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Paris
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Wien
beS Reiche«, die die Länder zu »ingrif- f en in die Selbstverwaltung nötigten. Betrachtet man die Verfassung von Weimar im ganzen, so hat zwar auch sie sich bemüht, Gegengewichte anzubringen, aber sie hat die Elemente fremder Verfassungen so unolücklichmiteinander vermischt, daß die neue Reichsverfassung einer Maschine gleicht, deren Räder nicht ineinandergreifen und miteinander wirken, sondern von denen jedes den Gang des an- deren stört. Der Redner behandelte weiter die Vor- und Rachteile des unitarischen und des föderativen Staates und die Frage des rechten Weges und der
Zurückführung der unilgrischen Bewegung auf das richtige TNah
und die richtigen Mittel. Hierzu sei notwendig:
1. Die Reichszuständigkeit in Gesetzgebung und Verwaltung soll nicht in die Grenzen des Jahres 1914 zurückgeführt werden. Aber auf der anderen Seite ist sie weit über die Grenzen des Rot- toenbigen und Zweckmäßigen hinausgegangen, und muh deshalb auf das richtige Mah zuruck- gebracht werden. Die Ueberschreituna der notwendigen Schranken durch das Reich ist allem daran schuld, daß Doppelarbeit und Leerläufe in der Verwaltung, und Reibungen und Gegensätze zwischen dem Reich und den Ländern entstanden sind. Die württembergische Regierung behält sich vor, eine besondere Denkschrift über diese Teile des Problems der Reichsregierung und dem Reichsrat vorzulegen. .
2. Der Reichsrat muh wieder eine ähnliche Stellung bekommen wie der Bundesrat der Bis- marckschen Verfassung, und wie sie der Senat in der amerikanischen Unionsverfassung hat.
3. Der Dualismus zwischendemReich und Preußen läht sich nur schwer beseitigen. Es fragt sich, ob der richtige Weg dadurch gefunden wird, dah man den Faden wieder zu- sommenknüpft, den die Weimarer Verfassung zerschnitten hat, also die organische Verbindung Preußens mit dem Reiche wiederher- stellt. Dies ist nicht mehr auf dem Wege der Dismorckschen Verfassung möglich, sondern nur auf die umgekehrte Art, daß nämlich der Reichspräsident gleichzeitig preußischer Staatspräsident und der R e i ch s- kanzler preußischer Ministerpräsi- d e n t ist. Ohne Beseitigung des reinen parlamentarischen Systems läßt sich aber diese organische Verbindung r t Herstellen. Das parlamentarische System darf aber kein Hemmnis sein, da die Allmacht des Parlaments sowieso einer Beschränkung bedarf. Das läßt sich am besten auf dem Wege erreichen, den die amerikanische Un onsocr assung cingeschla- gen hat, nach der die vom Präsidenten der Vereinigten Staaten ernannten Minister des Vertrauens des Parlaments nicht bedürfen. Will man aber daran festhalten, dah die Minister auch des Vertrauens der Parlamente bedürfen, so ist dies bann praktisch bestens noch in der Form möglich, dah sie abzutreten haben, wenn mindestens zwei Drittel der Abgeordneten ihnen das Vertrauen entzieht. Es ist notwendig, dem überragenden Einfluß, den die preußische Bevölkerung bet der Wahl des Reichspräsidenten und des Reichstages hat, ein Gegengewicht dadurch zu geben, bah Preußen im Verhältnis zu der Gesamtheit der Reichsratsstimmen auf die Zahl der Bismarckschen Reichsverfassung beschränkt wird.
Der notwendige Ilnanzfrieden zwischen dem Reich und den Ländern ist nur auf folgendem
Wege wiederherstellbar:
a) Die Anspruch« der Länder auf Abfindung für die von ihnen abgetretenen Bahnen, Post-, Steuer- und Zollgebäude sind bis jetzt nicht befriedigt worden. Die nötigen Vereinbarungen sollten sogleich in Angriff genommen werden.
