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5« entbinden, wurde mit der Mehrheit ange­nommen. Deirmad) ist zur Zeit in Mecklenburg- Etrelitz kein Staatsministerium vor­handen. Der Landtagspräsident wurde ermächtigt, di« nächste Sitzung des Landtages nach Anhörung des Aeltestenrates einzuberufen.

Oie Regierungsbildung in Hamburg.

Hamburg, 21. Febr. (WB.) Das ^Harn- Bürger Scho" schreibt, die Soztaldemokra- t i e werde darauf dringen, daß der Senat, der immer noch auf dem Wahlergebnis von 1924 beruhe, dem neuen parlamentarischen Ver­

hältnis angemessen um gebildet wirb. Der bisherige Präsident der Bürgerschaft. Roh, wird von den Sozialdemokraten voraussichtlich zum zweiten Bürgermeister vorgeschlagen werden. Der Vorsitzende der sozialdemokratischen Partei In Hamburg, Leuteritz. erklärte, daß die Sozialdemokratie im Gegensatz zu der Ent­wicklung nach den Wahlen vom 9. Oktober 1927 nach den damals gemachten Erfahrungen kei­nen Antrag an die Kommunisten zur Mitarbeit an der Regierung stellen werden, und daß sie sich auch aus eine etwaige Einladung der Kommunisten nicht zu einer neuen Derhcrnd- lungskomödie hergeben würden.

Die Freigabe des deutschen Eigentums in Amerika.

Nach der Annahme -er Freigabebill im Senat.

Eigene Drahtmeldung desGießener Anzeigers".

Berlin, 22. Febr. Mit der am Montag er­folgten Zustimmung des Senates zur Freigabevorlage ist die Frage des deut­schen Eigentums in Amerika wieder in ein akutes Stadium getreten. Zum wievielten Male schon I Seil mehr als fünf Jahren gehen die Bestrebun- oen, eine sachliche und gerechte Regelung zu finden, immer aber hatte sich bei der Beratung in dem Repräsentantenhause oder im Senat der Einfluß gewisser Kreise geltend gemacht, die nicht vergessen konnten. Auch innerpolitische Diffe­renzen zwischen den Parteien verhinderten den beschleunigten Abschluß der Fre'gabevorlage. In­zwischen ist aber die Kriegsstimmung in den Bereinigten Staaten so weit überwunden, daß auch dort kein ernsthafter Mensch mehr die Kon­fiskation feindlichen Priva.eiZentums für gerecht oder auch nur für tragbar hält. Dor allem aber sagen sich die Amerikaner, daß sich die Waffe der Beschlagnahme beim nächsten Krieg gegen sie richten kann, und das ist heute, wo sie die Bankiers der Welt sind, eilne unangenehme Aussicht. Die Rückgabe des deutschen Eigentums soll sie also davor schützen, daß später einmal ihnen so mitgespielt wird, wie sie uns mit» gespielt haben.

Wenn trotzdem seit der letzten Ablehnung der Regierungsvorlage durch den Senat mehr als ein Jahr verflossen ist, ehe eine Neuberatung möglich wurde, so ist das daraus zurückzuführen, daß auch amerikanische Privateigen­tümer noch erhebliche Ansprüche gegen das Deutsche Reich geltend machten und verlangten, daß zur Sicherung dieser Ansprüche das deutsche Eigentum dienen sollte. Nun hat sich aber bei der Prüfung der amerikanischen Wünsche gezeigt, daß die nominierten Ansprüche nur einen Teil des Wertes darstellen, die das deutche Privateigentum in den Bereinigten Staaten hat, und daher ging schon bei der vorjährigen Beratung die Absicht dahin, nur eine b e st i mm- ten Prozentsatz deutschen Eigentums zu­rückzubehalten, bis die amerikanischen Ansprüche aus den Dawes-Zahlungen befriedigt sein werden. Seinen Niederschlag fand dieser Gedanke in der sogenanntenGreen-Dil l", die als ein Kom­promiß zwischen allen Beteiligten vor unge­

fähr einem Jahre wohl im Repräsentenhause ihre Annahme fand, im Senat aber nicht ge­billigt wurde. Nach amerikanischem Recht mußte die gesetzgeberische Arbeit nun von neuem be­ginnen. Zwar durfte mit gutem Grunde erwartet werden, daß das Repräsentantenhaus sich für eine rasche Verabschiedung der Vorlage ein­setzen werde, doch befürchtete man neue Schwierig­keiten bei der Senatsberatung in dieser Session. Man hat sich getäuscht, die Vorlage passierte diesmal nahezu reibungslos sowohl den beson­deren Ausschuß als auch das Plenum.

