Ausgabe 
20.6.1928
 
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Nr. 143 Zweites Blatt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für ^derhessen)

Stabilisierung in Frankreich.

3n ben nächsten Ingen erwartet Frankreich eine entscheidende Maßnahme feiner Regierung die von allen verständigen Wirtschaftlern feit mindesten- Jahresfrist gefordert wird, die aber auch ,etzt noch auf heftigen Widerstand der Rechtskreise. befonberi des Pension SminifterS i Söuls Marin gestoben ist- die ©tabilifie-

t u n g des Fran«.

Soweit man aus den bisher vorliegenden fron- chsifchen Meldungen entnehmen kann, wird es sich .tm einen Kurs handeln, der dem gegenwärtigen ungefähr enttpricht. also >/5 des früheren Doldwertes beträgt. Doch wird man fich dabei nicht nach dem Pfund Sterling ndrfen. wobei eine kleine Herabsetzung des derzeitigen 1 Valutakurse» um etwa Francs 1,50 je cnq- lifches Pfund notwendig wäre, sondern nach dem amerikanischen Dollar D.i lv: qc- langt man mit einer geringfügigen Senkung des bisher erreichten und gehaltenen Franc- ; Kurses, der Francs 25.43 für den Dollar beträgt, last genqu auf 1, des VorkrregSkur'eS Es ist cnzunehmen. daß man fich nach her Durchführung der Transaktion für einen Gol dkern- Standarb. also nicht für die Goldwährung selbst entscheiden wird. D. h. es wird kein Gold- tmlauf im Lande selbst ftaMinden, fo wenig wie das auch in Deutschland und andern Län­dern mit stabilisierter Währung bisher der Fall rft. aber es wird für AuSlandzahlungen bei ^ebarf Darrcn-Gold verwendet Offen tft noch die Frage, ob nach dem Vorkri «sm uster nur Gold oder auch Devisen (wie z.B nach dem neuen Reichsbank-Gtatuti zur Deckung der aus- |ugebenben neuen Währung, der man vermut- . ch aus politischen Gründen die Bczecchnung «Franc", vielleicht mit einem Zusatz belassen wird, zugelassen werden. Die Dank von Frank- . ttich hat durch Goldankäufe in der letzten Zeit Dorsorge sür solche Deckungen getroffen und Der- igt über den Gegenwert von etwa 27,5 Mil- tarben Papiersranken bei einem gesamten Um- I lauf von etwa 60 Milliarden, einschließlich der Giro-Guthaben etwa ZO Milliarden Pa.

rancs GS darf also angenommen werden, daß > c Transaklion nach dem Muster der verschie- ? denen Dorangegangenen Stabilisierungen, so der ».Iflildxn. der italienischen ufw verbältnis- nätzig rasch und glatt durchgeführt wird.

Bisher stand ihr die Oppositon der fran- I tksischen Rentnerschaft, einer der stärksten Be- »olkerungsgruppen am Weg.- Denn diese Leute, die meist mit einem für ausländische Begriffe letnn lehr kleinen Vermögen, beginnend etwa mit 000 Francs Borkriegstvährung sich auS dem Berufsleben zurückgezogen hatten und vor dem triege mit ungefähr 2000 Francs Zinsen beschei­den und genügtem leben konnten, find durch den Falutasturz vollkommen verarmt und haben I sich bei der Steigerung dieses Kurses um mehr als die Hälfte gegenüber dem niedrigsten Stand \ in der Hoffnung gewiegt, den Franc wieder n u f seinen alten GoldkurS steigen zu leben. Poincars hat bisher den Mut nicht ge­habt, ihnen, wie da« z. B der belgische Sinan*- nitnifter Franqui schon bei einem Franckurse ron 175 für da« Pfund seiner Oeffentlichkeit gegenüber gewagt hatte, durch eine gesetzliche Stabilisierung diese Hoffnung abzuschnei- i den, obwohl sie. 'elbft wenn die Möglichkeit einer Erfüllung bestanden hätte, von geradezu iinnöfen Folgen für die gesamte französische Wirtschaft gewesen wäre. Run wird es sich darum handeln */> an dem Rominalbesitz des 'ranzösischen Rentnerpublikum« abzuschreiben und "eil tatsächlichen Verlusten des Kriege« und der achfolgenden Finanzwirlschast ins Auge au leben, die ursprünglich auf der hohlen Grund- iqc des Schlagwortes .Le Boche payera tour if gebaut war Aufwertungssragen und Prozesse rxrben unausbleiblich fein; aber schon im 3n- eresse der weltwirtschaftlichen Verknüpfung Frankreichs und auch in unserem Interesse, da Ht französische Scheinraluta sich bei internatio- rclen Geschästen noch immer nachteilig auS- nv.rftc, wird man den französischen Entschluß begrüben können.

