in dem Wunsche, daß der Vortrag der Auf­takt sei zu weiteren engeren Beziehungen zu den benachbarten Gießener Vereinen im Sinn des jüngst begründeten Kreisoerbands. Den zweiten Teil des Abends, eröffnet und beschlossen mit passenden Ge­dichten, bildete die Vorführung der Bildband- s e r i eAus dem Lebender Mutter" mit 27 Bildern von Rudolf Schäfer, der ein fein­sinniger Text beigegeben war.

r. Rüddingshausen, 21. März. Gestern mittag brach in der Wasserschaft, einem Wiesen­tale in dem den Freiherrn von Rordeck gehörigen Walde zwischen den Ortschaften Rüddings- hausen, Weitershain und Odenhausen. Feuer aus. Es griff in rasender Schnelligkeit auf den benachbarten Walddistrikt Rangen über. Holz­macher, die in der Rähe arbeiteten, wurden zu­erst aufmerksam und begannen den Flammen Ein­halt zu tun. Gleichzeitig wurde die Feuerwehr von Rüddingshausen herbeigerufen. Den ver­einten Bemühungen gelang es dann, den Brand zu meistern. Wesentlicher Schaden ist nicht ver­ursacht worden. Es wird vermutet, daß das Feuer von zwei jungen Burschen, die bei Beginn, am Brandherd gesehen wurden, an- gezündet worden ist. Das Wetter der letzten Wochen hat den Wintersaaten in unserer Gemarkung großen Schaden getan. Am meisten haben Korn und Klee gelitten.

# Hungen, 21. März. Die am Sonntag im Solmfer Hof abgehaltene Bezirksoersammluna des Imkeroereins Hungen und Umgegend erfreute sich eines außerordentlich starken Besuches. Apo­theker Hahn von hier sprach überDie chemische Zusammensetzung des Bienenhonigs und seine phy­siologische Bedeutung für die Ernährung des menschlichen Körpers". Der Vortragende betonte, daß der echte Bienenhonig noch lange nicht vom konsumierenden Publikum genügend gewürdigt würde, da seine Nährstoffe direkt vom Blute aus­genommen würden. Auch sei es der Chemie ge­lungen, mit Sicherheit gefälschten vom echten Bie­nenhonig zu unterscheiden. Einstimmig wurde von der Versammlung der Wunsch geäußert, den lehr­reichen Vortrag der breiten Oeffentlichkeit zugänglich zu machen. Der Vorsitzende, Pfarrer Gockel, stattete dem Redner den Dank der Zuhörer ab.

# Hungen. 21. März. Am letzten Sonntag­abend wurden hier im «Darmstädter Hof" die in den letzten wahren aufgenommenen Heimat- filme vom Vogelsberg durch die Licht- bildstelke des Kreisschulamts Lauterbach zur Vor­führung gebracht. Die Beteiligung der Bevölke­rung war sehr gut, auch aus den umliegenden Dörfern hatten sich viele Interessenten eingefun- den. Es wurden gezeigt: Lauterbach, Viehzucht und Weidewirtschaft des Vogelsberges, das Hun­gener Schäferfest. Waldwirtschaft, Köhlerei, der Schmeerschorsch von Kirtorf, das Mfischen des Riedermooser Teiches, Hausindustrie, eine Wan­derung von Schotten auf den Hoherodskopf und Taufstein, Herchenhainer Höhe. Hainig bei Lauter­bach. Wintersport im Vogelsberg, Schlitzer Trach­tenfest und Hochzeit. Der 3000 Meter lange Film lief auch für die Schulen der Dörfer Inheiden, Bellersheim, Langsdorf, Dillingen, Langd, Rod­heim, Steinheim und Trais-Horloff, sowie für die Schüler der hiesigen Volks» und Bürgerschule. Kreisschulrat Lorentz, Lauterbach, gab ein­leitend Erläuterungen über das Wesen und die Gntstehung des laufenden Lichtbildes. Besonders gefielen den mehr als 600 Schulkindern die beiden MärchenfilmeHänsel und Gretel" undRot­käppchen". Wahre Lachsalven erzielte der Scherz­filmDer Radfahrer Purzelbaum".