Nun ist es verfehlt, zu glauben, es werde sicb m kürzester Frist ein Millionensegen über Deutschland ergießen, und die Hoffnung eini­ger unentwegter Optimisten, ihnen ständen alsbald 800 Millionen Mark zur Verfügung, wird vor der Wirklichkeit bald verfliegen. Ganz abgesehen davon, daß erst eine Kommission beider Häuser die geän­derten Texte der Vorlage in Ueberein ft im­mun g bringen muß und daß die Gesetzesvor­lage der Zustimmung des Präsidenten bedarf, wird eine Fülle von Formalitäten praktisch die Freigabe in die Länge ziehen. Doch kann an- genommen werden, daß die Rückgabe wenigstens für den größten Teil der deutschen Forderungen ge­sichert ist und daß die deutschen Besitzer mit einer gewissen Zuverlässigkeit ihre Dispositionen daraus einstellen können. Geplant ist die sofortige Freigabe von 80 Prozent des beschlag­nahmten Eigentums an seine Besitzer, wahrend der Rest in einem Sonderkonto bei dem Schatzamt der Vereinigten Staaten zusammengefaßt werden soll. Hieraus werden zunächst die amerikanischen Privatforderungen an Deutschland getilgt, die Wiederauffülluna erfolgt aus den Eingängen des amerikanischen Anteils an den Dawes-Zahlun­gen. Für die an düs Sonderkonto abgeführten Be­träge werden verzinsliche Zertifikate ausgestellt, die so lange im Besitz der Regierung verbleiben, bis eine noch zu bildende Vereinigung der Eigentümer einen Treuhänder zur Wahrung ihrer Interessen be- stellt. Dieser würde dann mit der Verwaltung der Zertifikate beauftragt werden, deren Einlösung für den Zeitpunkt geplant ist, wo die amerikanischen Ansprüche an Deutschland restlos befriedigt sind.

Belgien und -ieRhernlandräumung

Hymans fordert

Trüffel, 21. Febr. (WB.) In einer Rede im Senat betonte Außenminister Hymans, daß in der Frage der vorzeitigen Räumung des Rheinlands von keiner Seite unmittelbar oder mittelbar ein Schritt bei der belgischen Re­gierung unternommen worden sei. Auf die Er- fiärungen Stresemanns habe Briand geantwortet, daß man über eine vorzeitige Räumung nur im Benehmen mit den Besatzungsmächten, also auch mit Belgien, verhandeln könne. Briand habe hinzugefüat, daß Frankreich gegen die vorzeitige Zurückziehung der Truppen nichts einzuwenden hätte, wenn es alle notwendigen Zusiche­rungen hinsichtlich der Sicherheit und der Reparationen erhalte. Aus diesen so maß­vollen Reden spreche der Wunsch nach einer Annäherung zwischen Deutschland und Frank­reich. Belgien kann nur mit Sympathie jede Be­mühung zu einer Annäherung ins Auge fassen, die auf Versöhnung und auf ein Regime in­ternationaler Eintracht und politischer Stabilisa­tion gerichtet ist.

Aber man wird verstehen müssen, daß es sich nur mit Vorsicht auf einen Boden begibt, aus dem seine wesentlichen Interessen, nämlich diejenigen der Sicherheit und der Repara­tionen, berührt werden.

Dr. Stresemann verlangt, daß die Besatzungsmächte den Vertrag von Versailles gemäß dorn Gestt von Locarno auslegen. Don diesem Geist hat sich Bel- g cn in seinen Beziehungen zu Deutschland leiten lassen, trotz der Erinnerungen an die Okkupation. Süt Locarno hat die belgische Regierung eine Reihe vog Maßnahmen angenommen, die zur Milde- rung der unvermeidlichen Unbequemlichkeiten der Anwesenheit fremder Truppen auf deutschem Bo­den bestimmt sind. Belgien ist bereit, diese Politik der Loyalität und Versöhnung fortzusetzen.

