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Reicher Flaggenschmuck in den Reichs» und den hel'i'cl-en öandeskarben kündete gestern mit­tag auf dem Barclay Der neuen Heilstä tte für Tuberkulose der otzeren Lust- Wege ein restliches Ereignis S« galt, die Grundsteinlegung zu dem neuen Bau, über den wir gestern bereits Räheres berichteten, zu vollziehen. Zu diesem feierlichen Akt der» sammelten «ich um 11 Uhr Vertreter der Regie­rung und deS Landtage-, zahlreiche Angehörige des Lehrkörper- der Universität, die Spitzen der Stadt- und der Militärbehörde, sowie eine An­zahl geladener Herren auf der Baustelle. Unsere Gießener Militärkapelle unter der Leitung des Otcrmusikmeisters L ö b e r leitete die eindrucks­volle Feier ein mit dem SpieleDie Himmel rühmen des Ewigen Ehre". Danach hielt der Vorsitzende des Hess. Landesverbandes zur Be­kämpfung der Tuberkulose (Heilstättenverein)

Präsident Dr. h. c. Reumann

die Weiherede, in der er u. a. sagte: Seit einigen Wochen wird hier auf diesem Grundstück eine rege Tätigkeit entfaltet. Fleißige Arbeiterhände haben den Grund au-gehoben und die Funda­mente für ein neues Haus gelegt. Dieses ist be­reits über hen Erdboden gewachsen, und sein Umfang zeigt, welche stattliche Größe es ein» nehmen wird. Dietern neuen Haus soll heute ein Gedenkstein einverleibt und mit ihm Dokumente vermauert werden, die einer späteren, hoffent­lich sehr späten Generation Zeugnis ablegen sollen von dem. was hier in Deutschlands schwerster Zeit geschaffen worden ist. Diese Heilstätte soll ein neues Institut werden zur Bekämpfung einer der schlimmsten Seuchen. Die wir kennen, Der Tuberkulose. Während wir schon Heilstätten für Tuberkulose der Haut und der Lungen haben, fehlte unS bis jetzt eine Heilstätte für Tuberkulose Der Schleimhäute, deS Rachens und he3 Kehlkopfes. Dos 23er* langen nach einer solchen Heilstätte ist außer- ordentlich grob, und die Forderung danach geht weit zurück. Bereits im Jahre 1916 hat Prof. Dr v. Sicken in Gießen die Anregung ge­geben, eine solche Heilstätte zu schaffen. Dem hessischen Staate war es damals aus Mangel an Mitteln nicht möglich, Der Anregung Folge geben zu können. 2m Jahre 1920 hat dann Prof. Dr. v E i ck e n feine Forderung nach einer solchen Heilstätte wiederholt, der Gedanke fiel diesmal auf günstigeren Boden, Pläne wurden ausgearbeitet, ober die Inflation machte Deren Durchführung unmöglich. Dann kamen andere dringende Aufgaben, Die zur Zurückstellung dieses Bauplanes zwangen, und nachdem wir auch diesen dringenden Ausgaben genügt haben, sind wir an die Schaffung dieser Heilstätte für Tuberku­lose Der oberen Luftwege herangetreten. Durch diesen Dau soll späteren Generationen Kenntnis gegeben werden von dem, was Die heutige Zeit getan hat und tut für ihre Kranken: das soll geschehen durch Die R Überlegung einer Urkunde, in Der berichtet wird, wie Der Dau dieser Heil­stätte zustande gekommen ist. Der Redner ver­las hieraus Den Wortlaut Der GrunDstein-Ur- knnde, in Der In großen Zügen Die Gntstehungs- aelchichte deS Baues über Die wir in un­serem gestrigen Artikel bereit- berichteten ge­schildert wird Die Urkunde ist vollzogen von dcm Vorsitzenden deS Heilstättenverein- Präsi­dent Dr. h. c. Reumann, Staatspräsident Adelung, Minister deS Innern Leuschner. Se Maantsizenz Den Rektor Der Landesuniversi­tät Prof. Dr. Rosenberg, Oberbürgermeister Dri. h.c, Keller, Den Direktor Der Heilstätte Pr^f Dr. Brüggemann unD Den Schöpfer he< Bauentwurfs und Bauleiter Architekt Bau­rat Hans Meyer, Gtcßen. Präsident Dr. Reu* männ übergab nun die Urkunde an den bau­leitenden Architekten Daurat Meyer, her sie in Gemeinschaft mit den in unserem gestrigen Artikel bereits erwähnten Beigaben in die Grund- steinkassettc verpackte und diese Dann, während die Militärkapelle Die feierlichen Klänge des EhoralSßobe Den Herren" ertönen lieh, ver­löten ließ Darauf wurde die Kassette versenkt, Die schwere Steinplatte Darüber befestigt, unD Dann vollzog Präsident Dr. h.c. Reumann Die feierliche Grundsteinlegung mit drei Hammer- schiägen und Den Worten: ..Dem Kranken zum Heile, Dem Forscher zum Ratzen. Dem Lande zum Segen."

