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Aus der Provinzialhaupistadi.
Gießen, den 17. Januar 1928.
Mehelsuppe auf dem Lande.
Das ist.für manchen so etwcrs wie — ein lyrisches Gedicht. Während des Krieges wurde man manchmal sehr neidisch, wenn uns ein Freund erzählte, daß er zur Metzelsuppe eingeladen worden sei und daß er — die Hauptsache — auch ein „Päckchen" dabei mit nach Hause gebracht hätte. Das war jene Zeit, in der alle Schweine gewogen werden mutzten, damit der Amtsschimmel besser „rationieren" konnte. Das waren ernste Zeiten und doch auch wieder nicht.
Aber die heutige Mehelsuppe hat lange nicht mehr die Poesie wie vor 30 bis 40 Jahren. Es geht alles viel schneller und zweckmäßiger. Die Maschine verdrängt auch hier die Handarbeit.
Während früher der Hausmetzger nur ein Schwein am Tage erledigte, nimmt sich der heutige Schlächter gleicht 2 bis 3 vor. Er rennt dann von Haus zu Haus, und von einer geruhsamen Mehelsuppe ist kaum die Rede.
Wie war es doch früher? 2m ersten Morgengrauen wurde das Schwein aus dem Stall« geholt, und bald verkündete das laute Schreien den Anfang des wichtigen Tages. Wir Kinder durften dabei das Schwänzchen halten, d. h. dann, wenn alles vorbei war. War das Tier ausgenommen und zerlegt, dann setzte die Arbeit der Rachbarn und guten Freunde ein. Man hatte ja noch keine Fleischmaschine. Auf dem Hackbrett wurde mit scharfen Hackmessern das Fleisch zerkleinert, das Gewürz usw. Das war für uns eine köstliche Musik. Dann kam ein gutes Frühstück. älnd erst das Wurstmachenl Wenn sich so eine meterlang« glänzende Wurst aus der Ma- schine — die hatte man schon — herauswandt Wie staunte man da, und andächtig wurde jede Dewegung des Metzgers verfolgt. Am Abend aber kam erst die Hauptsache, die Metzelsuppe. Da war die gesamte männliche Verwandtschaft eingeladen, dazu Freunde und Rochbarn. Oft über 30 Personen. Es gab ein« kräftige Suppe, Fleisch und Meerrettich und dann von der neuen Bratwurst. Dah dabei oft sehr viel gegessen wurde, ist klar. Lind als einst ein Mann ein, kleines Schweinchen geschlachtet hatte und die Mehelsuppsgäste sich sehr gütlich getan hatten, wollte er ihnen beim Heimweg mit der Laterne leuchten. „Ist nicht nötig, wir finden den Weg schon." „Ich will ja nur meinem Säuchen heimleuchten," erwiderte der Mann, denn das meiste war an diesem Abend gegessen worden. Rach dem Essen zogen die geladenen Gäste meist zu einem guten Trunk in das Wirtshaus. Wix Kinder kamen ins Bett. Wir wußten aber, daß die Gäste noch einmal gegen Mitternacht zurückkehrten. Dann gabs Kaffee und Kuchen. Einige Tage später wurden dann die weiblichen An-' gehörigen eingeladen. Auch dabei ging es hoch her.
Heute merkt man nicht mehr viel von der Mehelsuppe. Das einförmig« Tack-tack der Hackmesser ist verschwunden, gerade d i e Musik, die uns ankündigte, daß in dem Hause geschlachtet wurde. Wir zogen dann am Abend hin, stellten uns ans Fenster und sangen:
Ich hab gehört, ihr hält' geschlacht' und hätt' so lange Wurst gemacht. Gebt mir von den langen, laßt die kurzen hangen.
Gab's auch keine Wurst, so trug's uns doch ein Stück Kuchen ein, unö das war immerhin schon etwas.
Schade, daH diese Zeiten vorbei sind! L.
Unsere Anlagen als Lehrstoff.
Man schreibt uns: Eine Wanderung durch die städtischen Anlagen und den Alten Friedhof in Gietzen gibt mir Veranlassung, auf die an den dortigen Bäumen und Sträuchern in sichtbarer Weise angebrachten Ramens- bezeichnungen in schöner lesbarer Aufschrift des botanischen und deutschen Ramens, sowie des Heimatlandes der Airpflanzungen hinzuweisen. In erster Linie bietet diese Reuerung dem Fachmann und insbesondere der gärtnerischen Berufsschule mit ihren 40 Schülern Vorteile, die aufrichtig anerkannt werden. Dank und Anerkennung sei darum hier denen gesagt, die sich um diese Benennung bemüht und sie gefördert haben: der Be ru f ssch u l le i tung, der Stadtverwaltung und ganz besonders dem Garteninspektor L R. Fried. Rehnelt.
