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schon vom Vater Alexanders des Großen ge­gründeten Stadt, immer wieder heraushören konnte, glimmt dort im stillen eine große Sehn­sucht nach einer zweiten, südbulgarischen ilnt- versität. Bis zur Erfüllung dieses Wunsches wird ja wohl noch viel Wasser die Mariza hinunterfließen, aber soviel steht fest: mit jeder hier neugegründeten Disziplin wird eine An­zahl junger Bulgaren weniger zum Studium nach Deutschland kommen, was wir bei allen guten Wünschen für ein Emporblühen dieses durch und durch deutschfreundlichen Bolles ge­rade im Interesse der Vertiefung unserer Be­ziehungen aufrichtig bedauern müssen.

Aus -er Provmzialhaupistadi.

Gießen, den 22. Februar 1928.

Preisaufgaben der Universität Gießen

für das Jahr 192S 29

Für dos Jahr 1928 29 sind an der h e f s i s ch e n Landesunioer s i tät Gießen folgende Preisaufgaben gestellt:

Von der Theologischen Fakultät:

Die christlichen Motive der studentischen Bewe­gung Deutschlands in den Jahren noch den Befrei­ungskriegen.

Vor. der Juristischen Fakultät:

Der bürgerliche Tod als Strafe. Seine Herkunft, Bedeutung, Wirkung und Beseitigung in Deutsch­land und in anderen Ländern.

Von der Medizinischen Fakultät:

Für den akademischen Preis:

Wird der Plasmalogenspiegel des Blutserums burd) dos Nohrungsfett alimentär beeinflußt?

Für den Balserpreis-

Es soll untersucht werden, ob mit Hilfe serologi­scher Methoden eine Unterscheidung der Eiroeißorten der Linse möglich ist.

von der veterinärmedizinischen Fakultät:

Beiträge zur diagnostischen und prognostischen Auswertung von Haemogrornmen bei Erkrankungen kleiner Haustiere.

von der Philosophischen Fakultät:

1. Aus der vergleichenden Sprach­wissenschaft:

Die Nachwirkungen des indogermanischen Haupt­tones im Gennanischen.

2. Aus der Geschichte:

Mittelalterliche Dorsbefestigungen, zu behandeln für Deutschland oder einen größeren Teil desselben.

3. Aus der Botanik:

Neue experimentelle Beiträge zur Physik des pflanzlichen Protoplasmas.

4. Aus der Zoologie:

Bau und Funktionen der Atemwege und -organe der Schildkröten sollen, womöglich unter Zu­ziehung von Experimenten, untersucht werden.

5. Aus de r Geographie:

Welche Abhängigkeit läßt sich zwischen den Boden­verhältnissen Oberhessens und dem Ertrag des Bo­dens feststellen?

Wer sich um einen Preis bewirbt, muß minde­stens in einem der beiden auf die Stellung der Aus- r.be folgenden Semester an der Universität G i e - e n immatrikuliert gewesen fein.

Jede Bewerbungsschrift darf nur einen Ver­fasser haben.

Die Bewerbungsschrift ist in der Sprache abzu­fassen, in der die Ausgabe gestellt ist. Auf dem Titel ist ein Kennwort anzubringen.

Die Bewerbungsschrift ist vor dem 1. April 1929 einzusenden unter Beifügung eines verschlossenen, mit dem Kennwort det Arbeit versehenen Briefum­schlags, der die Aufgabe des Verfassers und seine Adresse enthält. Die Sendung ist an die Fakul­tät zu richten.

Beim Jahresfest der Universität am 1. Juli 1929 verliest der Rektor die Urteile und verkündigt die Namen der preisgekrönten Bewerber.

Daten für Donnerstag, 23. Februar.

Sonnenaufgang 7 ilfjr, Sonnenuntergang 17,26 Uhr. Mondausgang 8,21 Uhr, Monduntergang -20,09 Uhr.

1685: der Komponist Friedrich Händel in Halle geb. (gest. 1739). 1813: der Theologe und Sprachforscher Franz Delitsch in Leipzig geb. (gelt. 1890), 1834: der Reisende Gustav Rachti- gall in Eichstädt geb. (gest. 1885). 1842: der Philosoph Eduard v. Hartmann in Berlin geb. (gest. 1906). 1855: der Mathematiker und

Astronom Karl Friedrich Gauß in Göttingen gest. (geb. 1777). 1870: der Generalfeldmarschall Albrecht Graf von Roon zu Berlin gest. (geb. 1803).