b) Richts ist wohl verkehrter, als den Ländern ihre bisherigen Steuerquellen zu nehmen und sie dem Reich zuzuführen. Eine wirksame Abhilfe ist nur dadurch möglich, dah den Ländern die Finanzhoheit üb er die wichtig st en direkten Steuern zurückgegeben wird. Wenn einzelne deutsche Staaten auch bei richtiger Verteilung der Zuständigkeit von Reich und Ländern und bei richtiger Verteilung der Lasten und Einnahmen sich als nicht lebensfähig erweisen, so sollten sie nicht künstlich am Leben erhalten werden. Der freiwillige Anschluß an ein anderes deutsches Land ist zweckmäßig. Es muh dann aber dafür gesorgt werden, daß im Reichsrat eine Verschiebung der Machtverhältnisse stattfindet. Richts wäre verkehrter, als wenn der mächtigere Staat die kleineren seine Macht fühlen liehe, um sie mit diesem Mittel zur Aufgabe ihrer Selbständigkeit zu zwingen. Die Lage Deutschlands ist so, daß nur schnelle und gründliche Reform d e r V e r f a s s u n g es vor dem Wege einer abschüssigen Entwickelung bewahren könne. Man verkennt bas Wesen, namentlich der süddeutschen Bevölkerung, wenn man glaubt, sie lasse sich direkt ober indirekt zu Zugeständnissen zwingen, von deren Recht sie nicht überzeugt ist. Die Bevölkerung der süddeutschen Staaten ist dem Reichsgedanken treu ergeben, aber sie will nach ihren eigenen Gewohnheiten, Gefühlen und Idealen leben und wird niemals einen Zwang vertragen, von dessen Berechtigung sie nicht überzeugt ist. Weder in einem zentralisierten noch in einem dezentrali- fierten Einheitsstaat wird viel Rücksicht auf ihre Eigenarten genommen werden Sie befürchtet ferner, dah ihre wirtschaftlichen Interessen, wenn ihr Land zu einer von Berlin völlig abhängigen Provinz geworden ist, nicht mit derselben Sorgfalt und Liebe gepflegt und die Berlin näher gelegenen Reichsteile bevorzugt werden. Die in den einzelnen Staaten vereinigte Bevölkerung fühlt sich als eine einheitliche und selbständige Staatspersönlichkeit und ist, von Ausnahmen vielleicht abgesehen, nicht gesonnen, diesen Zustand preiszugeben. Rur die äußerste Vorsicht und die schleunige Rückkehr zu den Grundsätzen der Staatsweisheit, die Deutschland vor dem Kriege so groß gemacht haben, kann uns vor der Entwickelung zur Anarchie oder zur Diktatur bewahren.
der bayrische Ministerpräsident Dr. Held erstattete das erste Korreferat. Er betonte, dah er mit dem ersten Referenten des Tages (Bürgermeister Petersen) durchaus einig gehe in 6er Auffassung über den Kompromißcharakter der Weimarer -Verfassung zwischen Bundesstaat und Einheitsstaat, und ferner darin, dah man die Entscheidung darüber, wie die Weimarer Verfassung umzugestalten fei, nicht mehr lange hinausschieben dürfe. In dem Ziel
der Umgestaltung stehe er jedoch auf dem entgegengesetzten Standpunkt wie der erste Referent. Die Dominante bei der Forderung des Einheitsstaates bilde eine finanzwirtschaftliche Betrachtung mit dem Ergebnis, dah im Einheitsstaat große Ersparnisse in der Gesamtverwaltung möglich würden und eine Steuerentlastung für die gesamte Wirtschaft sich erreichen liehe. Man führe für den Einheitsstaat vor allem ins Feld, dah damit das Rebeneinander-, Gegeneinander- und Ueberein- ander-Regieren der einzelnen Län- der beseitigt werde, woran die Weimarer Verfassung schuld sein soll. Der wirkliche Grund für das mancherlei Durcheinander und Gegeneinander in Deutschland liege aber in der geistigen Zerrissenheit deS deutschen Volkes. Diese Zerrissenheit würde auch im Einheitsstaat nicht vermindert, sondern vermehrt. Die Form des Einheitsstaates wird gewöhnlich mit dem Hinweis auf die Gehälter der Landesminister und die Aufgaben der Landesparlamente begründet. Dabei wird verschwiegen, dah bei Beseitigung dieser Landeseinrichtungen sofort neue Organe und Behörden notwendig würden, deren Kosten nicht wesentlich geringer wären. Für den Einheitsstaat wird auch ins Feld geführt, dah die notwendige Ver- waltungsresorm nur im Einheitsstaat rationell durchgeführt werden kann. Dabei wird übersehen, dah die Vereinfachung der Verwaltung nur unter Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse der einzelnen Landesteile, nicht aber nach einem einheitlichen Schema für das ganze Reich durchgeführt werden kann. Wirkliche Ersparnisse könnten hier nur erzielt werden durch einen Abbau der Staatsausgaben. Man sollte daher von einer Umgestaltung der Reichsverfassung zum Einheitsstaat absehen und zunächst die Mängel der Weimarer Verfassung beseitigen. Wo der Wille zur Erhaltung der Eigenstaatlichkeit in einem Lande vorhanden ist, muh dabei aus dies Rücksicht genommen werden. Dieser Grundsatz muh insbesondere auch bei Beseitigung kleiner Länder unbedingt gewahrt werden. Ohne Verfassungsänderung würde sich für die Länder nur der Abschluß von Verwaltungsgemeinschaften unter den Ländern ermöglichen lassen.
