JUrg 'tagen ir9
5wah| ld Berlin, ir^än *6 von leru.a.m.
»IIS,
tR, Ondulieren,
Neuenweg 22
j geluchl. Oi ft. Herling, ' hnrmnlA 91)at
07362
vormal» Marl,
Äpfcta
iür Heinen Hauöb.
f
)V
n
s.
er
er et. In 1> m rt be ID to-
MW sss ysss# e,Äi'nb »S 8II0 öa’enMtW BelenW^0 Wkll-vE 1877'1®; •SS®
Ls
BoUMErl-b^ ttrclS?öor!!^
24 Jahre, Mt A LI 1.28 6*6. HauShaliungt-arni'- ovcr Veben8mincl' branche bevorzuai. SchrInaeb.u.9l76v a. d. Gleh. 21 na. erb.
21 Cft- tUi'SKAsflui' 8fl5«fnS ö.Mf gs&fcs »"!Äu"whlt
erbej
Wtz ■Gitta 1928:
39 'm Schützenhau», Mm 4l*D Herren-Abend A,.,e ehemaligen nasiums werden zu
Der Vorstand,
3-Ä’»ö »»’l WB
eÄ^11
Marktstr. 12.
Junges, oröknilrhei
( Tüchtiger
I Spengler u.
Znßallaleur
ß'Berl.) fleludjt ™ VMttW 17 L
Siellenffesiiche deriekie
Hr.246 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Donnerstag, (8. ©Hoher (928
Erinnerungen an Rasputin.
Ein mißglückter Versuch zur Befreiung der Zarenfamilie aus dem sibirischen Gefängnis.-Oer Kaiser Nikolaus weigert sich entschieden, ins Ausland zu fliehen. - Oie Tragödie nimmt ihren Fortgang.
Von Maria Grigorjewna Rasputin.
Copyright
by United Press Association ok America.
Nachdruck, auch im Auszug, verboten.
3m August 1917 wurde die kaiserliche Familie, die seit der Februar-Revolution in Zarskoje Selo interniert gewesen war, auf Anordnung von Kerensky nach Tobolsk in Sibirien übergeführt Als sie an Bord des Dampfers „Ruß" die Tura hinabfuhren, erblickten der Zar und seine Gattin in der Ferne Pokrowskoje, das Heimatdorf meines Vaters, und unser großes Holzhaus. Dort lebte nur noch meine Mutter mit meinem Bruder Dimitri und meiner Schwägerin. Mit dieser Dorüberfahrt der gefangenen kaiserlichen Familie ging wieder auf seltsame Art eine alte Prophezeiung meines Vaters in Erfüllung.
Inzwischen hatte ich mich mit einem alten Rach- barn und Freund unserer Familie, dem Leutnant Doris Solowjow verheiratet. Unser Leben in Petersburg war sehr schwer. Wir lebten m ständiger Angst wegen der engen Beziehungen, die mein Vater und ich mit der kaiserlichen Familie gehabt hatten, in Verdacht zu geraten. Erst nachdem wir zweimal umgezogen waren, begannen wir uns einigermaßen sicher zu fühlen. Alle unsere Papiere waren auf den Ramen meines Mannes ausgestellt und in unserer neuen Umgebung wußte niemand, daß ich die Tochter von Gregor Rasputin war.
Ein unglücklicher Zufall sollte uns jedoch verraten. Mein Bruder Dimitri kam auf einige Taae zu uns auf Besuch und mußte natürlich sogleich seinen Paß bei dem Hausverwalter ab- geben. Am nächsten Morgen schon wußte alle Welt, wer ich war, und der Hausbesitzer, ein Lederhändler mit Ramen Gordon, erschien bei meinem Mann. Die Revolution, die so viele Dinge auf den Kopf gestellt hatte, hatte jedoch die Hausbesitzer nicht des Rechtes beraubt, ihre Mieter vor die Tür zu sehen. Unser Hausbesitzer, der fürchtete, man werde das Haus in Brand stecken, wenn man erführe, daß die Kinder von Rasputin in ihm wohnten, verlangte von uns die Räumung der Wohnung innerhalb von vierundzwanzig Stunden. Die übrigen Mieter, die gleichermaßen erschreckt waren, ergriffen seine Partei und drohten uns, sie würden unsere Möbel aus dem Fenster werfen. Wir mußten nachgeben. Zum Glück farrden wir Gelegenheit, in einem entfernten Stadtviertel eine Heine Wohnung käuflich zu erwerben, und dort waren wir endlich für einige Zeit vor Verfolgungen geborgen.
