auS den Augen verlieren. Leine Mitglieder wollen sich für das ganz« Leben ihre 3ufleni>- frische bewahren und noch alS alte Herren Vor- bilder sein. Der Akademische Turnbund lehne daher das alte, überlebte feucht-sröhliche Stu- dentenleben bewußt ab und wisse Neues an dessen Stelle zu sehen. Für die Universität und ihren Lehrkörper sprach Professor Dr Lehmann. Der Redner erkannte die bisher geleistete Arbeit der A. T. D. Rheinfranken seit ihrem Bestehen an und wünschte ihr weitere gute Erfolge. Der Derbindung fielen schwere Aufgaben zu. Sie hätte sich wohl den bestehenden Verhältnissen anpossen können. DaS hätte sie aber nicht getan. 3hr Bund pflege einen anderen Geist. Bleibe sie diesem treu, so begegne sie einer Bewegung, die heute in jeder Dozentenschaft Platz gegriffen habe. Möchte fie auch fernerhin Hand in Hand mit ersterer arbeiten, so könnte sie gewiß sein, das sich gesteckte Ziel auch in Gießen zu erreichen. Für das Offizierkorps der Garnison sprach Hauptmann Offen- bächer, für den Turnverein von 1846 Universi- tätsoberinspektvr Erle. Die deutsche Turnerschaft wolle den friedlichen Wettkampf aller ihrer Angehörigen. Die A. T. D. Rheinfranken dürfe daher stets auf die Unterstützung der Gießener Turnerschaft rechnen. Glückwünsche überbrachten ferner die Dertreter des Vereins deutscher Studenten, die des Vororts deS Akademischen Turnbundes der A. T. V. Suevia-Donn, und ein Vertreter der anwesenden Dundeskorporationen. Pros. Dr. Huntemüller erwähnte endlich gleichfalls die Erfolge der Verbindung und betonte, dost fie sich sofort an die Spitze der Bewegung für die körperliche Ertüchtigung unter der Gießener Studentenschaft gefetzt habe. Das deutsche Turnfest werbe zeigen, was die Gießener Turner, und insbesondere auch die aktiven Mitglieder der A. T. V. Rheinfranken leisten.
Ewig junge Studentenlieder und Musikvorträge sowie die turnerisch aus hoher Stufe stehende Musterriege der Marburger QL T. D. am Barren trugen mit zum dollen Gelingen des Abends bei.
Der Sonntagmorgen brachte zunächst ein Zusammentreffen der Ql. Hschaft und ihrer Damen mit den Aktiven und anschließend ein Festessen im Hindenburg, der Nachmittag als Ausklang einen Ausflug nach dem Schiffenberg, der sämtliche FestteilneHiner noch einmal in echt studentischem Frohsinn vereinte.
Oberheffen.
Landkreis Gießen.
* Großen-Buseck, 19. 3uni. Am Sonntag hielt die Spar-und Leihkass« e. G. m. b. H. ihre ordentliche Generalversammlung ab, mit der auch die Feier des 50- jährigen Bestehens verbunden war. Den Vorsitz führte der Präsident des Aufsichtsrates, Rektor 3nderthal. Anwesend waren 140 Mitglieder, und als Gäste Direktor Hahnemann für di« Landesgenossenschaftsbank, sowie Oberrevisor Hartmann für den Hess, landw. Ge- nossenschoftsverband. Aus dem Geschäftsbericht für 1927 seien folgende Zahlen genannt: Mitgliederstand 213, Umsatz 4,4 Mill. Mk.. Einlagen rund 300 000 Mk., Reingewinn 5532 Mk., Dividende 10 Proz. Scheck- und Sparkartenverlehr, sowie Gchulsparkasse haben sich gut eingebürgert. Di« alten Sparer erhalten 15 Prozent Aufwertung. Während der Verhandlungen gaben die beiden Gäste und Rechner Roll Aufklärung über alle wichtigen, das Geldgeschäft betreffenden Tagesfragen. Die bisherige Entwicklung der Kass« wurde allgemein als sehr günstig bezeichn"!. Di« Jubiläumsfeier wurde durch einen ausführlichen Bericht des Direktors Heinrich G a n ß X. über den Werdegang der Spar- und Leihkass« eingeleitet. Dabei wurde auch des vor kurzem verstorbenen langjährigen Rechners An ton Schmidt gedacht. Herr Hartmann überbrachte die Glückwünsche des Revisionsverband«s und überreichte dem Direktor als Vertreter der Kasse, sowie dem Kontrolleur Balthasar Stephan IV., der fein Amt schon 28 Jahre versieht, kunstvolle Ehrenurkunden. Die ganze Tagung nahm einen sehr schönen Verlauf.
wn. Weickartshain, 19. 3unt Di« Gewerks chaft „Louise" hat ihren Bergwerksbetrieb wieder ausgenommen. Dadurch haben viel« Arbeitslose wieder Beschäftigung erhalten. Gegenwärtig hat man dainit begonnen,
MtinltötnMMlöMi.
