Ausgabe 
19.10.1928
 
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Um die Führung in der Deuischnaiionalen parier

hätte.

Schweres Autounglück.

Neue Stockung in den deutsch-polnischen

Ein

Oie Wetterlage.

ih-nen im Augenblick sehr uner

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wäre «r

Oie Truppenverschiebungen im Rheinland.

Wohin geht die Rheinlandkommission?

Berlin, 19. Okt. (Priv.-Tel.) Durch die Presse geht die Nachricht, daß die sranzösischen Truppen aus dOr zweiten in die dritte Zone zurückverlegt worden wären. Das hat laut Germania" den zuständigen deutschen Stellen Ver­anlassung gegeben, sich bei dem sranzösischen Ober- kommando im Rheinland zu erkundigen. Dieses teilt mit, es sei nicht beabsichtigt, Truppen aus der zweiten in die dritte Zone zu verlegen. Das französische Oberkommando teilt jedoch nicht mit, ob inzwischen bereits Truppenverschle- bungen stattgefunden haben. Eine Auf­klärung hierüber, so sagt das Blatt, wäre sehr wesentlich. Wie der Sozialdemokratische Pressedienst hört, hat die Rheinlandkommission in Koblenz mit den deutschen Behörden über d i e Frage ihres künftigen Wohnsitzes Füh­lung genommen für den Fall, daß die zweite Be° satzüngszone bald geräumt wird. Die Internationale Kommission hat drei Städte bezeichnet, die ihr Zu­sagen würden, und zwar Wiesbaden, Mainz und Speyer. Eh> eine Vereinbarung über diese Frage getroffen werden kann, müssen erst die be­teiligten Städte gu)ört werden.

Ablehnung des Schiedsspruches für das M.-G!adbacher Textilgewerbe.

Gladbach, 18. Okt. (WB.) In einer Mitglieder­versammlung der vereinigten Arbeitgeber­verbände der Textilindustrie von M.-Gladbach. Rheydt und Umgebung wurde einstimmig beschlossen, den Schiedsspruch ab zu lehnen, den der staat­liche Schlichtungsausschuß am Dienstag gefällt hat.

Handelsvertragsverhandlungen.

baldiger Abschluß ist den Polen aus politischen Gründen unerwünscht-

Aus aller Welt.

Rollandung von Hünefelds bei Tokio.

Freiherr von chünefeld und Lindner muhten Donnerstag um 14.30 Uhr japanischer Zeit eine Notlandung in einem südlichen Vorort von Tokio vornehmen. Die Fl.eger v. Hüne« selb und Lindner machten auf ihrem Flug von Schanghai einen großen -Umweg, um die Mög­lichkeit eines Zusammen st oh Ls mit einem der m Sturmwolken gehüllten Berge zu vermeiden. Sie erreichten schließlich Tokio, vermochten jedoch nicht mehr auf dem Flugplatz zu landen, da der Ben­zinvorrat zu Ende ging. Sie sahen sich deshalb gezwungen, an der Peripherie der Stadt not­zulanden. Wie sich herausgestellt hat, ist das Flugzeug nur leicht beschädigt.

Die letzte Phase derJlaNa"-Tragödie.

Der norwegische Flieger, Kapitän Riiser Larsen, ist jetzt aus Spitzbergen nach Oslo zurückgekehrt. Er erklärte u. a., daß kei­nerlei Hoffnung mebr dafür bestehe, die Ballongruppe derItalia'^ noch am Leben zu finden. Di« Besatzung sei entweder ertrun­ken oder durch Hunger oder Kälte um­gekommen. Lieber dieJtalia"-Expeditivn äußerte Riiser Larsen, daß man ihr trauriges Schicksal habe voraussehen müssen. Das Unternehmen sei ungenügend vorberei- t e t gewesen. Außerdem hätten zu viele Per­sonen an dem Fluge teilgenommen.

Lin Benzinbehälter des FlugzeugsLakham" gefunden.