Anna Wirubowa, die Freundin meines Vaters und frühere Hofdame der Zarin, die erst eben aus dem Gefängnis entlassen war, besuchte uns häufig insgeheim auf einige Stunden. An den langen Abenden redeten wir von unseren Erinnerungen, wir sprachen von Zarskoje Selo und der kleinen Villa, die Anna Wirubowa dort besessen hatte, von dem Esel Wanka, der ebenfalls eines der unschuldigen Opfer der Revolution geworden war, und von den Großfürstinnen, denen es in Sibirien an Wäsche und warmer Kleidung mangelte...
Anna Wirubowa war es geglückt, in einen geheimen Briefwechsel mit der
kaiserlichen Ja m i l i e zu treten. Sie hatte auch durch zuverlässige Jreunbe der Familie bereits mehrfach Lebensmittel und Kleider zukommen lassen. So kamen wir auch eines Abends in unserer kleinen Wohnung zu dem Entschluß, den kühneren Versuch einer V e - frelung des Zaren und sein er Familie zu wagen.
Die Aufgabe war sehr schwierig: denn wir mußten sogar denen mißtrauen, die uns ihre Hilfe anbotcn. Doch besah Anna Wirubowa in Tiumen und Tobalsk eine Anzahl von zuverlässigen Bekannten, zwischen denen mein Mann eine Verbindung Herstellen sollte. Die Rahe von Pokrowskoje, wo mein Mann leicht ehren Unter- schlupf finden konnte, bot eine weitere Chance für das Gelingen. Wir wollten uns alle diese Imstande zu Ruhe machen und in Tiumen so viele Anhänger des Zaren wie nur irg endmöglich zusammonztehen.
Anfang Januar 1918 reifte mein Mann den übrigen voraus nach Sibirien. In Pokrowskoje traf er meinen Bruder Dimitri. Beide verkleideten sich dort als Fischhändler, bevor sie zu Schiff weiter nach Tobolsk reisten. Schon nach zwei Wochen erlebten wir die Freude, aus einem Brief der Zarin an Anna Wirubowa zu erfahren, daß sie Doris gesehen und trotz seiner Verkleidung erkannt hatte. Um den Verdacht für den Fall abzulenken, daß ihre Briefe aufgefangen würden, bezeichnete sie Doris abwechselnd als „den Offizier", „IX", oder „den Bruder unseres Freundes". Jeder von diesen Briefen bedeutete eine große Beruhigung für mich: denn mein Gatte selbst hatte keine Gelegenheit, mit uns zu korrespondieren Mit Hilfe von Dimitri hatte er eine Art von Hauptquartier in Tiumen eingerichtet, wo mehrfach Offizierskon« ventikel abgehalten wurden. Er selbst hatte in Tobolsk in einer Bäckerei Anstellung gefunden und lieh von hier durch eine Drotausträgerin feine Botschaften an den Zar befördern.
Ein weiterer glücklicher Zufall wollte es, dah ein alter Freund meines Vaters, der Bischof Hermogen, damals an der Spitze der Diözese Tobolsk stand. In ihm fand mein Gatte einen unschätzbaren Helfer. Er war der einzige, der noch persönlichen Zutritt zu der kaiserlichen Familie hatte, die in dem Hause des früheren Gouverneurs interniert war. Es wäre auch gänzlich unmöglich gewesen, ein so kompliziertes Komplott, wie die Befreiung von sieben Personen, ohne einen Mittelsmann vorzubereiten, der sich mündlich mit dem Zaren verständigen konnte.
