Ausgabe 
21.6.1928
 
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gesetz die Dogen der Empörung über die nicht erfolgte Enthaftung ordnungsmäßig gewählter Abgeordneter in der Kammer hochg-ßen zu 'ehen. Denn er wenigstens noch eine feste Mehrheit hin­ter sich hot^e, dann tonnte er getrost &itn Din­gen. die t* kommen, entgegensehen. 60 aber wird er feine gesamte diplomatische Geschicklich­keit aufbieten müssen, um noch vor den Par- larnentLferien sich vor einer Are Verlage zu bewahren, die ihm droht, wenn er mit dem Sta­bilisierungsgesetz vor die Kammer tritt, ohne vorher die Autonomistenangelegenheit in Ord­nung gebracht zu Habern

DieVolontä" will den Inhalt der Er­klärung. die Pvincare vorgestern im Minister» r a t über die parlamentarische Sage abgegeben hat, wiedergeben können. Poincare soll danach etwa gesagt haben:Gegenwärtig würde ich mich nicht mit einer schwachen Mehr­heit begnügen können. Am Freitag hat die Kammer ein CBertrauenäDDtum über die Finanz­politik des Kabinetts abzugeben. Denn sich nicht eine starke Mehrheit findet, um der Regierung vorbehaltlose Unterstützung zu ge­währen. so werde ich gezwungen fein, dem Prä­sidenten der Republik meinen Rücktritt zu unterbreiten."

Oer Oonezprozeß.

tzin Ausfall des Staatsanwalts gegen Deutschland.

Moskau, 20.3unu (DTR.) In der heu­tigen Abendsitzung des Schachty-Prozelles be­gann die Vernehmung G o r l i e tz k i s, der be­schuldigt wird, der Leiter der Schädigungsaktion im Drmogul gewesen zu sein, insbesondere wird ihm zur Last gelegt, Geld für gegen­revolutionäre Zwecke erhalten zu haben. Gorlietzki hat einen Vertrag mit der Firma Knapp abgeschlossen. Der Stag'sanwalt ver­nimmt Gorlietzki über seine politische Stellung seit 1919. Der Angeklagte hat als erster den Mut. sich als Gegner der durch das gegen» wärtige Regime bewirkten Entrechtung des Privateigentums zu bekennen, was Krylenkv Ge­legen heil gibt, dem heute besonders zahlreichen Auditorium eine Propaganda rede zu halten. Der Staatsanwalt fragt:Ihr politisches Ideal ist also die demokratische Hinden­burg r e p u b l i k??". Darauf antwortet Gor­lietzki, Hindenburg habe er nicht erwähnt. Die Anklage wirst Gorlietzki vor, trotzdem die Sulli- vanschen Maschinen sich gut bewährt hätten. Knappsche Maschinen empfohlen zu

haben, die für den Kohlenabbau im Schacht un­geeignet seien. Gorlietzki erklärt demgegen­über, die Knappfchen Maschinen ständen den an­deren nicht nach. Er habe im AuÄand eine Maschine bestellt, die erst nach ihrer Be­währung bezahlt werden sollte. Daraus ergibt sich die zweifellos vorsichtige Handlungs­weise Gorlietzkis und das Fehlen einer Schädi- gunasobk cht wenigstens im vorliegenden Fall. Gorlietzki bestreitet eine Teilnahme an der 6d)ä- digungsorganilation. gibt jedoch zu, Dwor- chanczik gekannt zu haben.

Mobile wind verproviantiert.

Rom, 21. Juni. (WIR. Junffprud).) Dem ita­lienischen Jllcger Maddalena ist es gelungen, der Gruppe Robile 300 kg Vorräte verschiedener Art zu übermitteln. 6r habe zunächst das Zelt Mo­biles überflogen, ohne es zu bemerken. Erft durch einen Juntfprud) der Nobilegruppe fei er zurückgerufen worden und habe darauf fünf Per­sonen unterscheiden können, die völlig gesund schienen und ihm zuwinkten. 3m Verlaufe der Jladjt wird von Nobile eine Empfangsbestätigung für das abgeworfene Material erwartet.

