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Nr 45 Erstes Blatt

178. Jahrgang

Mittwoch, 22. Zebruar 1928

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Bleßener fjamtltcnblättex Heimat im Bild Die Sd>oQt wonal-vezr-rprelr:

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GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag oorher.

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Thefredakteur

Dr Fnedr. Wich. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr Wilh Lange, für Feuilleton Dr H Thyriot, für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein; für den An» geigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gießen.

Der Schiedsspruch ln der Metallindustrie verbindlich.

Eine Erklärung der Arbeitgeber.

(Eigene Drahlmeldung desGießener Anzeigers".

Berlin, 21. Febr. 3n dem Lohnstreit der mitteldeutschen Metallindustrie hat der Reichs» arbeitsminister die Schiedssprüche vom 18. Febr. 1928 Im öffentlichen Interesse für ver b i n d - lich erklärt. Damit ist die Rechtslage für die streitenden Parteien geklärt. Die Unterneh­mer haben auch sofort aus der Verbindlich- kettserklärung die entsprechenden Konsequenzen gezogen und die Wiedereinstellung der in Mitteldeutschland ausgesperrten Arbeiter ver­sprochen. Einen Vorbehalt hoben sie allerdings gemacht. Wird der in Anhalt, Thüringen und Der Provinz Sach en widerrechtlich eingeleitete Streik nicht abgebrochen, dann werden sie ihrerseits an ihrem allgemeinen Aussper- rungSbeschluh, durch den etwa 800000 Ar­beiter betroffen werden können, festhalten. Aber auch hier haben sie den Streikenden eine Frist für die Wiederaufnahme der Arbeit bis zum 29. Februar gegeben. Erst wenn sich dann her­ausstellt, daß der Ausstand weitergehen soll, kommt es zur Stillegung der Betriebe.

Aber damit ist wohl kaum mehr zu rechnen. Schon nach der Fällung des ersten Schieds­spruches, der nur eine Erhöhung der Stunden­löhne um drei Pfennig vorsah, während man jetzt auf fünf Pfennig hinan,gegangen ist, hatten die Gewerlschasten unter der Hand alle Maß­nahmen getroffen, um bei einer Verbindlich» kettserklärung die Arbeiter in die Betriebe zurückzu^ühren. Es darf wohl angenommen wer­den, daß sie heute keinen Augenbltck mehr zögern, um die Wiederaufnahme der Arbeit zu empfehlen. Aus der einen Seite hat der Streik eine weitergehende Lohnerhöhung gebracht, als sie der Magdeburger Schlichter vorgesehen hatte, auf der anderen Seite ist aber der Ausstand, der nun schon über einen Monat anhält, an den mitteldeutschen Arbeitern nicht spurlos vorübergegangen. Werden durch eine Verlängerung des Kattrpses noch die Me» tallarbeiter im ganzen Reich in Mitleidenschaft gezogen, dann können die Gewerlschastssührer die eintretende Schädigung der Arbeitnehmer nicht mehr verantworten. Hebrig bleiben schließ­lich noch die wirtschaftlichen Aaclenschläge, die sich auf den Arbeiter automatisch zurückwirken. Zu hoffen ist, daß Vernunft und Einsicht siegen werden, damit unter das unerfreuliche Kapitel des mitte europäiichen Metalfarbeiter.a.npses ein Schlußstrich gezogen werden kann.

Das Schicksal des CavE-Films.

Die Ausführung wird in England verboten.