(Siebener Giadttheaier.

Gastspiel rilla Duricnr: Der Brief" von Maugham.

Die Dereidiaungsjchrist der Tilla Durieur, h« mir am Montag an dieser Stelle veröffentlicht laden, ist mit Bedacht entworfen, gewissermaßen pro domo gesprochen und beinahe dazu geeignet, rem Referenten den kritischen Federhalter aus der i end zu schlagen. Beinah.

Ls war eine geschickt stilisierte, vom Schau- ipieler-otanbpunft au» nicht schlecht begründete .'.ksage an die .Literatur" und eine begeisterte ^yrnne auf die Rolle an fich. lind also ist denn rer im wesentlichen von einer Rolle zu berichten. Ton der Bombenrolle, welche sich die Durieux zu tret Gastspielreise mit eigenem Ensemble ausge- uchl hat.

Ls ist. in Klammern sozusagen, hinzuzufügen, X15 diese Rolle im neuesten Bühnenstück des Eng- orders D. Somerset Maugham enthalten ist: in) bah dieses Schauspiel ein ausgemachter und |ii3 gewaltiger Kulisfenreiher ist. Hintertreppe in Ini Akten.

Maugham ist übrigens hierzulande nicht mehr inbefannt: er hat sich bereits auf der deutschen Stbne vorgestellt und sich mit ähnlich maffinen knallefsekten einen von der ernsthaften Kritik cbenso «fürchteten, wie von fenfationsmütigert Der» Gntr Theaterdirektoren geschätzten Namen gemacht.

Cs knallt schon, ehe der Vorhang hochaeht. Lady Leslie Crosbie hat (auf einer malayifchen Süntage unweit oingapore) einen befreundeten 9aft, der nachts, in Abwesenheit ihres Gatten, ins naus kam, mit einem Revolver niedergeschofien nie einen tollen Hund.

Ihrem Mann und ihrem Rechtsanwalt, einem $uien Freunde des Hauses, erzählt sie nachher, mit ausführlichen Einzelheiten, der Erschossene kbe ihr, vielleicht betrunken, Gewalt antun wollen. (Vorhang).

Tas klingt soweit ganz plausibel. Zumal sich der tirbringling, wie sich später herausstellt, teines

Politik im Klubsessel.

OieStammtische" der deutschen Parteiführer. Oie Konkurrenz der Frakiionozimmcr.

Wit der 8r Öffnung des neu gewählten Re chs- :.ges -ft das politische Leben der deutschen Re.chebcküptstadt wieder in F gekommen, lange Parte.iitzungen linden statt und immer neue sensationelle Gerüchte durchschwirren die Wandel­halle des Reichstag-. Die'es Schauspiel wieder­holt sich bei jeder T.egierungÄncubilbung; aber in den letzten Jahren ist doch eine wichtige Ver­änderung fest-ust l.'en während früher nämlich nur in den Zraktionszimmern hohe Po­litik gemacht wurde, werden neuerdings viele wichtige Beschlüsse in den politischen Klubs der AeichShauptstadt gefaßt. Zwar be­findet sich daS politilche Klubleben DeuttchlandS noch in den Kinderschuhen, wenn man eS mit dem englischen vergleicht Doch hat sich gerade in den letzten Jahren die Bedeutung der we­nigen politischen Klubs überraschend gehoben, und Probleme, die in offiziellen Parteilitzungen fast uniöSbar erschienen, werden zuweilen in Der leichteren Atmosphäre eines solchen Klubs ohne besondere Wühe geklärt.

