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Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 22. Februar 1928.

Vorfrühling aus dem Lande.

Ein Heller Februarsonntag lockt uns hinaus inS Freie. Wald und Flur liegen im goldenen Sonnenlicht. Vergessen sind die Stürme und daS Schneegestöber der letzten Wochen. Man freut sich über die Sonne, die bis jetzt so wenig an uns dachte.

Ein geheimnisvolles Sehnen geht durch bi« natur: Der Frühling will kommen. Zwar steht der Wald noch still und kahl da, aber auch durch seine Wipfel geht ein Rauschen, wie ein sernes, freudiges Qfijnen.

Süße, wohlbekannte Düfte streifen ahnungs­voll das Land."

Die Hälmchen der Winterfrucht erglänzen im Sonnenschein, und schon wollen die Wiesen nicht zurückbleiben. QIm Wege blühen die Gänse­blümchen, die ersten Voten des Frühlings. Lind dort am Waldrand stehen die Haselnuststräucher im Schmuck ihrer Kätzchen. Sobald der Wind geht, fliegt der Dlütenstaub.

Jungen kommen singend daher, sie tragen Sträuße mit Weidenkätzchen. Sie können's nicht lassen, diese abzureisten, obgleich es immer und immer wieder verboten wurde. Sie wollen auch etwas vorn Frühling mit nach Hause bringen. Sie haben schon versucht, die Rinde zu lösen, um sich Pfeifen und Schalmeien zu schnitzen. Aber dazu ist es noch zu früh.

Drüben am Abhang schreitet ein Dauer be­dächtig seinen Acker ah. Er betrachtet die Winterfrucht und freut sich an dem schönen Stand der Pflänzchen. Der Regen der letzten Zeit kam ihm sehr willkommen, denn noch fehlte die eigentliche Winterfeuchtigkeit. Run kann er so langsam seine Frühlingsarbeit beginnen.

Horch! Die erste Lerche I Wie sie ihr Lied herausschmettert! Sie hat!« noch gefehlt, um uns diesen Tag zu einem schönen Erlebnis werden zu lassen. Wohl hatten die Schneeglöckchen im Vorgarten von schönen, kommenden Dingen er­zählt, aber das Trillern der Lerche sagt es uns doch eindringlicher, und ihr glauben wir eher, als den weisten Glöckchen.

Wenn wir aber ganz sicher wissen wollen, dast der Winter zu Ende ist, dann fragen wir die Kinder, dann sehen wir zu, was sie spielen. Schon seit einigen Wochen haben sie die Taschen mitKlicker n angefüllt, und draußen auf der Straße wird mit dem Absatz eineKaute" hergestellt, und schon rollen die kleinen Kugeln. Mit welch ernsten Gesichtern sic- ihr Spiel er­ledigen! Lind betrachte dir einmal die andern, die zuschauenI Mit welcher Teilnahme sie jeden Zug und Wurf der Spieler verfolgen! Sind erst die Klicker" die Herren der Lage, dann erscheinen auch bald die Stelzen. Stolz schauen die Jungen von ihrem erhöhten Ge ichlspunkt selbst auf uns Erwachsene herab. Lind erst da, wo der Dach durch das Dorf flieht! Durch die tiefsten Stellen zu waten, das ist eine Kunst! Das schönste aber: Mair kann den Leuten in die Fenster schauen, kann die kleinen Mädchen er­schrecken!

3a, Klicker und Stelzen künden den Frühling sicherer an als Gänseblümchen und Schnee­glöckchen.

Und wenn erst bte Mädchen ihren Voll hervorholen, dann ist er bestimmt da. P.

Bornotizen.

TageSkalender für Mittwoch: Stadttheater: 71/, Lihr .Der Hexer". (Ende gegen IO1/, Lihr.) Lichtspielhaus Bahnhofstraße: .Das Geheimnis des Abbe T." Astoria-Lichtspiele: König im Sattel".