Oie Ozeanslieger in der Reichshauptstadt

Berlins Willkomm.

Don unserer Derliner Redaktion.

Berlin, 20. Juni. Windstille über dem Tempel- hoser Feld aber der blaue Himmel bezieht sich plötzlich grau imd immer schwärzer just aus der Richtung, aus der unsere Ozeanflieger jede Minute kommen müssen. Alfred Braun am Mikrophon lie­fert den zu Hause Gebliebenen seinen lyrischen vtimmunasbericht. Allmählich sammeln sich um ihn die Ministerialräte des Reichsoerkehrsministeriums und der anderen Ministerien vom Reich und Preu tzen. Man siebt den Bizekanzler Dr. Hergt, den Oberbürgermeister Böß, den amerikanischen Bot­schafter die Begrützungssprecher der Stunde. Rechts von der Tribüne Die der Photographen. Lmks und rechts des Flughafens eine wohl weit über Hunderttausend zählende Menge, die schon reichlich ungeduldig wird, da sie der Laut- precher nicht erreichte, daß sich die Ankunft der Flieger wohl über eine halbe Stunde verzögern loird. Die Kapelle des Wachregiments Berlin kon­zertiert international. Zwei Flieger-Geschwader »iahen aus Richtung Wilmersdorf. Aber kein Snlut- chutz ertönt. Es ist die Deutsche Derkehrsslieger- Ichnle Berlin, die der Harrenden Ungeduld dämp­fen möchte. Dann meldet der Lautsprecher, daß die Ozeanflieger bereits am Stadion seien und so mit nur einer Viertelstunde Verspätung eintreffen.

Salutschüsse. Aus den Kranichzügen, die donnernd daherrattem, löst sich ein Flugzeug, dieEuropa", geführt von Hauptmann Köhl, niedriger und niedriger, fliegt über Ehrengäste und Presse dahin, wendet, sinkt tiefer und tiefer, bis der Boden erreicht wird, bis der abgedrosselte Motor leicht über die Wiese dahinhüpst und vor der Tribüne hält. Schon klettert hinten Herr von Hünefeld heraus: Köhl klettert aus seiner Fliegerjvppe, hinter ihm wird die schlanke Uni­form ftgur von Fihmaurice sichtbar soweit die gestrenge Schupo einen Freiblick gestattet. Das Töchterchen eines Ministerialrats bietet den Helden den ersten Blumenstrauß dar. Inzwischen! k landet die zweite schwere Maschine mit den Damen der Flieger. Die Begrüßung durch Hergt Funb Bveß hoch oben auf der Tribüne entzieht stch , unseren Augen und Ohren, da man die Front ' zum weiten, menschenleeren Tempelhofer Feld genommen hat und Ehrengästen und Presse die breiten Rücken zeigt. Ueberschrist: Hypervrgani- sation. Erst als die drei Flieger an das Mi­krophon treten, werden laute Ruse laut, daß sie sich zeigen sollen, daß Alfred Braun das Mi- kropyon wende, llnb da das geschieht, bricht erst ein lauterer und ganz lauter Jubel los. Der Himmels toch ter, wie Posa in SchillersDon Carlos" die Begeisterung nennt, wird ihr volles Recht gegeben

