Ich schied von diesen beiden ukrainischen Patrioten mit einem Gefühl der Nachde.cklichteit. Sie haben ihre Ziele, wir die unfeigen. Führt der Weg ein Stück gemeinsam, wird man Zusammengehen. Sie haben eine feste Basis ihres nationalen Glaubens und Handelns, die unserer Dorkriegsgeneration fast ganz berlAen war und uns erst wieder wirklich erstehen muß: die Heberzeugung, daß der gegenwärtige Zustand, politische Grenzen und internationale Systeme nichts unveränderlich Gegebenes, sondern wandelbar sind durch den Willen eine- Volkes!
Das Problem
-er älteren Angestellten.
Lieber den jetzt drohenden schweren Arbeitskämpfen in der deutschen Wirtschaft vergißt man leicht das bisher noch sehr mangelhaft behandelte und kaum gelöste Teilproblem, nämlich die besondere Notlage der älteren Angestellten und der älteren Arbeiter. Erst jetzt ergibt sich wieder aus einer Zusammenstellung im Aeichsarbeit3morkranzeiger, daß sich die Llnterbringungsmöglichkeiten für die älteren Arbeiter und für die älteren Angestellten in der letzten Zeit eher verschlechtert als verbessert haben. Allein von 1600 C00 gezählten Erwerbslosen berechnete man 424 680 als über 45 Jahre. Llnd man kann wohl annehmen, daß das Verhältnis für die älteren Jahrgänge in der Krisenunterstützung noch wesentlich ungünstiger ist.
Die Ursachen für diese Erscheinung sind verschiedener Natur. Einmal macht sich zweifellos dabei vor allem die außerordentlich starke Verschiebung des Beschäftigungsgrades in der deutschen Bevölkerung seit dem Kriege bemerkbar. Allein im Jahre 1925 waren in der deutschen Wirtschaft über 4 Millionen Menschen mehr als vor dem Kriege beschäftigt, und die stärkste Zunahme von allen Gruppen der Erwerbstätigen haben dabei zweifellos die Angestellten erfahren. Zwar hatte sich der Arbeitsmarkt im Jahre 1926 für den Arbeiter bedeutend ungünstiger entwickelt als für den Angestellten, aber die Konjunktur, die im Jahre 1927 einsetzte, hat wiederum den Arbeitsmarkt der Angestellten lange nicht im gleichen Maße gebessert wie für den Arbeiter. Schon ziemlich früh hat man versucht, die Altersgliederung der Angestellten, soweit das überhaupt technisch möglich ist, festzustellen, und dabei fand man, daß der Anteil der dauernd Erwerbslosen unter den Angestellten größer ist, als unter den Arbeitern, und weiser, daß die Angestellten, die über 40 Jahre alt sind, von der Erwerbslosigkeit stärker betroffen werden, als die jüngeren Jahrgänge, und schließlich, daß sich die Dauer der Erwerbslosigkeit bei den Angestellten auch mit zunehmendem Alter ständig erhöht.
Das Reichsorbeitsministerium hat sich mit der Notlage der älteren Angestellten mehrfach beschäftigt und zuletzt in einer Denkschrift dazu Stellung genommen. Was dort vorgeschlagen wird, ist nicht übermäßig viel. Allerdings muß man zugeben, daß es schwer ist, mit Eingriffen von außen in die Entwicklung des Arbeitsmarktes, hier im Sinne der älteren Angestellten, wirksam vvrzugehem Zum großen Teil liegt eine der Hauptschwierigkeiten in der A r t unserer Tarifverträge, in ihrer ausgesprochenen Staffelung nach Beruf und Alter. Dadurch wird der Llnternehmer geradezu aufmerksam gemacht, wieviel billiger ihm die jüngere Arbeitskraft kommt, und wieviel ältere Angestellte er in seinem Betriebe beschäftigt. Es scheint allerdings, daß man von diesem System der starken Staffelung nach Alter und Beruf in den Tarifverträgen immer mehr abkommt. Die Maßnahmen der Regierung sind schnell auf- ?ezählt. Zunächst versucht sie durch finanzielle lnterstützung verschiedene Hmschulunas- maßnahmen zu unterstützen, z. B. vermittelt sie auf diese Weise den Hebergang von älteren kaufmännischen Angestellten in die Betriebe der Post oder in irgendwelche andere staatliche Organisationen. Weiter hat s ie im Juli 1926 ein Kündigungsgeseh mit erhöhter Kündigung s f r i st erlassen, das aber natürlicherweise die Lage der älteren Angestellten auf dem Arbeitsmarkte nicht beeinflussen kann. Schwer zu verwirklichen ist der Wunsch der Angestellten, ähnlich wie bei den Schwerkriegsbeschädigten, eine gesetzliche Verpflichtung der älnternehmer zu schaffen, einen bestimmten Prozentsatz älterer Angestellter zu beschäftigen. Wenigstens scheint das Reichsarbeitsministerium in dieser Hinsicht zunächst keine Initiative ergreifen zu wollen.