Oberhessischer Geschichtsverein. Den 3. Vortrag dieses Winters hat der Literar­historiker an unserer Liniversität, Prof. Dr. V i e- t o r, übernommen. Er wird Donnerstag, 23. Fe­bruar, über Georg Vüchner sprechen, den in Goddelau bei Darmstadt geborenen genialen Verfasser vonDantons Tod", der aber auch in der hessischen Geschichte eine Rolle gespielt hat. Aus Büchners Feder stammt die revo­lutionäre KampfschriftDer Hessi che Landbote": infolgedessen muhte Büchner die Heimat verlassen und wandte sich in die Schweiz, wo er schon 1837 in Zürich starb. Rach dem Vortrag findet die ordentliche Mitgliederversammlung des Vereins statt. (Dgl. die Anzeige am Samstag, 18. Februar 1928, und heute.)

Radioklub (Sieben. 3n dem Vortrage von Dr. Heinrich Müller aus Drandenburg an der Havel überFortschritte im Emp­fängerbau", der am Freitag, 24. Februar, im großen Hörsaale des Physikalischen Instituts stattfindet, wird außer einer Anzahl, zum Teil selbstgezeichneter Lichtbilder, vor allem ein mo­dernes selbstgebautes Fünfröhrengerät an Hoch- und Rahmenantenne vorgesührt werden. Außer­dem wird die Frage des Rehanschlusses gründlich erörtert und durch Versuche eine für Gießen geeignete Lösung demonstriert werden. Rach dem Vorträge wird Gelegenheit sein zu einer Aus­sprache über alle aus dem Kreise der Zuhörer gestellten Fragen. Alle Rundfunkteilnehmer Gie­ßens und solche, die es werden wollen, seien auf diesen Vortrag nochmals aufmerksam gemacht. Räheres in der heutigen Anzeige.

" Llniversitäts-Personalie. Der ordentliche Professor in der evangelisch-theologi­schen Fakultät der Landesuniversitot Gießen D. Hans Schmidt wurde auf fein Rachsuchen, mit Wirkung vom 1. April 1928 an, aus dem hessi­schen Staatsdienst entlassen.

* Der Wasserleitungsbau unseres städtischen Wasserwerks vom Hochbe­hälter bei Annerod aus ist nunmehr bis an das Schühenhaus heran gediehen. Belanntlich handelt es sich dabei um die Verlegung neuer Rohre mit größerer lichter Weite, durch die den man­cherlei früheren Beschwerden über mangelnde Wasserversorgung der Stadt abgeholsen werden soll. Es werden zwecks ausreichender Wasserbe- lieferung 400 Millimeter weite Rohre gelegt, die vom Hochbehälter aus der Provinzialstraße ent­lang laufen, dann die Kaiserallee berühren, hier­auf durch die Moltiestraße, Ostanlage und Mar­burger Straße gesührt werden. Mit den Arbeiten wurde im Oktober vorigen Jahres begonnen, infolge strengen Frostes und der Schneefälle mußten sie aber etwa vier Wochen lang ruhen, jedoch ist damit zu rechnen, daß sie bis Ende März oder Anfang April bis zur Moltke- straße bzw. Ostanlage beendet sind. Bei den Ar­beiten war teilweise mit ziemlichen Schwierig­

keiten zu kämpfen: stellenweise fand man einen ziemlich hohen Grundwasserstand vor, der z. D. an der Straßengabelung beim Professoren««! recht ansehnlich ist, ferner muhten in der -Rähe des Anneröder Berges Sprengungen im Basalt vor­genommen werden, schließlich mackte auf ein­zelnen Strecken auch schwerer Letteboden allerlei zu schaffen. Erfreulicherweise sind aber sämt­liche Arbeiten bisher ohne LlnglücksfaU ver­laufen. Aussührende Unternehmerin ist die Bau- firma M. Abermann. Rach der Fertig­stellung dieser Rohmehverstärkung ist mit Sicher­heit damit zu rechnen, daß die früheren De- schwerden über Wassermangel endgültig behoben sind.

