.Stadt ean Land — Hand en Hand" und „Es gitt off de Wettstreit noach Schotte". Wirkungsvoll ergänzt und umrahmt wurden diese Dorträge durch Darbietungen von Dereinsmitglie- dern. Neben zwei sehr geschickt gespielten Theaterstücken machte insbesondere da« von Jung- mannen des Verein« gestellte lebende Bild .Weihnacht im Felde" bei entsprechender Musik auf alle Anwesenden sichtlichen Eindruck. 3m Anschluß an die Begrüßungsansprache des Vorsitzenden fand die Ehrung der Vereins- j ü b i l a r e statt. Hierzu waren die altehrwürdige Fahne des Vereins (aus dem Jahre 1742 stammend) und der Wimpel der „Hassia"- 3ugendkameradschaft Lollar unter den Klängen des Präsentiermarsches in den Saal gebracht worden und wurden auf der Bühne aufgestellt. Anter anerkennenden Worten überreichte der Vorsitzende, Kamerad Martin T a u b e r t, an die Kameraden Hch. Fischer. Peter Freudenberger. Julius 3ughardt, Heinrich Seipp VII. und Karl Dolkmann die „Hassia"-Chrenzeichen mit der silbernen Jahreszahl 25 für ihre 25jährige ununterbrochene treue Mitgliedschaft, wofür im Damen der Ausgezeichneten Kamerad Peter Freudenberger mit dem Gelöbnis weiterer Treue dankte. Den musikalischen Teil füllten in altbewährter Weise Mitglieder der Kapelle ehemaliger Militärmusiker (Krangel) Gießen aus, die der Kapelle und insbesondere auch den beiden Solisten (Posaune und Trompete) reichen Beifall brachten. Zusammenfassend kann gesagt werden, daß der Verein ein Programm geboten hat, das wesentlich über dem Durchschnitt stand und das Wohlgelingen der Veranstaltung in allen Teilen sicherte.
* Lando rf, 16. 3an. Der hiesige Turn- Verein hielt am Sanrstag seine Jahreshauptversammlung ab. Der Verein kann mit voller Zufriedenheit auf das verflossene 3ahr zurückbli^en. Die Einnahmen betrugen 690,44 Mk., die Ausgaben 579,24 Mk., so daß ein Äeberschuh von 111,20 Ml. verblieb. Der Vorstand wurde einstimmig wiedergewählt. Nach- dem man alle übrigen Punkte der Tagesordnung ebenfalls glatt erledigt hatte, ging man zum gemütlichen Teil de« Mends über. — Am kommenden Sonntag hält der Gesangverein „Frohsinn" sein Wintervergnügen, bestehend aus Gesang und in einigen Theaterstücken.
z. A l l e n d o r f (Lumda), 16. Ian. Die Z e m en tw a r en s a b r i k der Hessischen Basaltwerke in Londorf, Besitzer Cloos- Gießen, ging in den Besitz des Plattenspezial- geschäftes Heinrich Benner I. in Allendorf über. Während der Betrieb früher fast ausschließlich Hohlblocksteine herstellte, wird die neue Firma den Betrieb vollständig umstellen und sämtliche Zementwaren, wie Rohre, Fensterbänke und Treppenstufen fabrizieren. Damit lebt ein Industriezweig in Londorf wieder auf, der etwa 4 Jahre lang still lag.
Z Rödgen, 16. Ian. Kürzlich lieh unsere Gemeinde aus ihrem Steinbruch an verschiedenen Stellen der Gemarkung Steine fahren, um schlechte Wegstücke in Ordnung zu bringen. Bei dieser Gelegenheit sollen auch 50—60 Meter des übelsten Wegstückes zwisichen Annerod und Rödgen, im Sieleck, chauffiert werden. Gerade dieser Wegteil hat die Herrichtung besonders nötig, denn er ist in Regenzeiten kaum passierbar uno kann im Herbst fast nicht befahren werden.