Zwei Monate lang arbeiteten mein Mann und Dimitri an den Vorbereitungen. Ihr Plan war, aus der Verwirrung, die damals infolge der Kämpfe zwischen den einzelnen revolutionären Parteien herrschte, Vorteile zu ziehen, um den Versuch zu machen, mit der kaiserlichen Familie und einer kleinen Gruppe von ergebenen Offizieren die nächsten Stellungen der Weihen Armee zu erreichen.
Zu ihrer größten Aeberraschung stießen sie zuerst bei dem Kaiser selb st auf einigen
Widerstand. Der Kaiser, dem die deutschen Siege und die Folgen der Revolution sehr nahe gegangen waren, und der in sehr gedrückter Stimmung war, als hätte er noch gehofft, daß seine Lage sich im Augenblicke des Friedensschlusses mit Deutschland verbessern würde, konnte zu keinem Entschluß kommen und stellte schließlich für seine Flucht ausdrücklich die Bedingung, daß er unter feinen Umständen aus dem russischen Gebiet hinausgebracht würde.
Währenddessen überstürzten sich aber die Ereignisse. Die Rotgarden wurden aus Omsk erwartet und die Ankunft eines neuen bolschewistischen Kommissars stand bevor. Da entschloß sich mein Mann, die Vorbereitungen abzukürzen und die Tat auszuführen, bevor die Ankunft der neuen Bewachungstruppen den ganzen Plan zum Scheitern zu bringen drohte. Die Zarin wurde benachrichtigt, dah etwa hundert ihrer Anhänger in Tiumen bereitständen, um auf das erste Zeichen hin loszuschlagen. Mein Mann überprüfte noch einmal die gesamte Lage in allen Einzelheiten. Er rechnete damit, die frühen Morgenstunden auszunutzen, während die kaiserliche Familie die Messe anhörte, um die De- wachungssoldaten durch Gewehrschüsse, die von der anderen Seite des Gebäudes, aus der Richtung des Hauses von Kornilow, kommen sollten, wo das Gefolge des Zaren untergebracht war, abzulenken, während er selbst mit meinem Bruder Dimitri und zwei Freunden den Zaren, die Zarin und die Kinder durch den Stadtgarten, der zu dieser Stunde noch einsam zu sein pflegte, zu einem Wagen führen wollte, der die Flüchtlinge aus der Stadt bringen sollte.
Am Vortage um vier Llhr nachmittags ging Doris vor dem Hause des Gouverneurs vorbei und sah, dah ihm die Zarin, die von seinem Kommen unterrichtet war, ein freundliches Zeichen mit der Hand gab. Doll Hoffnung und Eifer ging er nach Hause, um die allerletzten Disposiüonen zu treffen. Um so großer war seine Verzweiflung, als er hier den Bischof Hermogen vorfand, der ihn erwartet hatte und ihm sagte: „Alles ist entdeckt. Pater Wassiliew hat uns verraten. Uns bleibt nichts übrig, als schleunigst zu fliehen." In der Tat war auch die Messe für den nächsten Tag abgesagt, die Wachtmannschasten hatlen neue und schärfere Order bekommen. Der neue bolschrwisli che Kommissar muhte jeden Augenblick eintreffen.
Ohne noch an einen endgültigen Fehlschlag glauben zu wollen, entschloß sich mein Gatte, sich einstweilen nach Pokrowskoje zurückzuziehen. Als er mit meinem Bruder Dimitri in Pokrowskoje den Dampfer verlieh, um zu meiner Mutter zu gehen, sahen sie sich plötzlich von einer Abteilung von Roten Garden umringt Tausend Hände griffen nach ihnen. Sie wurden gefesselt und nach Tiumen gebracht.
