Ausgabe 
21.9.1928
 
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Geschwindigkeit sei äußerst bedenklich, weil der Unterbau nicht entsprechend hergerichtet sei. Für Personcl, ragen wäre es b^s.er, wenn da- Par- lnment noch einen Sinjluh hätte. Die Gewerl- scl-c t ,'lellc die Forderung, daß die Kontrolle über die Qualität deS Lokomotivführer- nicht meint in dm Händen der Reichsbahnaes«llschast bleibe, sondern den staatlichen Drhörden über­tragen werden müsse. Die dienstliche Bran- lvruchuna des Personals sei so stark, daß eine sichere Betrieb-! ührung nicht mehr gewähr­leistet sei.

vorstandstagung de» Deutschen Amvallsoereins.

Gleichseitig mit dem Salzburger Juristentag hielt der Vorstand des Deutschen Änwaltsoereins in Berch­tesgaden eine Sihunn ab. Die Verhandlungen, die der Präsident des Deutschen Anwaltsoereins, Justizrat Dr. Martin'D r u ck e r (Ccipdiq) leitete, aalten zu­nächst der Durchführung der Neuorganisation des Deutschen Anwaltsvereins, die eine schärfere Zusam­menfassung der Mitglieder des Vereins auf dem Wege einer Bezirksgruppenbildung, ferner eine wesentliche Erleichterung der Aufgaben und eine Um- Gestaltung der Hauptgeschäftsstelle vorsieht. Weiter- in besagte sich der Vorstand mit Mahnahmen zur Verbesserung der Lage der Anwaltschaft, die sich be­kanntlich zur Zeit in schwerster Bedrängnis befindet, weil auf der einen Seite bei anhaltendem Zustrom zum Anwaltsberuf das anwaltliche Arbeitsfeld mehr und mehr eingeschränkt wird, während auf der ande­ren Seite die im Jahre 1925 getroffene gesetzliche Neuregelung des Gebührenwesens einen empfind­lichen Gebührenabbau mit siw gebracht hat. Der Vorstand des Deutschen Anwaltsoereins faßte eine Anzahl wichtiger Beschlüsse über diese Fragen, die zum Teil auch noch die nächste Abgeordnetenoer­sammlung beschäftigen werden, die Anfang November in Frankfurt o. M. stottfinden wird.

Oberhessen.

Landkreis (Wieweit.

* Odenhausen a. d. Lda., 20. Dept. Die von dem hiesigen Fußballsport-Verein am Sonntag veranstalteten leichtathleti­schen Wettkämpfe, verbunden mit Pokal- wettspielen in drei Klassen, nahmen vor einer großen Zuschauermenge einen sehr spannenden Verlauf. Die Oberrealschüler-Stasette von Grün­berg über 400 Meter, bestehend aus Walter Trinkaus, Kurt Suchland, Hans Leonhard Pauly und Siegfried Bühler errang unter starker Kon­kurrenz den ersten Preis. Ferner erhielt der älnterprimaner Hans Leonhard Pauly (Mainz- lar) im 100-Meter-Lauf wie auch im 300-Meter» Lauf den 1. Preis.

t. Burkhardsfelden, 21. Sept. Gestern wurden die sterblichen lleberreste unseres ä l t e - st en OrtSbürgers 3ohS. 2l l b a ch V. zu Grabe getragen. Der Verewigte halte das schöne Alter von 87 Jahren erreicht und half bis in seine letzten Lebenstage noch Feldarbeiten ver­richten. Gr war Teilnehmer an dem Feldzug von 1866. Seit 1892 war er Gemeinderechner und hat dieses Amt in seltener Treue und Ge­wissenhaftigkeit verwaltet. Außerdem war er lange Zeit staatlicher Untererheber und Kirchen­rechner.