Gin Sammelpunkt der Rechtspolitiker ist der Rationale Klub", der für die ihm an- gehörenden Abgeordnelen wirklich ideal liegt, da er sich in nächster Rähe deS Reichstags be­findet. Aber nicht nur die Politiker von den Völkischen bis zur Deutschen VollSpartei ge­hören dem Rattonalen Klub an. sondern auch hohe Offiziere im Ruhestand und bekannte Wirt- lchaftSführer zählen zu seinen Mitgliedern. An polittsch wichttgen Togen sieht man in den Klub- räumen Herrn Hugenberg im Gespräch mit dem bekannten Montanindustriellen Thyssen, und für kurze Zeit erscheint der stets geschäftige frühere FraktionSches der Deutschnationalen. Graf Westarp, in Begleitung des Reichs­ministers Schiele. Roch vor kurzer Zeit war der volkSparteiliche Abgeördnete Aom.ral B r ü- ninghaus ein häufiger Gast, und auch der Großindustrielle K i r d o r f f versäumt nie, den Klub zu besuchen, wenn er sich in Berlin auf­hält. Während seine- neunjährigen Bestehens hat der Rationale Klub ständig neue Mitglieder gewonnen, so daß er heute 1400 Angehörige der Rechtsparteien vereinigt. Während sich diese Vereinigung mit einem Stockwerk begnügt, da- er einem großen Industrieverband abgemietet hat, bewohnt der ..Reichsklub der Deutschen V o l k S p a r t c i" ein ganzes Gebäude in einer der stillen und vornehmen Straßen des Tier­gartenviertels. Die äußere Schlichtheit dieses Palais verrät nichts von den schönen, geschmack­voll aus gestatteten Räumen in feinem Innern. Die ruhige Eleganz der Klubräume bildet den passenden Rahmen für das glänzende gesell­schaftliche Bild, das eine festliche Veranstaltung des Klubs bieteL Der Präsident des Reichsklubs ist feit der im Dezember 1919 erfolgten Grün­dung der ReichSauhenminister Dr. Dtrese» mann, der trotz ArbÄtsüberlastung bei feiner großen Veranstaltung vermißt wurde, so lange es sein Gesundheitszustand zuließ. Die repräsen- batibc Gestalt des ehrwürdigen Professors Dr. Kahl, der Ehrenmitglied des ReichSllubs ist. fehlt an keinem großen Tag. und auch die beiden anderen Ehrenmitglieder, Geheimrat R i e h e r vom Hansabund und Exzellenz Fritsch, sind stets bei besonderen Anlässen anwesend. Parla­mentarische Abende, wissenschaftliche und po­litische Vorträge sowie gesellschaftliche Veranstal­tungen vereinen die Angehörigen des Klubs, der nur eingeschriebene Parteimitglieder der Deutschen Dollspartei aufnimmt. Sämtliche Reichstags- und Landtagsabgeordneten der Deut­schen Dollspartei gehören dem Klub an. und die Vertreter des rechten und linfen ParteiflügelS, die bisweilen recht verschiedener Ansicht sind, haben dort Gelegenheit zu ungestörter Aus­sprache. Auch können die Politiker mit bekannten WirttchastSführern Fühlung nehmen, denn nicht selten erscheint der Direktor der Deutschen Dank. Dr. v. S t a u ß , in Begleitung des Geheimen

guten Rufes erfreut. Aber jetzt kommt es: der Revolver, mit sechs Schuß geloben, ist hernach ganz leer. 8 i n Schuß hätte immerhin genügt. Dem Rechtsanwalt tauchen Bedenken auf, wegen der Motivierung der tat An sich wäre mit einer klaren Freisprechung zu rechnen gewesen. Rotwehr!

