Ausgabe 
18.5.1928
 
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V\6)tt In teress en gruppen in daS Staatsleben Mächte eingeschaltet haben, die den Staatsgedan­ken schwächen, man sieht mit Sorge, daß eine große Gruppe sogar den Kampf der Klassen gegeneinander als Hauptinhalt ihrer Ideenwelt dem Volke pr.'diat und damit den Gedanken der Volksgemeinschaft zu ertöten sucht. Die Ur­sache dicsrr Entwicklung liegt auf der Hand. Die Deino.ratie kann den Gedanken nicht auf­bringen, daß ein Staatswesen Wacht vorauSseh t. Infolgedessen greifen andere Kräi'te zur Macht. In der gegenwärtigen politi­schen S ra'tur Deutschlands erlangt man diese Macht aber nur durch die Masse. Die Masse w'rd ober nicht von Persönlichkeiten geführt, sorderr die Führer folgen dem Willen der Masse. Damit schotet man das Wert­volle, was ein Volk besitzt, sein Führ^rtum, au8 und damit zugleich die Energien, denen von jeher alle großen Bewegungen innerhalb der Völler zu verdanken sind.

Wan verurteilt die nach demokratischem Prin­zip gewählten Führer zur Tatenlosigkeit, weil man sie dem Willen der Masse unter­ordnet. Der Artikel 54 der Aeichsverfassung macht den ersten Mann des Dolles, den Reichs­präsidenten, zum Funktionär deS Parlaments oder vielmehr der jeweils herr­schenden Parteien, und man ernredrigt seine ersten Ratgeber, die Minister, zu ausfüh­renden Organen einer zufällig entstandenen Mehrh?iit. verurteilt sie dann, nur Gelegenheits­und Tagespolitik zu treiben, Politik auf weite Sicht zurückzustellen, da niemand wissen kann, wie lange er sein Amt verwaltet. Die Auf­hebung deS Artikels 54 der ReichSverfaf- sung ist der notwendigst« Schritt zur Verhin­derung deS offensichtlichen Verfalls, in dem sich unser Staat und unser« Wirtschaft durch die Einführung der reinen Demokratie befinden.

Wahlvorschläge undBewerber

Berlin, 16. Mai. (WTV.) Nach Feststes- hingen deS Reichswahlleiters sind zu den kom­menden Reichstagswahlen insgesamt 612 Krcis- wahlvorschläge und 31 Reichswablvorschläge, insgesamt 673 Wahlvorschläge zu­gelassen gegenüber 485 Kreiswablvorschlägen und 22 Reichswahlvorschlögen gleich 507 Wahlvor- schlägen insgesamt bei den Deichstagswahlen am 7. Dezember 1924. Die Zahl der Wahlvor­schläge ist mithin um so st ein Drittel ge­stiegen. Die Zahl der Bewerber beträgt aus den Kreiswahlvorschlägen 5372 (5224 männ­liche und 448 weibliche) Bewerber, auf den Deichswahlvorschlögen 536 (493 männliche und 43 weibliche) Bewerber, insgesamt 6208 (5717 männliche und 491 weibliche) Bewerber. Zur Reichstogswahl am 7. Dezember 1924 waren 4716 Bewerber Augelaffen, davon 4203 männliche und 513 weibliche. Die Zahl der Bewerber ins­gesamt ist mithin um 1492 (gleich 31 v. H.), die der männlichen Bewerber um 1514 (gleich 36 v. H.) gestiegen, hingegen die Zahl der weib­lichen Bewerber um 22 (gleich 4,3 v. H.) zurück­gegangen.

Das befinden des AeichsMenmlnisters.

Berlin. 17. Mai. (WB.) Die Besserung im Befinden de» Relchsauhenmlnlster» Dr. Strese- mann hält an. Vie läiigkeil der Jlieren hat sich weiter gehoben. Temperatur 36,9; Pul» 84. Ls ist zu hoffen, daß im weiteren verlaus der Erkrankung Rückfälle nicht eintreten.

gez.: Pros. Dr. h. Zondek, iSanUätsrat Dr. Gisevius. Dr. Schulmann.