Rfir Wiedereinführung
der Rettungsmedaille in Hessen.
Die Deutsche Volksvartei beantragt, die Regierung zu ersuchen, auch im Volksstaate Hessen, wie das in anderen deutschen Ländern bereits geschehen ist. das Ehrenzeichen für Lebensrettung wieder einzuführen und dem Landtag alsbald eine Vorlage in dieser Richtung zu unterbreiten.
Evang. Grziehungsverband für Hessen.
Unter Vorsitz von Dekan Röschen, dem Leiter der Beobachtungsstelle für Jugendliche in dem Wichernheim bei Wixhausen, Kreis Darmstadt, tagte am Montag in Frankfurt der evangelische Erziehungsverband für H e s s e n, der die evangelischen Dekanatserzie- hungSvereine und die evangelischen Erziehungsanstalten umfaßt. Die Tagung war gut besucht. An ihr nehmen Teil die Leiter der Erziehungsanstalten und Vereine, sowie die Vertreter der Kreis- und Stadtjugendämter, deren fürsorge- bedürftige Jugend zum Teil durch die Jugendorganisation betreut wird. Im ganzen — so erfuhr man aus dem Jahresbericht, den der Vorsitzende gab — werden über 1000 Kinder durch die Vermittlung der Dekanatserziehungs- vereine in Familienpflege erzogen. Teils sind sie als Pfleglinge, teils als Dienstboten untergebracht. Ein Fünftel aller Zöglinge befindet sich im Bezirk des Erziehungsvereins im Dekanat Grün- berg, der gegenwärtig über 200 Zoglinae unter- gebracht hat. In den Anstalten befinden sich rund 160 Zöglinge.
Das Referat für die diesjährige Tagung hatte Geheimrat Professor Dr. Mittermeyer von der Universität Gießen übernommen. Er sprach über „Psychiatrie und Jugendfürsorge". Eine rege Aussprache schloß sich an den Vortrag an, die dazu führte, daß eine Ent
schließung angenommen wurde, die die staatliche Förderung der Jugendfürsorge mit Hilfe psychiatrisch gebildeter und erfahrener Kräfte fordert. Denn gerade dies Gebiet droht heute ein Betätigungsfeld eines nicht ungefährlichen Charla- tanismus zu werden. Mit dem Austausch von Erfahrungen und Anregungen über die Arbeit und in der Arbeit schloß die Tagung.
Oberheffen.
Landkreis Gietzen
00 Klein-Linden, 15. März. Heute nachmittag gegen 5 Uhr rannte auf dem Maiplatz der von der Arbeit heimkehrende Bergarbeiter Gilbert aus Dutenhofen, der mit seinem Fahrrad die steile Kirchstraße herunterkam, mit dem von Wetzlar form menden Lastauto der Schloßbrauerei Braunfels zusammen. Der Mann geriet mit seinem neuen Fahrrad vor d i e Vorderräder und den Kühler des Kraftwagens und wurde trotz starken Bremsens des Chauffeurs etwa zehn Meter w e i t m i t g e s ch l e i f t. Der hiesige Arzt Dr. Boßler leistete die erste Hilfe und verbrachte den wie durch ein Wunder nurleichtoerletztenMann im Auto nach Haus. Das neue Fahrrad wurde völlig demoliert, auch das Auto erlitt Beschädigungen und konnte erst nach deren Behebung seine Fahrt fortsetzen. Den Wagenführer trifft keine Schuld.