Es war aber keine Notwehr. Sondern Mord. Aus Rache, aus wilder Wut, aus Eifersucht und tödlich beleidigtem weiblichen Gefühl. (Ein vor der Verhandlung von der Gegenseite präsentierter Brief deutet an. daß der Ermordete durch Jahre hindurch Leslies (Beliebter war. Der dann feine Neigung einer Chinesin zuwandte.

Der Rechtsanwalt kaust das schwer belastende Schriftstück für die runde Summe von zehntausend Dollars. Um Leslie zu retten und ihren ahnungs­losen Mann zu schonen.

Aber dritter Akt bezahlen muß dieses Sündengeld ja schließlich (auch noch!, LeSlies Mann. 11 nb da kommt die ganze Geschichte, nachdem Leslie glücklich freigefprvchen ist. heraus. Leslie kann es selbst nicht mehr bei fich behalten, das scheußliche Gehermnis: sie stöhnt es heraus. Dem Mann fünfzehn Jahre find sie verheiratet! bricht alles zusammen. Und dennoch will er verzeihen, will er Leslie be­halten. weil er nicht ohne sie leben könne. Aber Leslie geht. Mit einem zweiten, schreck­licheren Geständnis: daß sie ihren Mann, der (:c au! Händen trägt, nie geliebt habe, daß sie. noch immer, ben anderen liebt, den sie mit sechs Schüssen getötet hat. Crosbie sitzt gebrochen im Sessel und ahnt: sie wirb nicht zurückkehren.

So endet dieses Stück.

Es ist nicht notig, über die IichaltS- angabc hinaus davon zu sprechen. Es ist finnloS. die psychologischen unb sonstigen Unmöglichkeiten darzutun. mit denen es gespickt ist. (Es wäre zu fragen: wie ist eine solche Ehe denkbar, wie kam sie zustande? Gibt es solche Tlänner, so rührend und so ahnungslos? Darum erkundigt er sich kaum danach, was der Dries enthält, von dem alles abhängt? Es wäre mxh manches zu fragen, was nur Maugham beantworten könnte. Und der wirb sich hüten). Aber es

Kommerzienrats Lteinthal: dort trifft man den 'on't unsichtbaren DefchältSinhaber der Di»- kontogr'elllchast. Dr. Salomrnsohn. mit feinem Kollegen ßd) lieber, aber auch Herr (Luttmann, D rektor der Dresdner Bank und Gastgeber emflußre.cher engllfcher Diplomaten, die in letzter Zeit angeblich nur zum Dolf- spiel nach Berlin gekommen sind, fehlt nicht Wenn nun gar noch der bekannte Dani er Frei­herr von Dethmann aus Frankfurt er- scheint, ist ein großer Teil der deuttchen Vank- gewalttgen im Reichsklub versammelt. Selbst- verftändsich fehlt an großen Tagen feiner der markanten jwliti'chen Köpfe, und sogar der viel- befchä'tigte Unterhändler der Par'ei. Dr. Scholz, erübrigt stets einige Minutenar den Klub. Aus dem Rheinland kommt Dr. Jarres, neben ihm taucht der frühere Reichskanzler Dr. L u t b e r auf. der cbenfo wie der Generaldirektor Dr. D ö g (e r und der Stahlindustrielle Dr. P o e n s- gen bei wichttgen Anlässen Berlin aufsucht. Als Repräfentant der Presse erscheint Kommerzien­rat Dr. Reven du Mont, und den ReichS- verband der Deutschen Industrie vertritt Dr. Sorge. Selbstverständlich sieht man auch viele hohe Offiziere, ebenso gehören älniversitätS- profesioren unb hohe Staatsbeamte dem Klub an. Fast alle gesellschaftlichen Schichten find in dem ReichSklub vertreten, neben dem Grafen zu Stolberg-Wernigerode sieht man die schlicht gekleidete Politikerin Elara Wende.