Roman von Edgar Wallace.
Copyright by Wilhelm (Selbmann, Verlag, Leipzig. 35 Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„Ich glaube, es war um ein Uhr," erwiderte der Anwalt, „ich wollte gerade schlafen gehen; denn ich hatte wieder stundenlang über den Akten des Hauses Selford gegrübelt, da klingelte es plötzlich Sturm an meiner Haustür. Es dauerte immerhin ein« kleine Weile, bis ich hinunterkam. Niemand war zu sehen, aber ich fand den Brief im Kasten. Ich las ihn im Flur, und ich kann Ihnen sagen, ich war zu Tode erschrocken. Hat er den Verstand verloren?, dachte ich. Ist es eine Mystifikation? Da schrillt das Telephon. Ich laufe hin, nehme den Hörer ab ... Selford ist in der Leitung! Selford, den ich in Kairo Glaubte, spricht mit mir an einem Londoner Apparat! Er fragt mich kurz und hastig, ob ich seine Botschaft bekommen hätte. Ich bejahe. Ohne mich zu Wort kommen zu lassen, bringt er in mich, seinen Wünschen zu willfahren. Ich will ihn nach seinen Gründen fragen, iym meinen Beistand anbieten, er antwortete nicht mehr. Ich wenbe mich ans Amt. Man sagt mir lakonisch, der leih nehmer habe abgehängt ..."
Havelock schwieg erschöpft.
Wortlos reichte Dick Selfords Brief dem In. spektor.
„ Und dann", fuhr Havelock ruhiger fort, „kam ich auf die Idee, Mrs. Lansdown anzurufen. Sie war in Größter Aufregung. Ihre Tochter sei feit dem frühen Nachmittag verschwunden, sagte sie mir. Können Sie sich vorstcUen, meine Herren, wie mir da der Schreck in die Glieder fuhr? Ich setzte mich in mein_ Muto und jagt« her. Wie froh ich bin. daß ich Sie alle hier unversehrt untren«, läßt sich in Worten nicht ausdrücken!'
Er lehnte sich aufatmend zurück.
Dick erhob sich. ..Ich glaube, es ist das beste." sagte er mit einem Blick auf Sybil, die teilnahmslos in ihrer Ecke faß, „wir überlassen Miß Sans down zunächst dem heilenden Schlaf. Sie, Mr Havelock, treffen vielleicht mit dem Verivaller die nötigen Anordnungen, ich suche indessen das (Re fände nach Spuren ab. Die Sonne gebt gerade auf."
| die seither auf Ellener> ausgebeuteten Felder I ? ' großen Teil mit Abfall auszufüllcn. Der --.rieb soll noch etwas erweitert werden durch Erbauung einer etwa zwei Kilometer langen Drahtseilbahn nach der Ellenkaute. da an dieser Stelle durch Schürfung ein wertvolles Lager von Eisenerz seftgestelli worden ist. Auch die Gewerkschaft »L u s e - 3 l s d o r f" in dem Nachbardorf Stockhausen hat ihren Betrieb in beschränktem Umfang wieder ausgenommen.
D L i ch. 19. 3uni. Der Firma Gg. Schieferstein hierfelbst wurde ein D e u t s ch e s R e i ch s- patent für Dorderwagen mit Automobilsteuerung erteilt. Die Erfindung bezweckt. daß die notwendige Beweglichkeit dieser Vorderkarren bei dem Rückwärtsgang der Zugtiere selbsttätig ausgeschaltet wird und dadurch mit Vörderwagen und Mafchine gradlinig zurück- gefähren werden kann. Durch diese patentierte Vorrichtung können nunmehr auch Vorderwagen mit Autvmobilsteuerung in der Landwirtschaft nutzbringend angewendet werden, da bekanntlich bei Betriebsstörungen mit den Maschinen rückwärts gefahren werden muß.