Reifeprüfung an der Studienanstalt.

Am Montag fand unter dem Vorsitz von Staats­rat B l o ck die Reifeprüfung an der hiesigen S t u - d i e n o n st a l t statt, der sich 12 Schülerinnen un­terzogen, die sämtlich bestanden.

Der 20. Februar 1928 bedeutet einen Markstein in der Geschichte der Studienanstolt, war es doch die erste Reifeprüfung, die an diesem Tage an ihr stattsand. Als die hessische Schulabtellung durch ihre unterm 14. Januar 1911 erlassenenRichtlinien für die Neuordnung des höheren Mädchenschulwesens in Hessen" den Schülerinnen, die mit Erfolg eine höhere Mädchenschule durchlaufen hatten, gestattete, in die Obersekunda einer Oberrealschule einzutreten, begrüßte man auch in Gießen diese Regelung. Man war sich aber auch hier von Anfana an darüber klar, daß sie nur eine Zwischenlösung bedeuten könne und daß das Ziel, die Errichtung einer Stu­dienanstalt, auch für Gießen erstrebt werden müsse. Der Erreichung dieses Zieles stellten sich aber grö­ßere Hindernisse entgegen. Die Kriegs- und Nach­kriegszeit kam mit ihren verheerenden Folgen in wirtschaftlicher Beziehung. Es war dem Staate un­möglich, die Kosten einer Studienanstalt zu über­nehmen. Wenn es trotzdem gelungen ist, daß nun auch Gießen eine Studienanstalt besitzt, so ist dies, wie Staatsrat Block in seiner Schlußansprache u. a. ausführte, in erster Linie zu danken dem gro­ßen Entgegenkommen der Stadt, die es bereit« willigst übernommen hat, die gesamten persönlichen und sachlichen Kosten zu tragen; zu danken ist es insbesondere aber auch der zielbewußten und hin­gebungsvollen Arbeit des derzeitigen Leiters der Anstalt, des Oberstudiendirektors Dr. Kalb­fleisch, der keine Mühe gescheut hat, dies hohe Ziel zu erreichen.

** D i e Handels - und Gewerbebank Gießen fyält am 2. März ihre 69. General­versammlung ob. Reben der üblichen Tages­ordnung steht die Genehmigung des Erwerbs eines Grundstückes zur Entscheidung der Mit­glieder. Weiteres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich.

'* Autounsall. Gestern nachmittag gegen 4 Uhr fuhr das Personenauto 1 Z 138 867, dem Bürgermeister Dr. Kühn von Wetzlar gehörig, in der Klinikstraße angeblich infolge Versagens der Steuerung gegen einen Baum und erlitt einen Achsenbruch und sonstige Beschädigungen. Der Führer blieb unverletzt. Da der Wagen wegen der starken Beschädigung nicht abgeschleppt werden konnte, mußte er an Ort und Stelle auf ein Lastauto verladen werden. Dabei brach eine Bohle, wodurch das Auto zurückrutschte und nun auch noch Benzintank und Oelkammer un­dicht wurden. Der Borgang hatte natürlich viele Zuschauer angelockt.

" Eröffnung des Ruderbetriebs auf der Lahn. Während noch viele sport­liebende Gießener auf Schnee und Eis hoffen, rüsten die Rulervereine, deren eigentliche Sport­tätigkeit im Sommer ausgeübt wird, schon eifrig zur Aufnahme dieses Betriebes. Dafür war die am Sonntag staitgehabteEiersahrt" des Ver­eins Rudersport nach der Dodenburg ein beredtes Zeichen. Die Mannschaften eines Ach­ters und eines Vierers eröffneten mit einem krä tige rHipp, hipp, Hurra" den diesjährigen Ruderbetrieb auf der geliebten Lahn, und ar­beiteten sich bei der starken Strömung mit großer Mühe bis zum erstrebten Ziel durch. Rach einem gemütlichen Zusammensein ging es dann in sausender Fahrt lahnabwärts; denn in nur 20 Minuten legten die Boote die 7,5 Kilometer lange Strecke zurück.