Acht Tage später traf ich bei meiner Mutter ein, die mich von den Vorfällen in Kenntnis gesetzt hatte, nachdem ich in Petersburg alles hinter mir hatte liegen und stehen las en. Ich sollte nie in die Hauptstadt zurückkehren, denn nachdem ich mit groher Mühe die Befreiung
von Boris durchgesetzt hatte, flohen wir nach Osten und machten nicht eher Halt, bis wir in Charbin angenommen waren.
(Fortsetzung folgt.)
Mystik.
„Unsere klare, wahre Erkenntnis oder wenigstens doch ehrliche Meinung vom Weltzusam- menhang, vom Aufbau der Materie, von der kosmischen Stellung des Mikrokosmos Mensch sehen mit dem neuen Wissen um die Dinge auch den alten Olaitben und Willen der Mystik ins Recht. Für immer wohl ist die selbstgewisse „Bildung" erschüttert, die im Menschenn die einzige Wirklichkeit unt> diesen Menschen als den einzigen, nur zu seiner Selbstbezogenheit bestellten Erzeuger jener armselig beschränkten Wirklichkeit ohne das Gegenüber einer höheren betrachtet hat." Diese Worte schreibt Josef Bernhart der feinsinnige Münchner Dichter und Forscher, in seiner Einführung zum neuesten Heft d.r Süddeutschen Monatshefte (München), welches das Thema Mystik behandelt Das Wort Mystik ist zwar nicht in gleichem Mähe wie etwa das Wort Ollultismus zu einem Schlagwort unserer Zeit geworden, dafür muß es um so mehr als Deckname für vieles andere nicht Unterzubringende herhalten. Als Streben nach Ueberwindung der irdischen Schranken, als Sehnsucht nach Erfüllung ist die heute unter dem Worte Mystik verstandene Seelen- und Geistesrichtung wieder von wachsendem Einfluß für die gesamte Erneuerung und Umbildung unseres heutigen Weltgefühls. So ist dieses Heft, in welchem hervorragende Mitarbeiter des In- und Auslandes zum Thema sprechen, von besonderer Bedeutung. In dem Aufsatz Mystik und Dogma von Otto Karrer, Luzern, wird der Einfluß der christlichen Dogmen als Quelle und Ursprünge für das mystische Leben bargelegt. Askese und Mystik behandelt Georg Wun- derle, Würzburg, Mystik und Metapsh- ch o l o g i e Emil Mattiesen, Rostock. Hier werden die Beziehungen der Mystik zum Okkultismus und seinen verschiedenen Teilgebieten aufgezeigt und die mystische Erfahrung selbst als ein Forschungsgegenstand der Metapsychologie aufgefaht. Ueber Sprache, Mystik, Offenbarung spricht Trude Melhardt, Murnau. („Mystik kann nicht gelehrt werden, denn sie ist für den irdischen Zustand letzte Reife, und Reise ist nicht lehrbar tmb unmittelbar.") Josef Bern- hart selbst, der Betreuer des Heftes, handelt besonders bedeutsam über die Soziologie der Mystik, über die Formen, welche der mystische Grundtrieb im Ganzen des menschlichen Lebensgeschehens annimmt. Das mannigfaltige Bild der ita 1 ienischen Mystik malt Arrigo Levastt, Florenz, das der Mystik in der Orthodoxen Kirche Ricolas von Ar- seniew, Königsberg. Ueber die Mystik im Judentum schreibt Leo Daeck, Berlin, and Über die Mystik in der nachkantischen Philosophie David Baumgardt, Berlin. Deutsche Mystik nimmt in Frankreich einen überraschend breiten Raum ein, wie Ieanne Ancelet- Hustache, Paris, berichtet. Ein allgemeines Bild der Mystik in Amerika, welches Land schon seit seiner frühesten Kolonialperiode im
Unsere Eulen.
Von Professor Or. Konrad Guenther.
