Ausgabe 
20.7.1928
 
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Nr. 169 Erster Matt

178. Zahrgailg

Srettog, 20. Juli 1928

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Dletzenn Jomlüenblätte: Hei mal im Bild

DU Scholle

Sonats.BtjegsrrtU: 2 Beid)»marh anb 20 Reich»pfem>ig ftr Trägt» lohn, and) bei Richter- scheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. Fernjprechanschlüsj«: 61. 54 unb 112.

L,schrifl für Drahtnach­richten: Anzeiger Stefctx. vo*schedtoiao:

gtanffnrt am Mai, UM.

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

tfrntf «Ad Verlag: vrLhl'sche UniversN«r-v»ch' ww& Stetnörnderd R. fange tu Gießen. $d>riftlettnng und Geschastrstelle: 5chulittaße 7.

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Chefredakteur

Dr. Friede Wich. Lange. Berantoortlid) für Politik Dr. Fr Wich Lange für Feuilleton Dr H Thyriot, für den übrigen Teil Ernst Blumidbem, für den An­zeigenteil Äurt hillmann, sämtlich in

England und die Meinlandräumung.

Keine Londoner Initiative.

Dem unserer Berliner Redaktion.

Die liberale Haltung, die die britische Regie- nmg In allen Fragen der Rheinlandbesetzung etwa seit dem Ruhrtricg eingenommen bat, ist in Deutschland vielfach al« Zeichen britischer .Be­reitwilligkeit zur Anerkennung der deutschen Thesen. mit denen der Anspruch aus so- fortige Räumung seit dem Abschluß de« Doioe-pakte- immer wieder vertreten wurde, auf- gefaßt worden. Wir stellen aber nur etwa« Selbstverständliches fest, wir wiederholen nur oft Gesagtes, wenn wir daraus Hinweisen, daß im besetzten Gebiet selbst wie in ganz Deutschland durch den schleppenden Gang der Dinge eine tiefe Enttäuschung Platz gegriffen hat, so daß in in London nicht wundernehmen darf, wenn die kürzlichen Erklärungen CbamberlainS im Unterbau« zur Räumungsfrage bei uns al« ein Ausweichen interpretiert werden.

Mit der Versicherung deS Wohlwollens der britischen Regierung lind wir in den letzten 3abrcn allzu oft versorgt worden, als daß derartige höfliche und freundliche Redensarten be luns noch tieferen Eindruck machen könnten. Gewiß bekennt man sich in England immer wieder gern zu der Auffassung, daß Verträge nicht für die Ewigkeit bestimmt sind, und die TimeS hat erft dieser Tage wieder einen ausge­zeichneten Artikel zur Erinnerung an den Ber­liner Vertrag von 1878 mit der Feststellung ge­schlossen, daß Derlräge ihrer Ratur nach ver­änderlich sind, das; sie den Verhältnissen an« gepaßt werden müssen oder unanwendbar wer­den. Sie hat damit zweifellos auf den ganzen Komplet der schwebenden Probleme, vor allem auf die Reparationsfragc und die Rheinland­räumung angespielt, und wir nehmen ihre all­gemeine Feststellung bezüglich der Veränderlich­keit der Verträge gerade tm Hinblick auf daS Versailler Diktat gern zur Kenntnis. Wenn sie aber ihren Darlegungen noch eine Einschrän­kung anfügen zu müssen glaubt, indem sie sagt, daß die Veränderung tm geeigneten Augenblick erfolgen muß, nun. dieser Zeit­punkt ist schon mehrfach dagewe en. und man hat ihn immer wieder versäumt, versäumt auS reiner Lässigkeit und Bequemlichkeit, ver­säumt gerade vom englischen Standpunkt auS wegen deS Wunsche«, sich mit Paris nicht In politische Ungelegen beiten einzulassen. Von diesem Wunsch sind auch die Ausführungen Chamber­lains im Unterhaus zur Rheinlandsrage beseelt gewesen, und wir dürfen von Deutschland nie­mals erwarten, dah non London auS eine wirksame Initiative aus die Freigabe d?s besetzten Gebietes ausgehen wird.