** Allgemeiner Deutscher Frauen- verein. Man berichtet uns: In der jüngsten Versammlung des Allg. Deutschen Frauenvereins behandelte Frau Dr. med. Margot »Rothen­berger das Thema:Schwer erziehbare Kin­der". Aus der großen Kategorie der schwer er­ziehbaren Kinder wurde von der Referentin d t e Gruppe der körperlich gesunden, aber psycho­pathischen Kinder herausgegrifsen, die durch äußere Fa toren zu Schwererziehbaren, sce isch Kranlen, Reuroti ern geworden sind. Dabei wurde die vererbte Anlage bewußt hintangesetzt und die Schädigungen der Umwelt durch un­günstige soziale Verhältnisse und salsche Er­ziehung in Elternhaus und Schule hervorgehoben.

Es zogen drei Burschen wohl über den Mein ....

Roman von Erica Grupe-Lörcher.

50 Fortsetzung Nachdruck verboten

Seine Stimme zitterte vor Groll und Empö­rung. Raymond griff (eine Worte auf: Und wenn bu Melusine noch lieb hast, Wenger bann gibst du sie trotzdem nicht auf. Oder vielmehr gerade des­halb nicht auf! Denn ebenso wie bu jetzt um die Er­haltung deiner Heimat hier gegen die Verwelschung kämpsst, ebenso mußt du Melusine ihrer Verirrung entreißen, die sie jetzt zu dem Franzosen führt! Ich selbst kann nicht alle die Fäden hier zu Ende ,üh- ren, die ich angefangen habe, einzuleiten. Ich will aus Straßburg fort sein, will über den Rhein ge­zogen sein, wenn sie draußen im Schloß von meiner Großmutter die Hochzeit von Alceste und der ganzen Franzosenklique feiern. Aber dir gebe ich jetzt die Fäden in die Hand! Und ich fühle es, Wenger, du wirst diesen ganzen Zauber vernichten können, mit bem Bouvier sie so unerklärlich behext hat, wenn du noch die Kraft in deiner Liebe zu Melusine hast!"

Wenger stand mitten im Zimmer. Den Kops etwas zurückgensigt, als sähe er in eine weile Ferne. «Starr, klar und gefaßt stand er da. Ein großes Ziel stieg vor ihm unter den Worten von Raymond auf. Er war sich bewußt, daß er in bie« (er Stunbe Melusines Schicksal anvertraut erhielt.

Da klang von ferne Gesang auf. Helle, süße, fröh­liche Kinderstimmen! Ein Glanz legte sich in Wen­gers Züge.Jetzt singen sie draußen die Weihnacht ein!"

Er schritt zur Balkontür, zog die Vorhänge zu- rück und öffnete die lür.JJin breiter Altan fügte sich an das Zimmer. Im Sommer ein luftiger Sitz zwischen Kübeln von hohen Oleandern und Granat- büschen. Der herrliche weite Blick war auch jetzt :m Winter der gleiche. Das Haus lag auf halber Höhe. Drunten im Dorfe blinkten die Lichter der bren­nenden Tannenbäume durch bie Fenster. Rings in der Weite die Gebirgswelt in ihrer schweigenden Majestät voll winterlicher Pracht. Ganz droben auf dem Gipset des Odilienberges leuchteten Lichter aus den dunkel (ich abhebenben filoftermauem auf: die

frommen Nonnen fangen am Totenfchrein der Hei­ligen Odilia die Weihnachtsmesse.

Die erste Weihnacht im Frieden «seit vier langen Jahren schwiegen zum ersten Male wieder die dumpf dröhnenden Geschütze der Vogesenkämpse. Zum ersten Male wieder in der Heimat und doch aus dem engen Kreis der «Seinen war er heule herausgeflüchtet, weil die drohende Berwelfchung ihm das Heimatgefühl in ihrer Mitte nahm.

Wenger fühlte die Gedanken des Freundes. Er legte feinen Arm um Raymonds Schulter und trat mit ihm langsam an die Gittermauer des 2lltans. Komm! Nimm noch dieses Heimatbild mit dir, RaymondI Hörst du, jetzt kommen die Kurrendekin­der und singen von Haus zu Haus. Ist nicht Martin Luther gerade so als Bübchen vor bas Haus der Frau Cotta gezogen? Sieh, wie wir im Elsaß unsere alten deutschen Bräuche aus dem deutschen Mittelalter erhallen haben!"

