Ausgabe 
16.2.1928
 
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Mt Feier seines 80. Geburtstages be­gehen. Dem um Kirche und Gemeinde hochver­dienten Manne, der viele Jahrzehnte hindurch an der Spitze der bürgerlichen Gemeinde ge­standen hotte und noch jetzt ausführendes welt­liches Mitglied des Kirchenvorstandes ist, dem er fast 40 Jahre ununterbrochen angehört, wur­den mit Recht große Ehrungen zuteil, unter denen besonders yervorhebenswert die der Kir­chengemeinde ist. Unter der Führung des Orts­geistlichen. Hofpredigers Widmann, begab sich oer Kirchenvorstand in die Wohnung des Jubi­lars, woselbst der Dorschende eine Ansprache hielt und die Glückwünsche der Kirchengemeinde, des Kirchenvorstandes und der Kirchengemeinde­vertretung überbrachte und ein wertvolles Ge­schenk überreichte: Eugen Burnand, Die Gleich­nisse Jesu. Ferner überbrachte der Ortsgeist­liche die Glückwünsche des Landeskirchenamtes und verlas ein in warmen Worten gehaltenes Schreiben des Prälaten D. Dr. Diehl; weiter übermittelte er die Segenswünsche des Evange­lischen Dekanats Schotten, die in einem anerken­nenden Schreiben von Dekan Bolp (Laubach- Ausdruck fanden. Die Landeskirche ehrte außer­dem den Jubilar durch Verleihung eines künst­lerisch sehr wirkungsvollen Gedenkblattes. In allen Schreiben wurde die besondere Pflichttreue von Alt-Bürgermeister Rispel, der auch lange Jahr« hindurch dem Dekanats-Ausschuß und der Dekanatsshnode angehört hatte, betont, sowie auch das herzliche Verhältnis zur Landeskirche, zum Dekanat und zum Ortsgeistlichen. Glück­wünsche überbrachten weiter Bürgermeister Müller namens der bürgerlichen Gemeinde, sowie eine Abordnung des Kriegervereins, dessen Ehrenpräsident Alt-Bürgermeister Rispel ist, und eine große Fahl von Freunden und Be- kannten. Der Jubilar war über alle Ehrungen sichtlich erfreut und tief bewegt durch die Be­zeugungen der Liebe und Dankbarkeit.

X Gedern, 15. Febr. Gelegentlich seiner Vortragsreise durch das Dekanat Schotten weilte der Basler Missionar W i e b e r , der 20 Jahre lang im Missionsdienst auf der Gold­küste in Westafrika tätig war, auch in unserer Gemeinde. 3m Vormittagsgottesdienst des letzten Sonntags wies er in seiner Missionspredigt auf die Missionspflicht hin, erzählte nach­mittags im Kindergottesdienst der Jugend von den Leiden und Freuden des Missionars bei der Arbeit an den Heiden und hielt am Abend in Der Kirche einen sehr lehrreichen und fesselnden Lichtbildervortrag; die prächtigen, zum größten Teil von ihm selbst aufgenommenen Bilder gewährten einen anschaulichen Einblick in die Ratnr- und Gcisteswelt der Bewohner der Goldküste und in die erfolg- und segensreiche Arbeit der Basler Mission in jenem fernen Lande. Der Ertrag der Kollekten für die Basler Mission betrug etwa 42 Mark, der Erlös für verkaufte Missionsfchriften, welche durch die Kon­firmanden in den Häusern angeboten wurden, ungefähr 50 Mark.

Kreis Lauterbach.

P. Schlitz, 15. Febr. In früheren Feiten wurden, bis in die 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts, in unserer Stadt auch Schweine­märkte abgehalten, die dann wohl aus Mangel an Interesse und Beteiligung eingingen. Auf Gemeinderatsbeschluß hin werden diese Märkte nunmehr aufleben. Am 14. März soll der erste dieser Art wieder stattfinden.

P. Bernshausen, 15. Febr. Hier wurde der 26jährige unverheiratete Schreinermeister Georg Straub in seinem Betrieb von einer zerspringenden Riemenscheibe am Kopfe so unglücklich getroffen, daß er schon nach einer halben Stunde seiner schweren Verletzung erlag.

