tm Erholungsheim Orbishöhe in -er vorletzten Woche berichtete. Der Donk der Versammelten, dein der Vorsitzende, Pfarrer Sattler, Ausdruck gab, gipfelte in dem Wunsche, daß der Vortrag der Auftakt sei zu weiteren engeren Beziehungen zu den benachbarten Gießener Vereinen im Sinn des jüngst begründeten Kreisoerbands. Den zweiten Teil des Abends, eröffnet und beschlossen mit passenden Gedichten, bildete die Vorführung der Bildband- s e r i e „Aus dem Lebender Mutter" mit 27 Bildern von Rudolf Schäfer, der ein feinsinniger Text beigegeben war.
r. Rüddingshausen, 21. März. Gestern mittag brach in der Wasserschaft, einem Wiesentale in dem den Freiherrn von Rordeck gehörigen Walde zwischen den Ortschaften Rüddings- hausen, Weitershain und Odenhausen. Feuer aus. Es griff in rasender Schnelligkeit auf den benachbarten Walddistrikt Rangen über. Holzmacher, die in der Rähe arbeiteten, wurden zuerst aufmerksam und begannen den Flammen Einhalt zu tun. Gleichzeitig wurde die Feuerwehr von Rüddingshausen herbeigerufen. Den vereinten Bemühungen gelang es dann, den Brand zu meistern. Wesentlicher Schaden ist nicht verursacht worden. Es wird vermutet, daß das Feuer von zwei jungen Burschen, die bei Beginn, am Brandherd gesehen wurden, an- gezündet worden ist. — Das Wetter der letzten Wochen hat den Wintersaaten in unserer Gemarkung großen Schaden getan. Am meisten haben Korn und Klee gelitten.
# Hungen, 21. März. Die am Sonntag im Solmfer Hof abgehaltene Bezirksoersammluna des Imkeroereins Hungen und Umgegend erfreute sich eines außerordentlich starken Besuches. Apotheker Hahn von hier sprach über „Die chemische Zusammensetzung des Bienenhonigs und seine physiologische Bedeutung für die Ernährung des menschlichen Körpers". Der Vortragende betonte, daß der echte Bienenhonig noch lange nicht vom konsumierenden Publikum genügend gewürdigt würde, da seine Nährstoffe direkt vom Blute ausgenommen würden. Auch sei es der Chemie gelungen, mit Sicherheit gefälschten vom echten Bienenhonig zu unterscheiden. Einstimmig wurde von der Versammlung der Wunsch geäußert, den lehrreichen Vortrag der breiten Oeffentlichkeit zugänglich zu machen. Der Vorsitzende, Pfarrer Gockel, stattete dem Redner den Dank der Zuhörer ab.
# Hungen. 21. März. Am letzten Sonntagabend wurden hier im «Darmstädter Hof" die in den letzten wahren aufgenommenen Heimat- filme vom Vogelsberg durch die Licht- bildstelke des Kreisschulamts Lauterbach zur Vorführung gebracht. Die Beteiligung der Bevölkerung war sehr gut, auch aus den umliegenden Dörfern hatten sich viele Interessenten eingefun- den. Es wurden gezeigt: Lauterbach, Viehzucht und Weidewirtschaft des Vogelsberges, das Hungener Schäferfest. Waldwirtschaft, Köhlerei, der Schmeerschorsch von Kirtorf, das Mfischen des Riedermooser Teiches, Hausindustrie, eine Wanderung von Schotten auf den Hoherodskopf und Taufstein, Herchenhainer Höhe. Hainig bei Lauterbach. Wintersport im Vogelsberg, Schlitzer Trachtenfest und Hochzeit. Der 3000 Meter lange Film lief auch für die Schulen der Dörfer Inheiden, Bellersheim, Langsdorf, Dillingen, Langd, Rodheim, Steinheim und Trais-Horloff, sowie für die Schüler der hiesigen Volks» und Bürgerschule. Kreisschulrat Lorentz, Lauterbach, gab einleitend Erläuterungen über das Wesen und die Gntstehung des laufenden Lichtbildes. Besonders gefielen den mehr als 600 Schulkindern die beiden Märchenfilme „Hänsel und Gretel" und „Rotkäppchen". Wahre Lachsalven erzielte der Scherzfilm „Der Radfahrer Purzelbaum".