Die deutschnationale Pressestelle '.teilt mit:Die schwere Erkrankung des Herrn Reichsauhenministers Dr. Stresemann hat allent­halben lebhafte Sorge und Anteil­nahme ausgelöst. Wir wünschen ihm möglichst schnelle und vollständig« Wiederherstellung. Sach­liche Meinungsunterschiede in der Politik und das Bedürfnis der Auseinandersetzung darüber müssen vor dem Wunsche zurücktreten, den Reichs- aüfoeruninifter und Führer der Deutschen Volks- !iartci wieder i m Vollbesitz seiner Gr­und h e i t und als Wortführer seines Amtes oder einer Partei In der Oeffentlichkeit begrüßen zu können."

Äenefch besucht Berlin.

Berlin. 18. Mai. (Priv.-Tel.) Wie wir von gut unterrichteter Seite erfahren, wird der tschechoslowakische Außenminister Dr. Bene sch entgegen anders lautenden Meldungen auf seiner Rückreise nach Prag Berlin doch einen Besuch abstatten und am 18. d. M. dort eintreffen. Herr Benesch wird SamStagSonntag, vor allem mit Rücksicht auf die Wahlen, inkognito in der Hauptstadt weilen. Erst für Mvntagvormit- lag erwartet man seinen Besuch im Aus­wärtigen QI m t beim Staatssekretär Herrn von Schubert. Wahrscheinlich wird Minister Be­nesch auch vom Reichspräsidenten emp­fangen werden. Zwar sind anläßlich der Er­krankung Dr. StresemannS politische Besprechun­gen mit dem tschechoslowakischen Außei^minister entscheidender Ratur nicht zu erwarten, aber immerhin wird sich eine informatorische Fühlung­nahme von praktischem Wert ergeben.

Der Verfaffungsiag.

Preußens Antrag im Rcichsrat.

Berlin, 18. Mai. (DDZ.) Auf der Tages- »rti.-.uiifl deS Reichsrats stand ein Antrag Prcu- ßenS und einer Reihe anderer Länder, den 11. August aum Rationalfeiertag zu erklären. Der Berichterstatter, der preußische Ministerialdirettor Dr. B a d t. beantragte, den Sntwur, ohne AuSschußverhandlung sofort im Plenum zu behandeln, weil der Rrichsrat sich ja bereits arrSjührlich im vorigen Sommer mit dies r Angel genheit beschäjtigt habe. RamenS der bayerischen Regierung bat Staatsrat v. Rüßlein um Ausfchuyberatung, die ja keine Verzögerung bedeuten wurde, da man die An- gel.geuheit an einem Bcr nitlag erledigen könne. Die' r Erklärung schloß sich die württem- b e r g i s ch c Regierung an. Für P r e u ß e n er­klärte sich Staatssekretär Weißmann mit der Ausschußberatung einverstanden, wenn Bayern er lärt. daß eine Vertagung des Ausichusscs nicht in Frage kommen soll. Daraufhin er­widerte Staatsrat v. Rüßlein, er habe noch keine Instruktion, müsse aber dock) den Einwand er­heben. daß nach der Geschäftsordnung Vorlagen von weitgehender Bedeutung frühestens drei Wochen nach ihrem ^scheinen auf die Tagesordnung gesetzt werden können. Sine Vor-

Das Reichskabinett zum Tariferhöhungsantrag der Reichsbahn.

Eine ablehnende Antwort der Reichsregierung wahrscheinlich.

Berlin, 16. Mai. (MTB.) Da» Reichs- kabinelt beschäftigte sich in feiner heutigen, unter dem Vorsitz des Reichskanzlers abgehaltenen kabinettsfihung mit der Jrage der Tariferhöhung der Reichsbahn, hierbei erstatteten der Vorsitzende des Verwaltungsrates, Dr. o. Siemens, and der Generaldirektor Dr. Dorpmüller Bericht über die finanzielle Lage der Reichsbahngesellfchaft und erläuterten die ein­zelnen Punkte der über die Tariferhöhung ver­faßten Denkschrift. An diese Darlegungen schloß sich eine eingehende Aussprache. welche durch eine Besprechung der beteiligten Reichsrestorts ihre Ergänzung finden soll. Line A n t w o r t der Reichs- regierung auf den Antrag der Reichsbahngesellfchaft wird nach Abschluß dieser Beratungen in kurzer Frist erteilt werden.

3n politischen Kreisen verlautet, daß die zustän­digen Stellen, die die Denkschrift der Reichsbahn zunächst beraten fallen, da» Reichsverkehr»-, da» Reichsfinanz- und das Reichswirtfchaftsministerium sind. Vertreter der Reichsbahn werden an diesen in­ternen Besprechungen der Reichsregierung nicht be­teiligt fein. Man nimmt an, daß die Ressortbe­ratungen etwa bis Mitte nächster Mache dauern werden, so daß das Reichskabinett sich erneut mit dieser Jrage beschäftigen kann, wenn nach dem Abschluß de» Wahlkampfes die Minister wieder voll­zählig in Berlin anwesend find.

