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Das Ergebnis von Lugano.

Die Krisis der Verständigungspolitik.

Dresden, 17. Dez. (WB.) Dem Dölkerbunds- korrejpondcnten derDresdener Neuesten Nachr." wurde nach Mschluß der Ratstaguna von maß­gebender deutscher Seite folgendes über das Ergebnis der Besprechungen zwischen den drei Außenministern mitgeteilt:

Das Hauptergebnis der sehr eingehenden, ernsten Aussprache von Lugano ist, daß den leitenden Staatsmännern der Gegenseite vor Augen geführt wurde, daß in der bisherigen Ver st än- d i g u n g s p o l i t i k eine kaum heilbare Krise eintreten könnte, wenn das deutsche Volk nicht schnellstens von dem Druck der Be­setzung befreit würde. Den Ernst dieser Lage den Vertretern Frankreichs, Englands und Italiens eingehend d»rgestellt zu haben, ist dos Verdienst Stresemanns. Das deutsche Volk hat seit Locarno lange genug auf «ine Berständi- aungsbereitschaft gewartet. Diese Tat­sache wurde in den Besprechungen eindeutig zum Ausdruck gebracht und hinzugefügt, daß die Politik in Deutscl)land nach Abschluß des Locarnopaktes durch das Wort gekennzeichnet wird:Gegen­seitiges Vertrauen in die Heiligkeit der Verträge". Die Besetzung deutschen Bodens durch fremde Truppen bedeutet aber den schärf- ft en Ausdruck des Mißtrauens. Soll die Politik des Vertrauens wirklich obsiegen, so muß die andere Seite aus der deutschen Auffassung die entsprechenden Konsequenzen ziehen und zu der Ueberzeugung gelangen, daß wir die Besetzung des Rheinlandes als Reparationspfand glatt a b l e h n e n. Deutschland hat die ihm aufer­legten Daweslasten bisher pünktlich bezahlt, und es liegt keine Veranlassung vor, anzunehmen, daß, soweit seine Leistungsfähigkeit reicht, die nöti­gen Summmen künftighin nicht aufgebracht wer­den sollten. Außerdem enthält der Dawesplan in sich selbst einschneidende Wirtschaftsgarantien, die viel wirksamer sind, als militärische Maßnah­men. Der Eingang der Zahlungen ist vom guten oder bösen Willen Deutschlands gar nicht mehr ab­hängig. Es wird die Aufgabe der demnächst ein­setzenden Verhandlungen sein, praktische Wege zu finden, die für beide Seiten gangbar sind. Nach den bisherigen Dispositionen sollen die diesbezüglichen Verhandlungen über die Räumungsfrage etwa gleichzeitig mit dem Zusammentritt des Sach- verftändlgenausschusses für die endgültige Regelung der Reparationen auf diplomatischem Wege be­ginnen.

Das Duell Stresemann-ZMi.

Polens Kampfstellung

gegen den Deutschen Bolksßuud.

Berlin, 18. Dez. (TU.) Der polnische Außen­minister Zaleski hielt sich auf der Reise nach Warschau kurze Zeit in Wien auf. Einem Mit­arbeiter derNeuen Freien Presse" erklärte er: Er habe vor dem Völkerbundsrat die Tätigkeit des Deutschen Volkskunde» in Pol- nisch-Oberschlefien beleuchten wollen. Die polnische Regierung werde kaum weiter zu dulden vermögen, daß der Bolksbund mit ungesetzlichen Mitteln (!) die bestehende Ordnung in Polnisch- Oberschlesien zu untergraben versuche. Er habe sich während der letzten Ratstagung bemüht, eine Ver- vesserung (?) der Prozeduren in den auf Oberschle- fien bezüglichen Minderheitsfragen zu erreichen. Diese Bemühungen seien nur an der unerklär- lichen Opposition Dr. Stresemann» gescheitert Deshalb habe er sich veranlaßt ae- sehen, seine Rede zu halten, über die Dr. Strese- mann unterrichtet gewesen sei, so daß er durch diese Rede durchaus nicht habe überrascht sein können. Er glaube, daß seine Rede den Beziehungen zwischen Polen und Deutschland nur Nutzen bringen könne. Um zu einer Verständigung zwischen Polen und Deutschland zu gelangen, müsse man eben alle Hindernisse aus dem Wege räumen. Ein solches Hindernis fei die dem Sinn der Genfer Konvention widersprechende, oft unge­setzlich gegen den polnischen Staat gerichtete T ä - tigteit des Deutschen Volksbundes. Auf die Frage, wie der Minister von der Antwort Dr. Stresemanns denke, sagte Zaleski, er glaube, daß sich Minister Stresemann unnütz aufge­regt habe. Er hoffe, daß der Ton, in dem Dr. Stresemann gesprochen habe, im Völkerbund nicht zur Mode werde, denn das würde unbedingt die ßefung verwickelter und delikater Fragen, die im Völkerbund behandelt werden, sehr erschweren.