(P Grüninoen, 16. Ian. Der Mannergesangverein „Eintracht" hielt am Samstag seine Hauptversammlung im Saale der Gastwirtschaft Bender ab. Jahresbericht und Rechnungsablage ergaben, daß der Verein mit Befriedigung auf das verflossene Jahr zurückblicken kann. Reu ausgenommen wurden zwei passive und acht aktive Mitglieder. Die aktive Sängerschar zahlt nunmehr nahezu 50 Mitglieder. Die seitherigen Vorstandsmitglieder W. Buß, Karl D e rn, Karl Le idi ch, Wilhelm Krämer und Wilhelm Engel wurden einstimmig wiedergewählt. An Stelle eines ausgeschiedenen Borstandsmitgliedes wurde Emil Bender gewählt. Ferdinand Heß und Philipp Kahenrneyer wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt. Der Verein beabsichtigt, Mitte Februar sein Stiftungsfest in Form eines Theaterabends zu begehen. Im Sommer soll eine R h e i n f a h r t unternommen werden, an der sich auch die Angehörigen der Mitglieder beteiligen können.
d Hungen, 16.Ian. In der gestrigen Sitzung des Ausschusses für den am 8. Februar hier stattfindenden Oberhessischen Schäfertag wurden die Beschlüsse über die Ausführung der 23er- anstaltung gefaßt. Diesmal geht man davon aus, einen Schafhüte-Werbetag zu veranstalten; zu diesem Zweck findet ein Werbehüten statt, zwei württembergische Schäfer werden ihre Hitte- wetse zeigen. An dem Preis-Werbehüten beteiligen sich Mitglieder des oberhessischen Vereins. Die fürstliche Stammschäferei Lich wird Schafe ausstellen. Ein historischer Festzug, an dem auch der neu gegründete Reiterverein teilnimmt, zieht durch die Stadt nach dem „Darmstädter Hof", woselbst ein Vortrag über Schafzucht stattfinden wird und sodann sonstige Darbietungen folgen werden.
# Hungen, 16. Ian. Innerhalb des Bezirks Hungen des hessischen Landjugendbundes wurde eine Reitergru p- p e gegründet. (Richt zu verwechseln mit dem gleichfalls neu erstandenen Kavallerieverein). Als erster Vorsitzender wurde Robert Schmidt» Steinheim und als Reitlehrer Heine- Hungen, bestimmt. Gestern mittag hatte die Gruppe hier ihr erstes Treffen. — Der Bezirkslehrerverein Hungen und Umgegend hielt hier seine erste Konferenz im neuen Jahre ab. Bei Erstattung des Jahresberichts durch den ersten Vorsitzenden, Lehrer Schmidt von hier, konnte dieser feiner Freude über den guten Besuch der Versammlungen und die rege Mitarbeit der Mitglieder im abgelaufenen Vereinsjahr Ausdruck geben. Lehrer Roth- Trais- Horloff hielt einen Vortrag über wichtige Fragen der Schul- und Erziehungsarbeit, woran sich eine rege Aussprache onschloh. Auf Anregung des Bezirksvertrauensmannes des Vereins für das Deutschtum im Ausland werden sämtliche Schulklassen der Umgegend an dem G o s l a r f i l m, der vom 26.—30. Januar hier läuft, teilnehmen. Einige Mitteilungen schulpo- littscher und organisatorischer Art bildeten den Beschluß der anregend verlaufenen Versammlung.
Kreis Friedberg.
Pb. Butzbach, 16. Ian. Das vom Männergesangverein „Orpheus" am gestrigen Abend veranstaltete Konzert fand vor vollbesetztem Hause statt und darf seitens des Vereins als voller Erfolg gebucht werden. Dem Chorleiter Georg Harnisch gebührt besondere Anerkennung für die in jeder Hinsicht tadellos durchgeführten Chöre. Aber auch die Sänger gaben ihr Bestes her, so daß eine harmonische Gesaintwirkung erzielt wurde. Für die Zuhörerschaft war es ein Genuß, den einzelnen Chören zu lauschen, und der gespendete reiche Beifall war ein wohlverdienter. Die hier vom Vorjahre wohlbekannte Solistin Frl. Ra Ginster zeigte in der Auswahl ihrer Lieder feines Verständnis. Die mit ausgezeichneter Technik und tiefem künstlerischen Empfinden dargebotenen Stücke fanden lebhaften Beifall, so daß sich die Sängerin mehrfach zu einer Zugabe entschließen muhte. Ihre Begleiterin am Klavier, Frl. Ar- sula Rot mann, verstand es in feinsinniger Weise, die Darbietungen zu unterstützen.
Kreis Schotten.