F Steinheim, 21. QUän. Dieser Tage fand im hiesigen Gemeindewald eine größere R u tzholzversteigerung statt. Eichenstämme 1. Klasse kosteten durchschnittlich je Fest- meter 18 bis 22 Mk., solches 2. Klasse 24 bis 30 Mk., 3. Klasse 26 bis 33 Mk. Das Schnittholz der 4. und 5. Klasse wurde nicht ausgeboten. Für Fichtenstammholz wurden bezahlt je Festmeter in Klasse la 20 bis 25 Mk., in Klasse 1b 22 bis 26 Mk., in Klasse 2a 30 bis 35 Mk.. in Klasse 2b 34 bis 38 Mk., in Klasse 3b 40 bis 47 Mk. Sehr gesucht waren die anfallenden Lärchenstämme der Klasse 2a, bei denen je Festmeter auf über 40 Mk. kam, ein einzelner besonders schöner Stamm von 0,73 Festmeter kam auf 54 Mk.. was einem Festmeterpreis von 74 Mk. entspricht. Weit geringere Preise hatten Lärchenstämme der Ib-Klasse, die für 24 bis 35 Mk. zu haben waren. Kiesernstammholz erzielte folgende Preise je Festmeter: in Klasse 2a
Prosa der Jüngsten.
Diese Sammlung von Arbeiten der allerjüngsten Generation deutscher Erzähler*), die als ein Gegenstück zu der früher ausführlich besprochenen Anthologie jüngster Lyrik (herausg. von Klaus Mann und Willi R. Fehse) gelten kann, vereinigt 13 Rovellen, welche, wie das Vorwort der Herausgeber betont, unglaublicherweise aus über 1400 (sprich: eintausendvier^rn» dertl) Einsendungen ausgewählt worden sind. Der Referent muß zunächst hochachtungsvoll den Hut lbften vor der selbstlosen und verantwortungsvollen Tätigkeit dreier (der nämlichen Generation angehörenden) Herausgeber, die es fertig gebracht haben, aus anderthalb Lausend Manuskripten — der Berussjournalist weiß dergleichen aus tiefster Seele zu würdigen! — ein starkes Dutzend herauszusieben und. um seines besonderen Wertes, seiner Eigenart und Zeitgeltung willen, zu einem Buche zusammenzuschlie- fjen. Die so entstandene Anthologie „bient weder einet Gruppe noch einer Richtung, weder einem Verein noch einer Clique": das tat jene Lyrik-Sammlung auch nicht, und das ist gut so. Wan kommt uns mit keinem neuen Ismus, man verliest fein Manifest, schwingt keine literarische Standarte, hat keinerlei Programm. Man ist einfach da - bitte! Man stellt ganz sachlich fest: es gibt eine Anzahl junger Leute in Deutschland alle unbekannt für das große Publikum, viele auch für die Eingeweihten, die Literaturbeflissenen vom Bau —, welche Freude daran haben, etwas zu erzählen, die sich darum bemühen. Erlebtes in Prosasorm künstlerisch zu gestalten. Ist das nicht genug? Es gibt auch im 'heutigen Deutschland immer noch Leute, die es nicht für u.wichtig aalten,. zu wissen, ob das Geschlecht nach beni Kriege sich um Rovellen kümmert, was
') Anthologiejüngster Prosa. Her- ausgegebei' von Erich Ebermayer, Klaus V' n n Ha ä Rosenkranz. 282 Seiten 8". ( eh 4,5) Mk Seinen 6 Mk. I M Spaeth Verlag 'Bc-!in C 2. 1»28. 54
Der Mädchenmord bei Ltebernchal.
Der Mörder im Irrenhaus. — Vertagung des Prozesses auf unbestimmte Zeit.
WSN. Limburg, 21. März. Heute morgen 9 Uhr begann vor dem Limburger Schwurgericht der Mordprozeß Peter. Die Besetzung des Gerichts ist die gleiche wie an den Vortagen. Die Anklage vertreten Oberstaatsanwalt Dr. B a ck m e i - ft e v und Staatsanwalt Dr. Hofmann. Rechtsanwalt D i l l m a n n ist als Offizialverteidiger bestellt.
