Ausgabe 
21.4.1928
 
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m 91 Erster Flatt

178. Zahrgang

Samstag, April 1928

6r|d)ei*i tagItd),aufctt Smuuag» in» Verlage

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Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Lfeeftebakteur

Dr. Fnebr Wlkh. Lang«. Derantwonlich für PoUnk Dr Fr Wilh Lang, für Feuilleton vl H Tfeyriot. für den übrigen led Ernst Dlumschkin, für den An» zeigenteil Äuri hillmann, sämtlich in (Bieben

Sei den deutschen Fliegern aus Greenly Zsland.

Vie Gefnerfieischverordnung.

Annahme im Reichörat.

Berlin, 20. April. Der Reichsrat beschäftigte sich am Freitagabend mU der neuen Gefrierfleisch- Verordnung. Die Verordnung bringt neben der vom Reichstage beschlossenen Herabsetzung des zollfreien Gefrlerslelschkontingent» aus 50 000 Tonnen eine grundsätzliche Aenderung insofern, al» die Zollfreiheit in Zukunft n o r aus Rindergesrlerfleisch beschränkt wird, während s,e bisher für Gefrierfleisch allge­mein galt. Die weitere Aenderung liegt darin, daß da» Kontingent setzt nicht mehr dem Handel son­dern bestimmten Trotz st ädten und In- dustrlebezlrken zur Derfuguna gestellt wird, die in der Verordnung einzeln ousgesuhrt s,nd. Der Reich»rat Hot den Kreis der in der Regierungsoer- ordnung ausgezählten Gemeinden noch erwei­tert. Die Verordnung betont stärker al» der ur- sprüngliche Regierungsentwurf die Forderung, datz da» g l e i s ch e r e l g e w e r b e und der Grotz- handel bei der Verteilung des Kontingents ein- zufcholten sind. Die Verordnung verbietet wei­ter die Verarbeitung des zollfreien Gefrierfleisches zu Durst und die Abgabe an Gast- und Speise- wirtschaften. Es sei zur Versorgung der minderdemitt elfen Bevölkerung zu verwenden.

Oer Streit um die Schule in Braunschweig.

Einschreiten des Rcichöinnenministcrs.

Berlin, 20. April. Am 6. Icmuar 1928 wurde der Srlafe deS früheren braunschweigischen QBiniflcre Marouardt, den den Charakter der braunschweigischen Schulen als evange­lisch » l u t h e r l s ch e Bekenntnisschule wieder heraestellt hatte (vom 19. September 1925) von Minister SieverS, dem Vertreter der jetziaen sozialistischen Regierung, wieder auf­gehoben. Sr betonte, datz die braunschweigi­schen Schulen keine Bekenntnisschulen seien, vielmehr den Charakter von Gemeinschaft S- schulen trügen. 3m Januar traten daraus der Eltembuno und das Konsistorium mit der Bitte an den Reichsminister deS 3n- nein heran, einzuschreiten. Der Reichsminister deS 3nnem hat nun den Standpuna ein­genommen, datz die Schulen in Braunschweig nach dem Braunschweiger LandeSgesed evan­gelisch-lutherische Schulen seien und datz nach Artikel 174 der Reichsverfassung dieser Charakter der Volksschulen vor Griefe eine# ReichsschulgesetzeS nicht abaeändert werden dürsc. Der Minister vertritt die Auffassung, datz der Srlafe vom 6.3anuar 1928 im Wider­spruch mit Artikel 174 der Reichs» Verfassung stehe. Er hält die Anrufung deS Reichsgerichtes für erforderlich, um die Klärung dieser Frage herbeizuführen. Dem brauschweigifchen Ministerium ist mitgetcilt wor­den, datz der Reichsminister des Innern die Entscheidung des Reichsgerichtes anrusen werde, fall« die Regierung in Braunschweig nicht bis zum 1. Mai bereits eine Erklärung abgeben sollte, datz sie einen Ausgleich der gegensätz- lieben Ausfassung für möglich hält.

Die hessischen Aeichsiagskandidaten der Evangelischen Volksgemeinschaft.