Starkenburg.

* Darmstadt, 15. Febr. Der angebliche Monteur Emil Warsow aus Berlin zog vor einigen Tagen hier zu und meldete sich mit Ausweispapieren, auf diesen Ramen lautend, auf dem zuständigen Polizeibezirk an. Etwa acht Tage nach der Anmeldung erschien der angebliche Warsow auf der Paßstelle und beantragte einen Auslandspaß. Rachfrage in Berlin ergab, daß die A u s w e i s p a p i e r c, auf Warsow lautend, dort g e st o h l e n sind. Bei dem Antrag­steller handelt es sich um den von vielen Be­hörden gesuchten Hochstapler Kaufmann Wilhelm Heinrich, gen. Bernhard Schäfer, geb. am 30. Oktober 1838 zu Büdinge n. Schäfer ist unter Zurücklassung eines größeren Lederkoffers mit Kleidungsstücken flüchtig. Hier wurden der vorn Amtsgericht Wurzen wegen Diebstahls gesuchte Schneider Karl Borowsky aus Torgau und der Chemiker Wilhelm Müller aus Ems wegen Urkundenfälschung und Betrugs festgenommen.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

0 Wetzlar, 15. Febr. Die Zwangs- Innung für das Op tiker- und Mecha­nik e r h a n d w e r k hat sich durch Beschluß der Jnnungsversammlung a u f g e l ö st. Die Auslo­sung tritt mit dem 1. März 1928 in Kraft.

Z Krofdorf, 15. Febr. Sen größten Konfir- manden des Kreises Wetzlar dürfte wohl die hiesige Volksschule zu verzeichnen haben Es ist dies der am 10. Februar 1914 geborene Alfred Henkel von hier mit einer Größe von 1,78 Meter.

A Krofdorf, 15. Febr. Lei der Holzver fteigerung aus dem hiesigen Gemeindewald wurden folgende Preise erzielt: Buchen: Scheit­holz 15 bis 16, Knüppel 10 bis 12, Reiser 2 bis 2,50 Mk.; Eichen: Scheitholz 7 bis 8, Knüppel 5 bis 7,50, Reiser 1 Mk. Am Samstag konnte der Dirigent des GesangvereinsGermania", Ludwig Abel Hierselbst, seinen 71. Ge­burtstag in körperlicher und geistiger Frische feiern. Unter Herrn Abel hat der Gesangverein manchen ersten Preis errungen.

Groß-Rechtenbach, 15. Febr. Gestern abend fand im Gemeindesaale im neuen Schul­hause Hierselbst ein ülnterhaltungsabend der Ortsgruppe der Kreisbauern schäft statt, der sich eines guten Besuches erfreute. Cs hielten Vorträge der Geschäftsführer der Kreis- bauernschast Wetzlar, Diplom-Landwirt Dorn­berger, Wetzlar, und der bekannte Bauern- schriftsteller und Heimatdichter Wilhelm Reu­ter, Dornholzhausen, über die Rotlage und die dadurch bedingten Aufgaben dör Landwirtschaft. Ferner sprachen Bürgermeister Schneider, Groß-Rechteirbach; Lehrer M e s s e r s ch m i d t, Groß-Rechtenbach; der Direktor der landwirt­schaftlichen Schule Wetzlar, Dr. ü I r i <f>, und Oberstleutnant a. D. von Lohberg. Wetzlar.

Neue Bücher.

Jacob Dur ck Hardt: Die Kultur der Renaissance in Italien. Mit einem Geleitwort von Exzellenz Wilhelm von Bode. Herausgegeben von Dr. L. Heinemann. Voll­ständige Ausgabe. 588 Seiten 8°. Verlag Th. Änaut Rachf., Berlin W 50, 1928. Rach der Herausgabe von Gustav Frehtags voll­ständiger Ausgabe derBilder aus der deutschen Vergangenheit" liegt jetzt als zweites Standard­werk der deutschen Kulturgeschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts Durckhardts grundlegendes Buch (erschienen 1860) in einer mustergültigen Ausstattung vor. Der Preis von 2,85 Mk. für den in Helles Leinen gebundenen Band mit farbiger Bildvignette und Titelprägung macht dieses Buch zu einer anerkennenswerten Leistung des deutschen Buchgewerbes. Ein dieser neuen Ausgabe beigegebenes Ortsregister wird von Jtalienreisenden sicherlich begrüßt werden. 74

