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Oberhessen.

Landkreis Gießen.

00 Klein-Linden. 16. Febr. Aus der öffentlichen Gemeinderatssitzung vom Mittwochabend ist als bemerkenswert zu berich­ten: Der Ausschlag der Gemeindeumla­gen für bas lausende Rechnungsjahr wird nach den Vorschlägen des Kreisamts Gießen ange­nommen. Die Steuerausschlagssähe werden wie folgt festgesetzt: Die Sonde rgebäude st euer beträgt 39,2 Pf. auf 1 Mk. des staatlichen Son­dergebäudesteuersolls, und soll 9200 Mk. ein­bringen. An Grund st euer werden beschlossen 23 Pf. auf je 100 Mk. Steuerwert der Gebäude und Bauplätze mit einem Gesamtertrag von 5160 Mk., ferner 46 Pf. auf je 100 Mk. Steuer­wert des land- und forstwirtschaftlich genutzten Grundbesitzes mit einem Gesamtertrag von 6580 Mark. Die Gewerbe st euer beträgt 53 Pf. auf je 100 Mk. des gewerblichen Anlage- und Betriebskapitals und bringt der Gemeinde 370 Mark ein, ferner werden 63 Pf. auf je 1 Mk. des staatlichen Gewerbesteuerertragssoll erhoben, die eine Summe von 700 Mk. einbringcn sollen. Die Gesamtumlagen betragen demnach 22 010 Mk. Hebet den Bau der geplanten Wasserlei­tung und Kanalisation berichtet Bürger­meister Jung. Infolge der Diskonterhöhung würde die Gesamtanlage, an die Stadt Gießen angeschlossen, 280 000 Mk. kosten. Don einigen Gemeinderäten wird angeregt, auf eigenem Grund und Boden nach Wasser zu suchen und Feststellungen über eine eigene Wasserversorgung vorzunehmen, da man glaubt, auf diese Weise billiger zur Wasserleitung zu kommen. Da die ganze Angelegenheit noch nicht spruchreif ist, so wird das gesamte Material einem Ausschuh übergeben, der die Angelegenheit bearbeiten soll. Auch über die Kapitalbeschaffung soll diese Kom­mission weitere Schritte unternehmen. Das Amt eines Feldfchühen und eines Toten­gräbers soll neu vergeben werden. Beide Aemter sollen für die Zukunft getrennt und möglichst durch Einheimische zur Besetzung kom­men. Da infolge unserer kleinen Gemarkung der Feldschüh nur teilweise (*/«) beschäftigt ist, so kommt für die Besetzung ein Dersorgungsanwär- ter nicht mehr in Frage. Beide Stellen sollen demnächst besetzt werden. Der Krieger- denkmalsausschuh unter seinem Dorsitzen­den, Kaufmann Friedr. Schimmel, tagte in letzter Zeit und hat einen neuen Beschluß gefaßt. Dieser geht dahin, auf dem alten Friedhof an der Wetzlarer Straße ein schlichtes Ehrenmal zu errichten, das auf etwa 4000 bis 5000 Mk. kommen soll. Dieser Betrag ist bereits vorhanden. Der Platz, der Eigentum der politischen Gemeinde ist, soll auf Antrag des Denkmalausschusses von der Gemeinde gestellt werden. Es handelt sich um eine Flache von etwa 500 bis 600 Quadrat­meter. Ein Beschluß hierüber wurde nicht her­beigeführt, da erst eine Besichtigung durch den Gemeinderat an Ort und Stelle vorgenommen werden soll. Auf Antrag einiger Vereine wird die Herabsetzung der Vergnü­gungssteuer um 25 Prozent beschlossen.

