Ausgabe 
19.4.1928
 
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Donnerstag, 19. April 1928

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesseu)

Nr. 92 Zweites Blatt

gelungen, ü schm Ojeo

Dem »hoher Schule" lasse ich gelten nehme ebenfalls den Hut ab.

geborenen geborgen. Die Besatzung wurde jedoch von den Eingeborenen sofort gefangen genommen und verschleppt. Hur gegen schweres Lvsegeld war es ihr vergönnt, wieder in die Heimat -urückzukeftren.

Ungleich tragischer sind bekanntlich die Ozean­flüge verlaufen, die die kürzere Strecke über

Opfer des ,Schanghaiens^.

Obwohl die Zeiten des Segelschilfverkehr# und des damit Derbunbenen .Schanghaiens" seit zwei Jahrzehnten dahin sind, so ist das Schanghaien in den amerikanischen und australischen Häfen anscheinend doch wieder zur vollen Blüte ge-

Schule", in der eine alte Exzellenz den Hut nicht nur vor jedem Stalljungen, sondern vor einem Pferd abnimmt, in der ein Lehrer zu seinem Schüler sagt: .Ich danke Ihnen!" diese Art ' ' ........ " und

zusehen.

In dieser Wiener Schule wird daS Höchste von Pferden und Menschen verlangt. Aber man hort kaum je ein lautes Wort. ES ist, als ob man nicht in einer Heil-, sondern in einer Tanz­schule wäre. Da ist ein alter Herr, der mit Exzellenz" angeredet wird. Er ist hier trotz seinen weihen Haaren nicht Lehrer, sondern Schüler. Er kann schon reiten, schon feil fünfzig Jahren, aber er lernt es immer ein bihchen besser. Wie geht dieser alle Herr mit seinem Pferd um? Er ruft es und hält ihm ein Stück Zucker auf der flachen Hand entgegen Und ' schwerer. ftoUer Hengst, mit nn majestätischer Tatarenfürst.

gelungen, in ost-westlicher Richtung den Altanti- schen Ozean zu bezwingen Dagegen fiel ein italienisches Flugzeug in der Rähe der afrikani­schen Goldküste Ins Meer und wurde von Ein-

Boykott.

WaS ist Boykott und welche- ist seine heutige öffentliche Beurteilung vorn Gesichtspunkt des RechleS und der Sitte? Die Beantwortung dieser Frage ist heute insofern von besonderem Interesse, als die Derscharsung deS politischen Kampfe- durch die Ilmwälzungen auch die Kampfmctftobe deS Boykotts in manchen Kreisen wieder in Anwendung bringen lieft.

Unter Boykott versteht man den planmäftig durchgesührten Abbruch der gesellschastlichen und wirtschaftlichen Beziehungen mit einer Person oder Personenmehrheit. Der Harne rührt von dem irischen Düterverwalter Eh. E. Boykott her, der in den siebziger Jahren wegen seiner Rücksichtslosigkeit von den irischen Landpächtern geicllschastlich und wirtlchastlich versehmt wurde. Früher rechnete man auch den Streik und die Lieserungslperrc unter den Begriff »Boykott' und verurteilte sie dementsprechend. Heute haben sich die rechtlichen und sittlichen Anschauungen hierin geändert und man gestattet sowohl oen Industriekartellen ihren Avnchmern gegenüber Verlaufs!perren zu verhängen, wie den 'Ar­beitern, ihre einzige wirtschaftliche Waffe, die Verweigerung der Arbeitsleistung in Anwendung zu bringen.

Hingegen hat die öffentliche sittliche Meinung wie die Rechtslehre scharf Stellung genommen gegen jene Aechtung, die wegen der toe|Innung und Ucbcrjeugung einer Person oder Personen- gruppe versucht oder unternommen wird, sei e# nun. weil der Boykottierte einer anderen Ration, einer anderen Religion ober einer anderen poli­tischen Richtung angehört. GS wirb heute alS gleichermaften unsittlich unb rechtlich unzulässig empsunden, wenn z. B. eine polnisch-nationale Mehrheit eine Minderheit b eutscher Rationalität boykottier! wie wenn z. B. deutsche Staatsbürger andere deutsche Staatsbürger gesellschaftlich ooer wirtschaftlich boykottieren, nur weil diese einer anderen politischen Lieberzeugung sind oder einer anderen Religion angehören. Gerichtsurteile aller Instanzen sind sich in der Verurteilung solcher Boykott-Versuche als »Derstöfte gegen die gute Sitte einig. Auch die Rechtsforfchung nimmt eindeutig einen ähnlichen Standvunkt ein; so äufterl lieb der grotze Rechtslehr.r P.osessor Oert- mann-Göttmgen über dieses Thema u. a.: »Poli­tische und religiöse lleberzeugung gehören . . . so sehr in das Gebiet der individuellen De- stimmungssreiheit des einzelnen, daft jeder An­griff darauf durch irgendwelche ZwangSmaft- naftmen oder Benachteiligungen den Anschau­

