Donnerstag, 16. Zedruar 1928
<78. Jahrgang
Nr. 40 Erstes Blatt
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Thefirdalrtenr.
Dr. Friedr. Wtlh. Bange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Bangt; für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Teil (Emft Dlumschetn: für den Anzeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Dietzen.
Erscheint täglich, anher Ä8HF Ä Ä
Sowrrtags ttnb Feiertags. /KBv ▼ Asy Kg ▼
L Gretzener Anzeiger
scheinen einzelner Nummern |\#
AMr General-Anzeiger für Oberhessen
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Auflösung der Negierungskoaliiion.
Das ^eichsvolksschulgeseh gescheitert.-Zusammenbleiben des Reichstags bis zur Erledigung der dringendsten Aufgaben.-Zustimmung der Opposition. Ein Notprogramm der Regierung.
Die Stellung
Oer Parteien.
Woche auf der Grundlage der von den Frakttons- führern geäußerten Wünsche bas Arbeitsprogramm ausstellen. Am Freitagabend werden bann bie Fraktionen sich darüber schlüssig machen, ob sie auf der Grundlage dieses Programms bis zum 31. März weiter tagen wollen oder ob doch schon vorher die Reichstagsauslösung verlangt werden soll.
g r a m m einig werden. Die endgültige Entscheidung über den Auflösungsterrntn dürfte also am Freitagabend fallen. Von der Deutschen Volkspartei, dem Zentrum und der BayerischenDolkspartei sind Schwierigkeiten nicht zu erwarten, während die Haltung der Deutschnationalen noch nicht klar zutage liegt. Einige (Blätter rechnen sogar damit, daß von den Deutschnationalen das Arbeits- Programm mit so weitgehenden Forderungen belastet wird, dah seine volle Erledigung bis zum 31. März, dem genannten letzten Termin für die Auslösung des Reichstages, unmöglich wird. Dann würde kein anderer Ausweg als die sofortige Auflösung des Reichstages mehr bleiben. Heber bie Haltung der Deutschnationalen sagt die „Deutsche Tageszeitung": Vei der deutschnationalen Volkspartei herrscht eine starke Reigung, sofort zu Reuwahlen zu schreiten. Der einzig mögliche Termin dafür wäre der 25. Hläm. Gnftchridrnd ist für die Deutsch- nationalen die Erkennt '.is, dah vor allem die Agrarkrise schleunige Rottnaßnahmen erfordert. Besteyt begründete Aussicht für _ die Durchsetzung solcher Rotmahnahmen, dann müssen alle pa«-'eita? tischen Gesichtspunkte sich dieser sachlichen Rotwenoigkeit unterordnen: läht sich keine Sicherheit hafür schaffen, dann fall sofort zur Neuwahl geschritten werden.
Wendung im Kranhprozeß.
Rechtsanwalt £)r. Frey legt die Verteidigung nieder.
Berlin, 16. Febr. (WTB.) Der Jntersraktio- nelle Ausschuh der Regierungsparteien trat am Mittwochoormittag in Gegenwart bet Minister von fieubeil unb hergt im Reichstag wieder zusammen. Um 10.30 Uhr würben bie Verhandlungen, wie schon in einem Teil der gestrigen Auslage gemelbet, für gescheitert erklärt, unb bet Ausschuh ging auseinander. 3n der Sitzung wurde ausdrücklich festgestellt, bah von keiner Seite brauchbare Aompromihootschläge gemacht worben seien. 3m Reichstag trat bann unter dem Vorsitz des Vizekanzlers hergt. der den noch immer bettlägerigen Reichskanzler vertritt, das Reichs- labinell mit den Führern det Regie- rnngspatteien zu einer Besprechung zusammen, um die Lage zu beraten, bie sich aus bem Scheitern des Schulgesetzes ergibt. Die Vertreter bes Zentrums unb bet Bayerischen Volkspartei erklärten, nach dem Scheitern des Schulgesetzes fei auch die Koalition erledigt. Gras Westarp erwiderte daraus, bah bie Deutsch- nationalen, nachdem diese Erklärung der beiden Parteien oorliege, aus dieser Stellungnahme für ihre Beurteilung der Lage die entfprechenden Folgerungen ziehen würden. Für bie