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Paris

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Wien

beS Reiche«, die die Länder zu »ingrif- f en in die Selbstverwaltung nötigten. Betrachtet man die Verfassung von Weimar im ganzen, so hat zwar auch sie sich bemüht, Gegengewichte anzubringen, aber sie hat die Elemente fremder Verfassungen so unolücklichmit­einander vermischt, daß die neue Reichsverfas­sung einer Maschine gleicht, deren Räder nicht ineinandergreifen und miteinander wirken, son­dern von denen jedes den Gang des an- deren stört. Der Redner behandelte weiter die Vor- und Rachteile des unitarischen und des föderativen Staates und die Frage des rechten Weges und der

Zurückführung der unilgrischen Bewegung auf das richtige TNah

und die richtigen Mittel. Hierzu sei notwendig:

1. Die Reichszuständigkeit in Gesetzgebung und Verwaltung soll nicht in die Grenzen des Jahres 1914 zurückgeführt werden. Aber auf der anderen Seite ist sie weit über die Grenzen des Rot- toenbigen und Zweckmäßigen hinausgegangen, und muh deshalb auf das richtige Mah zuruck- gebracht werden. Die Ueberschreituna der not­wendigen Schranken durch das Reich ist allem daran schuld, daß Doppelarbeit und Leerläufe in der Verwaltung, und Rei­bungen und Gegensätze zwischen dem Reich und den Ländern entstanden sind. Die württembergische Regierung behält sich vor, eine besondere Denkschrift über diese Teile des Pro­blems der Reichsregierung und dem Reichsrat vorzulegen. .

2. Der Reichsrat muh wieder eine ähnliche Stellung bekommen wie der Bundesrat der Bis- marckschen Verfassung, und wie sie der Senat in der amerikanischen Unionsverfassung hat.

3. Der Dualismus zwischendemReich und Preußen läht sich nur schwer beseitigen. Es fragt sich, ob der richtige Weg dadurch ge­funden wird, dah man den Faden wieder zu- sommenknüpft, den die Weimarer Verfassung zer­schnitten hat, also die organische Verbin­dung Preußens mit dem Reiche wiederher- stellt. Dies ist nicht mehr auf dem Wege der Dismorckschen Verfassung möglich, sondern nur auf die umgekehrte Art, daß nämlich der Reichspräsident gleichzeitig preußi­scher Staatspräsident und der R e i ch s- kanzler preußischer Ministerpräsi- d e n t ist. Ohne Beseitigung des reinen parla­mentarischen Systems läßt sich aber diese orga­nische Verbindung r t Herstellen. Das parla­mentarische System darf aber kein Hemmnis sein, da die Allmacht des Parlaments so­wieso einer Beschränkung bedarf. Das läßt sich am besten auf dem Wege erreichen, den die amerikanische Un onsocr assung cingeschla- gen hat, nach der die vom Präsidenten der Ver­einigten Staaten ernannten Minister des Ver­trauens des Parlaments nicht bedürfen. Will man aber daran festhalten, dah die Minister auch des Vertrauens der Parlamente bedürfen, so ist dies bann praktisch bestens noch in der Form möglich, dah sie abzutreten haben, wenn mindestens zwei Drittel der Abgeordneten ihnen das Vertrauen entzieht. Es ist notwendig, dem überragenden Einfluß, den die preußische Bevölkerung bet der Wahl des Reichspräsi­denten und des Reichstages hat, ein Gegen­gewicht dadurch zu geben, bah Preußen im Verhältnis zu der Gesamtheit der Reichsrats­stimmen auf die Zahl der Bismarckschen Reichs­verfassung beschränkt wird.

Der notwendige Ilnanzfrieden zwischen dem Reich und den Ländern ist nur auf folgendem

Wege wiederherstellbar:

a) Die Anspruch« der Länder auf Abfin­dung für die von ihnen abgetretenen Bah­nen, Post-, Steuer- und Zollgebäude sind bis jetzt nicht befriedigt worden. Die nötigen Vereinbarungen sollten sogleich in Angriff ge­nommen werden.

