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wurden dieser Tag« nur noch 58 Pf. bezahlt. Diele Haushaltungen von nicht Landwirtschaft treibenden Personen, darunter besonders auch solche aus den benachbarten Städten, benutzen diese Gelegenheit zum Ankauf von Schweinen für Hausschlachtungen, da sie hierdurch Geld sparen. Die starke Preissenkung ist nach den An­gaben der Landwirte auf das große Heber- angebot von Schweinen zurückzuführen. Die Folge davon ist, dah die Landwirte sich in Zukunft weniger auf die Mästung von Schweinen für Schlachtzwecke verlegen werden. Eine weitere unerfreuliche Erscheinung ist das Abschlachten von Mutterschweinen, wie es hier und da schon beobachtet werden konnte.

Oberwesterwaldkreis.

D Höhn, 16.Ian. Am 15.Januar wurde der Betrieb der B r a u n k o h l e n g r u b e »Nassau" bei Schönberg, der ca. 30 Arbeiter beschäftigte, stillgelegt. Die Grube ist staat­liches Eigentum. Durch einen im Jahre 1911 zwischen Fiskus und Nistertaisperren-Gesell- schaft m. b. H. geschlossenen Pachtvertrag hatte der Staat das Ausbeutungsrecht der Grube an die Gesellschaft abgetreten, so daß der Kohlen­bestand der Grube der genannten Gesellschaft zum

Betriebe der Usberlanbzentrale Höhn seit dieser Zeit zur Verfügung steht. Da die GrubeAlexandria" in Höhn, die die Haupt- kohlenbosis für das Kraftwerk bildet, seit einiger Zeit durch einen Stollen mit der GrubeAassau" in Verbindurm steht, wird künftig die Mutung der GrubeAassau" vonAlexandria" aus ge­schehen. Die Kohlengewinnung wird sich auf diese Weise für den Unternehmer lukrativer gestalten, zumal die GrubeAlexandria" in jeder Be­ziehung neuzeitlich eingerichtet ist, eine Tat­sache, Die fürAassau" nicht in gleichem Maße zutraf. Die Stillegung hatte keine Arbeiter­entlassungen im Gefolge, da die ganze Be­legschaft vonAassau" aufAlexandria" über­nommen wurde.

Dittkreis.

WSA. Dillenburg, 16. Jan. Das Pudd- lings - und Walzwerk Herwig Söhne hat nach Mitteilung der Direktion der gesamten Belegschaft ohne Ausnahme zum 28. Januar gekündigt. Die Firma hatte an das Reichs- arbeitsministerium einen Antrag eingereicht, wo­nach das Werk nicht in der Lage sei, den Be­trieb in veränderter Form fortzuführen: eine Entscheidung des Ministeriums liegt noch nicht vor.

Turnen, Sport und Spiel.

Aus dem Turngau Hessen (O. T.) Bottstnrnen.

o Einen Lehrgang fürdasDolks- turnen hielt der Gau Hessen am Samstag und Sonntag in M a r b u r g ab. Die Vorbereitungen dazu lagen in der Hand des zuständigen Gau- wartes L u ck h a r d t (Marburg): mit über sieb­zig Teilinehmern aus nahezu 40 Vereinen hatte Der Lehrgang eine erfreulich gute Beteiligung oufzuweisen, zumal die sechs Bezirke ziemlich gleichmäßig der Einladung gefolgt und dabei auch die Landvereine in bemerkenswerter An­zahl vertreten waren.