Der Angeklagte ist des Mordes an feiner ehemaligen Geliebten, der achtzehnjährigen Paula Pfeiffer aus Uebernthal, ange- klagt. Die Verhandlung beginnt mit einer eingehen- ben Erörterung der persönlichen Verhältnisse des Angeklagten. Peter war ein großer Schürzenjäger. Einige Tage vor dem 13. August 1927 will er von der Paula Pfeiffer erfahren haben, daß ihr Verhältnis nicht ohne Folgen geblieben sei. Am Abend des 13. August traf der Angeklagte mit zwei Freunden im Dorf zusammen. Sie machten einen Spaziergang nach dein außerhalb des Dorfes gelegenen einsamen und unbewohnten Bahnhof Uebernthal. Um 9.30 Uhr kehrten sie in das Dorf zurück Als Peter allein war, will er der Paula Pfeiffer begegnet fein, die gerade noch bei dem Krämer des Dorfes eine Besorgung gemacht hatte. Sie trug Salz und Reis in einer Schüssel bei sich. Der Angeklagte ging mit dem Mädchen nach dem Bahnhof Uebernthal zu, um mit ihm nochmals zu besprechen, was nun werden solle. Peter gibt an, er habe Angst gehabt, seinem Vater Mitteilung zu machen, daß die Paula ein Kind von ihm erwarte. Schon früher habe er wiederholt das Mädchen gebeten, zuerst ihrem eigenen Vater davon Kenntnis zu geben, damit dieser bann die Sache mit seinem Vater bespreche. Als die Pfeiffer feine Frage, ob sie das nun endlich getan habe, verneinte, sei er in große W u t geraten und habe erklärt, daß er dann eben durchgehen werde. Als die Paula ihm darauf antwortete: „Na, dann werde ich dich eben zwingen, mich zu heiraten", habe er sie an der Kehle gesoßt und dreimal gegen die Wand gedrückt. Auf einmal sei sie tot zu Boden gesunken. Nachdem die Wiederbelebungsversuche keinen Erfolg gehabt hätten, habe er die Leiche in den nahen Bach geschleppt, damit man glauben solle, das Mädchen habe sich ertränkt. Der Vorsitzende macht den Angeklagten auf verschiedene Widersprüche gegenüber seinen früheren Aussagen aufmerksam. So bat er früher behauptet, er habe Turnschuhe getragen, von denen der Vorsitzende annimmt, daß Peter sich vorher diese Schuhe ausgesucht habe, um keine Spuren zu hinterlassen. Der Angeklagte behauptet heute, er habe damals den Untersuchungsrichter belogen. Es seien seine Arbeitsschnhe gewesen. Ebenso habe er den Unter» suchungsrichter belogen bezüglich des Weges, den er vor der Tat mit feinen Freunden genommen habe. Am nächsten Tage ist der Angeklagte auf ein <5 ä n •
20 bis 26 Mk., in Klasse 2b 23 bis 28 Mk.> in Klasse 3a 30 bis 38 Mk.: ein Stamm von 1,05 Festmeter kam auf 49 Mk. Birkenstammholz war außerordentlich billig, je Festmeter 8 Mr. Auf die Ruhholzfubmission von rund 50 Festmeter Fichtenstammholz der beiden ersten Klassen einschließlich Fichtenderbstangen und 45 Festmeter Kieferngrubenyolz waren sieben Angebote eingegangen. Zimmermeister Heinrich Aeppelmann von Inheiden erhielt als Höchstbietender den Zuschlag zu folgenden Preisen je Festmeter: Kiefern grubenholz 24,26 Mk., Derbstangen 31,25 Mk., Fichtenstammholz Kl. 2b 41,05 M?., Klasse 2a 39,66 Mk.. Klasse 1b 36,55 Mk., Klasse la 33,06 Mk.
* Bettenhausen, 21. März. Am Sonntage abend fand hier ein vom Kriegeroerein veranstalteter Lichtbilder vortrag statt. In gut besetztem Saale sprach Kamerad K. Kratz aus Freienseen über seine Erlebnisse im Kriege auf „U. 32". In dem zweieinhalbstündigen Vortrag, dem die Besucher mit Begeisterung lauschten, fehlte es weder an Ernst noch Humor. Jedermann erfreute sich an den vortrefflichen Bildern der ehemaligen stolzen Marine. Der Gesangverein brachte zwei oatcr. ländische Lieder zu Gehör, die dem Abend noch eine besondere Würze verliehen.