Durch die Lüste nach Amerika!

Entgegen der Erdrotation. Oael tragische Schicksal der 7 LodeSmaschinen.

das Pferd, ein schwerer, stolzer Mengst, mit einem Kopf wie ein majestätischer Tatarensürst, kommt ganz brav unb langsam durch die Reit­bahn auf ihn zu unb schnaubt ein viftchen unb nimmt den Zucker. Unb der alte Herr? Sr grüftt bas Pferb. Er sagt feinem Pferd »Guten Morgen". 6r nimmt höflich den Hut vor ihm ab unb grüftt es. wie einen Menschen. Dann steigt er aus unb lernt reiten. »Seien Sie ihm

solche Art und so gut geritten wird wie hier. Jedenfalls: wer von der »hohen Schule" das Hell für bie Welt, die Pferde unb die Menschen erwartet, für den mich diese »Spanische Reit­schule" in Wien: Mella. Medina und Rom auf einmal fein. WaS man in Zirkussen, in den besten Zirkussen der Welt von »hoher Schule" sehen konnte, das ist ein bescheidenes Kinder­spiel gegen die hohe Schule, die hier geritten wird.

Das Gestüt, dem die Pferde der »Spanischen Reitschule" entstammen, ist gegen Ende des sech­zehnten Jahrhunderts (etwa 1580) vom Hause Habsburg in Lippiza, im Karstgebirge. ge­gründet worden. Der harte Boden unb die würzige Weibe der Alpenlandschaft gelten al# besonders günstig für die Zucht dieser schweren unb doch so leicht beweglichen Pferde. Sechs Stammhengste kennt die Historie dieses be­rühmten Gestüts: Pluto. Conversano. Reapoli- tano, Favvry. Maestoso unb Siglavy. ein Araber­hengst, der erst später hinzukam. Don diesen Stammvätern stammen auch alle die Pferde ab, die noch heute, nach dreieinhalb Jahrhunderten, hier in der »Spanischen Reitschule geritten werben. Die Schule selber ist ein schöner Saal in einem Flügel der Hofburg. Stilles, beschei­denes Rokoko. Grau gewordener Stuck, braun gewordenes Gold, Spiegel unb Fenster. Rings­herum eine Galerie. Man darf hinauf geben unb

Spanische Reitschule - in Wien.

Don Hans Siemsen.

Dien hat die Stephanskirche. aber Köln hat den Dom, und der ist auch ganz schön. Wien hat die Kärntner Strafte, aber Paris hat die Rue de la Paix. Wien hat die Hofburg, aber Moskau den Kreml. GS ist schwer, etwa# zu haben, was niemand sonst hat.

Aber Wien hat dieSpanische Reit- s ch u l e". Unb die gibt cs nicht noch einmal in der Weltt Die ist so wie sie dasteht mit Ställen, Reitbahnen, Tieren, Menschen. mit allem, waS da geschieht glatt übrig­geblieben aus einet Zeit, die eS gar nicht mehr gibt, die mit ihren Menschen. Sitten. Sorgen unb Ideen längst, aber längst verschollen ist. Drauften fahren Lokomotiven. Automoblle. brauften klingelt doS Telephon, lärmt das Radio, brausten war Krieg und Revolution und hier reitet man chohe Schule". tagauS. tagein, ernst und würdevoll, mit viel Mühe unb Arbeit, wie man hier im selben Haus, in bcdeCbcn Reit­bahn. auf ben Vätern btefer selben Pferde vor hundert Jahren geritten ist. vor zweihundert, dreihundert Jahren, wie man es von Monsieur Sluoincl gelernt hat. dem Reitlehrer Er. Äönig- chen Majestät Ludwigs XIII. von Frankreich DaS alte Oesterreich existiert nicht mehr. Aber die .Spanische Reitschule" besteht noch.