Einleitend dankte Gauoberturnwart Wilhelm Will (Giiehen) dem Institut für Leibesübun­gen an der Universität, das die Durchführung der Veranstaltung übernommen hatte. Der Leiter des Instituts, Prof. Dr. 2 a e ck, führte in die Methodik und neueste Literatur des Volks­turnens ein. Am Samstagabend erläuterte er in einem Vortrag, bei dem auch der Marburger Stadtverband für Leibesübungen zahlreich ver­treten war, vor etwa 300 Besuchern im großen Hörsaal der Hniversität den im vorigen Sommer neuhergestellten Lehrfilm des Deutschen Reichs- ausschusses für Leibesübungen, der in fünf Teilen den methodischen Aufbau, volkstümlicher Hebun­gen (Lauf, Sprung, Wurf) zu anschaulicher Dar­stellung bringt. Sonntag früh machte er aus der reichhaltigen Bücherei des Instituts den Teilnehmern eine Zusammenstellung des beson­ders in letzter Zeit erheblich angewachsenen Schrifttums zugänglich: Bücher, die in die Hand des Turn- und Sportwartes gehören, standen bei seiner Besprechung im Vordergrund; ins­besondere die methodisch wertvolleren sowohl aus dem Arbeitskreis der Deutschen Turnerschaft, als auch die entsprechenden Bearbeitungen von sportlicher Seite.

Der praktisch-turnerische Teil des Lehrgangs fand in der Turnhalle des Instituts statt imb stand unter Leitung des ersten Assistenten, Turn- und Sportlehrers Hoffmeister. An beiden Tagen unterzogen sich die Teilnehmer mehrere Stunden den anstrengenden Hebungen der Kör­perschule; Ausgleichsgymnastik zur Behebung von Berufsschäden, das Spiel mit Kugeln, Handgewichten und Medizinbäklen, Sprossenwand und Bodenübungen wechselten in reichlicher Fülle. Don den volkstümlichen Hebungen werden Hoch- und Weitsprung, Stein- und Kugelstoßen ein­gehend nach der technischen Seite durchgearbeitet, und Scherzübungen mit Hallenspielen sorgten dafür, daß auch die Freude nicht zur kurz kam. Wenn es auch bei solchen Veranstaltungen aus naheliegenden äußeren Gründen kaum zu ver­meiden ist, dah die Fülle des dargebotenen Stoffes mit der Kürze der verfügbaren Zeit in einen gewissen Widerstreit gerät, so fühlten doch alle Teilnehmer trotz erheblicher körper­licher und geistiger Inanspruchnahme dankbar die große Förderung, die ihnen von sachkundiger Seite geboten wocde/r war: da dieser Lehrgang als der erste seiner Art allseitig und umfassend die Grundlagen des Dolksturnens in den Vorder­grund stellte, gab er insbesondere den Land­vereinen willkommene Anleitung, durch eigne Anschauung und Selbstübung auch den Weg zur Benutzung der Literatur zu gewinnen und damit die eigne Technik allmählich zu erringen und her- auszugestalten. Gin zweiter Lehrgang wird im Sommer, und zwar im Freien, abgehalten wer­den und sich eingehender mit den einzelnen Teilgebieten des Volksturnens beschäftigen.

Anschließend an den Lehrgang fand der Gau­tag für das Volksturnen statt. Der Gauwart erstattete den Tätigkeitsbericht für das abgelaufene Turnjahr, der mit lebhaftem Jn- tevesse entgegengenommen wurde. Die Wald­läufe dieses Frühjahrs sollen je nach den ört­lichen Verhältnissen der sechs Bezirke, jedoch im Laufe des April, durchgeführt werden; eine Hebungs stunde im Mai wird zugleich zu einer Leistungsprüfung für diejenigen Turner ausgestaltet, die sich an den volkstüm­lichen Einzel- und Mehrkämpfen des Deut­schen Turnfestes in Köln beteiligen wollen; um die Zahl der Feste zu beschränken, wird das Gauwetturnen der Volksturner mit dem großen Gauturnfest zu Butzbach verbun­den. und zwar am Sonntag für die Staffeln )inb die Turnerinnen, am Montag für die Tur­ner. Der Herb st Waldlauf wird für alle Gauvereine offen fein und anfangs Oktober in Dießen zum Austrag kommen. Schließlich wurde noch der Entwurf einer Ordnung für den Be­trieb und Wettkampf des Volks- t u r n e n s zur Aussprache gestellt, der dem näch­sten Kreisturntag, der im April zu Hanau zu­sammentritt, zur Verabschiedung vorliegt.