DaS Schicksal deS Rheinlands ist ausschließlich in unsere eigenen Hände gegeben, und wir werden genötigt sein, die staatsmännisckxm Maximen der TimeS von der Lvbänderbarkeit der Verträge gegen den passiven Widerstand der englischen Regierung durchzusetzen. Der Zeitpunkt, an dem die zweite Zone geräumt werden muß, rückt immer näher, und mit ihm rückt auch Ser Tag heran, an dem Deutschland von sich auS einen neuen Vorstoß auf Befreiung seiner bc'etztcn Gebiete unternehmen muß. Möge dieser Tag das deutsche Volk ge­schlossen finden in dem Willen, sich um der Freiheit deS RheinlandeS willen nicht neue politische Fesseln auferlegen zu lassen. Paris erwartet ein deutsches

Angebot.

vlätterstimmcn zur Unterhauserklärung Chamberlains

Paris, 20 Juli. (WTB. Funkspruch.) Zu den Erklärungen Chamberlains im Unterhaus über die Räumung des Rheinlandes schreibtDoud re": Es ist etwas Verwirrung In den Ändern der ehe­maligen Alliierten entstanden. Vielleicht werden diese ßänöer also gut daran tun, miteinander zu verhandeln. Die erste Zone soll im Januar 1930 und die letzte Zone 1935 geräumt werden. Wenn man aus unserem Pfand nochmaterielleoder moralische Vorteile ziehen will, dann wird es h ö ch st e Z e i t, sich zu verständigen.Gau« l o i s" schreibt: Die aufmerksame Prüfung der Aus- führungen Chamberlains im Unterhaus bestätigt den letzten Willen der englischen Regierung, ihre Trup­pen am Rhein nicht hinwcgzuziehen, bevor kon­krete Vorschläge von den interessier ten Parteien gemacht seien. Offenbar ist es Sache Deutschlands als hauptsächlich inter« essierte Macht, die Initiative zu ergreifen und nicht die Räumung durch eine Rede zu fordern, man müßte vielmehr auf diplomatischem Wege etwas zum Ausgleich an b i e t e n , da es sich um ein Unterpfand handelt, dessen vorzeitige Preisgabe Frankreich, das auf Reparationen Anspruch bat, der Gefahr aussetzt, die Kosten des Krieges allein zu tragen.

Die hier wieder einmal in zwei politisch ent­gegengesetzten Blättern zur Lage tretenbe Auf­fassung, als ob DeutsOand durch neue Angebote etwa auf wirtschaftlichem Gebiet die Räumung des besetzten Gebiets erkaufen müsse, ist durchaus irrig. Deutschland hat ein vertraglich verbrieftes Recht auf die Rheinlandräumuna. Die Zeiten, wo Frankreich für_ eine vorzeitige Rheinlandräumung noch Vorteile für sich hätte einhandeln können, sind

endgültüf vorbei. Deutschland fordert nichts als sein gutes Recht, es fordert nun seinerseits Erfüllung der Verträge und kann warten, bis man ihm diese gewährt. Für neue zwecklose Opfer wird man das deutsche Volk schwerlich wieder oereitfinden.

Englands Antwort an Kellogg

Auch die Dominions

sind zur Unterzeichnung bereit.