-r- Schotten, 15. Ian. Dem Konzert des Schottener Männerchors 1 8 37, das gestern abend in der gut besetzten Turnhalle stattfand, war ein voller Erfolg beschieden. Der Verein, der seit einigen Jahren von dem Chorleiter L. S ü ß e l geführt wird, ist in dieser Zeit zu einem stattlichen Klangkörper angewachsen, der über vorzügliches Stimmaterial verfügt, das sowohl das schlichte Volkslied, wie den schwierigen Kunstchor zu meistern versteht. So fanden u. a. „Gotentreue" von Hans Wagner und „Mein Lied" von Angeren eine treffliche Wiedergabe. „Gin Jäger, aus Kurpfalz" von Othegraven mußte wiederholt werden. Als Solistin wirkte Frl. Helene Bogt- Schotten (Sopran) mit. Reben Liedern von Schubert und Thomas sang sie die Arle des Aennchen aus „Freischütz". Die noch sehr junge Sängerin verfügt über eine sympathische Stimme, die namentlich in den mittleren Lagen besonders klangschön ist. Die Solovorträge wurden mit starkem Beifall bedacht. Den Schluß des Konzerts bildete das Singspiel „Das Gretel vom Gclengrund" von Heinz, in welchem die vorgenannte Solistin die Titelrolle übernommen hatte. Auch hier konnten die Darsteller reichen Beifall entgegennehmen. Mit besonderer Anerkennung sei der Abteilung der Reichswehrkapelle Gie
ßen gedacht, die da« Programm durch vollendete Wiedergabe von Musikstücken und Vtolinvor- trägen bereicherte und auch bei dem anschließenden Tanz sich bestens bewährte.
Y Gedern, 16. Ian. Am Samstag fand hier eine Bezirkslehrerkonferenz statt. Rach Erledigung einiger geschäftlicher Mitteilungen des Obmann« Keller- Oberseemen verlas der Schriftführer L a u n - Gedern den Jahresbericht. Reben einigen pädagogischen Vorträgen fanden öftere Besprechungen des Reichsschulge- sehentwurfes statt. Im Februar veranstaltete der Verein eine wohlgelungene Pestalozzifeier, zu welcher au« allen Gemeinden des Bezirks neben den Lehrern viele Freunde der Schule und geladene Gäste erschienen waren. Die in allen Gemeinden z. Z. vorgenommenen Heimatforschungen wurden durch Vorträge, Winke und Vorschläge gefördert. Das Jahr 1928 wird auf diesem Gebiet noch allerhand Anforderungen an die einzelnen Mitarbeiter stellen. Es wurde der Beschluß gefaßt, von jetzt ab innerhalb des Bezirks an den Reichsjugendwettkämpfen teilzunehmen. Der Bericht wurde gut- geheihen. Darauf erstattete Lehrer Häusel- Gedern die Rechnungsablage. Ihm wurde Entlastung erteilt. Einen recht interessanten Lichtbildervortrag hielt Lehrer Fern- ges - Gedern. An Hand einer großen Anzahl epidiaskopischer Bilder zeigte er die Schönheiten des Landes und wies auf die beobachteten Eigenheiten seiner Bewohner hin. Seine Ausführungen wurden mit großem Beifall ausgenommen. Sie bildeten den Abschluß der Tagung.
± Ober-Lais, 16. Ian. Der hiesige Kriegerverein hielt am Samstagabend m der Wirtschaft Werner seine diesjährige Generalversammlung ab. Präsident Otto Ries gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß so viele Kameraden — nur wenige Mitglieder fehlten — erschienen waren. Rach üblicher Ehrung der Gefallenen wurde in die Erledigung der Tagesordnung eingelreten. Rechner Simon erstattete zunächst den Kassenbericht. Die Rechnung wurde geprüft und dem Rechner Entlastung erteilt. Sodann berichtete der Präsident über den letzten Bezirkstag in Anter-Schmitten. Als Vertreter für den im Februar in Ober-Mackstadt stattsindenden Bezirkstag wurden Adolf Götz und Friedrich S e u m bestimmt. Rachdem noch die Beiträge festgesetzt waren und der Vorsitzende einige .geschäftliche Mitteilungen gemacht hatte, hielt Lehrer Strbssinger einen Vortrag über die Heldentaten der „Emden" und die Kämpfe der Seestreitkräfte des Admirals von Spee. Reicher Beifall lohnte den Redner für seine klaren Ausführungen. Bürgermeister Schauermann erzählte im Lause des gemütlichen Zusammenseins noch verschiedene Kriegserlebnisse. Präsident Ries forderte am Schluß des Abends alle Kameraden auf, recht zahlreich zu der Vorführung des Weltkrieg- films am nächsten Mittwochabend zu erscheinen. — In den nächsten Tagen gehen von hier mehrere tüchtige Holzhauer in die Forstwartei Baierseich bei Langen, um dort noch einige Wochen beim Holzfällen Beschäftigung zu finden. Da hier in diesem Jahr das Holzfällen schon beendet ist, so daß kaum etwas verdient werden konnte, schafft das neue Arbeitsfeld eine willkommene Derdienstmöglichkeit. Die Arbeit wurde durch unfern neuen Förster Klippstein vermittelt.