Hier gibt es Pferde, wie man sie fönst über­haupt nicht mehr sieht. Sie sehen nicht aus wie ein ..Pferd", sondern wie einRoh", stolz und feurig, mit geblähten Rüstern unb herrlich ge­schwungenen Hals. Solche Rösser malte Velos- quez seinen Königen. Unb wahrhaftig: biefe Pferde hier können die Rachkommen jener DelaS- quez-Rösser sein. Sie stammen aus Spanien. (Daher rührt auch der Harne der Schule.) Lauter Schimmel, schneeweift und hell. Unb herrliche Hamen haben sie von ihren Delasquez-Dätem geerbt. Heapolitano Salva heiftt einer unb ein anderer: Pluto Eylvana. Unb ein Araber heiftt: Siglavy. Und er ist der einzige, der nicht weift, sondern braun ist. wie es sich für einen Araber gehört.

Die Reiter haben nicht so schöne Hamen und wahrscheinlich auch keine Delasguez-Väler. Aber sie reiten, als ob sie auch .Pluto" und.Heapoli­tano" und .Siglavy" hieften. Ich qlaube nicht, Daft auf irgendeinem Fleck der Erde noch auf

langt DaS Wort .Schanghait" sand in jenen alten Segelschiff tagen aus Leute Anwendung, die unter allerlei Vorspiegelungen ober auch Im Rausche wider Willen zu Matrosen gemacht wur­den. indem sie verschleppt wurden unb. aus dem Rausch ober der Betäubung erwacht, sich plötzlich an Bord eincS Segelschiffes befanden. daS viel­leicht schon in voller Fahrt auf dem Ozean be­griffen war. Sie waren Landholen, Rennern von Heuerbafen für S.chisfe in die Hände ge­fallen, die auch noch das Handgeld für die ver­schacherten unb verkauften Leute in die eigene Tasche gesteckt hatten. Unb nun ist dieser edle .Brauch" wieder zu neuem Leben erwacht Jungen, kaum der Schule entwachsen, ober junge Männer, die auf brr Suche nach Arbeit in bie großen Hafenstädte gekommen, weil die Arbeits­losigkeit in der Industrie in den letzten Jahren in Amerika besonders groft gewesen ist. schlafen in den Zlüsterbuden. den toc icn der Prohibition im geheimen geführten Kneipen, nahe den Schiffsanlageplätzen nach dem Genüsse von schlech­tem Whisky ein. unb wenn sie aufwachen, ist schon meisten# kein Land mehr ui Sicht Sie haben Kopfschmerzen, entweder vom Alkohol oder von Betäubungsmitteln oder von einem tüchtigen Schlag aus den Kops, und im MannschastSregifter finden sie ihren Hamen ober vielleicht auch einen andern verzeichnet, der für ihren Hamen stehen soll; denn den Kapitänen der graften Fracht­dampfer ist es wie früher den Segelschiffkapi­tänen ganz gleich woher die Leute kommen, wenn nur ihr Schiff einigermaften vollzählig bemannt ist, da die verschacherten unb ungeübten Kräfte ohnehin nur am Ende auf geringfügige Bezahlung hoffen können. Der neue Freund, den sie in der Hafenkneipe fanden oder der sie dahin verschleppte, ist aber nicht an Bord des Schiffe#. Zu spät erst merken sie. was geschehen ist. Wenn sie in die Häsen zurück kommen sollten, falls sic nicht schon vorher in einem andern Hasen deser­tierten, fällt e# ihnen meistens recht schwer, gerichtlich vorzugehen, da diejenigen, denen sie zum Opfer fielen, stet# sehr gerissene Leute sind gegen bie jene armseligen Tröpfe nicht# auSzu- richten vermögen. War es nicht ihr eigener Fehler, sich in einer fremden Stadt mit Fremden einzulafsen? Die Gewerkschaften der graften ame­rikanischen Hafenstädte haben sich deshalb zusam- mengetan, um im amerikanischen Kongreß ein Gesetz durchzubringen, das Schanghaien mit schwe­ren Strafen belegen soll. A.H.