Deutsche Volkspartei stellte Dr. Scholz fest, dah das Scheitern des Schulgesetzes keineswegs das Ende der Koalition zu bedeuten brauche; nachdem Zentrum unb Bayerische Volkspartei aber ihre Erklärungen abgegeben hätten, nehme die Deutsche Volkspartei diese Kündigung der Koalition zur Kenntnis. Dabei sei sie aber bereit, im Sinne des Briefes des Reichspräsidenten erst noch ander Erledigung der dringenden, noch ungelösten Aufgaben der Regierung mit- 3 u ro 1 r te n. Daraus unterhielt man sich vorwiegend über die technische Seite der nun kommeirden Entwicklung, von Bedeutung ist dafür der Gesichtspunkt, dah der Etat, wenn er vom jetzigen Reichstag nicht mehr verabschiedet wird, im neuen Reichstag frühestens im 3 uni zustande gebracht werden könnte, während die Erledigung des Etats verfasfungsmähig bis zum 1. April vorgeschrieben ist. Bei den heutigen Vormittagsverhandlungen ist aber geltend gemacht worden, dah die Verzögerung des Normaletats bis 3uni bedeuten wurde, baß inzwischen auch keine 2t n - teiheverhanblungen mit bem Aus- Ian b e geführt roerben können. Unter diesen Umständen ist bei allen Regierungsparteien bie Neigung vorherrschenb, ben Etat, wenn irgend möglich, noch In biesem Reichstag fertigstellen zu lasten. 3n biefer Richtung fall durch Vereinbarungen der Regierungsparteien unb Fühlungnahme mit der Opposition eine breite Grundlage geschaffen werden, auf der ein Notvrogramm für ben Etat, ben Nachtragsetat unb möglichst auch für das Liquidationsfchäden- g e f e ß ausgestellt werben kann. Auf den Nachlrags- etat legt bie Deutsche Volkspartei befonberen Wert, weil er auch bie Hilfe für bie Lanbwirisch a f t umfaßt Die Frage des Ciquibations- schäbengefehes ist insofern noch nicht klar, als das Kabinett selbst noch nicht enbgültig bazu Stellung genommen hat lieber bie Besprechung wurde ein (Kommunique herausgegeben. dessen entscheidender Passus kautet:
Es herrschte völlige Einmütigkeit über bie Noiwenbigkeit bet Durchführung eines Jlotpro gramms, bas ben haushalt für 1928, ben Jladjtragsetat für 1927 unb wichtige, bamit in Zusammenhang stehenbe Fragen zum Gegen- ftanb haben soll. Die Einzelheiten biefes Arbeitsprogramms sollen noch in biefer Woche feft- gelegt werden. Die Reichsregierung nimmt wegen der geschäftlichen Behandlung auch mit ben Übrigenparteien alsbald Fühlung.
Diese Ankünbigung ist gestern nicht nur hinsichtlich ber sozialbemokratischen, sondern auch der demokratischen Reichstagsfraktion bereits verwirklicht worden. Die Demokraten haben sich mit der Auflösung des Reichstags bis längstens Ende März durchaus einverstanden erklärt. Man hat auch dagegen keinen Widerspruch erhoben, baß das bisherige Kabinett bis zum Reichsiagsschluh die Geschäfte weiter führt. Es wurde dabei nur bie einzige Bedingung gestellt, daß die letzten Wochen dieses Kabinetts nicht mehr dazu ausgenüht werden, frei werdende wichtige Beamtensiellen nach politifchen Gesichtspunkten zu besetzen. Außerdem hat bie bemo- kratische Fraktion bem Vizekanzler hergt, ber mit ihren Vertrauensmännern verhandelte, ben bringenden Wunsch übermittelt, dem Arbeitsprogramm der Regierung auch noch die Schaffung eines Klein- ren(neroerforgungsgefeßes einzufügen.
Am späten Abend empfing ber Vizekanzler hergt bie Führer ber Sozialdemokraten, um sie mit dem vorläufigen Arbeitsprogramm offiziell be
kannt zu machen. Auch bie Sozialdemokraten erklärten, baß sie alles tun würben, um bie möglichst chnelle verabfchiebung bes Etats zu ermöglichen, ba sie ben Zeitpunkt der Neuwahlen möglichst frühzeitig wünschen. 3m übrigen teht schon jetzt fest, daß die Sozialdemokraten ben Etat ableßnen werden.
