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Aus der Provinzlathauptstadi.
Ziehen, bei» 21. 3ani 1928.
Aus der Höhe des Jahres.
Wiederum find wir auf ber Höhe Des Jahre» angdonunen, wiederum bat bie Gönne im Laufe be» Jahre» hren Äulmination»|)untt errcichi, den Berührung»Punkt zwischen dem blühenden Leben und dem nahenden Tod, die schmale Oreu^e ahne Breite, auf ber e» fich nicht wandeln loht. Bor mehreren Jahrzehnten noch wurde der Tag ber Sonunertonnentoende in vielen Gauen untere» deutschen Tai erlaube» nach alten BvlkSbräuchen gefeiert ^reubenfeucr wurden auf den Bergen abgebrannt — Johanni» euer —; mit Ringel- retgen und au »gelassen en Liedern wurde ber Tag fröhlich begrübt unb freudig verabschiede!. Well aber alle Dinge im menschlichen Leben nur den Wert einer unbestimmten Gröhe haben, nur den Wert betlhen, den wir ihnen beilegen, so sehen wir lautende von Menschen in kühler Teilnahmslosigkeit irgendeiner Erscheinung gegenüber ver- harren, durch bie wieder viele andere laufende Ich auf» tiefste ergriffen und begeistert fühlen. So hat auch da» Fest ber Sommersonnenwende, bie Feier de» Johannistage», ihre ehemalige Be- bcutung in unterer nüchternen Zeil nach unb nach fast vollständig verloren, unb nur im Freimaurer- bunb^ wirb da« 2ohanni»s«si noch immer fefUid) begangen. Erst in neuester Zeit hat man sich auch in einigen anberen Kreisen de» alten Brauch» unserer Bors ähren wieder erinnert unb da» „Äugenb'est", den Feiertag unserer 3ugenb. auf diesen Tag verlegt
Wenn unsere Bor fahren da» Fest der Sommersonnenwende al» religiösen Feiertag besonder» weihevoll begingen, so hielten sie nur an einem Brauche fest, den sie in pietätvollem Andenken au» ihrer asiatischen Heimat in Germanien» Gübenwälder milgenommen hatten. So weit bie ileoedieferung zurückrcicht, weih sie -u berichten, wie aus allen Bergeshöhen de» Landes ZohanniS- feuer ausleuchtelen, den Beginn eine» neuen Jahre» verkündend. Ihre Flammen sollten Grüße fein von Stamm zu Stamm, von Land zu Land, und. vermischt mit dem Dufte edler Opfer- häutet, sollten sie die Welt reinigen von ber schwülen, giftigen Luft be» Dösen, sollten sie ber neuen Zeit be» Guten unb Schönen voranleuchten, sollten sie Opfer sein dem ewigen Geiste be» Lichte», Huldigungen an den freien Geist ber freien Menschheit Aber nicht nur das 3ahr. sondern auch den Tag haben die ältesten Kulturvölker mit dem höchsten ötanbe ber Sonne, dem Mittage, begonnen. Die Babylonier und Aegyp- ter fingen den Tag mit dem Morgen, mit dem ausgehenden Lichte, an. Die Araber — und heule noch die 3uben — lassen den Tag mit dem Abend beginnen, ausgehend hon der Anschauung, haft zuerst die Finsternis gewesen unb aus ihr ba» Luht geschaffen worben sei. So ist es biblisch. Der Brm»ch be# heutigen Guropa, die 24 Stunden be» bürgerlichen Tage» von Mitternacht zu Mitternacht zu zählen, stammt von den Römern her. Aus ber geschichtlich feststehenden Tatsache, bah die ältesten Kulturvölker ber Srbe ursprünglich ben Tag mit bem Mittaae, dem höchsten Stande der Sonne, beaannen und ba» Mysterium ihre» Gotte»- unb Lichtdienste» allein im hellsten Lichte gefeiert haben, beweist beute noch ber Brauch. Kerzen unb Lichter in den Kirchei, unb
Synagogen während be» Gottesdienstes anzu- zunben, al» ein Symbol bet m ihrem Höhepunkte am vollsten unb stärksten leuchtenden So^.nc ein Symbol bet HerzenSrcmheu und GeiftcSfreiheit. <?» ist ein wunde7lat schöne» Studium, die innere Menschheitsgeschichte durch bie Jahrtausende von längst verschollenen Bollem der Urzeit über bie Böller ber hellenischen unb römischen Welt durch alle Wandlungen be» Lhr.stentum» zu »erfolgen unb so gleichsam den Fußspuren bei Ewigen im Menschengeiste nachzugrhen unb da» Bleibende hn Vergänglichen, die Dauer im Wechsel nachzusuchen unb fest zustellen. Gin weltgesch:ch!lich-psy- chologitche» Studium wird un4 immer zeigen, daß nie unb nirgend» eine Anschauung, eine 3bee, ein Brauch unb ein Symbol, eine Erscheinung unb Tatsache zufällig oder plötzlich auf» tauchte und wieder verschwand, sondern dah alle» sich entwickelte, gestaltete unb in andere Formen überging nach organischer Rotwendigkeit, bah vom ‘Beginne der Menschheit an bet Drang nach bem Gbleren. Schöneren unb Höheren ber sich in bem Licht unb So.menlultu» lunbgab. in äuheren Formen und Gebräuchen sich vererbte Unb alle Dölker legten, die Tradition erweiternd, vertiefend und verschönernd, ihren persönllchcn Ausdruck für jenen ewigen MenschheitSbrang in bie überkommenen Sitten unb Gebräuche hinein.