* Reiskirchen, 15. Mörz. Heute nachmittag ereignete sich hier ein s ch w e r e r U n f a l l. Ein aus dem Kreise Alsfeld kommendes Auto wollte die Ecke der Gießener Straße nehmen. In demselben Augenblick fuhr ein aus der Richtung Gießen kommendes Motorrad, das die linke Kurve kurz genommen hatte, in das Auto hinein. Der Motorradfahrer erlitt schwere Verletzungen an den Beinen und mußte in die Gießener Klinik gebracht werden. Das stark beschädigte Auto wurde von einem zufällig anwesenden Lastwagen der Firma Geisse in Gießen abgeschleppt.
* Lich, 15. März. Unter sehr starier Beteiligung einer besonders auS Forstleuten bestehenden Trauergemeinde wurden gestern die sterblichen Ueberreste des in Laubach einem Schlaganfall erlegenen Forstrats Otto Kratz, eines geborenen Lichers, auf dem Friedhof seiner Heimatgemeinde zur letzten Ruhe bestattet. Stiftspfarrer Schorlemmer hielt die Trauerrede. Von der Verehrung und Beliebtheit, die dem Heimgegangenen in weiten Kreisen, insbesondere aber unter seinen Berufskollege und den engeren Freundeskreisen von Schotten, Laubach und Gießen zuteil wurden, gaben die herzlichen Gedenkreden an der Gruft überzeugenden Ausdruck. Auch seitens der Berufsverbände der Forst^ute wurde durch Ansprachen ihrer Vertreter hervorgehoben, daß der Entschlafene sich in seinen Dcrufskreisen höchster Wertschätzung erfreuen durfte. Zahlreiche Kranzspenden wurden als letzte Grüße für den Verewigten am Grabe niedergelegt.
* Lich, 15. März. In Anbetracht der weitgehenden volkswirtschaftlichen Bedeutung der Saatgutveredelung ist es zu begrüßen, daß in unserer Stadt endlich eine Saatgut- reinigungsanlage Aufstellung gefunden hat. Dreschmaschinenbesitzer Joh. Friedr. Eise hat in seiner Hofreite einen „Neusaatveredler" aufgestellt, mit dessen Hilfe es unseren Landwirten möglich sein wird, mit geringen Hnkosten ein hochleistungsfähiges Saatgut zu gewinnen, bei dessen Verwendung nicht nur ein Viertel bis ein Drittel an Saatgut gespart und Futterkorn gewonnen wird, sondern auch die Aufwendungen an Bodenbearbeitung und Düngung sich 10 bis 15 Prozent im Ertrag besser bezahlt machen.
# Hungen, 15. März. Nachdem die Stadtverwaltung einen geräumigen Marktplatz geschaffen hat, soll versucht werden, die Märkte, die sich eines guten Besuches besonders aus der Wctterau erfreuen, noch mehr auszugestalten. Unter Mitwirkung der Landwirtschasts- fammer soll nun, angeregt durch die günstigen Verhältnisse auf der hiesigen Jungviehwerde Tiergarten, der K i r m e s m a r k t im September als Prämiierungsmarkt für Rindvieh, wie früher, sowie für Pferde und Fohlen gehalten werden. Es können auch solche Tiere der Prämiierung unterworfen werden, die nicht auf der Weide eingestellt waren. Von einer Verlosung soll zunächst Abstand genommen werden, da Oberhessen reichlich mit Marktlotterien versehen ist. Der im Vorjahre neu eingeführte Ziegen- markt hat seine Notwendigkeit bewiesen und soll auch in Zukunft beibehalten werden. Am weithin bekannten Allerheiligenmarkt (1. November) soll neben dem gut beschickten Schweinemarkt nun auch ein Schafmarkt stattsinden.
• Hungen, 15. März. Am nächsten Sonntag wird die Lichtbildstelle des Kreisschulamts Lauterbach die von Kreisschulrat Lorentz in den letzten Jahren aufgenommenen H e i m a t f i l m e vom Vogelsberg, soweit sie bis jetzt fertiggestellt sind, hier zur Vorführung bringen. Es sollen gezeigt werden: Lauterbach, Viehzucht und Weidewirtschaft des Vogelsbergs, das Hungener Schäfersest am 8. Februar d. I., Waldwirtschaft, Köhlerei, der Schmeerschorsch von Kirtorf, das Abfischen des Niedermooser Teiches, Hausindustrie, Von Schotten auf den Hoherodskopf und Taufstein, Herchen- hainer Höhe, Hainig bei Lauterbach, Wintersport im Vogelsberg, Schützer Trachtenfest und Schliher- länder Hochzeit. Am Montag sollen die Filme durch die Schulen der Hmgegend laufen.