Sine Ranksurirr Afrika-Expedition.

Die neunte Deutsche innerafrikanische For- schungSerpedttion wird am 28. Juli mit dem Dampfer ..Toledo" unter Führung des Leiters des Forschungsinstitut« für Kulturmorphologie Frankfurt a. M . Gehe im rat Frobenius die Ausreise antreten, und zwar führt Der Weg über Hamburg. Rotterdam, Southampton, Las PatmaS. Walsischbai. Kapstadt, Druban, Pre­toria. ES wird also Der Wcst'veg nach Afrika ctnqcfdifagen. Hier In Pretoria begibt sich ein Xeil Der ErpeditionSmitglieder nach Süden, um na<b Material über die Buschmänner zu suchen, oder selbst Höhlenzeichnungen herzustellen und anderes interesfanteS Buschmann-Material auf- zutreiben. Die Rorderpedttion unter Leitung von Geheimrat Frobeniu-, wendet sich nach Rorden um im Mashonaland. 20 Grad südlicher Breite' das Ruinengebiet von Simbawo zu studieren und zu erforschen Geheimrat Frobenius will Wer in d,eiern Gebiet Kulturbelege feststellen aus der Zeit ungefähr des König- Menes von Aegypten und des babytonischen König- «argen olfo au« einer Zeit etwa 3000 Jahre vor fchuftu«, al- Aegypten- und Babylon« .Kultur tn hoher Blute standen. Der Forscher wtiDridbt s,ch von der lystematischen Durcharbeit DleH 9roßen Gebiete« wertvolle« Material. Der Weg der Expedition führt Dann weiter zum Ryasfa» fee 4w«<k« ethnologischer Forschung. Die gesamte RorDerPed.twn wird Dann über die Viktoriafälle

bekanntlich bcDeutcnDer sind al« die Rlagara- falle, den Sambesi aus gemieteten Booten auf- wärt« fahren und am oberen Sambesi die neue Lobitvbahn. Die da« Erzgebiet von Kantania mit dem Hafen Lobito verbindet, zu erreichen.

Die Dauer der neuen Expedition wird auf em bi« zwei Jahre geschätzt. Teil nehmen an ihr außer dem Führer, Geheimrat Frobenius ein astronomischer, ein sprachwissenschaftlicher und ein geologisch-prähistorischer Assistent des Afrika- archiv«. ferner ein Maler und Drei Zeichnerinnen. Sämtliche Teilnehmer stnb Mitarbeiter des For- scher« am Afrikaarchiv. Die Erpedition wird englische« Hoheitsgebiet bet der Durchquerung der Südafrikanischen Union. «übr^-Vf LP* RordrbodesienZ und portugiesischem .-w- rühren. Die Durchquerung einzelner Teile >-s