Kreis Friedberg.
z£ Bad-Rauheim, 21. März. Der heute unter dem Vorsitz von Bürgermeister Dr. Ahl
g e r f e ft bei Herborn gegangen und hat sich nichts anmerken lassen. Nach einem längeren Kreuzverhör durch Vorsitzenden, Staatsanwälte und Verteidiger ist die Vernehmung des Angeklagten einstweilen beendet.
Es werden daraus mehrere Zeugen vernommen: die beiden Freunde des Angeklagten, die vor der Tat mit ihm den Spaziergang gemacht hatten, und mehrere Mädchen, die mit Peter in mehr oder minder auten Beziehungen gestanden haben. Aus den Aussagen ergibt sich u. a., daß Peter st a r k hinter dem Mädchen her war. Er war Dirigent des Kirchenchors einer dort verbreiteten Sekte. Im Dorfe selbst spielte er den braven Burschen, während er es, wie einige Zeugen bekunden, auße r ha l b des Dorfes in punkto Alkohol und Mädchen um so schlim- nttr trieb. Die Mutter des Angeklagten verweigert die Aussage. Daraus wird der Vater vernommen, und hierbei kommt es zu einer großen lieber- raschung. Der Vater berichtet, daß sich ein Bruder von ihm feit 1914 im Irrenhaus befindet, und zwar in der Landeshsilanstalt in Herborn. Er habe damals bei der Einlieferung zwar angegeben, die Geisteskrankheit seines Bruders rühre von einem Unfall im Bergwerk her: das habe er aber nur getan, um zu einer Rente zu kommen. In Wirklichkeit verhalte sich die Sache so, daß seine Mutter ihm schon früher gesagt habe, daß man von Jugend auf seinen Bruder für nicht normal gehalten habe. Bei seinem Bruder hätten sich in dem Alter, in dem sich der Angeklagte heute befindet, die gleichen Iähzornanfälle und Gewalttätigkeiten gezeiat, von denen eben verschiedene Zeugen bezüglich des Peter berichtet haben.
Diese Angaben des Zeugen sind für Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidiger, neu. Der zufällig anwesende Direktor der Herborner Anstalt erklärt, daß die Geisteskrankheit nicht auf einen Unfall zurückzuführen sei, daß es sich vielmehr um eine erbliche Belastung in der Familie handle. Der Verteidiger erklärt darauf, er könne die Verantwortung nicht übernehmen, daß weiter verhandelt werde, ohne daß der Angeklagte in einer Anstalt auf seinen ©elftes- zustand untersucht worden sei. Diesem An- trag schließt sich der Direktor der Herborner Anstalt an. Das Gericht beschließt darauf, den P r o - zeß auf unbestimmte Zeit zu vertagen. Der Angeklagte soll in einer Anstalt auf seinen Geisteszustand beobachtet werden. Peter selbst wehrt sich gegen diese Vertagung. Er will nichts davon wissen, daß er geisteskrank fein soll.