b) Richts ist wohl verkehrter, als den Ländern ihre bisherigen Steuerquellen zu nehmen und sie dem Reich zuzuführen. Eine wirksame Abhilfe ist nur dadurch möglich, dah den Län­dern die Finanzhoheit üb er die wich­tig st en direkten Steuern zurückgegeben wird. Wenn einzelne deutsche Staaten auch bei richtiger Verteilung der Zuständigkeit von Reich und Ländern und bei richtiger Verteilung der Lasten und Einnahmen sich als nicht lebens­fähig erweisen, so sollten sie nicht künst­lich am Leben erhalten werden. Der frei­willige Anschluß an ein anderes deutsches Land ist zweckmäßig. Es muh dann aber dafür gesorgt werden, daß im Reichsrat eine Verschiebung der Machtverhältnisse stattfindet. Richts wäre ver­kehrter, als wenn der mächtigere Staat die kleineren seine Macht fühlen liehe, um sie mit diesem Mittel zur Aufgabe ihrer Selbständigkeit zu zwingen. Die Lage Deutschlands ist so, daß nur schnelle und gründliche Reform d e r V e r f a s s u n g es vor dem Wege einer ab­schüssigen Entwickelung bewahren könne. Man verkennt bas Wesen, namentlich der süddeutschen Bevölkerung, wenn man glaubt, sie lasse sich direkt ober indirekt zu Zugeständnissen zwingen, von deren Recht sie nicht überzeugt ist. Die Bevölkerung der süddeutschen Staaten ist dem Reichsgedanken treu ergeben, aber sie will nach ihren eigenen Gewohnheiten, Ge­fühlen und Idealen leben und wird nie­mals einen Zwang vertragen, von dessen Be­rechtigung sie nicht überzeugt ist. Weder in einem zentralisierten noch in einem dezentrali- fierten Einheitsstaat wird viel Rücksicht auf ihre Eigenarten genommen werden Sie befürchtet fer­ner, dah ihre wirtschaftlichen Inter­essen, wenn ihr Land zu einer von Berlin völlig abhängigen Provinz geworden ist, nicht mit derselben Sorgfalt und Liebe gepflegt und die Berlin näher gelegenen Reichsteile bevor­zugt werden. Die in den einzelnen Staaten ver­einigte Bevölkerung fühlt sich als eine einheit­liche und selbständige Staatspersönlichkeit und ist, von Ausnahmen vielleicht abgesehen, nicht gesonnen, diesen Zustand preiszugeben. Rur die äußerste Vorsicht und die schleunige Rückkehr zu den Grundsätzen der Staatsweisheit, die Deutsch­land vor dem Kriege so groß gemacht haben, kann uns vor der Entwickelung zur Anarchie oder zur Diktatur bewahren.

der bayrische Ministerpräsident Dr. Held erstattete das erste Korreferat. Er betonte, dah er mit dem ersten Referenten des Tages (Bür­germeister Petersen) durchaus einig gehe in 6er Auffassung über den Kompromißcha­rakter der Weimarer -Verfassung zwischen Bundesstaat und Einheitsstaat, und ferner darin, dah man die Entscheidung darüber, wie die Weimarer Verfassung umzugestalten fei, nicht mehr lange hinausschieben dürfe. In dem Ziel

der Umgestaltung stehe er jedoch auf dem ent­gegengesetzten Standpunkt wie der erste Referent. Die Dominante bei der Forderung des Einheitsstaates bilde eine finanzwirt­schaftliche Betrachtung mit dem Ergebnis, dah im Einheitsstaat große Ersparnisse in der Gesamtverwaltung möglich würden und eine Steuerentlastung für die gesamte Wirt­schaft sich erreichen liehe. Man führe für den Einheitsstaat vor allem ins Feld, dah damit das Rebeneinander-, Gegeneinander- und Ueberein- ander-Regieren der einzelnen Län- der beseitigt werde, woran die Wei­marer Verfassung schuld sein soll. Der wirkliche Grund für das mancherlei Durch­einander und Gegeneinander in Deutschland liege aber in der geistigen Zerrissenheit deS deutschen Volkes. Diese Zerrissenheit würde auch im Einheitsstaat nicht vermindert, sondern ver­mehrt. Die Form des Einheitsstaates wird ge­wöhnlich mit dem Hinweis auf die Gehälter der Landesminister und die Aufgaben der Landes­parlamente begründet. Dabei wird verschwiegen, dah bei Beseitigung dieser Landeseinrichtungen sofort neue Organe und Behörden not­wendig würden, deren Kosten nicht wesentlich ge­ringer wären. Für den Einheitsstaat wird auch ins Feld geführt, dah die notwendige Ver- waltungsresorm nur im Einheitsstaat ra­tionell durchgeführt werden kann. Dabei wird übersehen, dah die Vereinfachung der Verwal­tung nur unter Berücksichtigung der indivi­duellen Bedürfnisse der einzelnen Landesteile, nicht aber nach einem einheit­lichen Schema für das ganze Reich durchgeführt werden kann. Wirkliche Ersparnisse könnten hier nur erzielt werden durch einen Abbau der Staatsausgaben. Man sollte daher von einer Umgestaltung der Reichsverfassung zum Einheitsstaat absehen und zunächst die Män­gel der Weimarer Verfassung beseiti­gen. Wo der Wille zur Erhaltung der Eigen­staatlichkeit in einem Lande vorhanden ist, muh dabei aus dies Rücksicht genommen werden. Dieser Grundsatz muh insbesondere auch bei Beseiti­gung kleiner Länder unbedingt gewahrt werden. Ohne Verfassungsänderung würde sich für die Länder nur der Abschluß von Verwal­tungsgemeinschaften unter den Ländern ermög­lichen lassen.