* 211 b a 4, 20. Sept. Heute verunglückte der 24jährige Willi Brück von hier beim Dreschen sehr schwer. Er wollte Fruchtbündel vom Gerüst in die Scheunentenne werfen, dabei brach ein Balken, und Drück stürzte in die Tenne, wo er liegen blieb.' Der sofort hinzugezogene Arzt Dr. S ch a d von Lich stellte eine schwere Ntppenquetschung fest.

y- L l ch, 20. Sept. Dom herrlichsten Wetter begünstigt fand gestern die feierliche Ginwei- hang unserer neuerbauten städti- scben Kleinkinderschule statt. Ilm 4.30 Ayr hatten sich im Hose des neuen Heims die Mitglieder des Gemeinderats, des Schulvor­vorstandes und des Wohlfahrtsausschußes, sowie die Kinder mit der Schwester und den Gltern versammelt. Aach einem Lied und dem Prolog der Zunder übergab Baurat Wagner vom Hochbauamt in Dietzen, das die Pläne entworfen hat, den Schlüssel an Bürgernunsler Geil, der nach einer Ansprache, in welcher er besonders aus die fast 100jährige Geschichte der Anstalt einging, aufschlotz und mit Dankesworten den

Merkwürdigkeiten aus der alten Natnrwissenschast

Miigeieilt von Waliher Appell.

Dor mir liegt ein Teil jenes Erzeugnisses mittelalterlicher Delehrsamleit, da- man eine Gnzv lopkidie der gesamten damaligen Natur- wisienschasten nennen tonnte. Selber betitelt er sich mit einige» wortreichen Ausschmückungen, aber doch bescheiden: Kräuterbuch. Das ist nicht wörtlich zu nehmen. Mein Band, der letzte des Werkes, behandelt nicht Kräuter, sondern .das sürneh.nbste Dethier bet Erden, Vögel und Fische, detzgleichen Metalle. Grtze, Edelgestein, Gummi und gestanden ©äfften, so zur Artzney gebräuchlich." DaS tut er, mit vielen Bildern, auf eine durchaus besondere, großzügige Art. Der gleiche Holzschnitt heißt bei dieseneratten" Wissenschaftlern das eine Mal Alaun, das an­dere Mal Magneteisen, und genau so ist es mit den Bildern Der Spinne und Ameise.

Natürlich gibt es damals, 1587, noch das Hge- sidert vierfüßig Thier Greiff: am ganzen Leib ein Löwe, mit Flügeln und Angesicht dem Adler gleich, mit Klauen wie Ochsenhörner." Ebenso selostversländlich gibt es den Lind­wurm oder Trach, und den »König der Schlau- gen", den B a s i l i sk. der den Menschen durch seinen bloßen Blick tötet. (Geboren soll er von einem H-Hn sein, denn der legt in seinem letzten Alter ein öi. daraus der Basilisk kommt.) In diesem KrclS darf auch das Einhorn nicht fehlen, das »den Damen hat von dem einsam eintzigen Horn, so an seiner Stirn wachset. Es lebt in den wüsten Wäldern von Jndia mit einem Leib wie ein Pserd, einem Kopf wie ein Hirsch mit Fühen wie ein Elefant, einem Schwanz wie der des Wildschweine-." Leider scheint es zu diesen vielerlei Gaben nur den Verstand eines Sperlings mitbekommen zu hrben. denn:Denn eS mit dem Löwen streitet, so stellt sich der gegen einen Baum, und wenn da- Einhorn in vollem Lauf auf ihn zurennt, ent­weicht er und das Einhorn bleibt mit feinem Horn un Baum stecken, allwv es bann der Löwe umbringt.3n Arabia lebt fünfhundert Jahr oder länger der Vögel Phönit So er dann sihet, daß er alt worden ist. fandet er viel tvohlriechend.'r Sveceren freute, und hr hoch über sich zu der Sonnen glu in. und it dem Wmdt feiner Flügel wacht er ein Feuwer

