hygienischen Gewerbe, einschließlich DohlsahriS- pflege. 10,1 Prozent waren ohne Beruf und Berufsangabe. Als Reiseziel erwählten 78,0 Prozent die Bereinigten Staaten von Amerika, 6,8 Prozent Kanada, 6,1 Prozent Argentinien. 3,7 Prozent Brasilien. 1,0 Prozent Südamerika und Amerika ohne nähere Angaben, 0,9 Prozent Europa und 0L Prozent Mittelamerika, Afrika 2,7 Prozent und Australien 0.6 Prozent.
Der nasse Tod infolge Verletzung des Trommelfells.
Don Sportlehrer Altgayer-Königerberg.
Nachrichten über Todesfälle durch Ertrinken enthalten oft die Bemerkung, daß der Ertrunkene ein guter und sicherer Schwim:..:r war. Immer erhebt sich dann die Frage: Die ist eS möglich, daß ein Schwimmer ertrinkt > Meistens glaubt man die Erklärung drS Falls in einem Herzschlag suchen zu müssen. Diese Annahme trifft aber selten zu. Die neuesten Forschungen der Aerzte. besonders der Sportärzte, weisen neue Dege, auf welchen die Ursache des Ertrinkens von Schwimmern zu finden ist.
Das Ohr ist bekanntlich nicht nur ein Gehörorgan ; im inneren Ohr befindet sich auch der sehr wichtige Träger unseres Körper« gleichgewichtS (die Ampullen der Bogengänge und die Dorhofsäckchen mit den Gehörsteinchen). 3m normalen Zustande, d. h. bei einem gesunden Ohr, sind die Organe durch das Trommelfell von dem äußeren Gehörgang abgeschlossen. Die Träger des Körpergleichgewichts sind aber gegen Kälte oder Wärme sehr empfindlich und verursachen bei direkter Berührung mit größerer Kälte oder Warme Schwindel, Augenzittern, Störungen des Richtungsgefühls und sogar Erbrechen. Mittelohrentzündungen und sonstige Ohrenleiden führen häufig zu einer Der- lehung des Trommelfells, von der der Betroffene selbst oft keine Ahnung hat. Auch durch starken Luftdruck auf doS Trommelfell werden Der- letzungen deS Trommelfells verursacht. 3n diesen Fällen ist daS innere Ohr vom äußeren Gehörgang nicht abgeschlossen, und so können Kälte und Wärme ungehindert zu den inneren Organen des OhrS Vorbringen. Diese Tatsache ist für Schwimmer besonders beachtenswert.
Einige 2lerzte führen das Ertrinken von Schwimmern darauf zurück, daß der Schwimmer beim Untertauchen durch die Wirkung des kalten Wassers, das infolge einer bekannten oder unbekannten Derlehung deS Trommelfells ins innere Ohr eindringt, von Schwindel befallen wird oder eine Störung deS Richtungsgefühls erleidet. Der Schwimmer bleibt infolgedessen unter der Wasseroberfläche und verfällt beim Eintritt des Luft- mangels dem gewöhnlichen Ertrinkungstod. Verschiedene Dersuche mit Tieren haben den Beweis erbracht, daß durch Störung des Körper- gleichgewichts der Tod durch Ertrinken eintreten kann.
Jetzt entsteht die Frage: Welche Gegenmaßnahmen sind zu unternehmen, damit Schwimmer nicht den Tod in den nassen fluten finden? Ersten- muh jeder Schwimmer sein Ohr untersuchen lassen. In vielen Turn- und Sportvereinen wird heute schon eine regelmäßige älntersuchung aller Mitglieder durch einen Sportarzt vorgenommen. Bei den Schwimmvereinen müßte es als unbedingte Pflicht des Vereins gegen seine Mit- alieder betrachtet werden, daß er durch Aerzte feststellen läßt, ob nicht ein aktives Mitglied vhrenleidend ist. Wer ein Ohrenleiden Hot, braucht ^abcr noch nicht zu befürchten, daß er den 'Schwimmsport nicht auSüben könne. Es ist möglich, Mch gegen das (Einbringen von Wasser in das innere Ohr zu schützen. Das einfachste Verfahren -ist, sein Ohr mit durchfetteten Wattepfropfen wasserdicht zu verstopfen. Hierdurch entstehen weder große Kosten noch Mühe. Allgemein kann empfohlen werden, daß jeder, der zu Ohrenent- ?ündungen und Ohrenreißen neigt, vorsichtshalber ein Ohr mit durchfetteten Wclltebäillchchen gegen das Eindringen deS Wassers abdichte.