Im Scheine des Mondes sah man jetzt die junge ! Schar vor dem letzten Hause des Dorfes am Abhang stehen. Deutlich klang ihr fröhllch-neckendes Lied­chen durch die winterliche Stille:

Christkindele, Ehristkindele! Komm doch zu uns herein!

Wir bringen dir e Heubündele und auch e Gläfle Wein!

E Bündele fürs Esele! Fürs Kindele« Gläsele!

Und beten können wir auch!"

Stark und fest und treu fühlte Raymond sich von dem Arm des freundes umschlungen. Es war ihm, als hielt die Heimat chn fest.

Drunten verstummte der Gesang jetzt für ein Weilchen. Der Hausvater trat aus dem Hause her­aus und rief die jungen Sänger zum freundlichen Willkommen herein oder spendete ihnen kleine Ga­ben ober Geldgeschenke. Und bann schritt er in den Stall, segnete unter dem wieder da von ziehend en Gesang der Kinder Geräte und Vieh mit frommen Sprüchen ein und umwand draußen im Garten einige Obstbäume mit Stroh unter Segenswünschen auf ein kommendes gutes Erntejahr

Uralt pflanzten fiep die Gebräuche hier von Gene­ration zu Generation!

Näher kam nun der helle Gesang Eines der hei­ligen alten frommen deutschen Weihnachtslieder stimmten sie nun an:Es ist ein Nos' ent­sprungen!"

Als Beispiele wurden einzelne Typen: das Kvst- und Pflegekind, das Stiefkind, das eifersüchtige, ängstliche, lügnerische Kind, das stotternde Kind herausgearbeitet. Eingehend wurde dann noch auf die großen Schwierigkeiten der Erziehung einziger Kinder hingewiesen, die durch über­triebene Sorge und Aengstlichkeit der Eltern sehr ost verweichlicht und durch übergroße Beachtung zu Egoisten werden. Referentin wies dann auf die heilpädagogische Behandlung hin, betonte aber, daß es Grundprinzip jeder Erziehung sein mühte, aus Rormalgeborenen nicht künstlich durch falsche Erziehung Schwererziehbare zu schassen. Der richtige Weg ist die Erziehung zu Kraft, zur Wahrheit, zur Selbständigkeit und zu Ver­antwortungsgefühl gegen seine Mitmenschen. Wer dem Ganzen dient, fordert sich selbst, wer das Allgemeinwohl vernichtet, ober nur stört, ver­nichtet vor allem sich selbst. Es kommt nicht darauf an, daß wir stolz auf unsere Kinder sind, daß wir Musterkinder erziehen, sondern nur, daß unsere Kinder glücklich sind. Deshalb müssen die Schwachen nicht verzärtelt, sondern abgehärtet und ermutigt werden. Erziehung muh immer Vorbereitung fürs Leben fein, d. h. sich selbst helfen können und in der Gemeinschaft Gleich­berechtigter mitarbeiten wollen. Lebhafter Bei­fall und rege Aul spräche zeigten der Referentin am Schlüsse ihrer Ausführungen, mit welchem Interesse die Versammlung ihren fesselnden, be­lehrenden Worten gefolgt war.

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

. Klein-Linden, 21. Febr. Zwecks Errich tung eines Kriegerdenkmals nahmen am Sonntag der hiesige Gemeinderat und der Vorsitzende des Denkmalsausschusses, Kaufmann Friedrich Schimmel, nochmals eine Besichtigung des alten Friedhofs vor. Es wurde einstimmig die Abgabe des Platzes an der Wetzlarer Straße gutgeheißen. Bürger­meister I u n g will in der nächsten Gemeinde- ratssihung die Rutznießungsfrage am alten Fried­hof mit dem Kirchenvorstanb regeln, worauf die Abtretung des Platzes an den Ausschuß erfolgen soll. Durch diesen Beschluß wird einem lang­gehegten Wunsche Rechnung getragen, zumal Klein-Linden noch eine der wenigen Gemeinden ist, die kein Gefallenen-Ehrenmal besitzt. Auch der alte Friedhof, der sich in einem wenig wür­digen Zustand befindet, erfährt hierdurch eine Verbesserung. Mit der Errichtung des Denkmals soll alsbald begonnen werden.