Krcis Lauterbach.
-d R i e d e r - M o o s, 16. Ian. Dieser Tage konnte der 'Antererheber und Kirchenrechner Heitzeröder mit feiner Ehefrau im Kreise seiner Familie das Fest der goldenen Hochzeit feiern. D e S aatsreg erung II <3 dem Jubelpaare durch Kreisdireitor Dr. -Michel ein Glückwunschschreiben nebst einem Geldgeschenk überreichen.
Starkenburg.
WER. Darmstadt, 16. Jan. In der Rächt zum Sonntag wurde beobachtet, daß zwei Einbrecher^ in die Geschäftsräume der Firma S t e g m ü l l e r eingedrungen waren und zwei weitere Personen Schmiere standen. Die sofort alarmierten Beamten der Schloßwache umstellten den Häuserblock. Beim Eintreffen der Beamten lief ein Mann davon. Als er auf mehrmaligen Anruf nicht stehen blieb, gab ein Beamter einen Schuh auf ihn ab. Bei der Verfolgung gaben sowohl der Flüchtling, als auch die Beamten etwa fünf bl« sechs Schüsse ab. Die Beamten
wurden nicht getroffen; auch der Flüchtling scheint nicht getroffen zu sein, aumal die Schüsse während des Laufens abgegeben wurden. Der Täter entkam in die Altstadt. Inzwischen drangen einige Beamte in das Treppenhaus der Firma Stegmüller ein und durchsuchten die Räume. Einer der Einbrecher hatte sich in den Hof geflüchtet und konnte fest genommen werden. Ein weiterer Einbrecher war auf den Speicher und von da auf das Dach geflüchtet. Heber die vom Speicher nach dem Dach führende Leiter war auch der dritte Täter auf. das Dach geflüchtet und konnte von da heruntergeholt werden. Da der nach der Altstadt geflüchtete Einbrecher bekannt ist, dürfte seine Festnahme ebenfalls bevorstehen.
Lpd. Sprendlingen, 16.Jan. Bei der gestrigen Bürgermeisterwahl entfielen auf den sozialdemokratischen Kandidaten, Beigeordneter Stimpert 2437 Stimmen, den bisherigen Bürgermeister D r e i e l ch e r 1544 und den Gemeinderechner Orth 420 Stimmen. Beigeordneter Stimpert ist somit zum Bürgermeister gewählt.
Rheinhessen.
WSR. Rüsselsheim, 16. 3an. Hier wurde ein junges Ehepaar verhaftet, das das Bettfedernreinigen als Wandergewerbe betrieb und in mehreren Riedorten große Quantitäten D e 11 f e b e r n, die ihm zum Reinigen übergeben wurden, unterschlug und verkaufte. Ein Teil der unterschlagenen Dett- sedern wurde im Walde bei Königstädten versteckt aufgefunden. Die Verhafteten wurden dem Amtsgericht Groß-Gerau zugeführt. Es wird vermutet, daß das Ehepaar seine Manipulationen auch anderwärts ausgeführt hat.
Preußen.
Kreis Wetzlar.
XX Aus dem Kreife Wetzlar, 16. 3an. Die am 1. Dezember vorgenommene Viehzählung hat für den Kreis Wetzlar zu folgenden Feststellungen geführt. Es waren vorhanden: Pferde 2076 (2061), Rindvieh 30217 (28 459), Schweine 27 974 (24 697), Schafe 5818 (6073), Ziegen 7295 (7640), Kaninchen 1948 (2262), Federvieh 122 982 (119 243). Bienenstöcke 1354 (1332). Die in Klammern angeführten Zahlen berichten über die Zählung vom 1. Dez. 1926.