1. Rödgen, 16. Febr. Die Anregung der Kreisverwaltung, Bäume mit weniger guten Apfel- und Dirnensorten umpfropfen zu las­sen, ist auch in unserem Dorfe aufgegriffen wor­den. Am Mittwoch abend kamen deshalb einige interessierte Obstzüchter auf der Amtsstube un­seres Bürgermeisters Wagner zu einer Be­sprechung zusammen. Sie bildeten aus den Herren Wilhelm Wagner, Schwalb, Flurschüh Zimmermann und Otto Wagner eine Kommission mit Karl Klos, einem ausgebil­deten Baumpfleger, als Obmann. Diese soll um­gebend dafür Sorge tragen, daß sie im Früh­jahr ausreichend Pfropfreiser zur Verfügung hat. Die Reiser können in der Gemeinde selbst ge­schnitten werden, denn es sind zahlreiche gesunde Bäume mit dem z. Z. gesuchtesten Apfel, dem Schönen von Boswop, in der Gemarkung vor­handen. Dann sollen durch eine nochmalige Be­kanntmachung die Obstzüchter aufgefordert wer­den, ihre Wünsche wegen Hmpfropfuna der -rgermeisterei zu melden. Heber die Höhe der Hnkosten soll noch einmal gesprochen werden, wenn sämtliche Meldungen vorliegen. Die Weiter- behc.ndlung der gepfropften Bäume für ein paar Jahre soll in den Preis für je einen Kopf ein­gerechnet werden. Hnser Dorf hat ziemlich

Joseph Conrad.

Von Walter Mahr.

Joseph Conrad, dieser Dichter der Meere und Tropen, dieser Schilderet der Seefahrten und Abenteuer dürfte auch bei uns kein Hnbe- kannter sein: er gilt heute als einer der be­deutendsten Romanschriftsteller des modernen England. Dor wenigen Jahren ist Conrad ge­storben: sein Werk aber breitet sich aus über die Grenzen seiner selbstgewählten Heimat über die Weite der ganzen kultivierten Welt.

Wer war Joseph Conrad? Wer war der Dichrer, wer war der Mensch? Mit dieser Frage rühren wir bereits an das ureigenste Wesen seiner Persönlichkeit.

Eigentlich heißt er Joseph Conrad Korze- niowski. 1851 ist er in Polen als Sproß einer alten Adelsfamilie geboren. Sein Vater, nicht unbedeutend als romantischer Dichter, begeisterte sich für die freiheitliche Idee, als sich Polen 1863 gegen Rußland erhob: er wurde wegen dieser seiner .Gesinnung mit der Verbannung nach Wologda bestraft. Der Haß gegen Ruß­land ist dem Sohn für sein Leben geblieben.

Im jungen Korzeniowski, Pole durch und durch, erwacht unvermittelt der Wunsch, Seemann zu werden. Ein merkwürdiger Wunsch für einen Knaben, der selbst von dem Ozean nicht mehr weiß, als daß er in der Ferne irgendwo ver­lockend brandet: ein Wunsch, in dem dos Dor­ahnen gewaltiger Erlebnisse und peitschender Abenteuer enthalten ist. 1874 finden wir Joseph Conrad in Marseille: es ist der Anfang eines langjährigen Abenteuer- und Seemannslebens. Zuerst war er Matrose in der französischen Marine, und nur aus dem Grunde, weil sich in der englischen Marine bessere Aussichten boten, trat er dahin über. Er fährt auf öst­lichen Meeren, besteht in London einige Schiffs­examina und geht dann wieder auf die See. Diese Jahre gehen dahin, ohne daß ihm auch nur ein Gedanke an literarische Tätigkeit kommt.

Auf einer seiner Fahrten trifft er A l m a h e r, einen Weißen, der fern draußen im Hrwald auf äußerstem Vorposten als m-ßglückter Mn ernehmcr sein Leben verbringt, ohne den Heimweg finden zu können aus den bunten, glühenden Tropen,

ausgedehnte Oöstfelber. Es wäre zu wünschen, wenn nun die Gelegenheit wahrgenom­men würde, die Bäume, die nicht marttfähige Ware tragen, auszumerzen.

: Reiskirchen, 16. Febr. Gestern fand in den hiesigen Gemeindewaldungen die erste dies­jährige Brennholzversteigerung statt. Zum Ausgebot kamen nur Buchen- und Eichen­holz. Die Preise waren sehr hoch. Es wurden im Durchschnitt bezahlt für 2 Raummeter Duchen- schett 40 bis 42 Mk., für Duchenknüppel 32 bis 36 Mk., für Stockholz 16 bis 18 Mk., für Reisig 7 bis 9 Mk.