(Eigene Drahtmeldung desGießener Anzeigers"

Berlin, 22. Febr. Der Caoell-Zilm, der be­kanntlich die (beschichte der als Spionin hinter der deutschen Front in Belgien kriegsrechtlich er­schossenen englischen Krankenschwester Miß Cavell in einer Deutschland und dem Gedanken der Völkerversöhnung abträglichen Weise schildert, ist nunmehr zur Aufführung an den eng- lischench Lichtspieltheatern nicht -u- gelassen worden. Dies muß in jeder Be­ziehung auf das lebhafteste begrüßt werden, zeigt es doch, daß sich der Engländer noch seiner allen traditionellen Ritterlichkeit bewußt ist. Ohne Frage dürste das Schreiben Chamberlains an den Filmmaneger hierbei eine große Rolle gespielt haben. Es mutet aber gerade deshalb außerordentlich seltsam an, wenn Bernhard Shaw glaubt, unbedingt seststellen zu müssen, daß gerade der CavcU-Film geeignet wäre, die Völkerverständigung zu fördern. Gewiß hat Bern­hard Shaw mit feiner Ironie viele wertvolle Arbeit g.'Iciftet. Ironie inerhöhterPotenz kann aber auch gefährlich werden, weil sie an der nötigen Schlagkraft verliert. And gerade Bernhard Shaw, der vielleicht in Deutschland am meisten gefeiert wurde, sollte sich doch bewußt fein, daß in einer Epoche der Verständigung und der Annäherung weit bessere Mittel gerade gut genug sind, die von ihm erstrebten Ziele zu fördern. Man darf nur hoffen, daß die Hal­tung der englischen ZensurMle auch auf die belgischen Behörden, die keine besonderen geschlichen Möglichkeiten zur Unterbindung dieses Filmes haben, einen Einfluß ausüben wird, da­mit auch in diesem Lande eine Aufführung unter­bleibt. Ob es möglich sein wird, eine Aufführung in der Welt zu unterbinden, ist sehr fraglich. Da es noch keine internationalen Gesetze in dieser Richtung gibt, verbleibt es eine Frage des Taktes der einzelnen Mächte.

Amerika hat bereits den Film gekauft. Er liegt ja in der Richtung des Mare Rostrum- FilmS und schließlich ist aus dem Kampf um den Film für den Amerikaner eine Sen­sation geworden, die er sich nicht entgehen lassen darf Das ist betrüblich und man kann nur hoffen, daß auch die amerikanischen Be­hörden wenigstens insoweit Entgegenkommen zei­gen werden, daß sie eine unverkürzte -Juifubrung verbieten. Gerade sie haben in dieser -Tv^^tung wenigstens einige Möglichkeit. Frankreich hat sich noch nicht entschieden. Ob es der Haltung der Engländer folgen wird? Es wäre freuich eine sympathische Geste des gallischen Volkes. Damit sind aber die Staaten noch mo)t ^schöpft. Die Mächte der Kleinen Entente sollen sich bereits verschiedentlich um den Film bewor­ben haben, kurzum, das Schicksal dieses AilmeS ist noch keineswegs entschieden. Aber gerade des-

Oie Sicherheiisdebaiie in Genf.

Genf, 21. Febr. (WB.) Im Sicherheits­komitee wurde die allgemeine Aussprache fort­gesetzt. Der italienische Delegierte de M a r l n i bezeichnete den Gedanken eines allgemeinen Vertrages zur Erhöhung deS Sicherheits­gefühls als einstweilen ausgeschlossen. Er empfahl statt dessen den Abschluß von Sonderverträgen zwischen Staaten, die wegen ihrer Rachbarschaft gemeinsame Interessen haben. Zweiseitige Vertrage seien am zweck­mäßigsten. 2n besonderen Fällen könnten noch mehrere Staaten als Garanten ober Mit­kontrahenten angeschlossen werden. Beim etwaigen Abschluß von Regionalverträgen sei äußerste Vorsicht geboten, um in den nicht beteiligten Ländern keine Befürchtungen hervorzurufen. Auf alle Fälle soll anderen Staaten der Beitritt aus Wunsch ofscnstehen. In bezug auf die friedliche Regelung internationaler Streitig­keiten will de Marini den Regierungen die Anwendung und Wahl des Verfahrens offen- lassen. Auch dem Rat selbst müßten für den Fall seines Eingreifens alle aus dem Pakt gege­benen Möglichkeiten ohne besondere Bindungen offengelassen werden.

