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Nr. 270 Erstes Blatt

178. Jahrgang

Donnerstag, 15. November 1928

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Dietzen« JamÜlenDlÄtt« ßetmat im Bild 'Die Scholle.

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Gichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich fürPolitik Dr. Fr. Wilh Lange für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Diumschein; für den An­zeigenteil Kurt Hillmann. sämtlich in Gießen

Der Untergang des DampfersVestris".

Der LloyddampferBerlin^ mit geretteten Passagieren in Reuyork. - Die ersten Berichte von Augenzeugen der Katastrophe. Sämtliche Kinder und viele Krauen ein Opfer der Wellen.Vernichtende Urteile über die Seetüchtigkeit derVestris".

Oie Rettungsarbeit des LloyddampfersBerlin".

Kapitän von Thuelen berichtet.

Reuyork, 14. Rov. (WTB.) Der Kapitän des Lloyddampfers »Berlin", t>. Thuelen. cr- erklärte dem Vertreter deS WTB. über die Betei­ligung seines Schiffes an der Rettung der Tleberlebcnden derDestriS" u. a.: Wir befanden unS etwa 40 Meilen östlich von Rantucket, als die Funkstation Tuckerton uns um 10 Ähr vor­mittags örtlicher Zeit am Montag von der Rot- laae der »Vestris" Mitteilung machte. Um 11.15 Uhr fingen wir dann einen direkten Rot­ruf des Schisses auf. Wir waren um diese Zeit etwa 200 Meilen von der Unsallstelle entfernt. Die Passagiere derBerlin" waren erfreut ,als sie hörten, daß wir derDestris" zu Hilfe eilen würden. Sie beteiligten sich sofort an den Vorbereitungen zur Aufnahme der Ueberlebenden und stellten ihre Kabinen zur Verfügung. Wir fuhren mit höchster Ma­schinenkraft und trafen um 11 Uhr nachts an der U n f a l l st e l l e ein. Zunächst war nichts zu erblicken. Unter Berücksichtigung der Meeres­strömungen, die die Boote abgetrieben haben konnten, fuhren wir darauf noch etwa zwölf Meilen über die uns angegebene Position hinaus. Um 11 Uhr liehen wir Raketen steigen, nachdem wir vorher uns drahtlos mit den anderen Ret- tungSschtften verständigt hatten, damit dort nicht der Einoruck entstand, dah ein anderes Schiff sich ebenfalls in Seenot befinde. Wir warteten nun auf die Antwortlignale der Ueberlebenden derVestris". Es waren aber keine zu erblicken. Allmählich kamen die anderen Rettungs­schiffe in Sicht. Wir kreuzten nun die ganze Rächt auf einem Gebiet, das einem Quadrat von etwa 40 Seemeilen (Seitenlange entspricht, in jeder Richtung. Zeitweise hatten wir schweren Gewitter st urm und Regenböen. Das Funktionieren der Funkanlage wurde dadurch zeitweise ungünstig becinfluht. Am Morgen teil­ten uns die Schis'eAmerican Shipper" und Myriam" mit, dah die Rettungsboote derVestris" aufgefunden seien. Wir fuhren sofort hinüber. Auf dem Wasser trieben noch drei leere Rettungsboote, deren Insassen bereits von anderen Schiffen geborgen worden waren.

Gegen 10 Uhr sahen wir in weiter Entfernung ein Rettungsboot. Es erwies sich als das Doot Rr. 13 mit 22 Insassen. Wir fuhren dicht heran und brachten die Schiffbrüchigen, die sehr ermüdet und erschöpft waren, an Bord. Dann setzten wir unser Suchen fort. Wir durchfuhren jetzt eine Stelle, wo die Meeres- obersläche mit Wrack stücken jeglicher Art, Balken, Bruchstücken der Decksbeplankung. Rettungsgürteln usw., bedeckt war. Etwa eine Stunde war so vergangen, als wir in der Ferne die Hand eines Mannes erspähten, die sich aus den von der groben See hin- und her- geschlcuderten Trümmerstücken emporreckte. Mit äußerster Vorsicht fuhren wir so nahe wie mög­lich heran. Es war der Passagier Schmidt, über dessen Rettung die Telegramme bereits be­richtet haben. Er schwamm an einen Ret­tungsgürtel geklammert. Unser zwei er Offizier, Mathy, wurde an einem Tau vom Dampfer herabgelassen. Es gelang ihm schließlich, Schmidt zu packen und ihn, unter­stützt von unserem ersten Offizier, Dehne, an Bord zu bringen. Beim Weiterfahren wurde eine treibende öeidjz gesichtet. Der schwere See­gang machte es jedoch unmöglich, sie gefahrlos zu bergen. Die Ueberlebenden wurden sofort in jeder Weise versorgt: vor allen Dingen erhielten sie warme Kleidung. Rachdem wir zu der Ueber- zeugung gekommen waren, daß bet dem derzeit herrschenden furchtbaren Seegang kein Mensch mehr lebend im Wasser hätte treiben können, beschlossen wir gegen Mittag, die Fahrt nach Reuyork fortzusetzen, wo wir mit einem Tag Verspätung eintrasen.

