eine große Verbindung der Zuständigkeiten. 3n der Aussprache warnte der Landlagspräsident Dr. Baumgärtner vor der Meinung, als ob eine Beseitigung der Länderregierungen und Parlamente eine wesentliche Kostenersparnis mit sich bringe. Er trat für eine völlige Klar- stellung und Abgrenzung der Kompetenzen aller Derwaltungsorgane von unten bis oben ein, sowie für die Erhaltung der Länder, soweit sie ihre Eigenstaatlichkeit zu erhalten vermögen. 3n seinem Schlußwort bemerkte Dr. Luther, bah eine Zerschlagung Preußens nicht in seinem Sinne liegen würde.
Das deuischnationale Wahlprogramm.
Berlin. 18. April. (WTB.) Die Deutschnationale Bolkspartei erläßt zu den bevorstehenden Wahlen einen Aufruf, in dem eS heißt: Ziel unseres politischen Kampfe-ist Deutschlands Befreiung von äußerer und innerer Knechtschaft. Die gegen unseren Widerstand geschaffenen völkerwiderrechtlichen Tatsachen haben die außenpolitische Freiheit des Staates so eingeengt, daß damit auch unsere Mitarbeit in der Regierung schwer belastet war. Der Dorwurf, unsere Politik steuere neuen Kriegen zu, ist ein unehrlicher Der- such, jede nationak Politik unmöglich zu machen. Der Frieden, den wir wollen, muh ein Friede in einer befriedeten Welt sein, der di e Gleichberechtigung des deutschen Dolkes zur Tatsache macht. Well wir wissen, daß Deutschland ohne den deutschen Osten nicht lebenSfäbig ist, verwerfen wir jede Anerkennung der heutigen unmöglichen Ostac e n z e n. Wir lassen nicht von der Forderung der Vereinigung mit dem deutschen Dolkstum in Oesterreich.
Wir verlangen, daß die Wehrmacht uiu versehrt und schlagkräftig erhalten bleibt unb nicht in das Parteigetriebe hineingezvgen wird. Die Reparationslasten müllen neu geregelt und begrenzt werden. Die Finanz- und Wirtschaftskontrolle muß fallen. Wir verlangen die Wiederherstellung unserer wirtschaftlichen, unserer Rahrungsfreiheit vom Auslande. Die Rettung der Landwirtschaft ist dringlichste Aufgabe. Eine durchgreifende Reform unserer Handels- und Wirtschaftspolitik muß diesem Ziele dienen. Aus christlicher Lieberzeugung fordern wir die gleichberechtigte Einordnung des Arbeiters in Staat und Wirtschaft. Christentum und Deutschtum sind die Wurzeln unserer Kraft. Wir lassen nicht von dem Stolz auf die tausendjährige deutsche Geschichte, die Größe des Kaisergedankens, die ruhmbedeckten schwarzweißrvten Farben und die Heldentaten der alten Wehrmacht. Der vom ganzen Dolke gewählte Reichspräsident muß die Macht haben, ungehemmt durch die DertrauenS- und Mißtrauensvoten wechselnder Parteimehrheiten für sachliche und stetige Ae- gierungsarbeit zu sorgen. Das Gegeneinander« arbeiten von Reich und Preußen must verhindert werden. Wir wollen eine freudig bejahte Ein- beit deS Reiches und freie ®nttotdlung für seine Länder. Unter jeder StaatSform dienen wir der Ration. Unsere Partei umfaßt alle Stünde und Berufe und widerlegt durch ihr Dasein die Lehre vom Klassenkamps.
Kihmaunce in Murray Bay.
Der Flug nach dem Propeller.
R e u y v r k. 18. April. (WB.) Die „Eana- dian Preß" meldet ergänzend aus S e v e n 3 S l a n d , Fitzmaurice habe erklärt: „3ch verlieh die deutschen Gefährten, ihr Flugzeug aus- oessernd, und eS schien, als ob sie die A u s - Desserung bald vollendet haben würden." Was die deutschen Flieger dann tun würden oder wohin sie stiegen würden, wisse er nicht. 3nfolge seiner Erfahrungen glaube er, daß die früheren Ostwestozeanflüge wahrscheinlich ein tragisches Ende in derselben Gegend sanden, wo die „Bremen" landete. Die Flugzustände seien an der Küste Reufundlands alles andere als angenehm. Gr glaube tatsächlich, daß derartige ungünstige Flugzustände auf keinem anderen Teile der Welt herrschen.