Richt nur dem Schwimmer, sondern jedem Wassersportler ist zu raten, diese Vorsichtsmaßregel anzuwenden.
Oie Tonkabohne.
Don Wilhelm Scharrelmann.
Früher, zu Hause, bewahrte meine Mutter in ihrem Knopsbeutel eine mysteriöse Bohne auf. Sie war so groß wie eine kleine Kartoffel, ein wahres Biest von einer Bohne, und dabei so köstlich an Wohlgeruch, daß alle Gewürze Indiens dagegen nicht aufgekommen wären.
Das ist eine Tonkabohne, erklärte mir meine Mutter, und schon an der Andacht, mit der das Wort ausgesprochen wurde, war zu erkennen, was für einen Schatz diese Dohne darstellen müsse. Ich habe nie wieder ein Wort so aussprechen hören — höchstens Koromandel. Aber Koro- mandel lag in sagenhafter Ferne, und die Tonkabohne präsentierte sich als ein greifbar nahes Wunder und hatte überdies einen Namen, der beinahe noch schöner llang als Koromandel. Er tönte wie eine alte Glocke, die dem Leithammel einer Schnuckenherde draußen in der braunen Heide jahrelang am wolligen Halse gehangen hat... Tong tong... Es war fabelhaft.
Sie hatte überhaupt Eigenschaften, die Tonkabohne — I Wenn meine Mutter den Knopsbeutel auf dem Tische umstürzte und die 36(8 Knöpfe, die bann waren, über die Platte kollerten und der eine, der gerade gesucht wurde, sich wieder einmal nicht darunter befand und man sich darum damit begnügen mußte, einen möglichst ähnlichen dafür zu finden — die Tonkabohne war jedesmal und sofort zur Stelle.
Schwarz und glärucnb fiel sie jedem sofort ins Auge und überstrahlte durch den Glanz ihrer aehcimnisvollen Erscheinung selbst den Schimmer der großen Perlmutterknüpfe, von den beinernen, gläsernen und metallenen Brüdern innerhalb der Familie Knopf gar nicht zu reden. Gewiß, auch unter den Knöpfen gab eS Märchen und Wunder, aber selbst der schönste Knopf war ohne Duft und konnte eS in keiner Weise mit der Tonkabohne ausnehmen. An ihr riechen zu dürfen, war ebensoviel. wie eine Tasse Schokolade angeboten bekommen. und das will etwa- heißen, denn Schokolade gab eS zu unserer Kinderzeit vielleicht in zwei Jahren einmal... ilebrigenä, fällt mir ein, könnte man noch eher sagen, daß sie noch Vanille duftete, aber daS fann ihren Wert nur
Oberhessen.
Landkreis Gießen.
ck. Heuchelheim. 18. April. Einen schweren älnglücksfall erlitt der als Schlosser- lehrling bei der Firma Schunk & Ebe beschäftigte Ed. Höhn aus Rodheim a. b. Bieber. Er (am in der Fabrik auf dem Windhof auf bis jetzt noch unaufgeklärte Weise mit der 2 0 0 0 0- Dolt-Starkstromleitung in Berührung und wurde von dem Schlag zur Seite geschleudert, wo er anscheinend leblos liegen blieb. Sofort an- gestellte Wiederbelebungsversuche waren von Erfolg. Der schnell herbeigerufene Sanitätsrat Dr. Hofmann leistete dem an Händen und Füßen stark verbrannten Jungen die erste ärztliche Hilfe, worauf et in die elterliche Wohnung nach Rodheim verbracht werden konnte.