Die Vögel sind die Stimme der Ratur, und was uns Feld, Wald und Wiese an den verschiedenen Tageszeiten zu sagen scheinen, sie sprechen es aus. Das Feld mit den weiten Fernblicken, dem unendlichen Himmelsblau darüber hat in der Lerche seinen Sänger, deren Lied ebenfalls ohne Ende ist. Zum sonnendurchleuchteten Hochwald paßt der schmetternde Schlag des Duchfinks, den Abend läutet das Lied des Rotkehlchens ein und der Hagende Ruf der Drossel. Und wenn es dunkel geworden ist und der geheimnisvolle Zauber des nächtlichen Waideswebens einseht, dann ertönt der dumpfe Ruf der Waldohreule und das dunkle Pfeisen des Waldkauzes. Ohne diese Eulen würde der Wald um seine Stimmung kommen. Unsere germanischen Vorfahren haben denn auch mit dem Eulenschrei ihre schönsten Sagen ber- knüpft. Wenn der Uhu rief, so klang es ihnen wie fernes Hundegebell, das Klatschen der Flügel beim Dalzflug der Waldohreule ertönte wie Peitschenknall, und waren diese Laute im Walde du hören, so sagte die Mutter zum Kinde, der wilde Jager ziehe mit seiner Meute durch die Lüfte.
2lber nicht nur durch ihren Ruf fesseln uns unsere Eulen. Wer einmal einen Kauz am Tage schlafend auf einem Ast in einer Fichtenschonung hui nben feben, wird sich an dem wunderhübschen Gesellen, mit der Färbung seines Gefieders, die genau die Daumrinde nachahmt und das Tier fast unsichtbar macht, gefreut haben. Und so weich ist dieses Gefieder, daß der Flug den Vogel voll- kommen lautlos durch die Lüfte führt. Das ist aber auch notwendig, sonst würde das Mäuschen auf der Wiese sich längst in sein Loch gerettet haben, ehe es die nadelscharsen Krallen der Eule gepackt und im Augenblick erdolcht haben. Wun- berE>ar, wie der Waldkauz von seinem Daum am -Rande der Waldwiese das Mäuschen sehen kann rn der dunllen Rächt! Aber fein Auge ist auch wie in Fernrohr gebaut und mit Einrichtungen versehen, die wir noch gar nicht verstehen.
Halten sich der Waldkauz und die Waldohreule, letztere eine verkleinerte Ausgabe des Uhu, im Walde auf, so bewohnt der Steinkauz die Obftbäume in den Tälern und liebt die Rähe der Dörfer, während die Schleiereule in Kirchen und Scheunen ihren Wohnsitz nimmt. Unfere größte ©ule, Rachtkönig Uhu, ist auggerottet. Wir Ra- turfreunbe machen immer wieder Versuche, den prachtvollen Vogel einzubürgern, aber unverständige Schießer knallen ihn ab, sobald sie ihn sehen.