Wie wir erfahren, glaubt daS Reichskabinett, daß die Reichsbahn infolge der günstigen Ver- kehrSentwicklung der letzten Iahre und der ent­sprechend günstigen Gestaltung ihrer Tilanzen in ber Lage gewesen ist, nicht unbeträcht­liche Reserven zu bilden, die zur Heber-

brückung der augenblicklich eingetretenen Geld­knappheit zum Teil dienen können. Wenn diese Gelder zur Deckung des aus Mehrbelastung und Anlagebedürsnis h:rrührenden GeUibedar s nicht voll ausreichen, so sieht auch das Reichskabinett die Möglichkeit einer Steigerung des Anlage­kapitals im Interesse der Betriebssicherheit durch Anleihen als gegeben an. Das Reichs- kabinett schließt sich damit der in den Diskussionen über die Rcichsbahntarisc vertretenen 2u* affung an. daß eine so tief in das Wirtschaftsleben ein­schneidende Maßnahme wie eine allgemeine Tariferhöhung der Reichsci'enbahn in An- betracht Der gegenwärtigen Kon­junkturlage. die sich durch einen besonderen Grad der Empfindlichkeit auszeichnet. ver­mieden werden muh. Immerhin wird in den Kreisen des Reichskabinetts späterhin, viel­leicht in Iahressrist. mit einem neuen TariserhöhungSantrag gerechnet. In o'gedessen soll vorläufig der Versuch gemacht werden, die Reichsbahn zu veranlassen, daß sie zur Behebung ihrer Schwierigkeiten einen größeren kurz­fristigen Kredit aufnimmt Die Reichsbahn verhält sich jedoch gegenüber diesem Vorschläge, wie aus einer neuen Mitteilung ihrerseits her­vorgeht, ablehnend. Selbstverständlich kommt bei der starken Ueberlaftung unseres Kapital­marktes eine einmalige hohe Anforderung seitens der Reichsbahn kaum in Frage. ES besteht jedoch, da eS sich um die Finanzierung laufender Erneuerung für die Reichsbahnanla^en han­delt, die Möglichkeit, den Geldbedarf in monat­lich aufzulegenden Teilbeträgen je nach Erfordernis au decken. Günstig für den Fall der Kapitalaufnahme ist auch die in gut unter­richteten Kreisen ausgesprochene Erwartung, daß sich die finanzielle Besserung in der Lage der Reichsbahn weiterhin f o r t s e tz e n dürfe.

Oer Colmarer Autonomistenprozeß

Colmar, 16. Mai. (WTV.) Zu Beginn der Sitzung vom Mittwoch fünbigte der Staatsanwalt an, daß, wenn die Verteidigung auf gewisse Ent­lastungszeugen verzichte und zur Abkürzung der Debatte beitrüge, das Zeugenverhör am Samstag beendet werde und er am Montagfrüh die Anklage­rede halten könne, so daß damit zu rechnen wäre, daß dkr Prozeß am Dienstag zu Ende gebracht werde. Dann fetzte der Zeuge Riehl feine Aussagen fort. Er sprach von einer von ihm unternommenen Reife nach Basel, bei der er die Bekanntschaft Leys gemacht und diesen über Dr. Ernst ausgefragt habe. ,^Ley war für mich e i n Spion", so erklärte Riehl, worauf Rechtsanwalt Peter rief:Also ein Kollege!" Auf die Frage des Vorsitzenden:Haben Sie nicht einen Brief von Dr. Ernst erhalten, in dem dieser zugibt, daß er zu den autonomistischen Mitteln Leys beiträgt?" antwortete der Zeuae bejahend und übercichte ein Schreiben mit dem Aufdruck derHeimatstimmen", das, ohne verlesen zu werden, zu den Akten ge­legt wird. Dann erklärte Riehl, er sei der Ansicht, daß die Autonomiebewegung deutsch-freundlich ge­wesen sei und mit deutschen Propaganda- stellen zusammengearbeitet habe. Don Ricklin erzählte Riehl, daß er ihn nach im Januar 1917 in seiner Uniform als Stabsarzt zu Pferde ge, sehen habe. Ricklin sei im Ernst entschlossen gewesen, denRahmen Frankreichs" eines Tages fallen zu lasten. Das fei feine, des Zeugen, Ueberzeugung. Als er Ricklin gefragt habe: Welches sind Ihre End­ziele? Wollen Sie die Autonomie, die zur Neutrali­tät führt? habe ihm Ricklin die Hand gegeben und gesagt:Wir gehen vollkommen einig. Dann erzählte Riehl eine ziemlich unklare Geschichte von einer Be­gegnung in der Wohnung Schweitzers, bei der er wwohl diesen wie einen unbekannten Mann im Pyjama angetroffen habe. Der Unbekannte im Py­jama habe wie ein deutscher Offizier ausgesehen, und eine Landkarte habe auf dem Tisch gelegen. Dann erklärte Riehl noch, daß er ge­bärt habe, wie Stürmei gesagt habe, daß die Stärke der Schutztruppe in Straßburg auf 1000 Mann ge­bracht werden müsse. Riehl erklärt auf Befragen, daß er weder von der französischen Regierung noch von der Polizei für feine Tätigkeit Geld erhallen, sondern fpontan gehandelt habe.