V Mainzlar, 21. Febr. Linser Turn­verein, der dem Lahn-Dünsberg-Gau ange­schlossen ist, hielt am Samstagabend in dem Müllerschen Saale sein diesjähriges Winter­vergnügen ab. In einer kurzen Ansprache dankte der 1. Sprecher, W. Wehn, den zahlreich er­schienenen Mitgliedern und Freunden der Turn- sache und ermahnte zugleich die aktiven Turner, treu wie seither zur Sache unseres alten Turn­vaters Iahn zu stehen. Ein von Turnern und Turnerinnen flott gespieltes Theaterstück erntete reichen Beifall. In Anbetracht der zur Ver­fügung stehenden Räumlichkeiten mußte der Ver­ein von turnerischen Darbietungen absehen, sie sollen einer späteren Familienfeier vorenthal­ten bleiben. ©ue Turnermusik und Tombola­verlosung hielten die Teilnehmer lange bei­sammen.

wr. O d e n h a u s e n, 21. Febr. Am Sonntag­abend hielt der hiesige Kleinkaliber­schützenverein im Saale des Gastwirts Bel- ling sein Wintervergnügen ab. Der Saal war bis auf den letzten Platz beseht. Zwei sehr schöne Theaterstücke, sowie einige Couplets, von hiesigen jungen Burschen und Mädchen gespielt bzw. vor­getragen, fanden reichen Beifall. Eine gute Ka­pelle sorgte für Llnterhaltung und spielte später zum Tanz auf.

T T r eis a. Lda., 21. Febr. Der Krieger- hereinGermania" hielt am Sonntagabend im Saal von Kam. Amend seine diesjährige Hauptversammlung ab. Rach einem kurzen, vom Vorsitzenden, Förster Bing, erstat­teten Jahresbericht trug Der Rechner Fritz die Iahresrechnung vor, die mit einem größeren Lleberschuß abschloß. Kam. Heinrich Schaaf erhielt die Ehrenurkunde für 25jährige treue Mitgliedschaft. Das am 1. und 2. Iuli d. I. in Großen-Linden stattfindende Be.'irrsfest wird vom Verein besucht werden. Im Monat Mai oder Iuni soll ein Familienausflug nach der Cdertal-

spcrre veranstaltet werden. Den Schluß des Abends bildete ein Lichtbildervortrag überSüd-Tirol", ein Stück geraubten deutschen Kulturlandes.

* Garbenteich, 21. Febr. Der hiesige Ge­sangvereinVictoria" feierte am Sams­tagabend in seinem Vereinslokal sein 4 9. Stif­tungsfest. Die Veranstaltung erfreute sich eines außerordentlich starken Besuches. Im ersten Seil des Abends gab der Verein durch den Vor­trag einiger Männerchöre Zeugnis von eifrigen Proben und von hoher Pflege des deutschen Liedes. Der zweite Teil wurde ausgefüllt durch einen Schwan! in drei Aufzügen. Sämtliche Dar- steiler gaben ihre Rollen in vortrefflicher Weise, wofür ihnen reicher Beifall gezollt wurde. Der Verein steht zur Zeit unter Leitung des Musik- lehrers Groh, der auch den musikalischen Teil des Abends übernommen hatte. Bei einigen aus­gezeichnet gegebenen Konzertstücken tarnen alle Zuhörer auch hier voll und ganz auf ihre Rech­nung. Der übliche Tanz beschloß den in allen Teilen wohlgelungenen Abend. Die HO j ä h r i g e Wiederkehr der Gründung, gedenkt der Verein im nächsten Jahre in Form eines grö­ßeren Sängerfestes zu feiern und hiermit einen Gesangswettstreit zu verbinden. Als Festtage wurden der 15., 16. und 17. Iuni 1929 festgelegt.