Die Reichsregierung will nun bis Freitag dieser
(Stne($rf(ärung des Zentrums Die Bolkspartei. wird für das Lcheitcrn des Schulgesetzes verantwortlich gemacht.
Berlin. 15. Febr. (WB.) Die Zentrumsfraktion des Reichstags veröffentlicht eine Kundgebung, in der es heißt:
„Dis zur letzten Stunde fortgeschhrte Berftandi- gungsversuche ergaben die Unmöglichkeit, mit der Deutschen Volkspartei ein Schulgesetz im Sinne der Verfassung und der eingegangenen Koalitionsverpflichtungen zustande zu bringen. Die Schuld an dem Scheitern des Reichsschulgesetzes fällt auf d ie Deutsche Volkspartei. Sie hat damit die Regierungskoalition selbst zerschlagen, die auf ihr besonderes Betreiben zustande gekommen war. Die zwingende Folge daraus wäre die sofortige Auflösung des Reichstages. Aus außen- und innenpolitischen Gründen hält die Zentrumsfraktion jedoch den Versuch für notwendig, den Etat und einige Rotstandsgesehe tn kürzester Frist zu erledigen. Das Gelingen dieses Versuches hängt von dem Derantwortlichkeitsgesühl aller Parteien des Reichstages ab. Trotz des erneuten Scheiterns einer gesetzlichen Sicherung des christlichen Schulideals muß der Kamps auf dem Boden der in der Verfassung gewährleisteten Gewissensfreiheit und des Elternrechtes mit unverminderter Kraft f o r t g e f ü h r t werden." Die Schulpolitik der Volkspattei
Berlin, 16. Februar. (Priv.°Tel.) Die Deutsche Volkspartei veröffentlicht eine Erklärung, in der darauf hingewiesen wird, daß bei den Verhandlungen über das Schulgesetz die Deutsche Dolkspartei von Anfang an bereitwillig, mitgearbeitet hat. Sie hat sich insbesondere im Rahmen der Verfassung und der Richtlinien für die Koalition bemüht, zu er» reichen: Die Erhaltung der Bekenntnisschulen und der bestehenden Simultanschulen, die Wahrung des Elternrechts, der Gewährleistung des Religionsunterrichts nach den Grundsätzen der Religionsgesellschaften. Das Zustandekommen des Gesetzes ist gescheitert an dem Widerstand anderer Parteien gegen die Sicherung der verfassungsmäßigen Vorzugsstellung der Gemeinschaftsschulen, die Erhaltung der Simultanschulen, die Gewährleistung eines geordneten Schulbetriebes unter 2lblehnung der Zertrümmerung des Schulwesens durch konfessionelle und weltanschaulich eingestellte Zwergschulen, die unbedingte Sicherung der Schulhoheit des Staates.
Gescheitert ist das Schulgesetz demnach an der äleberspannung der Forderungen des Zentrums, die im Enderfolg zu einer Untergrabung der Autorität des Staates über die Schule geführt hätten, Forderungen, denen die Deutschnationale Volkspartei allzu bereitwillig Gefolgschaft geleistet hat. Gescheitert ist es an der ^leberspannung des Begriffs des Elternrechts, die in ihrer Auswirkung zu einer Zersplitterung und Verschlechterung des gesamten Schulwesens unb — zum Schaden der christlichen Erziehungsgrundlage — zu unabsehbarer Entwicklung religionsloser Weltanschauungsschulen geführt hätte. Wenn auch bei der Beratung des Schulgesetzes, fo_ heißt es weiter, die ideellen Fragen naturgemäß im Vordergrund standen, so dürfte doch angesichts unserer finanziellen Gesamtlage die K o ft ende ck u n g nicht außer Betracht bleiben. Die erforderliche Klarheit hierüber war bis zum letzten Augenblick nicht herbeizuführen. Fest stand nur, daß durch die Gestaltung des Gesetzes, insbesondere durch die letzten Vorschläge der Regierung und der übrigen Parteien eine erheb l i ch e Steigerung der La st en für Reich. Länder und Gemeinden noch über die Vorlage hinaus entstanden wäre, für die eine Deckung nicht vorhanden ist.
Die Haltung
der Neutschnationalen.
Der voraussichtliche Wahltermin.