Der Redner legt bann die verschiedenen Vor­schläge zur Lösung dieses Problems dar und be­tont, bei einer Lösung des Problems, wie sie auch sein möge, müßten die Länder unbedingt folgende Forderungen erheben:

v e rfas s u ngsavtono m i e der Länder und ihre Sicherung, Gebietsaulonomie der Länder, Einschränkung der Gese hgeb ungs- rechte des Reiches, Sicherstellung der Län- derveiwaltung gegen Eingriffe der Reichsverwal- tung, Wiederherstellung einer größe­ren finanziellen Selbständigkeit der Länder, eine Ausscheidung der Steuerguellen. ein Jinanzausgleich, der die Erhaltung der Länder in ihrer Selbständigkeit erhöht, Aufgabe deJ Relchs- raks als Gefehgebungssakior. Jür eine durchgrei­fende Revision der Reichsverfafsung ist nach vielfach vertretener Ansicht die Zeit noch nicht gekommen. Vor allem aber komme in Betracht:

1. Eine Verabredung des Jinanzaus­gleich v, der den Landesinteressen wirklich Rech­nung trägt.

2. (Ein Ausbau weiterer Zuständigkeit zugunsten der Länder auf der Grundlage der Augustoerein­barungen des Jahres 1922. Auch eine wirtschaft­liche JSrderu ng der Lander in bezug auf die Beschaffungsweise für Heer und Verkehrswesen fonnte'ofjne weitere» vom Reich au» Rechnung ge­tragen werden, die geradezu unerklärliche Zentra­lisierung des Geld - und Kreditwesens in Berlin mühte im Wege der Vereinbarung zwischen Reich und Landern beseitigt werden. Die Zentralisierung der Quellengebiete würde eine Verödung der jetzt bestehenden deutschen Kultur­zentren bedeuten. Der gesunde Wettbewerb der ein­zelnen Staaten und Stämme im Deutschen Reich ist nicht möglich, wenn die einzelnen Landesteile im Einheitsstaate von einer Zentrale abhängig werden, deren Entscheidungen und Weisungen sie sich zu fügen hätten.

Oer Wohnungsbau.

Ncichtzarbeitsminister Dr. Branns im Haushaltsausschutz.

Berlin, 16. Ian. (V. D. Z.) Der Hau-s- haltsawsschuß des Reichstags setzte die Einzel­beratung des Haushalts des ReichÄarbeils- ministeriums fort beim AbschnittW ohnungs- und S i edInn g s wes en". Abg. Li­pinski (Doz.) begründet einen Antrag, die Regierung zu ersuchen, ein Wohnungsbau­programm mit dem Ziel vorzulegen, spä- testsns in 10 Jahren den alten und neuen Wohn uns sbedarf zu decken und für die Durch- führungAes Programms die nötigen Mittel für Hypotheten ufto. bereitzustellen. 300 000 Woh­nungen seien jährlich in dem nächsten Jahrzehnt zu bauen. Reichsarbeitsmini st er Dr. Brauns erklärt: Einen festen Plan für meh­rere Jahre biS ins einzelne aufzustellen, ist zur Zeit unmöglich, weil niemand die Entwicke­lung des Kapitalmarktes für den Woh­nungsbaumarkt voraussehen kann. Man steht dort jedes Jahr vor neuen Ueberrasch-ungen. In der Frage der Auslandanleihen für diese Zwecke stehen wir nicht auf dem Stand­punkt des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht, Wir werden in unseren Bemühungen fort­fahren, daß solche Kredite für diese Zwecke beschafft werden können. Ebenso betreiben wir die Frage der Typisierung und Verbil­ligung des Baues. Der Index von 175 ist zu hoch. Für die Beschaffung von Land­arbeiterwohnungen schweben Verhand­lungen mit den beteiligten Ressorts, namentlich mit dem Reichsernährungsministerium. In das Arbeitsbeschaffungsprogramm hatten wir 30 Mil­lionen Mark für diese Zwecke aufgenommen. Die Förderung der Landarbeitersiedelungen mit Hilfe der produktiven Erwerbslosenfürsorge ver­folgen wir eifrig weiter. Lieber die Siedelun­gen im Westen schweben Verhandlungen mit Preußen.