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Es ist behauptet worden, die Antwort, die Dr. Stresemann dem polnischen Außenminister in Lu­gano gegeben hat, fei kluge Berechtigung und wohlüberlegte Taktik gewesen Denn der polnische Außenminister habe dem Staatssekretär d. Schubert von seiner beabsichtigten Rede vorher Kenntnis gegeben. Wie wir erfahren, ist diese Darstellung vollkommen unrichtig. Das geht schon daraus hervor, daß Dr. Stresemann von der Absicht des polnischen Außenministers n i ch t s g e w u h t hat. Herr Zaleski hat auch Herrn v. Schubert den Inhalt seiner Erklärung nicht vorher mitgeteilt.

Englische Kritik.

Der Urrsin« des grotzpolnischen Staats.

London, 17. 'Dez. (Telunion.) Aach dem vollständigen Slrttschweigen der Morgenblätter und den zum Teil nicht sehr freundlich gehal­tenen Beuchten aus Luga.no über den Zusammen­stoß zwishen Dr. Stresemmm und Zaleski tritt der d en i n g Standard" am Montag­abend entschieden für die deutschen Minderheiten ein. Obwohl man vielleicht, so erklärt das Blatt, mit den hefttaen Aeußerungen Dr. Stresemanns nicht übereinlstmmen könne, müßten die Eng­länder. die Schlesien feit dem Kriege besuchten, mit Dr. Strel^nann entschieden sympathisieren. Bon dem ü n f tu n, den die Väter der Friedens- vertväge begangchl hätten, sei di« Vergrö­ßerung des polnischen Staates um ein Gebiet, das Nahezu zweimal so groß sei. als es die ethnolwischen Erfordernisse Polens bedingten, sicherlich>der größte. Es sei eine der bedauerlichen tbaixMtertftlren dec neuen Staaten Europas, daßsie so große Minder­heit e n <n sich aufndbmcn. Diese Minderheiten würden von irrten inn dem gleichen Maß von Rücksichtslos gleit bcha delt. gegen die sie vorher fahr Hunderte lang pro­testiert hätten. Für Me Rationen, so schließt das Blatt, die den F.ieien und die Slabilisie» Tung der europäischen Verhältnisse gefährden, dürfe kein« britische Anterstützuna vor- handen fein. \

Amerikas Spende für die tintoerfiläl Heidelberg.

Botschafter Shurman Ehrenbürger von Heidelberg.

Heidelberg, 17. Dez. (WB.) Heidelberg feierte heute dis Bekanntgabe der amerika­nischen Stiftung für die UniDerfx- t ä t. Auf der Stadthalle und der älniversität flatterten nebeneinander die Reichsflagge und das Sternenbanner. Kurz vor 11 Uhr begab sich Do schafler Hhurman zur Stadthalle, too eine erlesene Festversammlung wartete. Aach einem Orgelvortrag hieß der Rektor der Universität. Professor Heinsheimer. die Mitglieder der badischen Regierung, die Präsidenten des Reichs­tages und des badischen Landtages und den badischen Gesandten in Berkin herzlich willkom­men, besonders herzlich aber den amerikanischen Do sch ast er. In seiner Rede bei der Hebet» reichung der Stiftung erinnerte dann