Rach einer späteren Meldung der „Canadian Dreß" auS Murray Bah ist Fitzmaurice dort um 2.27 Uhr eingetroffen. Er wurde nach der Landung von etwa 50 Personen, zumeist Presseberichterstattern und Photographen, di« bereits seit mehreren Tagen dort weilten, umringt und begrüßt. Eine der ersten, die ihn begrüßten, war Fräulein 3unkerS. Fih- maurice telephonierte von Murray Dah an den irländischen Gesandten in Reuhvrk, er warte in Murray Dah aus das Eintreffen von Ersatzteilen für die „Bremen". Er werde diese nach Greenly 3sland bringen und dann gemeinsam mit den deutschen Kameraden nach Reuyork fliegen. Herta 3unkers ist in Murray Bay geblieben. „F. 13“ mit Melchior und Erhardt 3unkers landete heute abend in Eurtihfield. 200 Minuten nach Abflug von Montreal. Sofort nach dec Landung ließ Melchior den Propeller vom Flugzeug „F. 13“ abmonticren. Der Vropeller wird noch heute abend mit der Eisenbahn nach Murray Bah abgesandt.
Der Etari nach Reuyork.
Die „Bremen" nicht bdr sechs Tagen startbereit.
Reuyork. 19. April. (WTB. Funlspruch.) Lake Sainte Agnes gemeldet wirb, bat Fitzmaurice in einer Unterredung mit einem Dertretcr der .Ass. Preß" betont, daß die De- satzung der .Bremen" den Transozeanflug erst c ?lrr Erreichung Reuyorks als abgeschlossen betrachte. Doraussichtlich brauche er noch zwei bis drei Tage bis er nut den Ersatzteilen nach Greenly 3sland zurück- gekehrt fei. DieS sei hauptsächlich vom Wetter abhängig. Weitere zwei bis drei Tage dursten dann noch nötig sein bis die Bremen" zum Flug nach Reuyork bercitstche. Trotz der bekannten Beschädigungen, besteht nach Fitz- wauriccs Ansicht kein Grund dafür, daß das Flugzeug nach der Fertigstellung der Reparaturen nicht den Flug nach Reuyork unternehmen sollte. Der Abflug von der 3niel werde keiner- lei Schwierigkeiten bereiten, da das EiSzchn Fuß dick sei. Hertha 3unkers die an der Unterredung teilnahm, crllärte, es sei fe;r notwendig gewesen, mit Fitzmaurice eine persönliche Verständigung über den Umfang der notwendigen Reparaturen herbeizu-
Deutsche Wirischasts- und Handelspolitik.
Eine Rede -es Reichsaußenministers Dr. Etrefemaun.
Berlin, 19. April. lDDZ.) Auf der gestrigen Dersammlung des Deutschen Industrie- und Handelstages über die wir schon gestern oerichteken, ergriff auch Reichsaußenminister Or. Gtresemann zu einer bedeutsamen Rede das Wort, in der er u. a. folgendes ausführte: Wir sind noch weit entfernt davon, daß wir die Wunden der Kriegsund RochkriegSzett überwunden hätten. Während andere Erdteile ihre Wirtschaft um 30 bis 40 Prozent über die Dorkriegszeit gesteigert haben, hat Europa noch nicht einmal den Stand von 1913 erreicht. Das sollte wie ein Alarmruf wirken auf die europäischen Länder zur wirtschaftlichen Derständigung und Zusammenarbeit. (Beifall.) Der Präsident erwähnte die Freigabe deutschen Eigentums in Nord- a m e r i t a. So stark ich die materielle Bedeutung dieser Maßnahme empfinde, höher erscheint mir für die Zukunft der Völker die grundsätzliche Bedeutung. (Beifall.) Cs geht nicht an, baß, wenn die Staaten kämpfen, die Bürger leiden. Das war ein Verstoß gegen die ungeschriebenen Gesetze der Fairneß im Wettkampfe der Döller. Der Streit dec Staaten darf nicht den einzelnen Bürger treffen. Dah jetzt das größte Doll der Erde sich von solchen Kriegserscheinungen lossagt, darin liegt der erfreuliche Beweis dafür, daß die Besinnung wiederkehrt, bah wir die Wett nicht aufbauen können, wenn wir von solchen Grundsätzen nicht ein für alle Mal abrücken in allen zivilisierten Völkern. (Lebhafter Beifall.) Wir leiden unter den Repara- t i o n s l a st e n, die Verkehr und 3ndustrie hemmen. Wenn wir einen Aufbau der deutschen Wirtschaft wollen, dann muß die Wirtschaft in der Lage fein, wieder von ihren eigenen Überschüssen etwas hineinzustecken ins Unternchmerr. Das ist auch die beste Steuer- und Sozialpolitik. Dreiviertel unserer ganzen Ausfuhr geht nach Europa. Schon daraus ergibt sich die Gemeinsamkeit des Interesses aller europäischen Völker an einem Wiederaufbau der europäischen Gesamt- wirtschaft.