Schlüssel an Schwester Lina weiterreichte, die nun mit den festlich geschmückten Kindern ihren Einzug hielt. 3m HauS selbst nahmti,td- dechant Kahn nach einer Ansprache über das Wort .Kinder find eine Gabe des Herrn" di« feierliche Einweihung des neuen He-me- vor, und sprach Segen und Gebet. Pfarrer Hickel vorn Elifabethensti-t in Darmstadt überbrachte die Grüße und den Dank deS Mutterhauses. Mit dem LiedRun danket alle ®r>tt"_ wurde die Feier geschlossen, der sich unter Führung von Baurat Wagner eine Besichtigung des Hauses anschloß. Alle Teilnehmer teuren entzückt über die schöne bauliche und praktische Gestaltung des Hauses mit seinen hallen und freundlichen Räu­men, die überall der Sonne und dem Licht unge­hinderten Zutritt lassen. Mit vollem Recht wur­de betont, daß das neue Heim eine neue Zierde unserer Stadt ist und sich architektonisch, den Wünschen des Denkmol?slcgrrS e tsprechend. auf- beste seiner Umgebung, dem alten Stadtwall, anpaht. Die Verteilung von Brezeln an die Kinder und eine photographische Aufnahme be­schloß die schöne Feier. Unsere Kinderschule ist die zweitälteste des Hessenlandes und kann im Jahre 1934 ihr 100jährige- Bestehen begehen. Sie war ursprünglich eine Stiftung dar Fürstin Henriette zum Geburtstag ihrer Schwiegerioch'.er. der Surft m Warle zu Solms-Hohensolms-Lich 3m 3ahre 1845 erbaute die Stadt für diese Stiftung ein neues Haus. Als Kinderschultante wirkte Fräulein Elisabeth Reger 49 3ahre an der Anstalt. Zwei schöne Bilder der Stifterin und ersten Schwester wurden im großen Saal ausgehängt. Das Haus enthält neben zwei Sälen und den nötigen Räumen für die Schule eine Wohnung für die Schwester, sowie eine vermietbare Aeizimmerwohnung und ist mit allen Bequemlichkeiten der Renzert, wie Zentral­heizung usw., ausgestattet.

Lich. 20. Sept. Heute wurde unter großer Beteiligung der Bevölkerung und der Vereine der im Alter von 72 Jahren verstorbene Glasermeister Ludwig Scherff zur letzten Ruhe getragen. Mit ihm ist ein Mann dahingcgangen. der als tüch­tiger Geschäftsmann in der Stadt und der weiteren Umgebung geschätzt war, der sich aber auch um das öffentliche Leben als langjähriges Gemeinderats- nutglieb und durch feine aufopfernde ehrenamtliche Tätigkeit im Dereinsleben ganz besondere Ver­dienste erworben hat. Drei Jahrzehnte lang war der Verstorbene Rechner der Freiw. Feuerwehr, die er mltbegrünöen hals, (fr gehörte auch zu den Mitbegründern des Gewerbevereins für Lich und Umgebung, den er lange Zeit um­sichtig leitete, bis er durch Ernennung zum Ehren­vorsitzenden geehrt wurde. Dem Turnverein war er jahrelang ein eifriger Förderer, einst als guter Wetturner, später als tätiges Dorstandsmit- glied, zuletzt als Ehrenmitglied. Der lurngau Hessen hat vor wenigen Jahren die Verdienste des treuen Turners um die Turnsache durch Ver­leihung des Gauehrenbriefes anerkannt. Die Licher Spar- und Kredit-Aktiengesellschaft hatte in Ludwig Scherfs lange Jahre einen gewissenhaften Kontrol­leur: der durst) den Zusammenschluß der genannten Kasse mit der Spar- und Darlehenskasse gebildeten Licher Bank gehörte er bis zu seinem Tode als Aufsichtsratsmitglied an. Bei dem Leichenbegängnis fand das gemeinnützige Wirken des verdienten Mannes dankbare Würdigung. Feuerwehrkapelle und GesangvereinCScltia* umrahmten mit ein­drucksvollen musikalischen Darbietungen die inhalt­reiche, tiefempfundene Grabrede des Stiftsdechanten Kahn. Durch warme Nachrufe und Kranznieder­legungen ehrten der Gewerbeverein, die Freiwillige Feuerwehr, der Turnverein, der Turngau Hessen und die Licher Dank den Verstorbenen.