Arbeitszeit- und Lohnbewegung im Ruhrbergbau.

Essen, 16. Ian. (WTB.) Gestern fanden im Ruhrgebiet etwa 40 Mitgliederversammlungen des Gewerkvereins Christlicher Berg­arbeiter statt, die die auf der Essener Bezirks­konferenz einftimmig angenommenen Entschließun­gen ebenfalls annahmen. In dieser Entschließung

ersucht He Dezirkskonferenz die Hauptverwaltung, unverzüglich mit den übrigen Organisationen der Arbeitsgemeinschaft der Bergarbeiteroerbände Ver­handlungen über die baldige Kündigung des Mehrarbeits-Abkommens aufzunehmen, dessen zwischentarifliche Regelung vom Bergbau ab- gelehnt worden war, und sie hofft, von der Leitung des Gewerkvereins, baß eine verkürzte A r - beitszeit baldmöglichst einaeführt und eine der Teuerung entsprechende Lohnerhöhung er­folgt. Der alte Verband wird am kommenden Sonn­tag in Bochum zu den obigen Fragen gleichfalls Stellung nehmen.

Die panamerikanische Konferenz.

Eoolidge für eineangemessene" Rüstung.

Havanna, 16. 3an. (WB.) Der Präsident von Kuba. M a ch a d o , erklärte in einer An­sprache, mit der er Präsident Eoolidge und die Delegierten der panamerikanischen Konferenz be­willkommnete, nichts könne die Strömung auf­halten die die Geschicke der w e st l i ch e n Hemisphäre auf rechtlichen Grundlagen, die für die Erhaltung des Friedens unerläßlich seien, in einer brüderlichen Vereinigung zusammen- z u f a s s e n suche.

Der Präsident der Vereinigten Staaten von Rordamerika, Eoolidge. verlas dann die Er- öffnunr-sbotschaft. Die Bevölkerungen deik ame­rikanischen Staaten seien besser imstande, sich selbst zu regieren, als andere regieren zu lassen. Rtemals würden die Völker Amerikas mili­tärischem Machthunger zum Opfer fallen. Rie- mals habe man große militärische Einrichtungen zur Unterdrückung anderer Rationen unterhalten. Wir sind," so erklärte Eoolidge,für an­gemessenes Gerüstetsein im Interesse der nationalen Verteidigung: denn wir glauben, dah diejenigen Rationen sich ins Verderben stürzen, die militärische Dinge vernachlässi­gen oder ihnen gleichgültig gegenüberstehen." Aber es sei ein großer Unterschied, ob maxr rüste, um wohlerworbene Rechte zu verteidigen, oder ob man sich nur auf rohe Kraft stütze, an­statt an die Vernunft zu appellieren. Dynastische Kriege, wie sie die Alte Welt erlebt habe, seien in Amerika unmöglich. Die Kriege Ameri­kas während der letzten 150 Jahre seien fast ausschließlich zur Sicherstellung der Unabhängig- keit und Freiheit der Menschheit geführt worden. Jede Demokratie sei friedliebend, weshalb es auch gelungen sei. den Frieden unter den ameti- kani.chen Republiken so lange Zeit zu bewahren. Das amerikanische Flottenbauprogramm

Im Mrineausschuß angenommen.