S. Trais-Horloff, 15. März. Dieser Tage sand hier die Verpachtung der zum Pfarrgut gehörigen Grundstücke auf weitere neun Jahre statt. Auf Wunsch der Landwirte nahm das P.arramt die Verpachtung, obwohl der alte Vertrag noch bis zum Herbst dieses Jahres läuft, bereits jetzt vor, damit die Pächter ihre Maßnahmen hinsichtlich der Bestellung und Düngung trejen können. Die geringwertigeren Grundstücke liegen meist in der Gemarkung Feldhe.m, wo u. a. für 1800 Quadratmeter Ackerland 30 Mk., für 1700 Quadratmeter an der Alten Straße 24 Mk. Pacht erzielt wurde. Ein gleich großer Acker, jedoch mit viel Unland, kam nur auf 15 Mk. Dagegen beliefen sich bei gutem Ackerland in der Gemarkung Trais-Horlosf die Pachtpreise auf durch'chnitt- lich 42 bis 45 Mk. für den kleinen Morgen. Ein Stück von 2200 Quadratmeter am Wasser- bafsin erzielte 50 Mk., eins in der Gemarkung Inheiden von 3000 Quadratmeter ebensoviel. Im ganzen lagen die Preise etwas höher als bei der letzten Verpachtung, so daß insgesamt etwa 60 Mk. Pacht mehr erzielt wurde. Drei Grundstücke. die seither auch verpachtet waren, konnten diesmal nicht ausgeboten werden, da sie durch die
Arbeiten 6er Grube „Friedrich" für landwirtschaftliche Zwecke unbrauchbar gew »ren sind. Die Grubenverwattung hat den seitherigen Pächtern Crnteentschädiaung gezahll und sich zum Ersatz verp lichtet Der Ki.chrnvorstand besichtigte dieser Tage ein von der Grube Ersatz angebotenes Stück» Land, das jedoch als nicht hinreichend angesehen wurde, so daß die Verhandlungen noch schweben.
Kreis Friedberg.
2$. Bad-Nauheim, 15. März. Der Krieger- und Militärverein „Has- s i a“ begeht am 24. Juni bi« Feier seines 50jährigen Bestehens. Dieser Tage wurden die Fest-Ausschüsse gebildet, die eine einfache und würdige Feier vorbereiten. Cs ist ein akademischer Festakt am Samstagabend vorgesehen, während der Sonntag eine Gedenkfeier für die Gefallenen und nachmittags einen Festzug und eine Feier im Hochwalde bringen soll.
Kreis Bübingen.
nd. Nidda, 15. März. Gestern abend hielt Missionsinspektor Schultz aus Berlin in der hiesigen Kirche einen gut besuchten Missions- vortrag. Der Redner führte die Zuhörer „In das Land der 450 Millionen", nach China. Er wies an der Geschichte der Chinesen die Gründe nach, die zu den derzeitigen Verhältnissen geführt haben. Glücklicherweise komme bei dem Volke immer mehr die Einsicht zum Vorschein, daß nur das Christentum die Gesundung bet Verhältnisse herbeiführen könnte. Gerade die deutschen Missionare sind bis jetzt unbehelligt geblieben, und alle Deutschen werden von den Chinesen geachtet. Wie sich die Zustände weiter entwickeln werden, kann kein Mensch Voraussagen.
)( Ortenberg, 14. März. Eine Feierstunde besonderer Art konnte unsere Gemeinde am Montagabend in der Kirche erleben. Der „Palä- stinafilm", den die Anstalt Bethel hat Herstellen lassen, wurde vorgeführt. Alle die Stätten, die der Christenheit von Kindheit an vertraut sind, zogen im laufenden Bild an dem Auge der Zuhörer vorüber und weckten Erinnerung über Erinnerung in der Seele. Dazu konnte die Gemeinde einen Blick in die große Liebesarbeit tun, die Vater Schneller im Syrischen Waisenhaus begonnen hat und die von seinem Sohne in größtem Segen weitergesührt wird. Diakon S ch w e r b t erläuterte die schönen und Haren Bilder, zwischen den einzelnen Teilen fang die Gemeinde passende Choräle. Die Veranstaltung war nicht nur von hier, sondern auch von den umliegenden Gemeinden sehr stark besucht. Als Reinertrag des Abends gingen 147,10 Mk. ein.