Schon die Tatsache, daß wir eines Tages aus dem Dawesabkommen eine feste Endsumme ohne Transfer allein aus unserer Ausfuhr zu oerzinfeu haben, nötigt uns zur E x p o r l wirtschaft. Alle Parteien sind der Landwirtschaft in ihrer Rot eutgegengekommen. Wir müssen aber andererseits auch von der Landwirtschaft Verständnis dafür verlangen, daß wir mehr als i n der Vorkriegszeit zum Export gezwungen sind. Darum ist für Deutschland der Gedanke einer wirtschaftlichen Autarkie eine Unmöglichkeit. Der notwendige Schuh des Inlandmarktes muß immer im Zusammenhang stehen mit der Erhaltung unserer Exportmöglichkeit. wir können nur eine Wirt- schaftvpolitik treiben, wie sie in unseren Handelsverträgen niedergelegt ist.
Trotz aller Hemmnisse, di« unS entgegenstehen, müssen wir mit Vertrauen und einem gewissen Optimismus daS DertcagSwerk fort- fetzen, daS uns zur internationalen Verständigung führen soll. Ohne diesen Optimismus hätte sich Deutschland nach dem beispiellosen Zusammenbruch der Kriegs- und Rachkriegs- zett nicht wieder aufrichten können. Schließlich muh man zunächst an seine Zukunft glauben, um sie erreichen zu können. Ein bewußtes internationale Zusammenwirken ist die beste nationale Arbeit zur Wiederherstellung des Einflusses, den wir einst in dec Weltwirtschaft hatten und den wir hoffen, wieder zu erreichen. Die größte Schwierigkeit bietet uns di« Tendenz vieler Staaten, die im Krieg« künstlich auf- gerichtete nationale 3ndustrie durch hohe Zölle zu schützen. Wenn Deutschland aus dem Ertrage seiner vermehrten Arbeit d i e schwere Reparationslast abtragen soll, dann darf man nicht in anderen Ländern eine Wirtschaftspolitik führen, die uns durch Zvllerhöhungcn der Möglichkeit beraubt, die Produkte dieser vermehrten Arbeit a b z u s e tz e n. Wir erstreben auf dieser Grundlage eine Verständigung, damit zunächst die bedrängte europäische Wirllchaft wieder gesunden kann. Wir fordern Sie alle zur Mitarbeit an diesem Der- ständigungswerk auf, um eine Lösung zu erreichen, die uns durch Opfer zur Freiheit bringt und uns die Möglichkeit gibt, wenn auch nach Uebernahme großer Lasten, auf untere lebende Generation doch eine bessere Zeit herbeizuführen für die Generation, die nach uns kommt. (Lebhafter Beifall.)