Pitirim Sorokin, Soziologie der Revolution. Ueberseht und herausgegeben von Dr. Kahpohl, München. I. F. Lehmanns Verlag. Geh. 8 Mk. Fünf Jahre hat der Verfasser dieses Buches als Professor der Peters­burger Universität irft Mittelpunkt des revolu­tionären Geschehens gestanden. Er hat also hin­reichend Gelegenheit gehabt, sein Thema ge­wissermaßen am Experiment zu studieren. So ent­stand auch keine trockene theoretische lebensferne Soziologie, sondern eine wirklichkeitsnahe Dar­stellung des Wesens der Revolution auf Grund eigener Erfahrung. Sorolin schildert die Um­wertung aller Werte während aller Revolu- tionen, die Zerstörung von Familie und Ehe, von Zucht und Scham, von Religion und Autori­tät, die Vernichtung der Bildungsmöglichkeüen, die Lähmung des Arbeitswillens, die furcht­bare, über Millionen von Leichen gehende Um­schichtung aller gesellschaftlichen Ordnung, der Zerstörung der Vermögenswerte, die Verelen­dung des ganzen Volkes, vor allem der Bauern, lediglich zugunsten einer kleinen Schar von Em­porkömmlingen. Spekulanten und Verbrechern. Vieles ist uns auch in Deutschland wohl ver­traut. so die Phrasen der Revolution, die Wahn­gebilde und Versprechungen, die den Massen vor- gegaukelt wurden, wenn man im ganzen auch steht, wie wenig revolutionär unsere Umsturz- Helden gewesen sind. Sorokin ist kein Reaktionär, der die Derechtigung von Revolutionen blindlings leugnet. Er ist sich bewußt, daß sie lehr wohl berechtigte Ursachen haben können, daß aber eine vorausschauende Gesellschaft und Regierung rechtzeitig Mittel und Wege zur Vorbeugung und Bekämpfung finden muß. (6)

Paul Maria Baumgarten:Rö­mische und andere Erinnerungen" in künstlerischem Geschenk-Einbande, 10 Mk. Reue Brücke Verlag G. m. b.H.. Düsseldorf. Paul Maria Baumgarten, dessen Rame bei den Histo­