** Anlagenkonzert findet morgen, Don» nerstag, vormittag 11.30 Uhr in der Südanlage durch das Musikkorps des 1. (Hessischen) Grenadier» Bataillons, 15. Inf. Rgts., unter Leitung von Ober» Musikmeister 2 ober statt. Dortragsfolge: 1. Pa­rademarsch derLangen Kerls" von M. Roland. 2. Borspiel zur MärchenoperHänsel und Gretel" von E. Humperdink. 3.Florentinermarsch" von I. Fucik. 4. Fantasie aus dem BallettCappella" van Delibes. 5.Chattenmarsch", der Gießener Lands­mannschaftChattia" gewidmet van W. Laber. (Dieser Zeitpunkt des Promenadenkonzerts ist u. E. wenig glücklich gewählt. Um 11.30 Uhr vor­mittags werden sicherlich nur wenige Bürger in der Lage fein, die ovm Bataillon in anerkennenswerter- wcise gebotenen Konzerte der Militärkapelle zu be­suchen. Es dürfte sich empfehlen, zu dem früheren Modus der Nachmittagskonzerte in den Anlagen, etwa um 4 oder 5 Uhr beginnend, zurückzukehren, damit den breitesten Bevölkerungssch.chten Gelegen­heit gegeben ist, den Darbietungen der Kapelle bei­wohnen zu können. D. Red.)

* Das Faschingstreiben in unserer Stadt, das in den letzten Wochen durch Mas­kenbälle. Kappenabende usw. bereits rege im Gange war, erreichte am gestrigen Fastnachts­dienstag naturgemäß seinen Höhepunkt. Der Be­trieb war nach unseren Eindrücken diesmal wesentlich stärker als in den Jahren vorher. Sowohl auf den Straßen, wie auch in den Ver­gnügungsstätten herrschte lebhaftes fameDalifti- sches Treiben: namentlich im Seltersweg war es die Jugend, die in allen möglichen Kostü­mierungen herumschwirrte, aber auch in zahl­reichen anderen Straßen der Innenstadt trieb das junge Volk gestern sein ausgelassenes närri­sches Wesen. Am Abend trat dann die Karne- valssröhlichkeit der Erwachsenen auf den Plan. In zahlreichen Vergnügungslofalen wurde flott getanzt, allerlei Rarretei getrieben und den Freuden des Daseins in reichem Maße gehuldigt. Der Faschingsbetrieb währte bis tief in die Rächt, oder richtiger gesagt bis weit in den Morgen hinein, und Brummschädel und ähn­liche Dinge einer durchblitzten Rächt dürften bei vielen unserer Mitbürger heute früh wohl das graue Glend des Aschermittwochs darstellen. Der Karneval gab auch in diesem Jahre erfreulicher­weise der Polizei keinen Anlaß zum Eingreifen, was dem Sinn für Ordnung und Zucht in un­serer Stadt ein gutes Zeugnis ausstellt.

** Wahl zum Dersicherungsamt Gie­ßen. Die Wahl der Beisitzer zum Versicherungsamt für die Landgemeinden des Kreises Gießen findet am Sonntag, dem 25. März, statt. Es sind je sechs Ver­treter der Arbeitgeber und der Versicherten zu

wählen. vorschlagsNsten sind bis zum 10. März ein- zureichen.

* Schützt die Weidenkätzchen! Das Kreisamt Gießen weist im Amtsverkündigunasblatt darauf hin, daß dos Abreißen von Weidenkätzchen verboten ist. Die Ortspolizeibehörden sind beauftragt, das Forst- und Feldschutzpcrfonal anzuweisen, die Einhaltung der Derbotsvorschrift streng zu über­wachen. Gleichzeitig wird empfohlen, in geeigneter Weise darauf hinzuwirken, daß die Blütenstaub spendenden Sträucher, wie Weide und Hasclstrauch, die zur Förderung der Bienenzucht wichtig sind, ge- schont werden.

' ArbeitSjublläum. Am morgigen Don­nerstag, 23. Februar, kann die Hausangestellte Marie Rink, aus Wommelshausen (Kr. Bie­denkopf) stammend, auf eine 25jährige Tätigkeit im Dienste der Familie des Kaufmanns Fritz Jung, Walltorstraße 10, zurückblicken. Di« Jubilarin hat sich durch ihre Diensteifrigkeit nicht nur die Zufriedenheit ihrer Arbeitgeber, sondern durch ihre persönliche Gefälligkeit auch die Sympathie der ganzen Rachbarschaft er­worben.

** (Ein weiterer Frühlingsbote hat sich in Gestalt eines Schmetterlings dem Kirschblüten- zweig zugesellt. Der voreilige bunte Geselle wurde uns Dc.i Herrn Karl Neuling, Steinslrahe 72, übermittelt.