London, 19. 3ult (WB.) Die britische 2ürt- wvrtnote vom 18. 3uni an den amerikanischen Geschäftsträger lautet in deutscher Uebersetzung xl a. wie folgt:

.Ich freue mich. Sie davon in Kenntnis setzen zu können, dah die Regierung Seiner Majestät in Großbritannien den vorgeschlagenen Vertrag in der ton Ihnen übermittelten Form an« nimmt und sich freuen wird, ihm zu dem Zeitpunkt« und an dem Orte zu zeichnen, den die Regierung der Vereinigten Staaten zu diesem Zwecke angeben wird. Sie werden sich erinnern, daß ich in meiner vor ausgehenden Mitteilung vom 19. Mai aus geführt habe, wie wichtig eS für meine Regierung sei. daß der Grundsatz anerkannt werde, daß, wenn eine der Parteien dieses beabsichttglen Vertrages hx Ver­letzung seiner Bestimmungen zum Kriege schreitet, di« anderen Parteien automatisch von ihren vertragsmäßigen Verpflichtungen ge­genüber dieser Partei entbunden würden. Ebenso wies ich daraus hin, dah die Beachtung der Verpflichtungen, die sich aus der V ö l - kerbundSsatzung xmb aus den Locar­noverträgen ergäben, die Grundlage der Politik der Regierung meines Landes bilde, unb daß diese keinem neuen Vertrage ihre Zustim­mung geben könne, der diese Verpflichtungen ob schwächen oder untergraben würde.

Die jetzt la der Promo bei ausgenommen« Be­stimmung, wonach jeder Signatarmacht, weiche In Zukunst ihre nationalen Interessen durch striegsmaßnahmen gegen eine andere Signa­tarmacht zu fördern sucht, die Dorteile des Ver­trages versagt werden sollen. Ist für meine Regierung befriedigend und ist jor Er­ledigung des In dem vorhergehenden Absatz zuerst erwähnten Punkte» ausreichend.

Die Regierung 6r. Majestät in Großbritannien ist nach reiflicher Erwägung nicht der Ansicht, daß die Erfüllung der Verpflichtungen, welche sie in der Dölkerbundssatzung und in dem Vertrage von Locarno übernommen hat, durch die Annahme des vorgeschlagencn Vertrages ausgeschlossen wird. Sie tritt der von der deutschen Regierung in ihrem Schreiben vom 27. April mitgeteilten Auf- fassung bei, daß diese Verpflichtungen nichts enthal­ten, was mit dem von den Vereinigten Staaten vorgeschlagcnen Vertrage in Konsllkt kommen

könnte. Meine Regierung hat mit besonderer De« friedigung bemerkt, daß all« Parteien be» Lo- carnooertrages jetzt ausgesordert worden sind, den neuen Vertrag als erste zu zeichnen, unb daß es der klare Wunsch der Regierung der Vereinigten Staaten ist, daß alle Mitglieder des Völ­kerbundes durch Zeichnung ober Beitritt Ver­tragsparteien werben sollen. Damit soviele Staa­ten wie möglich an ber neuen Bewegung teilneh­men können, hoffe ich, daß eine entsprechende all­gemeine Einladung auf sie erstreckt wird.

IDae die Stelle In meinem Schreiben vom 19. 2Tlai binsichllich gewisser Gebiete anlangt, deren Wohlfahrt unb Unverletzlichkeit ein beson­dere» Lebcnsinteresfe für unseren Frieden und unsere Sicherheit bildet, so brauche ich nur zu wiederholen, daß die Regierung Sr. Majestät von Großbrilaunien den neuen Vertrag unter der Voraussetzung annimmt, dah er ihre Handlungsfreiheit In dieser Be- Ziehung nicht beeinträchtigt.

Ich befinbe mich vollkommen in Uebereinstimmung mit ben Ansichten, ble von Herrn Kellogg in seiner Rede vom 28. April ausgesprochen sind, daß der be« abstchtigte Vertrag in keiner Weise dasRechtzur Selb st Verteidigung einengt ober beeinträch« tigt, wie mit seiner Ansicht, daß es jedem Staate allein zu steht, zu entscheiden, wenn die Umstände kriegerische Maßnahmen zu diesem Zwecke notwendig machen. Im Lichte der vorstehenden Ausführungen ist die Regierung Sr. Majestät gern bereit, zugleich mit ben Vereinigten Staaten und mit allen anderen in gleicher Weise bereiten Regierungen einen end­gültigen Vertrag über den Kriegsoerzicht zu zeichnen.