# Ober-Widbersheim, 14. März. Gestern fand hier Nutz- und Brennholzversteigerung statt. Duchenscheitholz kam ein Raummeter durchschnittlich auf 10 bis 14 Mk., Cichenprügel kosteten 6 bis 8 Mk., Fichtenknüppel waren etwa zmn selben Preis zu haben. Eichen- Schichthaufen, Nutzscheit, 2,50 bis 3 Meter lang, zu ©ar tenpf offen geeignet, wurden je vier Raummeter mit 60 Mk. bezahlt.
# Echzell, 14. März. Jnstitutsvorsteher und hessischer Präzeptor Pfarrer Julius L u z i u s ist gestern im Alter von 75 Jahren verstorben. Ein an Arbeit und Erfolgen reiches Leben hat mit seinem Tode den Abschluß gefunden. 3n dem von dem Verewigten geleiteten Institut Forsthaus Echzell hat er vielen Schülern die Grundlagen zur Wanderung durchs Leben gegeben. Der Verblichene entstammt einer alten lutherischen Pfarrersfamilie und war eine weit über die Grenzen unseres engeren Vaterlandes hinaus bekannte Persönlichkeit.
Kreis Schotten.
fj Laubach, 15. März. Kammerdirektor Birnbaum, übet dessen Ausscheiden aus Gräflichen Diensten mit dem Schlüsse dieses Monats wir kürzlich berichtet haben, wird vom 1. April ab die Leitung der Fürstlich Isen- burg-Birsteinschen Verwaltung übernehmen, deren seitheriger Ches, Kammerdirektor B r ä u n i g, krankheitshalber in den Ruhestand tritt — Geheimrat v. H a h n aus Darmstadt hatte, wie wir seinerzeit berichteten, in einem Vortrag in einer Versammlung des hiesigen Zweigvereins vom Roten Kreuz die Bildung einer Freiwilligen Sanitätskolonne des Roten Kreuzes angeregt. Aus den Kreisen der hiesigen Freiwilligen Feuerwehr haben sich für dieses gemeinnützige Unternehmen vierzehn junge Männer gemeldet, denen aufrichtige Anerkennung für ihre Opferwilligkeit gebührt.
I Eichelsachsen, 15. März. Die Kreis- f i l m st e l l e, geleitet von dem Kreisschulamt Schotten, führte auch hier den Film „W eit* krieg" vor. Wie in anteren Orten des Kreises, so hat der Film auch hier bei überfülltem Saale großen Anklang gefunden.
Kr.is Alsfeld.
fr* Alsfeld, 15.März. Der hiesige Zweig- verein des Vogelsberger Höhenclubs hielt am Mittwochabend im Gasthaus zum „Grünen Baum" unter dem Vorsitz von Bürgermeister Dr. B ö l s i n g seine diesjährige ordentliche Mit- glieberoerfammlung ab, die gut besucht war. Der Vorsitzenden erstattete den Jahresbericht über das abgelaufene Dereinsjahr, dem zu entnehmen mar, daß sich die Mitglisderzahl des Vereins unter Berücksichtigung der Zu- und 2lbgänge un- gefähr auf der gleichen Höhe gehalten hat: sie beträgt zur Zeit 227. Die Vereinstätigkeit mar recht rege. Die Beteiligung an den planmäßigen Wanderungen mar jedoch geringer als im vorigen Jahre, roas nach Ansicht des Vorsitzenden darauf zurückzuführen ist, daß der Wanderplan zu viel mehrtägige Wanderungen enthielt. Der neue Wanderplan wurde genehmigt. Der Vorstand des Vereins hat sich gegen die geplante Errichtung einer Zentralheizung in den Klubhäusern auf dem Hoherodskopf ausgesprochen, da er gegen deren Zweckmäßigkeit Bedenken hegt. Die vorgelegte Jahresrcchnung von 1927, die mit einem Ueberfchuß von 538,47 Mk. abschließt, wurde genehmigt und dem Rechner Entlastung erteilt. Der von dem Vorsitzenden oorgetragene Voranschlag für das Jahr 1928, der sich mit 1120 Mk. in Einnahme und Ausgabe