: L i n d e n st r u t h, 16. Febr. In dem Pferdebestand unseres Dorfes ist jetzt das erste Opfer der gefürchteten Anämie zu verzeichnen Der Landwirt Sch. hatte im vergangenen Sommer ein wertvolles Pferd ge­kauft. Dor einigen Tagen muhte das Tier ge­schlachtet werden, nachdem durch Entnahme einer Blutprobe Anämie festgestellt worden war.

h Lich, 16. Febr. Die heutige Brennholz- versteigerung im Licher Stadtwald in den Distrikten Eichwald, Fichtenlopf, Maurerlaspers- köpf, Rehtränksberg und Gänsweide wies einen überaus starken Besuch auf. Die Dersteigerungs- erlöse bewegten sich entsprechend der Lage und der Abfuhrmöglichkeit des Holzes für Buchen­scheiter zwischen 38 und 40 Mk. je 2 Raummeter, für Buchenreisig 12 bis 18 Mk. je 50 Stück, für Buchenstöcke 22 bis 28 Mk. je 4 Raummeter, Eichenstöcke 14 bis 20 Mk. je 4 Raummeter, Kiefernreisig 4 bis 8 Mk. je 50 Stück, Fichten­scheitholz 25 bis 30 Mk. je 4 Raummeter und Eichennutzscheit 10 Mk. 40 Raummeter.

*' Ronnenroth, 16. Febr. Dieser Tage feierte der hiesige Kriegerverein bei Ka­merad Otto Strack fein 50jährigesGrün- dungsfest. Der Saal war festlich geschmückt und gut besetzt, die Kameraden hatten sich mit ihren Damen vollzählig eingesunden. Der Gesang­verein Lieüerkranz überbrachte dem Kriegerve: ein herzliche Glückwünsche. Der Dorsihende des Krie­gervereins dankte dem Gesangverein für die Ehrung und forderte den Verein aus, noch etliche Lieder vorzutragen, was der Gesangverein unter Leitung feines bewährten Dirigenten Lehrer Müller auch tat. Ein von Damen gesprochener Prolog eröffnete die weiteren Feierlichkeiten. Dann hielt der Vorsitzende des Kriegervereins eine Begrüßungsansprache, welche besonders den Damen, dem Vertreter derHassia", Landgerichts­rat T r ü m p e r t von Gießen, sowie den Ver­tretern der Kriegerverelne Lich und Hungen galt. Er forderte die Kameraden auf, dem Verein auch fernerhin die Treue zu halten. Er gedachte der im Weltkriege gefallenen rmd gestorbenen Kameraden und forderte die Jugend auf, sjch der Kriegervereinsbewegung anzuschl'eßen. Land­gerichtsrat Trümpert von Gießen überbrachte die Orüße und Glückwünsche derHassia", über­reichte einen schönen Fahnennagel und hielt eine längere Ansprache über Zweck und Ziele der Kriegervereine: er* schloß mit einem Hoch auf das deutsche Vaterland, worauf stehend das Deutschlandlied gesungen wurde. Der Vorsitzende sprach den Dank des Vereins aus. Kamerad Häußer (Lich) überbrachte die Glückwünsche deS Bezirks, sowie des Kriegervereins Lich, Kamerad Koch die Glückwünsche des Krieger­vereins Hungen. Dann folgten weitere Vorträge von Kamerad B u t t r 0 n und Kamerad Koch. Die Feier verlies sehr harmonisch und wird allen Teilnehmern lange in Erinnerung bleiben. Besonders hervorzuheben ist, daß der Verein noch zwei Gründer und Veteranen von 1870/71, die Kameraden Mißler und Brück, in seinen Reihen hat. Kamerad Mißler wurde für 50jäh- rige Mitgliedschaft im Vorstand des Vereins mit demHassia"°Ehrenkreuz ausgezeichnet.

Kreis Friedberg.

WSR. Friedberg, 16. Febr. In der Gutsreform wurde vor einigen Tagen ein Einbruchsdieb st ahl verübt. Die Diebe ent­wendeten aus den Lagerräumen im Keller­geschoß einige Rollen Stoff im Werte von etwa 1000 Mk. Die Kriminalpolizei ist den Tätern bereits auf der Spur.