Frankfurt a. M.. 20. April. (Wolfs.) Die Evangelische Volksgemeinschaft hat für den Wahlkreis 33 (Hessen) folgenden Wahl- Vorschlag aufgeftc'.It: 1. P arrer Weidner, Ober-LaiS. 2. Kaufmann Heinrich Seyfried, Frankfurt a. M.. 3. Lehrer Wilhelm Greb. Weisenau, 4. Glasermeister Bernhard Diet­rich XII., Grofe-Zimmcm. 5. Landwirt und QMrgcrmeiftcr Thomas S t ö ck, Dliyenrod. 6. ODcrrangicrmetfter Ferd. Hehler, Bad Nau­heim, 7. Metallarbeiter Georg 3 akob Weth- rich, Mainz Kastel. 8. Studienrat Heinr. Pro- scher, Mainz. 9. Bäckermeister Heinr. Herrn. Mainz, 10. Untererheber Jakob Stein. Wald- Michelbach. 11. Pfarrer Veiler, Dretzcnheun, 12. Schriftleiter Edwin Hamburger, Staden.

Für den Wahlkreis 19 (Hessen- Rassau) trägt der Wa.)loorfchlag bis Rr. 3 die gleichen Flamen; 4. Kausm. Angestellter Emst Müller, Sossenheim, 5. Landwirt Winter, Wüstwillenroth, 6. Apotheker Heinr. Veesen- m e y e r. Gebern. 7. Rechnungsrat Heinrich Demmc. K nigstein (Taunus,. 8. Fabrikarbeiter Heinr. Weber. Höchst. 9. E traf anstaltspf arrer Berning, Franksur!-Preungesheim.

x Die J^eichstagskandidaten der WirtschastSpar-tei in Hessen Nassau.

WSN. F r a n k f u r t a. M., 20 April. Die Reichs- Partei des Deutschen Mittelstandes ^Wirtschafts- Partei) hat für Hessen-Nassau folgende Kan- didatenliste für den Reichstag ausgestellt: 1. Her- mann Drewitz, Bäckermeister, Berlin: 2. Dr. Werner Rhode, Rechtsanwalt und Notar, Frank­furt a. M: 3. Karl Hesse wer sen, Ziegelei­besitzer und Landwirt, Wiesbaden: 4. Paul John, Gastwirt und Hokelbes tzer, Marburg. 5. Wilhelm Wiesemann, Malermeister, Bad Ems: 6. Carl Klepper, Apotheker, Melsungen: 7. August Fa strich, Fabrikant, Bad Homburg: 8. Konrad Koch, ehemaliger Schneiderobermeister, Kastel: 9. Dr Fritz Rupp, Schriftsteller, Frankfurt a. M , 10. Wilhelm Bachmann, Drogeriebesitzer, Bad Wildungen: 11. Heinrich Linck, Kaufmann, Hanau.

Tteagotr, 21. April. (MTV. jvnkfpruch.) Nach Depeschen der Canablao Prefe an» Lake St. Agne» erklärte Köhl:Sobald unser jlogzcug au»gebestert ist, fliegen wir nach Reuyork, wie zu­erst beabsichtigt war. Unterweg» besuchen wir höchstwahrscheinlich Murray Bat) und Mont­real. Danach hoffen wir den Jing von Reu- york nach unserem Heimatland am­tieren zu können. Stanton, ein Bericht­erstatter de»Quebec-Chronicle an Telegraph-, der der Lanadion Prefe zur Verfügung gestellt wurde, und Ray Jernflorm, ein Photograph der Zaramount Rew» und Astociated Prefe landeten In einem jlugzeug der Canabian Airways, gesteuert von bem Piloten Romeo Vachon, aus bem Eise nahe bei Greenly 3»lanb. Köhl unb fj ü n e f c I b , ehr erfreut, sie zu sehen, kamen ihnen dl» an» 1 fer entgegen, um sie zu begrüben unb kie­sen sich von Jernflorm photographieren. Diese Sil­ber wurden heute In aller Eile durch ein jlugzeug nach Reuyork befördert. Köhl und Hünefeld unterhielten sich eingehend mit Stanton. Köhl Hal bei der Landung derBremen' eine leichte Schnittwunde an der Sflrn baoon- getragen, bk jeboch unbebeutenb ist. hünefeld und jihmaurice tarnen völlig unversehrt davon. Asso- clcated Prefe veröffentlicht die Unterredung, die Ray jernstrom, der Photograph der Paramount New» und Astociated Prefe, mit den deut­schen Jliegetn auf Greenly Island gehabt hat. Die deutschen Jlleger, fo erklärst Ray jernstrom, empfinden in ihrem Jnselgesängni» keineswegs Langeweile, da sie von dem Ge­danken de» 2D c 11er f l n g beseelt sind. Keiner der beiden Jlleger schien über «egend etwa» klagen zn wollen. Aus alle Jtagen bezüglich ihre» persönlichen Wohlbefinden» änderten sie sich sehr zuftieden. hünefeld sprach sich sehr entschieden dafür au», datz die Jlleger nur mit der Bremen Greenly Island verlassen würden. Die beiden Deutschen haben mit Jlagaen aus dem Eise die beste Landungsstelle gekennzeichnet. Jeia- strom äufeerie sich wenig zuversichtlich