lind nun sprechen die drei Helden, die bescheiden diesen Ausdruck ablehnen und schlicht ron einem .Sprung über den Ozean" reden. 2lber dann werden ernste, freudige, banfbar bewegte Worte laut. Dank wird dem Bater- land gesagt, aber auch Amerika, wo jeder Bürger von gleicher Baterlandsliebe beseelt sei. Hüne- fefb bekennt sich noch deutlicher zum nationalen Gedanken, der für ihn über jedem Parteigeist stehe, so wenig er selbst je aus seiner Partei­einstellung Hehl machen werde. Hurrarufe grüßen jeden Sprecher.Deutschland. Deutschland über alles" ist ein großer Sang. Entblößten Hauptes hört man die englische und amerikanische Ra­tionalhymne an. Blumen und Kränze reicht man den Gefeierten, die nun in langsamer Autofahrt um daS Tempelhofer Feld herum die Ovationen der Masse entgegen­nehmen müssen, ehe sich der feierliche Zug nach der Großstadt hinein zur Reichskanzlei in Be­wegung setzen kann. Köhl lacht über das ganze braunreibramite Gesicht Fitzmaurice grüßt in Würde Herr von Hünefeld schwenkt ferne Mütze nach allen Seiten. Prasselnd ergießt sich in den gelichteten Himmel ein japanisches Tag- Feuerwerk mit Bomben. Raketen-Fallschirmen. Flaggenletten. Äauchschlangen. Zeppelinen seltsam bunt und sich in sich verwirrend. Gesang von 3000 Tempelhofer Schulkindern steigt auf. Ein Meer von kleinen Fähnchen wogt, um sich unter lauten Hurrarufen die Flughafenstrahe. die Belle-Alliance-Straßc über Hallesches Tor, Ternpelhvser iifer. Königin - Augusta - Straße, Hofjäger - Allee. Charlottenburger Chaussee, Brandenburger Tor bis Unter die Linden und in die Wilhelmstraße über eine Stunde lang weiterzubewegen.

Langsam nur entleert stch der Flugplatz. Ein Auto ist noch viel weniger als mittags nufzu- treiben Langsam verebbt die große Stunde der Begeisterung, die Berlin drei kühnen Män­nern darbrachte, die zum erstenmal den Ozean vom Osten zum Westen bezwangen. Was war das Schönste in dieser erregten Stunde? Wie dieEuropa" langsamen Fluges daherkam. wie sie für eine Sekunde vor der mild verhüllten Sonne wie eine Taube stand, w i e das Sinn­bild eine- neuen Geistes, den wir hei­lig nennen wollen. Well er. neben der Tat der Helden, die Drücke zwischen Böllern festigte, well er dieser hohen Begeisterung Grund ist. die. wie Smiles in seinem .Charakter" lagt, banrnt so schätzbar ist. weil sie der menschlichen

Seele die Kraft einflöht, ihre schönsten An- I ftrengungen zu machen und fortzusetzen. Köhl, von Hünefeld, Fihmaurice sie haben, der ganzen Welt zur tiefsten Freude und Genug­tuung, ihre Anstrenguirg mit dem großen End- erfolg geleistet. Sie haben die Genugtuung, daß aus ihrer Tat andere ebenso schöne folgen wer­ben. Sie haben ein Anrecht daraus, das als Dank ihres Bolles zu erwarten, daß ihrer wei­teren Arbeit jede Möglichkeit zur Durchführung gegeben wird und ihrem Leben nicht ein Eolumbus-Schicksal befchieden ist. Berlin hat die Helden würdig geehrt, und wenn vielleicht nicht ganz so amerikanisch laut wie Reuyork, so doch mit warmer Herzlichkeit, die unserer Zeit geziemt. Heber unseren Festen hat das Gebot der Arbeit zu stehen das wissen auch unsere Ozeanslieger, die ausdrücklich baten, den Empfang in bescheidensten Grenzen zu halten.

Aus dem Tempelhofer Flugplatz.