Die Besetzung der Rheinlande wurden durch den Versailler Vertrag festgesetzt, um die Durchführung der Vertragsbedingungen, Sicher­heit und Ve-ahlung der Reparationen ;n ge­währleisten. Diese Bürgschaft, die durch die Ab­kommen von Locarno weder aufgehoben noch abgeschwächt wurde, sichert die Durchführung des Versailler Vertrages mit einer M rksamkcit, die man nicht unterschätzen darf. Ist es möglich, diese Garantie durch a n d e r e R! i 11 e l zu ersehen, die uns die gleichen Ziele mit gleicher Gewißheit er- re chen lassen? Es ist Sache Deutsch, l a n d s , das in dringender Torrn die Räu­mung fordert, in dieser Einsicht Anregungen vorzubringen.

Sobald Deutschland greifbare Vorschläge über die Sicherheit und die Re arationen machen würde, würden wir sie im Benehmen mit un­teren ehemaligen Alliierten objektiv und ge­recht prüfen. An dem Tag. an dem die B sehung des Rheinlandes überilüssig fein wird, hätten wir keinen Grund, mit ihrer Beendigung zu zögern. Aber wir müssen darauf Hinweisen, daß nicht nur für Belgien, sondern für ganz Europa die Notwendigkeit besteht, die Innehaltung der Bestimmungen über die Entmilitarisie­rung der Rheinlande zu sichern. Es erscheint

neue Garantien.

unerläßlich, ihre Durchführung zu über­wachen. Es wird Sache der interessierten Mächte fein, die zweckmäßigste Art der ^leber- wachung zu erörtern. Hymans hob sodann her­vor. daß für Belgien die Bezahlung der Reparationen von Wichtig.eit sei. Belgien, so erklärte er, zweifelt nicht an der Absicht der gegenwärtigen Reichsregierung, die Verpflichtun­gen zu erfüllen, die sie übernommen hat. Wenn Deutschland die Aufhebung der Bef et- zu na fordert, die eine der Hauptgarantien für die Bezahlung der Reparationen bildet, so er­warten wir, daß es dafür neue Garantien vorschlägt.

Immer noch farbige Truppen am Rhein.

Berlin, 22. Febr. (Eigene Drahtmeldung.) Nachdem die Truppenverschiebungen, die sich durch die seinerzeitige Verminderung der Desatzungsarmee notwendig machlea, im wesent­lichen abgeschlossen sind, läßt sich auch einigermaßen die Zusammensetzung der Truppen, de.en genaue Zahl niemals ganz fest­zustellen ist, da doch noch fortlaufend Truppen- auswechselungen vorgeno.nmen tce en, er,asten. Aach der neueren Statistik Hal sich dabe. ergeben, daß immer noch gegen 1 0 0 0 OK a n n far­bige Truppen im Rheinlande weilen. So sollen sich in Hessen noch 400 Mann, in den preußischen Teilen des beschien Ge- bie es noch 500 Mann und in der Pfalz noch annähernd 370 Mann befinden. Gewiß las,en^ sich die Zahlen nicht genau nachprüen, die Tatsache allein genügt aoet schon, und es wäre angebracht, trenn Frankreich endlich den Entschluß fafien würde, durch Zurücknahme der farbigen Truppen den unwürdigen Zustand zu beseitigen.

Oie Erkrankung des Reichskanzlers.

Berlin. 21. Febr. (WTB.) Wie den Blättern mitgeteilt wird, ist Reichskanzler Dr. Marx durch seine Krankheit weiter an das Bett gefesselt, so daß er nicht in der Lage ist, an den Veranstaltungen teil­zunehmen, die zu Ehren des Königs von Afghanistan geplant sind. An seiner Stelle wird Vizekanzler H e r g t die Reichsregierung ver­treten. Es ist auch wahrscheinlich, daß der Kanzler die Regierungserklärung am 27. Febr. nicht selbst im Reichstag wird abgeben können. Im Anschluß an die Krankheit wird Dr. Marx zunächst einen Erholungsurlaub nehmen müssen, um sich einer Kur zu unterziehen.

Zurückstellung der amerikanischen Ansprüche an Oesterreich.