rikern im In- und Auslande einen guten Klang hat, hat ein Menschenalter hindurch als Deut­scher in Rom gelebt. Schon mit 29 Jahren wurde er, der deutsche Hilfsarbeiter im vati­kanischen Archiv diensttuender weltlicher Kammer­herr des Papstes Leo XIII. In dieser.Eigen­schaft muhte er beim vielbesprochenen Antritts­besuch des jungen Kaisers Wilhelm II. bei Leo XIII. im Jahre 1889 offiziell Dienst tun. Seine genaue und lebhafte Schilderung der Vor­gänge vor und bei diesem Antrittsbesuche bean­spruchen hohes Interesse. Rach einigen Jahren wurde Baumgarten Geistlicher und alsbald Prä­lat der römischen Kirche. Seinem freien Berufe als Historiker und Schriftsteller blieb er trotz­dem treu. In bunter Folge, in stets inter­essanten, abwechselungsreichen Schilderungen sehen wir nun die weiteren Ereignisse dieses selten bewegten und begnadeten Lebens an uns vorüberziehen. Wir tun aber vor allem auch interessanten Einblick in die Werkstatt des Ver­fassers als Quellenforscher in dem vatikanischen und anderen europäischen Archiven und in seine Tätigkeit als Mittelsmann und Ver­trauensmann des Zentrums zur Päpstlichen Kurie in den kirchenpolitisch aufgewühlten 80er und 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts. 806 Dora Barnas; A n der Schwelle. Roman. Rieder-Rheinischer Verlag, Burg an der Wupper. Das Ungewöhnliche geht eigne Wege. Das bezeugt dieser Roman, in dem der Geist der Romantik lebendig ist. Dora Barnas fordert die Menschen zur Umkehr, zur Einkehr auf. Sie beschert ihrer Lesergemeinde ein Buch, das in blühender Bildlichkeit, im Schmelz wun­dersamer Melodien die formende Kraft einer Künstlerin verrät. Ohne Spannungskunststücke wird das Substanzhafte, Gediegene des Romans offenbar, ohne phantastische Vorstellungen trägt die Dichterin Bausteine zu einem Heiligtum der Zukunft zusammen, indem sie wahrer Humanität und dem Menschheitsfrieden QHtäre errichtet. Die Menschen, die sie auf den Plan stellt, stehen an der Schwelle eines neuen Abschnitts der Menschheitsgeschichte, sind Erwachende in der Liebe und im heiß ersehnten Geist. Frauen find es, die in dem Roman eignen Lebenssinn erlauschen, die die Fragwürdigkeit verworrenen Daseins auf Strömen neuen Weltbegreifens zur Selbstgenügsamkeit, zu friedlicher Menschheits­kultur führen und den höchsten Sinn des Le­bens deuten. Gewiß, daß mancherlei in dem Roman aus der Tendenz zum Romantischen sich ins Unwahrscheinliche und Märchenhafte verliert, die Stärke der Kontraste aber, ori­ginelle Charaktere, singuläre Reflexionen und eine dichterisch erhobene Sprache einen sich, das Buch, dem ich viele verständnisvolle Leser wün­sche. zu einem Kunstwerk zu stempeln. QL D. 28

2m übrigen wurde der Abend durch reichhaltige Musik- und Gesangsvorträge ausgefüllt. Bei einer von den Jungbäuerinnen zubereiteten guten Tasse Kaffee und Brötchen verblieb man in heiterer Stimmung bis über die Mitternachts­stunde hinaus zusammen.

<F> Hörnsheim, 15. Febr. Bei der im hiesigen Gemeindewald stattgehabten Brenn» Holzversteigerung wurden folgende Preise erzielt: Buchenscheitholz 42 bis 50 Mk., Vuchen- knüppel 36 bis 40 Mk., Stockholz 8 bis 12 Mk.. Eichennuhknüppel (2 Meter lang) 30 bis 35 Mk. je zwei Raummeter. Durchforstungswellen 13 bis 15 Mk., Buchenwellen 16 bis 18 Mk. je 50 Stück, Fichtenstangen 1. Klasse 1,80 bis 2 Mk., 2. Klasse 1,20 bis 1,50 Mk. und 3. Klasse 0,70 bis 1 Mk. je Stück.

. -o- Lützellinden, 15. Febr. In der hie­sigen Kirche fand gestern abend durch Missionar Bachmann von der Herrnhuter Brüder­gemeinde ein Missionsvortrag statt, der aus unserer Gemeinde gut besucht war. Der Redner verstand es, in fesselnder Weise aus seiner früheren Wirksamkeit in der ehemaligen deutschen Kolonie Ostasrika zu berichten und hierbei die große Bedeutung des Christentums für die Eingeborenen hervorzuheben. DieSchluh- kollekte wurde der Brüdergemeinde in Herrnhut zugeführt/

Kreis Biedenkopf.

I" Rodheim, 15. Febr. Rach einer Zusammen­stellung des hiesigen Pfarramts befinden sich im Kirchspiele 18 Personen im Alter von 80 Jahren und darüber. Davon sind in Rodheim fünf, in Steinheim vier und in Rabertshausen neun. Besonders auffallend ist die hohe Fahl der Qllten in der Kirchspielgemeinde Rabertshausen, die bei 200 Einwohnern eine so große Zahl Betagte auszuweisen hat. Die größte Gemeinde Steinheim weist die kleinste Zahl Achtziger auf.

^Königsberg. 15. Febr. Unter großer Beteiligung der Gemeinde wurde am Sonn­tag die Hebamme Pfeiffer zu Grabe g: = tragen. Der Verlust für die Gemeinde ist um so größer, als vorläufig keine andere Hebamme zur Stelle ist.