Botschafter Shurman

daran, daß seit mehr als hundert Jahren Hun­derte von amerikanischen Studenten die Heidel­berger Universität besucht haben. Die Dotwen- digkeit des Baues eines neuen Unterrichtsge- bäudcs bot Amerika eine erfreuliche Gelegen­heit, dem Gefühl der Dankbarkeit einen sicht­baren Ausdruck zu verleihen. Cs kam der Ent­schluß zustande, einen Fonds von 400 00 0 Dollar in Amerika zusammenzubringen, von dem die Hälfte Herr John D. R o ck e f e l l e r jr. und der Rest von anderen Freunden Deutsch­lands gezeichnet wurde, deren Aamen der Bot­schafter im einzelnen verlas. Als bekannt wurde, daß 400 000 Dollar wahrscheinlich nicht aus­reichen werden, zeichneten drei Amerikaner, die nicht genannt fern wollten, die, wie der Bot­schafter hervorhob, aber alle drei tm Rhein­land zur Welt gekommen sind, noch weitere 100 000 Dollar. Die Beträge werden zu angemessener Zeit aus Anordnung der älniversitüt Heidelberg nach Deutschland über» wiese» werden. Der Botschafter teilte sodann mit. daß noch drei weitere Subskriptionen von 100 und von 50 Dollar sowie eine von 210 Mk. eingegangen seien, die von amerikani­schen Gelehrten stammten, die in Heidel­berg ihre akademischen Würden er­langt haben. Obwohl die Beträge nicht groß seien, werde ihr Wert durch den Gei st der dankbaren Hingebung an die alma mater

verhundertfacht. Wöge daS neue ©ebäuöe sich als ein neues, einigendes Band zwischen den Studenten und Lehrern beider Länder und eben­so zwischen den beiden Dollern selbst erweisen. Der Botschafter schloß mit der formellen Hebet- gäbe: .Der Universität Heidelberg, seit einem Jahrhundert besucht und geliebt von amerckani- scheu Studenten, die sie immer mit freundlichem Willkommen empfangen und freigebig in Wissen­schaft und Forschung geschult war, überreichen eine Anzahl ihrer amerikanischen Freunde und Gönner in dankbarer Anerkennung dieser edlen und fördernden Dienste durch Vermittlung von Dr. Jakob Gould Shurman, dem amerikanischen Botschafter in Deutschland, diesen Fonds von über einer halben Million Dollar zur Errich- tung eines neuen Gebäudes für die akademische Lehrtätigkeit. Weihnachten 1928.

-Rektor Professor Heinsheimer dankte dem Botschafter und den Stiftern, denen er so bald wie möglich den Dank der ilntoerfitöl frireEt über­mitteln werde. Der Botschafter sei nicht nur der äleberfbringer. sondern der Urheber der Stif­tung. Man habe beschlossen, die Ramen der Stifter neben einer Büste des Botschafters für die kommenden Generationen im neuen Universi­tät sgebäude zu verewigen. Die älniversität werde zu allen Zeiten ihre Gastfreundschaft gegenüber den Anierikanern hoch halten und mit besonderer Hingabe pflegen. Der badische Llnterrichts- minister Leers sprach bann von den kulturellen Banden, die sich von Deutschland zum amerifa- kanischen Kontinent hinüberschlingen. Daß ameri­kanische Bürger, angeregt von der Liebe des amerikanischen Botschafters zur älniversität, uns die Ausgabe erleichterten, der Wissenschaft uno der Lehre der Jugend würdige Stätten zu be­reiten, erfüllt uns mit aufrichtigem herzlichen Dank. Der Minister dankte namens der badischen Regierung und übergab als äußeres Zeichen der Verehrung eine kunstvolle Wiedergabe der be­rühmten manesseschen Liederschrift. Oberbürger­meister Professor Walz (Heidelberg) schloß sich dem Dank der Hochschulen und der badischen Re­gierung für die Stiftung an und verkündete die Ernennung des Botschafters zum Ehrenbür­ger der Stadt Heidelberg.

Gmigung zwischen Vatikan und Quirl 'al?

Rom, 17. Lez. (Priuatinjormallon.) 3n hiesigen politischen Kreisen wird die Nachricht verbreitet, daß die Unterhandlungen zwischen dem Vatikan und dem Quirinal zu einem Ergebnis geführt hätten. Man spricht davon, daß auf Grund dieser Unterhandlungen Italien die Exterritoriatität de« heili­gen Stuhles anerkennen würde, daß dieses Ter­ritorium einige Quadratkilometer umfasse« und daß ferner Italien auch noch eine GeldentschSdi- gung an den heiligen Stuhl zahlen würde. Line Bestätigung dieser Nachricht war bisher nicht zu erlangen.