ri. L i ch, 21. Febr. Dankbare Zuhörerinnen fand ein gut besuchter Vortrag für Frauen und Mädchen unserer Stadt, der gestern abend unter dem Vorsitz der Fürstin Reinhard zu Solms-Hohensolms Lich im hiesigen Gemeindesaal stattfand. Rednerin war Frl. Blank aus Heidelberg vom Bureau des inter­nationalenVereins der Freundinnen junger Mädchen", der bekanntlich in der Fürsorge für die weibliche Iugend aller Stände und Kon­fessionen tätig ist, besonders in der Bahnhoss- mission, Auswandererfürsorge, Stellenvermittlung und Beratung. Die Rednerin verstand es, durch eine fesselnde Schilderung der vielseitigen und segensreichen Tätigkeit dieser über die ganze Erde verzweigten Organisation neue Liebe zur Arbeit zu erwecken, die in unserer Stadt von jeher durch die hier schon lange bestehende Orts­gruppe der Freundinnen junger Mädchen Unter- stühung findet. Am Rachmittag hatte bereits eine ähnliche Versammlung in Münzenberg stattgesunden.

D Lich, 21. Febr. Der gestrige sog. Fast­nacht s m a r k t brachte unferer Stadt einen leb­haften Verkehr. Zum Markt aufgetrieben waren 270 Ferkel und 38 Schafe und Lämmer. Der Handel ging äußerst flott. Es wurden gefordert und bezahlt: für 6 bis 8 Wochen alte Ferkel 20 bis 25 Mark und für solche von 8 bis 13 Mocken 25 bis 35 Mark.

1 Ober-Bessingen, 21. Febr. Am Sonn- tagabend hatte sich der größte Verein unseres Dorfes, der GesangvereinReue Ein» tracht", im Saale von Iohannes Keil zu einem Familienabend einge unten. Die aktiven (Sänger waren schon wochenlang bemüht, einen genuß­reichen Abend zu sichern. Der glänzende Erfolg entsprach der aufgewendeten Arbeit. Rach Be­grüßung durch den Vorsitzenden ertlang das deutsche Lied in ernsten und heiteren Weisen. Der zweite Teil der Vortragsreihe war dem Frohsinn gewidmet. Wah.e Lachstürme erregten bie ChöreLändliche Konzertprobe". Hühner- quartett und dieGeneralprobe im Gesang­verein". Viel Heiterkeit erweckten auch die musi­kalischen Antworten bei einem Gerichtsverhör, sowie das Dorge.üljrie Lachpanorama. Und end­lich noch ein Schwank ließ die Teilnehmer nicht mehr aus dem Lachen kommen. Am Schluss« dankte der Präsident Heinrich Heinz dem Diri­genten Lehrer I a f o b für seine geleistete Ar­beit, den Wunsch aussprechend, er möge noch viele Iahre den Verein leiten. Tanz in den Vereins arnilie machte den Schluß des in schönster Harmonie verlau e ien Abends.

f Rodheim a. d. HorIoff, 21. Febr. Der hiesige GesangvereinEintracht" hielt am Sonntag im SaaleZur Luthereiche" sein diesjähriges Wintervergnügen ab. Der Vor­sitzende, Heinrich Rudel, wies nach den üb­lichen Degrüßungsworten auf die Bedeutung des deutschen Liedes als edelstes Volksgut hin, das ein einigendes Band um alle Vollsgeno.sen schlinge, und feierte feine volksbildnerische Kraft. Anschließend sand die Weihe des neuen Har­moniums statt, das Lehrer und Komponist Friedrich Funk von Friedberg mit der Ouver­türe zuLohengrin" von R. Wagner den über»

Wenger löste den Arm von der Schulter des Freundes und neigte sich über den Altan herab: Jetzt kommen sie zu mir herauf! Ich will Madame Grähling rufen, daß sie ihnen ein gutes Willkom­men bietet I"

Der Gesang griff ihnen beiden ans Herz. Das waren andere Klänge als die schmetternde Marsail- laife unter dem leichten, selbstgefälligen Schritt der französischen Sabres und den alsElsässer Maidel" zurecht kostümierten Französinnen aus Nancy usw., bie für fünfzig Mark Schrei gelb zu Vive-la-France- Sftufen vom famosen Comite de räception gebungen worben waren.

Aber auch Melusines Schicksal lege ich in dieser Stunde nochmals in deine Hände, soweit bas in Menschenkräften stehen darf! Bist bu bir auch dessen bewußt?"