Diese Zeilen sollen aber eine weitere Anregung geben, nämlich ob es nicht möglich wäre, daß auch die anderen Schulleitungen sich diese Einrichtung zunutze machen könnten. Es ist doch für unsere Jugend nichts wissenswerter als das, was im Haushalt der Ratur vor sich geht. Dies durch eigene Anschauung zu sehen und zu beobachten ist für das Kind von ganz besonderer Bedeutung, oem es zugute kommt, wenn es das, was es hier an Gehölzen sieht, gründlich kennen
lernt. Das auf diese Weise Gelernte haftet für baS ganze Leben. Auch die weibliche Jugend findet an den Bäumen, Sträuchern usw. eine gute Lehre. Die Schulleitungen werden fragen, wie ich mir diese Exkursionen denke? Die einsachste Lösung wäre wohl die, einen Leitfaden, der unsere städtischen Anlagen und ihre Pflanzenschätze verzeichnet und deren Eigentümlichkeiten bekanntgibt. dem Lehrkörper zur Verfügung zu stellen. Vielleicht würde auf Ersuchen Herr Garten« inspektvr R e h n e l t dies« Aufgabe bearbeite», sollten jedoch keine-Mittel hierfür zur Verfügung stehen, so würde vielleicht die Bezirksgruppe Gießen des Landesverbands Hessen-Darmstadt im Reichsverband des Deutschen Gartenbaues geeignete Kollegen zur Verfügung stellen und die Führung übernehmen. Jedenfalls würde sich bei gutem Willen auch ein Weg finden.
Weiter ist es auch für erwachsene Personen sehr wissenswert, welche Schätze unsere Anlagen bieten, ist es doch erstaunlich, welche Menge an älnkenntnis hierüber herrscht. Denn eS kommt sehr häufig vor, daß selbst gebildete Menschen einen Buchenbaum nicht von einem Lindenbaum unterscheiden formen.
Zum Schlüsse gestatte ich mir eines Mannes zu gedenken, der Schöpfer und ausführender Teil unserer schönen städtischen Anlagen ist. Es ist der in unserer Stadt noch in bester Gesundheit und Rüstigkeit lebende ehemalige Stadtgärtner I o h. Balser, der sein« mit großem Ver < ständnis und Liebe gepflanzten Gehölze nach einem Menschenalter in herrlicher Pracht sich entfalten sieht und der sich hofsentlich noch recht lange an dieser Schönheit erfreuen kann. B.
Heinrich Neeb.
Zur 50. Wiederkehr seines Todestages 18. Januar 1878.
Heinrich Adam R e e b starb am 18. Januar 1878 zu Frankfurt a. M. Ein halbes Jahrhundert ist seit diesem Tag verflossen, und noch hertta lebt der Rome in dem stattlichen Männerchor, der in Frankfurt a. M. den Rainen R e e b s ch e r Männerchor trägt. Der junge Reeb, der 1805 zu L i ch geboren wurde, kam nach Frankfurt und gründete zunächst im Jahre 1858 das Reebsche Quartett, dessen Mitgliederzahl sich auf 24 beschränkte. Später erfolgte am 1. August 1865 die Gründung des Reebschen Männerchors, in dem dann das Reebsche Quartett aufging. Es war dies am 30. Dezember 1866. Die Gründung des Reebichen Männerchors wird in der bekannten Sängerbibliothel von Peter Schneider als eines der bemerkenswertesten Ereignisse des betreffenden Jahres gekennzeichnet. Reeb führte seinen Verein zu großen Erfolgen, denn er ist nach Scheible und Schnhder einer der markantesten Chormeister der Stadt Frankfurt gewesen. Schon Int Jahre 1830 hat er als ganz junger Mensch in Paris den ersten deutschen Männerchor ..Germania" gegründet, und er zeigte sich damals schon als ein Meister des Massenchors. Reeb, der auch als Männerchor- und Opernkomponist hervorgetreten ist, mußt« am 7. Februar 1874 die Stabführung seines geliebten Chores niederlegen, da er ernstlich erkrankt war. 1878 erlöste ihn der Tod; er wurde am 20.2a»1 nuar 1878 auf dem Frankfurter Friedhof beigesetzt. Reeb war Ehrenmitglied und Meister des Freien Deutschen Hochstifts, in dessen Besitz sich auch sein schriftlicher Nachlaß befind«!. 2n der „Reebstistung" zur Llnterstützung hilfsbedürftiger Tonkünstler bleibt sein Rame ebenso wie in seinem Reebfchen Männerchor der Rachwelt auch fernerhin erhalten. An seiner Ruhestätte, Frankfurter Friedhof, Gewann), linker Teil, dritter Querweg, setzten ihm die „verbündeten" Frankfurter Gesangvereine ein großes Sandstein- denkmal mit Relies mit einer Lyra gekrönt. Der Reeb'che Mannerchor wird am Todestage seines Gründers durch Riederlegung einer Kranzspende an seiner Ruhestätte seiner ehrend gedenken.