Das ist überhaupt das Unglück für unsere Eulen, daß sie eigenartige und auffallende Vögel sind, und deshalb von Schießern, die sich Jäger nennen, niedergeschossen werden, um als „Trophäen" ihre Zimmer zu „schmücken". Der echte Weidmann schont die Eulen. Aber immer wieder sehe ich bei den Ausstopfern die armen Tiere, deren Schicksal es ist, statt unseren heimatlichen Wald zu schmücken, zu verstauben, zu ver- motten und dann weggeworfen zu werden. Wenn doch das ganze Volk gegen solche rohen Schänder seiner Heimat sich erhöbe! Zudem ist es strafbar, Eulen zu schießen, denn die Eulen sind nützliche Tiere ersten Ranges, sie leben so gut wie ausschließlich von Mäusen, und der Landmann wird ebenso geschädigt wie der Heimatfreund, wenn man sie vernichtet
Man sollte also die Eulen schonen, ja außerdem auch noch für ihre Vermehrung sorgen. Die Eulen nisten im Dunkeln, wie sie ja auch im Dunkeln leben. So wählen sich die Waldeulen als Drut- ftätten hohle "Bäume. Da man aber die Bäume heute meistens nicht mehr so alt werden läßt, daß sich Höhlungen in ihnen bilden, und da man die morschen Bäume entfernt, wird für unsere Tiere auch die Wohnungsnot immer großer, um so mehr, als auch der Vogel, der für sie ihre Rist- hohlen zimmert, der Schwarzspecht, oft abge- schossen wird. Man kann diesem Llebelstand dadurch begegnen, daß man große künstliche „Risthöhlen" an die Bäume hängt, die aus Baum- stücken gefertigt werden, in die eine Höhlung und ein Einflugloch gebohrt wird. In unserem Lande werden in Endrngen am Kaiserstuhl solche Risthöhlen, auch Heinere für Meisen und .Staare, gemacht. Für die Stadt- und Dorfeulen empfiehlt es sich, in den Hausgiebeln ein Loch zu bohren, und dahinter eine Kiste zu nageln, die durch zwei Längswände in drei Teile zerlegt wird. In dem mittleren Raum wandert die Eule hinein, wendet sich dann am Ende rechts oder links, wo Oeffnungen gelassen sind und benutzt eine der Seitenkammern, in die das Licht nicht fallen kann, als Brutraum. In meinem Schriftchen „Unfere Eulen" habe ich, wie über das Leben unserer Eulen, so auch über die Art, wie man sie pflegen und vermehren kann, Maßregeln angegeben.
So möchte ich denn mit dem Wunsche schließen, dah überall der Schuh der Eulen aufs angelegentlichste durchgeführt wird und kein Ab- schuß dieser schonen Vögel mehr stattfindet. Es ist höchste Zeit, denn die Eulen sind schon sehr selten geworden. Die Waldohreule, früher überall in der Umgebung Freiburgs mit ihrem dumpfen „Hump, Hump" zu hören, habe ich schon seit langem nicht mehr bemerkt. Auch der Waldkauz,
dessen Ruf man früher in allen Straßen der Stadt vernahm, die am Waldrande entlang führen, ist nur noch an einigen Stellen vorhanden. Ebenso sind auch Schleiereule und Steinkauz selten geworden. In ernsten Worten aus- gedrückt. heißt das nichts anderes, als: Wenn das Volk sich nicht energisch seiner Eulen annimmt, hat es in kurzer Zeit keine mehr.
Das Grammophon als Geschichtenerzähler
Edgar Wallace, der gefchäststüchtigste und produktivste unter allen modernen Erzählern, hat einen neuen Erwerbszweig, ein neues Mittel gefunden, um seine Schöpfungen zu verbreiten. Er hat einen besonderen „Thriller", eine feiner aufregenden kurzen Geschichten, für das Grammophon geschrieben. Diese Erzählung, in der ein Henker, eine Frau mit einem Revolver und ein eingegrabener Mann die Hauptrolle spielen und die „Der Mann in der Grube" heißt, wurde von ihm ins Grammophon gesprochen, so daß sie jederzeit auf einer doppelseitigen Platte wiederholt werden kann. Wallace glaubt, daß dieses Geschichtenerzählen durch das Grammophon eine große Zukunft vor sich hat, und daß man gern, anstatt sich der Mühe des Lesens zu unterziehen, sich eine Geschichte von ihrem Erfinder