Pb. Butzbach, 16. Febr. Bei dem heutigen Schweinemarkt waren aufgetrieben 185 Stück. Cs wurden bezahlt für Ferkel von 4 bis 6 Wochen 20 bis 25 Mk., von 6 bis 8 Wochen 25 bis 28 Mk., von 8 bis 10 Wochen 28 bis 30 Mk., von mehr wie 10 Wochen 36 bis 40 Mk.

ein heimlicher Gefangener des Ostens. Almayer wird der Wendepunkt seines Lebens. Ein Schick­sal packt ihn, es bringt mit ungeheurer Macht auf ihn ein. Aus Korzeniowski wird jetzt Joseph Conrad. Er spürt den unbedingten Ruf, diesem Mann in seinem stillen Kampf gegen den zehren­den Osten ein Denkmal zu setzen: in seiner Koje beschreibt er Blatt für Blatt mit der Geschichte jenes Almayer. Er selbst erklärt da­zu:3n aller Ehrlichkeit kann ich sagen: es ist ein Gefühl, der Pietät verwandt, das mich treibt, fernen Dingen und entschwundenen Men­schen ein Gedenken zu bereiten."

Aus diesem Lebensgang Conrads wird uns deutlich, bah er nicht irgendwelchem Ehrgeiz gefolgt ist, wenn er englischer Dichter wurde. Es war alles Zufall, ganz simpler Zufall, der ihn dahin brachte. Conrad behauptet mit allem Rachdruck, daß feine Werke typisch englisch sind. Aber so stark er dies betont gerade dies ist ihm von englischer Seite abgestritten worden. Kein geringerer als John G a l s w 0 r t h Y, Con­rad befreundet, hat gesagt, er habe keine einzige charakteristisch englische Gestalt geschaffen. Da­mit wird Galsworthy recht haben. Die Eng­länder haben ein feines Gefühl dafür, wer zu ihnen gehört im Wesen und wer nicht. Sehen wir ab von der psychologischen Hnmöglichkeit, daß ein Fremder ganz und gar in dem Wesen eines anderen Landes aufgehen kann, so ist unser Dichtet in den letzten Wurzeln doch ein Heimatloser gewesen, einer aus jener Schar, von denen Hermann Bang der nennenswerteste ist. Rur, daß Conrad nicht wie diesem aus dem Gefühl der Zwiespältigkeit und Vaterlands­losigkeit feine Dichtungen erwuchsen! Gerade aus der Liebe zur neuen Heimat empfing Conrad, wie et sagt, den Antrieb für feine Kunst. Der Rahmen, der Hintergrund, das ganze Milieu der Conradschen Romane ist größtenteils eng­lischer Herkunft, doch die Menschen find ihrer eigentlichen Wesenhaftigkeit nach keine Engländer: sie sind heimatlos wie er. Wir wissen, wie Conrad trotz allem Zugehörigkeitsgefühl zu Eng­land, dessen Staatsangehörigleit er erwirbt, eine heimliche Sehnsucht nach feinem alten Va­terland verspürt hat, daß es ihn oft wieder m das Land seiner Kindheit trieb, daß et mit Verwandten und Jugendgefährten in regem,

Der Handel wat lebhaft. Bei den dies­jährigen Holzversteigerungen, die am 6. und 13. Februar stattfanden, waren die Preise niedriger wie im Vorjahre. Es wurden geboten für den Rm. Duchenscheitholz 15 bis 16 Mk., für Eichenscheitholz 8 bis 9 Mk., für Buchen­knüppel 12 bis 13 Mk., für Cichenknüppel 8 bis 9 Mk., für Duchenreisig je 50 Wellen 12 bis 15 Mk., für Eichenreifig 5 bis 6 Mk.

2 Rieder-Florstadt, 16. Febr. Der Lehrer L R. Ludwig Hechler verstarb im Alter von fast 85 Jahren. Et kam im Jahre 1863 als junger Lehrer nach Florstadt und hatte, als er im Oktober 1913 in den Ruhestand trat, ohne Unterbrechung 50 Jahre hier gewirlt. Die letzten Jahre, die er in Zurückgezogenheit verbrachte, nahm er noch regen Anteil an den Belangen feines Standes. Eine erfreuliche geistige Frische hatte er sich bis in seine letzten Tage bewahrt. Der Gemeinderat beschloß in feiner letzten Sitzung die Anschaffung einer Dünger­st t e u m a s ch i n e. die an Landwirte!eihw ise ab­gegeben werden soll. Die Zahl der Erwerbs­losen war auf 74 zuruckgegangen, wird sich aber in den nächsten Tagen dadurch, daß Drä­nagearbeiten und Waldarbeiten fertig werden, wieder erhöhen. Für 1928 scheint die Bau­tätigkeit nicht sehr rege zu werden, denn auf eine Aufforderung durch die Bürgermeisterei haben sich nut drei Baulustige gemeldet.