Das Mitglied des Derwaltungsrats der Reichsbahn Dr. K. $. von Siemens keilte mit, dah in den nächsten Tagen der De- grundungsantrag «auf Tariferhöhung an die RcichSregierung gestellt werden werde. Eisen- bahnangeleaenheiten dürfe man nicht mit dem normalen Maßstabe des Wirtschaftlers messen. Bei der Beurteilung der Finanzlage jeder Eisen
bohngefellschaft feien die Betriebs- unb die Vermögens richtungen zu unterscheiden. Eine möglichst klare Trennung sei anzustreden, da die Ausgaben für den Betrieb keinesfalls durch neuaufgenommenes Kapital gedeckt werden dürsten. Falls aber die Ausgaben für neue werbende Anlagen aus den laufenden Einnahmen gedeckt werden, so würde ungerechtfertigterweise die Gegenwart zu stark belastet werden, also die Tarif- Höh« unberechtigt hoch sein. 3n 3ahren guter Konjunktur müsse Vorsorge getroffen werden: leider könne die Reichsbahn trotz der guten Konjunktur einen solchen Weg vorläufig noch nicht verfaßen. Aus der Inflationszeit und aus dec Derreichlichung dec Dahn habe sie D a u - Verpflichtungen übernommen, deren Durchführung mehrere Milliarden in Anspruch nehmen würden. Die meisten Bauvorhaben seien bereits stillgelegt. Eine weitere schlechte Erbschaft aus dem Kriege fei der starke Verschleiß des Materials. Die Kosten für die Beseitigung dec alten Schäden schätze der Redner auf ungefähr eine Milliarde. Hundert Millionen brauche man in den nächsten 3ahren ferner zur Beseitigung anderer technischer Schwierigkeiten und Rückständigkeiten. Ein Teil dec 2lr- beiten dürfe mit neuem Kapital gedeckt werden. Für 1928 und für 1929 sei eine Kapitalaufnahme von je 400 Millionen Reichsmark vorgesehen. Der Voranschlag schließe mit einer Unter b i I a n j in der Detriebscechnung von 350 Millionen ab. Die Verwaltung habe aber nur eine Tariferhöhung von 250 Millionen gleich fünf Prozent durchschnittlich vorgeschlagen. Das bedeute für die Wirtschaft nur dieselbe Belastung, als wenn die Arbeiterlöhne um je einen Pfennig in der Stunde erhöht toüröen. Die Politik der Reichsbahn werde dem deutschen Einfluß nicht entgleiten, solange sie die ihm im Gesetz vorgeschriebenen sinanziellen Lasten erfüllen könne.
Einstimmig angenommen wurde dann folgende
Entschließung:
Der Deutsche 3ndustrie- und Handelstag ist davon durchdrungen, daß die Pflege und Stärkung der deutschen Volkswirtschaft gegenwärtig mehr als je, nicht um des privaten Rutzens des einzelnen Wirtschafters willen, sondern zur Wiederbegründung und Siche- rung von Dolkswohlfahrt und Dolkskultur, von den höchsten 3nteressen dec Ration geboten ist. Von den in dec Wirtschaft Stehenden verlangt diese Lage, alle technischen und organisatorischen Maßnahmen auf den Zweck der Verbesserung und Verbilligung dec Produktion unb der Steigerung des Absatzes einzustellen, Kapitalaufwendungen wie Kreditbeanspruchungen streng auf ihren wirtschaftlichen Ertrag zu prüfen, Wertarbeit, insbesondere zur Steigerung dec deutschen Ausfuhr zu pflegen: sie verlangt weiter tätige Mithilfe an den Bemühungen, planmäßig die Erzeugung der Landwirtschaft zu steigern und an di« Markterfordernisse anzupassen, um so nicht nur an der Behebung landwirtschaftlicher Notstände, sondern auch an der Senkung de s Einfuhrbedarfes mitzuarbei- ben. Sie verlangt besonders auch die Pflege der wertvollen, produktiven Kräfte deS Handels,- auf feiten der Staatspolitik erfordert die Volks- wirtschaftliche Lage
da» praktische Bekenntnis zur p r t- vafwlrlfchaflsordnung und damit den Verzicht auf nicht zwingend notwendige Eingriffe in die wirtschaftliche Tätigkeit, Stärkung der politischen Reichsgewalt einerseits, lebendig« dezentralisierte Selbstverwaltung andererseits. Gerade damit der deutsche Staat ein Staat wirklicher Volksgemeinschaft bleiben kann, muh er die Volkswirtschaft von den unerträglich gestiegenen öffentlichen Abgaben, soweit es irgend möglich ist. entlasten, um die Bll- düng von Anlage- und Betriebskapital zu erleichtern. die Selbstkosten und damit d i e P r e i s e zu senken und Absatz- und Beschäftigung zu stärken. 3n Finanzausgleich- und Steuergesetzgebung wird die Selbstverantwortung zu stärken, volkswirtschaftlich schädlichen Einseitigkeiten der Belastung, namentlich beim Gewerbe, entgegen- zuwirken, der Notwendigkeit der Kreditbeschaffung Rechnung zu tragen und grundsätzliche Rechtseinheit für die wichtigen Steuerarten zu sichern fein. Die Grundlagen der Sozialpoli- t i k werden beibehalten, alle mit den sozialen Erfordernissen vereinbarten Senkungen des Aufwandes aber, der den Wirtscha'tsertrag wie den Lohn immer erheblicher beengt, werden angestrebt werden mufien. Eingriffe deS Staates in das Lohnwesen muffen auf das im überragen- den Interesse der Allgemeinheit unentbehrliche Maß beschränkt werden. Bei der unabweiSlichen Verflechtung Deutschlands in die Weltwirtschaft ist eine sorgfältige Pflege der Ausfuhr, ins- besondere durch eine Handelspolitik, erforderlich, die die Vervollständigung des Netzes von Meistbegünstigungsverträgen mit gleichzeitigen Tarifabreden und den Abbau von Handelshemmnissen betreibt.