Das in Ballersund unweit Drontheim , wegen) eingetrossene FischerbootLeif" fand bei 64 Grad 52 Minuten nördlicher Breite und

8 Grad 50 Minuten östlicher Lange einen auf dem Meere treibenden Benzinbehälter des Flug­zeugsLatham" und fischte ihn auf. Der Be­hälter ist unbeschädigt. Darauf waren zwei Zeilen mit Bleistift geschrieben wor-

wünscht, weil sie fürchten müssen, daß sie dann aus depr internationalen Konzert ausgeschaltet und mit ihren Ansprüchen auf politische Be­rücksichtigung bei den Derhandlungen mit Deutsch­land kein Gehör mehr finden. Deshalb nehmen sie die Rackenschläge, die ihnen der Zollkrieg mit Deutschland bringt, in den Kauf, weil sonst das Ziel eines Ostlocarno endgültig ver­schwinden würde: aber es ist doch ein starkes Stück, wenn sie aus dieser selbstsüchtigen Politik heraus nun den Dorwurf gegen Deutschland konstruieren wollen.

Berlin, 18. Okt. (TU.) Am Donnerstag trat die Parteileitung der Deut.chnaNona- len Partei zu einer Tagung zusammen, auf der die Frage der künftigen ^lelsetzung und Marschrichtung der Deutsch- nationalen Volkspartei bespr^n wurde. 2m Anschluß daran toirbbi« R er chs - taasfraktion, lotete am Samstag die deutsch- nationale Dertreterversammlung, bi« von dem Parteivorstand, der Parteileitung und den Dertretern der einzelnen Landesverbände ge­bildet wird, zusammentreten.

Anläßlich dieser Ereignisse hatte bereits di« ,.D. A. -8. am Donnerstag vormittag in einem Artikel Stellung genommen, in dem u. a. darauf hinaewiesen wurde, daß Graf Westarp ent­schlossen sei, den Parteivorsitz «ndaul- tia nie derzule gen . und daß die Bildung eines aus mehreren Persönlichkeiten bestehenden Direktoriums geplant sei. Auch demokra­tische Zeitungen verzeichnen Gerücht«, wonach der Rücktritt Graf Westarps mit Sicherheit zu erwarten sei. _ ... ..

Don der Donners tagabendpress« weist Di« ..Kreuzzeitung" diese Gerücht« als unrich­tig zurück, während di«Deutsche Tages­zeitung" bemerkt, daß u. a. ein« Trennung zwischen Parteivorsitz und Dorsih der Reichs­tagsfraktion, di« bisher beide in den Händen des Grasen Westarp gelegen hätten, beschlossen werden toürb«. 3m übrigen betont das Blatt, daß ein starker Wille nach einheit­licher Zusammenfassung und Ge­schlossenheit in der Partei vorhanden sei. Es handel« sich nicht nur darum, di« Parteiein­heit und Geschlossenheit zu erhalten, sondern auch darum, ihr für die Zukunst di« Möglichkeit der machtpolitischen Einwirkung im Rah­men der bestehenden Verhältnisse zu sichern.

Der3ungdeutsche" glaubt gleichfalls zu wissen, daß Graf Westarp nicht wieder zum Parteivorsihenden gewählt werden würde. Bon den 45 Landesverbänden der D.R.B.P. stünden bereits heute 17 geschlossen auf der Seite Hugenbergs. Da außerdem noch eine große Anzahl von Landesverbänden

sondern ließ sich durch Hugh Allen von der Goodyear Zeppelin Company vertreten. Rach einer Blättermeldung wohnte auch der Chef­ingenieur der Ford-Werke der Lakehurster Kon-

^i*e Goodyear Zeppelin Company mit­teilen läßt, ist die Rückkehr des .®r ai Zevveli u" nach Deutschland vorläuttg aussen 2?. d. Tst feftgeW. Der Besuch des Lustschiffes im mittleren Westen ist auf 3 Tage bemessen. Am Montag soll eS m Detroit «m- treffen. Wenn die Wetterverhältmsst es ge­statten, soll auch St. Louis besucht werden. Dr. Eckener htt erneut die Einsicht geäußet daß die Rückiahrt Arnertta-Druttchland sehr viel kürzere Zeit beanspruchen wird als die Ausreise.

Hermes berichtet dem Reichskabinett.

Berhandlungspause.