Der Anfang be» Jahre» liegt bei un» so tief, bah ber Höhepunkt desselben sich fast ganz dem Bück enl,zieht. Unb brch ist die Höhe bet- Jahre», ber Berührungspunkt des hellsten Zage» unb ber hereinbrechen den Rächt, stet» ein Augenblick, ber uns bie Hinfälligkeit bee Leben» gerade ba am augenfälligsten erkennen läßt, wo bas Geben in seiner vollen Kraft un» entgegentritt unb am blulvollsten pulst. Wirb eS auch einen Zweck haben, bah wir leben? Wirb eS auch Früchte bringen, was im Frühjahr geblüht hat? Auf bem Hochmittage be» Zähre» steht bie Ratur in ihrer herrlichsten unb schönsten Pracht, mit der sich tDcnbcnben Sonne werben bie Tage kürzer, unb bie teilenden Früchte verkünden den nahenden Herbst, die köstliche Zeit ber Srnle. der halb wieder im ewigen Wechsel de» Stromes ber Zeit bet kalte Win.er folgt.
..Roch ist e» Zag, ba rühre sich ter Mann, bie Rächt tritt ein, ba niemanb toi den kann."
Die» sei unsere Mahnung auf der Höhe be» 3ahre»l Or.
Frau Stadtverordnete Biermann t-
Am DienStag ist infolge eine» Herrsch! ags bie demokra t sche Stadlver.irdnete 5raa Ce'xinirat Emma Diermann im SS. LedenSjahre pl tz ich verstorben. Mit der verewigten ist eine Frau in» Grab gesunken, die sich um da» Allgemeinwohl in unserer Stabt stets eifrig bemühte und deren Wirken in ber stillen Arbeit ber Deputationen unb Kommilitonen namentlich auf bem Gebiete ber Sozialpolitik unb ber Frauenfragen segensreich gewesen ist. Frau B i e r in a n n. bie Witwe be» früheren llniveri itä tspros ess orS Geh. 3ustizrat» Prof. Dr. 3oh. Biermann unb Schwester be» einstigen Kolonialstaatssekretärs 'Dembürg, gehörte ber Giehener Stadtverordnetenversammlung feit 1919 an. Da» Stabtparla- ment entsandte sie als Vertreterin ber Stadtverordneten in ba» Stadtschulamt, weiter gehörte sie bann bem Kuratorium der Stubienanftalt. ber
Wohlsahrttzbepuiation. ber Thcaterbeputaiion unb bem Marktausschuß an. 3m Plenum der Stadtverordnetenversammlung ist sie nur selten hervorgetreten. bie Aktivität ihrer Mitarbeit machte sich vielmehr in ben Kommissionen bemerkbar. Auch alS Borfiycnbe be» Allgemeinen Deutschen Frauen verein» hat sich Frau Biermann eine xieiHang sehr rege nfamen .
unserer Frauenwelt betätig!. Am Montag arbeitet« die so plötzlich Heimgegangene noch in einer städtischen Kommission mit Da» Andenken an die warmherzige Frau unb bercittoüligc Kämpserin für wirtschaftlich unb sozial bedrängte Mitbürger, an die unmnüblicbr Verfechterin berechtigter Frauen fragen untere» öffentlichen Lebens wirb hier immer in Ehren forLieben.