,Ln Gottes Namen: Ja!" sagte Wenger schlicht, lieber ihnen wölbte sich flimmernd der oternen- Himmel. Der Mondschein zitterte rings über bie ver­schneiten Berge. Der fromme Gesang der Kinder- |d>ar zog näher und näher unb beide standen da, als wären sie in einem weiten, heiligen Gotteshmist in dieser Stunde ...!

Hier war bas elsässische Bott in seiner Wahr­heit. in feiner Urwüchsigkeit, in feiner urdeutschen Bobenständigkeit, Kultur unb Kraft.

"2Hr, unsere Hoffnung, unsere Zukunft, ihr, unsere Jugend!" dachte Wenger und sah der jungen Schar entgegen. Seine Züge wurden so licht und hell und zuversichtlich, wie sie den ganzen Abend noch nicht gewesen waren. Er freute sich auf ihr Kommen! Kannte er doch fast jedes einzelne von ihnen und war selbst jedem von ihnen bekannt. O, wie innig verwachsen war er doch mit dieser Scholle und ihren Menschen!

..Laß dir diesen Gesang deinen Abschiedsgruß sein, Raymond, den Abschiedsgruß aus der Heimat! Alte deutsche Volkslieder. Und unsere Kinder fingen sie, unsere Zukunft, unsere Hoffnung! Was in mei­nen Kräften liegt, soll geschehen, damit uns hier unsere heimatliche Sprache, unsere Bodenständigkeit bewahrt wird! O, wir werden schon unseren Kampf in Schule unb Kirche, in Familien und unseren volkstümlichen Freunden gegen diese Welschen auf­nehmen! Die sollen unseren elsässischen Dickschädel kennenlernen! Des sei gewiß."

Raymond lächelte. Sie traten jetzt langsam wieder in den herausfallenden Lichtschein des Zimmers. Aber sein Lächeln verschwand wieder, als er an bie Seinen dachte, die zu dieser Stunde draußen im Schlosse Hammerschlag um die Patriarchen der Fa­milie geschart waren, die einen so tiefgehenden Ein­fluß auf Melusine besaßen. Aber jene Generation war am Ausslerben, und wenn ein starker neuer Einfluß Melusine jetzt entgegentrat und sie zum auf- wachenden Heimatgefühl hinüberzoa?

Er blieb stehen und ergriff die Hand des Freun­des:Ich vertraue dir unsere Heimat an, Wenger!

Baronesse Melusine stand in ihrem Wohnzimmer und legte sorgfältig einen kostbaren weißen Seiden­stoff in Falten. Cousin Alceste verfolgte ihre Bewe­gungen mit lebhaftem Interesse. Man war eben im Begriff, diecorbeille de mariage" für Poetle zu richten. Die gut französisch gesonnenen Kreise hatten während der ganzen achtundoierzig Jahre deutschen Besitzes sich nicht die Gepflogenheit nehmen lassen, daß der Bräutigam der Braut in dem sogenannten Hochzeitstorbe' die ganze Toilette für den Hoch­zeitstag übersandte. Baron Alceste de Hammerfchlag wollte es gerade der verwöhnten reichen Mülhause­ner Fabrikantentochter gegenüber an nichts fehlen lassen. Deswegen hatte er Melusine um ihren Rat und Beistand beim Einkauf der Geschenke für ^oette gebeten. Nun waren all die verschiedenen einzelnen Sachen von den Geschäften ins Haus des Verlobten gesandt worden und Melusine setzte den Schlußstein unter ihre Bemühungen. Sie arrangierte alles mit feinem Geschmack uno ihren graziösen weichen Be­wegungen in dem flachen runden, mit weißem Attas ausaefütterten Korbe, dessen Rand mit kleinen, weihen seidenen Bandschleifen geziert war.

Nichts war vergessen worden für eine ebenso kom­plizierte wie kostbare Brauttoilette! Entzückend« Wäsche, au9 einem Hauch von Batist, mit feinster Nadelslickerei unb seidenem Banddurchzug, wie sie die in Frankreich hochentwickelte Wäsche in duft rie sn Pariser Filialen jetzt nach Straßburg entsandte. Ein Taillenrock aus Seibenbatift mit echten Spitzenein- sätzen. Und neben der kostbaren, malten, weißen Brautseide zum Kleide auch der Schleier unb der Kranz künstlicher Drangenblüten, mit denen m Frankreich die Braute sich ,zu zieren pflegten.

(Fonietzung folgt.)