könne, bah die erstrebenswerten Lösungen schnell gefunden würden.
Die Reform der Ftnanzwirtschast. Dr.Höpkcr-AschoffüberdasEinsPruchsrecht des Finanzministers.
Am Mittwochnachmittag wurde in der Länder- konferenz die Diskussion fortgesetzt. Man verlieh den ersten Punkt der Tagesordnung und ging zum Referat ,Maßnahmen zur Gewährleistung sparsamster FinanAwirtschaft" über, das der preußische Finanzminister Dr. Höpker-Aschoff erstattete. Der Minister führte aus. daß die Etatsgesetze der Regierung in Deutschland eine andere Stellung gegenüber dem Parlament als in England und Frankreich haben. Sn Deutsch- ' land sei der größte Teil der Etatsausgaben zwangsläufig und auch ohne Bewilligung durch das Parlament möglich. Sn Deutschland bestehe ferner keine Verpflichtung der Regierung. die im Etat vorgesehenen Mittel wirklich a u s z u g e b e n. Sn England habe sich dagegen das Unterhaus eine wohltätige Selbstbeschränkung durch seine Geschäftsordnung auferlegt. durch die Festlegung, daß Anträge auf Mehrausgaben nur mit Zustimmung der Regierung ein gebracht werden können. Eine _ solche Bestimmung wäre auch im Reich und Ländern wünschenswert und ferner, daß das Parlament die Einnahmen im Etat nicht höher einst ellen dürfe als von d»r Regierung veranlagt. Ferner müsse durch die Geschäftsordnung zum Ausdruck gebracht werden, daß Anleihegesetzeickwürfe nicht als Snitiativanträge eingebracht werden dürfen.
Dr. Höpker-Aschoff behandelte dann die Stellung des Finanzministers im Kabinett. Die Haushaltsordnung des Reiches führe die wichtige Vorschrift, daß der Reichsfinanzminister ein Einspruchsrecht beim Etat habe und nur in der zweiten Abstimmung könne der Reichsfinanzminister durch eine Mehrheit, der auch der Reichskanzler angehören muß, überstimmt werden. Sn Preußen liegt eine ähnliche Regelung vor. Die Stellung des Schah- konzlers in England ist noch weit stärker, aber Dr. Höpker-Aschoff glaubt nicht, daß die Stärke der Stellung des englischen Schatzkanz- lers für deutsche Verhältnisse maßgebend sein kann. Das liege in dem Zwang zur Koalitionsbildung in der rtschen Politik, und eine überragende Stellung des Finanzministers würde einer einzelnen Partei ein zu starkes Heberge- wicht geben. Der Reichssinanzminister habe ferner das Recht, die Ausgaben zu sperren, während der preußische Finanzminister nur 10 Prozent aller Ausgaben sperren dürfe. Für weitere Maßnahmen fei ein Kabinettsbeschluß notwendig. Sn dieser Beziehung sei eine Stärkung der Rechte auch der Landesfinanzminister wünschenswert. Hm ein weiteres Ansteigen der öffentlichen Haushalte zu verhindern, müßte die Bestimmung getroffen werden, daß EtatSerhöhungen gegenüber dem Vorjahre nur mit Zustimmung deS FinanzmtnisterS vorgenommen werden dürften. Der Referent warnt davor, dritte Stellen, etwa den Reichspräsidenten oder den Reichs- fparkommissar einzuschalten. Auch erklärte er sich gegen ein Einspruchsrecht des Reichsfinanz- ministers gegenüber den Ländern. Das sei eine unmögliche Ausgabe für den Reichssinanzminister. Der Minister behandelte dann die Finanzen der Gemeinden und führte aus, daß die Schranke, die die Beratungsstelle für Länder und Gemeinden sei, nicht noch weiter erhöht werden könne.
Das Ergebnis der ersten Tage.
Ein bedeutsamer Schritt zur Klärung.