Washington, 16. Ian. (WB.) DerMarine- oüsschuh des Repräsentantenausschu.ses nahm die in der Regierungsvorlage geforderten Schisfsbaukredite in Höhe von 740 Mil­lionen Dollar an. Er trat jedoch für eine Fest­setzung der Bauzeit, die das Mari.eämt absichtlich offengelassen hatte, ein. Die vo : Re­präsentantenhaus befürworteten Fristen sind fünf Jahre für die Kiellegung und acht Jahre für die Beendigung aller Bauten. Das Haus strich die im Entwurf vorgesehene Ermächtigung, im Falle einer internationalen Marinekvnferenz das Bauprogramm ganz oder teilweise zu streichen. Im Anschluß wurde erklärt, man verspreche sich wenig von zukünftigen Konferenzen. Zudem könne Amerika nur mit einer wirklich gleich­wertigen oder besseren Flotte die anderen Konferenzteilnehmer veranlassen, Kom­promisse einzugehen.

Japan und die amerikanischen Klottctibaupläne.

London, 16. Jan. (TU.) Wie aus Tokio gemeldet wird, beschäftigt sich die japanische Presse in großer Ausführlichkeit mit den Flot­tenbauplänen des amerikanischen Marinemini­steriums. In den Kommentaren, die zum Teil recht sarkastisch sind, wird darauf hingewiesen, daß Amerika mit der einen Hand einen Antikriegspa. t präsentiere, w ih.e d es in der andern ein Rustungvpro - gramnt halte. Persönlichkeiten der japanischen Marine erklären, dah die japanischen Flotten­baupläne durch die amerikanische Entscheidung nicht beeinflußt würden. In diesen Kreisen betont man auch mit starker Zurückhaltung, dah vorläufig abzuwarten bleibe, ob der Kon­greß dem amerikanischen Marineminister auf dem vorgezeichneten Wege folgen werde.

Aus aller Wett.

Das Unglück auf der Bölklinger Hütte.

Don dem Llnglück auf der Bölklinger Hütte sind insgesamt 17 Personen betroffen worden, von denen zwei auf der Stelle tot waren, während fünf weitere inzwischen ebenfalls ihren Verletzungen erlegen sind. Die Llrsache des Unglücks ist aller Wahr­scheinlichkeit nach aus eine Kohlenstaub­explosion zurückzuführen. Die Ausbesserung des Hochofens dürste voraussichtlich bis Ende dieses Monats dauern. Durch die Explosion wurden verschiedene Rohrleitungen zerstört, wo­durch die Hochofenanlage, das Stahlwerk und das Walzwerk zeitweilig völlig außer Betrieb gesetzt wurden. Doch werden Stahlwerk und Walzwerk von morgen an die Arbeit wieder aufnehmen.

Herzog Bernhard r n Sachsen-Meiningen f.

In Meiningen oerfd nach längerem Leiden der ehemalige Herzog Bernhard von Sachsen-Meiningen. Herzog Bernhard wurde 1851 als Sohn des Her- zogs Georg II. und dessen erster Frau, Prinzessin El;arlotte von Preußen, geboren und folgte 1914 seinem verstorbenen Vater in der Regierung. Rach Ausbruch der Revolution verzichtete er nm 10. No­vember 1918 auf den Thron und lebte seither zu­rückgezogen auf seinen Schlossern. Herzog Bernhard widmete sich von jeher mit Eifer den schönen Kün­sten, insbesondere der Musik und Literatur. Seine Uebertraguna derPerser" des Aechylos ist wieder­holt aufgeführt worden. Die Breslauer Universität ernannte ihn zum Ehrendoktor der Philosophischen Fakultät.

Jranz-Schuberl-Gedächtnislag in Amerika.

Unter Vorsitz von Otto Kahn hat sich in Reuyork ein Ausschuß aus Vertretern der ilni- versitäten, der Geistlichkeit und der Kunst- und Geschäftswelt gebildet, um eine würdige Be­gehung des 100. Todestages Franz Schuberts in die Wege z.u leiten, dessen Werke in über I 1000 Städten zu Gehör gebracht werden sollen.

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Wettervoraussage.

Das Rordseetief zeigt geringe südöstliche Ver­lagerung und weitere Auffüllung. Gleichzeitig hat der hohe Druck über Rordeuropa kräftig angenommen und sich weiter südwärts ausgebrei­tet. Infolgedessen wird die verstärkte Kaltluft- xufu.hr auch bei uns die Temperaturen sinken lassen. Es ist nicht ausgeschlossen, dah sie in der kommenden Rächt schon in tieferen Lagen unter Rull liegen werden. Linker weiterer Zunahme der Kaltlust dürfte die Schlechtwetterperiode der letzten Zeit zunächst beendet fein, so dah die auf dem Atlantischen Ozean sich befindenden Stö­rungen vorläufig keinen Einfluh gewinnen werden.