Oer französische Delegierte paul-Boncour

bezeichnete die deutschen Anregungen als außer­ordentlich interessant, fügte jedoch hinzu, daß sie nach seiner Aufsas ung nichts wesentlich Reues bringen. Er betonte, wie stark Sicher­heit und Abrüstung miteinanberoer- knüpst seien. Für eine fühlbare Herabsetzung der Rüstungen seien meßbare und greifbare Sicherheiten als Ergänzung dec durch den Palt geschaffenen Sicherheit notwendig, die als Ersatz für die Aufgabe eines Teiles der eigenen Rüstungen von den einzelnen Ländern in die Sicherheitsbilanz eingesetzt werden könnten.

Paul-Boncour warnte vor einer weiteren Unter- fuchung des Artikels 16 über die wirtschaftlichen, finanziellen und militärischen Sanktionen, da eine solche Untersuchung zur Zeit aussichtslos rtfre und vielleicht das Gegenteil der gewollten Wirkung zur Fvlye haben könnte, wohl aber unter» stütze er die Aufforderung des holländischen Dele­gierten, den Artikel 11 über die dem Bolkerbundsrat gegebenen Vermittlung«- und Schlich­tungsmöglichkeiten weiter zu durchforsch »n. Für den Fall militärischer Vorbereitungen zweier Staaten trat er für die Einsetzung einer inter­nationalen Kontrolle ein. Eine solche Kon­trolle sei dem Rat bereits im vergangenen Jahre von de-m zuständigen Ratskomitee oorgcschlagen worden und sollte entsprechend diesen Vorschlägen durch sofortige Entsendung von militärischen Sach­verständigen nach dem bedrohten Gebiete verwirk­licht werden. Paul-Boncour verlangte den Abschluß von zweiseitigen Schiedsoerträgen und die Ausar- bei hing eines Modells für Schiedsoerträge. Der Schiedsgedanke müsse mit Garantien und Sanktio- nen versehen werden, durch die ein leichteres und sicheres Funktionieren als durch die Artikel des Paktes selbst möglich sei. Solange Verträge, die alle Staaten umfassen, nicht möglich seien, seien R e - gionaloerträge nach dem Muster des Locarnooertrages das beste Mittel, um die Sicherheit zu erhöhen. Das Sicherheitskomitee müsse daher Mittel und Wege für die Entwicklung des Systems der Regionalverträge suchen.

Oie Zukunft

der deutschen Vorschläge.

Paul-Boncours Borstoß.

Genf, 21. Febr. (DDZ.) Zwischen Benesch und einzelnen Mitgliedern des Sicherheitskomi­tees hat eine inoffizielle Fühlungnahme über das weitere Arbeiten des Sicherheitskomitees stattgefunden. Eine große Rolle spielte dabei

die Frage der Herstellung der von Paul-Boncour heute mit großem Aufwand verlangten Serie f ü r Abkommensentwürfe über Schieds- verträge und Regionalpakte. Es ergaben sich Atoei Tendenzen. Die eine drängt entsprechend den heutigen Erklärungen des franzö ischen Dele­gierten auf schnellste Vorlage und Genehmigung die er Texte. Die andere verlangt angesichts der Wichtigkeit der in diesen Abkommensent­würfen zu behandelnden Materien ausreichende Zeit für die Redigierung dieser Entwürfe, die, wie man in diesen Kreisen erklärt, nur in zahl­reichen Vollsitzungen des Komitees und auf keinen Fall ohne Heranziehung aller maßgeben­den Delegationen vorgenommen werden kann. Heber diese wichtige Verfahrensfrage wird das Komitee am Donnerstag in öffentlicher Sitzung entscheiden.