bewegt, wurde ebenfalls angenommen. Die Dorstandswahl ergab die Wiederwahl des seitherigen Vorstandes. Als Termin für die Einweihung des von dem D. H. C. auf dem Döl- f i n g s b e r g errichteten und der Stadt geschenkten Aussichtstempels wurde Sonntag, der 17. Juni bestimmt. Der Vorsitzende teilte noch jnit, daß der Zweigverein Alsfeld nach FestfteUung aus den früheren Akten im Jahre 1881 gegründet sei und demgemäß im Jahre 1931 sein 50]äßriges Stiftungsfest feiern könne. Mit einem kräftigen „Frisch auf und der Aufforderung zu weiterer eifriger Mit
arbeit an der D. H.E.-Sache schloß der Vorsitzende die anregend verlaufene Versammlung, an die sich eine gemütlich verlaufene Nachfeier anfd)(oß. — Ein für die Geschichte der Stadt Alsfeld denkwürdiges Ereignis brachte der zu Anfang dieser Woche begonnene Abbruch des von der Stadt erworbenen ehemaligen „Hotels zur Kron e", das in früheren fahren unter dem Besitzer GunÜrum bis weit üoer die Grenzen des Hessenlandes hinaus einen guten Klang hatte. Auf dem Gelände der „Krone" wird das neue Postgebäude errichtet. — Die Aufführung „Der Hexer" durch das Gießener Stadttheater am vorigen Sonntag bedeutete auch für Alsfeld eine Sensation. Der Theatersaal war dicht gefüllt. Das hervorragende Spiel der Gießener fairb stürmischen Beifall.
-r. Ober-Ohmen, 15. März. Dieser Tage sand die sechste ordentliche Generalversammlung der landwirtschaftlichen Bezugs - und Kreditgenossen- schast Ober-Ohmen statt. Bei Bekanntgabe der Bilanz zeigte sich, daß sich die Akttven auf 68 996,04 Mk., die Passiven aus 67 839.94 Mk. belaufen, so daß ein Reingewinn von 1156,10 Mark verbleibt. Die Bilanz wurde genehmigt und dem Rechner sowie dem Vorstand Entlastung erteilt. Der Reingewinn wird mit 12,5 Prozent zur Verzinsung der Geschäftsanteile verwandt, die restierende Summe zu gleichen Teilen der Betriebsrücklage und dem Reservefonds, dessen Höhe sich auf rund 30 030 Mr. beläuft, überwiesen. Satzungsgemäß scheiden bei der Wahl aus: der Vorsitzende des Vorstands, K. Otterbein, und die Aufsichtsratsmitglieder I. Schott II. und Hrch. Stein IV. Diese wurden ebenso wie die anderen Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder wiedergewählt. Zu Punkt ,Verschiedenes" gab der Rechner Fr. Schott einen kurzen Rückblick auf die Tätigkeit der Genossenschaft im abgelaufenen Geschäftsjahr. Der Warenverkehr bezifferte sich auf 1800 Doppelzentner im ungefähren Werte von 30 000 Mk. Vorwiegend beziehen sich diese Zahlen auf Düngemittel. Die Sparguthaben haben sich im letzten Geschäftsjahr mehr als verdoppelt. Das Kleinsparwesen hat ungeahnte Fortschritte genommen. So gehen vierteljährlich ungefähr 1000 Mk. gegen Bonds durch Ab- holen aus dem Hause ein. Besonders dankenswert find die Bestrebungen des Lehrers Jung auf dem Gebiete der angegliederten Schulspar- kasse. Die Genossenschast kaufte zur vorteilhafteren Getreidereinigung eine Petkus-Saatgut- reinigungsmaschine, die sich reger Inanspruchnahme erfreut und sich in wenigen Jahren amortisiert haben wird. Zur billigeren Kalkung der Ställe, zur Desinfektion in Stall und Garten wurde eine gutsunktionierende und viel begehrte Kalksprihe angeschafft. Der Mitgliederstand bezifferte sich am 1. Januar 1928 auf 123.