F Obbornhofen. 19. 3uni Dieser Tage hielt die hiesige landwirtschaftliche Bezugs- und Absahgenofsenschaft in der Gastwirtschaft „Zur Schule" ihre diesjährige ordentlich« Generalversammlung ab. die nahezu alle Mitglieder vereinigt sah. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Bürgermeister Philippi, erstattete den Geschäftsbericht über das abgelaufene Vereinsjahr, aus dem folgendes hervorzuheben ist: Es wurden für 24 420,80 Mk. Düngemittel, Saatgut und Brennmaterial bezogen, dem ein Absatz in Höhe von über 27 000 Mark gegenübersteht, der sich in der Hauptsache aus dem Erlös vpn gelieferten Kartoffeln, Getreide und Aepfeln zusammensehl. Der Reingewinn in Höhe von 618,65 Mk. wurde teils Dem Reservefonds, teils dem Betriebskapital überwiesen, wodurch die Betriebsrücklage die beachtliche Höhe von 2100 Mk. erreicht hat. Man sah von einer Dividendenverteilung ab, um die Mitglieder durch Erhöhung des Refervestockes bei nicht pünktlicher Zahlung vor Zinsverluste zu schützen. Einstimmig wurde dem Rechner Richard Reih Entlastung erteilt und der Dank für die mustergültige Geschäftsführung ausgesprochen. Weiterhin wurde beschlossen, im lausenden Geschäftsjahr aus Mitteln der Genossenschaft eine Hederichsprihe anzuschaffen und diese zur Bekämpfung des immer mehr um sich greifenden Unkrauts unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. Als Vertreter des Vorstandes der landwirtschaftlichen Zentralgenossenschaft Darmstadt war Ge» nossenschaftLleiter B ö ch e r von Hungen anwesend.
Kreis Friedberg.
WEN. Butzbach, 18. Juni. 3m Wald« bei Oberkl««n wurde ein enges Gitter zum Fangen von Wildschweinen errichtet. Eine Bache mit acht 3ungen ging in di« Fall«. Die Schwarzkittelfamilie ist an den Zoologischen Garten in 111 m verkauft worden.
Kreis Büdingen.
△ Büdingen, 19. Juni. Die seit mehreren 3ahren vom Obst - undGartenbauverein des Kreises Büdingen bewirtschafteten beiden Versuchsgärten hier und in Bad- Salzhausen sollen demnächst aufgegeben werden, weil sich ihre Unterhaltung infolge der gesteigerten Löhne für Arbeitskräfte und der ungeeignet gewordenen Bodenverhältnisse nicht mehr lohnt. Die Räumung hat bereits begonnen und soll innerhalb zwei 3obren beendet fein. Das hiesige Gelände wird wahrscheinlich bei der Feldbereinigung anderweitig geeignete Verwendung finden, und man hofft, daß dafür ein Grundstück als Gegenwert dem Verein zugeteilt wird, das sich für Anbauversuche besser erweist. Der Dersuchs- garten in Bad-Ealzhausen ist bereits in diesem 3ahre über die Hälfte geräumt und die Fläche mit Sommergetreide ausgestellt worden. Der Rest der Zwergovstüäume. die vorzugsweise der Gewinnung von Edelreisern für die Vereinsmitglieder dienten, wird im Herbtst entfernt werden. Von einem Ersah für diesen Garten wird abgesehen werden können, wenn ein neuer Ver- suchsgarten hier angelegt ist.
t). Bad va Etz hausen, 19. 3uni. Mit Beginn des Sommerfahrplans ist auf der Strecke Friedberg — Nidda für die Reisenden, die
Alle richteten den Blick auf das Feilster und sahen zwischen den Baumkronen ein purpurnes
„Unb ich?" fragte Inspektor Sneeb unbefriebigt, obwohl es ihm auf seinem bequemen Sitz sehr gefiel. •
„Sie bitte ich zu bleiben unb alle Anwesenden unter ihre schützenden Fittiche zu nehmen", sagte Dick mit feinem Lächeln. „Sollte ich bis um sieben Uhr nicht zurück (ein, io schicken Sie bitte zur Post. Mrs. Lansdown muß so schnell wie möglich erfahren, wo ihre Tochter ist!"
Dick übergab Sybil der Berwoltersfrau, die jetzt diensteifrig herbeieilte und trat dann in den ©arten hinaus.