Sachsen verlangt seine Eisenbahnabfindung. Dresden, 17. Dez. (WD.) Die sächsische Regie­rung hat sich, wie wir Horen, nunmehr auch ent­schlossen, die Eisenbahnabfindungsfrage vor den Staatsgerichtshof zu bringen. Bekanntlich war den Landern, deren Staatsbahnen im Fahre 1920 a u f das Reich übergingen, eine A b - f i n d u n g zugesichert worden. Sachsen hat hieraus über 2,25 Milliarden Mark zu beanspruchen. Nach Anrechnung der übernommenen Schulden verbleibt noch ein Restkaufgeld von mindestens 865 Millionen Mark. Die wegen Befriedigung dieses Rechts­anspruchs feit Jahren geführten Verhandlungen haben bisher noch kein Ergebnis gehabt. Da Sachsen aber bei feiner Finanzlage nickt langer auf die ihm vertragsmäßig zustehenden öffentlichen Einnahmen verzichten kann, so hat es nunmehr Klage auf Feststellung der Verpflich­tung des Reiches gegenüber Sachsen erhoben und die Aufwertung dcs Restkaufgeldes verlangt. Weiter verlangt Sachsen, daß diese Forde­rung in dreißig Jahren getilgt und bis dahin mit 4,5 v. H. verzinst wird.

Aus aller Welt.

Schwerer Kampf mit einem Raubmörder.

3nsterburg, 17. Dez. (WTB.) Der zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilte Raub­mörder Bernecker erhielt heute vormittag den Besuch eines Verwandten. Als der Hauptwacht- meister Zacharias diesen zu Bernecker in die Zelle ließ, hatte Bernecker plötzlich einen Revolver in der Hand und gab auf den Hauptwachtmeister einen Schuh ab. der diesen tötete. Der hinzukommende Wachtmeister Raujoks erhiell ebenfalls einen Schuh in den Kopf und wurde schwer verletzt. Ber­necker und sein Besucher Lank flüchteten beim Hinzukommen eines dritten Wachtmeisters in die Zelle Berneckers und verrammelten die Tür. Dis herbeigerufene Schutzpolizei gab Schreck­schüsse auf die Zelle ab. Nachdem die Zelle ge­öffnet worden war, gingen die Schutzpolizeibe- amten zum Angriff vor. Hieraus ergab sich Lank, der nut einen leichten Beinschuh davongetragen hatte. Br war transportfähig und wurde in das Gefängnis übergeführt. Ber­necker lag bewuhtlos in seiner Zelle. Es wurden bei ihm ein Kopfschuß, ein Brustschutz und ein Armschutz sestgestellt. Rach Mitteilung des Lank soll sich Bernecker den Kopfschutz selbst beigebracht haben, als er sah, daß es ein Entkommen für ihn nicht mehr gab. Ber­necker ist noch am Leben, doch ist mit seinem Ableben zu rechnen.

Berke hrsstörungen

in Baden infolge Schneefalls.

Freiburg, 18. Dez. (WTB. Funlfpruchc) älnunierbrochener Schneefall am gestrigen Tage und in der vergangenen Rächt haben erheb­liche Störungen im Verkehr hervorge- rufen. Innerhalb von 12 Stunden sind an­nähernd 30 Zentimeter Reuschnee gefallen. 3n Freiburg selbst mutzten heute früh die Stratzen mit Hilfe des Bahnschtttlens für den Verkehr freigemacht werden. Die internationalen Züge haben bis zu 11 , Stunden Ver­spätung. Die PostautoUnien sind bis auf wei­teres stillgclegt. 3m Telegraphen- und Tele­

phonverkehr sind besonders die nach dem Elsaß und dem Hochschwarzwald führe.den Linien durch Störungen betroffen. Da die Teinperatur steigt, droht für den südlichen Schwarzwald Hoch» wassetgefahr.

Vier Personen auf dem Life eingebrochen.

In Ha n n o v e r huldigten abends gegen zehn Uhr der Diplomingenieur Kurt Faltin. seine Ehe­frau, der Ingenieur Ricke aus Hannover und ein Vierter, besten Name bisher noch nickst festgestellt werden konnte, auf der dünnen Eisdecke der über­schwemmten Marscywiese dem Skisport. Plötzlich brachen alle vier Personen «in. Wäh­rend es der Frau gelang, festen Grund unter den Füßen zu bekommen, verschwanden ihre drei männlichen Begleiter unter der Eisdecke. Die sofort alarmierte Feuerwehr, die mit einem HUfs^ug und zwei Krankenwagen nach kurzer Zeit an der Un- sallstelle eintraf, rettet« zunächst die Frau, die nach dem Krankenhau» gebracht wurde. Die drei männ­lichen Begleiter waren bereit» ertrunken.