Handball im Gau Hessen der O. T.

To. Allendorf I Mio. Gießen I. Iugend 0:2.

Mit diesem Siege, den die Iugcndmannschaft des Mnnerturnvereins.sich in schneidiger Manier er-- lämpfte, hat sie bewiesen, daß sie sich getrost einer oktioen Mannschaft gegenüberstellen kann. Allendorf hatte wohl nicht mit einer Niederlage gerechnet, zu­mal die Gießener auf drei ihrer Besten verzichten mußten. Die Angriffe der Allendorfer sowie die Art ihres Spieles war nicht geschliffen genug, um zum Erfolge zu kommen. Das Hauptverdienst der Gieße­

ner ist nicht zuletzt ihrem gut spielenden Tormann zu verdanken.

Spielvereinigung 1900 Gießen.

1900 Liga Kirchhain Liga 2:1 (2:1).

ö. Bei der Begegnung der Vereinigten mit dem Verein für Bewegungsspiele 1919 Kirchhain überraschten die Gäste nach der an­genehmen Seite. Sie haben in den harten Kämpfen in der Kreisliga viel gelernt. Durch den Neuerwerb von vier Spielern hat diese Mannschaft beachtliches Können erreicht und gibt jetzt einen guten Gegner ab, mit dem gerechnet werden muß.

Die Spielvereinigung 1900 hatte immer noch nicht ihre stärkste Elf zur Stelle. Waren die Leistungen der Gießener vor der Pause noch einigermaßen zu­friedenstellend, so konnte man dies von der zweiten Spielhälfte nicht mehr sagen. Allerdings muß be­rücksichtigt werden, daß drei Spieler dieser Mann­schaft am vorhergehenden Samstag mit der Fuß­ballmannschaft der Universität Gießen in Mannheim weilten und dort nach zweistündigem Spiel (eine halbe Stunde Verlängerung, da bei regulärem Spiel­schluß unentschieden) mithalfen, einen 6:4-Sieg für die Gießener Universität zu erringen.

Das Spiel begann mit einem flotten Tempo. 1900s Stürmer leisteten wieder einmal Besonderes im Auslassen der sichersten Torchancen. Mit 2:1 für 1900 ging's in die Pause. Hatte vor der Pause Kirchhains Torwart seinen Verein vor einer hohen Niederlage gerettet, so war es später der Gießener, der durch hervorragende Abwehrparaden seiner Mannschaft den 2:1-Sieg hielt, denn je mehr der Platzverein nachließ, desto besser kamen die Gäste auf. Die Elf des Liganeulings war durchweg körper­lich überlegen und schneller. Schwach war diesmal das Spiel des blauweitzen Mittelläufers. Der Schieds­richter, Herr W i n g e n f e l d (Fulda), leitete sicher und einwandfrei.

1900s 2. Jugend hatte die 2. Iugendelf vom V. f. B Kurhessen Marburg zu Gast. Das Freundschaftsspiel endete 0:0. Die Marburger Gäste waren die bessere Partei und hätten auf Grund ihrer Leistungen einen knappen Sieg verdient. Für den ausgebliebenen Schiedsrichter leitete ein Herr vom Platzverein in zufriedenstellender Weise.

D. f. B.

Liga Hanau 94 3:4.