Wesentlich anders ist die Zusammensetzung im .Demokratischen Klub", der ebenfalls im Jahre 1919 gegründet wurde. Ursprünglich zählte er nur 30 bis 40 Mitglieder aus den Kreisen der Polittk und der Wissenschaft. Die'e kleine Ver­einigung mietete von Zeit zu Zeit einen Saal in einem großen Berliner Hotel, um Aussprache­abende abzuhalten. Erst später wurde der Verein zu dem eigentlichen Demokrattschen Klub erweitert, der heute ungefähr 1500 Mitglieder zählt. Im Gegenfah zum Reichsllub der Deuttchen VolkS- partei ist der ^Demokratische Klub unabhängig von einer Partei: er nimmt Mitglieder auf. die auf dem Boden der demokrattschen Weltanschauung stehen: Voraussetzung für die Ausnahme ist jedoch, daß der Kandidat keiner anderen politischen Partei als eingeschriebenes Mitglied anqebort. Außerdem entscheidet selbstverständlich wie bei allen anderen KlubS die Ballotage. 'Alle demokratischen Reichs­tags- und Landtagsabgeordneten gehören dem Klub an. und besonders eifrig widmet sich ihm der ehem. badische Staatspräsident Hummel, obgleich seine polittschen und industriellen Ver­pflichtungen ihm toenig Zeit dazu lassen. Vor­sitzender des Demokratischen Klubs ist der ehe­malige deutsche Bottchafter Gras Bernstorf si Häufig sieht man in den herrlichen Älubräumen Sm Abgeordneten Wendorff, den früheren ReichSsincrnzminister Reinhold, die Bank­direktoren Wassermann imb Kleemann sowie Dr. von Siemens. Auch die Vertreter der großen demokrattschen Presse fehlen nicht, denn oft erscheint einer der Brüder Ullstein, zuweilen Marttn Karbe vom Mosseverlag, wäb- renZ> Georg Bernhard manchmal polittscha Vorträge halt. Auch der jetzige Regierungspräsi­dent von Kassel, Dr. FriedenSburg, ver­säumt nie, den Klub aufzusucheir, ttxrrm er gerade in Berlin weilt. Wie alle politischen Klubs nimmt auch der Demokratische Klub keine Damen als Mitglieder auf: nur zu Vortragsabenden wer­den sie eingeladen.

Während die angeführten KlubS nicht selten mit größeren Veranstaltungen an die Oeffentlich­keit treten, verhält sich die im Jahre 1926 ge­gründete »Liberale Vereinigung" zurück- hattender. Gerade in den letzten Wochen hat sich aber die Aufmerksamkeit aller Polittfer auf diese Vereinigung gerichtet: denn als der Vorsitzende der Deuttchen Dolkspartei und der Ches der Demokrattschen Partei zu Ehrenvorsitzenden der Liberalen Vereinigung ernannt tourben, sagten

ist von der Rolle zu sprechen. Hab von der Durieur.

Die Durieur ist eine große Schauspielerin. Die nicht mehr jung tft Die sich nicht auf ihre Stimme verlassen rann, wie viele andere. Die nicht den leisesten Gefühls ton herausbringt.

WaS sie kann, kommt nicht vom Herzen und nicht auS dem Blut. Sondern vom Gehirn und von den Verven her. Sie ist der reinste Typus der vvllkv77nnen intellektuell eingestellten Schau­spielerin. Der gegebene Star eines längst über­holten naturallstilchen Stils. Die geborene Lulu. Die beste Franziska auf allen deuttchen Bühnen Prädcfttniert für die problemattschen Frauen­gestalten Ibsens und Strirrdbergs.

Sie wird auch gewußt haben warum sie sich diese Ausgeburt Maughams für ihre Tournee gewählt hat. Eie braucht eine Parade rolle. Hier tft sie. Unft es ist bewundernswert, was sie da­raus macht. Zwei Akte lang. Im dritten versagt die Rolle. Versagt endgültig der ganze Reißer. Versagt die Durieur.