• Allendorf a. d. Ld a., 18. April Unter den Schweinebeständen in unserer Stadt ist die Schweinepe st auSgebrochen. Der auf den 25. April angesehte Diehmarkt fällt infolgedessen aus.
gr. Grüningen, 18. April. Unfern Lebrer Ioh. Rullmann, der feither wegen seines Augenleidens beurlaubt war, ist eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Lampertheim, Kreis Bensheim, übertragen worden. Sein derzeitiger Vertreter, Echulgehllfe Gustav G ö l z. wurde als Schulverwalter nach Helpershain, Kreis Schotten, versetzt. Man sieht Herrn Gölz, der sich allgemein großer Beliebtheit erfreute, nur ungern von hier scheiden: besonders leid tut seinen lleinsten Schülern der Weggang. Der Schulverwalter Heinrich Schaaf, seither Lang-GönS, wurde nun mit der Verwaltung unserer zweiten Schulstelle beauftragt. — Die Schulküche weist einen guten Zuspruch durch freiwillige Teilnehmer auf. Die Zahl der zu unterrichtenden Schülerinnen war im abgelaufenen Winterhalbjahr so groß, daß im kommenden Schuljahr zwei Kochabteilungen gebildet werden müssen.
Kreis Friedberg.
' Friedberg, 18. April. Die Beschäftigungsmöglich eit im Bezirk des Arbeitsamts Friedberg zieht langsam an. Es ist zu hoffen, daß bei Eintritt besserer Witterung noch stärker wie seither der Arbeitsmarkt entlastet werden wird. Auch im Baugewerbe ist mit einem Anziehen der Beschäftigung zu rechnen, zumal zur Zeit die für die Bautätigkeit unseres Bezirks ausschlaggebende Bewilligung von verbilligten Staatsbaudarlehen eingesetzt hat. Am 16. April wurden im ganzen 1581 Personen in der Arbeitslosenunterstützung gezählt, und zwar 1218 im Kreis Friedberg und 363 im Kreis Büdingen. Die Zahl der Krisenempfänger betrug 124 in Friedberg und 3 in Büdingen. In Notstandsarbeiten wurden 230 Unterstützungsempfänger beschäftigt.
WSN. Friedberg, 18. April. Aus der Sitzung des Gemeinderats in Nieder- Florstaot wird bekannt, baß die Stadt Bad-Nauheim nunmehr ebenfalls dem Zweckverband Wett er au (Ärajttoagenlinie Nieder-Florstadt- Friedberg— Bad-Nauheim) beigetreten ist. Die Stadt Bad-Nauheim schießt ein Kapital von rund 21 000 Mk. ein, das der Beschaffung eine- neuen Wagens dient. Der f. Z. vom Abg. Lux gegründete Zweckverband dürfte mit dem Beitritt Dad-NauheimS in der Ausdehnung eines der größten Unternehmen dieser Art im weiteren Ilmkreise sein. — Der Auftrieb auf dem heutigen Echweinemarkt wurde zahlenmäßig mit 896 Ferkeln festgestellt. Bei flottem Geschäft wurden bezahlt für 6 Wochen alte Tiere 15 bis 20 Mk., 6 bis 8 Wochen alte 20 bis 25 Mk., 8 biS 12 Wochen alte 25 bis 30 Mk. ES verblieb etwas ileberftanb.
Kreis Schotten.
Schotten, 18. April. Don etwa 150 Morgen Wiesen, die die Frhr. Gün- derobsche Verwaltung auf drei Jahre verpachtete, würben, des n teerigen Pachtpreises wegen, nur 18 Morgen genehmigt. Der ausgebotene Wiesenkompler sollte bereits im Vorjahre auf die gleiche Zeitspanne verpachtet werden, aber die Verpachtung fand keinen Zuschlag. Die Folge war. daß ein Teil der Wiesen überhaupt nicht gemäht wurde. — Mit der Leitung des neuerrichteten Krankenhauses, das im Laufe des Sommers eröffnet werden soll, touroe der Chirurg Dr. Königer in Offenbach be
traut. Dieser ist al8 Sohn deS früher hier beamteten Kreisarztes Dr. Königer mit den hiesigen Verhältnissen vertraut, was für die Wahl mit- bestimmend war. — Die Wagnerzwangsinnung des Kreises, die im Jahre 1922 gegründet wurde, ist jetzt aufgelöst worden. Damit ist bereits die vierte ZwangSinnung in unserem Kreis der Auslösung verfallen, zwei bestehen zur Zeit noch.