3Iit ungeheurer Spannung wartete daS ameri» konische Volk, wartete die ganze Welt auf die Hnhinfi de# Flugzeuge# ..Bremen" in Amerika Oftne Unterschied bet Ration wird man nun Die briben kühnen Piloten feiern, denen es zuerst Ge­lungen ist, Die ungeheure Wasferwüste in oft - westlicher Richtung im Flugzeug zu über­queren unb ohne Zwischenlandung die Vereinigten Staaten zu erreichen. Ganz be­sondere Veranlassung, sich diese# Sieges zäber Ausdauer, hervorragenden Sportgeiste# unb nicht zuletzt genialer KonstrukttonStechnik. allo eine# Triumphe# menschlichen Geiste# über blinde Haturgewalten, stürmische# Weiter unb zum Teil widrige Wmdc zu freuen, hat natürlich da# deutsche Volk, bem nicht nur Der Pilot angehört, sondern aus dessen Fabriken auch da# Flugzeug hervorgegangen ist, Da# sich jetzt den schwersten Ansprüchen gewachsen gezeigt hat. Daft die deutsche Flugzeug-Industrie einen so hervorragenden Apparat bauen konnte, ist be­sonders bemerkenswert, wenn man berücksichtigt, weiche Schwierigkeiten dem deutschen Flugzeug­bau lange Zeit durch Vorschriften des Frieden#- vertrage# in den Weg gelegt wurden.

Koyl und sein 'Begleiter von Hünefeld haben nicht nur eine gewaltige körperliche Arbeit geleistet, eine bewundernswerte Ausdauer ge­zeigt, sondern auch bewiesen, daft sie einen ge­radezu ungeheuren Mut besitzen. Hach ben lln* gluckSsällen. Die sich in schrecklicher Reihenfolge bisher bei ben Ozeanslügen ereignet haben, waren Fachleute übereinstimmend zu Der Ansicht gelangt, daft bie ileberquerung be# Atlantik in den bis­her üblichen Flugapparaten, so'^rn sie in ost- westlicher Richtung vorgenommen wird, einem Selbstmorbversuch gleichzusetzen ist. A 11 e i n i m Jahre 1 927 haben im Atlantischen Ozcan 1 6 Flieger i h r Grab gefunden, unb in diesem Jahr hat der Tod HinchclifseS be­wiesen, daft die Konstruktionsverbesserungen de# letzten Winter# nicht immer ausreichend gewesen sind. Tatsächlich ist übrigens die Zahl der Flieger, die bei Ozeanslügen um# Leien gekommen sind, noch gröber, da viele Piloten chr Glück auch am Pazifik versucht haben, ohne gröbere Erfolge al# ihre Leidensgefährten über dem Atlantischen Ozean auswcifen zu können, nach­dem zehn Piloten schon im Jahre 1926 ihr ehr­geiziges Unternehmen, da# Meer im Flugzeug zu über queren, mit dem Leben bezahlen muhten, eröffneten Die Drei Franzosen Faint -Ro­ma i n , Petit unD WonneyreS am 5. Mai 1927 die unglückliche Liste der Flieger, die ihre Tollkühnheit mit dem Tod in den Wellen des Atlantischen OzcanS bezahlt haben. Sie wollten mit ihrem FlugzeugGoliach" von St. Louis in Westafrika nach Südamerika fliegen, ertranken aber an unbekannter Stelle. Einige Wochen vor­her war cS bem italienischen Hauptmann D e P i- n e b o gelungen, in Etappen nach Südamerika unb zurück zu fliegen. Sr verlieft Europa am 13. Februar unb flog im ganzen 45 000 Kilo­meter, natürlich mit einer graften Zahl von Zwischenlandungen. Auf dem Rückflug muftte er in der Hafte der Azoren niedergehen, wurde aber ausgeslscht unb konnte noch lebend geborgen werden. Auf Der südlichen Route über den At­lantik ist e# auch einigen aoberen Piloten, näm­lich dem portugiesischen Hauptmann DeBeiros und dem brastlianischen Major De Barros,

liebenswürdig im Maule!" sagt der Reitlehrer zu ihm, der mit seinem altmodischen Dreispitz, in Frack und weiften Hosen in der Mitte der Dahn steht.