Berlin. 16. Febr. (Priv.°Tel.) Die Frage des Termins für die Auflösung des Reichstages und des damit verbundenen Reuwahltermins ist noch nicht gefiärt. Sie hängt davon ab. ob die Fraktionen der Regierungsparteien einschließlich der Deutschnationalen sich über das vom Reichskabinett aufgestellte Arbeitspro---
Berlin, 15. Febr. (WB.) Um 3/J0 Uhr eröffnete Landgerichtsdirektor Dust die Verhandlung. Der Verteidiger beantragt, zur Beurteilung des Charakters des Angeklagten den Lehrer des Untersuchungsgefängnisses zu vernehmen. Dann wird nochmals in die Beweisaufnahme eingetreten. Der 17jährige Wolfgang M o t g a wohnt in Mahlow und ist Mitschüler von Krantz und Günther Scheller. Scheller habe ihm einmal gesagt, es werde nicht lange dauern, bis Kraiih sich aus Ueberdruß am Leben das Leben nehmen würde. Der Junge hatte die Aeußerung nicht ernst genommen, sondern für Rederei gehalten, weil Scheller immer etwas großspurig war. Scheller kam einmal gepudert zur Schule, mehrfach mit gestrichenen Augenbrauen. Günther Scheller habe einmal gesagt, Stephan solle sich ja nicht noch einmal in Mahlow sehen lassen. Ein anderes Mal drohte er, er wolle ihn umbringen. — Es wird dann als erster Sachverständiger Medizinalrat Dr. Hommerich vernommen, der die Leichen von Hans Stephan und Günther Scheller obduziert hat.
Stephan hatte in ber rechten Seite zwei Schüsse, ziemlich am rechten Ohr. Die beiden Einschüsse boten keineZeichen bes Nahschusses. Günther Scheller hatte einen Schrägschuß in ben Kops, ber bas Gehirn verletzt hatte. Der Schuß zeigte bie typischen Merkmale bes Nahschusses, von ben verwunbungen bes Stephan war ber Kopf- sibuß sofort löblich. Bei Scheller hat es sich allem Anschein nach um einen Selb ft mord gefjanbelt
Ingenieur Schunderer, der als Schießsachverständiger vernommen wird, nimmt ebenfalls einen Selbstmord Schellers an, zumal alle Merkmale des Rahschusses vorhanden waren. Rach seiner Meinung sind unbedingt vier Schüsse abgegeben worden. Zwei Kugeln steckten in der Leiche Stephans, eine in der Leiche Günthers und eine fand der Vater Scheller erst später im Schlafzimmer. Es ist anzunehmen, daß diese Kugel vom ersten Schuß gegen Stephan herrührt, der fehlgegangen ist.
Oberlehrer im Untersuchungsgefängnis Seemann äußerte sich als Zeuge über den Charakter des Krantz, wie er ihn im Gefängnis beobachten konnte. Er habe bei Krantz viel Minderwertigkeitsgefühl festgestellt, das auf gewisse körperliche Eigenschaften zurückzuführen ist. Dieses Bewußtsein, feinen Kameraden nicht gleichwertig zu sein, hatte sein innerstes Gleichgewicht ins Schwanken gebracht. Um seine innere Schwäche nicht zu zeigen, habe er sich oft den Anschein von Eigenschaften gegeben, die ‘ er nicht besitzt. Das hat ihn zum Renommieren über sexuelle Dinge oder über seine Trinkfestigkeit verführt. Der Zeuge ist über- I zeugt, daß Krantz bei Leiten mit starkem Willen | immer der sein wird, der geleitet wird.
3n der „Xägl. Rundschau" und der ,DAZ" wird schließlich noch ausdrücklich festgestellt, daß von keiner Seite eine Demission des Kabinetts gefordert worden ist und daß auch zu einer solchen Demission kein verfassungsmäßiger Grund vorliegt.
Oie Agrarkredite.
Keine allgemeine Zinsverbilligung zu erwarten.