F Steinheim, 21. QUän. Dieser Tage fand im hiesigen Gemeindewald eine größere R u tzholzversteigerung statt. Eichen­stämme 1. Klasse kosteten durchschnittlich je Fest- meter 18 bis 22 Mk., solches 2. Klasse 24 bis 30 Mk., 3. Klasse 26 bis 33 Mk. Das Schnittholz der 4. und 5. Klasse wurde nicht ausgeboten. Für Fichtenstammholz wurden bezahlt je Fest­meter in Klasse la 20 bis 25 Mk., in Klasse 1b 22 bis 26 Mk., in Klasse 2a 30 bis 35 Mk.. in Klasse 2b 34 bis 38 Mk., in Klasse 3b 40 bis 47 Mk. Sehr gesucht waren die anfallenden Lärchenstämme der Klasse 2a, bei denen je Fest­meter auf über 40 Mk. kam, ein einzelner be­sonders schöner Stamm von 0,73 Festmeter kam auf 54 Mk.. was einem Festmeterpreis von 74 Mk. entspricht. Weit geringere Preise hatten Lärchenstämme der Ib-Klasse, die für 24 bis 35 Mk. zu haben waren. Kiesernstammholz er­zielte folgende Preise je Festmeter: in Klasse 2a

Prosa der Jüngsten.

Diese Sammlung von Arbeiten der aller­jüngsten Generation deutscher Erzähler*), die als ein Gegenstück zu der früher ausführlich be­sprochenen Anthologie jüngster Lyrik (herausg. von Klaus Mann und Willi R. Fehse) gelten kann, vereinigt 13 Rovellen, welche, wie das Vorwort der Herausgeber betont, unglaublicher­weise aus über 1400 (sprich: eintausendvier^rn» dertl) Einsendungen ausgewählt worden sind. Der Referent muß zunächst hochachtungsvoll den Hut lbften vor der selbstlosen und verantwor­tungsvollen Tätigkeit dreier (der nämlichen Ge­neration angehörenden) Herausgeber, die es fer­tig gebracht haben, aus anderthalb Lausend Manuskripten der Berussjournalist weiß der­gleichen aus tiefster Seele zu würdigen! ein starkes Dutzend herauszusieben und. um seines besonderen Wertes, seiner Eigenart und Zeit­geltung willen, zu einem Buche zusammenzuschlie- fjen. Die so entstandene Anthologiebient weder einet Gruppe noch einer Richtung, weder einem Verein noch einer Clique": das tat jene Lyrik-Sammlung auch nicht, und das ist gut so. Wan kommt uns mit keinem neuen Ismus, man verliest fein Manifest, schwingt keine literarische Standarte, hat keinerlei Programm. Man ist einfach da - bitte! Man stellt ganz sachlich fest: es gibt eine Anzahl junger Leute in Deutschland alle unbekannt für das große Publikum, viele auch für die Eingeweihten, die Literaturbeflisse­nen vom Bau, welche Freude daran haben, etwas zu erzählen, die sich darum bemühen. Er­lebtes in Prosasorm künstlerisch zu gestalten. Ist das nicht genug? Es gibt auch im 'heutigen Deutschland immer noch Leute, die es nicht für u.wichtig aalten,. zu wissen, ob das Geschlecht nach beni Kriege sich um Rovellen kümmert, was

') Anthologiejüngster Prosa. Her- ausgegebei' von Erich Ebermayer, Klaus V' n n Ha ä Rosenkranz. 282 Seiten 8". ( eh 4,5) Mk Seinen 6 Mk. I M Spaeth Ver­lag 'Bc-!in C 2. 1»28. 54

Der Mädchenmord bei Ltebernchal.

Der Mörder im Irrenhaus. Vertagung des Prozesses auf unbestimmte Zeit.

WSN. Limburg, 21. März. Heute morgen 9 Uhr begann vor dem Limburger Schwur­gericht der Mordprozeß Peter. Die Besetzung des Gerichts ist die gleiche wie an den Vortagen. Die Anklage vertreten Oberstaatsanwalt Dr. B a ck m e i - ft e v und Staatsanwalt Dr. Hofmann. Rechtsan­walt D i l l m a n n ist als Offizialverteidiger bestellt.