Auch im anderen Teil der Bahn wird Unter* richt erteilt. Hier unterrichtet ein sehr aristo­kratisch auSsehender Herr in Mantel und Hut, der scheinbar eben au# einem englischen Klub gekommen ist. Gr unterrichtet einen jungen Offi­zier, der ohne Steigbügel und nur mit der Trense einen prachtvollen Schimmel reitet. Mit leiser, kaum erhobener Stimme spricht der aristo­kratische Herr sehr höflich und eindringlich auf den Jungen ein. Er labt ihn nicht einen Moment au# den Augen und korrigiert ihn ununter­brochen: die Heilung der Hände, Die Haltung der Ellenbogen, die Haltung der Knie, der Schenkel, des Rückens. Der junge Offizier gibt sich alle erdenkbare Mühe, er quält sich, er ft rangt sich sichtlich an. Aber ununterbrochen ermahnt die leise, höfliche Stimme, daft noch etwas und wieder etwas anbere# nicht in Ord­nung ist. Der Junge weint beinahe vor Ver­zweiflung aber )eyt. gerade jetzt ist es gut .Sehr gut." sagt Die leise Stimme, »ausgezeich­net! Ganz ausgezeichnet!" Dann geht der feine Herr auf den Jungen zu. zieht den Hut unb lagt: »Ich danke Ihnen! GS war mir eine Freude."

Ist unS daS jemals passiert? Daft ein Lehrer zu seinem Schüler sagt. »Ich danke Ihnen! ES war mir eine Freu der'

Ich verstehe nicht allzuviel von Pferden. Ich gehöre nicht zu Denen, die von Der »hohen Schule" Da# £>eil Der Menschheit erwarten. Ich liebe keine Qm von Dressur, ilnb ein wildes Tier ist mir immer unsagbar herrlicher erschienen als ein dressiertes. Aber diese Gorte von »hoher

Deutsche Ein- und Auswanderung^ 928

3m Jahre 1927 haben 60 769 Deutsche Die Heimat mit überseeischen Reisezielen verlassen: hierbei ist die Zahl der deutschen Auswanderer, die über Antwerpen ausreisten, noch nicht be­rücksichtigt. Damit ist Die Gesamtzahl Der deut­schen Auswanderer gegen 1926 um 4 4 9 0 zu- rückgegangen. Eine Zunahme der Aus­wanderung hat in Württemberg (um 1178), Bayern (um 550) unb in Baden (um 265) stattgefunden. Von den preuftischen Provinzen zeigt Hannover eine Zunahme von 616, während die Bayerische Pfalz eine Abnahme von 186 auftocift. Im Reich^durchschnitt wanderten 96.1 Personen auf 100 0C0 Einwohner aus. Hebet diesen Durchschnitt liegen bie Ziffern für Bremen (391). Hamburg (242). Württemberg (219 . Ba­den (218). Oldenburg (138). Bayern (132). für die preuftische Provinz Hannover (153), SchleS- wig-Hvlstein (151). Hohenzollern (128) unb die Grenzmari (107). während alle andern Gebiete zum Teil iveit unter dem ReichSdurchschni^t lie­gen. Von Den deutschen Auswanderern ginnen 32 866 über Bremen. 25 925 über Hamburg. 1998 (ohne Antwerpen) über fremde Häsen. Die Aus­wanderung über fremde Hasen ist dem­nach gegen 1925 ( 3247) erheblich zurüäge- gangen. Unter den deutschen Auswanderern waten 607 b i # ft e t im Ausland ansässige RcichS- angehörige (1926 : 665). Auftet den Deutschen sind über Bremen und Hamburg 29 lt.8 F t e m b e ausgewandert (1926 29 396). darunter 1226

(1157) bisher im Deutschen Reich ansässige Aus­länder.

An Einwanderern verzeichnet die Sta- Hftil für da# Iaht 1927 88 774 Personen 11926: 76 442). Unter diesen Einwanderern waren 38 264 deutsche ReichSangehörige (1926 : 29 656). Dem Berufe nach gehörten von den 1927 über deutsche Häsen ausgewanderten Deutschen 34,0 Prozent der Industrie an. einschlieftlich Bergbau, Gewerbe unb Baugewerbe, 24.7 Prozent der Landwirtschaft, Gärtnerei und Tierzucht, Forft- wirtschast und Fischerei. 15 Prozent dem Handel unb Verkehr, einschlieftlich Gast- unb Schank- wirtschaft. 12.7 Prozent den häuslichen Diensten und der Erwerbstätigkeit ohne feste Stellung oder ohne Angabe bet DetriebSzugehötigkeit, 2,5 Prozent Den freien Berufsarten unb Dem öf­fentlichen Dienst (Verwaltung. Heereswesen und Kirche). 1,0 Prozent bem Gesundheitswesen unb