Ministerialdirektor Spanier überbrachte alS Rer'teier der hessischen R e - g ; e r u n g dem Heilftättenverein herzliche Glück­wünsche zu dem neuen Werke seiner Tätigkeit und Dank für ferne hervorragenden Bemühun­gen im Dienste der leidenden Menschheit. Der Redner wies dann u. a auf die in den da­maligen Verhältnissen begründete Unzulänglich- kc.t der Tuberkulosebekämpsung früherer Zeiten bin und stellte demgegenüber in kurzen, treffen­den Worten die außerordentlich erfolgreiche For- fchungS- und Heiltätigkeit auf diesem Gebiete in der neueren Zeit heraus. In der deutschen Heilstättenbewegung, die einen außerordentlichen Ausschwung genommen habe, stehe der Hessische Heilstättenverein mit ar. der Spitze. Als ein be­sonders glücklicher Gedanke sei cs zu bezeichnen, daß auch in dieser neuen Heilstätte des Vereins eine Verbindung mit den Universitätskliniken gegeben fei. Von dieser Verbindung zwischen Universität und Heilstätte werde für die Allge­meinheit in hohem Maße Ruhen gestiftet wer­den. Die hessische Regierung begrüße die Schaf­fung dieser neuen Heilstätte mit besonderer Freude und hoffe und wünsche, daß dieser Bau sich zu segensreicher Arbeit im Dienste der Tu­berkulosekranken entwickele. Der Redner schloß mit den Worten-Mögest du, stolzer Bau, und mögen alle darin Tätigen sich stets erweisen als erfolgreiche Streiter im Kampfe mit dein Todseind der Menschheit." Dazu tat der Redner die drei Hammerschlage.

Sc. Magnifizenz der Rektor der Landesuniversitäl Professor Dr. Rosenberg

gab der Freude und dem Danke der U n i v e r s i t ä t für diese neue Heilstätte Ausdruck. Mit diesem Bau schenke der Hessische Landesverband zur Bekämpfung Der Tuberkulose der deutschen Wissenschaft eine eigen- artiae und einzigartige Forschungsstätte, bei der es die Universität mit besonderem Danke vermerke, daß dieses Institut mit der Universität durch Personal­union in Der Person des Direktors Professor Dr. Brüggemann, des Leiters Der Universitäts- Ohren , Aasen- und Haksklinik und Direktors dieser neuen Heilstätte, verbunden fein werde und dadurch auch Der missenfthoftlichen Lehre dienstbar gemacht werden könne. Groß und schön sei die Aufgabe, die sich Der Hessische Heilstättenverein hier gesetzt habe im Kampfe gegen die Tuberkulose. Zu den drei Hammerschlägen fügte Der Rebner als Wunsch der Universität folgende Worte hinzu:So möge die neue Heilstätte, der Forschung gewidmet und der Lehre dienend, wirken zum Ruhme der Hessischen Landes- iininerfität, zum Preis der deutschen Wissenschaft und zum Wohle der leidenden Menschheit."

Oberbürgermeister Dr. Keller (Gießen) überbrachte die herzlichen Glückwünsche unserer Stadt mit folgenden Worten: Die Wohlfahrt des deutschen Volkes! Das ist der Schlüssel zum Verständnis der Feier, die wir heute begehen. Wir legen den Grundstein und stehen am An­fang. lieber federn Anfang aber leuchtet Der Gedanke Ihn will ich ehren und sagen: Der Mann der Praxis, aus hoher Warte sozialer Erkenntnis stehend. Der Mann der Wissenschaft, weithin anertannt und bewährt als Forscher und Arzt, sie beide sind Die Träger des Ge­dankens, Der, zur Tat gereist, neuen Erfolgen entgegensühren soll. Reumann und Brügge­mann, diese Ramen werden klingen und dauern solange die Heilstätte ihre segen-vollen Wir­kungen üben wird. Darum toill ich im Ramen der Stadt Gießen Drei Hammerschläge hoff- nungSfroh vollziehen mit den Worten: Mit Reumann und Brüggemann allezeit voran!