Bemerkenswert ist die Verlesung eines großen Teils von Briesen zu erwähnen, die aus der Feder Rieh'ls stammen und an alle mög­lichen Personen gerichtet sind und autonomifti- sche, deutschfreundliche und fran-osenfeindliche Ge­danken und Beleidigungen Frankreichs aller Art enthalten. Alle diese Briefe gibt der Zeuge zu, geschrieben zu haben, lediglich aber zu dem Zweck, um die Autononliebewegung auszu- kundschaften. Rechtsanwalt Klein be­merkte, daß diese Briese, da sie auch an Aus» länder geschrieben worden seien, den Tatbestand deS Hochverrats von feiten des Zeugen Riehl darstellten. Rechtsanwalt P a l m i e r e (Korsika) erRärte, er werde den Beweis er­bringen, daß Riehl an die korsische Autono- mistenpartei einen Brief geschrieben habe, in dem ersiezuGewalttatengegenFrank- reich aufzureizen versucht habe.

Dann wird Polizeikonunissar Boltz aus Mül­hausen als Zeuge t> rnommen. Er bestätigt, daß Riehl seit März 1926 ihm regelmäßig Briefe aus Deutschland u. a. m. über­

mittelt. Boltz erklärt bann, daß Dr. Rick­lin als Mensch sympathisch, aber als Politiker für das Elsaß unheilvoll sei. Ricklin habe 1924 an einen Lehrer einen Bries geschrieben, der in bezug auf das Elsaß die Wendung enthalte: -das Elsaß habe sich wie eine Prostituierte Frankreich an den Hals geworfen." Rechtsanwalt Palmieri (Korsika) verliest bann ein Schreiben des Vorsitzenden der korsischen Autonomistenpartei, Rocca, in dem erklärt wird, daß Schall, dessen Bekanntschaft er bei einem Autonvmistenkongreh gemacht habe, ein bescheidener, ruhiger Mensch sei, während er, Rocca, von Riehl Briefe erhalten habe, die so heftig gehalten gewesen seien, daß er nicht daraus geantwortet habe.

Es wird bann als Zeuge der Schulinspektor B o u r g o i n über Rosse verhört. Er erklärte u. a., baß Rosss viel gefehlt und etwa 144 Urlaubs- tage eingereicht habe, um Reifen zu unternehmen unb an Kongressen usw. teilzunehmen. Auch habe er einmal sich ohne Erlaubnis entfernt. Dourgoin läßt bann eine ganze Anzahl von Artikeln der Revue Scolaire" verlesen, bie von Rosts geschrie- den sind. Es heißt in biesen Artikeln u. a.:Wer nach bem 11. November 1918 im Lanbe bleibe, der übernehme stillschweigend bie Pflicht, Frankreich loyal zu bienen. Wolle er bies nicht, fo bürste er nicht bie Unehrlichkeit begehen, bie neue Nationali­tät anzunehmen. Mehr als Loyalität zu verlangen, Hot der Staat nach bem Gesetz fein Recht. Liebe unb Begeisterung finb wünschenswert, sie müssen sich aber aus der Erfahrung ergeben.* Ein zweites Zitat betrifft bie Stellungnahme Rostös zu feiner Maßregelung wegen Unterzeichnung des Heimat- 1 bunbmanifeftes. Es heißt darin:Ich war mir be- wußt, was ich tat, als ich unterzeichnete, und ich '< Hobe nichts zurückzunehmen. Ich übernehme bie volle Verantwortungen für meinen Akt. Alle bie traurigen Erfahrungen, bie ich gerade als Vertre­ter ber Beamten feit 1918 gemocht habe, haben mich zu ber Ueberzeugung gebracht, baß nur auf den im Heimatbundmanifest enthaltenen Grund­lagen ein glückliches Elsaß in unb mit Frankreich besseren Zeiten entgegengehen kann.*