Der Angeklagte ist des Mordes an feiner ehemaligen Geliebten, der achtzehnjährigen Paula Pfeiffer aus Uebernthal, ange- klagt. Die Verhandlung beginnt mit einer eingehen- ben Erörterung der persönlichen Verhältnisse des Angeklagten. Peter war ein großer Schürzenjäger. Einige Tage vor dem 13. August 1927 will er von der Paula Pfeiffer erfahren haben, daß ihr Verhält­nis nicht ohne Folgen geblieben sei. Am Abend des 13. August traf der Angeklagte mit zwei Freunden im Dorf zusammen. Sie machten einen Spaziergang nach dein außerhalb des Dorfes gelegenen einsamen und unbewohnten Bahnhof Uebernthal. Um 9.30 Uhr kehrten sie in das Dorf zurück Als Peter allein war, will er der Paula Pfeiffer begegnet fein, die gerade noch bei dem Krämer des Dorfes eine Besorgung gemacht hatte. Sie trug Salz und Reis in einer Schüssel bei sich. Der Angeklagte ging mit dem Mädchen nach dem Bahnhof Uebernthal zu, um mit ihm nochmals zu besprechen, was nun werden solle. Peter gibt an, er habe Angst gehabt, seinem Vater Mitteilung zu machen, daß die Paula ein Kind von ihm erwarte. Schon früher habe er wiederholt das Mädchen gebeten, zuerst ihrem eigenen Vater davon Kenntnis zu geben, damit dieser bann die Sache mit seinem Vater bespreche. Als die Pfeiffer feine Frage, ob sie das nun endlich getan habe, verneinte, sei er in große W u t geraten und habe erklärt, daß er dann eben durchgehen werde. Als die Paula ihm darauf antwortete:Na, dann werde ich dich eben zwingen, mich zu heiraten", habe er sie an der Kehle gesoßt und dreimal gegen die Wand gedrückt. Auf einmal sei sie tot zu Boden gesunken. Nachdem die Wiederbelebungsversuche keinen Erfolg gehabt hät­ten, habe er die Leiche in den nahen Bach geschleppt, damit man glauben solle, das Mäd­chen habe sich ertränkt. Der Vorsitzende macht den Angeklagten auf verschiedene Widersprüche gegenüber seinen früheren Aussagen aufmerksam. So bat er früher behauptet, er habe Turnschuhe ge­tragen, von denen der Vorsitzende annimmt, daß Peter sich vorher diese Schuhe ausgesucht habe, um keine Spuren zu hinterlassen. Der Angeklagte be­hauptet heute, er habe damals den Unter­suchungsrichter belogen. Es seien seine Arbeitsschnhe gewesen. Ebenso habe er den Unter» suchungsrichter belogen bezüglich des Weges, den er vor der Tat mit feinen Freunden genommen habe. Am nächsten Tage ist der Angeklagte auf ein <5 ä n

20 bis 26 Mk., in Klasse 2b 23 bis 28 Mk.> in Klasse 3a 30 bis 38 Mk.: ein Stamm von 1,05 Festmeter kam auf 49 Mk. Birkenstammholz war außerordentlich billig, je Festmeter 8 Mr. Auf die Ruhholzfubmission von rund 50 Festmeter Fichtenstammholz der beiden ersten Klassen einschließlich Fichtenderbstangen und 45 Festmeter Kieferngrubenyolz waren sieben An­gebote eingegangen. Zimmermeister Heinrich Aeppelmann von Inheiden erhielt als Höchstbietender den Zuschlag zu folgenden Prei­sen je Festmeter: Kiefern grubenholz 24,26 Mk., Derbstangen 31,25 Mk., Fichtenstammholz Kl. 2b 41,05 M?., Klasse 2a 39,66 Mk.. Klasse 1b 36,55 Mk., Klasse la 33,06 Mk.

* Bettenhausen, 21. März. Am Sonntage abend fand hier ein vom Kriegeroerein ver­anstalteter Lichtbilder vortrag statt. In gut besetztem Saale sprach Kamerad K. Kratz aus Freienseen über seine Erlebnisse im Kriege auf U. 32". In dem zweieinhalbstündigen Vortrag, dem die Besucher mit Begeisterung lauschten, fehlte es weder an Ernst noch Humor. Jedermann erfreute sich an den vortrefflichen Bildern der ehemaligen stolzen Marine. Der Gesangverein brachte zwei oatcr. ländische Lieder zu Gehör, die dem Abend noch eine besondere Würze verliehen.