Der Prodekan der Medizinischen Fakultät Profesjor Dr. 3efj überbrachte die Wünsche der Fakultät mit den Wol­lenDas Wohl des Kranken sei das höchste Gesetz".

Professor Dr. Brüggemann, Direktor Der Ohren. Rasen- und Halsklinik und künftiger Leiter der hellstätle sagte u. a.: Als zukünftiger ärztlicher Leiter der Hoilstättc möchte auch ich meine große Freude dar­über aussprechen, daß wir heute die Grundstein­legung zu diesem Bau feierlich begehen können. Als mein hochverehrter Lehrer und Vorgänger, Professor Dr. o. Eicken schon vor dem Stiege Den Plan einer Heilstätte für Tuberkulose Der oberen

Kongogel setes, die vorgesehen war, mußte leider aus politischen Gründen unterbleiben.

Ts war naturgemäß besonders interessant, etwa- über Die Expeditionsvorbereitungen, so S- V. über die Kosten und über all das, was acht Forscher unD Forscherinnen an Gepäck und notwendigem Forschung-material mitnehmen miiilen, zu erfahren. Die Kosten dieser neunten wissenschaftlichen Expedition, die Professor Fro- beniuS unternimmt - die achte im Jahre 1926 führte nach Ober-Aegypten und Rubien, die siebente während des Krieges 1914 15 nach Abessinien , schätzt der Forscher auf ungefähr 150 000 Mark, die von der Rotgemcinschaft der deutschen Wissenschast und Dem Auswärtigen Rmt, sowie der Stadt Frankfurt a. RI. aufge­bracht werden. Besonder« dankbar sprachen sich daS Afrikaarchiv unD sämtliche Teilnehmer der Lkpedition über die großzügige Opferfreudig» kett und Hilf-bereitschaft der deutschen Industrie aus, die sehr viel de- benötigten Material-, daS öle Afrikaforscher brauchen, zur Dersügung ge­stellt haben.

In etwa 150 großen Kisten und Koffern wird all da« untergebracht. was die Expedition nach Afrika mitnimmt. In malerischem Durcheinander lieht man in den weiten Räumen der oberen Stockwerke des Frankfurter BundeS- palais, das das Atrikaacchiv beherbergt, alles ausaespeichert. wa- Den Teilnehmern bat Leben jn der Wildnis der Tropen und die Arbeit da- fclbst erleichtern soll. Reben der persönlichen Ausrüstuna. BettgesleNe mit Moslitonetzen. Waschgeräten au- imprägnierter Leinwand Hängematten. Zelte. Stühle, Lampen. Windlich. ier. photographische Kamera- und Kinoapparate ganze Wagenladungen von Zeichen- und Schretb- matetial in Blockform, Bleistifte, Farben Pinsel ferner Lebensmittel aller Art wie Konserven' Tabak Alkohol, auch tzaulspiritu«, ausreichend Medikamente und Prophylaktika. Verband»- material und ähnliches.

Sin 'ehr wichtige« Kapitel bilden die Tausch- a r t i t c l. die im Verkehr mit der eingeborenen Bevölkerung wertvollste Dienste zu leisten b«. stimmt lind. Di« Räume In denen diele Xauf<h- 0X1 ,cl augenblicklich verpacht werden, gleichen einem lufttqen Jahrmarkt Primitive Musik - mjtrunter: , fefcer Art von der kleinen RTunb- vaimonika angesangen, allerlei Holz-, Metall-