Der Redner legt bann die verschiedenen Vorschläge zur Lösung dieses Problems dar und betont, bei einer Lösung des Problems, wie sie auch sein möge, müßten die Länder unbedingt folgende Forderungen erheben:
v e rfas s u ngsavtono m i e der Länder und ihre Sicherung, Gebietsaulonomie der Länder, Einschränkung der Gese hgeb ungs- rechte des Reiches, Sicherstellung der Län- derveiwaltung gegen Eingriffe der Reichsverwal- tung, Wiederherstellung einer größeren finanziellen Selbständigkeit der Länder, eine Ausscheidung der Steuerguellen. ein Jinanzausgleich, der die Erhaltung der Länder in ihrer Selbständigkeit erhöht, Aufgabe deJ Relchs- raks als Gefehgebungssakior. Jür eine durchgreifende Revision der Reichsverfafsung ist nach vielfach vertretener Ansicht die Zeit noch nicht gekommen. Vor allem aber komme in Betracht:
1. Eine Verabredung des Jinanzausgleich v, der den Landesinteressen wirklich Rechnung trägt.
2. (Ein Ausbau weiterer Zuständigkeit zugunsten der Länder auf der Grundlage der Augustoereinbarungen des Jahres 1922. Auch eine wirtschaftliche JSrderu ng der Lander in bezug auf die Beschaffungsweise für Heer und Verkehrswesen fonnte'ofjne weitere» vom Reich au» Rechnung getragen werden, die geradezu unerklärliche Zentralisierung des Geld - und Kreditwesens in Berlin mühte im Wege der Vereinbarung zwischen Reich und Landern beseitigt werden. Die Zentralisierung der Quellengebiete würde eine Verödung der jetzt bestehenden deutschen Kulturzentren bedeuten. Der gesunde Wettbewerb der einzelnen Staaten und Stämme im Deutschen Reich ist nicht möglich, wenn die einzelnen Landesteile im Einheitsstaate von einer Zentrale abhängig werden, deren Entscheidungen und Weisungen sie sich zu fügen hätten.
Oer Wohnungsbau.
Ncichtzarbeitsminister Dr. Branns im Haushaltsausschutz.
Berlin, 16. Ian. (V. D. Z.) Der Hau-s- haltsawsschuß des Reichstags setzte die Einzelberatung des Haushalts des ReichÄarbeils- ministeriums fort beim Abschnitt „W ohnungs- und S i edInn g s wes en". — Abg. Lipinski (Doz.) begründet einen Antrag, die Regierung zu ersuchen, ein Wohnungsbauprogramm mit dem Ziel vorzulegen, spä- testsns in 10 Jahren den alten und neuen Wohn uns sbedarf zu decken und für die Durch- führungAes Programms die nötigen Mittel für Hypotheten ufto. bereitzustellen. 300 000 Wohnungen seien jährlich in dem nächsten Jahrzehnt zu bauen. — Reichsarbeitsmini st er Dr. Brauns erklärt: Einen festen Plan für mehrere Jahre biS ins einzelne aufzustellen, ist zur Zeit unmöglich, weil niemand die Entwickelung des Kapitalmarktes für den Wohnungsbaumarkt voraussehen kann. Man steht dort jedes Jahr vor neuen Ueberrasch-ungen. In der Frage der Auslandanleihen für diese Zwecke stehen wir nicht auf dem Standpunkt des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht, Wir werden in unseren Bemühungen fortfahren, daß solche Kredite für diese Zwecke beschafft werden können. Ebenso betreiben wir die Frage der Typisierung und Verbilligung des Baues. Der Index von 175 ist zu hoch. Für die Beschaffung von Landarbeiterwohnungen schweben Verhandlungen mit den beteiligten Ressorts, namentlich mit dem Reichsernährungsministerium. In das Arbeitsbeschaffungsprogramm hatten wir 30 Millionen Mark für diese Zwecke aufgenommen. Die Förderung der Landarbeitersiedelungen mit Hilfe der produktiven Erwerbslosenfürsorge verfolgen wir eifrig weiter. Lieber die Siedelungen im Westen schweben Verhandlungen mit Preußen.