Kreis Friedberg.

z£ Bad-Rauheim, 21. März. Der heute unter dem Vorsitz von Bürgermeister Dr. Ahl

g e r f e ft bei Herborn gegangen und hat sich nichts anmerken lassen. Nach einem längeren Kreuzverhör durch Vorsitzenden, Staatsanwälte und Verteidiger ist die Vernehmung des Angeklagten einstweilen beendet.

Es werden daraus mehrere Zeugen vernom­men: die beiden Freunde des Angeklagten, die vor der Tat mit ihm den Spaziergang gemacht hatten, und mehrere Mädchen, die mit Peter in mehr oder minder auten Beziehungen gestanden haben. Aus den Aussagen ergibt sich u. a., daß Peter st a r k hinter dem Mädchen her war. Er war Dirigent des Kirchenchors einer dort verbreiteten Sekte. Im Dorfe selbst spielte er den bra­ven Burschen, während er es, wie einige Zeu­gen bekunden, auße r ha l b des Dorfes in punkto Alkohol und Mädchen um so schlim- nttr trieb. Die Mutter des Angeklagten verweigert die Aussage. Daraus wird der Vater vernommen, und hierbei kommt es zu einer großen lieber- raschung. Der Vater berichtet, daß sich ein Bruder von ihm feit 1914 im Irrenhaus be­findet, und zwar in der Landeshsilanstalt in Her­born. Er habe damals bei der Einlieferung zwar angegeben, die Geisteskrankheit seines Bruders rühre von einem Unfall im Bergwerk her: das habe er aber nur getan, um zu einer Rente zu kommen. In Wirklichkeit verhalte sich die Sache so, daß seine Mutter ihm schon früher gesagt habe, daß man von Jugend auf seinen Bruder für nicht normal gehalten habe. Bei seinem Bruder hätten sich in dem Alter, in dem sich der Angeklagte heute befindet, die gleichen Iähzornanfälle und Gewalttätigkeiten gezeiat, von denen eben verschiedene Zeugen bezüglich des Peter berichtet haben.

Diese Angaben des Zeugen sind für Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidiger, neu. Der zufäl­lig anwesende Direktor der Herborner Anstalt er­klärt, daß die Geisteskrankheit nicht auf einen Un­fall zurückzuführen sei, daß es sich vielmehr um eine erbliche Belastung in der Familie handle. Der Verteidiger erklärt darauf, er könne die Verantwortung nicht übernehmen, daß weiter verhandelt werde, ohne daß der Angeklagte in einer Anstalt auf seinen ©elftes- zustand untersucht worden sei. Diesem An- trag schließt sich der Direktor der Herborner An­stalt an. Das Gericht beschließt darauf, den P r o - zeß auf unbestimmte Zeit zu ver­tagen. Der Angeklagte soll in einer Anstalt auf seinen Geisteszustand beobachtet werden. Peter selbst wehrt sich gegen diese Vertagung. Er will nichts davon wissen, daß er geisteskrank fein soll.

stattgehabten Stadtverordneten Ver­sammlung lag ein Defchlutz des Dauaus- schusses vor, der den Stadtverordneten empfahl, vorlagsweise einen Kredit bis zu 2 0 0 0 0 0 Utl. zur Verfügung zu stellen, aus dem für 20 im Jahre 1928 zu erstellende Wohnungen Dau- beihilfedarlehen unter den gleichen Be­dingungen wie im Vorjahre zu gewähren sind. Die Versammlung stimmte dem zu. weil Gesuche von Baulustigen auf Gewährung von ordent­lichen und außerordentlichen Baudarlehen schon in großer Zahl vorliegen und nzan es für rat­sam hält, zeitig mit dem Bauen zu beginnen, auch wenn die Höhe der aus der Sondergebäude-- steuer vom Staat zu erwartenden Mittel im Augenblick noch nicht bekannt ist. Aus der Ver­sammlung wurde im Zusammenhang damit Kritik an den hohen Preisen geübt, die der Staat hier für sein Baugelände fordert. Auch wurde ge­wünscht, daß bei Gewährung der Darlehen in erster Linie die kriegsbrschädigten Gesuchsteller zu berücksichtigen seien. Eine längere Aussprache entspann sich über den Punkt der Tagesordnung, der die äleberleitung der städtischen Besoldungs- gruppen behandelte. Hierzu lag ein Antrag der Verwaltung vor, der auf Grund der zwischen dem Hessischen Städtetag und der Gewerkschaft hessischer Gemeindebeamkn getroffenen Verein­barung die Ueberleitung der städtischen Be­amten und Angestellten in die neuen Besoldungs­gruppen vorschlägt, und zwar derart, daß dem