D e r l i n,' 17. San. (Priv.-Del.) Don unterrichteter Seite wird das bisherige Ergebnis der Beratungen, entgegen einigen pessimistischen Auslassungen Berliner Abendblätter, als durchaus nicht unbefriedigend bezeichnet. Cs wird betont, daß die morgige Verlautbarung ja zeigen werde, daß die Konferenz bereits eine Reihe von Fortschritten erzielt habe, die zu einer Klärung führen könne. Dabei handelt es sich bei dem ersten Punkte der Tagesordnung, der das Verhältnis zwischen Reich und Ländern zum Gegenstand hat, um die Einsetzung einer Kommission, die mit der praktischen Ausarbeitung von Vorschlägen zur Besserung dieses Verhältnisses beauftragt werden soll! Heber den Charakter und die Zusammensetzung dieses Ausschusses gingen die Meinungen der Konierenz bvSfyer allerdings auseinander. Rach dem Vorschläge des Hamburger Bürgermeisters Dr. Petersen soll dieser Ausschuß aus Sachverständigen gebildet werden, die unabhängig von den regte- rungsmähigen und parteipolitischen Snstanzen ein praktisches Gutachten auszuarbeiten hätten. Der sächsische Ministerpräsident Dr. Held hatte dann beantragt, daß diese Arbeit dem Der as- sungs aus schütz des Reichsrates übertragen toerce, und der bayrische Ministerpräsident Dr. Held schloß sich dieser Aussa.sung an. Bürz.rmeister Petersen hielt in dem Schlußwort zu seinem Referat jedoch seinen Vorschlag aujre^t. Schließlich machte der preußische Ministerpräsident Dr. Braun seinen Dermittlungsvorschlag. und dieser dürste jetzt wohl im Vordergründe stehen. Er geht dahin, daß tatsächlich der Verfassungsausschuh des Reichsrates Beauftragt wird, daß er aber das Recht hat, S a ch - verständ-igehinzuzuziehen, deren Teilnahme an den Arbeiten er für nützlich hält.
Im übrigen ist aus den Schlußworten zu dem Thema des Verhältnisses von Reich und Ländern noch von Interesse, daß Ministerpräsident Held (München) auch vom bayrischen Standpunkt aus eine kraftvolle Stütze des Reiches als wünschenswert und notwendig bezeichnete, aber seine Auffassung geyen den Einheitsstaat irgendwelcher Form hineinpressen lassen. Im übrigen könnten nach feiner Auffassung auch viele Fragen, die von den Verfechtern des Einheitsstaates aufgeworfen wurden, geregelt werden, ohne daß der bundesstaatliche Charakter des Reiches davon be- rl'chrt werde. Bayern fei auf dieser Grundlage zu jeder möglichen Verständigung bereit. Aus dem Schlußwort des preußischen Ministerpräsidenten Dr. Braun ist noch bemerkenswert, daß er auf den Beschluß des preußischen Landtages von 191& hinwies, daß Preußen jederzeit bereit sei, in den Einheitsstaat aufzugehen, wenn auch alle anderen Länder sich dazu bereit erklären. Das sei auch heute noch der preußische Standpunkt. Zum Schluß führte Dr. Braun aus, daß die (Erörterung gen der Konferenz zu einer Klärung geführt hätten. I
Man Hape festgesteltt, daß btt jetzig« Zustand nicht h a l t b a r fei. Das fei noch feiner Meinung ein Erfolg. Man werde ein gutes Stück weiterkommen und im übrigen würden die Verhältnisse von selbst zu einer BescPeunigung der Lösung beitragen.
Bei dem zweiten Punkt der Tagesordnung, der Einführung von Sparmaßnahmen handelt es sich im wesentlichen um technische Fragen. Dabei wurde zum Beispiel über die Stärkung der Reichsregierung gegen parlamen-
Eigene Drahtmeldung des ..Gießener Anzeigers".