London, 22. Febr. (WTB. Funkspruch.) Wie Reuter aus Washington meldet, beabsichtigt Schatz, sekretär Mellon, dem Kongreß zu empfehlen, daß die Vereinigten Staaten ihren eisten Anspruch in Höhe von 24 055 703 Dollar auf die österreichische Aktiva zurückstellen, um Oesterreich die Ausgabe einer neuen Anleihe von 100 Millionen Dol­lar zur Verbesserung seiner Eisenbahn-' Telegraphen-

einem Maskenanzug bekleidet. Sine dichtgedrängte Menschenmenge verfolgte die Kletterahrt des Tollkühnen mit ängstlicher Spannung.

3m Streik erschlagen.

In Oberhausen wurde der Polizeiwachtmeister Schaar von dem Arbeiter Theihen nach einem vorausgegangenen Wortwechsel mit einem Basalt st ein erschlagen. Anlaß zu diesem Streit war. nach Angabe von Theihen, eine Auseinandersetzung im Wirtshaus wegen des Sohnes von Schaar, den Theihen vor längerer Zeit geschlagen haben sollte.

Lin poliieibeamter von einem Raufbold erschossen.

Bei einer Tanzmusik am Rosenmontag in Oberkail (Kreis Wittlich) wurde der als Rauf­bold bekannte Arbeiter Reuland, der mit meh­reren jungen Leuten Streit anfing, vom Wirt aus dem Saale gewiesen, ohne daß der in der Wirtschaft anwesende Polizeibeamte Schuller einzuschreiten brauchte. Reuland holte sich von zu Hause einen Karabiner, lauerte vor Der Wirtschaft dem Polizeibeamten, .dem er an­scheinend die Schuld an seiner Ausweisung bei- maß, auf und tötete ihn, als er die Straße betrat, durch einen Kopfschuß. Reuland hielt sich noch eine Stunde mit schußbereitem Karabiner im Dorfe auf und flüchtete dann in die nahe­gelegenen Wälder, wo er von Landjägern und Polizei beamten arrs Trier mit Polizeihunden gesucht wird. Reuland hatte die Absicht, den Polizeibeamten zu erschießen, seinen Eltern schriftlich mitgeteilt. Der Erschossene hinterläßt sieben Kinder.

Entwendung von Sunstaltertümern.

Aus dem Schlosse in Cadolzburg bei Nürnberg wurden zwei auf Holz gemalte zu einem Altar gehörende Predella-Tür­flügel gestohlen. Die beiden Tafeln sind beider­seitig bemalt, und zwar auf der einen Seite mit Brustbildern von Heiligen auf goldenem Grunde mit eingeprehtem Granatap elmuster. Diese bei­den Heiligen stellen die heilige Margarete und die heilige Barbara dar. Auf der anderen Seite befinden sich die Brustbilder der heiligen Elisa­beth und der heiligen Maria. Die Malereien stammen aus dem Nürnberger Kunstkreis um 1500 und haben hohen Wert. Als Täter kommen vermutlich zwei Personen in Frage: die eine nannte sich Dr. Schmidt aus Berlin, die zweite gab sich als Redakteur aus.

Schwerer Unglücksfall

auf dem Leipziger Ausstcllungsgelände.

Auf dem Ausstellungsgelände am Völker­schlachtsdenkmal ereignete sich ein furchtbarer Änglücksfall. Infolge von ileberlaftung des Detondachbelages brachen drei mit Verglasungsarbeilen an dem O.erlichtfenster des Neubaues der Halle 7 beschäftigte Arbe.ter der Frank, urter Firma Claus Mayn durch das Dach und stürzten 21 Meter tief in das Innere der Halle ab. Eiy in der Halle be­schäftigter Detonfacharbeiter wurde von einem stürzenden Ballen schwer ins Genick getroffen. Von den Abgestürzten war dec Arbeiter Kraus sofort tot. Die drei anderen Verunglückten erlitten schwere innere Verletzungen und Brüche und wurden ins Krankenhaus gebracht.

Trauerfeier für Asquikh.

In der Londoner Westminsterabtei fand am Dienstag di« nationale Trauerfeier für den ehemall- aen Premierminister Lord Oxsort and Asquith statt. Die politijchen Parteien waren durch bi« füh­renden Persönlichkeiten vertreten. Das Kabinett mit Ministerpräsident Baldwin an der Spike war nahezu vollzählig erschienen, während der König durch seine Söhne, den Prinzen von Wales und den Herzog von Bork vertreten war. Zahlreiche Mitglie- der des diplomatischen Korps, darunter auch der beutfd)e Botschafter, Dr. Sthamer nahmen an der Trauerfeier teil.