Rach der Aussage Bourgoins. der u. a. noch erklärt, Ross6 habe an dem Lehrerstreik von 1920 und an dem mißglückten Lehrer- und Eisenbahnerstreik von 1926 mitgetoirft, bittet Dosse den Schulinspektor zu beweisen, wann wegen Streikbeteiligung oder wegen eines un­erlaubten Fernbleibens vom Unterricht im Iahre 1920 ein Tadel gegen ihn ausgesprochen worden sei. Der Zeuge Dourgoin sucht längere Zeit in den Personalakten Rossös. und zwar vergeblich, und crflärt bann, das habe er nicht be­hauptet. AlS Dourgoin im Derckaus der weiteren Auseinandersetzung behauptet, in einer Lehrerversammluna sei im Hinblick auf die au3 Innerfrankreich kommenden Beamten gerufen worden:Raus mit ihnen!", fragt Rosse, welchen Beweis er für feine Behauptung habe, und als der Zeuge sich begnügt, zu antworten: »Man weiß ja. daß Sie. Herr Rosse, dahinter stecken!', ruft Rofs6 auS: »Man macht uns hier für alle möglichen Versammlungen, an denen ich nicht einmal teilgenommen habe, verantwort­lich- Ich werde mich doch wohl noch verteidigen können."

läge kann jedoch sofort behandelt werden, wenn zwei Drittel der vertretenen Stimmen es verlangen. Der preußische Antrag, die Vorlage sofort dem Ausschuß zu überweisen ohne Innehaltung dr drei Wochen Frist, wurde mit 46 gegen 19 Stimmen angenommen. Gegen den Antrag stimmten nur die Länder Bayern, Württemberg. Thüringen unb Olden­burg. sowie die Provinz Brandenburg. Die Ausschußb.ralung der Vorlage soll in der nächsten Woche beginnen.

Oer Ingenieurprozeß.

I Merkwürdiger Wechsel in derBerteidignng

IMoskau. 17. Mai. (Priv.-Tel.) Der Qln- geklagte Dratanowsti. der behauptet hat. deutsche Firmen hätten Destechungs-

gelber gegeben, wodurch besonders die Firma Knapp belastet wurde, und der Angeklagte Ma - t o w, der den Werdegang der Ver­schwörerorganisation mit allen Einzel­heiten zugegeben hat, haben darum ersucht, daß der ihnen zugeteilte Offizialverteidiger M u - rawjew durch einen anderen ersetzt werde, da sie befürchteten. Murawjew könnte ihre Geständnisse abschwächen. Der Derteidi- ger habe nämlich wiederholt darauf hingeviefen, daß den Angeklagten die Todesstrafe drohe, und versucht, sie im Interesse der anderen An- gefiagten zu einer Milderung der gemachten Aussagen zu bewegen. Der Oberste Gerichtshof bat in einer Sondersitzung beschlossen, den Ver­teidiger Murawiew durch einen anderen zu er­setz e n. Ausdrücklich sei bemerkt, daß sich die Anklage im wesentlichen auf die Aussagen Bra- tanowskis und Matows stützt.

Oie Femeprozeffe.

Ein Aufsatz des ttcncralodersien von Leeckt.

Eigene Drahtmeldung bcsGießener Anzeiger»".