III. Leihgestern I 8:2.

IV. Klein-Linden I 3:7.

I. Jugend Grünberg I. Jugend 9:1.

Die knappe Niederlage der Liga in Hanau läßt eine langsame Hebung ihrer Spielstärke er­kennen. Mehr als das Resultat es vermuten läßt kam dies durch den Spielverlauf, nach dem V. f. D. mit ebendemselben Torverhältnis auch hätte gewinnen können, zum Ausdruck. Hanau war, besonders in der ersten Halbzeit, technisch um einiges besser, Gießen glich dies jedoch durch Eifer und Energie aus: vor allem war, im Gegensatz zu den Spielen der Vorsonntage, in seinen Aktionen mehr Einheitlichkeit und System zu erkennen. Heber den Spielverlauf fei furg folgendes berichtet: Hanau fand sich auf seinem gewohnten Platz zuerst und gab einige Zeit den Ton an. Nachdem bereits der Gastgeber 2:9 führte, kam Gießen etwas mehr auf und ver­mochte auf 1:2 zu verbessern. Bei diesem Resul­tat wurden die Seiten gewechselt. Nach der Pause spielte V. f. B. in allen Mannschaftsteilen einen wesentlich besseren Fußball und war dem Gegner einige Zeit überlegen. Beide Stürmerreihen kamen noch zweimal zu Torerfolgen. Die Gieße­ner Verteidigung erleichterte dem Gegner inso­fern den Sieg, als sie durch zu weites Aufrücken mindestens ein Tor verschuldete.

Die Dritte bewies durch einen 8: 2-Sieg über Leihgestern Erste, dem Gegner des vor­letzten Verbandsspiels, auf deren Platz erneut ihre gute Form.

Die vierte Mannschaft erfuhr von der außer­ordentlich eifrig spielenden Klein» Lindener Ersten eine verdiente Abfuhr, indem sie sich mit 7:3 geschlagen bekennen muhte. Daß sie das Spiel nur mit neun Mann durchführte, kann nicht als Entschuldigung gelten.

Die er sie.Jugend Mannschaft gewann ihr Diplomspiel gegen die gleiche von Grün- berg mit 9:1. Das hohe Resultat entspricht dem Spielverlauf und wohl auch bem Stärke­verhältnis beider Mannschaften. Die Leistung der Platzmannschaft war während der etf er. Halbzeit in Anbetracht des schwachen Gegners nicht überzeugend: nach der Pause klappte es besser.

Hochschulsport.

Handball.

Hm die südwestdeutsche Hochschulmeisterschast spielten am Samstag die Mannschaften der Hniversitüten Marburg und Frank­furt auf dem Gießener Hniversitätssportplatz. Marburgs Mannschaft, in hiesiger Gegend als sehr spielstark bekannt, mußte eine Niederlage einstecken, die sie wohl nicht verdient hat. Der Sturm der Marburger Studenten wies einige schwache Stellen auf, die die Nebenspieler wohl nicht ganz ausgleichen konnten. Besonders her­vorragend spielten die beiden Torhüter, sowie der Mittelstürmer von Frankfurt. Durch den 5:3-Sieg hat sich Frankfurt das Recht, weiter­zukämpfen, gesichert. Das Spiel war äußerst leb­

haft und entbehrte nicht schöner spielerischer Momente.

Fußball.

Im Kampfe um die Fußballmeisterschaft im gleichen Bezirke errang die Mannschaft der Hai­ti e r f i t ä t Gießen einen sehr beachtenswerten Erfolg gegen die als stärkste Elf des Bezirkes bekannten Mannheimer Hochschuler. Der 6:4-Sieg läßt auf ein ausgeglichenes Spiel schlie­ßen. Da die Spiele im Pokalsystem ausgetragen werden und eine Entscheidung fallen muh, wurde nach ordnungsmäßiger Spielzeit, die einen Stand von 4:4 Toren aufwies, weitergespielt. Gießen konnte kurz hintereinander zwei Tore einsenden und somit auf sechs erhöhen, denen die Mann­heimer kein Tor mehr entgegensetzen konnten. Gießen wird also für die Folge weiter in der Runde bleiben, nach diesem Siege kann der Mannschaft noch mancher Sieg beschieden fein.

Iußball in Heuchelheim.

Sportverein 1920 I Spvg. 1900 Gießen Reserve 5:1.