Berlin, 18. San. Selten hat es im Zentrum ein solches Durcheinander gegeben, wie gegenwärtig. Der Zentrumsturm hat schon manchen <3türm überdauert, aber wenn man hört, wie der Orkan diesmal um das Gemäuer pfeift, dann kann man doch nachdenklich werden, ob er wirklich noch fest genug gefügt ist, um solche Angriffe aushalten zu können. Rach außen hin geht es mehr um den Kampf der Führer gegeneinander. Da war ursprünglich Herr Wirth, der sich nicht nur mit Marx, sondern auch mit Stegerwald h»rumschlug, da war schließlich ja auch der Herr v. P a.v e n und Herr Hermes, die sich beim linken Flügel unbeliebt machten, dann aber trat Herr von Guerard aus seiner Reserve heraus und griff den Reichskanzler ohne Ramensnennung recht heftig an; jetzt kommt zu allem Heberfluß eine Feindschaft zwischen dem Kanzler und Herrn Stegerwald, die so stark persönlich zugespitzt wird, daß kaum mehr ein Ausgleich möglich ist. Dabei sind diese Feindschaften nur Ausfluß der Meinungsverschiedenheiten, um die im Zentrum überhaupt gerungen wird und bei denen es letzten Endes um die eine Frage geht, wie die Partei sich im parlamentarischen Leben einstellen will.
Herr Marx ist ein Vertreter der Mitte, des »Zentrums im Zentrum", er bat, wenn auch mit einigen Einschränkungen, sich schließlich zu dem Grundsatz bekannt, daß das Zentrum weder nach rechts noch nach links gehört, sondern daran mithelsen muh, daß eine verantwortliche Regierung da ist; woraus folgerichtig, ein ab- wechs elndes P aktieren mit den Deutschnationalen und mit den Sozialdemokraten sich ergibt Sn der Theorie wollen die anderen das auch, in der Sache aber will alles, was hinter Herrn Dr. Marx steht, nur die Koalition mit der Sozialdemokratie und empfindet das Zusammen- regieren mit den Deutschnationalen, das seit einem Sahr im Reich exerziert wird, als eine politische Hnmöglichkeit, weil die zarter besaiteten Gemüter des linken Flügels da nicht mit- machen und drohen, zu den sozialdemokratischen Gewerkschaften abzumarschieren.
Das Merkwürdige ist, daß Stegerwald aus seiner ganzen Vergangenheit tn der Front gegen die Sozialdemokratie steht, also die Ge- dankengänge befürwortet, die Dr. Marx in die Tat umgesetzt hat, daß aber auch er sich jetzt verärgert zurückzieht, weil die Koalition unter der Zenkrumsführung eine Anzahl von Dummheiten gemacht hat, die in der Arbeiterschaft böses Blut machen mußten, vornehmlich die ungeschickte Art, wie die B e s o l d u n göre s o r m aufgezogen und durchgedrückt wurde. Herr Dr. Marx hat jeden Widerspruch in der eigenen Partei kräftig nieder gehalten, er hat auch die Gewerkschaftsführer gezwungen, aus Gründen der Disziplin sogar für die Defol- dungsreform zu stimmen, hat aber dem Faß den Boden ausgeschlagen durch einen nicht für die Oeffentlichkeit bestimmten Brief, worin er einige Hnfreundlichkeiten über Stegerwald sagte. Stegerwald reagiert darauf, indem er den stellvertretenden Vorsitz in der Zentrumsfraktion niedergelegt und so die Partei zwingt, eine Entscheidung um Marx zu treffen. Die Herren vorn Zentrum sind ja Meister in der Kunst des Ausbügelns, sie werden auch diesmal sich ehrlich Mühe geben,, den Konflikt aus der Welt zu schaffen. Aber ganz leicht ist es nicht. Hnd um so größer ist die Gefahr, daß das Zentrum, um aus diesen inneren Schwierigkeiten herauszukommen, das Schulgesetz und mit ihm die Koalition in die Luft sprengt.
Marx und die christlichen Gewerkschaften.
Gegen die Bcsoldungsrcform.