Zwitschernder Bogellaut empfing ihn. Irgendwo schmetterte ein Rotkehlchen sein frühes Lied.
Es dauerte kaum eine halbe Stunde, da hatte Dick das Erbbegräbnis der Selfords erreicht. Die Pforte war verschlossen. Er suchte im Grase und fand den Schlüssel nicht mehr. Staletti mußte ihn mit sich genommen haben. Er setz!« seinen Weg fort. Jetzt galt es, die Stelle zu finden, wo Tom Cawler seinen Gegner gestellt hatte. Ein Kamps auf grasbewachsenem Boden läßt selten Spuren zurück. Die bei Nacht niedergetretenen Gräser richten sich im Morgentau wieder auf. Trotzdem war er so glücklich, nach langem Suchen schließlich auf den Kampfplatz zu stoßen. Er spürte ein ausgerisse- nes Grasbündel hier, den Abdruck eines Gummiabsatzes dort auf, aber nirgends war der Boden aufgewühlt ober zertrampelt, noch fand sich der Beweis Dafür, daß jemand einen schweren Körper über das Gras geschleift hätte. Wenn Tom Cawler in dem Ringen den kürzeren gezogen hatte, unb Dick zweifelte keinen Augenblick Daran, so muhte der Sieger die Leiche auf ben Schullern fortgeschleppt haben. Es blieb nichts weiter übrig, als das gesamte Parkgelände durch eine Streifmann- schost absuchen zu lassen. Nachdenklich schlug Dick den Weg zum Herrenhaus« ein. Er hätte viel Darum gegeben, wenn er Tom Cawlers Schicksal gekannt hätte, und doch fürchtete er sich vor einer Entdeckung, die seine schlimmsten Vermutungen nur bestätigen konnte.
Als Dick das Wohnzimmer betrat, unterbrach er eine sehr lebhafte Unterhaltung.
..Ich habe Mr. Havelock von dem merkwürdigen Besucher erzählt, den Miß Lansdown heute nacht
den abends 20.41 in Friedberg abgehenden Zug in der Richtung Nidda benutzen, in Beienheim ein Mmfteigen angeordnet, das als besonders lästig und unangenehm empfunden wird. Für Reisende mit Gepäck ist das Aussteigen deshalb schwierig, weil der Bahnsteig für die Länge des Zuges nicht ausreicht und viele Reitenden von den hohen Trittbrettern direkt auf den Bahnkörper springen müssen. Für ältere P-rionen und ganz besonders für leidende Menschen ist daher das Umsteigen eine wahre Qual, die recht beschwerlich von den Kurgästen unseres Badeortes empfunden wird, die den genannten Zug benutzen müssen. Wan hofft, daß die Dade- direktion hier, sowie der Kur- und Verkehrs- verein Nidda-Bad Salzhausen geeignete Schritte unternehmen, damit wieder die ununterbrochene Durchführung des betreffenden Zuges erfolgt, wie es im Winterhalbjahr der Fall war. Di« Aenderung ist auch leicht ausführbar. Der von Echzell kommende Leerzug braucht nur bis Friedberg weiter^ufähren, statt in Beienheim liegen zu bleiben. Die 6 Kilometer Weiterfahrt ist sicher nicht mit so bedeutenden Unkosten verbunden, daß sie die Dahnverwal- tung nicht tragen könnte.
s^Z Berstadt. 19. 3uni. Was dem Fremden in unserer Gemarkung und in der Umgegend sehr ausfälll, ist das Fehlen von Singvögeln. Die Ursache liegt jedenfalls in der Vernichtung der Hecken und Sträucher durch di« Feldbe- reinigung. Die Maßregeln zur Beschaffung von Nistgelegenheit für die Vögel sind ganz unzureichend. Tatkräftige Hilfe ist hier bringeno angezeigt.
Unter-Schmitten. 19. 3uni. Um die Schweinezucht wieder mehr zu beleben, macht sich jetzt in der Landwirtschaft das Bestreben bemerkbar, die Lücken in den Schweineställen aufzufüllen und junge Tiere für die Mast einzulegen. 3nfolgedessen ist die Nachfrage nach Ferkeln größer geworden, so daß die Preise gleichfalls in die Höhe gingen und jedenfalls noch weiter ansteigen werden. Für 6—8 Wochen alte Ferkel liegen heute die Preise um 30 Mark, was einer 100 prozentigen Preissteigerung entspricht.