Wettervoraussage für Mittwoch: Wolkig, auch vielfach aufheiternd, Temperaturen um Rull und darunter, nur vereinzelte Riederschläge als Schnee nicht ausgeschlossen.

Witterungsaussichten für Donnerstag: Meist trockenes Wetter und weiteres Sinken der Tem­peraturen wahrscheinlich.

Lufttemperaturen am 16, Januar: mittags 5,6 Grad Celsius, abends 5 Grad Celsius; am 17. Ja­nuar: morgens 4,6 Grad Celsius. Maximum 5,8 Grad Celsius. Minimum 1,5 Grad Celsius. Erd­temperaturen in 10 Zentimeter Tiefe.am 16. Januar: abends 2,5 Grad Celsius; am 17. Januar: morgens 1,8 Grad Celsius. Niederschläge: 1,4 Millimeter Sonnenscheindauer: eine Viertelstunde.

Vom wasser eingeschlossen.

Nach einer Blättermeldung aus Landsberg an der Warthe sind die Bewohner von Annenaue und Ma- rienwiese seit einigen Tagen vom Wasser und Eis eingeschlossen. Infolgedessen mußten die Schulen bereits geschlossen werden. Weder Brief­träger noch Pfarrer können die Dörfer besuchen.

keine Radeln mit den Lippen halten!

Man sieht es noch so oft, daß Radeln mit den Lippen gehalten werden, um sie rasch wieder bei der Hand zu haben. Durch irgendeine Ursache kann unbewußt eine Schlingbewegung aus- gelost werden, so dah die Radel in den Gau­men gelangt. Aus Osterode im Harz wird ge­meldet, dah dort die 15 Jahre alte Tochter eines Bergmannes beim Sticken eine Radel in den Mund genommen hat und sie v e r s ch l u ck t e. Trotz sofort vorgenommener Operation ist das Mädchen unter furchtbaren Schmerzen ge­storben.

Versorgungsbehörden und VerwattungSreform.

Bei den kommenden Haushaltsberatungen des Reichstages soll auch die Frage der Ver­einigung der Versorgungsbehörden mit den Behörden der Reichsfinanz­verwaltung erneut zur Entscheidung gestellt werden. Wie man uns mitzuteilen bittet, hat der Z e n t r a l v e r b a n d deutscher Kriegs­beschädigter und Kriegerhinterblie- 6 e n e t in einer Eingabe an den Reichstag die dringende Bitte gerichtet, dafür Sorge zu tragen, daß die Selbständigkeit der Versorgungsbehörden aufrechierhalten bleibt. In der Begründung dieser Eingabe führt der Zentralverband u. a. aus, daß die Versorgungsbehörden soziale Auf­gaben zu erfüllen hätten und daher frei von jeder fiskalischen Einstellung sein mühten. Es müsse beachtet werden, dah gerade im Versorgungs­wesen ein starker Behordenabbau vorge­nommen worden sei. 11. a. sei die Zahl der Hauptversorgungsämter schon von 25 auf 14, die Zahl der Versorgungsämter von 312 auf 101 vermindert worden. Trotzdem sei ihr Aufgaben­kreis im Laufe der Jahre bedeutend gewachsen. Reben ihren früheren Aufgaben hätten sie heute auch noch das Kriegspersonenschäden- und Tu- multschädenge.eh sowie die Unfallversicherung für die Betriebe des Reiches mit durchzuführen. Rach einer vom Reichsarbeitsministerium ver­öffentlichten Uebersicht sei auch nicht etwa mit einer Abnahme, sondern sogar mit einer nicht unwesentlichen Steigerung derRentenanträge in den nächsten Jahren zu rechnen. Am 1. Oktober 1926 seien noch rund 63 000 unerledigte Renten­anträge vorhanden gewesen. Beim Reichsversor­gungsgerichte schwebten zur Zeit noch etwa 37 000 unerledigte Rekurse und bei den Versor­gungsgerichten schätzungsweise 80 000 unerledigte Berufungen. So hatten also die Versorgungs­behörden auch in den nächsten Jahren noch wich­tige Aufgaben zu erfüllen und es sei darum notwendig, daß jede Beunruhigung in diesen Behörden, wie sie durch die ständige Erörterung über deren Organisation entstünden, vermieden würden.

Oie Wetterlage.

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