Ql Laubach, 18. April. Wie wir berichteten, hat die Stadtverwaltung die Durchführung der Kanalisation als ihre wichtigste Ausgabe erkannt und beschlossen, 50 000 Mk. hierfür aufzunehmen. Für die Ausführung einer Teilstrecke ist die Lieferung der Materialien der hiesigen Firma Ioh. Fried r. Rühl übertragen, die Ausführung brr in Los II der Ausschreibung angegebenen Arbeiten der Firma Ludwig Schneider in Heuchelheim. Die hiesige Firma Philipp R ö m h e l d ist mit der Lieferung der Rahmensahstücke und der Schachtdeckel betraut worden. Vorerst wird die innere Stadt an ihrer tiefsten Stelle, än der sog. .Waschbach", kanalisiert. — Die Enthüllung des Ehrenmals für die im Weltkrieg gefallenen Söhne unserer Stadt ist auf Den zweiten Psingstfeiertag festgesetzt. Ein Festzug durch die Stadt wird vor der Weihe am Untertor ftattfinben.
§ Üllrichstein, 18. April. Hier wurde eine Besprechung abgehalten zwischen Vertretern der Städte Schotten und TI l r i ch st e i n, der beiderseitigen Postämter und der Realschule in Schotten, um die zwischen hier und Schotten bestehende Postautoverbindung so zu gestalten, daß Schüler aus unserer Gegend, die die Realschule in Schotten besuchen, mittags nach Schulschluh das Auto zur Heimfahrt benutzen können. Es wurde zugesagt, die Abfahrtszeit des Autos in Schotten bei der nächsten Fahrplanänderung in wenigen Wochen eine Viertelstunde später zu legen. Weiter hofft man, durch Anträge bei den zuständigen Behörden noch im Laufe dieses Jahres die Abfahrtszeit soweit hinausschieben zu können, daß die Schüler nicht vorzeitig aus dem Unterricht entlassen zu werden brauchen. Hoffentlich tragen diese Bemühungen Frucht und kommen so mancher Familie zu gut, die jetzt ihre Kinder nach auswärts auf höhere Schulen schicken muß, zumeist unter sehr beträchtlichen Kosten. — Der heute hier abgehaltene O ft ermatt t, auf dem vornehmlich Ferkel sowie auch Kälber $um Verkauf tarnen, brachte unserem Ort wie alljährlich einen starken Zustrom Kauflustiger aus der Nachbarschaft. Wegen des rauhen Wetters konnte er nicht an dem üblichen Platz, unter den Linden am Weg nach Langwasser, abgehalten werden, sondern im Schutz der Häuser unweit deS Marktplatzes. Aus demselben Grunde war der Auftrieb unverkennbar schwächer, als in anderen Jahren und das Geschäft nicht sonderlich gut. — Bei der diesjährigen Konfirmation am Ostermontag wurden 11 Mädchen und 3 Knaben eingesegnet, genau umgekehrt wie im vorigen Jahr, wo es 3 Mädchen und 11 Knaben waren. In F e l d k r ü ck e n, wo die Kinder am Sonntag nach Ostern in der wundervoll geschmückten Kirche konfirmiert wurden, waren es 4 Knaben und 2 Mädchen.