Tillkrcis.

bl. Driedorf, 15- Febr. In unserem neuen Schulhaus werden nunmehr die 3nnenarbeiten erledigt. So dürfte es nicht mehr allzu lange dauern, dis baß stattliche Ge­bäude feiner Bestimmung übergeben werden kann.

Kreis Usingen.

! Cleeberg, 15. Febr. Im hiesigen Gemeindewald fand gestern die diesjährige Stangennuh Holzversteigerung statt. In Anbetracht der nicht erklassigen Qualität blieben die Preise im wesentlichen hinter denen vorangegangener Versteigerungen zurück. Für Stangen 1. Klasse wurde pro Stuck 2,50 Mk.. für 2. Klasse 1,20 Mk. und für 3. Klasse 0.40 bis 0,60 Mk. bezahlt.

Maingau.

WSR. Frankfurt a. M., 15. Febr. Bei Grabarbeiten an der Galluswarte sind heute morgen drei Skelette gefunden worden, de­ren Köpfe nach Rorden lagen. Da auch eine Helmschiene aufgefunden wurde, ist anzunehmen, daß es sich um ein Solda teng rab handelt, das aus dem 18. Jahrhundert flammen dürfte. Das Dersicherungsamt hat den Plan für den Qlcubau der Ortskrankenkasse genehmigt. Die Gesamtbausumme einschließlich des Bauplatzes und der Rebenkosten ist von 5 auf 4,4 Millionen Mark herabgesetzt worden. Mit Ri-.1 sicht auf die günstigen Witterungsverhältnisse

ist mit dem sofortigen Beginn der Bauarbeiten zu rechnen.

Adelungs Abschied von Mainz.

WSR. Mainz, 15. Febr. Die heutige Stadt­verordnetenversammlung gestaltete sich zu einer ehrenden Kundgebung für den neugewählten Staatspräsidenten, Bürgermeister A d e I u n g. Oberbürgermeister Dr. Külb be­glückwünschte den neuen Staatspräsidenten zu dem verantwortungsvollen, aber auch ehrenden Amt, das ihm anvertraut worden sei. Es dränge ihn, in der Abschiedsstunde zu sagen, wie schwer allen der Abschied werde, wie sehr alle, vor allem in dem engeren Kreise der Stadtverwal­tung, den neuen Staatspräsidenten vermissen werden. Mit Freude und Genugtuung dürfe er feststellen, daß die gemeinsame Arbeit trotz der verschiedenen politischen Einstellungen niemals irgendwie gestört worden fei. Er bat den Staats­präsidenten dringend und herzlich, er möge auch in Darmstadt nicht das besetzte Gebiet vergessen, nicht vergessen vor allem auch das teure Mainz, die Stadt, in der feine Frau und feine Kinder geboren seien und er selbst eine zweite Heimat gefunden habe. Staatspräsi­dent Adelung dankte tief bewegt in herz­lichen Worten und betonte, wie schwer ihm der Abschied werde. Wenn es nur nach ihm gegangen wäre, hätte er feinen bisherigen Posten nicht preisgegeben. So aber sei er nur höheren Pflich­ten gefolgt. Richt endenwollender Beifall der Stadtverordneten folgte den beiden Reden.

Der hessische Einzelhandel zur Gewerbesteuer.

Der Landesverband des hessischen Einzelhandels e. V. hat in seiner Steuer­sitzung am 15. Februar folgende Entschließung gefaßt:

..Rachdem die neue hessische Regierung ge­bildet ist und der Landtag seine Tätigkeit aus­genommen hat, muß der hessische Einzel­handel verlangen, daß die Regelung der staatlichen und kommunalen Ge­werbesteuer nunmehr besch leunigt in Angriff genommen wird.

Der Einzelhairdel erwartet, daß die neue Re­gierung die Zusage der allen schnellstens ein» löst unb einen Gesetzentwurf vorlegt, der die endgültige Veranlagung schon für das 2 ahr 1 9 2 7 auf gerechter Grundlage vorsieht Es kann hier keinesfalls gewartet wer­den, bis das durch die politischen Verhältnisse im Reich vielleicht auf lange Zeit hinausgescho­bene Steuervereinhe tlichungsgesetz erlassen wird.