Berlin, 17. San. (WB.) Der am 16. San. 1928 in Konigswinter am Rhein versammelte Erweiterte Vorstand des Gesamtverbandes der Christlichen Gewerkschaften befaßte sich u. a. auch mit den Auswirkungen der Besoldungsreform und nahm eine Entschließung an, in der es heißt: Sm Wettlauf um die Wahlstimmen der Beamten ist im Reichstage eine Desoldungsvorlage verabsch edet worden, die das Deutsche Volk mit 1,5 Milliarden belastet. Die Führer der Christlichen Gewerk,chaft.n haben im Reichstage eine vorläufige Reuord- n u n gvorae sch lagen, die eine endgültige Lösung in Verbindung mit der Verwaltungsreform gebracht hätte, sofort aber eine Linderung der Rot breiter Massen und der trostlosen Lage der SnDalibenrentner her- beiführen sollte. Sie wurde größtenteils nicht beachtet. Weite Volksschichten teilen die Auffassung der Christlichen Gewerkschaften. Angesichts dieser Tatsache weist dec Vorstand des Gesamtverbandes der Christlichen Gewerkschaften entschieden die vom Reichskanzler kund- getane Auffassung zurück, daß der von den „Herrn Dr. Stegerwald und einigen Ge- werlschaftsselretären eingenomm.ne Standpunkt" dvrch Bewilligung der Besoldungsreform mit überwältigender Mehrzahl widerlegt sei. Diese Mehrheit findet keinerlei Stühe, wenn man sich bie aus unserer Gesamtlage sich ergebenden Rot- toen big leit verantwortungsbewußt vor Augen halte. Die Christlichen Gewerkschaften müssen sich nun erst recht g e s ch l o s s e n h i n t e r Stege r w a l d und die vom Reichskan ler genannten Gewerkscha tLse.retäre stellen. Sie feien ihnen für ihr entschiedenes und mutiges Auftreten dankbar.
Klärungsversuche.
Jufamntentritt des Reichsparteivorstandes.
Berlin, 17. San. (Privatinformation.) Wie mir erfahren, ist der Reichsparteivorstand des Zentrums auf den 28. und der Reichspartei- ausschuh auf den 29. Sanuar nach Berlin eiw-
tarische Einflüsse und die Stärkung der Stellung der Finanzminister gesprochen. Auch der bayrische Finanzminister Dr. Schmelzte erklärte sich mit dem Vorschläge des preußischen Finanzministers Dr. Höpker-Afchofs einverstanden, daß diese Fragen durch einen Ausschuß zur Losung gebracht werden sollen. Es ist deshalb damit zu rechnen, daß dieser Ausschuß eingesetzt wird.
berufen worden. Diese beiden höchsten Organe der Zentrumspartei werden sich in ihren Verhandlungen mit den Fragen beschäftigen, die dadurch besonders akut geworden sind, daß Ministerpräsident a. D. Stegerwald sein Amt als zweiter Vorsitzender der Reichstagsfraktion nieocrgelegt hat.
Sn führenden Kreisen der Zentrumspartei äußert man# sich zu diesem Schritt des Herrn Stegerwald naturgemäß sehr zurückhaltend und erklärt, daß von einem eigentlichen Rücktritt noch nicht die Rede sein könne. Soviel ist allerdings sicher, daß Stegerwald von seinem Hrlaubs- aufenthalt in Süddeutschland an den Vorsitzenden der Reichstagsfraktion, Dr. v. Guerard, einen Brief gerichtet hat, in dem er seine Rücktrittsabfichten zum Ausdruck bringt. Ebenso steht fest, daß er die Funktionen seines Amtes solange nicht ausübt, als nicht eine Klärung der ganzen Angelegenheit erzielt ist.
Von führender Zentrumsseite wird uns versichert, daß es selbstverständlich gelingen werde, irgendwie zu einer Lösung zu gelangen, die die Sntercffen der Gefamtpartei wahrt und zu einer Verständigung unter den Beteiligten führt. Dabei verhehlt man sich allerdings nicht, daß die überraschende Einberufung von Parteivorstand und Reichsausfchuh als Zeichen dafür angesehen werden muh, welche Bedeutung die Angelegenheit Stegerwald gewonnen hat. Rach Angabe aus Zentrumskreisen ist die Einberufung dieser beiden obersten Snstanzen dahin aufzufassen, daß die Partei selbst den größten Wert auf eine großzügige und restlose Klärung der schwebenden Fragen legt.