I Hirzenhain, 19. Juni. Di« hiesige Talsperre des Ueberlandwerkes Oberheffen ist abgelafsen worden. 3m Laufe der wenigen 3ahre ihres bisherigen Bestehens war sie durch die Schlamm- und Geröllmassen, die von Nidder und Gederner Mühlbach mitgebracht und hier, im ruhigen Wasser, abgelagert wurden, fast völlig ausgefüllt worden. Nun werden di« riesigen Erdmassen mittels Feldbahn abgefahren und das Staubecken wieder auf seine ursprüngliche Tiefe gebracht. Die Arbeiten sollen innerhalb dreier Wochen zu Ende geführt sein. 3n der Zwischenzeit muß die gesamte Stromlieferung von Wölfersheim aus durchgeführt werden, soweit nicht das Werk Lißberg aus dem Staubecken im Hillersbachtal kurz- zeitig gespeist werden farm.
Kreis Schotten.
ld. Schotten, 19. 3unl Das regnerische Wetter der letzten Tage hat dem Vogels- berge gutes .Setzwetter" gebracht. Zahlreiche Fuhrwerke streben den Döbern unterhalb Schottens zu, um dort Dickwurzpflanzen, das Hundert zu 30 Pf., zu holen. Viele Leute richten sich dort beim Legen des Dickwurzsamens auf den Absatz von Setzlingen in den Vogelsberg ein, denn in höheren Lagen gelingt nur selten das Heranziehen junger Pflänzchen. Bei der starken Nachfrage bedeutet der Verkauf der Dick- wurzpflanzen In einer Zeit, in bet der Bauer keinerlei landwirtschaftliche Erzeugnisse abzusetzen hat, eine willkommene Stärkung der erschöpften Kassen.
F; Laubach, 19. Juni.' Wie wir bereits meldeten, b erlegt die Firma Philipp Röm Held (Eisengießerei) von der Frie- drichshütte bei Ruppertsburg ihren Geschäftsbetrieb nach Laubach. Diese VÄegung ist veranlaßt durch die schwierigen Transport- Verhältnisse der FriedrichShütte. Die Firma hat bereits die Fundamente der neuen Fabrik, einen Hallenbau von 56 Meter Länge und 18 Meter Breite, 200 Schritte westlich vom Bahnhof Laubach, errichtet. 3n diesen Tagen hat man mit dem Aufschlagen des Balkenwerkes begonnen, und man hofft bis Mitte dieser Woche damit ferttg zu werden. Die Halle zerfällt in drei Telle, in
hier im Hause beobachtet hat", klärte Sneeb 'den Freund über den Gegenstand ihres Gespräches auf. „Mr. Havelock befürchtet, er könne sich noch irgend, wo im Hause versteckt hatten. Was meinen Sie, Martin?"
Dick hielt jedoch mit seiner Meinung zurück. Er stellte lieber eine Gegenfrage.
„Wo ist denn das Iesuitenzirnmer?" wollte er von dem Anwalt wissen.
Aber Havelock verwies es sogleich in bas Reich der Fabel. Ein Architekt, der Reparaturen am Hause geleitet hatte, wurde einmal danach befragt, unb zeigte klipp unb klar an Hand des Grundrisses, daß über jeden Winkel des Hauses Aufschluß gegeben sei, außerdem besäßen die Mauern für Hohlräume und Geheimgänge nicht die genügende Dicke.
„Nein," schloß Havelock, „Selford Manor ist ein ganz nüchterner alltäglicher Bau und besitzt nichts Mittelalterliches außer feiner üblen Beleuchtung."
„Was werden wir jetzt unternehmen?" fragte der Inspektor Dick Martin.
„Ich werde Sie jetzt verlassen müßen", erklärte Dick. ,Hch begleite Miß Lansdown nach London!"
„Nach London?" fragte Havelock und legte die Hand ans Ohr, als habe er nicht recht gehört. „3a, haben Sie denn Lord Selfords Brief vergeßen?"
„Lord Selfords Brief ...? Nehmen Sie den so ernst?"