DieAnfworiwtenderDominions

' London, 19.3tiH. (WTB.) In der heut« vom Foveign Office veröffentlichten und von Chamberlain unterzeichneten Ant­wortnote Australiens, dr« mit den gleichfalls von Chamberlain unterzeichneten Roten Süd­afrikas. Reu-Seelands unb Indiens der Antwortnote der britischen Regierung auf den Kellogg-Vorschlag beigefügt ist, heißt es u.a.: Dke australische Regierung nimmt die vom amerikanischen Staatssekretär gegebene Versiche­rung an, daß daS Recht der Selbst­verteidigung in keiner Weif« von der An­nahme des vorgeschlagenen Vertrage- beeinträch­tigt werden wird. Die australisch« Regierung ist ebenfalls zu dem Befund gekommen, daß ber amerikanische Vertragsentwurf mit der Dölker­bundssatzung rricht unvereinbar ist. Sie betrachtet den Wortlaut des Vertrages als völlig be­friedigend, sowett diese besonderen PunI!« rn Betracht kommen, und erklärt sich zur Unter- zeichnung des Vertrages tn der vorliegenden Fassung bereit.

Sas io. Deutsche Sängerfest in Wien.

Oer Begrüßungsabend.

Wien, 19. Juli. (IU.) Am Donnerstagabend acht Uhr begann der offizielle Begrüßungsabend im Rahmen des 10. Deutschen Sängerbunbessestes in ber Sängerfall« im Prater. Schon lange vor Beginn war die Halle überfüllt. Auf der Sänger- bühne hatten der Thüringer Sängerbund, der Sängerbund der Sudetendeutschen, ber Steirische und der Ostmärkische Sängerbund Aufstellung ge­nommen. Unter den Ehrengästen sah man den deutschen Gesandten Grasen Lerchenfeld, Bundeskanzler Dr. Seipel, die Minister Schürf f, Schmitz und Dr. Slama, den Bürgermeister von Wien, Seitz, den Landes­hauptmann Du resch und ben Polizeipräsidenten Schober. Begleitet von den zujammengestellten Musikkapellen der Infanterie - Regimenter Rr. 4 und 5 eröffnete der Thüringer Sänger­bund unter Leitung seines Chormeisters Rin­kens den Begrüßungsabend. Nachdem der tosende Beifall, der die Hall« durchbraulte, verstummt war, begrüßte der Vorsitzende Des Hauptaus­schusses,

Schulrat Dr. Josef Iaksch

die Ehrengäste aus Wien und Deutschland sowie die Sänger aus den fernen Ländern, aus Amerika, Ar­gentinien, Peru, Chile, Kalifornien usw., die sich alle in dem Gedanken zusammengefunden hätten, Schubertzu feiern unb zu bezeugen, daß alle von dem Wunsche beseelt seien, es müsse doch einmal die Bereinigung aller Deutschen zur Tat werden. Namentlich die Sänger aus Amerika aber sollten den sehnlichsten Wunsch eines Millionen« Volkes erfahren.

Dann ergriff der

Bundeskanzler Seipel

daS Wort: .Liebe fautfefa Sänger! Im vorigen Jahre haben wir tn Wien wahrhaft unter der Anteilnahme der ganzen Welt Beethoven gefeiert Der große Söhn des Ryeinlandes hat tn unserem Wien den Gipfelpunkt der Musik erstiegen. Dies lieh 100 Jahve, nachdem er von uns gegangen war. noch unsere Stadt als den Vorort der musLali'chen Welt erscheinen. Heuer feiern wir einen anderen, ganz anderen, aber wieder in seiner ganzen Art e in 8 i gen GeniuS