Kreis Alsfeld.

ck. Ruppertenrod. 16. Febr. Bei der von der Freiherrlich Riedeselfchen Reviersörsterei Ober-Ohmen in Ruppertenrod abgehaltenen Brennholzversteigerung wurden fol­gende Preise erzielt: Das Meier Buchenscheit­holz kam von 11 bis 12 Mk., Duchenknüppel 7 bis 8 Mk., Buchenstöcke 4 bis 4,50 M!., Duchenreisig von 1 bis 1,30 Mk.

Kreis Lauterbach.

£ ßauterba d), 16. Febr. Aus der jüngsten Sitzung des S t a d t v 0 r ft a n d s ist u. a. zu be­richten : Vergebung der Arbeiten und Lieferun­gen zur Herstellung der Langgasse, Linden st raße und Kanal st raße. Es wird beschlossen, die Langgasse und Kanalstraße mit einer Asphaltdecke zu überziehen, da dieses Verfahren bedeutend billiger ist als Pflasterung. Die Arbeiten werden der Esser-Reuchatell Asphaltgesellschaft in Frankfurt a. M. über­tragen. Die Lieferung der erforderlichen Rand­steine soll durch die Offenbacher Kvßsteinsabrik erfolgen. Weiter wird beschlossen, in der Kanal- straße nur auf der Häuserreihe vom Haus Kon­sumverein bis Anwesen Acker erhöhte Fußsteige anzulegen. Die Anlage von erhöhten Fußsteigen

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in feiner Muttersprache gehaltenem Briefwechsel stand, und daß er mit der Literatur seines Landes nie den Kontakt verlor. Wie viel sagt uns auch die Tatsache, daß Conrad in hohen Jahren eine polnische Verwandte mit der Bitte angeht, ihm ein Wappenbuch zu verschaffen, damit er feine Werke mit dem heraldischen Abzeichen seiner Familie schmücken könne. . .

Es ist müßiger Literatenstreit, feststellen zu wollen, ob Conrad der englischen oder pol­nischen Literatur zuzurechnen ist. Nüchternes Denken, ohne jeden sentimentalen Einschlag nur im Hinblick auf seine Leistung sagt uns, daß er durch seine Themen, seine meisterhaft gebogene und wuchtige Sprache und, was als das Wichtigste erscheint, durch seine freie Wahl ein englischer Dichter ist. Aber als Mensch und wir beantworten hiermit den zweiten Teil unserer anfangs gestellten Frage ist er Pole ge­blieben.

Roch ein Blick auf Conrads Werk. Meist rauscht darin das Meer und brennt die Glut der Tropen. Hier spielt sich das Schicksal der Menschen ab. In mannigfachen Variationen finden wir dieses Theiya gestaltet. Das Meer wird verpersönlicht, er nennt es mit Ramen, er führt es uns in jedem Zustand vor, als Freund und als Feind. Mit welcher Kraft wird das Erlebnis des Ostens in seiner Novelle Jugend" geschildert! Ein junger Seemann wird beim Untergang seines Schiffes an die Küste verschlagen und erzählt davon:Ich lag in einem Meer von Licht, und nie zuvor war mir der Himmel so ferne, fo hoch erschienen. Ich öffnete die Augen und lag reg­los. . . Nichts rührte sich. Die Palmenwedel standen still gegen den Himmel. Kein Zweig regte sich längs des Mfers, und die braunen Dächer verborgener Häuser lugten durch das grüne Laubwerk, durch die großen Blätter, die glänzend und still dahin, als wären sie aus schwerem Metall geschmiedet. Das war der Osten, wie er den Seefahrern alter Zeiten er­schienen fein mochte, so alt und geheimnisvoll, prächtig und düster, unverändert lebendig, voll von Gefahr und Lockung. . . Ich kam zu ihm aus dem Strauß mit der See und ich war jung und sah, wie er mir ins Gesicht schaute. Mnd das ist alles, was mir davon geblieben