<5 Appenrod, 15. März. Dieser Tage hielt im Saale der Wirtschaft von K. Dörr dahier Missionsinspektor Pfarrer Schulze von dem Allgemeinen Evangelisch-Protestantischen Mis- sionsverein (Ostasien-Mission) einen Lichtbildervortrag über die Missions- arbeit in Japan. Die Lichtbilder waren zum Teil in Japan selbst hergestellt: sie zeigten die Schönheiten und Gefahren des Landes, seine Bewohner, die merkwürdigen Sitten und Gebräuche, den Götzendienst (zahlreiche Götzen, den Götzen CBubria, Gebetsmaschinen) und das Wirken der Mission. Letztere, durch die eigenartige Kultur und den besonderen Charakter der Japaner erschwert, wird durch Predigt, Erziehung und Unterricht (Kinderhorte, Bibelstunden, Deutschunterricht) ausgeübt, ist der Regierung erwünscht und wird durch Gelder von ihr unterstützt. Auch während des Weltkrieges durften unsere Missionare die Arbeit fortsetzen. Mehrere Schülerinnen trugen passende Missionsgedichte gut vor. Der Vortrag wurde in gleicher Weise in den Nachbargemeinden Maulbach und Dannenrod gehalten.
Rheinhessen.
WEN. Mainz, 15. März. In der vergangenen Nacht stürzte in einem Betrieb in Rüsselsheim ein 22 Jahre alter Arbeiter aus Ginsheim in ein B a s s i n mit kochendem W a Der Hngluckliche wurde, am ganzen Körper schrecklich verbrüht, von seinen Arbeitskollegen aus dem Dehältcr h^rausgeholt und durch Auto ins hiesige städtische Krankenhaus gebracht. Der Schwerverletzte dürfte kaum mit dem Leben davonkommen.
WSR. Worms, 15. März. Die Meldung, too* nach ein Wormser Arzt, der vor etwa 14 Tagen von einem vor der Operation in Narkose versetzten Mädchen gebissen wurde, jetzt an den Folgen einer daraus entstandenen Blutvergiftung gestorben sei, bewahrheitet sich nicht. Der Arzt, der infolge der Blutvergiftung gezwungen war, seine Sprechstunden ausfallen zu lassen, befindet sich auf dem Wege der Besserung.
WSN. Gau-Bickelheim, 15. März. Bei Ausschachtungsarbeiten stieß man hier aus etwa zehn Wohngruben, die als W o h n st e l l e n der mittleren Hallstattzeit (600 Jahre vor Christo) angesprochen werden müssen. Besonders eine Wohnstelle war sehr gut erhalten. Diese war angefüllt mit dem Kulturschutt ihrer einstigen Bewohner, wie angebratene Knochen, Gefäßreste usw. Die Gefäßreste sind aus feinem Ton gearbeitet und zeigen im Innern Graph.tbema- fung auf schwarzem Grund mit Mcieandermustern. Die Wohnstellen hatten senkrechte Wände, und die Fachwerke waren mit HolzzweiAen ausgefüllt und mit Lehm verschmiert. Die Funde wurden zunächst in der hiesigen Schule untergebracht und sollen dem Museum in Mainz zugeführt werben.
Preußen.
Kreis Wetzlar.
0 Aus dem Kreise Wetzlar, 15.März. Das Abbrennen von Gras uni) Gestrüpp an Rainen, Hecken und Schonungen hat im Kreise in der letzten Zeit einen solchen Hm lang angenommen, daß sich der Landrat veranlaßt sieht, auf diesen Hnfug in einer öffentlichen Bekanntmachung besonders hinzuweisen. In Anbetracht der Hnglücksiälle und schweren Schädigungen, die durch unerlaubtes und unberechtigtes ©engen in den letzten Jahren, insbesondere durch die Schuljugend, entstanden sind, hat der Landrat die Polizeiorgane angewiesen, gegen die Hrheber solcher Feuer rücksichtslos vorzugehen und sie zur Anzeige zu bringen. Die Lehrer und Eltern ersucht der Landcat, die Jugend eindringlich vor dem Feuerlegen zu w a r n e n. In geeigneten Fällen werde er sich nicht scheuen, gegen jugendliche