df. Langsdorf, 20. Sept. Am Sonntag fand hier die Diensteinführung unseres neuen Pfarrers Dr. Heymann durch Dekan Engel, Obbornhofen, statt. 3n eindringlichen Worten ermahnte er Gemeinde und Pfarrer an ihre Pflichten als Thristen und Seelsorger. Pfar­rer Dr. Heymann behandelte in seiner zu Herzen gehenden Arrtrittspredigt die Gedanken Glaube" undHeimat". Das Gotteshaus war bis auf den letzten Platz besetzt, Umrahmt war die schlichte Feier von Gesang des Gesangvereins und Gemischten Chores.

(.) Lang-Göns. 20. Sept. Die Wahl zur Kirchengemeindevertretung fin­

det nicht, wie irrtümlich gemeldet wurde, am Sonntag, sondern erst am 30. September statt. Rächsten Sonntag dagegen .ft Kirchenvifi- t a t i o n durch den zuständigen Dekan. Heute morgen in aller Frühe brach im Maschinen- r a u m der Holzschneiderei von 3vhanneS Thorn ein Feuer aus, baö von den Anwohnern bemerkt und bald durch beherzte Männer, die sich gewaltsam Eingang verschafften, gelöscht wurde. Als die Feuerwehr erschien, war nichts mehr zu tun. Der Schaden ist nicht sehr bedeu­tend. Die Entstehung des Feuers ist noch nicht geklärt. Zum Amt des Gemeinderech­ners. das durch den Tod von Ludwig Belten verwaist war. hatten sich drei Bewerber (Kriegsverletzte) gemeldet. 3n der gestrigen Sitzung des Gemeinderats wurde W. Stoll 3um Gemeinderechner gewählt.

Kreis Friedberg.

Lpd. Friedberg. 20. Sept. Sin Landwirt auS M a s f e n h e i m geriet beim Pflügen in ein Wespenne st Die wild geworbt en Tiere dran­gen auf den Landwirt ein und fetzten chm mit Stichen stark zu. Rach einigen Tagen stellte sich bei dem Mann eine D l u t v e r g i f t u n g ein, an deren Folgen et gestorben ist.

4. Dad-Rauheim, 20. Sept. Hm auch wäh­rend der Wintermonate gute Theatervorstellungen für Einheimische und Kurgäste bieten zu können im Sommer gibt das Kurt Heater in ausreichen­dem Maße Gelegenheit zum Theaterbesuch, Hal sich vor zwei 3ahren hier die Volksbühne gebildet, die durch das Frankfurter Künst­le rlheater für Rhein und Main In der "Wintersaison" der Dorjahre sehr gute Auf­führungen geben ließ. 3m kommenden Winter wird das unter Leitung von 3ntendant Meiß­ner stehende Künstlcrtheater sechsmal hier fbie­ten. Aus Anregung von Studienrat Wecker­ling, des Dorsitzeirden der Friedberger Volksbühne, will man zwecks gegenseitiger Unterftü^ung für die Zukunft eine engere Ge­meinschaft mit der Friedberger Th?atergemein- schaft einaehen und den Mitgliedern in der einen Staat die Aufführungen in der anderen Stadt zu den gleichen Vorzügen zugänglich machen.

Ärcis Büdingen.

ld. Ridda. 20. Sept. Die große Grün­futterknappheit, unter der auch die Wet­terau zu leiden hat, veranlaßt viele Landwirte dieser Gegend zum Ankauf von Dörrfutter in ihm wiesenreichen Dörfern des vorderen Vogelsberges. Die starke Rachsrage nach Heu und Grummet hat die Preise binnen kurzer Zeit ganz ungeheuer in die Höhe getrieben. So gilt der Zentner süßes Wi:senhrn bereits 5 Mark, und saures Grummet, das in den Vorjahren kaum abzusetzen war und rielsach gestreut wer en mußte, geht für 3 Mark pro Zentner reihend ab.