□ Freienseen, 18. April. In voriger Woche wurde daS hiesige Gemeindearchiv in Gegenwart von Professor Dr. Wilh. Martin B e ck e r - Darmstadt als Vertreters des Staatsarchivs und von Bürgermeister M ä n n ch e als Vertreters der Gemeinde auf Grund des vom Kreisurkundenpsleaer Professor Dr. RoeSchen- Laubach ausgestellten Verzeichnisses übergeben, älnser Gemeindearchiv ist sehr reichhaltig. ES gibt wohl wenige Dorfgemeinden in Deutschland, die solche bedeutende Bestände an ilrfunöen und Akten bewahren. Das Archiv enthält nicht weniger als vier Kaiser- und sechs Landgrafen- Utfunben. Die älteste Kaiser-Urkunde ist ein Wappenbrief, den Kaiser Karl V. In Brüssel in Brabant am 9. Januar 1525 ausgestellt hat. Das Wappen zeigt einen geteilten Schild, in dessen oberem Teil ein wachsender schwarzer Adler in goldenem Feld, in dessen unterem Teil aber ein Schwan zu sehen ist. Bereits 1471 stellte Landgraf Heinrich von Hessen einen Schuhbnef aus, worin er bekannte, „das wir unfern und andern die Menner gemeiniglich des Dorffs Freyenseen beh Iren alten Freiheiten Herkommen und Gewohnheiten vorthedigen wollen". Dieser Schutzbrief wurde von allen Landgrafen bis an das Ende deS 18. Iahrhun-
erhöhen. Vanille kam noch vor Schokolade. iln- bedingt
Eines Tages, —meine Mutter hatte, mit einer Näharbeit beschäftigt, soeben wieder einmal den Knopsbeutel hervorgeholt unb auf dem Tische umgestürzt, um für einen abgerissenen Knopf an meiner Jacke einen möglichst ähnlichen zu suchen — war die Tonkabohne verschwunden, weg, spurlos davon, als hatte die Tischplatte sie verschluckt.
Ich suchte unb suchte, rührte den ganzen Knopfhaufen um und um unb guckte mir die Augen nach ihr aus, aber die 3678 Knopfgesichter grinsten nur.
Ich hatte doch immer eine Tonkabohne zwischen den Knöpfen? meinte meine Mutter und wunderte sich.
Ich war fünf Jahre alt und hätte das Heulen kriegen können. Die Tonkabohnel War so ecwaS möglich?
Selbst der Kreisel, den ich mir aus einem Knopfe machen durste, stillte meinen Kummer nicht...
Ich weiß nicht, ob die Kunst einen solchen Kreisel zu machen heute nicht längst in Vergessenheit geraten ist. Man schält einen Knopf aus seiner Sto)iumhüllung unb spießt ihn auf ein Zündholz, unb wenn man es dann versteht, ihn zwischen den Fingern zu zwirbeln und im rechten Augenblicke loszulassen, surrt unb tanzt er wie ein Derwisch...
Die Tonkabohnel Ich konnte kaum einschlafen darüber unb selbst in den Traum hinein verfolgte sie mich: ich lag der Länge lang auf dem Fußboden unseres Wohnzimmers und spähte unter die Möbel. Richtig, ba lag sie ja, hinter bem linken Dorberbein der alten Mahaaonllom- mobe. Hahal sie hatte wohl keine Lust mehr, zwischen den alten Knöpfen äu liegen? Sine selige Freude durchrieselte mich unb vor Entzücken wachte ich auf.
Verwundert richtete ich mich im Bette auf und starrte mit großen Äugen in die mondhelle Kammer. Alles war still, bellommen und rätselhaft still... Eisblumen stauben im Mondlicht an den Fensterscheiben und der Schatten des Fensterkreuzes lag so hart und scharf auf den Hellen Dielen des Fußbodens, als hätte eS ein Maler mit dunkler Farbe darauf gemalt
Aber da — was war das? Ein Ton erscholl jetzt in der Stille und stand wie ein Wunder, befremdend unb groß in dem stillen Hause auf. stieg an unb senkte sich wieder, von einer so rätselhaften Schwermut getragen, daß ich darunter erschauerte. Jemand fang ein Lied, daS ich nicht kannte und mich doch mit seltsamer Gewalt berührte... Es war die Stimme meines Vaters, weich und tief unb von einer solchen Fülle im Ton, daß mir bas Herz darüber still- stehen wollte.
Niemals, baß ich meinen Vater so hatte fingen hören.
Och weiß nicht mehr, weiches Lied eS gewesen sein mag, das er fang. Es war auch nicht daS Lied — es war der Ton seiner Stimme, der in mein traumerfülltes Hey fiel, der Ton der Schwermut und eines hofsnungsioien Leids.
Tor Erregung erbebend, stand ich auf, tappte durch bie Kammer, währenb die Kille mit eiS- küh.en Händen an meine Brust griff, schlich bie Treppe hinab unb guckte burch das Schlüsselloch in bas Wohnzimmer.