Die chinesischen Marschälle halten es noch stark mit der mittelalterlichen Kriegstaktik: sie beziehen im Herbst ihre Winterquartiere und suspenbieren inzwischen den Krieg, um für daS kommende 3ahr neue Kräfte au sammeln. 3m Frühling geht dann erst der Kampf wieder loS. Auch diesmal ist alle« programmäfeig verlaufen. Kaum ist der Winter vorüber, da hat sich die Südarmee in Marsch gesetzt und ist nach Rorden vorgestofeen. Wir hören von einer großen Schlacht, von phantastischen Verlusten an Toten und Gesungenen: Angaben, die zwi­schen 20 000 und 200 000 schwanken. Das mutz man nicht allzu tragisch nehmen, den Chi­nesen kommt es auf eine Rull mehr oder weniger nicht an und die Entfernung nach Europa trägt das ihrige dazu bei, um Schlachten zu pro­duzieren. die an die Großkampftage des Welt­krieges erinnern, während es sich doch tatsächlich meistens nur um einen Guerilla-Krieg handelt, der natürlich auch nicht ohne Verluste bleibt, bei dem aber doch das taktische Geschick und gelegentlich auch das rollende Geld für die Entscheidung eine größere Rolle spielt als die Tapferkeit.

Genug, die Auseinandersetzung um die innere Ordnung in China eine Auseinandersetzung, die sich immer mehr zu einem Ausiösungeprozefe gestattet hat erneut begonnen und sofort sind auch die Grotzmächte wieder zur Stelle, die zunächst ganz friedlich zusahen, wie die Chinesen ihre Kräste gegen sich selbst erschöpften, die aber nachgerade doch bcDenllüy geworden sind wegen der Rückschläge, die der ewige Krieg ihrem Handel bringt die aber außerdem noch gerne für alle Fälle ihre 3nterelfen- sphäre wahren möchten. Allen voran ist dies­mal 3 a p a n gegangen das mit überraschendem Tempo gröfeere militärische und maritime Ein­heiten in Bewegung gesetzt hat. um in die Schantung - Provinz einzumar'chieren. die es offenbar als Aufmarschgelände auszubauen ge- dentt. Es ist jetzt baS brittemal. dafe die Javaner dieses Spiel wiederholen. Roch im vorigen Jahre haben sie. vielleicht nicht ganz ohne amerifa- ni chen Druck, die Erklärung abgegeben, bah sie sich niemals in die inneren Angelegenheiten Chinas einmischen wollten, öafe lie aber jeden Eingriff in ihre Rechte in der Mand­schurei und Mongolei verbieten müßten. Diese beiden Gebiete betrachteten sie also damals schon als ihre 3nteressensphäre. Gleichzeitig haben sie mit zwei Brigaden d i e Schantungbahn beseht und damit der Rationalistenarmee unter Tschiangkaischek den Weg nach Rorden versperrt, so dafe die ganze Oftensive zu- fammenbrach.