?" Ridda, 20. Sept. 3nsolge des völligen Ausfalls der Aepfei gewann die Zwetschen- ernte in diesem 3ahre eine Bedeutung, wie sie chr in den letzten 3 ab neunten kaum zu­kam. Die verhältnismäßig hohen Preise, die sich zwischen 8 iuil> 8,50 Mark pro Zentner be­wegten, eiferten zum lohnenden Verkaufe an. Da auch keine sonstige wichtige Feldarbeit drängte, brach ein richtiger Sturm auf die Zwetschenbäume aus, der jetzt schon im Ver­ebben begriffen ist. Fast alle Bäume trugen. Selbst die knorrigen CBeterarten, die nur mit Vorsicht zu besteigen sind und schon längst der Axt ausgeliefert fein müßten, zollten noch ihren Tribut. 3n der ganzen Umgebung sind die Zwetschenbäume sehr zahlreich vorhanden. Die­lst darauf zurückzuführen, daß die Zwetschen als Dörrobst in früherer Zeit stark im eigenen Haushalt Verwendung fanden, wie auch dem Markt zugesührt wurden. 3etzt ist kaum noch eine Obst dörre im Betrieb. Dafür durste die Landwirtschaft aus dem Verkauf eine Einnahme verbuchen, die schon gewichtig in die Waag­schale des Habens fällt Fast der einzige Apfelbaum, der in diesem 3ahre einen mittelmäßigen Behang aufweist, ist der soge­nannteE h a u s s e e a p f e l". Leider sind viele seiner Früchte wurmstichig, so daß sie stark fallen und auch beim Abernten den Erttag schmälern. 3m Laufe dieser Woche hat die Kartoffelernte allgemein begonnen. Das

und verbrennet sich darinnen, und steht wider- umb aus der äsche lebendig auff.

Auch einige der weniger sagenhaften, einhei­mischen Tiere, von denen wir noch verschiedene beraub reifen wollen, galten damals als Der- jüngungSkünstler, hatten alfv ein gerade heute wieder aktuelles Problem gelöst. Vom Fuchs, diesemlistig Thier", sagt die damalige Ratur-- kennknis und vermeintliche Erkenntnis: .Er ißt das Safft, so Dom Dannbaum fleußt, also überkompt er gesundheit und erstreckt das Alter seine- Lebens gar lang." Beim Adler heißt eS geradezu:er wird erjünget, indem er nämlich im Alter feine Federn ausfallen läßt uiü) von feinen Jungen ernährt und erquickt wird, bis er sie wieder bekommt. Doch scheint jener Zeit die Verjüngungspraris des Fuchses mehr imponiert zu haben. Es mag damit zu- sammenhängen. daß rund zwei Dutzend Rezepte geschildert werden, aus seinem Fleisch, seinem Blut und seinen inneren Organen Hellmittel für menschliche Gebrechen und Leiden zu ge­winnen. Zum Beispiel zieht die gedörrte Fuchsen- zunge. in warmen Wein geweicht. Dornen. Pfelle und Stacheln aus dem Fleisch, wenn man sie nur über die Wunde bindet. Aehnlich über­zeugend find die andern Angaben auch. Aber nicht nur Medizin für körperliche Beschwerden toeift der Gelhete, sondern auch Regeln für die Klugheit der Lebensführung: .Der Hahn ist deh tagS vorbott, weiß alle Stunden der nacht. Wann et Iräen will, so weckt und schlegt er sich zuvor dreymal mit seinen Flügeln. Also soll ein Weiser, ehe er redet, sich auch wol besinnen. Der Löw sörchtet den Hanen, und allermeist den weissen." Dom Schwan, der weiße Federn, aber .schwach fleisch' hat. wird festgestellt: .Gr fcit eine Gholerischc Eomple.ion, da tumb ist er zornmütig." Sine er reulich andere .Eomplerion" toelnt der Storch zu haben, von dem ein wahrhaft edler Zug berichtet wird: .Sie kommen stets wieder zu ihren Restern zurück, und werfen immer ein Junges aus dem lllest. für Den Herrn ihrer Wohnstatt, damit er die Federn als einen Tribut oder Zins habe." Ein besonders drastisches Beispiel für den Aberglauben, der sich au* jeder Seite des Buche- haben läßt, steht beim 11 b uWann man sein Hertz einer Frauwen unter die !in'e Seit legt, wann fie schläfst, so sagt fie alle