stattgehabten Stadtverordneten Versammlung lag ein Defchlutz des Dauaus- schusses vor, der den Stadtverordneten empfahl, vorlagsweise einen Kredit bis zu 2 0 0 0 0 0 Utl. zur Verfügung zu stellen, aus dem für 20 im Jahre 1928 zu erstellende Wohnungen Dau- beihilfedarlehen unter den gleichen Bedingungen wie im Vorjahre zu gewähren sind. Die Versammlung stimmte dem zu. weil Gesuche von Baulustigen auf Gewährung von ordentlichen und außerordentlichen Baudarlehen schon in großer Zahl vorliegen und nzan es für ratsam hält, zeitig mit dem Bauen zu beginnen, auch wenn die Höhe der aus der Sondergebäude-- steuer vom Staat zu erwartenden Mittel im Augenblick noch nicht bekannt ist. Aus der Versammlung wurde im Zusammenhang damit Kritik an den hohen Preisen geübt, die der Staat hier für sein Baugelände fordert. Auch wurde gewünscht, daß bei Gewährung der Darlehen in erster Linie die kriegsbrschädigten Gesuchsteller zu berücksichtigen seien. Eine längere Aussprache entspann sich über den Punkt der Tagesordnung, der die äleberleitung der städtischen Besoldungs- gruppen behandelte. Hierzu lag ein Antrag der Verwaltung vor, der auf Grund der zwischen dem Hessischen Städtetag und der Gewerkschaft hessischer Gemeindebeamkn getroffenen Vereinbarung die Ueberleitung der städtischen Beamten und Angestellten in die neuen Besoldungsgruppen vorschlägt, und zwar derart, daß dem
Reichsbesoldungsgesetz entsprochen wird. Die Versammlung stimmte zu und wü-rschte darüber hinaus auf Antrag auch eine Angleichung an die zu erwartende hessische Besoldungsregelung. falls diese eine Besserstellung der hessischen Staatsbeamten gegenüber den Reichsbeamten bringen sollte. Für Herstellung einer Straße wurden 14 500 Mk. bewilligt. Vor Jahresfrist hat die Ort^franfcnfaffe des B u chdruckergewerbes (Berlin) in der Küchlerstrahe ein Anwesen erworben und daselbst ein Erholungsheim eingerichtet. Die Krankenkasse beabsichtigt, auf ihrem Grundstück noch einen Reubau zu errichten, benötigt dazu aber Befreiung von Vorschriften der Ortsbausatzung. Die Verfannnlung sprach sich nach längerer Aussprache für die Befreiung aus. Zu Beginn der Sitzung verlas Bürgermeister Dr. Ahl ein Einladungsschreiben der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz für deren 40jährigeS Jubiläum im April dieses Jahres.
Krr'I Büdingen.
)( Büdingen, 21. Marz. Dieser Tage fand unter dem Vorsitz von Dekan Schäfer eine Konferenz der evangelischen Geistlichen unseres Dekanates statt, der auch der Superintendent von Oberhessen, Oberkirchenrat Wagner beiwohnte. Rach Schriftlesung und Gebet durch Pfarrer Bär (Lindheim) widmete der Vorsitzende dem aus dem Dekanat fcheiden- den Pfarrer Kahn (Ortenberg) herzliche Dankesund Abschiedsworte. Pfarrer Türk (Rohrbach) wurde an Stelle des Scheidenden zum Vertrauensmann für Aeußere Mission. Pfarrer tie. W i ß m a n n (Wenings) zum Vertrauensmann für den Pressedienst ernannt Pfarrer Bär (Lind- Heim) hielt hieraus einen Vortrag über .Die Führung der Ortschroniken". Die Frage der Familienregister wurde eingehend besprochen. Der neue Direktor des Hessischen Landesvereins für Innere Mission, Pfarrer Röhricht (Darmstadt) sprach sodann über das zeitgemäße Thema „Gegenwartsaufgaben der Inneren Mission in Hessen". Nach einer Mittagspause schloß sich dann eine Ausschußsihung des Evang. Kreiswohlfahrtsdienstes an, der ebenfalls Oberkirchenrat W a g - n e r, Direktor Röhricht und Regierungsrat Dr. Lotz als Vertreter des Kreisiugendamts beiwohnten. Der durch den Geschäftsführer vor- getracene Jahres- und Kassenbericht fanb eine eingehende Besprechung, die geleistete Arbeit einmütige Billigung. Die provisorische Leitung des Evang. Kreiswohlsahrtsdiensies übernahm für den bisherigen Geschäftsführer. Pfarrer Kahn (Ortenberg), in dankenswerter Weise Pfarrer Werner (Usenborn). Eine endgültige Besetzung der ehrenamtlich geleiteten Stelle soll erst im Laufe des Jahres erfolgen.
△ Ridda, 20. März. Die hiesige Ortsgruppe der Liga zum Schutze der deutschen Kultur im Auslande hatte gestern abend zu einer großen Filmvorführung im Gambrinussaale eingeladen und als Redner Ingenieur A. Ertel aus Gießen gewöhnen, der die einzelnen Vor- fü&rungen erläuterte. Eine Reise auf dem Luxusdampfer „Kolumbus" führte die zahlreichen Besucher von Bremen nach Reuyork. Der zweite Film zeigte „Im Postkraftwagen durch Deutschlands und Oesterreichs Alpenwelt" die schönsten Touren in diesem Gebirgsabschnitt. Der letzte Film „Sonne ist Leben" ließ den Zuschauer die gewaltige Energie der Sonne erkennen, die alles Leben auf der Erde weckt und für seine Erhaltung unentbehrlich ist. Dem Redner wurde großer Beifall gespendet Heute hatten die Schulkinder des Bezirks Ridda einige Stunden anschaulicher Belehrung durch das Kino des Kreislehrervereins Büdingen, das „Die Großdeutsche Volkstagung in Goslar 1927“ und dabei die verschiedenen zahlreichen Stämme der 37 Millionen Ausland- deutschen, ihre Trachten, Tänze usw. zeigte.