erzählen lassen wird. Man hat Wallace den „Ford der Literatur" genannt, und wenn er auch noch nicht so viel verdient wie der Automobilkönig, so leistet er doch jedenfalls in der Massenproduktion Erstaunliches. Wallace ist heute 53 Jahre alt, kam aber erst mit 31 Jahren zur Literatur. Vorher hat er ein ziemlich abenteuerliches Leden geführt: er genoß eine sehr dürftige Erziehung, diente sechs Jahre als Gemeiner im englischen Heer, wurde dann in Südafrika Journalist, versuchte es mit Gedichten und schrieb 1906 feine erste Detekttvge- fchichle. Dann hat er sich langsam zu seinem Ruhm heraufgearbeitet. Roch vor einem Jahr toar er nur als Schreiber spannender Kriminal- suchen und einiger Sensationsdramen bekannt, seitdem aber ist fein Rame über die ganze Welt verbreitet worden und mit dem Ruhm ift auch feine Schaffenskraft immer mehr gewachsen. 1925 schrieb er doppelt so viel Romane wie 1924. 1927 betrug seine Produktton 26 Romane und 6 Stücke, und in diesem Jahre hofft er diesen Rekord noch beträchtlich zu überschreiten. Er dikttert seine Geschichten, feine Dramen und Kritiken ins Diktaphon und eine ganze Schar von Sekretärinnen macht sie dann druckfertig. Außer seinen Romanen, Dramen und kurzen Geschichten entfaltet er auch noch eine ausgebreitete journalistische Tätigkeit, ist Theaterkri-
tiker und gilt für einen besonderen Kenner in allen Fragen der Kriminalistik und des Rennsportes. Er selbst ist auf seine Kenntnis des Turfs viel stolzer als auf seine literarischen Arbeiten, und hält seine „Tipps" für unfehlbar. (Das hinderte aber nicht, daß beim letzten Derby fein Favorit, der nach seiner Ansicht "unmöglich verlieren konnte", als 12. landete.) Seine Bücher sind bereits in über fünf Millionen Exemplaren in der Welt verbreitet, und über feine Einnahmen zerbricht sich ganz London den Kopf. Er selbst bewahrt darüber Stillschweigen, aber man behauptet, daß er weit über eine Million jährlich verdient.
Hochschulnachnchien.
Für den freigewordenen Lehrstuhl für Kirchengeschichte an der Universität Heidelberg, den bisher der jetzt emeritierte Geheimrat Professor Dr. von Schubert beHeibete, ist ein Ruf an den ordentlichen Professor an der Unioerfität Marburg Dr. Freiherr von Soden ergangen.
Professor Dr. phil. et med. vet. Peter Danck- to o r 11 an der Tierärztlichen Hochschule in Hannover hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl der pharmazeutischen Chemie in Marburg als Rachfolger Ioh. Gadamers abgelehnt.
Geheimrat Prof. Dr. med. Friedrich Ahlfeld, der frühere langjährige Direktor der Frauen- llinik an der Ltniversität Marburg, vollendete am 16. Oktober das 85. Lebensjahr. Gebürtig aus Alsleben a. S. (Provinz Sachsen), als Sohn des Pastors, späteren Geheimen Kirchen- rats D. Friedrich Ahlfeld, oblag Ahlfeld dem Studium der Medizin in Greifswald und Leipzig, bestand 1867 das Staatsexamen und im folgenden Jahre das Doktorexamen, wurde dann Assistent bei Professor Crede, habilitierte sich 1873, erhielt drei Jahre später die Ernennung zum a. v. Professor und Hebammenlehrer in Lerpzrg und folgte 1881 einem Rufe als Ordinarius nach Gießen als Rachfolger Kehrers. Im Jahre 1883 siedelte Ahlfeld nach Marburg als Rachfolger Dohrns über. Im Oktober 1907 legte Gchnmrat Ahl.eld sein Amt als Direktor der Frauenklinik und Hebammenanstalt nieder. Ahl- felds „Lehrbuch der Geburtshilfe" ist in mehreren Auslagen Verbreitet —
Der Berliner Universitätsprivatdozent Dr. Ludwig Ebert hat den an ihn ergangenen Ruf an die älniversität Würzburg als Rachfvlger von Prof. H. Grimm angenommen und bereits feine Ernennung vorn 1. Rovember d. I. ab zum etatsmäßigen außerordentlichen Professor der physikalischen Chemie der Würzburger philosophischen Safultät erhalten.