Berlin, 18. Oktober. (1BB.) Reichsminister a. D. Dr. Hermes erstattete heute nachmittag dem Reichskabinett Bericht über feine letzten war- schauer Besprechungen. Daraus ergibt sich, daß zu­nächst eine Pause in den Verhandlungen eintritt, welche durch die polnische Erklärung veranlaßt ist. daß die Kommissionsarbeiten für den Augenblick gegenstandslos feien. Da trotz deutschen Ent­gegenkommens von polnischer Seite, namentlich in der Zolllariskommission, keinerlei nennens­werte Zugeständnisse gemacht worden sind, ist der polnischen Regierung Rechnung getragen worden. Die deutschen Mitglieder der bis zuletzt in Warschau tagenden Zolltaristommission kehren des­halb zunächst nach Berlin zurück. Inzwi­schen wird das Reichskabinett zur jetzigen Lage im einzelnen Stellung nehmen. Dann werden voraus- sichtlich zunächst die beiden Delegations­führer die Besprechungen sortsehen. Die von feiten der polnischen Presse ausgestellten Behaup­tungen, daß die Schuld für den kritischen Stand der Verhandlungen bei Deutschland zu suchen sei. sind frei erfunden. Deutscherseits ist den Polen ein Zugeständnis nach dem anderen gemacht worden. Eine Heraufsetzung des Schweinefleisch­kontingents ist ihnen schon vor geraumer Zeit zugesagt worden. Später erfolgten Zugeständnisse in der Frage des Kohlenkontingenls und erst in den letzten Wochen ein weiteres Zugeständ­nis in der Frage der Schweinefleischein­suhr. Diesen ständigen Konzessionen haben die Polen nicht» gegenübergesetzt. 3m Gegenteil haben sie maßlose Forderungen, wie bei- spielsweise völlig freie Einfuhr von Vieh und von Schweinefleisch aufge­stellt. Forderungen, von denen sie sich von vorn­herein hätten sagen müssen, daß sie von deutscher Seite abgelehnt werden müßten, heute lautet die Frage, ob sich die Polen bei ihrem Verhalten nur von Gründen des Handelsverkehrs haben leiten lassen oder ob nicht unbekannte politische Gründe hinter ihrer Taktik stecken. Trotz dieser Sachlage wird die Lage in Berlin ruhig beurteilt.

Es ist eine Tragödie mit den deutsch-polnischen Handelsvertragsverhandlungen, di« nun schon seit drei Jahren hin und her gehen, ohne recht vorn Fleck zu kommen. Di« Deutschen geben die Schuld daran auf Grund unwiderlegbarer Be­weis« den Polen, während die Polen wieder den Spieß umdrehen und auch jetzt wieder der deutschen Delegation den Vorwurf machen, daß sie gar nicht ernsthaft verhandle, sondern nur das Ziel verfolge, systematisch alles zu sabo­tieren. Ein solcher Vorwurf muß überraschen. Die Polen hatten früher immer gesagt, daß sie nur mit der unter den Deutschnatio­nalen stehenden deutschen Regierung nicht zu­stande kämen, sie hatten deshalb Ende vorigen Jahres planmäßig di« Entscheidung hinaus­gezögert, weck sie nach den Wahlen m i 1 einer sozialdemokratischen Beteili­gung an der Regierung rechneten, und dann glaubten, wesentlich billiger zu einem Han­delsvertrag zu kommen. Di« Sozialdemokraten sind jetzt, man kann schon sagen, ausschlaggebend. Trotzdem hat sich das Blld nicht geändert, trotz­dem gerade jetzt von polnischer Seite erneut der Klageruf, daß Deutschland, überhaupt nur Scheinverhandlungen führe.

Dabei liegen die wirklichen Zusammenhänge doch klar genug. Die Polen haben ganz plötzlich den Vertrag auf eine andere Grundlage stellen wollen, indem sie sich auf die Verhand­lungen der Weltwirtschaftskonferenz beriefen und

den. Da aber bet Farbanstrich abgefallen kst, sind diese Zeilen kaum mehr zu lesen. Man glaubt, die Zeichen entzissern zu können: accie 20X1". Vielleicht sind die Silben accie die ersten des Wortes accident (Anfall) und die Ziffern geben die Position des Flugzeuges an, das sich dann östlich der Däreninsel befunden

in ihrer Stellungnahme schwankend seien, sei die Macht Hugenbergs vorläufig jeder anderen Gruppe in der Partei überlegen. Der viel er­örtert« Vorschlag, den Parteivorsitz einem Tri­umvirat anzuvertrauen, habe somit wenig

Sine Protestkundgebung gegen die Schändung jüdischer Zriedhöfe.