Reichsbesoldungsgesetz entsprochen wird. Die Ver­sammlung stimmte zu und-rschte darüber hinaus auf Antrag auch eine Angleichung an die zu erwartende hessische Besoldungsregelung. falls diese eine Besserstellung der hessischen Staatsbeamten gegenüber den Reichsbe­amten bringen sollte. Für Herstellung einer Straße wurden 14 500 Mk. bewilligt. Vor Jahresfrist hat die Ort^franfcnfaffe des B u chdruckergewerbes (Berlin) in der Küchlerstrahe ein Anwesen erworben und daselbst ein Erholungsheim eingerichtet. Die Krankenkasse beabsichtigt, auf ihrem Grundstück noch einen Reubau zu errichten, benötigt dazu aber Be­freiung von Vorschriften der Ortsbausatzung. Die Verfannnlung sprach sich nach längerer Aus­sprache für die Befreiung aus. Zu Beginn der Sitzung verlas Bürgermeister Dr. Ahl ein Ein­ladungsschreiben der Freiwilligen Sanitäts­kolonne vom Roten Kreuz für deren 40jährigeS Jubiläum im April dieses Jahres.

Krr'I Büdingen.

)( Büdingen, 21. Marz. Dieser Tage fand unter dem Vorsitz von Dekan Schäfer eine Konferenz der evangelischen Geist­lichen unseres Dekanates statt, der auch der Superintendent von Oberhessen, Oberkirchenrat Wagner beiwohnte. Rach Schriftlesung und Gebet durch Pfarrer Bär (Lindheim) widmete der Vorsitzende dem aus dem Dekanat fcheiden- den Pfarrer Kahn (Ortenberg) herzliche Dankes­und Abschiedsworte. Pfarrer Türk (Rohrbach) wurde an Stelle des Scheidenden zum Ver­trauensmann für Aeußere Mission. Pfarrer tie. W i ß m a n n (Wenings) zum Vertrauensmann für den Pressedienst ernannt Pfarrer Bär (Lind- Heim) hielt hieraus einen Vortrag über .Die Führung der Ortschroniken". Die Frage der Familienregister wurde eingehend besprochen. Der neue Direktor des Hessischen Landesvereins für Innere Mission, Pfarrer Röhricht (Darmstadt) sprach sodann über das zeitgemäße ThemaGegen­wartsaufgaben der Inneren Mission in Hessen". Nach einer Mittagspause schloß sich dann eine Ausschußsihung des Evang. Kreiswohlfahrts­dienstes an, der ebenfalls Oberkirchenrat W a g - n e r, Direktor Röhricht und Regierungsrat Dr. Lotz als Vertreter des Kreisiugendamts beiwohnten. Der durch den Geschäftsführer vor- getracene Jahres- und Kassenbericht fanb eine eingehende Besprechung, die geleistete Arbeit ein­mütige Billigung. Die provisorische Leitung des Evang. Kreiswohlsahrtsdiensies übernahm für den bisherigen Geschäftsführer. Pfarrer Kahn (Ortenberg), in dankenswerter Weise Pfarrer Werner (Usenborn). Eine endgültige Besetzung der ehrenamtlich geleiteten Stelle soll erst im Laufe des Jahres erfolgen.

Ridda, 20. März. Die hiesige Ortsgruppe der Liga zum Schutze der deutschen Kultur im Auslande hatte gestern abend zu einer großen Filmvorführung im Gambrinussaale ein­geladen und als Redner Ingenieur A. Ertel aus Gießen gewöhnen, der die einzelnen Vor- &rungen erläuterte. Eine Reise auf dem LuxusdampferKolumbus" führte die zahlreichen Besucher von Bremen nach Reuyork. Der zweite Film zeigteIm Postkraftwagen durch Deutschlands und Oesterreichs Alpenwelt" die schönsten Touren in diesem Gebirgsabschnitt. Der letzte FilmSonne ist Leben" ließ den Zuschauer die gewaltige Energie der Sonne erkennen, die alles Leben auf der Erde weckt und für seine Erhaltung unentbehrlich ist. Dem Redner wurde großer Beifall gespendet Heute hatten die Schulkinder des Bezirks Ridda einige Stunden anschaulicher Beleh­rung durch das Kino des Kreislehrervereins Büdingen, dasDie Großdeutsche Volkstagung in Goslar 1927 und dabei die verschiedenen zahlreichen Stämme der 37 Millionen Ausland- deutschen, ihre Trachten, Tänze usw. zeigte.