Berlin, 20. Juni. (WTB.) Berlin hat sich zum Empfang derBremen"-Flieger festlich ge­schmückt. Alle öffentlichen Gebäude haben ge­flaggt und auch zahlreiche Privachäuser zeigen Fahnen in den Farben des Reiches. Preußens, der Länder und der Stadt Berlin. Mehrere Stunden vor der Ankunft der Flieger setzte bereits eine wahre Völkerwanderung nach dem Tempelhofer Flughafen ein. Der Flughäfen prangt in einem bunten Gewand. ZaA- reiche Fahnen und Wimpel, Blumen und Lorbeer­bäume fügen sich zu einem überwältigenden farbenfreudigen Bild zusammen. Von der in dichtes Grün gehüllten Rednertribüne, die auf dem Startplatz auf gebaut ist, führt ein breiter roter Läufer zu den Gebäuden der Flughafen- aefellschaft und der Deutschen Lufthansa. Außer­halb der für die Ehrengäste und die Presse vorgesehenen Platze bevölkern Tausende und aber Tausende das weite Tempelhoser Feld.

13.45 Uhr. Die Zuschauerplätze sind über und über besetzt; gewaltige Massen flauen sich außerhalb der Umzäunung des Flugplatzes. 40 Flugzeuge find der Europa" entgegengeflogen. Ein verspätetes Ein­treffen der Flieger wird gemeldet. Eine Reichswehr­kapelle spielt. Die Ehrenkompagnie ist aufmarschiert. Unter anderem treffen ein Oberbürgermeister Böß, Vizekanzler Hergt. Das Flugzeuggeschwader passiert Staaken 14.10 Uhr.

Um 2.15 Uhr zeigten Böllerschüsse die Ankunft an, schon löste sich dieEuropa" aus dem (Be- schwuderslug der über 30 Flugzeuge, die sie begleitet halten, und ging in schlankem Fluge nieder, von stürmischen Hochrufen der Berliner begrüßt.

Die Flieger toinlten dem Publikum zu und be­gaben sich bann auf die Tribüne, auf der sie von einer Reche von Ehrengästen erwartet wurden, darunter dem Stellvertreter des Reichs­kanzlers. Iustizminister Dr. Hergt, Reichs- ftnanzminister Dr. Kohler, Reichstagspräsident Lobe, dem früheren Reichskanzler Dr. Luther. Oberbürgermeister Böß, Polizeipräsident Zör- gi ebe I. Der Jubel der ungeheuren Menschen­menge wollte, als die Flieger auf der Tribüne allen sichtbar waren, kein Ende nehmen, so daß es eine Zeit dauerte, bis Exzellenz Hergt die Flieger im Ramen der Reichsregienmg be­grüßen konnte. Rachdem die Kapelle das Deutsch­landlied gespielt hatte, das ron den Zehntausenden begeistert mitgesungen wurde, hieß Oberbürger­meister Böß die Flieger im Hamen der Reichs­hauptstadt willkommen. Reichstagspräsident Lobe begrüßte jeden Flieger einzeln, ebenso der englische Botschafter Sir Ronald L i n d s a y, der namentlich Major Fitzmaurice herzlich will­kommen hieß. Darauf wurden die irische und die englische Rationachhmnen gespiell, während die Flieger mit der Hand an der Mütze salutierten. Auch der amerikanische Botschafter S hur man schloß sich den Dcgrüßungsworten mit herzlichen Worten an. Die Kapelle spielte die amerikanische Aationalhymne. Schließlich mußten auch die Flieger selbst das Wort ergreifen, da das Publikum ununterbrochen ihre Ramen rief, um zu zeigen, daß es sie Horm möchte. Als erster dankte