Berlin, 18. Okt. (WB.) Auf einer beute abend vom Ze nt r alv e t«in deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens e. V. veranstalteten Kundgebung gegen die zahl­reichen Fälle von Friedhofs- und Synagogen- schändungen und auf die gerade in letzter Zeit zunehmenden äleborsälle gegen jüdische Bürger nahm auch der R e i ch s j u st i z m i n i st e r Dr. Koch das Wort zu einer Erklärung, in der er ausführt«:Die Reichsregierung, tn deren Rainen ich spreche, ist sich mit Ihnen einig in der Entrüstung über di« Vorfälle, die Sie zum Protest veranlaßt haben. Sie ist einig mit 3hnen m dein Schmerz darüber, daß Deutsche Deutschen der­artiges haben antun können. Wir alle, die wir hier verein'.gt sind, wissen, daß deutsch ist, wer durch Sprach«, Sitte, Kultur und Schicksalsgemein­schaft zum deutschen Vaterland« gehört, und wir alle sind uns einig in der Verurteilung von Ausschreitungen, die deutsche Staatsbürger gegen deutsche Staatsbürger und ihr gutes Gewissen be­gehen. Wenn sich Haß und Leidenschaft und 3rr- teachn sogar gegen die Toten vergeht, geht das weit über jeglichen Antisemitismus hin­aus. Seien Sie überzeugt, daß die deutsche Iustiz hier ihre Pflicht tun wird. Sie wird ihre Pflicht tun, weil sie sich bewußt ist. daß sie verletzten Deutschen helfen muß, ferner weil sie sich der Wirkungen der Handlungen auf daS Ausland bewußt ist, schließlich aber auch, well sie sich in ihrem Rechtsgefühl beleidigt fühlt. Sie haben recht getan, diesen Protest In die Welt hinaus- zuschicken. Die Reichsregierung schließt sich 3hn«n an."

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Das nordwestliche Druckfallgebiet hat sich weiter vertieft und südwärts ausgebreitet. Sein barometrisches Minimum, mit unter 730 Milli­meter Luftdruck, lag heute morgen über dem Rordmeer. Infolgedessen fand eine weiter« Zu­fuhr ozeanischer Luftmassen statt, die fast ganz Deutschland mildes, wolkiges und regnerisches Wetter brachten. Di« nun jetzt in Begleitung des Tiefs stattfindend« maritime Luftzufuhr, die mehr nördlichen Ursprunges ist, führt wieder zu frischerem Wetter, wobei aber der Witterungs­charakter veränderlich bleibt und weitere Rieder­schläge in Schauem auftreten.

Wettervoraussage für Samstag: Unbeständiges, wechselnd wolkiges Wetter mit mehrfachen frischen, um West drehenden Winden.

Witterungsaussichten für Sonn­tag: Roch kein beständiges Wetter.

Lufttemperaturen am 18. Oktober: mittags 13,6 Grad Celsius, abends 12,5 Grad Celsius; am 19. Oktober: morgens 11,2 Grad Celsius. Maximum 15,8 Grad Celsius, Minimum 10,7 Grad Celsius.

Auf einer Dergnügungstour nach Hagen passierte ein Auto in rasender Fahrt auf der linken Straße und auf dem Sommerweg fah­rend die Ortschaft Brüninghausen bei Dortmund. Mehrer« Straßenpassanten wurden vom Wagen, dessen 21jähriger Lenker die Gewalt über fern Fahrzeug verloren hatte, im Vorbeifah- ren angerannt. Ein 12jähriger Junge wurde dabei sofort getötet. @i:iem Feuerwehrmann wurde ein Dein abgerissen, zwei wei­tere Passanten wurden leichter verletzt. Der Wa­gen rannte schließlich gegen einen Daum und wurde schwer beschädigt. Der Wagenführer, der nur leicht verwundet ist, wurde verhaftet.

Eine fünfköpfige Familie durch Gas vergiftet.