Arbeitszeit- und Lohnbewegung im Ruhrbergbau.
Essen, 16. Ian. (WTB.) Gestern fanden im Ruhrgebiet etwa 40 Mitgliederversammlungen des Gewerkvereins Christlicher Bergarbeiter statt, die die auf der Essener Bezirkskonferenz einftimmig angenommenen Entschließungen ebenfalls annahmen. In dieser Entschließung
ersucht He Dezirkskonferenz die Hauptverwaltung, unverzüglich mit den übrigen Organisationen der Arbeitsgemeinschaft der Bergarbeiteroerbände Verhandlungen über die baldige Kündigung des Mehrarbeits-Abkommens aufzunehmen, dessen zwischentarifliche Regelung vom Bergbau ab- gelehnt worden war, und sie hofft, von der Leitung des Gewerkvereins, baß eine verkürzte A r - beitszeit baldmöglichst einaeführt und eine der Teuerung entsprechende Lohnerhöhung erfolgt. Der alte Verband wird am kommenden Sonntag in Bochum zu den obigen Fragen gleichfalls Stellung nehmen.
Die panamerikanische Konferenz.
Eoolidge für eine „angemessene" Rüstung.
Havanna, 16. 3an. (WB.) Der Präsident von Kuba. M a ch a d o , erklärte in einer Ansprache, mit der er Präsident Eoolidge und die Delegierten der panamerikanischen Konferenz bewillkommnete, nichts könne die Strömung aufhalten die die Geschicke der w e st l i ch e n Hemisphäre auf rechtlichen Grundlagen, die für die Erhaltung des Friedens unerläßlich seien, in einer brüderlichen Vereinigung zusammen- z u f a s s e n suche.
Der Präsident der Vereinigten Staaten von Rordamerika, Eoolidge. verlas dann die Er- öffnunr-sbotschaft. Die Bevölkerungen deik amerikanischen Staaten seien besser imstande, sich selbst zu regieren, als andere regieren zu lassen. Rtemals würden die Völker Amerikas militärischem Machthunger zum Opfer fallen. Rie- mals habe man große militärische Einrichtungen zur Unterdrückung anderer Rationen unterhalten. „Wir sind," so erklärte Eoolidge, „für angemessenes Gerüstetsein im Interesse der nationalen Verteidigung: denn wir glauben, dah diejenigen Rationen sich ins Verderben stürzen, die militärische Dinge vernachlässigen oder ihnen gleichgültig gegenüberstehen." Aber es sei ein großer Unterschied, ob maxr rüste, um wohlerworbene Rechte zu verteidigen, oder ob man sich nur auf rohe Kraft stütze, anstatt an die Vernunft zu appellieren. Dynastische Kriege, wie sie die Alte Welt erlebt habe, seien in Amerika unmöglich. Die Kriege Amerikas während der letzten 150 Jahre seien fast ausschließlich zur Sicherstellung der Unabhängig- keit und Freiheit der Menschheit geführt worden. Jede Demokratie sei friedliebend, weshalb es auch gelungen sei. den Frieden unter den ameti- kani.chen Republiken so lange Zeit zu bewahren. Das amerikanische Flottenbauprogramm
Im Mrineausschuß angenommen.