in der Lindenstrahe wird vorerst zurückaesteltt und beschlossen, diese Angelegenheit nach Be­sichtigung an Ort und Stelle durch den Ge­meinderat einer nochmaligen eingehenden Prü­fung zu unterziehen. Bezüglich der Erwei­terung der Fernsprechstunden an Sonntagen wird beschlossen, beim Postamt zu beantragen, den Fernsprechverkehr an Sonn­tagen bis 8 Mhr abends offen zu halten. Die Mehrkosten für den einzelnen Teilnehmer er­höhen sich in diesem Falle monatlich um 10 Pf. Weiter wird beschlossen, beim Postamt zu be­antragen, daß das Fernsprechamt in ein Selbst­anschlußamt umgewandelt bzw. umgebaut wird. Das Gewerkschaftskartell ist an die Stadt herangetreien mit der Ditte, für die Erstel­lung von Kleinwohnungen weiterhin besorgt zu sein und im Voranschlag 1928 wieder einen größeren Betrag für Errichtung derartiger Wohnungen vorzu ehen. Nach den Ausführungen des Bürgermeisters hat sich die Zahl der Woh­nungsuchenden gerade für Kleinwohnungen we­sentlich erhöht, obwohl die Stadt in den letzten Jahren sehr viel zur Defeitigung der Wohnungs­not getan habe. Bedauerlich sei vvr allem, daß die geräumten schlechten Wohnungen immer wieder von auswärts zuziehenden Familien be­zogen würden, und diese schon nach kurzer Zeit sich als dringende Wohnungsuchende dann an­melden. Rach eingehender Beratung wird be­schlossen, die dringendsten Wohnbedürfnisse im Auge zu behalten und nach Möglichkeit zu be­seitigen. Jrn übrigen wird das Gesuch als er­ledigt erklärt, da die Stadt für 1928 bereits mit der Erbauung von acht Zweizirnrner-Wohnungen in Form von Flachbauten begonnen hat. Falls es sich einigermaßen ermöglichen läßt, sollen im Herbst noch weitere vier Zweizimmcr-Woh- nungen errichtet und die hierfür erforderlichen Mittel im Voranschlag 1929 vorgesehen werden. Weiter wird beschlossen, die gesamte Sonder- fteuer vorn bebauten Grundbesitz bis auf weiteres zur Zinsverbilligung zum Kleinwohnungsbau für die private Bautätigkeit zur Verfügung zu stellen. Außerdem soll die private Bautätig­keit durch Abgabe von billigen Bauplätzen weitestgehend gefördert werden. Der für den 6. Juni vorgesehene Prämien­markt soll wie in den vergangenen Jahren wieder mit einem Pferdemarkt abgehalten werden. Die Siedlungsgesellschaft für das Verkehrspersonal in Darm­stadt errichtet zur Zeit dahier in der Alexander- Stöpler-Straße ein Wohnhaus für vier Fa­milien. Sie ist nun an die Stadt herangetreten mit dem Ersuchen, bis zum Hypothekeneintrag die Zwischenbürgschaft in Höhe von 20 000 Marck zu übernehmen. Dem Gesuch wird stattgegeben.

ist: ein Augenblick, ein Augenblick der Kraft, der romantischen Verklärung der Jugend!. . . Ein kurzer Sonnenstrahl auf einem fremben Ufer, die Zeit für eine Erinnerung, für einen Seufzer und Lebewohl! Rächt Lebewohl. . .!

Immer wieder ist es das Meer, wo sich das Schicksal seiner Helden abspielt. Ja, Helden sind es, nicht der Weltgeschichte, aber Helden ihres Berufes und der Pflichterfüllung bis zum letzten Atemzug. Sie reden keine pathetischen Worte. In der Hölle des Taifuns sagt Mac Whirr, der Kapitän des mit dem Hntergang kämpfenden Schiffes in einer Pause während des Sturmes:Wär schade, wenn die Kiste mir unterginge." Dem Tod sieht er ins Auge und sagt dieses trivale Wort. Aber wie sagt er es! Er sagt es, ohne mit der Wimper zu zucken. Damit wird dieser Trottel von Kapitän zu einem Helden.

Von größeren Erzählungen Conrads nennen wirSpiel des Zufalls",Lord Jim"Die Schattenlinie",Der Geheimagent", vor allem auch die drei ErzählungenJugend". Mebetou wird uns darin eins offenbar: Der Realismus, mit dem er das äußere Geschehen erfaßt, vor allem aber, mit welch verblüffender Innerer Realität er die Dinge zur Darstellung bringt In beiden liegt die Bedeutung CvnradS. Sein Werk wird sich fvrtsetzen, ob auch der Dichter verstorben ist. Sein Rame aber wird für lange Zeit einen Höhepunkt englischer Erzählungskunst bedeuten.