Auf tragische Weise kam in Stuttgart eine fünf- köpfige Familie ums Leben. Dort war gestern eine Familie neu eingezogen, auf deren Bitte der Küch'engasherd an die dortige Leitung ange­schlossen wurde. Diese Installation erfolgte anstatt mit einem vorschriftsmäßigen Verbindungsstück, mit einem gewöhnlichen Stutzen, über den der Gas- schlauch gezogen wurde. Das Gummjende des Schlauchs wurde dabei eingeritten, 1° daß durch den starken Gasdruck schließlich der ganze Schlauch weggedrückt wurde, so daß das Gas ungehindert ausströmen tonhte. Durch das Gas wurden die im darüberliegenden Stockwerk schla­fenden fünf Personen getötet. Die lange Zeit unter ärztlicher Leitung vorgenommenen Wiederbe­lebungsversuche blieben bei allen ohne Erfolg.

Befreiungen von Kontingenten wie ähnlichen Be­schränkungen verlangen. Das war von ihrem Standpunkt aus sehr klug, sie wissen, daß Deutsch­land, ohne seine eigene Viehzucht zu ruinieren, eine unbegrenzte Einfuhr des polnischen Schweins in lebendem oder totem Zustand ü b e rha.upt nicht tragen kann, da der soziale Druck, unter dem Polen seine Bauern hält, sich praktisch als Dumping auswirkt. Sie wissen auch, daß die ungehemmte Einfuhr der ober- schlesischen Kohle aus denselben Grün­den zu einer Stillegung deutscher Zechen führen müßte. Ihre Forderungen waren so exorbitant, daß sich, soweit wir unterrichtet sind, im Kabinett nicht eine Stimme für ihre Annahme ausgesprochen hat.

Von deutscher Seite sind vielmehr Gegen­vorschläge gemacht worden, mit denen Mi­nister Hermes nach Warschau gefahren ist. Diese Gegenvorschläge haben nun aber offenbar vor den Augen der Polen keine Gnade gefunden. Sie sind kurzerhand in den Papierkorb ge­worfen, und jetzt geht prompt die Hetze gegen die deutsche Politik des doppelten Bodens los. Richtiger wäre es wohl, wenn w i r derartige Angriff« gegen Warschau erhöben, der Unter­grund der polnischen Politik ist doch nicht so schwer zu sehen. Wirtschaftlich brauchen die Polen den Vertrag mit uns, politisch aber

Aussicht auf Er üllung.

DerT a g" wendet sich gegen die Behauptung, daß die Gruppe Hilgenberg die The e der flein en aber geschloIsenen Partei pro­pagiere. In Wahrheit habe sich chugenbera, den man damit auch persönlich zu verdächtiaen suche, stets für eine große nationale Rechte einge- setzt Unter dem Motto der mittleren Linie werde das deutsche Volk seit seinem Zusammenbruch von den Parteien der Weimarer Koalition geleitet. Das Einhalten dieser Linie habe uns nachgerade in innen- und außenpolitische Schwierigkeiten gebracht, deren Tragweite dem deutschen Volke in der aller- nächsten Zeit deutlich zum Bewußtsein kommen werde. Gewiß stehe die Deutschnationale Volkspartei vor folgenschweren Entscheidungen. Wer sich dessen bewußt sei, der solle aber auch alles vermeiden, was eine klare, die Fehler der Ver­gangenheit vermeidende, den großen Grundforde­rungen der Partei gerechtwerdende Entscheidung erschwere.

Im Verlaufe der Aussprache in der gestrigen Sitzung der deutschnationalen Reichstagsfrak­tion wurden nun lautDAZ.' Entschließun­gen angenommen, die folgenden Inhalt haben: Die Fraktion bekundet dem bisheri- gen Führer ihr Vertrauen; sie spricht wei­ter den Wunsch aus, daß auch künftig zwischen Partei- und Fraktionsführung ein einträch­tiges Vertrauensverhältnis bestehen möge. Bei der Abstimmung ergab sich keine völlige Uebereinstimmung in bezug auf die Bewertung der einzelnen Resolutionen. Die Ver­trauenskundgebung für den Grafen Westarp er­folgte nahezu einmütig; die weitere Stellung­nahme zu der Frage der Parteiführung wurde von einigen Seiten als Versuch einer Einfluß­nahme auf d i e Parteivertretung triti- fiert. Es wurde jedoch dem Grafen Westarp anheim- gestellt, die Stellungnahme der Reichstagsfraktion den übrigen Parteiinstanzen bekanntzugeben.

Oie Bedrückung des Steuerzahlers.

Von unserer Berliner Redaktion.