ßuftnxge mit mir besprach da waren wir beide durchdrungen von ihrer Notwendigkeit. aber cs war uns auch flar* bah die Verwirklichung dieser Pläne erhebliche Schwierigkeiten machen würde. Der Krieg verhinderte zunächst jede weitere Arbeit an dem Projekt, aber schon bald nach dem Kriege wurden die letzten Plane wieder aufgegriffen; die Inflationszeit ließ sie jedoch nicht zur Ausführung kommen. Rach dem Fortgang des Herrn Profestor r. Eicken nach Berlin wurden von mir die Ver­handlungen wieder aufgenommen. Unter den ver­änderten Verhältnissen nach Der Stabilisierung der Mark benbfiditigte man nun ein Ijolierhaus der Ohrenklinik für infektiöse und besonders tuberkulöse Kranke zu erbauen. Die Gelder dazu hatte der Hes­sische Landtag schon bewilligt: aber auch diese Pläne zerschlugen sich, weil nun der Heilstätten- verein, vor allem sein PräjiDent, Herr Dr. R e u- mann, mit bewunderungswürdiger Tatkraft und (Energie sich für Das Projekt einer Heilstätte für Tuberkulose der oberen Luftwege einfetzte. Ich spreche Herrn Präsidenten Dr. Reumann nochmals hierfür meinen besonderen Dank aus. Mir Unter­stützung Der hessischen Regierung und des hessischen Landtages, Des Reiches und Des Heilstättcnvereins gelang es Herrn Präsidenten Dr. Reumann Die er­forderlichen Gelder zusammenzubringen, so Daß nun, nachdem auch Die Stadt Gießen in dankens- werter Weise Das Gelände für Den Bau geschenkt batte, an Die Verwirklichung der früheren Plane herangetreten werden konnte. Allen Denen, die auf Diese Weise bei dem Zustandekommen dieser Heil statte mitgewirkt haben, sei nochmals von ganzem Herzen gedankt. Richt zuletzt danke ich Herrn Bau­rat Meyer, Der mit großer Liebe die Pläne ausaearbeitet hat und auf Die vielen Wünsche, Die ich dabei hatte, stets mit großem Verständnis ein« ging und sie auch zu berücksichtigen wußte. Möge Die neue Heilstätte alle unsere Erwartungen er­füllen; möge sie eine Heil- und Pflegestätte werden für unsere Kranken, in Sonderheit für die Kebsi topftuberfulöfen, für Die bisher schlecht gesorgt ist. Möge sie ober auch eine Ausbildungsstättc werden für Aerzte, in Der zum Segen der Kranken die Aerzte besonders Die Behandlung Der Tuberkulose Der oberen Luftwege lernen können. Und endlich möge sie werden ein Forschungsinstitut, in dem die Waffen gegen die Volksseuche Tuberkulose geschmie­det werden und in Dem wissenschaftlich mitgearbei­tet wird an dem großen lubertulofeproblem. an dessen Bearbeitung Die gesamte medizinische Wissen- chast beteiligt ist. In diesem Sinne soll die Hell tätte erstehen zum Wohle des Volkes, zum Kampf fegen Die Tuberkulose, zur Ehre deutscher Wissen chaft.

Bauraf h. Meyer

als Schöpfer des Entwurfs und bauleitender Ar chitekt faßte feine Wünsche für das neue und schöne Werk des Heilstottenvereins in folgende Worte zu­sammen:Weisheit leite Den Bau, Stärke führe ihn aus, Schönheit ziere ihn".

Weitere Geleitworte

wurden sodann noch von Den Vertretern der am Bau beteiligten Firmen und Handwerker unter Beifügung der üblichen Hammerschläge gesprochen. Mit einer musikalischen Darbietung der Militärkapelle fand Die Feier Dann ihren Abschluß.

Im Anschluß Daran würben noch Die bisherigen Bauarbeiten einer kurzen Besichtigung unterzogen.

Oberhessen.

Schützenfest in Laubach.

Laubach, 16. Juli. Das Dreitägige 3 0/ Iub^läums-Preisschießen des Gauverbandes Hessen und Rassau ist, von gutem Wetter begünstigt, zu allgemeiner Be­friedigung ausgefallen und hat sich zu einem großen Volksfest unserer Stadt gestaltet.