Die Wetterlage.

und Telephonsysteme zu ermöglichen. Die Ber­einigten Staaten hatten die notleidenden Oester- reicher in den Jahren 1919/1920 durch Liefe- rungenunter st ützt. Die oorgeschossene Summe würde im Jahre 1 9 2 5 fällig geworden sein, hätte nicht eine von Senator Lodge oorgeschlagene Entschließung das Datum bis 1 943 hin- ausgeschoben. Andere Länder, darunter Groß­britannien und Frankreich, haben sich schon bereit erklärt, ihre Ansprüche zugunsten der oorgeschlagenen Anleihe zurückzu st eilen.

Oie ersten Wahlergebnisse ans Japan.

Paris, 22. Febr. (W. T. D. Funkspruch). Ha- vas berichtet aus Tokio über die ersten Wahl­ergebnisse: Es sind 17 Liberale, 13 Konser­vative. 1 Proletarier und der Führer der So­zialisten gewählt; in Osaka 13 Liberale, 5 Kon­servative und 2 Proletarier. Nach einer Nach­richtenagentur sind die ersten Wahler­gebnisse für die Regierung un­günstig. Es wurden als bisher gewählt be­zeichnet 43 Kandidaten der Regierungsparteien, 54 Kandidaten der Opposition und 13 Kandi­daten, die 7 anderen Parteien angehören. Die meisten von ihnen sind Arbeiterparteiler.

Rottagung des deutschen Landwirtschaftsrates.

Eigene Drahtmeldung desGießener Anzeigers".

Berlin, 22. Febr. In der Grünen Wocde, die mit Recht in diesem Jahre als die Notwoche der Landwirtschaft bezeichnet werden konnte, hatte der Ständige Ausschuß des Deutschen Lundwirtschastsrotes, der Vereinigung der deutschen Landwirtschaftskammern, sich ange­sichts der bedrohlichen Entwicklung der landwirt­schaftlichen Notverhältnisse gezwungen gesehen, die Vollversammlung dieser Spitzenorganstation der öffentlich-rechtlichen Berufsvcrtretungen der deut­schen Landwirtschaft beschleunigt zum 23. Februar nach Berlin einzuberufen. Auf dem Programm die­ser Tagung, deren Bedeutung durch die Teil­nahme des Reichspräsidenten und der Reichsmini st er sowie der Vertreter anderer Wirtschaftsorganisationen unterstrichen wird, steht ein einiger Punkt:Notforderungen der deutschen Landwirtschaf t".

Man muß sich einmal draußen im Lande seiber die Verhältnisse aistehen, durch persönlichen Augen­schein davon überzeugen, wie in ganzen, für unsere Ernährungswirtschast ausschlaggebenden Gebieten die landwirtschaftlichen Betriebe aller Be-trievs- größen und -arten allmählich zum Erliegen kommen und die -Zahlen der Zwangsoerfteige- rungen bedrohlich zunehmen. Die Notrufe und Not- kundgebungen, die jetzt täglich die Spalten der Zei­tungen füllen, sind leider zu sehr begründet; der deutsche Bauer läßt nicht ohne Grund die Hand vom Pfluge und es liegt ihm gewiß nicht, sich demon- stratto auf der Straße oder in Versammlungen zu zeigen. Bauernnot ist Volksnotl Die Agrarnot droht wie eine schleichende Krankheit die Grundlagen unserer Ernährungswirtschast zu zer­stören. Darum richtet sich jetzt die Aufmerksamkeit aller, die um die Tragweite dieser Gefahr für die gesamte deutsche Wirtschaft wissen, auf die Tagung des deutschen Landwirtschaftsrates.