aradie-voget (,L

habt yi haben. Dieses bedauernswerte Geschöpf hat nämlich keine Füße,fonbern flieget stätigs in der ßufft, und kompt nit auf keine Erde." Ganz am Ende der Tierwelt von 158t rangieren die Fische. DaS Kapitel über den Hering, der .eine herrliche, liebliche Speise" ist unb aus dem, durch Räuchern .Bücking" gemacht werden, ist erstaunlich zutreffend. Dafür heißt es wenige Seiten weiter von der Fortpflanzung der Aale, (deren geheimnisvolle Zusammenhänge übrigens erst in unserem 3ahrzehnt einwand.rei geklärt werden konnten): .Die äle reiben sich an die Felsen, dieselbe abstreysfung wird lebendig und haben kein ander geberung." llnb vom See­hund wird behauptet:Er ist ein feifler Fisch (!), säst wie ein Hund geformt, halt den Kopf aus dem Wasser." Unb wirklich zeigt das bei­gegebene Bild einenSechundt" mit Fischflossen.

Diese kleine Au-wahl amüsanter Kurioslläten möge genügen. Aber so belustigt wir über die Merkwürdigkeiten lachen dürfen, haben wir doch fein Recht, dünkelhaft über ihre Urheber zu urteilen, stolz darauf,wie herrlich weit wir eS gebracht haben. Wir wissen nicht, was spätere Seiten von den heute gültigen und für unverrücDar gehaltenen Raturfehren bestehen lassen, und müssen anderseits gerechterweife an- erkennen: trotz allen Irrtümern im Wissen unb trotz allen Verwirrungen im Glauben ist unend­lich viele-, was frühere 3ahrhunderte aufxeieb­neten, noch für unter Forschen als wegweisende Grundlage wertvoll und zum Tell unentbehrlich

Lichtspielhaus Bahnhofsteahe.

Im Lichtspielhaus in der Bahnhofstraße kam gestern ein neuer amerikanischer Fllm heraus, Str seltsame Fall eines Arztes", über den sowohl feiner jabel, als der Regie und der Besetzung wegen einige Worte zu sagen sind. Es ist, wie zuvor festgeftcllt sei, ein guter und inter­essanter F irn, der empfohlen unb gesehen zu wer- den verdient.

Das Manuskript (befferf Verfasser uns nicht mehr erinnerlich ist: cs handelt sich um die Bearbeitung eines Sühnenfpiels) ist insofern bemerkenswert, al» es mit ausgesprochenem Gefühl für das film- stößig Brauchbare und Wirksame aufgebaut ist der Stoff märt an sich sowohl auf der Bühne, wie al» I Novelle zu gestalten, aber die Handlung kommt nur in einem ^ilm völlig jur Geltung, aus I zeitlichen, räumliche« unb psychologischen Gründen;

trockene Weiter begünstigt da- Au-ackern mit dem P luge, waS die 2fcbcÜ wesentlich verein­facht. Das Srgebnr- in den Xiefenlagen entspricht den hoffnungsvollen Erwartungen, 3n den slachgründigen Höhenlagen, auf denen das Kartoffelkraut »orzerrig ab'larb, sind die Knollen klein. der Defamtertrag ist hier gering. Da eS sich aber dabei nur um kleinere Anbau­flächen handelt, wird das günstige Ergebni- kaum abgefchwächt.