# Unter-Widdersheim, 21. März. Bei der in diesen Tagen abgehaltenen Grundstück- Versteigerung wurden geringe Preise er­zielt Allerdings waren die Verlaufsbedingungen besonders ftreng. Reben der Tragung sämtlicher Unkosten mußte die Hälfte der Kaufsumme so­fort bezahlt werden, ein Viertel am 1. Juli und der Rest an Martini 1928. Ein Grundstück von 3000 Meter kam auf 1200 Mk, ein gleich­großer Acker mit etwas geringerem Boden auf nur 700 Mt

Kreis Schotten.

§ Laub ach, 21. März. Die ErnteauS- t e n werden durch das fortgesetzt trockene 1 Wetter sehr trübe. Die Winterfrucht ist

für einen Stil diese Jüngsten schreiben, und was sie vorzubringen wissen.

(Natürlich ist jede derartige Auswahl subjektiv. Auch wenn drei Herausgeber daran arbeiten. Sehr fraglich, ob drei anbere die gleichen Stücke herausgehoben hätten: noch fraglicher, ob sie es nicht überhaupt unterwegs aufgegeben hätten und im Papierchimborasso elendiglich steckengeblieben wären. Es tommt auch gar nicht so sehr auf die Auswahl im einzelnen an. wenn ]ie nicht von vornherein schlecht und kritiklos ist. Es kommt darauf an, daß überhaupt etwas geschieht Wir müssen abermals auf die grundsätzlichen Dar­legungen Stefan Zweigs im Vorwort zur An­thologie jüngster Lyrik verweisen (Familienblatt Rr. 70. 1927): wenn unter den Dreizehn dieser Sammlung nur einer ist, dem geholfen wird, und der verdient, daß ihm geholfen wird, barm hat das ganze Unternehmen die Mühe reichlich ge­lohnt.

Wenn wir diejenigen namhaft machen sollen, deren Erzählungen uns am eindringlichsten be­rührt haben, deren Prosa nach Gehalt und Form uns am reifsten zu sein scheint, so wären es nach sorgsamer Prüfung diese vier: Joachim Maaß, Manfred Hausmann, Werner Türk und W. E. S ü s k i n d. Maaß rundet mit Phan- tafie und stilistischer Vornehmheit eine feine, in sich ruhende Erzählung um dieinconnue de la Seine. Hausmann ist unfern Lesern nicht mehr fremd. Von ihm findet man eine Land- streicher-Rovelle. ein Kapitel aus dem merk­würdigen neuen BucheLampioon", auf das wir noch ausführlicher eingehen werden: seine Geschichte ist überzeugend, oft hinreißend um der Abgründigkeit des Erlebnisses, der Wildheit und Wucht des Bekenntnisses und um ihrer unbe­dingten und rücksichtslosen Sprache willen. Türk, mit seinen ..Kellernächten", schildert schonungslos und mit einer erstaunlichen Sicherheit des Zu- grifss ein Stuck unterirdisches Berlin, ein kleines Proletarierschicksal, und man konnte an einen Rückfall in den Raturalismus glauben, wenn nicht der konzentrierte Geaenwarlsstil neuer Sach­lichkeit überall zu empfinden wäre. Endlich Süs- kind. der aus der lyrischen Anthologie schon be­

kannt ist, mit einer kurzen, ungemein gedrängt und eindringlich erzählten Rovelle vorn Leben und Sterben des amerikanischen Filmlieblings Dalentino.