Hochschulnachrichten.

Die Hniversitätsprofessoren Dr. jur. Friedrich Heyer in Breslau und Dr. Johannes Heckel in Berlin haben Berufungen auf Lehrstühle für Staats-, Derwaltungs- und Kir­chenrecht an der Mniversität Bonn erhalten und angenommen.

An der Mniversität Berlin sind folgende Ernennungen erfolgt: Zum Ordinarius des Alten Testaments in der theologischen Fakultät wurde als Nachfolger von H. Gretzmann der Geheime Konsistorialrat L). Alfred Berth 0 let von der Mniversität Göttingen und zum Ordinarius der Musikgeschichte in der philosophischen Fakul­tät an Stelle Hermann Aberts Pros. Dr. Arnold Schering von der Mniversität Halle gewählt

Lumen, Sport und Spiel.

Jahnschwimmen der Deutschen Turnerfchast in Hatte.

Das feit Jahren zu den überlieferten Ver­anstaltungen der Deutschen Turnerschaft zählende Jahnschwimmen machte auch bei seiner diesjährigen 6. Austragung am vergangenen Samstag und Sonntag seinem Ruf als größte Winterschwimmveranstaltung wieder alle Ehre. Das Zusammentreffen vieler der besten Kräfte aus fast allen Kreisen der D. T., über 60 Vereine aller Gegenden Deutschlands waren vertreten, zeitigte in allen Wettbewerben span­nende Kämpfe, die im Verein mit gegen die früheren Veranstaltungen vielfach ver­besserten Leistungen und einem überaus guten Zuschauerbesuch dem Jahnschwimmen das Gepräge eines großen Tages gaben. Als erfolg­reichster Schwimmer des Tages ist Spitz-Köln anzusprechen, dem es gelang, das Brustschwim­men, das Streckentauchen und das Lagenichwim- men an sich zu bringen. Doppelsieger im 100- und 400-Meier-Freistil wurde auch Jahn- Dresden, ein bisher weniger bekannter, aber in Zukunft sehr zu beachtender Schwimmer. Die (Staffeln, die in reicher Zahl vorgesehen waren, zeitigten bei den Turnern jedesmal einen Zwei­kampf S. S. C. Osnabrück gegen T. S. V. Halle. Mit Ausnahme der Lagenstaffel, deren Sieg durch den T. S. V. Halle der Feststadt verblieb,

endeten alle anderen Staffeln, z. T. zwar nur mit Handschlag, mit Erfolgen des S. S. C. Osnabrück, der damit abgesehen von der bewährten Aus­nahme der Lagenstaffel, seine Wanderpreise er­folgreich verteidigte. Einen besonderen Reiz er­hielt diesmal das Jahnschwimmen auch durch di« Ausscheidung der D.T.-Springer für die Olympischen Spiele, wobei sich eine stattliche Zahl guter Springer den Zuschauern mit ansprechenden Leistungen vorstellte. Vor altem der Sieger Wisbar, Berliner Turnerfchast, dürfte der deutschen Olympiamannschaft eine gute Stütze fein. Einen breiten Raum nahm auch daS Wasserballfpiel ein, bei dem sich von acht teilnehmenden Mannschaften der D. T.- meister Turnerfchast 1877-Dresden und Tgd. Mühlhausen als Endspielgegner herausgeschält hatten. Zur allgemeinen Heberraschung gelang es Mühlhausen, in der Entscheidung den feit Jahren ungeschlagenen Dresdnern mit 2:0 eine unerwartete Niederlage beizubringen.

100°Meter°Brustschwimmen: 1. Spitz (Köln) 1:26,3; 2. Armbrust (Offenbach) 1:27; 3. ©ru­ber (Osnabrück) 1:27,1.

100-Meter-Drustschwimmen für Turnerinnen: 1. Krutwig (Bonn) 1:41,1; 2. Eben recht (Halle) 1:41,1; 3. Herzog (Markranstädt) 1:41.2.

100-Meter-Freistil: 1. Jahn (Dresden) 1:09,4;

2. Böger (Osnabrück) 1:10,1; 3. Koch (Halle) 1:10,4.