Rach den Bedenken, die bisher in bezug auf die Regionalpakle von England, Japan un,b besonders häufig von Deutschland und Italien geäußert wurden, wirkt die E.ce, mit der man von französischer Seite zu diesen Ab­komme -sentwür en gelangen will, sehr be­fremdend. Auch tonnen sich zahlreiche Dele­gierte nicht dec Auffassung Paui-Boncours an- schließen, daß die konkreten deutschen Vor­schläge durch frühere Arbeiten des Döller-

Weil-Leopoldshöhe, 21. Febr (WTD.) Heute abend gegen 7*/< Hhr überschritt das afghanische Königspaar mit Gesolge, geleitet von einem Vertreter der deutschen Gesandtschaft in Bern, in mehreren Automobilen die deutsche Grenze. Auf dem Grenzbahnhof Weil- I Leopoldshöhe waren zu seinem Empfang eine deutsche Delegation unter Führung des Reichsministers a. D. Dr. Rosen, und der afghanische Gesandte in Berlin, Ahmed A l i Khan, mit mehreren Herren der Gesandtschaft eingetroffen. Die badische Regierung hatte zur Begrüßung des Herrscherpaares den Landes­kommissär Dr. S ch w ö r e r aus Freiburg, den Landrat des Bezirksamts Lörrach, sowie eine Anzahl weiterer Herren entsandt. Der Bahnhof Weil-Leopoldshöhe war durch P i langen- und Flaggenschmuck in den Reichs- und den badi­schen Farben, ferner durch Errichtung eines Bal­dachins mit der afghanischen Flagge, der fest­lichen Gelegenheit entsprechend herg.richtet wor­den. Ferner war ein Zug Landespoli-ei als Ehrenwache aufgestellt. Hm 7,20 Hhr traf das Königspaar mit Gesolge von Basel her über Ottersbach ein, wo eine zahlreiche Menge ver­sammelt war. Der König trug br kleidsame Generalsunisorm seiner Armee, die Königin, der von Freifrau v. Richthosen, der Gatlin des Ministerialdirigenten Freiherr v. Richthosen, ein Strauß Maiglöckchen überreicht wurde, kostbare Pelze. Dem Kön gspaac wurden nach Verlassen der Wagen die Herren der deutschen Empfangs­delegation vorgestellt, der neben dem Führer. Exzellenz v. Rosen, General v. M e h s ch, Oberst Schreib er, Atlachä Graf Strachwitz usw. angehörten.

3n dem reizend fjergeridjtelen Empfangsraum des Bahnhofs begrüßte Reichsminister a. D. Dr. Rosen das Herrscherpaar mit folgenden Worten in per­sischer Sprache:

9m Namen des Herrn Reichspräsidenten und der deutschen Reichsregierung heiße ich Eure Majestäten beim Betreten des deutschen Bodens a l s Gäste der deutschen Regierung herz­lichst willkommen. Der Wunsch der deut- schon Regierung geht dahin, daß Eure Majestäten

Hundes überholt feien, während sie in Wirk­lichkeit ganz neue juristische und sachliche Ele­mente zur Regelung der Sicherheilsfrage bringen. Man hat bereits begonnen, sich sehr ernsthaft mit ihnen auseinanderzusetzen. Falls das Ko­mitee in seiner jetzigen Tagung überhaupt schon zu formulierten Texten gelangen sollte, wird nach Auffassung dieser Kreise das Sicherheits­komitee auch für sie bereits eine genaue For­mulierung Herstellen müssen.

Der deutsche Standpunkt enthält, kurz zusammengefaßt, folgende Gesichtspunkte: Er be­tont erstens die Rotwendigkeit, daß zur Lösung aller Konflikte ein bestimmtes Verfah­ren eingeführt wird: zweitens sind nach deut­scher Auffassung alle Allianzen, auch De­fensivallianzen mit dem Geiste des Völkerbundes nicht v e r e.i n b a r, und drittens kommt es daraus an, praktische Möglichkeiten für Prä­ventivmaßnahmen gegen den Krieg zu suchen. Auf diese drei Gesichtspunkte läuft ja auch der deutsche Vorschlag hinaus, daß bei Ausbruch von Streitigkeiten auf Empfehlung noch ein Waffen still st and vereinbart werden soll. Im Anschluß an die Ratstagung des Völ­kerbundes wird übrigens am 15. Marz die Vor­bereitende Abrüstungskonferenz ihre Verhandlungen sortsetzen.

sich in Deutschland so heimisch fühlen ntogen, daß das Gefühl, in der Fremde zu sein, bei Euren Ma­jestäten schwindet. Die deutsche Regierung weiß, daß Eure Majestäten nicht zum Vergnügen, sondern zu ernstem Studium noch Deutschland kommen. Sie wird sich bemühen, alle Wünfche Eurer Maleftäten nach Möglichkeit zu erfüllen Möge der Aufenthalt Eurer Majestäten in Deutschland reichen Segen tragen zum Wohle der beiden Länder Afghanistan und Deutschland."