Im ersten Aki die Erzählung des .Tat­bestandes". Man kann diese Leistung eigentlich erst nach dem dritten Akt vollkommen, mit allen Einzelheiten würdigen Die Geläufigkeit, die Le­bendigkeit. die von haarscharf berechneten Kunst­pausen unterbrochene Rafsinesse, In einer hysterisch gesteigerten Energie die Tat umzulügen und keinen schmälsten Ausweg zu verfehlen: daS war eine schauspielerische Vorstellung von außer­gewöhnlichem Reiz. DaS war so getonnt, daß man den miserablen Anlaß dieses cheatralischen Aufwandes einfach vergaß.

Der zweite Akt bringt fast noch eine Steige­rung. In der großen LtoSeinattdersetzung mit dem Rechtsanwalt, wo sie weiterlügt und weiter­leugnet. biS angesichts deS vernichtenden Briefes jedes fernere Wort fadenscheinig wird. Wie sich da die Maske oeränbert. wie sie einen Augenblick die Rerven verliert und einfach in Ohmnacht fällt: daS war grvßarttg und ist nicht zu beschreiben

Mittwoch, 20. Juni 1928

sich die Eingeweihten, daß sich die beiden Par­teien vielleicht tu einer Interessengemeinschaft zusammen'mden könnten. Wit Spannung tobt die politische Welt dem .Liberalen Tag" ent­gegen. der am 1. Juli im Reichstagsgeduude stattfinden wird. Aus Angehörigen der Links­parteien fetzt sich der .W t s s e n s ch a f t 1 i ch <r Klub der Deutschen Liga für Rien- schen rechte" zu'ammen. der allwöchentlich für

Diskullionsabende vernnsicllre . Au die en Aben­den lieb: man häufig den grci en Eduard Bern­stein. OMar Eohn und auu den Rechtsanwalt Dr. Werthauer. - Der vom Staat^msin'.er a. D. Erzellenz von Coebcll im Jahre 1919 gegründete .Reichsbürgerral ist in letzter Jett mehr in dm Hintergrund getreten, und auch der .Volksdeutsche Klub' der ungefähr 140 Mitglieder zählt und sich ha pttächlich mit der Lage der Grenz- und Auelanddeuischen befaßt, tritt nur feiten an die Oelfentlichkeit. Ueber- partetlichen Charakter weift die .D e u t s ch e G e -

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raume in der Rähe der Linden liegen. Man muß aber schon ein Prominenter in der Politik. Kunst oder Wisienschaft fein, um in diese erklusive Ge­sellschaft aufgenommen zu werden.

25.StistunMestimAkai>emischen Turnbund(A.T.D.Äheinsranken)

DaS Fest her Akademischen iutnetr« binbung Rheinfranfe n (15. bis 17 Juni) wurde zu einer glänzenden Kundgebung für den Vaterlands- und Turngedanken

Seit dem Sommersemester 1927 bestehl die A. T. V. Rheinfranken an der alma matcr l.ucko- viciana. Sie nahm die Tradition bet früheren, 1907 suspendierten. A. T. D. Cheruskia wieder auf. Ein aut besuchter Degrüßungsabend am 15. Juni führte auf der Kneipe der Verbindung im (Safe Leib in der Walltorstraße die Fest­teilnehmer erstmals zusammen Der Vorsitzende des A.-H.-Derbandev, A. H. Regierungs - Vaurat Weise, übergab bei dieser Gelegenheit mit warmen Worten der AkttvitaS eine Reihe wert­voller Stiftungen der .KorporationS- und Orls- A.-H.-Derbände. Am Rachmtttag des 16. Juni stieg ein gut besuchter A. - H - Tag.

Am Vormittag des 17. Juni sanden sich über 80 21. T. 23.er aus Marburg und Dieszen auf dem älniversitätSsportplatz $i;m 5) rei­fe m f ein (Kugelstoßen. Wettspruna und 100-Meter-Lauf). CQkgen deS überaus beflißen Regen- konnten leider nicht alle geplanten Vor­führungen stattfinden Ungeachtet dessen erhielt der Zuschauer den Erndruck. daß eifrige und er­folgreiche Arbeit im Akademischen Turnbund ge­leistet wird.