(Weitere Lokalnachrichlen im 2. Blatt.)

berliner Börse.

Berlin, 22. gebt. (W. T. D. Funkspruch.) 3m heutigen Dormittagsverkehr herrscht bis jetzt vollkommene Geschäftsstille, da die beteiligten Kreise eine außerordentlich große Zurückhaltung an den Tag legten. DaS Kursniveau scheint ge» halten zu sein. Man hört nur einen Farbenkur« von zirka 263,5, Hapag 155 bis 155,5 und Rordd. Lloyd 156. Am Devisenmarkt nennt man London gegen Kabel mit 4,8775 bis 4,8780, Reichsmark gegen London 20,4275 bis 20,4325, Mailand gegen London 92,075 bis 92,125, Madrid 28,69 bis 28,71.

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Die Beschwerden über die großen Kraftwagen.

Die Beschwerden über die Erichutlerungen, die die schweren Kraftfahrzeuge in den Straßen der Stadt verursachen, sind durchaus berechtigt. Es muh Aufgabe der Stadtverwaltung sein, diesen Mißständen abzuhelfen, bevor größere Schäden an Öen Häusern entstanden sind. Ins­besondere muß die Aufmerksamkeit der Stadt auf die Zustände in der Marburger Straße gelenkt werden, wo die schwersten Autobusse und Lastkraftfahrzeuge durch ihre große Geschwindig­keit, mit der sie. unter Ausnützung des Gefälles, in das Stadtgebiet einfahren, bereits Schäden an Mauerwerk und Sprünge in Fensterscheiben ver­ursacht haben. Besonders unerträglich sind die Erschütterungen,« verbunden mit einem heftigen Klirren aller Fensterscheiben, beim Passieren der zweiachsigen Autobusse desZweckverbandes Wieseck-Altenbuseck". Es scheint dringend geboten, daß die zuständige Dehörde durch Erlaß von ent­sprechenden Verordnungen die Marimallasten und -geschwindigkeiten regelt, bevor größere Schaden- ersahforderungen geltend gemacht werden.

Anwohner der Marburger Straße.

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cJmWesten die Halbinsel mit dem Bergen Athos, der berühmtenNiederlassung der griechischen. Mönche, im Osten, das Tal des Flusses Nestes, der ein. tabakgesegnetes Ge­biet durchströmt und auch auf dem an­deren Ufer-streng genommen in Thracien und nicht mehr in Macedonien-einen käst liehen Tabak wachsen lässt-Das ist für den Fachmann das Herkunftsland des echt** macedonischen Tabaks, auch wenn es mir dem geschichtlichen Begriff Macedonien nicht ganz übereinstimmt-

Distrikte wie SERRES,DRAMA,CAVALLA und? XANTHI sind dort mindestens ebenso be­rühmt wie bei uns in Deutschland die besten Lagen eines edlen Weins Dennoch genügt es für den Laien., sich die Namen CAVALLA und XANTHI Lu. merken, denn sie sind nichr nur Mittelpunkte für den TäbakHandel^on dem auch Gualitäts begriffe, wie Rhein-und Mosel-Wein

Und noch ein Zweites muss sich der Raucher merkender sich Fachkenntnis erwerben will- Wir haben als Fachleute und als Verehrer des

Macedonen-Tabaks seine Eigenschaften9 geschildert und die macedonische Zigarette als die beste bezeichnet -Dennoch bestehen> unsere Zigaretten nicht zu 100 Prozent aus macedonischetn Tabak/Das würde garnicht schmecken,denn eine Zigarettenmischu/ig ist wie eine Speise, die aus Grundstoff und Zutaten besteht

Wir verwenden als Zutaten ca, 2o bis2y% bester Saansoun-und Smyrna-Tabake,die, zwar in ihren Charaktereigenschaften voll­kommen von dem Macedonen-Tabak ab­weichen, die aber ebenso wie dieser aus Län­dern alter und edler Tabak-Kultur stammen- Die Mischungsbas is gibt derZigarttte ihren? Charakter, nach ihr wird, sie benannt-

Bei HAUS-NEUERBURjG-Zigaretten/ ist diese Mischungsbasis mazedonisch/, und zwar nicht nur bei dm teuren Sorten, sondern auch bei der f Pfg-Zigarette.