„Sehr ernst sogar," entgegnete Havelock mit schwerer Betonung, „und ich möchte Sie dringend bitten, es sich wohl zu überlegen, ob man Lord Selfords Warnung so einfach in den Wind schlagen darf. Ich felber--er strich sich langsam
über bas graue Haar — — „mache mir genug Dorwürfe daß ich Lord Selfords lleberspannthei- ten jahrelang auf die leichte Achsel genommen habe. Wenn ich seine dauernde Anwesenheit im Licht der jetzigen Ereignisse überblicke, kommt cs mir so vor. als läge darin der Schlüssel zu einem sehr dunklen Geheimnis."
Dick nickte langsam. Mit keinem Zucken der Wimpern verriet er, daß ihm das Geheimnis dieser Ab- Wesenheit bekannt war.
„34 verstehe ja, daß Sie aus die Meinung eines Laien nicht fo großen Wert legen," fuhr Havelock fort, . aber vielleicht hören Sie eher auf das Urteil
die Schlosserei, die Gießerei unb btt Formers An der Nordfeite der Halle ist schon die Rampe gebaut, wo die Weiche für das Anschllchgeieise an die Strecke Hungen--Mücke angebracht werden wird. — Das Winter getrcide hat einen guten Stand, auch die Sommerfruch! hat sich gut entwickelt. Der Klee ist teilweif« tehr aut geraten- in einzelnen Tellen der Gemarkung hat er jedoch durch M ä u s e f r a h sehr gelitten. An ben ausgegangenen Stellen hat sich dichtes Gras gebildet, das einen schlechten Eriatz bietet Mit der Heuernte hat man jetzt begonnen; jedoch wird die Ernte den vorjährigen Ertrag nicht erreichen. Besonders fehlen die feineren Grundgräser. Auch mit dem Setzen der Dick» wurzeln hat man jetzt angefangen- der am End« letzter Woche eingetroffene Regen war sehr nützlich. Die Kartoffeln zeigen nn Durchschnitt einen guten Stand, ebenso im allgemeinen die Gartenfrüchte. 3edoch wird ixrf Ein rieten wärmerer Witterung sehnlich erwartet Die Aussichten der Obsternte sind recht gering. Es wird nur wenig Aepfel geben: b?(oiü-ert die feineren Tafelsorten haben einen mäßigen Fruchtansatz. Auch die Zwetschencmte verspricht nicht viel. Die Nußbäume sind-jast alle erfroren. Nur die Dirnen scheinen bessere Aussichten zu haben.
i' Gedern, 18. 3uni. Am Samstag fand hier eine Bezirkslehrerkonferenz statt, btc sich speziell mit der Durchführung und Organisation der Reichsjugendwettkämpie befaßte. Diese werden an einem Werktage in der zweiten Hälfte des August für sämtliche Gemeinden des Bezirks in Gedern abtfcbalten werden. Der Turnverein hat in dankenswerter Welle feinen neuen Sportplatz auf der Breiten Wiele zu diesem Zwecke zur Verfügung gestellt. Es werden sich im ganzen etwa 130 Schüler, die m verschiedene Gruppen eingeteilt werden, an beai Bier- bzw. Dreikampfe beteiligen. An Stelle von zwei Geräteübungen wird eine achtzeittge Freiübung treten. — Mit einiger Spannung sah man der diesjährigen Generalversammlung des Turnvereins entgegen, die am Sam-tag im Durgwirtshaus stclltfand. Der Vorsitzend«, Eifenbahnberiiebsasiif.ent Ehristian Stöhr. leitete die Versammlung. Den Turnbericht erstattete Karl Carl. 59 Turnstunden für aktive Turner wurden abgehalten, die im Durchschnitt von 11 Turnern besucht wurden, ferner 67 für Schüler mit einem Durchschnittsbcsuch von 25, und 4? Stunden für Damen mit einer durchschnittlichen Beteiligung von 9 Turnerinnen. Die Leistungen der rührigen Turnerkapelle unter der Führuna ihres uneigennützigen Dirigenten Reinhard Diehl verdienen besonders hervorgehoben zu werden. Beim Wintergeräteturnen in Nidda konnten sämtliche Teilnehmer auS dem Verein einen Preis erringen, darunter einen 1. und einen 3. Preis. Der Rechnungsabschluß ergab eine Einnahme von 1995.42 Mk. und eine Ausgabe fror. 1913,02 Mk. Für die musterhafte Kassenlührmg wurde