Darauf wurden die javanischen Truppen zu- 1 rückgezogen. um aber erneut eingesetzt zu werden, als Tschiangkaischek. nachdem er den Oberbefehl wieder übernommen hatte, einen wei­teren Vorstotz nach Rorden unternahm. 3etzt kommen sie zum drittenmal: diesmal mit anderer Motivierung. 3m vergangenen 3 ah re

über die Möglichkeit, dieBremen" von Greenly Island au» zu starten. Die Insel solle stell zum Life ab, und e» müsse g r o tz e S ch w I e r l g- teilen bereiten, da» jlugzeug den Abhang fein- unter zu bringen. LuIsInIer lege eine Bretter - rampc an, wobei ihn Einheimische unterstützen. Die beiden Deutschen haben den andertfeall'fiündigen Besuch Ray jernstrom» dazu benutzt, zahlreiche Milleilungen nach Reuyork zu senden.

Starker Sturm an der amerikanischen Nordostküste.

Reuyork. 20. April. (WV.) Der an der ganzen Rordostküste herrschende starke Sturm, der. wie gemeldet, den Flugverkehr zwischen Greenly 3Sland und der Aufeenwelt erneut beeinträchtigt hat. hat an der ganzen Rordostküste der Bereinigten Staaten beträcht­lichen Schaden an gerichtet. So_ ist u. a. eine ganze Reihe von Waldbränden zu verzeichnen, unter denen einer bei Reu-3er- sey in Pennsylvcmien einige tausend Acres Wald vernichtet und zahlreiche Hauser zerstört hat. Die Bevölkerung der in dem Waldbezirk eingebetteten Siedlungen muhten ihre Wohn­stätten im Stich lasten und flüchten.

Oie Fahrt derBremen*.

Reuyork. 20. April. (WB.) Die Morgen­blätter bringen die ersten Bilder der ..Bremen" auf Greenly 3sland. Man kann daraus deutlich die verbogene Propeller- spitze erkennen, sowie die primitiven Bretter- unterlagen und Stüyftangen. die verhindern sol­len. dafe die .,'Sternen" erneut die dünne Eisdecke der Landung-stelle durchbricht. Dte Fahrt- schildern ngen v. Hüneselds werden fort­gesetzt. Hünefeld hebt unter anderem hervor, bafr eS FitzmauriceS Geschicklichkeit zu verdanken ist, wenn es gelang. daS Oed In der Oel- Zuleitung auSzubesjem. DieS war besonders wichtig, da ein Andauern des Oelverlustes un­fehlbar daS Verderben bedeutet hätte. Kaum war diese Gefahr überwunden, als der Sturm eine solche Heftigkeit gewann, dafe die ..Bremen" zeit­weise nahezu aufrecht in der Luft stand.

hatten sie ein unmittelbares 3nteresse daran, eine Katastrophe Tschangtsolins zu verhindern. An ihm haben sie sich inzwischen desinteressiert, was sie jetzt wollen. *ife oftenbar nur, von Schantung aus eine Flankendeckung für d i e Mandschurei zu beheben; was aller­dings praktisch darauf hinausläuft, dafe ein AuS- tragen der innerchinesischen Gegensätze auch jetzt wieder verhindert wird.

Oie Truppenlandung Japans in Tsingtau.

Protest brr nationalistischen Negierung

Schanghai, 20. April. (Reuter.) Die Japaner landeten 550 Mann 2TI a r I n e - J n f a n I c r l e In Tsingtau, wo da» kriegsrecht verhängt unb Schiffen die Lin- und Ausfahrt bei 3laä)l untersagt wurde. Die japanische Regierung begründet in einer amtlichen Erklärung die Entsendung von Truppen nach China und sagt dabei, sie habe, ab sie letzte» 3afer ihre Kräfte au» Schantung zurückzog, der chinesischen Regierung mitgctrilst dafe sie zum Schuhe de»Leben»und der Güter ihrer Staatsangehörigen diese Truppen von neuem entsenden würde, wenn Jrlebe unb Ordnung noch einmal bedroht würden.