<> Rlederkleen, 16. Ian. Aus dem hiesigen, die Gemeinden Niederkleen, Oberkleen und Ebersgöns umfassenden Standesamt wurden im Jahre 1927 28 Geburten, 13 Heiraten und 22 Sterbefälle beurkundet. Hiervon- entfallen auf die Gemeinde Niederkleen 8 Geburten, 4 Heiraten und 13 Sterbefälle, auf die Gemeinde Oberkleen 12 Geburten, 4 Heiraten und 7 Sterbefälle und auf die Gemeinde Ebersgöns 8 Geburten, 5 Heiraten und 2 Sterbefälle.
5 Lützellinden, 16. Jan. Der hiesige Turnverein, welcher der Deutschen Turnerschaft angeschlosfen ist, hielt am gestrigen Sonntagabend in der Gastwirtschaft Franz feinen dieswinterlichen Theaterabend ab, der sich eines zahlreichen Besuches erfreute. Den Mittelpunkt des Abends bildete eine flott gegebene Aufführung, die von dem Publikum mit großem Beifall auf genommen wurde; ferner gaben ausgezeichnete musikalische Darbietungen der Veranstaltung ein besonderes Gepräge. Eine Verlosung praktischer Gebrauchsgegenstände bildete den Abschluß des wohlgelungenen Abends. — Der Wunsch unseres Turnvereins, eine eigene Turnhalle zu errichten, ist bis jetzt noch nicht In Erfüllung gegangen. Obwohl die Gemeinde bereit wäre, den Bauplatz und das Bauholz unentgeltlich zu stellen, ist der Verein doch nicht imstande, die noch verbleibenden hohen Baukosten aufzubringen. Eine endgültige Lösung der Baufrage kann nur durch eine intensive Zusammenarbeit sämtlicher im Ort bestehender Vereine in dieser Hinsicht erreicht werden, wo- auf diese Vereine auch die Turnhalle zu ihren Veranstaltungen benutzen könnten, umsomehr, da sich auch die vorhandenen Räumlichkeiten bei größeren Veranstaltungen immer als zu klein erweisen.
~ Aus dem Hüttenberg, 16. Ian. Die Preise für fette S ch l a ch t s ch w e i n e sind in den Gemeinden des Hüttenberges auf einen solchen Tiefstand heruntergegangen, wie et letztmalig nur kurz nach dem Kriege festzustellen war. Für das Pfund Lebendgewicht
Es zogen drei Burschen wohl über den Mein .... Roman von Erica Grupe-Lörcher.
19 Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Der Schlaf breitete seine Schwingen langsam um fie. Das Bild der schönen Kaiserin Eugenie vergrößerte sich langsam, sie schien sich lächelnd herabzuneigen, und es war Melusine, als frage sie, wie heute la bonne-mfcre es getan: „Nicht wahr, Sie sind eine von den Unseren?"
Aber dann stand plötzlich ihr Bruder Raymond mit seinen brennenden, fieberglänzenden Augen vor ihr, wie vorhin am Spätnachmittag und fragte, indem er Ihre Hand ergriff: „Nicht wahr, wenn ich wieder gesund werden sollte, dann werden wir drei für immer zusammenhalten? Du, Dietmar! und ich. Weil mir uns so gut, weil wir uns so völlia verstehen?" —
Das Unterbewußtsein der Angst um das Leben bes Bruders lag auch In ihrem Schlaf, trotzdem er schwer und lang mar. Der Gedanke an Raymond mar deswegen auch am andern Morgen ihr erster Mit bekommenem Herzen stand sie auf und 'leidste sich hasttg an, um ins Lazarett hinüberzukorn- men und zu fragen, wie er die Nacht verbracht.
Aber der Morgen war bereits vorgerückt und samllick-e Schwestern schon seit Stunden wieder zu ihrem Dienst ins Lazarett geeilt. Eine französische Aufwartefrau bediente sie mit dem Morgenkaffee Sie war glücklich, sich mit der jungen Dame auf Französisch unterhalten zu können.'