Drinnen saßen meine Eltern im Schein der alten Petroleumlampe versunken und still miteinander am Tisch. Mein Vater wendete mir den Rücken zu, so daß ich fein Gesicht nicht sehen konnte — aber ich hörte ihn ja, unb der Ausdruck der Klage, die ans seinem Gesänge sprach, fiel mit jedem Ton stärker in mein Herz unb erfüllte es mit einer unsäglichen Trauer.
War es möglich, daß mein Vater, ein Wann, der nach meiner kind ichen Meinung alles wußte unb alleS konnte, der stärker war als alle und den alten hölzernen Kos,er auf dem Hausboden, der mit eisernem Werkzeug g.-füllt war und den ich nicht um einen Zentimeter zu rüden vermochte, wie ein Spielzeug in die Höhe hob. daß dieser Mann von Schmerz und Trauer erfüllt war unb tiefer darunter litt. alS ich jemals gewußt hatte?
Was um alles in dec Welt konnte eS fein, das ihn so traurig machte? Nein, ich wußte damals noch nichts von den zerstörten Hoffnungen eines LebenS. wußte nichts von dem Druck der Entsagung und der Gewalt deS Schicksals, von Verlust unb schwerer Zeit — ich wußte nur einS — die Tonkabohne! nur um sie konnte eS fein, daß et so traurig war.
berkS erneuert. Daneben besitzt daS Demeindv- archiv noch eine sehr reichhaltige Anzahl von trefflich auSgeführten Flur- und Gewannbüchern. Besonders sorgfältig sind die um die Mitte deS 18. Jahrhunderts unter dem Grafen Christian August zu Solrns-Laubach entworfenen Flurkartcn. Sehr vielen wertvollen Stofs bieten auch die alten Gemeinderechnungen: sie sind drei Jahrhunderte hindurch fast vollständig. Unter Marktflecken hat auch verschiedene anziehende Sehenswürdigkeiten, so eine schöne, 1770 erbaute Kirche: der Turm stammt etwa aus dem 14. Jahrhundert und zeigt durch die noch vorhandenen Schießscharten, daß er auch zur Verteidigung diente. Auch die Dorfbefestigung ist sehr fefcn«* wert.
Kreis Lauterbach.
P. Schlitz. 18. April. Der hier seit übet 70 Jahren eingegangene Schweinemarkt ist aus Gemeinderatsbeschluß mit Genehmigung deS Innenministeriums in diesem Jahr wieder inS Leben gerufen worden. Nachdem schon bet anfangs März abgehallene Markt einen vollen Erfolg bedeutete, war auch der heutige Markt sehr gut beschickt. Bei einem Auftrieb von 348 Ferkeln entwickelte sich ein lebhaftes Geschäft, so daß nur ein ganz geringer -Ueberfranb verblieb. — Am Sonntag wurden in unserer biS zum letzten Platz besetzten Stabtkivchr, deren Altar unb Taus stein wundervoll mit Blumen geschmückt toapen, 29 Knaben und 25 M ä b- chen in feierlichem Gottesdienst konfirmierst Zehn Väter dieser Kinder sind im Weltkrieg fürs Vaterland gefallen.
Starkenburg.
WSN. Darm stabt, 18. April Zu einer vertraulichen Besprechung hatten sich die Vertreter der Wirtschaftsorganisationen (Industrie, Handel, Handwerk und Hausbesitz) zusammengrsunden. um gegen die von der Stadtverwaltung geplanten Steuererhöhungen Stellung zu nehmen. Wie verlautet, beabsichtigt die Stadt Die Grundsteuer um 20 auf 40 Pf., also um 100 Prozent, bie Gewerbesteuer von 74 auf 110 Pf., d. h. um rund 50 Prozent, die Grundgebühr für GaS um 20 Pf. unb den Wasserpreis von 22 auf 32 Pf. zu erhöhen. Die Stadt errechnet hieraus angeblich eine Mehreinnahme von 1,2 Mill. Mk. Die Versammlung der Hauptträger dieser Stcuer- erhöhung erörterten sodann energische Abwehr- maßuahmen.
Preußen.