Die Mannschaften trafen sich am Sonntag auf dem Heuchelheimer Platze in einem Gesellschafts­spiel. 1900 stellte eine aus durchweg jungen Leuten zusammengesetzte Mannschaft, die sich aber sehr gut bewährte. Die einzelnen Leute waren sehr flink und auch technisch gut veranlagt, nur in puncto Zusammenspiel haperte es etwas. Die Heuchelheimer waren gerade in letzterer Be­ziehung dem Gegner bedeutend überlegen. Da die Mannschaft auch technisch und taktisch noch auf alter Höhe ist, so war das Endresultat keine Heberraschung. Halbzeitergebnis 4:1. Schieds­richter Philipp, V. f. D. Gießen, war dem Spiel ein guter Leiter.

Vorher verlor die Zweite Heuchelheims gegen die Erste von S t e i n d o r f, Kreis Wetz­lar, 5:1.

Arbeiier-Turn- und Gportbund.

$t. T. Gießen I Fußballklub Hertha höchst I 2:3 (2:2).

Richt ganz sollte unsere Voraussage sich be­wahrheiten. Wohl zeigten die ersten Minuten die Einheimischen im Angriff, der ihnen auch nach kurzer Zeit zum ersten Erfolg verhalf, doch auch die Gäste waren nicht müßig. Obwohl Gießen leicht im Angriff blieb, waren ihm vorerst wei­tere Erfolge versagt, da der Schlußmann der Gäste wunderbare Abwehrarbeit leistete. Beim Wechsel stand das Spiel 2:2. Rach Wieder- anstoh wurde es aufgeregter. Beide Seiten ar­beiteten gute Torgelegenheiten heraus, doch der Ball wollte das Reh nicht finden. Durch un­faires Verhalten bekam Höchst einen Elfmeter zugefprochen, der verwandelt wurde. So konnte Höchst trotz aller Anstrengungen der Einheimi­schen als glücklicher Sieger den Platz verlassen.

Vorher f 'ieiten die Ib-Mannschaften der beiden Vereine. Das Spiel trug lebhaften Charakter. Höchst war etwas besser im Spiel, konnte aber nur mit dem knappsten Resultate (1:0) als Sieger den Platz verlassen.

Lollar I Marburg I 5:0.

In Lollar standen sich zwei alte Rivalen gegenüber. Trotz der schlechtesten Platzverhält­nisse begann das Spiel recht flott. Lollar, das sich in guter Verfassung befand, kam bald zum ersten Erfolg. Marburg konnte s ich durch die Bodenverhältnisse nicht zusammenfinden. Dis zur Halbzeit konnte Lollar noch viermal ein- senden. Da nach Wiederanstoh den Marburgern immer noch Erfolge versagt blieben, weigerten sie sich, bet diesen Platzverhältnlfsen weiter zu spielen, worauf der Schiedsrichter das Spiel abpfiff.

Wieseck I Großen-Linden I 3:1 (1:0), (Eden 7:6.

Hatte man im voraus mit einem Siege der Einheimischen gerechnet, so hätte man doch bald eine Enttäuschung erlebt. Wohl zeigte in den ersten Minuten Wieseck ein planvolles Spiel, doch bald stellte sich bei allen Spielern eine bleierne Hnbeholfenheit ein. Zwar konnten sie zu einem Erfolge kommen, doch auch die Gäste kamen auf, und manchen Schnitzer der Verteidigung mußte der Schlußmann der Einheimischen retten. Rach dem Wechsel hatte man sich anscheinend etwas erholt, und nun kam wieder mehr Leben ins Spiel. Beiderseits gab es Torgelegenheiten, die ausgelassen wurden. Einen Fehler der Vertei­digung Wiesecks nutzten die Gäste aus und stell­ten die Partie gleich. Dann folgte verteiltes Spiel, bis die Einheimischen in den letzten Minuten zweimal erfolgreich fein konnten, um mit obigem Resultat als Sieger vom Platze zu gehen.

Vorher spielten Wleseck-Jugend gegen Großen-Linden II. Beide Mannschaften traten mit Ersah an, der sich bei den Ein­heimischen gut bewährte. Rach anfangs offenem Spiel schnürte allmählich Wieseck seinen Gegner ein. Bei Schluß blieb Wieseck mit 7:1 (Ecken 6:2) Sieger.