den nördlichen Atlantische,. Ozean einschlu­gen. Mit groben Hoffnungen waren die ftax- zösischen Piloten Hungener und 6 o l i am 8. Mai mit ihremOiseau blanc, bem »Weihen Bogel", aufgeftiegen. und eine Falschmeldung berichtete am Abend des 10. Mai bann, daft der Apparat über Amerika gesichtet worden fei; bald aber stellte sich heraus, daft Der Versuch sehlgeschlagen war unb Hungesser und 6oli ihr WagniS mit dem Geben bezahlen muh­ten. Diese Mihersvlge warnten zunächst die Flieget vor neuen übereilten Unternehmungen. AIS Dann aber Die amerikanischen Flieget, die saft DaS ganze Iaht über mit günstigeren, haupt­sächlich durch Die StDtotation hervorgerufenen Westwinden zu rechnen haben, in kurzem Abstand glücklich ben Atlantik in west-östlicher Richtung überquerten, wirkte bieses Beispiel so anfeuemb, baft gerabeju ein Taumel der Ozean- s l i e g c r e i entstand Lindbergh. Chambertin und Byrd wurden wegen ihrer heroischen Lei­stung so auherordentlich gefeiert, dah mancher ehrgeiziger europäische Pilot sein Leben wagte, um in ähnlicher Weise in Amerika ausgenommen zu werden. Da die Witterung Ende August für einen Flug von Europa nach Hotbamerifa wegen der bann herrschenden Rückenwinde besonders günstig ist. wartete man diesen Monat ab. Die vorsichtigen amerikanischen Piloten Ehamberlin unb Byrd, die ursprünglich auf einen Rückflug in ihre Heimat gerechnet hatten, verzichteten freilich auf diese# Unternehmen, nachdem sie bie Unmöglichkeit eingesehen hatten, es mit ihren Maschinen durchzusühren. Am 31. August 1927 verliehen dann Der englische Oberst B7 inchin, Der englische Flieger Hauptmann Hamilton unb bie Prinzessin Löwen st ein-Wert- Heim-Freubenberg an Dvrb De# Flug­zeuge#6t. Raphael' England. Doch war es ihnen nicht vergönnt, ihr Ziel zu erreichen; Denn da# Flugzeug stürzte westlich von Irland ab. und die Insassen ertranken. Schon eine Woche daraus, nämlich am 7. September, startete das FlugzeugOld Glory" mit Den Fliegern Ber­ta ub, Hill und Payne; Der amerikanische Eindecker wollte ohne Zwischenlandung von Amerika nach Europa fließen, verunglückte aber dabei ebenso wie Der kanadische Apparat »Sir John Earling", Der am 8. September Amerika mit Den Fliegern Tully und M u t c a f f e verlieh, um England zu erreichen. In wenigen Tagen sind also drei Flugzeuge mit acht Men­schen an Bord in den Wogen des Atlantischen Ozean# um# Leben gekommen; sie muhten ihren Ehrgeiz, ihre sportliche Begeisterung und ihre Sehnsucht, als Pioniere des Flugverkehr# neue# Gebiet zu erobern, mit Dem Leben bezahlen.

Dagegen war es Den amerikanischen Welt­fliegern Schlee unD Brock gelungen, mit Zwischenlandungen Den Atlantik zu überfliegen. Biel Glück hatte im Oktober vorigen Jahres die amerikan sche Fliegerin Ruth Slders, die am 11. Oktober mit ihrem Flugzeug »American Dlrl" in Heuyork zum Transozeanflug startete; sie hat ihr Ziel zwar nicht erreicht, wurde aber von einem vorübersährenden Dampfer gereitet. Schon damals erfuhr man aus Heuyork, dah Mift ® r a ft f o n , Die Hichte de# verstorbenen Präsidenten Wilson, einen Flug nach Kopen- yagcn wagen wollte; Der Start verzögerte sich Dann biS zum Dezember, unD die mutige Flie­gerin unternahm erst zwei Tage vor Weihnachten die tollkühne Reise aus Dem amerikanischen Flug­zeug .Dawn". Das Wetter war besonders un­günstig, und schon kurz nach Dem Start war jeg­liche Verbindung mit Der Fliegerin unterbrochen, obwohl sich an Bord be# Flugzeuges eine Lende- ftation befand. Mist Graysvn ist zusammen mit ihrem Begleiter O m Da l in Den Wellen De# Atlantischem Ozean# ertrunken.