Kreis Wetzlar.
<> Oberkleen, 18. April. In diesem Jahre sind hier zehn Kinder aus der Schule entlassen worden, und zwar fünf Knaben und fünf Mädchen.
<> Ebersgöns, 18. April. Die Zahl der diesjährigen Konfirmanden der hiesigen Gemeinde beträgt acht, und zwar fünf Knaben und drei Mädchen.
Kreis Biedenkopf.
& Gladenbach, 18. April. Am Montag wurde hier eine höhere Privatschule eröff- net. Die Regierung hat hierzu die Genehmigung erteilt. Die Leitung der Schule wurde Studien- bireftor Bruns aus Marburg übertragen. Der Unterricht findet vorläufig in den Räumen der Landwirtschaftlichen Schule statt.
Maingau.
WSN. Frankfurt a. M., 18. April. Sell mehreren Monaten befinbet sich der Geschäftsführer deS Verbandes der Metall- industriellen in Haft, nachdem er im September v. I. seines Postens enthoben worden war unb der Verdacht bestand, daß er große Unredlichkeiten begangen habe. Wie verlautet, ist durch eine Revision der Bücher festgestellt worden, daß der Inhaftierte mehr als 100000 Mark feinem Verband veruntreut haben soll. Eine von dem Verhafteten kürzlich eingelegte Haftbeschwerde wurde verworfen.
Instandsetzung des Jeldbergkastetts.
WSN. Aus dem Taunus, 18. April. Nachdem in den beiden letzten Jahren die Trümmer des bekanntlich durch die französische Besatzung zerstörten Feldberg- k a st e 11 s zum größten Teil wieberhergestellt
Wit einem Ruck öffnete ich bie Tür unb mit dem Ruf: Sing nicht mehr — ich weiß, wo fie istl kniete ich vor der Mahagonikommode nieder, fand die Tonkabohne an der Stelle, wo ich sie im Traum gesehen hatte, unb brückte fie meinem Dater, zitternb vor Freude, in bie Hand.
Eisbärenjagd für Damen.
Die „Polaramazoae" ist bie neueste Erscheinung, durch die die Frau ihre Liebe zum Sport und ihre Gleichberechtigung mit dem Manne beweist. Eine ganze Anzahl englischer Damen wird im Juni zu einer Expedition nach dem Polarkreis ausbrechen, um hier Eisbären, Robben unb Walrosse zu erlegen. Der Leiter dieses Unternehmens ist ein erfahrener Polarforscher, I. C. Dee-Wason, der Shackleton auf feiner letz.en Reise begleitete und verschiedene arktische Expeditionen geleitet hat. „Die Damen sind ja in unfern Tagen besonders begierig nach neuen und abenteuerlichen Unternehmungen“, erflärt er. „Deshalb habe ich diese originelle Art eines Iagdausiluges arrangiert. Besondere Anstrengungen und Gefahren sind damit nicht verbunden. Unser Schiss verfügt über bequeme Kabinen und ist mit allen Sicherheitsmaßnahmen ausxe'ia.tet. Das Ziel der 2leire ist Franz-Iosefs-Land, unb bie Damen, die sich mir anvertrauen, werden die ersten Vertreterinnen deS weiblichen Geschlechtes sein, die ihren Fuß auf dieses Land setzen. Die LandschaftS- bilder sind großartig. Die Sonne geht niemals unter. Die Schießgelegenhei en find vorzüglich, denn an Beute ist kein Mangel. 3m vergangenen Jahr ging ich mit einer Jagdgesellschaft an Land, unb wir erlegten 35 Eisbären: außerdem gibt es hier weiße und blaue Füchse unb riesige Mengen von Vögeln. Es läßt sich hier der schönste „Wintersport" im Sommer betreiben. Es ist eine reine Vergnügungsfahrt. Wir haben Radio an Bord unb werden baher mit der zivilisierten Well in ständiger Verbindung bleiben. Eine Aerztin beglei ei die Damen. Mitte Juni werden wll nach Bergen abfahren unb Don dort an den norwegischen Fjorben entlang »um Nordkap. Die Zahl der Damen, di-e sich zu dieser Iagdpanie drängten, ist groß.“