Samstag sand im HotelSchützenhof" eine Vorfeier in Gestalt eine« Kommerse- statt, wo bereits ein großer Teil auswärtiger Schützen* drüber begrüßt werden konnte. Die beiden Lau­bacher Gesangvereine ..Eintracht" imöHar­monie" verschönten den Abend durch Öen Vor­trag trefflicher Männerchöre.

Am Sonntag, morgen« 7 Uhr, erscholl Weck­ruf. woraus man zum Beginn des Wett- schiehens nach Ankunft der auswärtigen Schützenbrüder antrat. Mittags 1 Ahr fand ein großer historischer Festzug statt, der selbst einer größeren Stadt zur Ehre gereicht hätte. An der Spitze schritt ein stattlich kostümierter Herold mit Begleiter. Dann folgte eine Gruppe

forscher Lüyower Reiter. An diese schloß stch eine Anzahl ron Reitern aus dem Zeita^er Kaller Wilhelms I. (Kürassiere. Ulanen. Dra­goner und Husaren). Sodann tauchte em Zug von Fußvolk m fridcrizianllcher Tracht auf. Da­neben bo:en noch vetichredene Fest wagen, di« nach Angaben der hiesigen Kunstmaler Barna- und Klipstein au6gcnifle? waren, ein be­sonderes Interesse. '.Der Schützen verein stellt« einen Wagen mit Der ..Scyützen-liefel", Gesang- verein ..Harmonie" einen solchen mit der Ter* Heilung des Liedes vom .Pater Kellermeister'/ Gesangverein Eintracht hatte Die Vorführung de« Blldes .Wer nicht liebt Wein Weib und Gelang" gewählt. Sehr gut gefiel auch Der Wetterauer Drautwagen des CanöiuacnöDur.öe«. Der Wagen der Freiwilligen Seuenrtbr, mit dem riesigen Bild' des brennenden Hasses und Der Rettungsanstallen, dann Derjenige des Turn­vereins mit Rater Jahn al- Mittelpunkt, sowie öt< Tellgruppe. Auch Der Aufmarsch de« Lau­bacher Zweigvereins des Vogelsberger Höhen­klubs in Touristenkostüm mit ManDolinen-Ka- pelle an Der Spitze, sodann des Fußballklubs ..Teutonia", sowie Des Radfahrer-Berevi^waren wirkungsvoll. Ebenso beteiligte sich noch der Krieger- und Militär-Verein. Selbstverständlich Durfte auch eine Darstellung des Saubacher Rationalfestes. Des .. Ausschuß- Festes". nicht fehlen. Viel Bewunderung erregten ferner ver­schiedene mit reizvollem Blumenschmuck aus- gestattete Autos. Den Schluß bildeten die statt­lichen Gruppen Der Schützenvereinc öej Gaues. Zwei Zeuerwehr-Kapellen. die Laubacher und Die Friedberger, stellten die Musik DeS Zuges. Aus Dem Festplatz, Dem Wtesenplan auf Der Westseite he«Ringelsberaes", an Dessen Ab­hang Die Schiehstände angebracht sink), entwickelte sich von 3 Uhr ab ein fröhliches Treiben (Kon­zert, Tanz) unD muntere Geselligkeit tn Öen Zelten. Auch eine ganze Reihe von Kauf- und Glücksbuden war in eifriger Tätigkeit. Bereits um 5 Uhr wurde bekannt, daß her Mar­burger Schützenverein Öen Diesjährigen Wanderpreis des Gaues, Die sog. Kette, er­rungen hat. Auch den vorjährigen Wanderpreis hatte dieser Qktein gewonnen, und zwar zum Dritten Male, womit er in Öen Besitz Des Verein« übergeht. Der überlegenen Schießsecltgkeil seine- Mitgliedes Otto Dula hat der Marburger Sckiützenverein diesen großen Erfolg zu bctöankn.