Daraus erroiberfe der König gleichfalls In Persisch mit folgenden Worten:

.Ich gebe meiner lebhaften Freude darüber Ausdruck, daß ich heute zum ersten Male deut­schen Boden betrete. Ich spreche Ihnen, Exzellenz v. Rosen, für die Worte, die Sie im Rainen des Herrn Reichspräsidenten und der Reichsre­gierung an mich richteten, meinen herzlichsten Dank aus. Schon feit Jahren bestehen die Sym­pathien Afghanistans für Deutschland. Sie tra­gen den C ya r alter eines großen Ver­trauens einer Ration zu einer an­deren. Ich möchte meiner besonderen Freude darüber Ausdruck geben, daß Exz. v. Ro'en als ein anerkannter Orientalist und guter Kenner der persischen Sprache die Glückwünsche und den Willkornmensgruh des Herrn Reichspräsidenten und der deutschen Regierung mir in unserer persischen Sprache zum Ausdruck ge­bracht hat. Ich komme, erfüllt von wärmsten Sympathien, für Deutschlands Wirken, und über­bringe die Grüße meiner Ration, des afghani­schen Volkes, an das deutsche Volk."

Anschließend ließ sich das Königspaar die üb­rigen Mitglieder der deutschen Delegation und die erschienenen Vertreter der badisch n Landes­behörden vorstellen und unterhielt sich mit ihnen bis zur Abfahrt des Zuges, die pünktlich um 8,20 Hhr erfolgte. Dor dem Besteigen des von der Reichsregierung bereitgestellten S o n Ver­zuges, bestehend aus Salonwagen, vier Schlaf­wagen und Speisewagen, stellte sich das Königs­paar mit Gefolge, sowie die deutsche Abordnung zu einer photographischen Ausnahme zur Ver­fügung. Beim Cinsteigen Ltd 'den Salonwagen bildete die Ehrenwache der Landespolizei Spalier.

Das afghanische KvnigsKaar in Deutschland.

halb wird der Wunsch um so lauter, daß, um derartige Zwischenfälle ein für allemal zu unter­binden, der Völkerbund, wie wir bereits an dieser Stelle bargelegt haben, die Initiative zu einer Aktion ergreifen möge, die in wirksamer Werse eine Verhinderung der Gefährdung der internationalen Beziehungen durch derartige Ge­schehnisse garantiert.

Großadmiral v. Köster f.

Berlin, 21. Febr. Der frühere Großadmiral Hans v. Köster ist heute vormittag im Alter von 84 Fahren in seiner Wohnung in Kiel gestorben. Köster war als Sohn eines Rittergutsbesitzers 1B44 zu Schwerin geboren und trat 1859 als Kadetten- afpirant in die damalige preußische Marine ein. An Bord der alten SegelkorvetteAmazone" erfolgte feine erste seemännische Ausbildung. 1866 wurde Köster zum Leutnant zur See und 1875 zum Kor­vettenkapitän befördert. Kösters ausgesprochene Persönlichkeit und seine Fähigkeit, Menschen zu be­handeln, ließen ihn in diesen Jahren wiederholt und mit Erfolg in der Erziehung des Offiziernachwuchses Verwendung finden. Nach kurzer Tätigkeit als Kommandant des LinienschiffesWürttemberg" wurde er 1884 als Chef des Stabes in die Admira­lität berufen, um 1887 diese rein militärische Stel­lung mit der Verwaltungstätigkeit als Dbcrroerft- birettor von Kiel zu vertauschen. Nach der (Er­nennung zum Konteradmiral kam Köster 1889 als Departementsdirektor ins Reichsmarineamt, wo er durch die ruhige Sicherheit, mit der er die Vorlage