Tragische» Geschick einer Ordensschwester.

Im Duisburger Vinzenz.Hospital ereignete sich ein tragischer Unglücksfall. Die Ordensschwester Gertrud Rottmann trug Geschirr vor sich her. Da sie dadurch in ihrer Sicht behindert war, tat sie einen Fehltritt und st u r z t e in einen Fahrstuhl- schacht, wo sie mit einem schweren Schädelbruch und anderen Verletzungen liegen blieb- Die Schwe­ster starb bald darauf.

Lokomottoqualm verursacht einen tödlichen WutounfatL

Durch d.n Lo.omo.i q. a mdrK einbahn nach Gdingen verlor der Führer «in;Ä Heidelberger Personenkraftwagens und ein die.em entgegen­kommender Motorradfahrer die Liebersicht über die Fahr st ratze. Der Motorradfahrer fuhr in schneller Fahrt gegen den Per.onenkraft- toagen, wobei der Fahrer, der 35 3ahre alte Kaufmann Otto 3ung aus Edingen, so schwere Kopfverletzungen erlitt, daß er sofort tot war.

Grohfeuer im Berliner Geschästsvierlel.

In Berlin brach in der Reuen Friedrichstraße, in dem Viertel dcs größten Geschäftsverkehrs zwischen der Großmarkthalle und AieLanderplatz und der Börse, ein Brand aus, der anscheinend ooneinem Lager von F « u e r w e r k s k ö r p e r n seinen Ausgang nahm und von Stunde zu Stunde den Einsatz weiterer Abwehrmittel, zuletzt von 13 Strahl­rohren und drei mechanischen Leitern, nötig machte. Der Dachstuhl des gesamten Gebäudekompleres mit großen Lagervorräten einer Galanterie- und Papier­warenfirma wurde zerstört. Die Feuerwehr begeg­nete großen Schwierigkeiten, da ein Teil des Ge­bäudes an die Stadtbahn stößt. Ein Feuer­wehrmann erlitt eine Rauchvergiftung. Kurz nach Mittag war das Feuer niedergekämpft.

Von Sandmassen verschüttet.

In einer Sandgrube in der Nähe von Miskolcz (Ungarn) wurden drei junge Mädchen, die Sand holen wollten, von den abstürzenden Sand­massen begraben. Trotz sofort eingeleiteter Per- gungsarbeiten konnten die drei nur noch al» Leichen geborgen werden.

Nieder trächtige Tierquälerei.

Die Strafkammer Wesermünde hatte sich als Berufungsinstanz mit einem fast unglaub­lichen Fall von Tierquälerei zu beschäftigen. Ern Landwirt hatte seinem Pserd, das wegen einer offenen Drustwunde den Wagen nickst ziehen konnte, unter den Bauch Stroh legen lassen und dieses angezündet. Das Tier, das nicht weiter tonnte, hatte sich in das Feuer fallen lasten und starb bald darauf. Die ötraftammrr beftä'igte das IWeil der Dorinstanz, da? auf b s für Tierquäl? e höchst zulässige Strafmaß von sechs Woa-cn Haft lautete.

Schwere Bluttat

3n Döffingen kam es im 'Anschluß an dr« Gemeinderatswahl in einer Wirtschaft zu Streitigkeiten, die sich auf der Straß« fort» setzten. Dabei verletzte ein Fabrikarbeiter einen Gipser durch einen Messerstich in di« linke Brustfelle schwer. Darauf wurde der Täter von einem Stiefsohn des Gestochenen sowie von einem Freunde der beiden von hinten gefaßt

und zu Boden geworfen. Die jungen Denke traten ihm mit Fuhballstiefeln vollstän­dig die obere Gesichtshälfte ein, so daß der Tod kurz nachher eintrat. Die Täter wurden verhaftet.

Ein Mord nach 22 Jahren aufgeklärt.