Mit Frau Geheimrat B i e r m a n n hat die bemokratische Stadtverorbnetenfrakiion ihr einzige» weibliches Mitglied verloren. Da» Stabt- verordnetenmanbat der Verstorbenen geht auf Reallehrer Heber mehl über.
Taten für Freitag. 22. Juni.
Sonnenaufgang 3.44 Uhr. Sonnenuntergang 20.20 Uhr. — Mondaufgang 8.49 Uhr, Monduntergang 23 51 Uhr.
1476: Sieg ber Eidgenossen über Karl ben Kühnen bei Murten, — 1767: ber Staatsmann Wilhelm von Humboldt in Potsdam geboren; — 1661: ber 21b- miral Maximilian Gras von Spee in Kopenhagen geboren; — 1919: Gründung ber Universität Köln.— 1925: ber Geograph Joseph Bartsch in Bad Gram- hoch gestorben
Bornotizen.
— Tageskalender für Donnerstag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: ..Das Erwachen des Dcibes". — Aftoria-Lichtspiele: „Der UeberfaQ in der Silberschluchf.
— (Einen Schubert-Abend veranstaltet die Frauengruppe der hiesigen Ortsgruppe der Deut schen Dolkspartei am Freitag, 22. d M., abends 8.15 Uhr (pünktlich) im Singfaal des Realgnmnasiums. Au« Schuberts reichen Werken ist eine Folge guter Kammermusikstücke gewählt morden, deren Bortrag einen großen Genuß versprechen. Alle Mitglieder und Freunde der Partei sind eingeladen. (Siehe Anzeige.)
'• Fahrpkanänberungen bei ber Reichsbahn. Zur Wahrung be» Anschlusses vom Pz. 707 Frankfurt a. M —Kassel, Ankunft in Gießen 18,09, Abfahrt 18.19. an Pz. 2562 W. Dießen- Grünberg über Londorf. Abfahrt in Gleiten 18 11, werben die Fahrpläne beider Züge ab 1. Juli wie folgt geändert: Pz. 2562 W. Dießen ab 18.13, Pz. 707 Gießen ab 18.20.
•• Aufgehobene Straßensperren. Ab 23. Juni find folgende Straßensperrungen auf gehoben: Die Sperrung ber Ortsdurchfahrt Lauterbach auf bet Provinzialstraße Alsfeld— Fulba; bie Sperrung der Provinzialstraße Gießen—Friebberg.
Don einem Auto überfahren unb schwerverletzt Gin schwerer ilnglüd»fall ereignete sich heute früh gegen 7 Ufer auf der Landstraße Steinbach —Gießen in der Rähe des bei Steinbach gelegenen Steinbruches. Dort fuhren zwei Radfahrer, deren einer ber 16 3ahre alte Hilfsarbeiter Wilhelm Döring au» Burkhardsfelden war. hinter dem in Richtung Gießen fahrenden Steinbacher Autoomnibus in flottem Tempo her. Die beiden Radler vec-
erfordern stets eine sorgfältige lepgebun» unb Satzausslattung. Gute Sotzleistonge» sind nut erreichbar, wenn bie Anzeige« WzM genug unfgegeDen werben. Der Annahmeschlutz für alle Anzeigen im (Siebener Anzeiger entfällt auf ben Aach» mittag vor ber Aufnahme. Empfehlung*, anzeigen müßen, je nach Umfang unb Satz, schwierlgsteiten. zwei bi» brel Tage vorher bestellt sein. Nur mit Sorgfalt unb bem not. wendigen Zeitaufwand gesetzte Empfehlungen
Wern oen ernjiiiMten Wo!
suchten an ber oben bezeichneten Stelle ber Landstraße den 'Auloomn.buS link» zu überholen, bemerkten jcboch ein im selben Augenblia von Gießen herkommenbe^ Zweisitzer-Perlonenauto nicht, bem Döring infolge seine» schnellen Tempo» nicht mehr au-weichen koimte. Da» Auto faßte ihn mit seinem Fahrrad unb verletzte ihn schwer. Der bebauemätoerte junge Mensch trug einen schweren ^Interschenkeibruch bee I inten Deine», erhebliche Kopfverletzungen. Hautabschürfungen im Gesicht unb einen Nervenschock baDon. Die al» »alb benachrichtigte Freiwillige SanitätSkochnne vom Roten Kreuz in Gieften leistete bem Verunglückten, bei bem ber andere Rabsahrer und ter Automobüist verblieben waren, an ber Unfallstelle bie erste Hilse unb verbrachte ihn bann in bie Chirurgische Klinik.