ID.e weiter gemeldet wird, hat die n a I i o n a 11 - stische Regierung bei bem japanischen Gene­ralkonsul wegen Entscndung von japanischen Trup­pen Einspruch erhoben. Die Absendung hat in nationalistischen Kre sen Erregung feeroorgerufen. Man glaubt, dafe die jo'.ge davon eine Boykot­tierung Japans sein werde und dafe die jremdenseindlichkeit im allgemeinen wie­der ausleben werde. Man betrachtet diese Ent­sendung japanischer Truppen ab einen versuch To- Nos, wieder auf die Bucht von K i a u t s ch o u Hand zu legen, die 3apan während der Washingtoner Kon­ferenz hat aufgeben müssen.

O'.r Sieh der Süda-mee.

Paris, 20. April. (WB.) Wie Havas aus Schanghai berichtet, scheint der S eg, den die Süd- tnippen an der Eisenbahnstrecke TientsinNank.ng baoongetraqen haben, beträchtlich zu sein. Der Fall X f i n a n f u s scheine bevorzustehen, da die National sten dort vor den Japanern einrücken wollen Der britische und der amerikanische Gene­ralkonsul in Tsinanfu rieten ihren Landsleuten abzureisen, da sich die Kämpfenden der Stadt nähern. Es wird w iter gemeldet, daß die Natio. naliften die Stadt Ient > chaufu am 18. April eingenommen haben unb rasch Vorbringen, um die entmutigten Nordtruppen zu verhindern, sich in die Nähe von Taianfu (zwischen Jentschaufu unb Tsinanfu) aufs neue zu formieren.

Wiederaufleben des Bürgerkriegs in Gina

Krieg -em Kriege!

Voreilige Leute hatten schon vor Monaten be­hauptet, Die grobe Welle der Wahlen, btc seit dem Frühling dieses 3ahres über die Wett flute, werde ein 3nteresse an aufeeirpottt Ischen Dingen nicht auflommen lassen, die groben inter­nationalen Probleme kämen in dleiem unglück- leligcn 3afere 1928 nicht einen Schritt vorwärts. Erst nach den Wahlen in Frankreich, Deutschland und England, namentlich aber erst nach den amerikanischen P r ä s i d e n t s ch a s t S - Wahlen werde man in den Kabinetten bie Akten ..Rheinlandräumung",Revision des Dawes- planS", ..Kriegsschuldenregelung'' oderQlnti* kriegSpakt" wieder aus den Schüben ziehen unb mit alten oder neuen Männern, sicher aber mit alten Methoden an ihre Weiterbearbeitung ge­hen Bi« zu einem gewissen Grade hat diele pessimistische Austastung von der zwangsläufi­gen Trägheit der Auyeirpolitik in einer Zett innerpvlitlscher Reugruppierung zwei e.los recht. Wirkliche Entscheidungen werden wir in diesem 3ahre kaum in einem Punkt zu erwarten haben. Aber dafe die Wahlbewegung andererseits auch die Geister lockert und Männer von sonst bei­spielloser Starrheit und 3ntransigenz zwingt, nicht nur Farbe zu bekennen, sondern auch* wenigstens theoretisch Konzestionen au machen. Kompromisse nicht schlankweg adzulehnen, daS haben wir schon in den letzten Wochen mit Staunen sehen können. ES wäre jedoch in hohem Mähe unbedacht, ja geradezu gefährlich, nun alles für bare Münze zu nehmen, waS im Zeichen der Wahlen gesprochen wird. Riemand ist im Wahlkampf ganz er selber. Auch Herr P o i n * c a t d nicht, der sich so fleißig aus der Zriedens- schalrnei übte. Die Posaune des Streits liegt ihm mehr. Er hat cS auf ihr in langet Dienstzeit als Lenker der Geschicke feine« Volkes zu eine» beispiellosen Virtuosität gebracht, und er wirb zweifellos mit innerer Begeisterung au seinem LiebllngSinstrument -urückkehren, sobald ihm die Wahlen woran nicht zu zweifeln ist fein Mandat alS Diktator Frankreichs erneut be­stätigt haben. Daran wollen wir Deutsche unS halten, dann haben wir keine Enttäuschungen zu fürchten und können mit klarem Blick den kom­menden Verhandlungen über die Reugestattung unserer (-jahlungSverpflichtungen enigegenfefeen.