Daten für Mittwoch. 18. Januar.
Sonnenaufgang 7.58 Uhr, Sonnenuntergang 16.23 Uhr. Mondaufgang 3.58 Uhr, Mondunterganq 12.42 Uhr. — 1689: Der philosophische Schriftsteller Monte- quieu in La Bröde bei Bordeaux geboren (gestorben 1755); 1701: Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg nimmt als König von Preußen den Namen Friedrich I. an; Stiftung des Schwarzen Adlerordens; 1871: Proklamation von Versailles. Wilhelm I., König von Preußen, wird Deutscher Kaiser.
Gretzener Wochenmarktpreise
am 17. 2anuar 1928 (Händlerpveise).
Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter Pfd. 1,40 bis 1,60; Matte 30 bis 35; Käse 10 Stück 0,60 bis 1,40; Wirsing 25 bis 30; Weißkraut 18 bis 20; Rotkraut 25 bis 30; gelbe Rüben 15; rote Rüben 15; Spinat 40 bis 50; Unter-Kohlrabi 10; Grünkohl 25; Rosenkohl 50 bis 60; Feldsalat 1,50; Tomaten 1,20; Zwiebeln 20; Meerrettich 40 bis 80; Schwarzwurzeln 40 bis 60; Kartoffeln 5 bis 5'/?: Aepfel 12 bis ■ssamtaEEaaaHBnBMBiRVBUMmasraisBnESMnBa
20; Dirnen 10 bis 15; Honig 45 bis 50; Gänse 1,00 bis 1,10; Rüsse 50 bis 90; Eier Stück 17 bis 18; Blumenkohl 0,60 bis 1,40; Salat 40; Lauch 5 bis 15; Rettich 10 bis 30; Sellerie 10 bis 60.
Bornotizen.
— TageskalenderfürDienstag. Stadt- theater: 7.30 Uhr, „Der Revisor" (Ende gegen 10 Uhr). — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „U 9". — Astoria-Lichtspiele: „Drei mal Dreizehn".
— ®ie VortragS-Vereinigung hat, wie man uns schreibt, für kommenden Freitag den großen deutschen Vortragsmeister Ludwig Hardt zu einem Vortragsabend „Grotesken und zehn Berliner Schauspielerporträts" gewonnen. Die Vortrags-Vereinigung dürfte mit dieser Veranstaltung den künstlerischen Höhepunkt ihres dieswinterlichen Bortrogsprogramms bringen. Die nicht oft gebotene Gelegenheit, diesen großen Vortragskünstler in unserer Stadt kennen zu lernen, dürfte einen starken Besuch erwarten lassen. (Siehe heutige Anzeige.)
*• Miserabler Zugang zum Güterschuppen. Wer in den letzten Wochen zum Güterschuppen gehen muhte, wird erstaunt gewesen sein über den Zustand der dorthin führenden Straße und der Fußsteige. Dis zur Eisenbahnüberführung der Wieseck ist es noch einigermaßen erträglich, int übrigen aber empfiehlt es sich, wasserdichtes hohes Schuhwerk und die ältesten Kleider anzuziehen. denn durch die Abfuhr von Kohlen und sonstigen Gütern, die bei der schlechten Pflasterung viel Abfall verursacht, bildet sich bei Regenwetter Schlamm, der auf der ausgefahrenen Straße stehen bleibt und bei der Durchfahrt von Kraftwagen in weiten Bogen auseinanderspriht. 2st man endlich zum Güterschuppen selbst gelangt und will man noch darüber hinaus zu den südlich gelegenen Ausladegeleisen oder Lagerschuppen, so weih man hier vor noch viel größerem Schmutz und noch mehr Pfützen weder ein noch aus. Da es hier an einem Fußsteig fehlt, ist nur ein sprungweises Vor- wärtskommen zwischen den Schienen des ausgefahrenen Bahnkörpers der Bieberlalbahn möglich, oder man muh in Kauf nehmen, bis übev die Knöchel im Schlamm waten zu müssen. Soweit uns bekannt, ist die Reichsbahn für die Reinigung dieses Straßenzuges zuständig. Es dürfte angesichts des sich täglich dort abspielenden tarken Fußgänger- und Fuhrwerksverkehrs, be- onders bei Regenwetter, eine öftere und inten» ivere Reinigung zu fordern fein.