Das sind diese vier: weniger überzeugt hat uns Georg von der Dring, dessenSoldat Suhren" so außerordentlich gelobt wird. Die hier zu lesende ErzählungDie Furt", eine Freikorps- episode von 1809, ist stilistisch etwas spröde und im Gegenständlichen zu verschwommen und breit. Von den übrigen wären Claire Goll, die ja allerdings nicht zur jüngsten Generation zählt, mit einer zarten und nachdenklichen Tiergeschichte, und Manfred Stur mann (Abschied von Eu­ropa") zu nennen. Daneben finden sich auch ein paar recht schwache, ganz unfertige Proben in dieser Sammlung (Hans Lorbeer. Hilde Böhm, Georg D o b ö), und es ist zu erwägen, ob sich unter den Hunderten von Manuskripten, die verworfen wurden, nichts Besseres dafür hätte eintauschen lassen. Sache der Herausgeber! And im Grunde unwichtig neben der Tatsache, daß doch aus dieser Anthologie heraus nun eine kleine Gruppe von Ramen zu nennen ist, deren jeder eine Hoffnung bedeutet, lind wenn es statt der vier oder fünf oder sechs nur ein einziger wäre von vierzehnhundert, so genügte das schon, um dieses Buch zu rechtfertigen: man muß wün­schen, daß das Beispiel, we ches hier und anderweit mutig gegeben wurde, begriffen, auf genommen und wiederholt werde. Es hat sich bis jetzt noch immer gelohnt.y

Hochschulnacknchten.

Der durch die Emeritierung des Geh. Regie­rungsrates M. Friedwagner an der Universität Frankfurt a. M. erledigte Lehrstuhl der romanischen Philologie ist dem ordentlichen Pro­fessor Geh. Rat Dr. Karl Boßler in Mün­chen angeboten worden. Der Ordinarius Dr. jur. Fritz Pringsheim in Göttingen hat einen Ruf auf den Lehrstuhl für Zivilprozeß- recht und deutschen bürgerlichen Rechts an der Universität Frankfurt als Rachfolger Prof. Max Pagenstechers erhalten. Zum Rachfolger des Geh. Rats Eugen Korschelt auf dem Lehr­

stuhl der Zoologie an der Universität Marburg ist Prof. Dr. Friedrich Alverdes in Halle a. d. Saale ausersehen. Der durch die Emeri­tierung des Geh. Rats Otto Iaekel an der Uni­versität Greifswald erledigte Lehrstuhl der Geologie und Paläontologie ist dem a. o. Prof. Dr. Johannes Weigelt in Halle a. d. S angeboten worden. Zur Wiederbesetzung des Ordinariats der Physiologie an der Universität Greifswald (an Stelle von Prof. A Kohl- rausch) ist ein Ruf an den a. o. Professor Dr. med. et phil. Wilhelm Steinhaufen in Frankfurt ergangen. Der Münchener Staats» und Kirchenrechtslehrer Prof. Dr. Karl Rothenbücher hat den Ruf an die Uni­versität Bonn abgelehnt. Zum Rachfolger des emerit. Professors M. Brendel auf dem Lehrstuhl der Astronomie der Universität Frankfurt a. M. ist der a. o. Professor Dr. Karl Wilhelm Meißner ebenda ausersehen. Der durch die Uebersiedlung des Prof. G. Hertz nach Berlin an der Universität Halle erledigte Lehrstuhl der Physik ist dem a. o. Professor Dr. Gerhard Hoffmann in Königsberg i. Pr. an­geboten worden. Zur Wiederbesetzung von Lehrstühlen an der Universität Leipzig sind Berufungen ergangen an Professor Dr. Wilhelm Dlaschke in Hamburg (Mathematik), Dr. Gerhart Rodenwald t, Generalsekretär des Archäologischen Instituts des Deutschen Reiches und Honorarprofessor an der Universität Ber­lin (Klassische Archäologie), Prof. Dr. Hermann Scheumann in Berlin (Mineralogie und Petrographie) sowie an den Privatdozenten Lic. theol. Hans Rückert in Berlin (Kirchen­geschichte). Rückert hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl der Kirchengeschichte an der Universität Leipzig als Nachfolger H. Boehmers angenommen und bereits seine (Ernennung zum ordentlichen Professor in Leipzig vom 1. April 1928 ab erhalten.

Der preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung hat den Privatdozenten für Chirurgie an der Frankfurter Universität Dr. A. W. Fischer zum nichtbeamteten außer­ordentlichen Professor ernannt