# Unter-Widdersheim, 21. März. Bei der in diesen Tagen abgehaltenen Grundstück- Versteigerung wurden geringe Preise erzielt Allerdings waren die Verlaufsbedingungen besonders ftreng. Reben der Tragung sämtlicher Unkosten mußte die Hälfte der Kaufsumme sofort bezahlt werden, ein Viertel am 1. Juli und der Rest an Martini 1928. Ein Grundstück von 3000 Meter kam auf 1200 Mk, ein gleichgroßer Acker mit etwas geringerem Boden auf nur 700 Mt
Kreis Schotten.
§ Laub ach, 21. März. Die ErnteauS- t e n werden durch das fortgesetzt trockene 1 Wetter sehr trübe. Die Winterfrucht ist
für einen Stil diese Jüngsten schreiben, und was sie vorzubringen wissen.
(Natürlich ist jede derartige Auswahl subjektiv. Auch wenn drei Herausgeber daran arbeiten. Sehr fraglich, ob drei anbere die gleichen Stücke herausgehoben hätten: noch fraglicher, ob sie es nicht überhaupt unterwegs aufgegeben hätten und im Papierchimborasso elendiglich steckengeblieben wären. Es tommt auch gar nicht so sehr auf die Auswahl im einzelnen an. wenn ]ie nicht von vornherein schlecht und kritiklos ist. Es kommt darauf an, daß überhaupt etwas geschieht Wir müssen abermals auf die grundsätzlichen Darlegungen Stefan Zweigs im Vorwort zur Anthologie jüngster Lyrik verweisen (Familienblatt Rr. 70. 1927): wenn unter den Dreizehn dieser Sammlung nur einer ist, dem geholfen wird, und der verdient, daß ihm geholfen wird, barm hat das ganze Unternehmen die Mühe reichlich gelohnt.
Wenn wir diejenigen namhaft machen sollen, deren Erzählungen uns am eindringlichsten berührt haben, deren Prosa nach Gehalt und Form uns am reifsten zu sein scheint, so wären es nach sorgsamer Prüfung diese vier: Joachim Maaß, Manfred Hausmann, Werner Türk und W. E. S ü s k i n d. Maaß rundet mit Phan- tafie und stilistischer Vornehmheit eine feine, in sich ruhende Erzählung um die „inconnue de la Seine“. Hausmann ist unfern Lesern nicht mehr fremd. Von ihm findet man eine Land- streicher-Rovelle. ein Kapitel aus dem merkwürdigen neuen Buche „Lampioon", auf das wir noch ausführlicher eingehen werden: seine Geschichte ist überzeugend, oft hinreißend um der Abgründigkeit des Erlebnisses, der Wildheit und Wucht des Bekenntnisses und um ihrer unbedingten und rücksichtslosen Sprache willen. Türk, mit seinen ..Kellernächten", schildert schonungslos und mit einer erstaunlichen Sicherheit des Zu- grifss ein Stuck unterirdisches Berlin, ein kleines Proletarierschicksal, und man konnte an einen Rückfall in den Raturalismus glauben, wenn nicht der konzentrierte Geaenwarlsstil neuer Sachlichkeit überall zu empfinden wäre. Endlich Süs- kind. der aus der lyrischen Anthologie schon be
kannt ist, mit einer kurzen, ungemein gedrängt und eindringlich erzählten Rovelle vorn Leben und Sterben des amerikanischen Filmlieblings Dalentino.