Hauptmann Köhl

herzlich für den überwältigenden ömbfang.Wie­der bin ich hier," so sagte er.wo ich feit Jah­ren gearbeitet habe, wo ich mich des nachts be­rauschen konnte an dem märchenhaften Lichter­meer dieser unserer deutschen Hauptstadt Berlin. Sie sind hier erschienen, um uns zu begrüßen in einer Zahl, die ich bei früheren festlichen Ge­legenheiten noch nicht erlebt habe. Heißen, inni­gen Dani dafür! Das, was wir von hier aus in aller Stille unternommen haben, ist a u Ä ge­ll u ng e n in eine große Begeisterung der Ration unb ber gangen Welt. Wir sind Gott, dem Allmächtigen, Dank schuldig, bah er unseren Flug hat gelingen lassen. Wir bringen Ihnen vor allem aus dem großen, mächtigen Renen Kontinent, ganz besonders von dem ameri-

| konischen Volke, herzliche Grüße. Ebenso von unseren lieben Stammesbrüdern, die uns immer wieder gesagt haben: Crüßt mir die alte Hei­mat! Wir haben drüben erst einen Begriff da­von bekommen, was Deutschlands Blut dort in

der Reuen Welt geschaffen hat. Herr Botschaf­ter. nehmen Sie unseren heißesten Dank für das, was das amerikanische Volk uns gegeben hat, für den großen guten Willen, den es unS für unser Volk gezeigt hat. Möge die Drücke durch bi? Luft über den Ozean, deren Pfeller in Irland steht (lebhafter Beifall), dessen ersten Piloten ich Ihnen in Major Fitzmaurice vor­stelle. möge diese Drücke die beiden Länder auch weiter verbinden! Das walte Gott!" Den Flie­gern wurden dann Blumen unb Kränze über­reicht, die sie fast zudeckten. Dann mußte auf lebhaftes Zurufen hin auch Major Fihmau­rice einige freundliche Worte an die Menge richten. Zum Schluß hielt

Herr v. Hünefeld

mit toeitilinfienber Stimme noch eine kurze An­sprache, in der er sich dem Danke seiner Ka­meraden anschloß und dem Wunsche Ausdruck gab. daß dieser Flug auch dazu beitragen möge, die Gegensätze im deutschen Dolle zu mil­dern, so wie er es in Amerika m so wunder­barer Weile erlebt habe. In Bremen seien Ab- orbnungen des Stahlhelms und des Reichs­banners Schulter an Schulter erschienen, um ihre Glückwünsche zu überbringen. Das sei ein Ereignis, das bisher noch nicht dagewesen sei. v. Hünefeld schloß mit der Hoffnung, daß dieses erfreuliche Anzeichen des Zusammen­hanges sich weiter auswirken werde. Rach dem Ansprachen brach die Wenge immer erneut in jubelnde Hochrufe aus. Auch Frau KöHl und Frau Fitzmaurice mußten sich zeigen. 6tc winkten der Menge fröhlich bewegt zu. Die Ftiefer wurden bann zu dem Auto geführt, das neben ber Ehrenkompagnie der Reichswehr hielt rmb traten die Rundfahrt an den Zu­schauern vorbei an. Während der langsamen Fahrt wurden ihnen immer neue stürmische Ova­tionen dargebracht.

Rachdem die Flieger in der Westhalle der Lufthansa einen Imbiß eingenommen hatten, er­folgte ihre Abfahrt in bereitstehenben AutoS. Wiederum wurden ihnen von der Menge leb­hafte Huldigungen dargebracht. Die Rund­fahrt durch die Stadt gestaltete sich zu einem Triumph. Viele Häuser hatten geflaggt und Blumenschmuck angelegt. Die Bürgersteige waren von Menschen massen dicht beseht. Ununter­brochen begleiteten die Flieger Hochrufe von jung und alt. So ging die Fahrt zur Reichs­kanzlei, wo die drei Flieger vorn Reichs­kanzler Dr. Marx unb Frau Marx zum Tee empfangen tourben. Dort hatten sich zahl­reiche Mitglieber desReichskabinetts mit ihren Gemahlinnen, darunter ber Vizekanzler Hergt. die Minister v. Keudell, Groener. Köhler, Schätze! u. a.. mehrere Mitglieder des preußi­schen Kabinetts, bet amerikanische Botschafter Exz. Shurman sowie die hohen Beamten sämt­licher Ministerien einqefunbcn. Den Abschluß des Empfangstages der drei Ozeanflieger bildete ein prächtiges Feuerwerk auf dem Tempelhofer Feld und ein Fackelzug, an den Jid) u. a. die Studentenschaft, sowie Abordnungen von Sport» und Luftfahrtverbänden beteiligten, und ber vor den Festsälen des Kroll-Etablissements Halt machte, wo der offizielle Empfang der Flieger durch das Rcichsverkehrsministerlum statrsand. Rachdem eine Kapelle mehrere Musik­stücke gespielt hatte, bewegte sich der Zug nach seinem Ausgangspunkt in Moabit zurück, wo die Fackeln zusammengeworfen wurden.