dem Rechner. Rendant Bauer, unter Aberkennung seiner schwierigen Arbeit ©ntlaftuna erteilt. Bei Beginn des verflossenen Jahres zählte der Verein 265 Mitglieder. GS waren 26 Zu- und 17 Abgänge zu verzeichnen, fo daß der Verein mit der stattlichen Zahl von 274 das neue 3ahr beginnen konnte. Während der nun folgenden Neuwahl deS gesamten Vorstandes leitete der Ehrenvorsitzende, Lokomotivführer Schmidt, die Versammlung. Der seitherig? erste Vorsitzende Ehrist. S töhr wurde wtedergowählt, nachdem der auS der Versammlung vorgefchlagene Lehrer Häusel erklärt hatte, eine Wahl nickt annehmen zu können. Zweiter Vorsitzender wurde Lehrer Saun, Schriftführer Apotche.'cr Beesen- meyer und Lehrer Häusel, Rechner Rendant Bauer (einstimmig). Beisitzer: Wilh. Ober- Heim. Schuhmann Ziegler und Rich. Reichert. Das Amt eines Turnwarte5 übernahm.’n Äarl Earl und Wilhelm Keil (aktiv«. Herrn. Stöhr und Heinr. O b e r h e i m (Damenriege). Wilh. Meyer und Wilh. Müller (Schüler. Zeugwart wurde Karl Limpert. Der seitherige 3nhaber dieses verantwortungsvollen QlmH. Heinrich Weber, wurde einstimmig zum Ehrrn- zeugwart ernannt Nach Beendigung der Wahl stellte Lehrer Häusel den Antrag auf Heber- lassung des neuen Sportplatzes auf der Breiten Wiese zwecks Abhaltung der Reichs,ugcndwett- kämpfe, der genehmigt wurde. Der Turnverein kam weiter in anerkennenswerter Weise der Schule insofern entgegen. alS er beschloß, daß diese ihre Turn- und Spiel stunden während des
eines Fachmannes. 3nfpeftor Sneeb hat mir eben gesagt, daß er für seinen Teil Lord Seiforts Gastfreundschaft annimmt"
„Ja," gab Sneeb unumwunden zu, „ich leugne nicht, daß ich sehr gern hier bleibe, zumal mtme Pflicht mich in dieser Gegend festhält.
Dick verstand ihn sofort. Es lag ihm daran, in der Nähe des Tatortes zu weilen. Nach war Eodtz» Ermordung nicht aufgeklärt, unb Selford Manor war der gegebene Mittelpunkt für alle Nachfori schungen. Auch Stalettis Haus war von hier aus leicht zu erreichen.
„Gut," willigte er ein, „ich sehe, ich bin überstimmt. — Wenn Miß Lansdown einverstanden ist können wir bleiben Selbstverständlich müßte öie Einladung bann auch auf ihre Mutter ausgedehnt werden."
„Was das anbetrifft," sagte Havelock rasch, „st brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen. Ich falber hole Mrs. Lansdown in meinem Auto ab. Ich habe noch verschiedenes in der Stabt zu besorgen was ich bei meiner eiligen Abfahrt vergaß, ö* werden hier nichts entbehren, meine Herren, Selford Manor bietet Ihnen jede Bequemlichkeit, unb im Dorf finben wir jederzeit Dienstboten. Nur--" er zögerte und wandte sich an Sneeb
— „ich wurde an Ihrer Stelle für ein Polizeiaufgebot sorgen. Ich fürchte —, diese Nacht bringt die Krise.
27.
Raum hatte Sneeb sein Frühstück eingenommen, da ertönte draußen ein Hupensignal. Der Polizei- chef von Sussex erschien In höchsteigener Peri-m mit einem Haftbefehl für Doktor Staletti. Sie fuhren bann zusammen zum „Galgenhof", fanden aber bas Nest leer. Der Vogel war aucaeflogen. Ein Tagelöhner, der in ber Nachbarschaft eine Rate »fr wohnte, führte die Aufsicht über das verlaße« Hous. Er war bei Staletti zuweilen als Gärtner beschäftigt worden, hatte aber nie etwas Auffällige? bemerkt. Staletti hatte ihn an diesem Morgen schon vor Sonnenaufgang geweckt, ihm die Schlüssel seines Houses übergeben unb ihn gebeten, Haus und ©arten bis zu seiner Rückkehr xu bewachen.
Die Durchsuchung ber Räume lieferte kein neues Beweismaterial. Stalettis Bett war unberührt. Et hatte sicher in dieser Nacht nicht darin geschlafen.
(Fortsetzung folgt.)
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