Das sind diese vier: weniger überzeugt hat uns Georg von der Dring, dessen „Soldat Suhren" so außerordentlich gelobt wird. Die hier zu lesende Erzählung „Die Furt", eine Freikorps- episode von 1809, ist stilistisch etwas spröde und im Gegenständlichen zu verschwommen und breit. Von den übrigen wären Claire Goll, die ja allerdings nicht zur jüngsten Generation zählt, mit einer zarten und nachdenklichen Tiergeschichte, und Manfred Stur mann („Abschied von Europa") zu nennen. Daneben finden sich auch ein paar recht schwache, ganz unfertige Proben in dieser Sammlung (Hans Lorbeer. Hilde Böhm, Georg D o b ö), und es ist zu erwägen, ob sich unter den Hunderten von Manuskripten, die verworfen wurden, nichts Besseres dafür hätte eintauschen lassen. Sache der Herausgeber! And im Grunde unwichtig neben der Tatsache, daß doch aus dieser Anthologie heraus nun eine kleine Gruppe von Ramen zu nennen ist, deren jeder eine Hoffnung bedeutet, lind wenn es statt der vier oder fünf oder sechs nur ein einziger wäre von vierzehnhundert, so genügte das schon, um dieses Buch zu rechtfertigen: man muß wünschen, daß das Beispiel, we ches hier und anderweit mutig gegeben wurde, begriffen, auf genommen und wiederholt werde. Es hat sich bis jetzt noch immer gelohnt. —y—
Hochschulnacknchten.
Der durch die Emeritierung des Geh. Regierungsrates M. Friedwagner an der Universität Frankfurt a. M. erledigte Lehrstuhl der romanischen Philologie ist dem ordentlichen Professor Geh. Rat Dr. Karl Boßler in München angeboten worden. — Der Ordinarius Dr. jur. Fritz Pringsheim in Göttingen hat einen Ruf auf den Lehrstuhl für Zivilprozeß- recht und deutschen bürgerlichen Rechts an der Universität Frankfurt als Rachfolger Prof. Max Pagenstechers erhalten. — Zum Rachfolger des Geh. Rats Eugen Korschelt auf dem Lehr
stuhl der Zoologie an der Universität Marburg ist Prof. Dr. Friedrich Alverdes in Halle a. d. Saale ausersehen. — Der durch die Emeritierung des Geh. Rats Otto Iaekel an der Universität Greifswald erledigte Lehrstuhl der Geologie und Paläontologie ist dem a. o. Prof. Dr. Johannes Weigelt in Halle a. d. S angeboten worden. — Zur Wiederbesetzung des Ordinariats der Physiologie an der Universität Greifswald (an Stelle von Prof. A Kohl- rausch) ist ein Ruf an den a. o. Professor Dr. med. et phil. Wilhelm Steinhaufen in Frankfurt ergangen. — Der Münchener Staats» und Kirchenrechtslehrer Prof. Dr. Karl Rothenbücher hat den Ruf an die Universität Bonn abgelehnt. — Zum Rachfolger des emerit. Professors M. Brendel auf dem Lehrstuhl der Astronomie der Universität Frankfurt a. M. ist der a. o. Professor Dr. Karl Wilhelm Meißner ebenda ausersehen. — Der durch die Uebersiedlung des Prof. G. Hertz nach Berlin an der Universität Halle erledigte Lehrstuhl der Physik ist dem a. o. Professor Dr. Gerhard Hoffmann in Königsberg i. Pr. angeboten worden. — Zur Wiederbesetzung von Lehrstühlen an der Universität Leipzig sind Berufungen ergangen an Professor Dr. Wilhelm Dlaschke in Hamburg (Mathematik), Dr. Gerhart Rodenwald t, Generalsekretär des Archäologischen Instituts des Deutschen Reiches und Honorarprofessor an der Universität Berlin (Klassische Archäologie), Prof. Dr. Hermann Scheumann in Berlin (Mineralogie und Petrographie) sowie an den Privatdozenten Lic. theol. Hans Rückert in Berlin (Kirchengeschichte). Rückert hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl der Kirchengeschichte an der Universität Leipzig als Nachfolger H. Boehmers angenommen und bereits seine (Ernennung zum ordentlichen Professor in Leipzig vom 1. April 1928 ab erhalten.
Der preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung hat den Privatdozenten für Chirurgie an der Frankfurter Universität Dr. A. W. Fischer zum nichtbeamteten außerordentlichen Professor ernannt