Das Reichsschulgesetz.
Der Kampf um die Simultanschule.
Berlin. 17. San. (Priv.-Tel.) Zu den Verhandlungen über das Reichsschulgesetz schreibt die „D. Z. am Mittag", es sei eine ernste Wendung eingetreten, die das Schicksal des Schulgesetzes in Frage stelle. Es handele sich um den § 16a, der ausdrücklich festlegt, daß in allen den Gebieten des Reiches, wo bereits durch Gesetz oder Vereinbarung die Frage des Religionsunterrichtes geregelt sei, es bei dieser Regelung bleibe. Hierzu erfährt das WTD., daß der Deutschen Volkspartei hinsichtlich dieses § 16a, der auf Antrag der Deutschen Dolkspartei in das Gesetz ausgenommen wurde, in der Tat Bedenken gekommen seien, daß jedoch eine Kompromißlösung über diesen Paragraphen bereits auf dem Wege sei. Man versichert, daß die Lösung, für die bereits eine Vor- fühlungsnahme stattgefunden hat, voraussichtlich die Bedenken der Deutschen Dolkspartei erledigen wird. Die schwierigste Frage des Gesetzentwurfes bleibt weiter der § 20, der die Si^ multanschulländer befjanbelt. Für diese Frage wird in unterrichteten parlamentarischen Kreisen ein Ausweg noch nicht gesehen, da die Parteien mit Bezug auf diesen Paragraphen an ihren Auffassungen fest halten.
Kommunalpolitik und presse.
Präsident Mulert nennt Publizität das
Lebenselement der deutschen Städte.
Berlin, 18. San. (TH.) Auf einem Vortragsabend des Reichsverbandes der deutschen Presse im Saale des vorläufigen Reichswirt- schaZsrats sprach der Präsident des Deutschen Städtetages, Dr. Mulert, über Kommunalpolitik und Presse. Er führte u. a. folgendes aus: „Publizität ist das Lebenselement der deutschen Städte, die Atmosphäre, in der allein sie wirklich leben können. Aus der Kritik entnehmen wir Anregungen und neue Smpulse für unsere Arbeit. Richt gegen die Kritik wenden wir uns, sondern gegen Hebertreibungen und gegen Verallgemeinerungen." Der Redner ging dann auf die kommunale Wirtschaftspolitik ein und führte dazu u. a. folgendes aus: „Heber die Höhe der kurzfristigen Verschuldung der deutschen Gemeinden sind seit einiger Zeit phantastische Zahlen im Hmlauf. Auf 1500, ja bis auf 2000 Millionen wurde die Höhe dieser kurzfristigen Kredite angegeben. Heute bin ich erfreulicherweise in der Lage, authentisches Material mitzulellen. Rach einer amtlichen Sta istik beträgt die kurzfristige Verschuldung für sämtliche von der Erhebung ergrifenen 59 Siädte über 80 000 Einwohner, deren Einwohnerzahl rund 16 Millionen beträgt, zusammen 525 Millionen Mark. Hiervon gehen noch 25 Millionen ab, deren Abdeckung innerhalb dieses Sahres ohne Aufnahme einer langfristigen Anleihe durch Grundstücks- verkäuse usw. erfolgt, so daß insgesamt rund 500 Millionen übrig bleiben. Hierbei handelt es sich mit Ausnahme von zwei Fällen mitt einem Gesamtbeträge von 17 Millionen durchweg um im Snlande aufgenommene Schulden."
Zusammentritt -es hessischen Gtaatsgerichtshofes.