Draußen auf den Stufen der schmucken Freitreppe erwartete sie bereits Dietmar!, als sie den Lazarettgarten betrat. Er eilte ihr entgegen und 30g ihre Hand ritterlich an seine Lippen. „Wie hebt es Raymond?" war ihr erstes. „Was wissen Sie von ihm?"
Da blieb er vor ihr stehen und sah ihr in die Augen. Es stand plötzlich wieder etwas von ihrem alten, einstigen Leuchten in ihnen. „Besser Melu- fme," er widerte er sehr leise, weil ihm die form, l'chc Anrede immer zur Qual mar. „Seine Ternpe
ratur ist heute morgen so tief gesunken, wie feit Wochen nicht."
Sie drückte ihm die Hand, die er noch immer in der seinen hielt. „Gott sei gedankt!" Sie ging jetzt unwillkürlich wieder neben ihm weiter, weil der Wunsch, den Bruder zu sehen, in ihr aufftieg. "Können Sie nicht vielleicht unserer Mutter gleich Mitteilung hiervon geben, Dietroart? Ich fürchte, man läßt hier auf der Feldpost keinen Bries von mir als Zivilperson durch."
Er war sofort voller Bereitwilligkeit. O, wie gern würde er der Baronin Welzin nach Straßburg sihreiben. Nicht aleich zu überschwenglich sicher. Gefahr eines Rückschlages bestand noch immer. Mer d>e Krisis des neunten Tages war vorüber, und hatte eine starke Senkung der Temperatur gebracht. „Ach, wäre er doch außer Gefahr, roemi ich hier wieder fort müß!" meinte sie. Abermals hemmte er letzt den Schritt, als sie die Freitreppe oben erstiegen und das große Eingangsportal erreicht. Drinnen im großen Treppenhaus war immer ein Kommen und Gehen, besonders jetzt, wo die Stunde auf die ärztliche Disite zuging. Und niemanb sollte hören, was er mit Melusine sprach. Ach, wie sehnte er eine Stunde ruhiger, ungestörter Aussprache, ein Wiedersehen unter vier Augen mit ihr herbei.
„Wenn Sie wieder von hier fort müssen? Baronesse, lassen Sie uns noch nicht an den Abschied denken. Der Chefarzt selbst hat Ihnen ja den Aufenthalt von einigen Tagen angeboten. Soviel ich weiß, sind Ihnen hier drei Tage Ausentl-alt gewahrt? — Vielleicht — ja, vielleicht können Sie dann die beruhigende Gewißheit mitnehmen, daß er Ihnen erhalten bleibt?"
„Ob ich ihn heute morgen begrüßen kann?"
„3a. Ich habe bereits nach der Möglichkeit gefragt. Es könnte allerdings jetzt nur kurz fein. Viel- leid)t aber mögen Sie jetzt erst einen kleinen Spa- Suugang mit mir machen? Nachher, wenn es auf Mittag geht, können Sie Raymond am besten besuchen. Wollen Sie?"
einverstanden. Das Bewußtsein, daß keine Verschlimmerung bei Raymond eine lVe^ Beruhigung. Sie fühlte aus ledern Wort, aus jebem Blick, aus jeder Bewe- bie L,ebe von Dietmar!, sein zartes Umwerben, sein geheimes Glück, sie hier sehen zu dürfen.
Das Städtchen bot nicht zuviel aufregend Interessantes. Das Pflaster war, wie überall in der französischen Provinz, absck-eulich und unregelmäßig. Die Straßen krumm und willkürlich in ihrer Linienführung angelegt. Hier und da saß eine Französin auf einem Stuhl an der offenen Ladentür und stickte Wäsche.
Aber dann wurde es herrlich, nachdem man ein krummes, winkeliges und schmales Gäßchen etwas emporgestiegen und nun plötzlich vor Resten einer alten Stadtmauer stand. Klotzig und voll Wucht legte sich ein runder Festungsturm vor den Weg. Dietroart wußte die schmale Seitenpforte. Es ging ein Stückchen durch den geborstenen mächtigen Turm hindutch, und dann gewann man von den Trümmern der niedergestürzten Außenwand an der anderen Seite einen weiten Ueberblick über die Landschaft ringsum.
Ein Stückchen alter, verfallener Burgromantiktat sich ihnen auf. In der Mitte des runden Turmes wuchs eine dicke Grasnarbe. Aus den Ritzen des alten Gemäuers quollen hängende Büsche und kleines Gesträuch. Ein Heckenrosenstrauch neigte sich, von zartrosa Blüten übersät, herab.