Berlin, 15. Febr. (WB.) Es ist bie Wahrnehmung gemacht worben, baß landwirtschaftliche Unternehmer sich von ber Ausnutzung vorhandener Krebitmöglichkeiten nur aus dem Grunde f e r n h a l t e n , weil fie tm Zusammenhang mit den. kürzlichen Erörterungen im Reichstag über eine Hilfsaktion für die Landwirtschaft eine allgemeine Verbilligung bes landwirtschaftlichen Kredites mit Reichsmitteln er- warten. Von unterrichteter Seite wird aus diesem Anlaß daraus hingewiesen, daß zur Zeit zwar Erwägungen schweben, ob und in welcher Weise Zinsverbilligungen für einzelne örtlich beschränkte Bezirke, in denen besondere Notstände oorliegen, oder für bestimmte Zwecke, wie z. B. Meliorationen, durch Bereitstellung öffentlicher Mittel gegeben werden können. Eine allgemeine Kreditoerbilligung für die Landwirtschaft in ber Weise, daß etwa für alle land wirtschaftlichen Hypothekenschulden eine Verbilligung des Zinssatzes durch Bereitstellung öffent- licßer Mittel erfolgt, ist aber nicht in Erwägung aezogen worden. Es wäre daher falsck, wenn landwirtschaftliche Unternehmer, die für die Aufrechterhaltung ihres Betriebes langfristige Kredite notwendig haben und denen sich die Möglichkeit mir Deckung dieses Kreditbedarfs zu an- gemesienen, Bedingungen bietet, in der falschen Erwartung, auf eine allgemeine Kreditverbilligung vorhandene Kreditmöglichketten nicht aus- nützen würden.
Als nun eine Frage bes Verteidigers an den Zeugen der Vorsitzende unterbricht, kommt es wieder zu einem scharfen Zusammen- ft o ß. Der Vorsitzende rügt bie Heftigkeit bes verteibigers. Dieser verbittet sich bie Unterbrechung bes Vorsitzenden. Das Gericht zieht sich daraus zur Beschlußfassung darüber zurück, ob dem Verteidiger bas Wort entzogen roerben soll. Der vorsihenbe verkünbete, baß das Gericht beschlossen habe, bie Frage bes Verteidigers nicht zuzulassen. 3m übrigen fei er berechtigt, zu erklären, baß ber ganje Gerichtshof über ben Ton, ben ber Verteidiger anfchlage, empört ist. Der Verteidiger bezeichnete diese Erklärung als ungesetzlich und sagte, er behalte sich bie Entscheibung barüber vor, ob er bie Verteidigung weiter führen werbe.
Als nächster Sachverständiger wird Medizinal- rat Dr. v. Mahrenholtz vernommen, der sich über den Angetlagten Krantz äußert. Er stellt fest, daß es sich nach dem ganzen Gang der Verhandlungen und nach dein, was sich aus der Beobachtung des Angeklagten ergibt, bei Krantz nicht um einen minderwertigen Menschen im Sinne des § 51 des Strafgesetzbuches handele. Der Sachverständige unterscheidet ferner für die Rächt der Tat zwei Rauschzustände verschiedener Art, einen schweren für die Zeit um 3 ilßr, als der Schuß in der Küche fiel, der an I Krantz' Kopf vorbeiging, und einen weniger i schweren für die Stunde der Tat. Für den Mor- I gen könne für Krantz der § 51 nicht in Geltung ! kommen, da zu dieser Zeit seine freie Willensbestimmung nicht ausgeschlossen getreten sei. Für die Zeit um 3 Ußr nachts, als die Abschiedsbriefe mit der Ankündigung der Tat geschrieben wurden, äußerte der Sachverständige Zweifel, ob Krantz und Scheller im D o l l - bes ih ihrer Entschlußfreiheit gewesen seien. Es sei zweifelhaft, ob für diese Zustände nicht der § 51 in Frage komme. Rachdem im weiteren Verlaufe der Sitzung die Sachverständigen, Professor Kramer und Professor Sprang er ihre Gutachten erstattet hatten, die ähnlich lauteten wie die bereits erstatteten Gutachten über Krantz, beantragte Rechtsanwalt Dr. Frey, eine Pause eintreten zu lassen, damit die Verteidigung sich schlüssig machen könne über ihre Stellung zu der Haltung des Gerichtes.
Nach einer kurzen Pause erklärte Dr. Frey, baß er sich genötigt sehe, die Verteidigung n i e b e r ; u l e g e n , ba er in der Erklärung bes vorsitzenben eine Verletzung der Würde der Verteidigung und des ganzen An- waltssiandes erblicke.
Die Erklärung des Gerichtes sei ungesetzlich und außerdem unbegründet, da der Vorsitzende durch mehrfache Unterbrechung des Verteidigers den Zwischenfall' verschuldet habe. Der Vorsitzende vertagte daraus die Sitzung um anderthalb Stunden, um während dieser Zeit einen an-