Washington, 16. Ian. (WB.) DerMarine- oüsschuh des Repräsentantenausschu.ses nahm die in der Regierungsvorlage geforderten Schisfsbaukredite in Höhe von 740 Millionen Dollar an. Er trat jedoch für eine Festsetzung der Bauzeit, die das Mari.eämt absichtlich offengelassen hatte, ein. Die vo : Repräsentantenhaus befürworteten Fristen sind fünf Jahre für die Kiellegung und acht Jahre für die Beendigung aller Bauten. Das Haus strich die im Entwurf vorgesehene Ermächtigung, im Falle einer internationalen Marinekvnferenz das Bauprogramm ganz oder teilweise zu streichen. Im Anschluß wurde erklärt, man verspreche sich wenig von zukünftigen Konferenzen. Zudem könne Amerika nur mit einer wirklich gleichwertigen oder besseren Flotte die anderen Konferenzteilnehmer veranlassen, Kompromisse einzugehen.
Japan und die amerikanischen Klottctibaupläne.
London, 16. Jan. (TU.) Wie aus Tokio gemeldet wird, beschäftigt sich die japanische Presse in großer Ausführlichkeit mit den Flottenbauplänen des amerikanischen Marineministeriums. In den Kommentaren, die zum Teil recht sarkastisch sind, wird darauf hingewiesen, daß Amerika mit der einen Hand einen Antikriegspa. t präsentiere, w ih.e d es in der andern ein Rustungvpro - gramnt halte. Persönlichkeiten der japanischen Marine erklären, dah die japanischen Flottenbaupläne durch die amerikanische Entscheidung nicht beeinflußt würden. In diesen Kreisen betont man auch mit starker Zurückhaltung, dah vorläufig abzuwarten bleibe, ob der Kongreß dem amerikanischen Marineminister auf dem vorgezeichneten Wege folgen werde.
Aus aller Wett.
Das Unglück auf der Bölklinger Hütte.
Don dem Llnglück auf der Bölklinger Hütte sind insgesamt 17 Personen betroffen worden, von denen zwei auf der Stelle tot waren, während fünf weitere inzwischen ebenfalls ihren Verletzungen erlegen sind. Die Llrsache des Unglücks ist aller Wahrscheinlichkeit nach aus eine Kohlenstaubexplosion zurückzuführen. Die Ausbesserung des Hochofens dürste voraussichtlich bis Ende dieses Monats dauern. Durch die Explosion wurden verschiedene Rohrleitungen zerstört, wodurch die Hochofenanlage, das Stahlwerk und das Walzwerk zeitweilig völlig außer Betrieb gesetzt wurden. Doch werden Stahlwerk und Walzwerk von morgen an die Arbeit wieder aufnehmen.
Herzog Bernhard r n Sachsen-Meiningen f.
In Meiningen oerfd nach längerem Leiden der ehemalige Herzog Bernhard von Sachsen-Meiningen. Herzog Bernhard wurde 1851 als Sohn des Her- zogs Georg II. und dessen erster Frau, Prinzessin El;arlotte von Preußen, geboren und folgte 1914 seinem verstorbenen Vater in der Regierung. Rach Ausbruch der Revolution verzichtete er nm 10. November 1918 auf den Thron und lebte seither zurückgezogen auf seinen Schlossern. Herzog Bernhard widmete sich von jeher mit Eifer den schönen Künsten, insbesondere der Musik und Literatur. Seine Uebertraguna der „Perser" des Aechylos ist wiederholt aufgeführt worden. Die Breslauer Universität ernannte ihn zum Ehrendoktor der Philosophischen Fakultät.
Jranz-Schuberl-Gedächtnislag in Amerika.
Unter Vorsitz von Otto Kahn hat sich in Reuyork ein Ausschuß aus Vertretern der ilni- versitäten, der Geistlichkeit und der Kunst- und Geschäftswelt gebildet, um eine würdige Begehung des 100. Todestages Franz Schuberts in die Wege z.u leiten, dessen Werke in über I 1000 Städten zu Gehör gebracht werden sollen.
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Wettervoraussage.
Das Rordseetief zeigt geringe südöstliche Verlagerung und weitere Auffüllung. Gleichzeitig hat der hohe Druck über Rordeuropa kräftig angenommen und sich weiter südwärts ausgebreitet. Infolgedessen wird die verstärkte Kaltluft- xufu.hr auch bei uns die Temperaturen sinken lassen. Es ist nicht ausgeschlossen, dah sie in der kommenden Rächt schon in tieferen Lagen unter Rull liegen werden. Linker weiterer Zunahme der Kaltlust dürfte die Schlechtwetterperiode der letzten Zeit zunächst beendet fein, so dah die auf dem Atlantischen Ozean sich befindenden Störungen vorläufig keinen Einfluh gewinnen werden.