unserer Stadl: Franz Schubert Im Lied, im beschwingten und bcserlten Lied hat dieses Kind unserer Stadt das Höchste geleistet. Er ist am 19. Rovember 1828 als 32jähriger gestorben und hat mit der Kraft seiner unsterblichen sreund- schastss rohen, gebefreudigen Seele die Freund­schaft der Welt errungen. Selbstverständlich spricht seine Konst nur zu jenen, die seine Töne und zu­gleich die Sprach« seiner ßieber ganz unmittelbar verstehen, weil eine verwandte deutsch« Seele in ihm lebt, weil dieselbe brutsche Muttersprache ihm zu eigen ist Zur Bekundung dieser Gemein- samkrit des Geistes sind Sie, deutsche Sänger, zu uns ins Schubertland Oesterreich gekommen. Ich heiße Eie im Ramen deS Volkes, das In diesem Lande wohnt, und im Römer seiner Re­gierung aufs herzlichste willkommen."

Weitere Begrüßungsansprachen.

Rachdem Bundesminister für Hnterridji, Schmitz, vor allem die allen Deutschen gemein­same Kultur gepriesen hatte, hieß namenä der Stadt Wien Bürgermeister Seitz die Festgäste wMvmmen. Seine Rede gipfelte in der Auf­forderung :Deutsche seid stark im Willen zur Einheit. Denn di« Gmfaü wird Eure Tal fein. Der deutsche Gesandte Graf Lerchenfeld wieS sodann auf die tiefe Be­deutung des SängerbundesfesteS für die Be­wertung des deutschen Äuiturlebcnei als Einheit und für die Einordnung der besonderen öster­reichischen Kultur in diese Einheit hin.Wir alle," so sagte Gral Lerchenseld,erblicken in der österreichischen Eigenart ein Kulturgut von unschätzbarem Wert«. Wer Oester­reich und Wien als aufmerksamer unb liebe­voller Beobachter durchwandert, der muß erken­nen, daß hier außerordenttiche Kulturwerie woh­nen. Für den empfindsamen Deutschen aus Rord, Süd und West ist dieses Oesterreich von jeher von aufarordentt -cher Anziehung gewrien. So ist auch das zehnte deutsche Dundessängerfest ein Mittel, das österreichische Innenleben für das große deutsche Gesamtleben neu in Erschei­nung treten zu lassen."

llebergabe des Sundesbanners.

Wien, 19.Juli. Im festlich geschmückten großen Stande rtfau5f aal wurde heute in Anwesenheit der

zahlreichen bereits eingetroffenen Sängergäste und ber offiziellen Vertreter bas Bunbesbonncr, ba» bisher in ber früheren Feststabt Hannover m Verwahrung war, an ben Ost märkischen Sängerbund in feierlicher Weife übergeben. Bundesvorsitzender Friedrich L i st hielt, umgeben von den Chormeistern der einzelnen Sängerbünde, die Festrede, wonach Eduard Kremsers Deutsches Bittgebet mit Orgelbegleitung durch die Äinaer der alten Fesistodt Hannover zum Bort rag kam Die Feier wurde mit einer Reihe von Liedern und An­sprachen der einzelnen Bundesvorsitzenden eingeleitet. Die Chore dirigierten Hans S t i e b e r und Hans Heinrichs. An der Orgel spiette Professor Franz Schütz.

Oie Ermordung Obregons.

Tie Leiche des Präsidenten in die Heimat ttbergeführt

Mexiko, 18. Juli. (W. B.) An der feierlichen Ucbcrfüfaung der Leiche Obregons zum Bahn­st o f nahm auch das diplomatische Korps vollzählig teil. Präsident Calles, begleitet von den höchsten Regierungsbeamten und von Offizieren des Heeres und der Marine schritt hinter dem Sarge her. Kavallerie und Kadetten zu Pferde eröffneten den Zug, während hinter den amtlichen Persönlichkeiten die Leibwache des Präsidenten folgte, lieber dem Trauerzug kreisten Flugzeuge. Unmittel­bar bevor der Sonderzug nach Sonora die Sta­tion verließ, hoben Tausende von politischen An­hängern des Toten die rechte Hand und legten den Schwur ab, seine Grundsätze fachzuhalten und für die Bestrafung der Schuldigen zu sorgen. Dies geschah auf Veranlassung eines Kongreßmitgliedes, das sich nach Ablegung des Eide» zu dem entblößten Haupte» neben ihm stehenden Präsidenten Calle» wandte und sagte: Wir verlangen von Ihnen Gerechtigkeit durch B e ft r a f u n g der an Der Ermordung des Ge­nerals Obregon Schuldigen!" Der Präsident be­stieg dann ben Eisenbahnzug, verlieh ihn aber auf einer Haltestelle unmittelbar vor ber Stadt unb kehrte nach ber Hauptstadt zurück, um persönlich die Nachforschungen nach den Urhebern de» Atten­tats fortzusetzen.