Die Stadt wie« in allen Straßen einen reichen Schmuck auf an Flaggen. Wimpeln, Wappen­schildern. Fichtengrün. Laub- und Blumenge­winde. Im Laden des SchüyenmeisterS. Kauf­mann K r e i ck e r, waren die teilweise sehr kost­baren Ehrenpreise zu sehens Standuhren, dar­unter eine prächtige sog. »IahreSuhr" leinge­richtet aus 400 Tage Gang ohne Auszieb^i). Pokale, Bowlen, Schalen, Gebrauchsgegenstände mannigfacher Art.

Am Montag in der Frühe wurde das Preis- schießen fortgesetzt. Bald setzte auch wieder ein munteres Treiben, Konzert und Tanz, auf dem Feftplatz ein. Hm 4 Uhr mittags bewegte sich ein lustiger Kinderzug durch die Stra­ßen der Stadt' An der .Dorstadt" wurden die Kleinen in Autos nach dem Feftplatz gebracht, wo Kinderspiele veranstaltet und ihnen Back­werk und Süßigkeiten geboten wurden. Am Abend fand dann am Ringelsberg ein prächtiges Brillantfeuerwerk statt. Die Lchatten- rifs« Der bewaldeten Höhen im beleuchteten Abendbimmel gaben ein wundervolle« Land- fchastsbild ab.

Auch Der dritte Festtag sah wieder eine eif­rige Tätigkeit an Den Schi ständen und ein munteres Treiben auf dem Feftplatz. Erft um 7 Uhr abends war das Preisschießen beendet. Um 8 Uhr fand feierliche Prcisverteilung durch Gau-Borsitzendcn Krämer, Biedeillops statt. Der Dorsitzcnde dankte hierbei allen Teil­nehmern insbesondere mit warmen Worten dem Laubacher Schützenverein für die geübte reichliche Gastfreundschaft (nicht weniger al« 115 aus­wärtige Schützenbrüder waren einquartiert ge­wesen) und die große Mühewaltung, wodurch alle die schwierigen Aufgaben der Anordnung des Feste« glänzend gelost worden seien. Di« Ergebnisse deS PreiSschießens waren: Die G a u m e i st e r s ch a f t errang mit 353 Rin­gen Otto Dula. Marburg. Beim Meister­schaftsschieben errang Auf 175 Meter, den 1. Preis Otto Dula, Marburg, mit 200 Rin­gen; Den 2. Pr. Lippmannsohn, Offen­bach. mit 186 Ringen; den 3. Pr. RupperS-

und Steingutgegenstände und vor allen Dingen Bunter Schmuck in Massen aus Glasfuß und Zelluloid sind zu sehen, ebenso aber auch eine Unmenge von jenen Dingen, die Der Mittel» «uropäer mit den Worten Kitsch und HauS- areuel zu bezeichnen Pflegt, die aber gerade bei Öen Völkern jener Gegenden begeisterte Freude auSzulösen vermögen. Geheimrat FrobeniuS er­hofft von der ExpeDition große Vereicherung Der wissenschaftlichen Mittel nicht nur de« For- schungstnstitutes für Kulturmorphologie und des AsrikaorchivS, sondern auch eine ungeahnte För­derung kultureller Erkenntnisie.

Wieviel ist eine Frau trerf?

klar entschieden ist der Fall, ob auch ein« Frau. Deren Mann weggelockt worden ist. hierfür Schadcnserfatzanfprüche stellen Darf. 3m Haufe der Lord« stand im Jahre 1861 ein solcher Streit­fall zur Debatte, bei dem der bamaliae Lord* kanzler Eampbell geneigt war, auch der vev- (affenen Frau eine Schadenvergütung zuzubilli­gen. während auch die entgegengesetzte Ansicht Vertreter unter den Lord- fand.

Hochschulnachnchten.