3m April des 3ahres 1906 wurde em Walde bei Berlin-K arlshorst ein 37jähriger Marrn mit einem schweren Bauchschuß ausgefun­den und starb zehn Tage später. Der Verdacht des Mordes lenkte sich auf seinen Schwa­ger. einen gewissen Müller. Doch reichte das Material nicht zur Aeberführung aus. 3etzt hat die Ehefrau Müller aus ihrem Toten­bett einer ihrer Löch er nritg>teilt, daß Müller in der T a t der Mörder seines Schwa­gers gewesen sei. Die Kriminalpolizei erfuhr von dem Geständnis der sterbenden Frau. Müller wurde ermittelt und mußte, da sich dir Angaben seiner Frau nicht widerlegen ließen, ein Geständ­nis oblegen. Gr mußte aber wieder entlassen werd.n, da die Akten über den Word- fall inzwischen vernichtet worden sind. Es hat sich infolgedessen nicht mehr feststellen lassen, ob di' Verjährungsfrist etwa durch eine richterliche Handlung unterbrochen wurde. So kann Müller für die Bluttat-nicht mehr belangt werden.

Keine Weihnachtsfeier in Sowjetrußland.

Bekämpfung des Brotmangels in Moskau.

Kowno, 17. Dez. (Xil.) Wie au- Moskau gemeldet wird, haben die kommunistischen Organi­sationen am Sonntag in ganz Rußland Kund­gebungen gegen die Feier des bevor­stehenden Weihnacht-festes veranstal­tet. Es wurde verlangt, datz am Heilig^bmd und an den Weihnachtsfeiertagen sämtliche Fabriken und 3ndustrien arbeiten sollen. Die Regierung wurde ausgefordert, sofort Mah­nahmen gegen das Fällen vonWeih- nachtsbäumen zu ergreifen und ein ent» spcecyendes Verbot zu «raffen. Man rechnet damit, datz die Regierung bereit ist, in den nächsten Tagen eine derartige Verfügung zu erlasfen und das Schneiden von Weihnachts­bäumen verbietet, weil dieses die Wälder zu schädigen geeignet sei. Sämtliche Theater werden aus Befehl der Kommunistischen Partei an den Weihnachtstagen und am Heiligabend genau so spielen wie an den übrigen Tagen.

Rach einer Mitteilung der Telegraphenagentur der Sowfeiunion erklärte der stellvertretende Vor­sitzende des Moskauer Sowjets, W o l k o f f, in einer Sitzung des Sowjets, daß Moskau ein Monatsvorrat von 66 0C0 Tonnen Wehl zur Verfügung stehe und daß die weitere normale und ungestörte Zufuhr durch die Gelreideein- kaussorganisationen garantiert sei. Zur Beseiti» gung eines gewissen Brotmangels, der sich in den letzten Tagen in einzelnen Stadtteilen Infolge ungleichmätziger Verteilung bemerkbar gemacht hab«, seien Maßnahmen ge­troffen, die eine Steigerung der Brot- Produktion und eine regelmäßige Brotvertei­lung bezwecken. Di« vorhandenen ausreichendeir Mehlvorräte In Moskau stellten die Erhöhung der Broterzeuguna vollkommen sicher und garmi- tierten eine ungestörte Brotversorgung der Be­völkerung.

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Wettervoraussage.

Die Staffel ozeanischer Luftuu»ssen hat über Frankreich, WestdeuIchland und unserem Ge­biet zu weiterer Erwärmung geführt. So metM Aachen heute morgen plus 4 Grad Gels ins, auch bei uns liegen di- Temperaturen etwa 3 GraL> höher als vor 24 Stunden. Obwohl erneuter Druckanstieg eingesetzt hat, wird sich der Wirte- rungscharatter toenig ändern, denn das Zusam­mentreffen verschiedener, über Zentralruropa la­gernder Luftmassen läßt sowohl bei den Tem­peraturen, als auch bei den Riederschlagsverhäll- nissen keine einheitliche Wetterlage herausent­wickeln.

Wettervorhersage für Mittwoch. Wolkig bis bedeckt, Temperaluven um null, stellenweise auch darunter, vereinzelt Schnee- oder Rsgeafälle.

Witterungsaussichten für Don­nerstag: Zunächst wenig Aenderung des Wtt- terung^charcckterS.

Lufttemperaturen am 17. Dezember: morgen» 2,1 Grad Celsius, abend»1,2 Grad Celsiu»; am 18. Dezember: morgen»1,6 Grad Celsius, Maximum- 4,1 Grad Celsius, Minimum 2,1 Grad Celsius. Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 17. Dezember: abends 0,5 Grad Celsius; am 18. Dezember: morgens 0,6 Grad Celsius.