Das Schicksal der Bremen*.

Quebec. 21. Juni. (WTB. Zunkspruch.) 'Der Direktor der kanadischen Transkontinentalen Luftverkehrsgesellschaft, der das erste Hilfsflug- zeug für dieBremen" nach Greenly Is­land gesteuert hatte, um Hauptmann Köhl und seinen Gefährten Beistand zu leisten, erklärt, daß der gejtranbete Einbecker ./Bremen" auf der Insel bleiben wird, bis die deutschen Dersicherungss achverständigen eini­ge troffen sein werden. Dann werde bas Flug­zeug verpackt und nach Deutschland ver­schifft werden. DieBremen" sei zwar ernst­lich beschädigt, könne aber für weitere Flüge wieder instandgeseht werden.

Aus aller Welt.

Feuer unter der Erde.

3m Tunnel in der Berliner Untergrundbahn in Charlmtenburg geriet ein Deltenber in Brand. Das Feuer griff auf eine in der Rahe gelegene Werkstatt und eine Wirtschaft über und verursachte eine starke Verqualmung ber beiden Bahntunnels, so daß der Verkehr auf die­ser Strecke mehrere -stunden lang unterbrochen wurde. Die Feuerwehr konnte das Feuer nur mit Hilfe von Rauchmasken und Sauerstoffgeräten be­kämpfen. 3n dem Äugenblick, als der Brand aus­brach, verließ gerade ein Zug, der vom Zoologi­schen (Barten kam, und nach dem Wilbelmsplatz fahren wollte, die Halle des Bahnhofs Bismarck- I st raße. Als bereits vier Sagen im Tunnel waren. I während der letzte nur noch zur Hälfte am Bahn­

steig stand, sah der Führer, daß auf der gegenüber- liegenden Seile des Tunnels ein Beamter b i e Feuermelde scheibe einschlutz. Jetzt bremste er sofort und sprang aus dem Fuhrcrstand heraus, sperrte die Stromzuführung und forderte die Passagiere, die bereits unruhig geworden waren, auf, schleunigst den Zug verlassen. Auf diese Nachricht des Führers hin brach unter den Fahrgästen eine Panik aus, zu- mal der Rauch im Tunnel von oefunbe zu Se­kunde sich derart verstärkte, daß man kaum noch einige Meter weit sehen konnte. Führer unb Schaff­ner brannten Fackeln an und brachten die Pas­sagiere auf die Gleise hinaus. Mehrere Frauen be­kamen Schreikrämpfe. Ein kleines Mädchen sowie mehrere andere Personen fielen in Ohn - macht, konnten jedoch von besonnenen Fahrgästen in Sicherheit gebracht werden. In wilder Hast stürmten die Pasiagiere ins Freie.

Die Dahlemer Explosion vor Gericht.