Aus der Geschichte der deutschen Burschenschaft.

chm zwei Der- Aum Ausdruck gebrach. Der Wille zur Selb- die sic zur Rück- stänDigkesi und ,ur Eigengeftaltung hat Denn auch

K.V. ,

wandte feiner Frau vergüten, L_ ______ ________________u.

te&r ms Elternhaus Überred« hauen. Richt so ' den Aufstieg des Bundes befruchtet.

eigniff« De« burschenschaftlichen Lebens in feinem großartigen Aufsätze ..Die Deutsche Burschen­schaft in ihrer gefchichklichen Entwicklung" den Kernpunkt, das Ziel und da- Endidcal auszu- ,wigen wußte. Auch gerade Die Würzburger Burschenschaft hat in ihrem Aufstiege die Urkraft des großen Gedanken» ..Ehre" bewiesen, im Kriege für das Ideal Vaterland" Di« beste Kraft geopfert, und nun un Zeichen einer Weit* kulturströmunq das mißbrauchte und mißachtet« Wor, ..Frethei:" nach der rechten, inneren Seit«

migerechker- und ungel«tzsicherweise von ihm weg­gelockt worben. Die englischen Rkbtcr gaben Der Klage statt und fprach«i bem Witwer eine Schahensersavs'mnme von 3000 PtunD. also 60 000 Mar? zu Richt ganz so hoch. bLß mit 500 Pfund wurde vor etwa 25 Jahren Der Schaden ein es Ehegatten von Richtern In Ce.cefter Asfizis^b«- wertet; Mefe Summe muhten -hm zwei

Heber Diese Frage, Die man al« eine höchst moderne und für untere Zeit bezeichnende anzu- sehen geneigt ist, haben sich auch schon frühere Jahrhunderte den Kopf zerbrochen. Wieviel «ine Frau wert ist, Die böswllligerweise von ihrem Ehegatten fortgcLodt worDen ist, war Gegenstand eines Prozesse«, der sich dieser Tage vor einem englischen Gericht abspielte, und es wurde dabei aul einige ..Höchstbewertungen" aus früherer Zeit zurückgegrifsen. So Hot ein englische« Gcricht im Jahre 1745 einem Ehegatten 3000 Pfund Entschädigung zugebilligt. Diese ..Hochgetchahte" Frau war Mr«. Mary Winsmor«. Die von einem Manne namens Green bank überredet wor­den war, ihren Mann zu verlassen. Sie starb zwei Jahre später, ohne daß eine Wiedervereini­gung erfolgt war. In der Zwischenzeit aber hatte sie naä) ihrem Vater ein R.rmögtn von 30 000 Pfund geerbt. Der Gatte erhob nun Klage, in Der er behauptete, seine Frau habe den Wunsch gehabt, sich mit ihm auSzusöhnen. wodurch er in Öen Msigenuß der Erbschaft ge- lanat wäre; Re sei aber durch die UeberredungS- funft des Mr. Greenbank daran gehindert und

Dieier Tage begeht die Würzburger Burschen­schaft ..Arminia" die Wiederkehr ihres Grün* dungstagcS zum 80. Wale. Unter Dem Wahlspruch .Freiheit, Ehre. Vaterland" bat die Burschens fchastArminia" treu dem Wohle der Gesamt* burschensebaft gebient und ihre wundervollen Farben, schwarz-aold-dunkelrot. alS Symbol für chr Streben oezeirynet. Die Würzburger Arminen haben unter den Deutschen Burschenschaften noch einen bet anderen Ramen, weil sie den Vater und Meister burschenschastlicher Historik, unseren Siebener Mitbürger Geheimral Drofellor Dr. Hermann Haupt, der zugleich Öle Ehren­bänder der Gießener Germanen und Franken und der Saxonia trägt, den Ihrigen nennen dürfen, der für bi« geistige Entwicklung zunächst der Würzburger Arminen, dann aber durch feine intensive Arbeit der gesamten butichcnschaskltchen Idee neue Kenne zugeführt hat, in ehrfurchts­vollem Gedenken an Öle wclterschultrrnden Er*