führen, da die von Greenly Island abgesandten 5£[egramme zum Teil verstümmelt, zum Teil aber auch gar nicht in Neuyork eingetroffen feien.
Kihmaurice erzählt.
Qu « be c. 18. April. (WTB.) Der Sonderberichterstatter der ,Canadian Pi-eß", der sich un. Flugzeug nach Clarke City begeben und fitzmaurice interviewt hat. hat über diese Unterredung folge >d.n Bericht telegraphiert: flßmaurice erzählt: Das Flugzeug „Bremen- bewährte sich glanzend, und die Besatzung gab sich während des ersten Teiles des Fluges der festen Hoffnung hin, Reuyork in dec vorgesehenen 3eit zu erreichen. Die Winde waren anfangs günstig, und es wurde eine gute Geschwindigkeit erzielt. Als wir aber etwa 900 Meilen von Neufundland entfernt waren, verschleierten sich die Verhältnisse, wahrend die Dunkelheit herein- brach. Wir gerieten in einen Schnee sturm Der daS F.ugzcug hin und her peitschte. Die Iörcinen" wurde von einem heftigen Gegenwind geschüttelt, so daß es schwie- rig war, vorwärts zu kommen. Dann wurde sie
wieder von einem Rückenwind in eine drehende Bewegung versetzt, und die Flieger lernten einen der Gründe kennen, aus denen von ihren Vorgängern bei der Ucberqucrung des Atlantischen Ozeans von Osten nach Westen nie- mals wieder etwas gehört wurde. Der Sturm wurde immer schlimmer und nahm schließlich eine Heftigkeit an, auf di« man sich niemals gefaßt gemacht hätte. Vier Stunden hindurch glaubten die Flieger, daß ihre letzte Minute gekommen sei. 3n diesem furchtbaren Kampfe blieb jedoch die „(Br.inen" Sieger, wenn ihre Geschwindigkeit auch sehr gering war. Landung aus Greenly Island.
Im Sturm über den Atlantik.
Neuyork. 18. April. (WB.) Die Tanadian preß erhielt von der Regierungsfunkstation in Point-Amour in Ergänzung früherer Schilderungen des Fluges der „Bremen" weitere Mitteilungen des Freiherrn von Hünefeld. Danach stieg die „Bremen" 2000 Fuß hoch, um die schweren Aebel -vor der Ncufundlandküste zu überwinden. Als dieser Versuch sich als unmöglich herausstellte, stieg die „Bremen" wieder bis auf 50 Fuß über •
dem Meeresspiegel hinab, wo ihr aber durch die Sturmwellen neue Gefahren drohten. Als die Flieger abermals hochstiegen, bemerkten sie eine wilde Waldgegend, bann einen Fluß und hieraus einen sehr hohen Berg, bei dessen Ueberfüegcn sie den Leuchtturm non Greenly Island entdeckten. — Die Morgenblätter bringen Abbildungen der steilen, hohen F e l s e n k ü st e von Greenly Island und weisen auf die Gefahr hin, die der „Bremen" bei nur etwas niedrigerem Fluge drohte, nämlich in die durch Nebel verdeck- ten Felsen hineinzufliegen. Während der vier Stunden, als die Beleuchtung oerjagte, die Frei- Herr von Hünefeld vergeblich auszubessern oer- suchte, wich die „Bremen" von ihrem Kurse 400 Meilen nordwärts ab, wie sich beim plötzlichen Aufleuchten der elekttischev Beleuchiur.g heraus- stellte. Bei Tagesanbruch gelang es der „Bremen", wieder den Westkurs einzuhalten, dafür aber wuchs der Sturm zum Orkan an, so daß Köhl und fitzmaurice nur mit äußerster Anstrengung ein Heruntergehen der „Bremen' in See verhindern tonnten. Die Gesamtflugzeit der „Bremen" betrug 36* Stunden.