Schwurgericht Gießen.

* Gießen, 16. Jan. Unter dem Vorsitz des Landgerichtsdirektors Cramer wurde heute ge­gen den Kaufmann Fr. Wilhelm Römer von Heuchelheim wegen Meineids verhandelt. Die Anklage vertrat Staatsanwalt Fischer, die Verteidigung führte Rechtsanwalt und Notar Schneider.

Dem Angeklagten war zur Last gelegt, am 26. 5. 1926 bei Ableistung des Offenbarungs­eides vor dem Amtsgericht Gießen wissentlich die Unwahrheit beschworen zu haben. Er hatte in dem Dermögensver^eichnis angegeben, er habe keinen Grundbesitz und auch keine Ansprüche auf solchen. Tatsächlich besah er damals etwa zwei Morgen Land und einen Anteil an dem elter­lichen Haus zufolge Beerbung von Großvater und Vater. Römer behauptete, er habe dies bei Leistung des Offenbarungseides nicht gewußt: er habe erst im Laufe der gegen ihn und andere anhängigen Strafsache wegen Betrugs erfahren, daß er Großvater und Vater beerbt habe.

2n der Beweisaufnahme wurde festgestellt, daß Römer am 5. 6. 1926 bei seiner Verneh­mung durch den Untersuchungsrichter in der Betrugssache erklärt hatte, er habe von seinem Vater her Grundbesitz. In zwei Schreiben vom Rovember und Dezember 1925 hatte er einem Lieferanten vorgeschlagen, beglaubigte Grund­buchauszüge einzufordern, falls die von ihm aufgegebenen Referenzen ihnen nicht genügten. In der Hauptverhandlung wegen Betrugs im April 1927 hatte er auch nach Zeugenaussagen erklärt, er habe seine Lieferanten nicht betrü­gen wollen, denn er besitze 2 Morgen Land und Hausanteil. Schließlich hatte er nach den Angaben eines weiteren Zeugen diesem im Herbst 1925 erklärt, er habe Grundbesitz

Staatsanwalt Fischer beantragte wegen Meineids 1 Jahr Zuchthaus, Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf 5 Jahre und Aus­spruch der Hnsähigkeit, eidlich als Zeuge ver­nommen werden zu können. Rechtsanwalt und Notar Schneider hielt lediglich fahrlässigen Falscheid für erwiesen.

Das Gericht erkannte dem Antrag des Staats­anwalts entsprechend.

Wirtschaft.

Oie Lage in der badischen Textilindustrie

Wie wir erfahren, hat sich die Lage in der Textilindustrie In den letzten Wochen ver­schlechtert, und es sind In einer Anzahl badischer Textilfabriken wieder Ver­kürzungen der Arbeitszeit eingetreten. Der Grund liegt in der eingetretenen Heber» teucrung der deutschen Produktion gegenüber denk Auslande, welches nach wie vor besonders aus dem Elsaß vn"» der T'chechcsicwakei die deut che Industrie stark unterbietet Deson.e.s bedenklich ist, dah sogar oie Stillegung einer Anzahl Betriebe in Ober- baden bevorsteht, so z. B. einer Seidengaze- Weberei in Waldkirch. Die Stillegung wird be­sonders bei denjenigen Betrieben in Frage kom­men, welche als Filialen schweizerischer Firmen gegründet find. Durch die Steige­rung der öffentlichen Lasten in Deutschland und besonders auch durch die zwangsweise Erhöhung der Löhne ist der Anlaß, der früher zur Grün­dung von Tochtergesellschaften auf deutschem Boden führte, weggefallen: die Produk­tionskosten in d^r Schweiz sind heute nicht mehr höher, sondern teilweise nied­riger als in Deutschland, während die Arbeitsbedingungen wesentlich freier und das Angebot an geschulten Arbeitskräften sehr reich­lich ist. Diese Entwicklung ist bedauerlich, weil dadurch der Bevölkerung der Schwarzwaldtäler Verdienstgclegenheiten Dcr(oren§eren werden, für welche ein Ersah nicht so leicht zu finden sein wird.