** Die Feuerwache im Jahre 1927. Im verflossenen Jahre wurde die städtische Feuer- waci-e insgesamt 130 mal in Anspruch genommen. Davon betrafen die Alarmrufe: 27 Kleinfeuer, 6 Zimmerbrän'de, 2 Kellerbrände, 6 Kaminbrände, 1 Waldbrand, 5 blind« Alarme, 67 Unfuge, 12 sonstige Hilfeleistungen, 2 Probealarme (1 in der Stadt, 1 auswärts) und 2 auswärtige Brände.
** Städtische Drennholzversteige- r u n g. Bei der gestrigen Brennholzversteigerung der Stadt Giehen beim Forsthaus Hochwart wurden folgende Durchschnittspreise erzielt: Buchenscheiter 17 Mk., Eichenfcheiter 11 Mk., Buchenknüppel 10,80 Mk., Eichenknüppel 8 Mk., Buchenstöcke 7 Mk., Eichenstöcke 5,50 Mk. je Raummeter; Duchenreisig 27 Mk., Eichenreisig 12,50 Mk. je 100 Wellen.
•* D i e Submission für di« Maurer» arbeiten für em zweites Unteroffi- zier-Wohngebäude am Kugelberg hatte folgendes Ergebnis: 1. Birtenstock & Schneider (Gießen) 39 986 Mark, Martin Abevmann (Gießen) 40 109 Mark, Bauunternehmer Carl Wehrum (Gießen) 40 613 Mark, Baugeschäft ch. W. Rinn (Gießen 40 886 Mark, Gesellschaft für Beton- und Eisenbetonbau (Gießen) 41331 llstark, Baugeschäft Müller (Wetzlar) 41 866 Mark, Georg Becker (Gießen) 42 286 Mark, Bauhütte (Gießen) 42 335 Mk. Nach der Erteilung des Zuschlages soll sofort mit dem Bau, der zwölf Wohnungen enthält, begonnen werden.
** Besitzwechsel. Die Firma S. Rosenau in Wetzlar/Hachenburg hat das Geschäftshaus der Firma Fritz Nowack im Seltersweg erworben, um darin im Frühjahr ein modernes Kaufhaus zu eröffnen.
** Fleischpreisabschlag. Die Fleischer- Innung Gießen gibt im heutigen Anzeigenteil bekannt, daß sie den jetzigen Einkaufs- und Zeitverhältnissen entsprechend einen Abschlag der Fleisch- und Wurstpreise hat eintreten lassen.
** Grenzwissenschaftliche Bibliothek. Studienrat Dr. König teilt uns mit: 2m Historischen Seminar der Universität (Bismarkstraße 16) hat eine grenzwissenschast- liche Bibliothek von vorläufig 120 Bänden Aufstellung gefunden, die nicht nur den Studierenden, sondern auch der Bürgerschaft Gießens zur Verfügung stehen soll. 2eder, der sich über Die Probleme des deutschen Volks- und Kulturbodens außerhalb der Reichsgrenzen, sowie über die Zustände bei den benachbarten Fremdvölkern
unterrichten möchte,' wird hier neueste Literatur finden. Die Ausleihe findet am Mittwoch von 12 bis 1 Uhr statt.
•* Vermißt wird seit dem 11. Januar, abends 9 Uhr, die Elisabethe Alexander, zuletzt in Gießen, Crednerstraße 6 in Stellung. Das Mädchen wurde am 3. Februar 1904 zu Offenbach geboren. Es ist zirka 1,70 Meter groß, schlank, hat dunkelblonde Haare, trug dunkelgestreiftes Kleid, Hellen, gestreiften Wintermantel, schwarze Strümpfe und schwarze Spaiiaenschuhe. Personen, die über den Berbleib der Vermißten Auskunft geben können, werden ersucht, die Kriminalpolizei Gießen zu verständigen.