Aus aller Well.
Unwetterkatastrophe in Schlesien.
2m Ä eichenbachec Gebiet und im Gebiet o^ Hohen Eule ging ein stundenlanger Wolken bruchartiger Regen nieder, der. £lne^"USc?luctun9A' und Hochwassergefahr brachte. Bedroht wurde das Gebiet oberhalb PeterSwaldau bei Steinseifersdvrs nach dec Hohen Eule zu. Die Bewohner mußten in der Nacht g«to eckt werden und ihr« Behausungen zum Teil raumen. Kurz nach Mitternacht batte sich dec unaufhaltsame Regen in Schnee verwandelt, der so dicht fiel, daß man kaum einen Schritt wett sehen konnte. Dann ging noch gegen Morgen e i n schweres Gewitter nieder und gleichzeitig setzte starker Sturm ein. Straßen und Wege wurden meterhoch verweht, auch die Eisenbahnstrecke Schweidnitz—Reichenbach. Aus amtlich« Anordnung mußte an mehreren Orten bas Vieh aus den Ställen entfernt werden. Wagen und Automobile blieben auf den Straßen Im Schnee stecken.
Trauung des Fürsten von Blsmanf.
3m Berliner Dom fand Mittwoch mittag die kirchliche Trauung des Fürsten Otto o. Dis- marck, des Enkels des Altreichskanzlers, mit Fraulein Annemarie Tengbom statt. An dem feierlichen Akt nahmen Reichspräsident von Hindenburg, Reichsminifter des Aeußeren Dr. Strefemann, Reichsinnenminister von Keudell, ferner die Minister Koch, und Schiele, der schwedische Gesandte a f Wirsen, zahlreiche weitere Vertreter der Regierung und des Diplomatischen Korps sowie eine große Zahl von Gästen aus den ersten Kreisen der Ber liner und der schwedischen Gesellschaft teil. Rach schwedischer Sitte erwartete der Bräutigam am reichgeschmückten Altar die Braut, die ihm durch ihren Vater zugeführt wurde. Nach Orgelvorspiel und Gesang des Domchors vollzog Hofprediger Doehring die kirchliche Einsegnung des Paares. Gesang und Orgekspiel beendeten die kirchliche Zeremonie. Rach der Trauung fand im Hotel Esplanade ein Frühstück stakt.
Unaufgeklärtes verschwinden eines deutschen Studenten.
Paris 18. April. (WTB. Fwikspcuch.) 3n Aizza sind aestern zwei deutsche Studenten deren Personalien nicht genormt werden, aus Hamburg kommend im Paddelboot «in- gett offen. Nachdem sie am frühen Nachmittag einen Bootsausflug unternommen hakten, kam von dort einer der Studenten in feinem Paddelboot zurück und erklärt«, seinen Kameraden, der hinter ihm fuhr, verloren und vergeblich gesucht zu haben.
Oie Wetterlage.
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Wettervoraussage.
Ein Ausläufer de« nördlichen Tiefdruckgebietes, der sich südwärts biS über Deutschland erstreckt, brachte unter südwestlichen Winden geringen Temperctturanstiea. Da aber sehr bald wieder kühlere Luftmassen folgen werden, so bleibt zunächst daS veränderliche Wetter noch fortbestehen.
nn^rC!txCr2.OrIiaud.rQ9e für Freitag: Wechselnd wolkig nut Aufklaren, kühl, noch Schauer.
WitterungsauSfichken für SamS- tag: Veränderliches und kühles Wetter mit strichwetsen Niederschlägen.
Lufttemperaturen am 18. April: mittags 6,7 Aad Celsius, abends 2,4 Grad Telfius, am
April: morgens 2.7 Grad (Telfius, Maximum: 7,6 Grad Celsius, Mimmum: 0,8 Grad Celsius. — Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 18. April: abends 7,8 Grad Celsius. «i