Dor dem Schöffengericht Berlin-Mitte fanb ber Prozeß q qen Generalkonsul Weingartner, den Besitzer ber im Januar in bic Luft ge­flogenen Di11a in Dahlem statt. Die plvs ion, bic zwei Mensche n-lLpen for- ber te unb große Verwüstungen anrichtete, war, wie erinnerlich, daraus zurückzuführen, baß im Keller ber Villa bic Fabrikation von Knallkapseln unb ähnlichen chemischen Prä­paraten heimlich unb ohne Willen unb Geneh­migung der Baupolizei betrieben wurde, bic. wie der Angellagte selbst zugeben muh. bic Geneh­migung für einen solchen Betrieb an dieser Stelle nicht erteilt hätte. Das Gericht verurtellte den Angellagten wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung sowie Zerstörung zu einem Jahr neun Monaten unb wegen Vergchsrs gegen das Sprengstoffgesetz zu fünf Monaten Gefängnis. Diese Strafen würben zu einer Gesamtstrafe von zwei Jahren Gefängnis zusammenge- xogen. Dem Angellagten wurden auch die Kosten des Verfahrens auferlegt

Autounfall Jakob Goldschmidts.

Der Geschäftsinhaber ber Darmstädter unb Ra­tionalbank, Jakob Goldschmidt, der sich in Begleitung des Direktors des Berliner Kupfer­stichkabinetts, Geheimrat Friedländer, auf ber Fahrt von Lanke nach Berlin befand, erlitt kurz hinter Dernau einen schweren Automobil­unfall. Der Wagen geriet in einer Kurve in fämeflÄ Fahrt inS Schleudern und fuhr gegen einen Baum. Der den Wagen steuernde E h a u f f e u r war sofort t o t. während Gold­schmidt unb Geheimrat Friedländer unter­legt blieben. Der getötete Chauffeur stand feit vielen Jahren in den Diensten der Darmstädter und Rationalbcmk. Er war ein außerordentlich tüchtiger unb besonnener Fahrer.

Ein weiteres Opfer

des Siegcisdorser Eisenbahnunglück».

In Kempten hat sich der Generaldirektor Paul Mathies der Papierfabrik Hegge bei Kempten erschossen. Der Selbstmord ist darauf zurückzu- führen, daß Generaldirektor Mathies als Insasse der bei Siegelsdorf verunglückten Zuges einen völligen Nervenzusammenbruch erlitten hatte.

Die Lüste Jahns in der Walhalla.

Gelegentlich der Hundertjahrfeier der Bayrischen Landesturnanstalt kündigte Kultusminister Dr. (Boi- benberger an, daß die Büste des Turnvaters Jahn anläßlich seines 150. Geburtstages in der Wal­halla aufgestellt werden wird.

Oie Wetterlage.

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BZettervurausjatze.

Die Luftdruckvertellung gestaller sich fo. daß hoher Druck über Südwesteurvpa in nördlicher Richtung über der Rordsee lagert. Er führt zu vorübergehender Aufheiterung, wird aber durch den noch herrschenden kühlen Rordwestwind ferne weitere Erwärmung aufkommen lassen. Da gletch- -eitig eine neue Störung vom Atlantischen Ozean betonrüdl. so dürften wahrscheinlich noch im Laufe des morgigen Tages wieder wärmer« Luftmassen ihren Einfluß geltend machen und unter langsamem Temperaturanstieg zu erneutem Dollenaufzug führen.

Voraussage für Freitag: 'Borübcr- aebenb wolkig mit Aufheiterung, später wieder DewvllungSzunahme, wärmer.

Voraussage für SamStag: Wolliges Detter mit weiter ansteigenden Temperaturen und zeitweisen Riederschlägen.

Lufttemperaturen am 20. Juni: mittags 14,6 Grad Tekfius, abends 11,2 Grad- Ecksius: am 21 Juni: morgens 12 Grad Celsius. Maximum 17,7 Grad Telsius, Minimum 9,6 Grad Celsius. Erdtempera- tuten in 10 Zentimeter Tiefe am 20. Juni, abends 17 Grad Celsius: am 21. Juni: morgens 13,7 Grad Celsius. Niederschläge 15,6 Millimeter. Son» nenscheindauer 2X Stunden.