Wettervoraussage für Mittwoch: Wolkig, auch vielfach aufheiternd, Temperaturen um Rull und darunter, nur vereinzelte Riederschläge als Schnee nicht ausgeschlossen.
Witterungsaussichten für Donnerstag: Meist trockenes Wetter und weiteres Sinken der Temperaturen wahrscheinlich.
Lufttemperaturen am 16, Januar: mittags 5,6 Grad Celsius, abends 5 Grad Celsius; am 17. Januar: morgens 4,6 Grad Celsius. Maximum 5,8 Grad Celsius. Minimum 1,5 Grad Celsius. — Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe.am 16. Januar: abends 2,5 Grad Celsius; am 17. Januar: morgens 1,8 Grad Celsius. — Niederschläge: 1,4 Millimeter — Sonnenscheindauer: eine Viertelstunde.
Vom wasser eingeschlossen.
Nach einer Blättermeldung aus Landsberg an der Warthe sind die Bewohner von Annenaue und Ma- rienwiese seit einigen Tagen vom Wasser und Eis eingeschlossen. Infolgedessen mußten die Schulen bereits geschlossen werden. Weder Briefträger noch Pfarrer können die Dörfer besuchen.
keine Radeln mit den Lippen halten!
Man sieht es noch so oft, daß Radeln mit den Lippen gehalten werden, um sie rasch wieder bei der Hand zu haben. Durch irgendeine Ursache kann unbewußt eine Schlingbewegung aus- gelost werden, so dah die Radel in den Gaumen gelangt. Aus Osterode im Harz wird gemeldet, dah dort die 15 Jahre alte Tochter eines Bergmannes beim Sticken eine Radel in den Mund genommen hat und sie v e r s ch l u ck t e. Trotz sofort vorgenommener Operation ist das Mädchen unter furchtbaren Schmerzen gestorben.
Versorgungsbehörden und VerwattungSreform.
Bei den kommenden Haushaltsberatungen des Reichstages soll auch die Frage der Vereinigung der Versorgungsbehörden mit den Behörden der Reichsfinanzverwaltung erneut zur Entscheidung gestellt werden. Wie man uns mitzuteilen bittet, hat der Z e n t r a l v e r b a n d deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegerhinterblie- 6 e n e t in einer Eingabe an den Reichstag die dringende Bitte gerichtet, dafür Sorge zu tragen, daß die Selbständigkeit der Versorgungsbehörden aufrechierhalten bleibt. In der Begründung dieser Eingabe führt der Zentralverband u. a. aus, daß die Versorgungsbehörden soziale Aufgaben zu erfüllen hätten und daher frei von jeder fiskalischen Einstellung sein mühten. Es müsse beachtet werden, dah gerade im Versorgungswesen ein starker Behordenabbau vorgenommen worden sei. 11. a. sei die Zahl der Hauptversorgungsämter schon von 25 auf 14, die Zahl der Versorgungsämter von 312 auf 101 vermindert worden. Trotzdem sei ihr Aufgabenkreis im Laufe der Jahre bedeutend gewachsen. Reben ihren früheren Aufgaben hätten sie heute auch noch das Kriegspersonenschäden- und Tu- multschädenge.eh sowie die Unfallversicherung für die Betriebe des Reiches mit durchzuführen. Rach einer vom Reichsarbeitsministerium veröffentlichten Uebersicht sei auch nicht etwa mit einer Abnahme, sondern sogar mit einer nicht unwesentlichen Steigerung derRentenanträge in den nächsten Jahren zu rechnen. Am 1. Oktober 1926 seien noch rund 63 000 unerledigte Rentenanträge vorhanden gewesen. Beim Reichsversorgungsgerichte schwebten zur Zeit noch etwa 37 000 unerledigte Rekurse und bei den Versorgungsgerichten schätzungsweise 80 000 unerledigte Berufungen. So hatten also die Versorgungsbehörden auch in den nächsten Jahren noch wichtige Aufgaben zu erfüllen und es sei darum notwendig, daß jede Beunruhigung in diesen Behörden, wie sie durch die ständige Erörterung über deren Organisation entstünden, vermieden würden.
Oie Wetterlage.
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