Erst vor wenigen Wochen, Mitte März, hat Dann Kapitän Hinchclifse auf feinem Flug­

ungen Der sozialen Ethik widersprochen würde. Anschauungen, die man für verwerflich hält, darf man nur im Wege Der Aulklärung und De# freien geistigen Meinungsaustausches be­kämpfen. Sur den besseren Gründen und Der gröberen sittlichen Kraft, nicht Der Stärke Der Faust ober Der wirtschaftlichen Liebermacht Darf bicr Der Siegerpreis winken.' Auch in Der Deut- fchen AeichSveriassung hat Diese sillllche unD rechtliche Meinung, Die zweifellos Der Auf­fassung der übergroßen Mehrheit Des Deutschen Dolle# und der kultivierten Menschheit überhaupt entspricht, ihren Riederschlag gciunben. Rach Ar­tikel 118 Der Verfassung Darf niemand einen Deutschen benachteiligen, wenn er von Dem Recht Der politischen oder sonstigen MeinungSäufterung Gebrauch macht.

Im Lause Der letzten Jahre ist maiubcrlet Häftliches geschehen; die zerrütteten Heroen der von Krieg. Revolutton und Inflation au# Dem Geleise geworfenen Generation mögen bat er­klären Aber letzt. Da toicDcr ®elunDung etn- tritt im deutschen Volke, sollten auch jene un­würdigen unb unsittlichen Methoden au# dem .Kamp' Der Geister unb Interessen verschwinden. Die Menschen und Gruppen gesellschaftlich und wirtschaftlich ächten unb al# minberioerttg er­klären. nur well sie. anderer Gesinnung ober anderer Religion sind. 3m englischen Parlament ist c# Sitte, daft. wenn ein Mllglied De# Hauses stirbt. Der schärfste politische Gegner die Trau- errebe hält. So wäre aufterorbentlid) gut für Die weitere Gesundung be# deutschen Volks­leben#. wenn solche Gesinnung zur politischen Elernentargefinnung aller Deutschen würde.

zeug .Endeavour'' da# Schicksal aller Piloten geteih. Die vor ihm im Flugzeug von Europa nach Amerika fahren wollten. Er ist gemeinsam mit seiner Begleiterin Miß Mackay ertrunken. Damit ist aber Die Liste Der kühnen Pioniere de# Flugwesen#. die bei Ozeanslügen um# Leben gekommen sind, nicht erschöpft. Mitte August es hatte :

?[rohen We11slug veranstaltet, um vom ameri- anifchen Kontinent au# ohne Zwi'chenlanbungen Honolulu zu erreichen. Don neun Flugzeugen kamen sieben glücklich an ihrem Ziel air. aber zwei, nämlich »Mift Daran" mit ben Insassen Mift Daran. Pedlar und Knope und »Golden Eagle" mit den Piloten Frost und Scott stürzten am 15. August m# Meer, ohne baft die Flieger gerottet werben konnten. Am 19. August ertranken, ebenfalls auf Dem Paziischen Ozean, Die beiDen Flieger Erwin und Eich - w a l b. Die mit ihrem Apparat »Spirit of Salla#" abstürzten, unD am 25. August ertrank Der englische Pilot Redfern, der mit seinem Flugzeug »Port of Brunswick von Korbamerifa nach Brasilien fliegen wollte.

Die Leistung Der beiden deutschen Flieger Köhl unb v. Hünes eld. die gemeinsam mit Dem irischen Piloten Fitzmaurice Den Atlan­tischen Ozean zum erstenmal in ost westlicher Rich­tung bezwungen haben, muft gerade nach Den Opfern, bie Der Ozeanflug bisher gefordert hat. al# besonders heroisch und großartig erscheinen.

K. Hallbcrg.

M-Heil!

1790. in,u

W» 70 qm groft tmrierie geleg^ ju oernnrtnen. M. I. d.GcMiS". d. (»len. Ant

v. a. Oe. A. V. Sektion Gießen* , Touotaa.Lilvril: (.Mii« Abfabri 6.38. Sonn' Mökarie Herborn. Hl eamStaS.^> ve» H.oanwa-

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