Sie sah sich mit leuchtenden Augen um: „Wie wunderschön ist es hier! Und wie romantisch!"
Er kannte ihre Liebe zur Natur. „Ich habe mir gedacht, daß dir dieses Plätzchen gefallen würde, Melusine! Deswegen sollte es auch unser erster Spaziergang fein. Ich habe hier, als ich wieder ausgehen durfte, manchmal gäfeffen. Sjabe immer an dich gedacht, und wie schön es sein müßte, dich neben mir zu haben! Und nun ist mir dieser Wunsch erfüllt worden, Liebste!"
Er stand unmittelbar neben ihr und neigte sich zu ihr herab. Er brannte vor Sehnsucht nach einem Küß von ihr. Früher hatte sie sich, wenn sich ihnen ein Moment unter vier Augen bot, schnell in feinen Arm geschmiegt, und der Blick ihrer glücklichen Augen hatte ihn zu einem leidenschaftlichen Kusse hingerissen. Jetzt stand sie unbeweglich neben ihm und starrte auf den rosenbehangenen Strauch. Und ihre Augen hatten einen Ausdruck, als seien ihre Gedanken bei ganz fernen, anderen Dingen.
Da schritt er, vielleicht um ein plötzlich wieder auf- steigendes wehes Gefühl zu meistern, auf die geborstene Mauer zu und zupfte einige Zweige mit Rosen ab. Sie sah ihm zu, sah, wie sehr er sich bemühen
mußte, mit der einzigen Hand die Blumen zu pflücken! Mit aller Entsetzlichkeit kam ihr die Einbuße seiner linken Hand vor Augen. Ein Verstümmelter!
Wohl fühlte er, wie sie seine Bewegungen verfolgte und ihr der Verlust feiner Hand wieder klar werden mußte. Und desto schmerzlicher bemerkte er ganz deutlich, als er ihr nun die Blumen bot, daß nicht Anteilnahme und Dank in ihrem Blicke lag, sondern ein fast entsetztes Ablehnen.
Ein weher Gedanke schoß ihm durch den Sinn. „Die guten Tage hat sie mit mir genoffen. In vollen Zügen hat sie mit mir das Liebesglück genoffen, als noch die Sonne über uns beiden stand!--Jetzt
aber? Wird sie in Zukunft diejenige fein können, die neben mir auch Düsteres mit durchleben würde?" —
Aber Melusine war weltgewandt, sie war eine Meisterin, Immer die Situation beherrschen zu fihv nen. Ganz deutlich fühlte sie, wie etwas Unsichtbares, Feines und doch nicht Abzuleugnendes zwischen ihnen aufstieg. Das wollte sie nicht. Warum eine unerquickliche Situation schaffen?
„Ich danke dir vielmals, Dietroart", meinte sie und suchte die Blumen zwischen die Knopfe ihrer Bluse zu stecken. Dann zog sie sich plötzlich mit einer schnellen Bewegung das Jackett aus: „Es wird mir zu heiß. Ich will es über den Arm nehmen. Zwischen den alten Mauern hier fängt sich ordentlich die Sonnenwärme. Kein Luftzug geht."
Er war ihr behilflich. „Vielleicht sind wir auch in zu raschem Tempo heraufgegangen, Liebe? Komm, wir setzen uns hier ein Weilchen auf die überwachsene Böschung! Sieh, es ist wie eine Rasen- banf!"
„Komm!" bat er nochmals, als sie nun neben ihm saß, und et zog sie mit weicher Bewegung zu sich heran. Aufrecht blieb sie sitzen. Da übermannte ihn das Empfinden. War es Schmerz, war es feine Liebs zu ihr?
Er lehnte den Kopf an ihre Schulter. „Wenn du wüßtest, Melusine, wie sehr ich mich nach dir gesehnt habe! All diese vier langen Jahre hindurch!"
Da sie auch jetzt noch unbeweglich blieb, raffte er sich auf, stützte den Kopf in die Hand und murmelte in leidenschaftlicher Qua!: „Wenn dieser Krieg doch ein Ende nähme! Bald! Es ist genug all des Mor- bens und all des Entsetzlichen!' — ‘Unb wie sehr reißt er alles auseinander. (Fortsetzung folgt)