ow. Ober-W iddersheim 20. Sept. Die Renovierungsarbeiten an unterer Kirche nähern 'ich dem Ende. Gegenwärtig wirb von der Firma Förster in Lich bic neue Orgel ausgestellt. D e im Chorgewölbe tole­bet aufgedeckten alten Gemälde, Darstellungen der Symbole der vier Evangelisten, werden burd) den Avchckrkturmater Kienzle von Darmstadt neu gemalt. Der Oelsarbanstr.ch und die Einrich­tung der elekttifchen Heizung werden auch dem­nächst beendet, so daß man die Wieberein­weihung auf den 7. Oktober festgesetzt hat. Damit wird auch eine Gedächtnis feiet gum Andenken an die vor 400 3ahren - geschehene Einführung der Reformation verbunden fein. Der erste evangelische Pfatter in Ober-Widdcts- heim war Pankratius E h e l i u i aus Würt­temberg. Zum Qlnbenfcn an dielen ihren Ahn­herrn haben dessen Rachkornmen wertvollen Schmuck für die Kirche gestiftet, Glasmalereien für die Lhorfenster, em Kruzifi? unb Altarvasen, einen Altarteppich und einen Altatbehang. so­wie ein Lesepult. Alle diese Gegenstände finb von Künstlethand gefertigt und werden vom 22. Sevkembet bis i Oktober in Darmstadt im Gewetbe-Museum ausgestellt. 3m 3ahre 1461 hat Eontadus Belzer. Pfarrer zu Echzell, in die Marienkirche zu Ooet-Widdetsheim einen Altar zu Ehren der heiligen Maria gestiftet und damit eine Stiftung verbunden .won sechs Husen guten Landes unb sieben Morgen Wiesen zu BorSdots. nebst zwei Hufen gleichen Landes unb sechs Morgen Wiesen zu Steinheim, daß der Pfatter ju Ober-Widdetsheiw alleiniger Nutz­nießer sei und dafür an dem Altar wöchentlich Atoeimai eine Wesse lese für Herrn Eontadum Beizet und dessen Defreundte"? Die Rachkorn- men dieses EonraduS Belzer hrben nun für bio renovierte Kirche einen neuen Altar gestiftet.

ld. AuS dem oberen Riddatale. 20. Sept. Obgleich die Karkoffelstcnael fast überall noch gtün finb, die Knollen noch ziemlich fest hängen und vielfach noch eine dünne Schale haben, hat trotz der herrfcheTrden Hitze die der zu erntenden Kartoffel wnrig zuträglich ist. die Kartoffelernte eingesetzt. Die Ernteergeb­nisse find besser als die Trockenheit des Sommers erwarten lieh, doch liefern felbft gute Aecker nur etwa einer Bollernte. Am besten find die Frühkartosfeln, voran .Odenwälder Blaue" geraten. Sachgemäße Düngung hat sich wieder glänzend bewährt, ebenso lohnt c neues Saatgut. Allerdings dürfte ein Hinaussch eben der Ernte auf solchen 2k cf em noch weit belfere Er­träge gebracht haben äleberall ist man bestrebt, die Srnlearbeit zu erleichtern. Das hier früher toenig geübte Ausackern der Kartoffeln wird jetzt fast überall angewandt. Reben dem Pfluge be­nutzt man auch Kartoffelerntemaschinen, die sich bei der Trockenheit des DodenS gut bewähren.

Kreis Schotten.