Darmstadt, 17. San. (TH.) Das Hrteil des Staatsgerichtshofes in Leipzig ist heute mittag in Darmstadt eingetroffen. Es wurde sofort beschlossen, die Sitzung des hessischen Staatsgerichtshofes, in der über die Gültigkeit der hessischen Landtagswahlen vom 13. Rovember entsctzieden wird, auf den 30. Sanuar anzuberaumen. Die Zusammensetzung des Staatsgerichtshofes ist in Art. 50 Abs. 2 der Hessischen Verfassung festgelegt. Dort heißt es:
„Der Staatsgerichtshof besteht aus dem Präsidenten des Oberlanaesgerichts als Vorsitzenden sowie aus vier Mitgliedern der K^I egialgerichte des Landes und acht Mitgliedern, die von dem Landtag aus seiner Mitte nach Verhältniswahl gewählt werden. Er wird für jede Landtagsdauer neu gewählt." Den acht Parlamentariern stehen also fünf Berufsrichter gegenüber.
Zur Zuständigkeit des Staatsgerichtshofs gehört nach Artikel 50 der Hess. Verfassung u. a. die Erhebung von Anklagen gegen die Mitglieder des Gesamtministeriums, ferner entscheidet nach Artikel 7 der Geschäftsordnung für den Hessischen Landtag der Staatsgerichtshof, wenn eine Wahl angefochten oder streitig wird oder ein Abgeordneter das Recht der Mitgliedschaft verloren hat. Das Rähere über die Bildung des Staat?gerichts- hoss sowie das Verfahren vor ihm ist in dem Gesetz vom 13. Mai 1921 (Reg.-Bl. Rr. 11 S. 99) geregelt. Sm gegenwärtigen Landtag weist der Staatsgerichtshof folgende Mitglieder auf: Mitglieder des Landtags sind die Abgeordneten Kaul (Soz.), S u r m f e l s (Soz.), Ritzel (Soz.), Ruh (Ztr.), Schül (Ztr.), Dr. Müller (Hess. Landb.), Scholz (Dtsch. Vp.), Schreiber (Dem.). Als deren Stellvertreter stehen zur Verfügung die Abg. Lückel (Soz.), Rech- thien (Soz.), Weber (Soz.), Wesp (Ztr.), Gang (Zentr.), Glaser (Hess. Landbund), Dr. Keller (Dtsch. Vp.) und Reiber (Dem.).
Mitglieder der Kollegialgerichte sind: Oberlandesgerichtsrat A l t e n ö o r f, Oberlandesgerichtsrat Dr. Mayer, Landgerichkspräsident Reuenhagen-Gießen und Oberlandesgerichtsrat Dr. Schneider. Deren Stellvertreter finb Oberlandesgerichtsrat Conradi, Oberlandesgerichtsrat Dr. Maurer, Landgerichtsdirektor Adolf Müller-Darmstadt und Oberlandesgerichtsrat Schnitzspahn. Präsident des Staatsgerichtshofs ist Oberlandesgerichtspräsident Dr. Stein.
Die Wirtschaftslage.
Geheimrat Hagen über die Konjunkturlage.
Köln, 17. San. (WB.) Sn der Sitzung der Sndustrie- und Handelskammer in Köln erstattete Geheimrat Hagen den Bericht über das Wirtschaftsjahr 1927. Zu den Aussichten für das Sahr 1928 erklärte der Berichterstatter, daß sich für kurzfristige Termine Geldansammlungen in gewissem Hm- fange im neuen Sahre eingestellt hätten. Er empfehle aber, dieser Entspannung nicht allzusehr zu trauen, sondern auf dem Posten zu sein und sich rechtzeitig mit den notwendigen Geldmitteln zu versehen. Wie sich das Sahr 1928 weiter gestalten werde, fei noch nicht zu übersehen. Syn und die Wirtschaft beunruhige am meisten, daß die Sn- anspruchnahme der Wirtschaft für die Steuern unverändert groß sei. Hierin sehe er das eigentliche und ftarfe Hemm- n i s für Deutschland, da es bei solcher Steuerhöhe nicht möglich sei, zu einer SubstanZ- ansammlung zu kommen. Andererseits zeigten sich seit längerer Zeit Anzeichen dafür, daß sich eine Weltkonjunktur für den Ab - s a h bilden könne. Man solle sich also keiue.i schwarzseherischen Betrachtungen hingebe.:. H der 1c bachtung < l ermög'^chen Vor ichtsmahnahmen, namentlich auf finanziellem Gebote, sei seiner Meinung nach vielmehr eine erträgliche Wirtschaft im Sahre 1928 möglich.