Berlin, 18. Mai. Generaloberst von Seeckt. der. wie wenige, mitteirfenb und mit­aufbauend an der Organisation der Reichswehr in der ersten Dachkrieg.zeit beteiligt war. und der aus nächster Äähe die so schwierige Auf- lösungszeil der Freikorps miterlebt hat. nimmt letzt zu den sogenannten Fememordprozesfen in der Oeffentlichkeit Stellung. Seeckt war nach der Revolution zunächst beim Grenzschutz im Osten, er übernahm im Iuli 1919 die Leitung des Generalstabes und im März 1920 wurde er Ches der Heeresleitung. Aus seinen Erfah­rungen dieser Zeit gewinnt Seeckt heute Den Eindruck, daß die große Schwäche der unglück­seligen Zemepro e se in dem MangelanSich- 3 r tnnern an d i e Verhältnisse dieser wirren Zeit liegt. Er meint, daß diese Pro­zesse seiner Ansicht nach vermieden werden konnten und vermieden werden mußten, weil sie nicht wirklicher Gerechtigkeit- bienen und politisch in hohem Grad schädlich wirten." Seeckt befürchtet, daß sich aus diesen Pro,cs en ein Gegen­satz zwischen der Reichswehr und Den Kreisen ent­wickelt, welche bisher durch die Pflege des D gedankens zum eigenen, gegenseitigen und xum allgemeinen Rutzen sich verbunden fühlte. Rach einer eingehenden Analyse der Psychologie der Freikorps, erklärt Seeckt bann, er übernehme die Verantwortung für die Reichswehr als der oberste militärische Führer derselben. Sin Rarr sei. wer glaube, daß er ober einer seiner Unter­gebenen auS jener Zeit einen Befehl ober eine Anweisung zum Mord gegeben habe. Ob es aber in seiner Macht gelegen habe, alles zu wissen und viele- zu verhindern, könne unb wolle etz nicht entscheiden. Der es könne, trete vor. Ob er strafrechtlich verantwortlich sei. spiele keine Rolle. Aber eS solle ihm niemand nachsayen dürfen, daß er je eine Verantwortung ver­leugnet habe.

Meine politische Nachrichten.

Der schon feit langer Zeit kränkelnde frühere Relchsjusllzminister und volksparteiliche Reichstags- adgeordnetc Dr. Heinze ist in der oergangenen Nacht in feiner Wohnung auf dem Weißen Hirsch bei Dresden einem Herzschlag erlegen. Dr. Heinze hatte sich bis noch vor zwei Togen leb­haft am Wahlkampf beteiligt, fühlle sich aber in ben letzten zwei Tagen unwohl und war zu Haufe ge­blieben.

Im Fall Jakubowski hat der Reichsjuftiz- minister es abgclehnt, der mecklenburgischen Reg.e- rung einen Rat zu erteilen, um ben sie ersucht hotte, ober eine Persönlichkeit mit ber Prüfung ber Ange­legenheit zur Verfügung zu stellen. Wohl aber hat der Minister der mecklenburgischen Regierung :mp- sohlen, sich an bie bedeutenden Kriminalisten, Staatssekretär a. D. Dr. F r i tz e, Iustizminister a. D. Dr Dünger unb Senotsprasident L 5t. Richter, zu wenden.

Die japanische Regieruna beschloß, Äel- logge Kriegsächtungsoorschlag anzu­nehmen, den sie im ganzen als annehmbarer er­achtet, als ben französischen Entwurf, und an allen Erörterungen teilzunehmen, die in dieser Angelegen­heit statt finden sollten. Sie hält den Meinungsaus- taufet) der Washingtoner Botschafter unter Teil­nahme ber Vereinigten Staaten für besonder» ge­eignet, eine Klärung herbeizufuhren

Prinz Carol von Rumänien traf im Kraft­wagen, von Ostende kommend, in Brüssel ein und ist am nächsten Tage von Brüsiel nach kcm Chateau d'Ardenncs bei Dinant abgcrc.ft, wo er vorläufigen Aufenthalt nimmt

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rscltcrvoraussagc.

Da» eurvpäischr Tief zeigt zwei Kerngebiete, die sich üfcr Dänemark und dem Kanal aus- gebrcitrt Hoden. Ommer noch führen die Stb- rur.gen zu keiner Beständigkeit ber Wetterlage, ur.b superbem bleibt durch die Verlagerung ozea­nischer ßu.tmalftn auf bem Äoitlüraü das Wetter weiterhin kühl.

Dorherfage für SamStag: Wolkiges und kühles Wetter mit zeitweisen Niedertchlägen.

Vorhersage für Sonntag: Teils wol­kiges, teils aufheiterndes Weiter, noch kühl, strichweise Neigung zu Riederschlägen.

Lufttemperaturen am 17 Mal: mittags 11 Grad Celsius, abends 6,9 Grad Celsius, am 18. Mai: mor­gens 6,9 Grad Celsius. Maximum 15 Grad Celsius, Minimum 3,9 Grad Celsius. Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 18. Mai . morgen» 8,9 Grad Celsius. Niederschläge 0,9 Millimeter. Sonnen- Kleinbauer 4 Stunden.