Für die Jahre 1925 und 1926, die nicht mehr veranlagt werden sollen, müssen die bei der Er­hebung der vorläufigen Gewerbesteuer entstande­nen Ungerechtigkeiten und Härten un­ter Berücksichtigung des tatsächlichen Ertrags ausgeglichen werden."

Turnen, Spott und Spiel.

Die Olympischen Winterspiele in St. Moritz.

In St. Moritz und Umgebung regnete es am Mittwoch morgen. Da die sportlichen Veran­staltungen für gestern abgesagt werden muhten, traten die Kommissionen und Komitees zu Be­sprechungen zusammen, um zu beraten, was nun geschehen soll. Im allgemeinen herrscht zwar noch die Ansicht vor, daß die Olympischen Winterspiele nicht endgülsig abgesagt werden. Auf jeden Fall ist aber mir einer Qlenberung

bzw. Äürxung des Programms zu rechnen.

Die für die E i S sch n e lla u f w e tt - bewerbe gen'ctbeten Rorweger, Schweden, Fin­nen und Holländer sind bereits abgereift. Die Vertreter der nordischen Länder haben eS schein­bar vorgezogen, zu den am 18. und 19. Februar in Trondhjern stattsindenden internationalen Eislaufwettbewerben rechtzeitig zur Stelle zu sein, da ihnen dort eine sichere Startgelegenheit ge­boten ist. Das Interesse an den Cislaufwett­bewerben der Olympischen Winterspiele wird durch die Qfbreife der favorisierten Mannschaften jedenfalls eine starke Einbuße erleiden.

St. Moritz, 15. Febr. (WB.) DasExekutiv - komitee der Zweiten olympischen Winterspiele hat in Uebcreinftimmung mit den technischen Kom­missionen, mit denen es zu einer dringenden Sitzung Fusammentrat, beschlossen: Das Programm der Zweiten olympischen Winterspiele wird in Würdi­gung der atmosphärischen Verhältnisse ab geän­dert. Das Komitee hat alle Dispositionen getrof­fen, um die Fortsetzung d e r Spiele zu den festgesetzten Seiten sicherzustellen. Den Eis­läufe rn wurde bis Ijeute abend 8 Uhr eine Frist gefetzt, bis zu welcher sie sich darüber zu erklären haben, ob sie sich an der Fortsetzung der Wett­kämpfe beteiligen werden, lieber den amerlfa- Nischen Protest wurde beschlossen, die bisheri- gen Resultate des 10000 - Meter- Eis- s ch n e 11 a u f e s zu anuliieren und den amerikani­schen Protest abzuweisen. Dagegen wird über eine Reuansetzung des 10 000-Meter-Laufes noch verhandelt. Wie offiziell mitgeteilt wird, beabsich­tigen die Amerikaner, nach Ablehnung ihres Pro- teftes nicht mehr zu starten.

Erweitertes Heilverfahren bei derLandesven'ichernngsanstaltSeffen Der Gesamtvorstand der Landesversicherungs­anstalt Hessen hat eine erhebliche Erwei­terung der H e i l v e r f a h r e n s g r u n b - sähe der L a n b e s v e r s i ch e r u n g s a n - st a 11 beschlossen, die durchweg am 1. Januar 1928 in Kraft getreten sind und sich im wesent­lichen auf folgende Punkte beziehen:

Die Landesversicherungsanstalt übernimmt ein Heilverfahren im allgemeinen schon bann, wenn die War tezei t für die Invaliden­rente erfüllt und die Anwartschaft aufrecht­erhalten ist.

Bei Jugendlichen, d. h. Personen, die bereits in eine versicherungspflichtige Beschäf­tigung eingetreten sind, das 24. Lebensjahr je­doch noch nicht vollendet haben, wird ein Heil­verfahren auch dann übernommen, wenn feit Eintritt in die Versicherung bis zum Tage der Antragstellung im Durchschnitt 10 Beitrags­wochen jährlich nachgewiesen sind. Die Er­füllung der Wartezeit ist in diesem Falle nicht notwendig. Für diele jugendlichen Personen wer­den Heilverfahren jeder Art durchgeführt und trägt die Landesversichernngsanstalt die vollen Kosten.