Die Anleiheaussichten.
Paul Warburg über die Revision des Dawesplans.
Neu y ork, 13. Ian. (MTB. Funkspruch.) iluf der Jahresversammlung der Aktionäre der International Acceptance Bank berührte der Vorsitzende des Aufsichtsrates, der bekannte Reunorker Bankier Paul Warburg, in feiner Rede aucy das Reparationsproblem. Unter Hinweis auf den letzten Bericht Parker Gilberts, der die Festsetzung der Gesamtschulden Deutschlands anregt, erklärte Warburg, die Bedeutung dieser Aeuherung könne nicht überschätzt werden. Es sei zu hoffen, daß der Zeitpunkt nicht fern sei, wo ein neuer Sach- verstandigen^plan ausgearbeitel und a l s endgültigeLosung angenommen werde. Es sei auf die Dauer verschwenderisch und verwerflich. die Unmöglichkeit en des Dawesplanes durch seine tatsächliche Ausführung zu beweisen. Zwar sei es Deutschlands Aufgabe, alles in seiner Wacht stehende zu tun. sich den Bestimmungen des Dawesplanes anzupassen, aber es sei doch die Frage, durch welches Wunder ein Exportüberschuß Deutschlands von 2,5 Milliarden Reichsmark bei einem Gefamkexport von 10 Milliarden Reichsmark für eine lange Reihe von Iahren angesichts der vorhandenen Zollsabranken erzielt werden solle. Ara Schluffe seiner Rede erklärte Warburg noch. daß. obwohl die Auflegung deutscher Aull e i h e n infolge der Gilbert-Rote vom 20. Oktober plötzlich aufgehört habe, es als sicher anzunehmen fei. daß der amerikanische Markt bald wieder Anleihen für produktive Zwecke offenslehen werde.
Oie pariser Besprechungen Parker Gilberts.
London, 18. Ian. (WTV. Funkfpruch.) Der Pariser Berichterstatter der „Morning Post" bezeichnet es als möglich, daß die Besprechungen des Generalagenten für Reparationen mit der französischen Regierung dazu führen werden, die endgültige Festsetzung der deutschen Verpflichtung nicht, wie früher angenommen wurde, in fünf oder zehn Jahren, sondern nach dem erstenoderzweitenIahrederZahluna der vollen Jahreszahl ungen durch Deutschland eintreten zu lassen. Die Verhandlungen seien zwar geheim, aber soviel man höre, fänden die Vorschläge Parker Gilberts nicht den Widerstand. den die früher von Frankreich an seinem Bericht geübte Kritik erwarten ließ.
Die handelspolitische Ausgabe der Landwirtschaft.
Nahrungsmittelimport und Erwerbslosigkeit.
Magdeburg, 17. San. (WTV.) Auf der Provinzial-Landbundtagung in Magdeburg hielt heute der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft, Schiele, eine Ansprache, in der er u. a. ausführte: Smmer wieder habe ich auf die ehernen Zusammenhänge hingewiesen, die zwischen der Passivität unserer Handelsbilanz und der Arbeitslosigkeit bestehen. Dies zeigen auch die Crgeb»iise des Sahres 1927, das wir im ganzen als ein Sahr normaler Entwicklung an eh en dürfen. Die Handelsbilanz von 1927 verzeichnet beim Sndu- ftrieexport einen Ausfuhrüberschuß von etwa 130 Millionen Mark, denen bei den Rahrungs- mitteln ein Einfuhrüberschuß von mehr als 4 Milliarden gegenübersteht. Diesem Posten steht in der Handelsbilanz des letzten Sahres kein irgendwie nennenwerter Aktiv-
Der WrerkonW in der Zenlnimsparlei.