Wir haben in den Beschlüssen des Haushalts- ausschusses des Reichstages und in dem Note Programm der Regierung Ansätze zu einer Landwirtschaftshilfe vorliegen. Man wird sich darüber klar fein müssen, daß diese Einzelmahnahmen noch nicht den Weg bereiten können zur endgültigen Lleberwindung der Agrarnot und zur Sanierung unserer Ernäh­rungswirtschaft. Die Landwirtschaft hat jetzt das Wort. Der deutsche Landwirtfchcsttsrat hat auf seinen bisherigen Tagungen erkennen lassen, daß er nicht eine ausschließlich landwirtschaftliche Interessenvertretung ist, sondern daß seine Arbeit getragen ist von hohem Verantwortungsbewußt- fein um die letzten Aufgaben unserer Ernäh­rungswirtschaft und des deutschen Wiederauf­baus überhaupt. Wenn auf der diesjährigen Vollversammlung die Landwirtschaft ihre For­derungen zur Kredit-, Wirtschafts- und Steuer­politik vorträgt, so wird man erwarten können, daß damit ein Programm für eine ziel- bewußte Agrarpolitik vorgelegt wird, in dem nicht nur die landwirtschaftlichen Inter­essen aller Produklionsbezirke und aller Be­triebsgrößen Berücksichtigung finden, sondern in dem auch alle verantwortungsbewußten und hilfs­bereiten Kräfte sich zusammenfinden können zur Abwendung der Gefahren, die der Ernährungs- Wirtschaft. der gesamten Wirtschaft in Stadt und Land aus dem Versinken unseres landwirt­schaftlichen Berufsstandes drohen.

Aus aller Wett.

Drei Schulmädchen vom Zuge überfahren.

In der Nähe von P i n s ch i n, Kreis Star­gard in Pomereilen, ereignete sich ein schweres Unglück. Drei Mädchen im Alter von acht Jahren überquerten auf drm Hei nwege von der Schule den Bahndamm, trotzdem die Schranke geschlossen war. Als sie sich auf dem Gleise be anden. kam ein Güterzug, der alle drei erfaßte. Zwei Mädchen waren auf der Stelle tot, das dritte erlitt so schwere Verletzungen, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird.

Untergang eines englischen Fischdampfers. Acht Mann ertrunken.

In Grimsby traf die Nachricht ein, daß der englische FischdampferPetunia' bei b -Dog­gerbank infolge Zusammenstoßes mit einem schwedischen Dampfer gesunken ist. Nur e... Mann der Besatzung wurde gerettet, 8 ertranken.

Ueberschwemmung in Mecklenburg.

Aus Mecklenburg und der Umgebung von Lübeck ; werden neue große Ueberschwcmmungsschäden ge­meldet. So ist der M ü r i tz s e e über die Ufer ge­treten. Beim Seebad Müritz wurden drei Brücken weggerissen. An der HamburgLübecker Chaussee ist das Hochwasser der Trave und ihrer Nebenflüsse in mehrere Häuser eingedrungen.

Ein Fassadenkletterer am Kölner Dom.

Ein bisher noch unbekannter junger Mann kletterte an den Grundmauern des K,lner Domes empor und schwang s ich dann von Steinstrebe zu Steinstrebe, bis er nach halbstündigem K'ettern auf der 160 Meter über der Erdober lache liegen­den Kreuzblume des Domes an'anate. Es ist das erste Ma! in der Geschichte des Kölner Domes, daß ein Tollkühner es wagte, an dem Mauerwerk von außen bis zur Kreuzblume in die Höhe zu klettern. Der Kletterer war mit

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Wettervoraussage.

Die Hochdruckwetterlage hat sich weiter gefestigt. Nächtliche Wärmeausstrahlung führte stärkeren Temperaturrückgang herbei und heute morgen lagen die Werte in fast ganz Deutschland noch unter Null. Unter dem weiteren Einfluß hohen Druckes bleibt zunächst das heitere und trockene Wetter fort* bestehen. Der Frost dürfte in der kommenden Nacht noch etwas zunehmen.

Wettervorhersage für D 0 n n e r s t a g: Mor­gens stellenweise neblig, tagsüber heiter, Nacht­frost, trocken. ,

Witterungsaussichten für Freitag: Noch keine wesentliche Aenderung.

Lufttemperaturen am 21. Februar: mittags 4 Grad Celsius, abends 0,2 Grad Celsius; am 22. Fe­bruar: morgens 3,5 Grad Celsius. Erdtempera­turen in 10 Zentimeter Tiefe am 21. Februar: abends 4,2 Grad Celsius; am 22. Februar, morgens 1,7 wroo Celsius. Svnncnfcheindauer: 5J4 Stunden.