Zum Festkvmmers am Abend hatten sich zahlreiche Vertreter der Bundeskorporationen aus Marburg, Göttingen, Frankfurt, Darmstadt. Jena und 2Svnn eingefunden. Lieber die Geschichte des Lllademischen Xumbunbe# und der Verbindung sprach der A. H. 23ürgermelfter Dr. Ritter: er gedachte der gefallenen Verbindungsbrüder und wies auf die gleichzellig stattfindende Ge­dächtnisfeier an der Porta Westfallka für die über 1100 Gefallenen de« Akademischen Tum- bundes hin. SanitätSrat Dr. H e u b a ch hielt die DaterlandSrede. Er fand herrliche Worte für Arbeit, Treue, Vaterland (A. T.D.), und be­tonte zum Schluß, daß es nicht auf die Zahl, sondern auf den Geist allein antomme. Dr. Schaff schilderte die Ziele deS Lllademischen TumbundeS. Die Ausgabe der studentischen Kor­porationen seien andere geworden. Die Universi­tät vermittele das geistige Wissen, die Charak­terbildung falle dagegen den Verbindungen zu. Sie haben für Ehrenhaftigkeit und Mannhaftig­keit ihrer Mitglieder zu sorgen. Die Wege, die beschritten würden, seien verschieden, das Ziel sei jedoch dasselbe. Die Auswirkung der Er- -siehung könne aber erst in späteren Jahren in Erscheinung treten. Die Freude an körperlicher Betätigung gebe Der Akademische Tumbund sei­nen Mitgliedern an allen ÜniDerfitäten und technischen Hochschulen Er wolle tatenfrohe Menschen bilden, die klar und offen ihren Weg gehen und daS Ziel der 2)olksgemeinschaft nicht

Tiber bann kam der große Versager: der Schluß­akt mit dem Geständnis Leslies, die nun endgültig die Rerven verloren hat. Diese große Szene ist glatt verpufft. Man sah ein brillantes Virtuosen­tum und blieb eiskalt. Jedes Wort, jeder Schritt, jede Handbewegmrg, daS Vomüberfallen über den Tisch: berechnet. Die Tlolle nur noch, ohne Lite­ratur und ohne Leben. Ziselierte Oberfläche ohne Tiefe, ohne inneren Antrieb. Man beobach­tete. kühl und interessieri. lote dies l'ch ging, wessen das Theater um seiner selbst willen fähig ist. Schauspielerei ohrre Herz, ohne Substanz. Eine bewundernswerte Maschinerie.

Eine schwere Enttäuschung.

Die Truppe dec Durieur ist besser, als Ltar- ensembleS auf Gastspielreisen gemcinhin zu fein pflegen. Eine ausgezeichnete Leistung bot Schrnöle (früher bei Hellmer) als Rechts­anwalt Joyce. Eine verblüffend echte, au «ge­feilte Figur der Chinese Ong Chi Seng des Herrn Peter Corte. Mederow fand sich mit der undankbaren Vertretung des Gatten Crosbie we­nigstens in den beiden ersten Akten sympathisch ab. Sehr hübsch die kleine Charge der Mrs. Joyce unter den Händen der charmanten Charlotte Schultz.

DaS Haus wat nahezu auSverkauft. Der Bei­fall, anfänglich stark, flaute nach dem dritten Akt empsindlich ab. Dr. Th.

Hochschulnachrichten.

Die Lehrstühle für organische Chemie und ange­wandte Ehemie in der philosophischen Fakultät der Universität L e i p z i g sind den ordentlichen Pro- sesioren Dr. Hans Meerwein in Königsberg und Dr. Wilhelm Diltz in Hannover angeboten worden.

Professor Dr. Johann Radon in Erlangen hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl der Mathematik an der Universität Breslau als Rachfolger deS emerit. Geheimrats A. Knefer angenommen.