(Weitere Lokalnachrichlen im 2. Blatt.)
berliner Börse.
Berlin, 21 3uni. (WTB. Funkspruch ) Nachdem es schon gestern abend in Frankfun auf Deckungen gut erholt mar, blieb es auch im heutigen Früh- verkehr eher freundlicher. Dos Äefchoft bleibt aber weiter still. Die Spekulation ist immer noch unsicher unb hält sich zurück Man nennt Farben mit 273 50, Siemens mit 351,50 und Oberkoks mit 115. Am Devisenmarkt hort man Paris 124,18, Mailand 92,87, Spanien 29,97, bas Pfunb 48* unb ben Dollar 4,1835.
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Für die vielen Beweise wohltuender Teilnahme an unserem schweren Verluste und für alle Ehrungen und Kranzspenden, die unserem lieben Entschlafenen zuteil wurden danken herzlich
Frau Lina Loti geb. W und Kinder.
Gießen, den 21. Juni 1928.
Nach Gottes unerforschlichem Ratschluß wurde uns unser liebes, unvergeßliches Söhnchen
Rudi Georg
nach schwerer Krankheit im zartesten Alter von 4 Wochen durch den Tod entrissen.
In tiefer Trauer: Ferdinand Germer und Frau geb. Kalbfleisch nebst Angehörigen.
Heuchelheim, Oießen, Heidelberg, den 20. Juni 1928.
Beerdigung in Heuchelheim Freitag, den 22 Juni, um 3 Uhr nachmittags.
Beileidsbesuche dankend verbeten.
Wrn-W — MmssWell.SMvsWek Odgar Vorrmann, (kisenwaren.
Bullenverkauf.
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Din ZefchnUDL-afrist llnft bis 14. Joll 1928 elnschlleflllch, früherer Zeichnangs.<chh.ß bleibt Vorbehalten.
Unsere Goldpfandbriefe und Goldkommunalobligatlonen lauten auf Goldmark il Goldmark — ''rw> kg Feingold): sie sind eingeteilt in Stücke zu GM. 5000. 2000, 10-0. 5o0 und 100.
Die Stücke der 8*/oigen Goldkommunalobligationen, Reihe 2. werden sofort geliefert: bei den 8®eigen Goldpfandbriefen, Reihe 10, erfolgt die Lieferung der Stücke nach Erscheinen.
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Goldmark 5 Millionen unserer 8%iöen Goldplandhriele, Reihe 10 nicht rückzahlbar vor 1. Oktober 1933 Zinsscheine April Oktober — erster Zinsschein füllig am 1. April 1926 — zum Vorzugskurse von 97,50%.
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Vom Tage der Einzahlung des Gegenwertes werden bis zum 30. September 1928 auf den Nominalbetrag tf*/e Zinsen frei von Kapitale! trägst euer vergütet
Die Einführung der Goldpfandbriefe, Reihe 10. an der Frankfurter Börse sowie ihre Lombardfähigkeit bei der Relchsbaok werden von ans beantragt
Zwangsversteigerung 7^
Toancrstag, den 28. 3«ni lto8, vormittag» 8 >4 Uhr, wirb durch vaS Amtsgericht Gießen, Zimmer 106, da» im Grundbuch von Greßen den Martin Dörr Eheleuten in Gießen zugeschriebene Anwesen, Nord-Anlage 18. Flur II, Nr. 3 = 688 qm Ho freite, geschätzt auf 39 185 Reichsmark, -um Zwecke der Auseinandersetzung versteigert.
Die amtsgerichtliche Berfüguna kann an der Ortstafel, Bergstraße 20, erngesehen werden. 4683D
Gießen, den 27. April 1928.
I A- des Hess. Amtsgerichts Gießen.
Leo, OrtsgerichtSvorsteher.
DrucksachenallerArt Seien in Jeder gewünschten AnMtttteng u>*re>a rw> xeuwen 4m BrifcTecbc Ush^Orwtar* tz. Uw
M/mHA 'Pin ünfln!
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