Wir dürfen uns auch nicht verhehlen, datz die eben entfesselte Debatte über einen Anti­ke i e g s p a k t nicht unberinflufet von den Wah­len ist. Die Dinge möchten nach Tisch vielleicht doch gewaltig anders auSsehen. Der Vater des Gedankens, den Krieg als Mittel der Politik durch einen feierlichen Verzicht wenn nicht ganz auS der Welt zu ,(baffen, fo doch in die zwei e Reihe zu drängen, ist Aristide B r i a n d , Frank­reichs Außenminister, aber es wird ihm schwer fallen, fein eigenes Kind wiederzuerkennen, wenn er siebt, waS auS ihm unter Den Händen der amerikanischen Staatsmänner geworden ist. Briand hatte ursprünglich den Amerikanern

einen Pakt vorgeschlagen, worin beide Mächte feierlich daraus verzichteten, jemals Krieg gegen­einander zu führen. Er gedachte mit dieser grob- artigen Geste den Vereinigten Staaten etwa- zu schenken, waS sie schon beloben und für dirie Gabe von zweiielhastem 'Wert das feierliche Ber- spsechen Amerikas einzutauschen, niemals in euro­päische Verwicklungen einjugreiien, wenn cs Frankreich z. 2. eines Tages ein fallen sollte, zum Schutz seiner bedrohten Sicherheit wieder einmal das Ruhrgebiet zu besetzen ober sonstige bewaffnete Spaziergänge im alten Europa zu unternehmen. Herr CBrianb hat seine Kontra­henten gewaltig unterschätzt. Die Vankees sind andere Leute wie die. mit denen Frankreichs Diplomatie im Genier Völkerbund w.e mit Ham­pelmännern umzuspringen beliebt. Hier gilt eS eine ernstere Partie als auf dem Genfer Schach­brett, und Herr Briand ist auf dem besten We^e dazu, von seinem Gegenspieler mattgrietjt zu werden. Frankreich ist tatsächlich gar nicht in der Lage, ge;en Amerika, die gewaltigste Macht der Erde, Krieg zu führen. Hm seine Vorherrschaft in Wesiearopa sicherzuste '.en, ist ei fo zahlreiche und schwerwiegende europüi che Bindun,en em» gegangen, datz es nicht einmal im Gelolae Eng­lands das gewaltige Risi.o eineS amer kan.fchen Krieges auf sich nehmen konnte, ohne seine euro­päische Machtstellung au:d Spiel zu setzen. Das wissen die Amerikaner natürlich ca'.z genau, unb sie haben keine Lust, sich zwangsläu in von der europäischen Politik aurschatten zu las en, ohne dafür greifbare Vorteile für sich einzutauscherr, die man sich z. D. auf de n Gebiete der Kriegs­schuldenregelung hätte denlen können. Davon ist aber (eine Rede. Die Franzosen vermeiden es ängstlich, dies für sie durchaus unan-enchn.e Thema anzuschneiden und ho.ien auf eine Art General.'ardon bei der groben Aufrechnung von interalÜ e ien KriegesHu.'dm und deu.schen Re­parationsleistungen die sie anftreben, seitdem ! sie es aufgegeben yaben, auf ein für sie erträg­liches Sonde.abkommen über ' ie Kriegsschulden mit Ameri.'a zu ho'en. Fran.reich ist a so mit seinem Vorschlag eines zweiseitigen Antikriegs- paktS in Washington aus keine Gegenliebe ge­stoben.

Frank 2. Kellogg, der Staats'ekretär der Vereinigten Staaten und Leiter der Aufeen- rolillk des Kabinetts Coolidge. hat nicht einen Augenblick mit dem © e g e n 3 u g gezögert. Amerika erfiärte sich aus'chliefelich zu einem Pakt bereit, zu dem der Beitritt allen Mäch­ten ofsenstehe. Kellogg ist auch überraschend schnell zu Taten übergegangen, nachdem ein mehr­faches Hin und Her zwischen Paris und Wa­shington zeigte, dah Frankreich an einer solchen