-r- Gedern. 20. Sept. Der im Saale des Bergwirtshauses abgehallene Bertretertag deS Gaues VvgclSberg-Süd (He f f i f ch e r Sängerbund), wurde von dem ©auDortitra­ben Storck (Altenstadt) eröffnet und gelehrt. Die Zahl der Gauvereine hat sich auf 42 ge­steigert. Es wurde beschlofsen, am 5. Mai nächsten 3ahres ein Gauwertungssingen in Schotten abzuhalten, für das ein Pflicht- und ein Wahlchor vorgefchrieben sind. Gin engerer Ausschuß ist dazu berufen, alle Vorbereitungen zu treffen und das Singenzeitlich so zu regeln, daß noch anschließend ein Massenchor an der Kirche gesungen werden tarnt Durch die Wahl des 2. Gauvvrsitzenden Diehl (Ober-Schn i tm) zum Gauchormeister mußte eine Reu wähl vor- genonrmen werden. Der Lecker des Schottener Männerchors 1837, LouiS ©Übel, wurde -um 2. Vorsitzenden erwählt Der Männcrgesangverein Liederkranz Gedern unter Leitung seine- Dtrigen-

keine Dramaturgie unb keine novellistische Technik könnte die Begebenheiten jo bildhaft zwingenb ver- binden unb ineinanhergreifen lassen, wie es in ber bewegten Photographie mit modernen Mitteln un­schwer au erreichen ist. Unb außerdem sind sowohl im Buch, wie aus der Sprcchbühne gewisse undichte Stellen in der Komposition gar nicht oder sehr viel schwieriger zu überbrücken als es auf dem schnell abgckurbelten Filmstreisen möglich ist. Obwohl das Stück in der Lösung nicht ganz befriedigt und einige Fragen offen läßt, ist doch der Gesamteindruck der Szcnenfolge von einer suggestiven Wirkung: die Regie (Georae M e l f o r b), geschmackvoll unb tech­nisch sehr sicher, ist mit Erfolg daraus bedacht, die ungewöhnliche Spannung bis zum glücklichen Ende auszuhalten unb womöglich zu steigern, ohne baß übrigens ber Abschluß als das unoermelbllchc happy end im peinlichen Sinne bezeichnet wer den könnte.

Die Handlung zu erzählen, mürbe zu weil füh­ren unb übrigens nicht im Sinne derer liegen, die den Film noch nicht gesehen haben und kennen zu lernen wünschen Im Mittelpunkt der aben­teuerlichen, obgleich nicht unwirklichen Ereignisse steht das Schicksal eines Arztes, welcher um eines eigenartigen Verbrechens willen in einem fran,;ösi- fchen Gefängnis eingekerkert wurde unb noch langer Haft entflieht, um ein neues Leben zu beginnen unb zugleich ein Doppeldafeln zu führen. Indem er nämlich an die Stelle feines Freundes tritt, ber einer Erblindung wegen feinen ärztlichen Beruf aufgeben muß. In solchem Doppelspiel, dieser kör- pcrlichcn Vertauschung, die eben nur im Film voll­kommen sinnfällig gemacht werden kann, entfallen sich die überlegenen unb einzigartigen Möglichkeiten der Szenenführung.

Diese Möglichkeiten sind sowohl regiemäßia aus­genutzt wie schauspielerisch vollkommen erschöpft, man steht neben unbekannten, übrigens recht Suten Darstellern feit langem wieder einmal onrab Veldt, der in ber Rolle bes gefangenen Arztes eine ausgezeichnete Leistung vermittelt. Er hat, was sehr wohltuend berührt, gar nichts Star- mäßiges an sich unb oerz'chlet auch burchaus auf jenedämonilche* Effektsteigerung im Spiel, die manche an früheren Rollen getadelt Haden. Er gibt eine klar umrittene, ganz natürlich entwickelte Ge­stalt, mit großer Zurückhaltung unb Vornehmheit in der Dahl seiner Mcktel: unb also ist die Dieder- begegnung nut chm ein ungetrübter Genuß. Barbara Bedford, Jan Reith unb H E. C a r c m sind nächst ihm in größeren Ausgaben mit nnerfennung zu erwähnen.t