Der deutsche Steuerzahler ist einer der meiftge- plagten der ganzen Welt. Er bringt an bi r et t e Steuern für Reich, Land, Gemeinde, Kreis usw. ®ne Summe Con inegefamt etma l6 Milliarden Mark auf, von denen 12 Milliarden allein dem Reichsbudget einschließlich der Reichsuberweisungen an die Länder dienen. Die Belastung durch in» d^ re kte Steuern ist schwer feststellbar, da diese sich belannllich im Enbeise«, d H in dem Pre. den der Konsument für Tahak, Alkohol, 3uder, Salz usw. bezahlt, mit den Aufschlägen für Zinsen, Be­triebsunkosten, Zwischenhandelsnutzen usw. erheblich höher auswirken. Der runden Rechnung halber kann man also hier ruhig nochmals 4 Milliarden ansetzen und gelangt damit zu einer Gesamtlast von etwa 20 Milliarden, oder einem Drittel b e -> mabrlckeinlichen Volkseinkommens, das sich esfektio nur wenig über bas Einkommen der Vorkriegszeit hinaus gehoben hat unb relativ, in Anbetracht ber gesunkenen Kaufkraft des Geldes, noch erheblich unter dem Dorkriegswert lieg. Die

.TO » wie derjenige eines anderen Landes, ist deshalb zweifellos unzutreffend. ... . .

Aber was di«se Last noch viel mehr druckend macht als ihre effektive Höhe, lst die system- lose Häufung der öffentlichen Ab­gaben für den einzelnen Steuerträger. Auch Betriebe mittleren Umfangs haben heute meistens einen besonderen Fachmann nötig, der ihre Steuerangelegenheiten laufend bearbeitet; und die Inanspruchnahme sogenannter Steueranwalle macht sich trotz der besonderen Kosten meist schon deshalb bezahlt, weil der einzeln« Steuerzahler qar nicht In der Lage ist, die Fülle der Verordnungen und Gesetze zu kennen, aus denen sich feine Rechte und Pflichten ergeben. Hinzu kommt di« außerordentliche Arbeitslast, di« durch di« verschiedenen Fälligkeitstermine und Zahlstellen hervorgerufen wird und die überdies dazu führt, daß ein Ba r g« l d um la u s not- wendig wird, der sich bei zweckmäßigerer und einheitlicherer Gestaltung der Ansprüche der öffentlichen Stellen auf einen Bruchteil vermindern liehe.

Deshalb scheint bas wichtigste Gebot, wenn man schon die Höhe der össentlichen Lasten nicht herab- setzen kann, ihre systematische Verein­heitlichung. Warum sollte es B. nicht mög­lich fein, die Wahrnehmung des Einzugs aller für öffentliche Einrichtungen bestimmten Abgaben und sonstigen Zahlungen in die Hände ein er einzigen Behörde zu legen, bie eine buch­halterische unb Inkassoaufgabe hatte, in jeber Stabt jedem Kreise eine einzige Zahlstelle unterhielte und jebem Zensiten z. B. einmal im Monat einen Zettel überfenben würde, ber die Gesamtheit fei­ner Verpflichtungen an Einkommens- unb Vermögenssteuern, Haus- und Grundsteuern, Ge­werbe- unb sonstigen Steuern, staatlichen und städti­schen Abgaben mit all den Nebengebuhren für Wasserversorgung, Straßenreinigung undderglei­chen, ferner für Den Verbrauch an Elektrizität, Gas, Wasser usw., Krankenkassenbeiträae unb was sonst von ber öffentlichen Hand beansprucht wird, ent­hielte? Ebenso müßte die Zahlung all dieser Be­tröge in einer Summe an die bald bekannt werdende einzige Zahlstelle erfolgen, die wiederum im Wege des Giroverkehrs, bzw. der einfachen Buchung an die einzelnen beteiligten Amtsstellen, Kommunalbetriebe usw. geleitet würde. Schon die Vergleichsmöglichkeiten und der verbesserte lieber- blick des Steuerzahlers über seine Lasten würde die zweifellos vorhandene Steuermüdigkeit mildern, überdies würden erhebliche unproduktive Unkosten gespart und ber Geldumlauf vermindert und er­leichtert. Derartige Vorschläge sind dem Reichs- sinanzministerium schon vor fünf Jahren erstmals gemacht worden, geschehen ist jedoch bislang in dieser Richtung herzlich wenig.

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