©er Mörder.

(tzrotze Erregung in Mexiko.

Mexiko, 18. Juli. (WB.) Die Polini teilt mit, daß 3of6 de Leon-Torral, oer ben Präsidenten Obregon erschoß, vor sechs Monaten von Qhiahalajara nach der Stadt Mexiko kam, um Arbeit zu suchen. Er rst 23 Jahre alt und hat eine Kunstschule besucht. Die Polizei sand bei ihm einen Rosenkranz und ein Bild­nis des Priesters Mi guel Augustin, der nach dem Bombenanschlag auf General Ob­regon im Rovember vorigen Jahres hin ge­richtet worden war. Die Polizei teilt ferner mit, der Gefangene habe bisher nicht zuge­geben, daß er Mitwisser gehabt hab«. Die Frau und die Mutter deS Mörder« find ebenfalls verhaftet worden. Eine weitere Anzahl Personen ist verhaftet worden. Der neu ernannte Polizeichef Zertuche lehnte es ab. weitere Infor­mationen zu geben, bevor die Untersuchung be­endet ist Di« nach dem Attentat verhäng.e Zensur der Pressetelegramme ist inzwischen wie­der aufgehoben worden. Die Stadt Mexiko be­findet sich in einem noch nie dagewesenen Zu­stand politischer Erregung. Polizei und M»ü- tärpatrouillen ziehen durch die Straßen der Hauptstadt und auf den Wegen der Umgebung. Alle Truppen werden in den Kasernen für den Fall von Unruhen in Bereitschaft gehalten. Zahlreiche Gerüchte über aufrührerische Bewe­gungen waren hrule im Umlauf, aber alle er­wiesen sich als unbegründet. Weder die Blätter noch die Regierung haben irgendwelche Rach- richten über Unruhen au- irgendeinem Teil des Landes erhalten.

Römische Befürchtungen.

London, 19. 3ulL (WTB.) Der Korrespon­dent der Morning Post in Rom mellet: Die Er­mordung deS Generals Obregon wird einen ernsten Rückschlag für die Bemühungen bedeuten, den religiösen Frieden in Mexiko wieder Herzustelen. Ich erfahre, daß General Obregon versprochen hatte, die Haltung der mexikanischen Regierung zur katholischen Kirche unter Bedingungen, die vom Erzbischof Ruiz y Flores nach Rom überbracht worden waren, einer weitgehenden Revision zu unter- richen. Ich erfahre weiter, daß die Der.)and- lungen zu Ende geführt waren und dah ein sehr wichtiges Abkommen erzielt wurde.

Oie Auffassung in Reuyork.

Reuyvrk, 19. Juli. (WB.) Di« Blätter be­schäftigen sich eingehend mit der weiteren Ge­staltung der politischen Verhältnisse in Mexiko. ..Herald and Tribüne" sucht auf Grund der mexi- kani'chen Verfassung nachzuweisen, daß Calles ohne eine Verletzung der Verfassung nach e.ner kurzen Präsidentschaft etwa von Saenz alS pro­visorischen Präsidenten abermals zur Amtsführung zurückkehren könne. Erne ähnliche Ansicht wird auch von einigen pv- i tir<fan Kreisen Washingtons vertreten.Rew Bork Times" ist der Ansicht, daß keinesfalls