über Dampferfubventionen und den Kaifer-Wil- Helm-Kanal vor dem Reichstag vertrat, zum ersten­mal in der breiten Oeffentlichkeit bekannt wurde. 1891 bis 92 befehligte Köster das Uebungsgeschwa- der, 1893 übernahm er als Vizeadmiral das Kom­mando des Manövergeschwaders. Mit kurzer Unter­brechung blieb er von nun ab an der Spitze der sich ständig vergrößernden Flottenmacht tätig und wuchs mit ihr, indem er zugleich i h r e r ft e r Lehrmeister und Erzieher blieb. 1899 wurde er in Anerkennung feiner Verdienste zum (9enera(infpetteur der Marine mit dem Range eines kommandierenden Generals ernannt. 1903 bis 1906 war er Chef der aktiven Schlachtflotte. 1900 erhielt Köster den erblichen Adelstitel mit 1902 den Schwarzen Adlerorden, 1905 wurde der Groß­admiral ins Preußische Herrenhaus berufen. Seit dem 14. Juni 1908 stand er als Präsident an der Spitze des Deutschen Flottenvereins. Die Persön­lichkeit des Großadmirals wird wohl am besten ge­kennzeichnet durch die Huldigung, die die vom Reichsmarineamt herausgegebeneMarinerund- schau" in ihrer Aprilnummer 1914 bei dem 70. Ge­burtstag Kösters darbrachte:Wem es vergönnj war, in jenen Jahren an der Flottenausbildung teilzunehmen, dem wird Großadmiral von Köster immer vor der Seele stehen als der große Lehr­meister, als der große Erzieher der Flotte. Rastlose Arbeit, rücksichtsloses Einsetzen aller Kräfte an die Erreichung des gesteckten Zieles, äußerste Gründlich­keit bis ins kleinste, Kriegsmäßigkeit der Ausbil­dung bis ins einzelne, exerziermäßig, exakte Durch­bildung der immer noch wachsenden Verbände,

das sind die Kennzeichen jener grundlegenden Aus­bildungsspanne, der Epoche Kösters."

Ein Land ohne Regierung.

Kein Llaatsrninistcriuin in MeSlenburg- Ltrelitz.

Neu-Strelitz, 21. Febr. (WB.) Der am 29. Januar t>. 9. gewählte Mecklenburg-Strelitzer Landtag trat zu einer konstituierenden Sitzung zusammen. Anwesend waren sämtliche 35 Abgeord­nete. Zum Präsidenten bzw. Vizepräsidenten wur­den Landrat Dr. F o t h (Sozicklist) und Bürger­meister a. D. Dr. 2k l brecht (Deutschnational) wie­dergewählt. An Stelle der bisherigen Minister H u - st aedt und Schwabe, die ihre Aemter nieder- legten, ernannte der Präsident den früheren Meck­lenburg - Strelitzer Staatsminister, Dr. Freiherrn von Reibnitz (Sozialist) und den Bürgermeister der Landeshauptstadt Neu-Strelitz, Dr. H e i p e r tz (Deutfdje Volkspartei) zu Staatsministern. Der An­trag der Deutschnatianalen, festzustellen, ob beide bas Vertrauen des Landtages hätten, löste eine stundenlange, sehr er regte ~ Debatte aus, die mehrfach zu Unterbrechungen der Sitzung führte. Die Vertrauensfrage wurde sodann hinsichtlich Dr. Reibnitz' mit 19 gegen 16 Stimmen ver­neint. Das Vertrauen hinsichtlich Dr. Heipertz' wurde mit 18 gegen 17 Stimmen ebenfalls ver­neint. Ein weiterer sozialdemokratischer Antrag, die bisherigen Minister Dr. Hustaedt und Schwabe von der Weitersührung der Geschäfte