Die Wartezeit von einem Jahr zwi­schen 2 Kuren ist beseitigt.

Die Begrenzung auf höchstens 3 Kuren ist gleichfalls fallen gelassen.

Die Beschränkung der Äurbauer auf höchstens 13 Wochen ist aufgehoben. Die Dauer der Kur richtet sich nach dem ein­zelnen Krankheitsfall und wird diesem angepaht.

Die Bestimmungen über die Altersgrenze sind aufgehoben. Eine Altersgrenze besteht jetzt weder nach unten, noch nach oben. Die Landesversicherungsanstalt wird jedoch die An­träge von Personen, die über 60 Jahre alt und nabe an dem Bezug der Rente angelangt sind, eingehend prüfen und ein Heilverfahren nur dann übernehmen, wenn die Heilaussichten günstig sind.

Für Ehefrauen von Versicherten, die nicht selbst Mitglied der Invalidenversicherung sind, werden Heilverfahren gleichsalls über­nommen. Voraussetzung ist jedoch, daß die Hälfte der Kosten von anderer Seite getragen werden.

Erholungskuren für Mütter kin­derreicher Familien sind neu eingeführt worden. Diese Erholungskuren werden auf die Dauer bis zu 4 Wochen gewährt. Als tinber- re'.che Familien gelten solche mit 4 ober mehr Kindern unter 16 Jahren, die sich im elter­lichen Haushalt befinden. Die Erholungskur wird auch gewährt, wenn die Mütter selbst keine Beiträge zur Invalidenversicherung verwendet haben. Voraussetzung ist jedoch in diesem Falle, daß der Ehemann die Wartezeit für die In­validenrente erfüllt und die Anwartschaft auf­recht erhalten hat. Anträge können bei der Landesversicherungsanftalt gestellt werden. Die Einsendung eines ärztlichen Zeugnisses ist nicht erforderlich.

Bei Kindern wird unabhängig von einer Markenverwendung Heilverfahren über­nommen. Als Kinder im verwaltungsmäßigen Sinne werden alle Personen gerechnet, die in eine versicherungspflichtige Beschäftigung noch nicht eingetreten sind und bas 16. Lebens« 1 a b r noch nicht vollendet haben. Die Ucbernabme von Heilverfahren für diese er­folgt unabhängig von einer Beitragsverwendung nach Maßgabe des Folgenden:

1. Für Kinder, für die gemäß §§ 1259, 1291 A. V. O. Waisenrente oder Kinderzuschuß zu gewähren ist, wird Heilverfahren jeder Art zwecks Verhütung oder Beseitigung von Ge­brechlichkeiten übernommen. Entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen sind in diesem Falle unter Kindern auch Personen über 16 Jahre zu verstehen.

2. Für Kinder, die zu dem Kreise der ver- sicherungspslicktigen Bevölkerung gehören oder ihm nahestehen, übernimmt die Lan- desversicherungsanstalt Heilverfahren nur bei Tuberkulose jeder Art und bei Geschlechts­krankheiten.

3. Für beide Arten von Kindern führt die Landesversicherungsanstalt bas Heilverfahren durch. Bedingung ist, daß die Hälfte der Heilverfahrenkosten der Landesver- slcherungsanstalt von dritter Seite ersetzt werden.

Bei der D ä d e r f ü r s o r g e für skrophu- lofe-, rachitisch- und tuberkulosebedrohte Kinder von Versicherten beteiligt sich die Landesver­sicherungsanstalt im Raymen der ihr zur Ver­fügung stehenden Mittel an den von den Kreisen und Städten durchgeführten Sol- und Seebade­kuren durch Uebernahme von ein Drittel der durch die Unterbringung, Verpflegung, Bäder und ärztliche Behandlung entstehenden Kosten. Das Hausgeld für Angehörige von in Heilstättenbehandlung befindlichen Kranken ist erhöht worden und kanir jetzt bis zum 2,5 fachen der gesetzlichen Mindestleistung