Von den Gchlachiviehmärkten.

Der ruhige Geschäftsgang der Vorwoche er­fuhr an den deutschen Schlachtviehmärkten auch in der Berichtswoche keine nennenswerte Ver­änderung. Die Kaufstimmung war zudem in­folge der milden Witterung wenig freudig. Le­diglich Kälber verzeichneten etwas gebesserten Handel. Schweine gingen dagegen in Anbetracht noch vorhandener größerer Fleischvorräte nur sehr langsam.

Der Auftrieb erschien nicht Überreichlich, war jedoch immerhin so hoch, daß sich nur selten ein angenehmes Geschäft entwickeln konnte. Als die Nachfrage bedeutend übersteigend war das Angebot in Schweinen zu bezeichnen. Im ein­zelnen lauteten die Zahlen für Rinder 16000 (gegen 15 100 in der Vorwoche), Kälber 16 200 (gegen 15 200), Schafe 8000 (gegen 6300) und Schweine 95 000 (gegen 88 000).

Der mäßige Hmsah brachte im allgemeinen nur geringfügige Preistierschiebungen. Rinder blieben zumeist ungefähr behauptet, gute Rinder brachten vereinzelt Äleinigfeiten mehr. Kälber zogen infolge des gebesserten Geschäftsganges durchweg leicht an, doch waren auch kleinere Einbußen, hauptsächlich für mittlere Sorten, fest- zustellen. Die Schafpreise zeigten nur wenig Ab­weichungen, bessere Sorten erzielten vereinzelt kleine Aufschläge. Schweine gingen in Auswir­kung der erhöhten Zufuhren durchgängig im Preise zurück. Die Abschläge hielten sich zwischen etwa zwei und vier Pfennig. Mittlere und ge­ringe Sorten büßten etwas mehr ein.

Es wurden in Pfennig per Pfund Lebend-

gewicht notiert:

Rinder

Kälber

Schafe Schweine

Berlin

20-62

47-90

25-64

52-62

Bremen

24-58

40-85

40-52

Breslau

15-58

48-75

40-59

51-63

Chemnitz

25-60

55-80

40-55

50-61

Dortmund

23-61

45-92

45-60

Dresden

24-61

55-83

30-64

48-62

Düsseldorf

20-66

50-84

48-60

Elberfeld

20-64

50-85

45-55

Essen

25-65

45-110

48-52

46-60

Frankfurt M.

25-62

50-76

28-50

40-55

Hamburg

15-59

35-90

20-59

40-57

Hannover

20-60

35-90

25-55

42-55

Huf um

Karlsruhe

18-61

4974

47-60

Kassel

20-62

48-65

50-60

Kiel

20-56

34-109

36-62

40-55

Köln

20-63

50110

25-53

50-63

Leipzig

23-63

40-78

35-62

46-58

Magdeburg

20-53

30-80

30-52

42-56

Mannheim

14-63

46-75

42-48

46-60

München

20-59

66-86

45 - 58

Stettin

15-55

35-82

20-50

40-57

Stuttgart

14-62

50-76

44-63

Zwickau

15-60

5578

30-57

52-63

* Prioatdiskonter Mäßigung. Der Ber­liner Privatdiskont für beide Sichten ist um X v. Sy auf 5% v. H. ermäßigt.

* Peters Union A.-G., Frankfurt a. M. Die gestrige Aufsichtsratssitzung beschloß, der für den 29. Februar einzuberufenden ordentlichen Gen< -er= sammlung für das am 30. September 1927 ab ge­laufene Geschäftsjahr die Verteilung einer Dividende von 8 d. Sy (wie im Vorjahre) auf das erhöhte Aktienkapital vorzuschlagen.

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