** Fe st genommener Schwindler. Am 31. Oktober v. I. mietete in der Löwengasse ein angeblicher Monteur H. Mü Iler ein Zimmer auf ein Vierteljahr unter dem Vorgeben, er sei bei der Firma Holzmann beschäftigt und arbeite am Neu- städter Viadukt. Am gleichen Abend besuchte er eine in demselben Hause wohnhafte alte Frau und fragte, ob sie ihm einen Hundertmarkschein wechseln könne. Da die Frau nicht soviel Geld hatte, sagte Müller, sie solle ihm geben, was sie hätte, sie könne sich am anderen Tage das Geld bei seiner Mieterin holen. Da der Mensch aufdringlich wurde, gab ihm die alte Frau 24 Mark. Müller verschwand damit auf Nimmerwiedersehen. Als Täter wurde nun der Schneider Jonas Ochs, geboren am 10. Oktober 1881 zu Kastel, ermittelt. Er befindet sich in Koblenz in Strafhaft.
** Feuerwehrkursus. Am Sonntag land im Saalbau Sauer der zweite Kursus der Kommandanten und Führer der Freiwilligen Feuerwehren des Kreises Gießen statt. Regierungsassessor Güngerich eröffnete den Kursus mit einer Begrüßung der Vertreter der Feuerwehren. Zunächst hielt Branddirektor Braubach (Gießen) einen Vortrag über die „Brandbekämpfung und das Rettungswesen. Angriffstechnik, Jnnenangriff, Rohr- führerdienst und Anfahren der Löschgeräte". Der Vortragende schilderte die Aufgaben, die der Feuerwehrmann bei einem Brandausbruch zu beobachten hat. Inzwischen war der Präsident der Landesbrand- versicherungskammer, Geheimer Rat von Hahn, eingetroffen, der von Regierungsassessor Günge- r i ch begrüßt wurde. Sodann folgte der zweite Vortrag über „Besondere Brände: Kellerbrand, Stockwerks- und Dachstuhlbrände, Scheunenbrände, Stroh- und Heuhaufen, Turmbrändc, Balken- und Schornsteinbrände, Mühlen-, Fabrik- und Waldbrände", der von Brandinspektor Wenzel gehalten wurde. Branddirektor Braubach sprach bann über „Besonderes Verhalten bei Gasleitungen, elektrischen Starkftromanlaaen usw., Mineralölbränden, Karbidbehältern, Zelluloid, Filmen usw.: erste Hilf« bei Unglücksfällen und Gebrauch von Handfeuerlöschern". Der Vortragende gab viele praktische Hinweise, mit welcher Vorsicht man derartig« Brände bekämpfen müsse. Nach der Mittagspause folgte die gestern gemeldete Uebung der bei den hiesigen Wehren an der Zchill.'rschule. Daran schloß sich im Unterrichtslokal Saale .a Sauer die Kritik iiver die Uebung an, die Branddirektor Braubach hielt. Als letzter sprach noch Brandmeister Betz über „Pfleg«, Unterhaltung und Aufbewahrung der Schläuche", wobei er sehr wertoille Winke gab. Dann schloß sich ein« Schlußdebatt« an, bei der noch Anfragen über di« Vbrträg« folgten. Geh. Rat von Hahn berichtete schließlich noch über die Landesfeuerlöschkaste, über Gewährung von Beihilfen bei Beschaffung von Löschgeräten usw. Nachdem Kreisfeuerwehr -Jnsvektor Dickorö und Branddirektor Braubach noch einige Auskünfte erteilt hatten, schloß Regierungsassessor Gü ngc - r i ck den Kursus.
Hessischen Diakonie - V «rein wurde zugunsten der Alters-, Kranken- und Er- holungssürsorge seiner Schwestern eine Lotterie genehmigt. Die Ziehung findet bestimmt am 26. Januar In Darmstadt öffentlich statt. 2n Anbetracht des guten Zweckes darf wohl auf Unterstützung dieses Unternehmens gerechnet werden. Der Lospreis betragt nur 1 Mk., es werden inte Geldgewinne ohne jeden Abzug zur Auslosung gebracht. Wir verweisen im Übrigen auf die Anzeigen.
Berliner Börse.
Berlin, 17. Jan. (WTB. Funkspruch.) Das Geschäft ist auch heute früh wieder sehr still bei behaupteten Kursen, die Tendenz abwartend. Die feste Haltung einiger Spezialwerte dürfte den übrigen Märkten eine Stütze bieten. Man nennt bisher Farben mit 275 und AEG. mit 175 bis 175,5. Am Devisenmarkt hort man Paris gegen London mit 124,02, Mailand 92,19, Madrid 28,46, London gegen Kabel 4,8745 und London gegen Kabel mit 4,19675.
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Geilshausen, den 16. Januar 1928.
Hess. Bürgermeisterei Geilshausen. Wagner.
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