Der Reuyorler Vertreter der Eigentümerin der Vestris", der Lamport Holt, hat Kapitän von Thuelen und den Generaldirettor des Rord- deutschen Lloyd, Schüngel, aufgesucht, um fei­nen Dank für die Beteiligung am Rettungs- Werk auszusprechen. Sämtliche Geretteten toben mit wärmsten Worten die außerordentlich freundliche Aufnahme, die ihnen an Bord derBerlin" zuteil wurde.

Verspätete S. O. S.-Rufe.

Fünf Passagiere derVestris" bestätigten übereinstimmend, daß in der Zeit vor dem Unter­gang des Schisses an Bord keinerlei Panik oder Aufregung herrschte. Alles wickelte sich z u - nächst in bester Ruhe und Ordnung ab. Eine Panik entstand erst, als es sich infolge des Lieber gewichtes des Schiffes nach einer Seite als unmöglich erwies, einige der Rettungsboote zu Wasser zu lassen und die ersten Doot«, di« zu Wasser gebracht wurden, kenterten, wo­bei die darin befindlichen Frauen und Kinder ins Wasser geschleudert wurden. Die letzten an Bord verbliebenen Passagiere und

Mannschaften sprangen im letzten Augenblick vor dem ©inten des Schisses in die See. Zwei der Passagier« erklären, die Schiffsleitung derDe- stris" hätte ihren Hilferuf mindestens fünf Stunden früher ergehen lassen müssen, da schon seit Sonntag nacht die Kielräume des Schisses voll Wasser gelaufen waren und d ie Pumpenanla­gen versagten, so daß die Mannschaft den zum Mißlingen verurteilten Versuch machen muht«, das eingedrungene Wasser mit Eimern auszuschöpfen. Mit besonderer Schärfe wird die verzögerte Absendung des S.O.S.- Rufes von dem Ingenieur Mack aus Wyoming verurteilt, der sich ebenfalls unter den Passa­gieren befand. Er bezeichnet das Zögern der Schisssleitung als eine verbrecherische Rachlässigkeit, ja, geradezu als Mord. Hätte, so führte er aus, Kapitän Carey den S. O. S.-Ruf bereits um 5 Uhr morgens statt um 10 Uhr ergehen lassen, so wären sämtliche Passa­giere derDestriS" gerettet worden.

Versagen der Rettungsboote.

Reuyork, 14. Rov. (WB.) Rach weiteren Gerüchten der Ueberlebenden ist dieVestris" be­reits zu einem Zeitpunkt gesunken, als erst 80 der 328 Personen an Bord in den Rettungsbooten untergebracht waren. Den alten Traditionen des Seelebens getreu, wurden die Frauen und Kinder zuerst in die Rettungsboote geschafft, aber die Vorbereitungen zum Riederlassen Der Boote erwiesen sich als erschreckend unzu­reichend. Man hatte gerade 37 Frauen und 13 Kinder in den beiden ersten Booten unter­gebracht und die Mannschaft schickte sich an, sie herabzulassen, als plötzlich der Körper deS sin­kenden Schiffes eine ruckart ige Bewegung machte. Die beiden Boote schlugen gegen die Schiffsseite und schleuderten die Frauen und Kinder in d i e stürmische See. Anschei­nend sind alle Kinder ertrunken und nur 10 Frauen gerettet.

Die Ueberlebenden sind der Ansicht, daß die Mannschaft derVestris" ihr Bestes getan hat, dagegen kritisieren sehr viele das Verhal­ten des Kapitäns, der den Hilferuf außer­ordentlich spät ergehen lieh. DieVestris" soll bereits in der Samstagnacht Schlag­seite gehabt haben, und die Leitung des Schiffes wurde immer schwieriger, trotzdem zö­gerte der Kapitän bis Montag morgen mit dem S.O.S.-Ruf. Bald danach stellte es sich heraus, dah die Flaschenzüge zum Herab­lassen der Boote defekt waren. Das Abfieren der Boote beanspruchte Stunden. Tatsächlich sind auch nur zwei Boote ordnungsgemäß herabgelassen worden. Die anderen rissen sich, als das Schiff sank, von sekbst los, und den im Wasser schwimmenden Schiffbrüchigen gelang es erst nachträglich, hineinzuklettern.

Die Mehrzahl der Passagier« hat bi« Boote nicht an Bord des Schiffes besteigen können, son­dern muhte ins Meer springen. Man ver­mutet, dah viele der Vermißten diesen Sprung nicht gewagt haben und von dem sinkenden Wrack mit i n di e Tiefe gezogen worden sind. Don den im Wasser schwiinmercden Schifs- brüchcaen, die gereitet wurden, gehörte die Mehr­zahl der Besatzung an, wahrscheinlich, weil die Seeleute infolge ihrer größeren Abhärtung sich länger in dem eiskalten Wasser halten konn­ten als die Passagiere. Der Korrespondent der ZeitungLa Racion", Buenos Aires, William Davies, berichtet: Wir hatten große Schwierig­keiten, von dem sinkenden Schiff loszukom­men. Als dces gelungen war, zeigte es sich, dah unser Doot keine Riemen an Dord hatte, so dah wir vollständig hilsos waren. Wir muhten das eindrtngende Wass.r mit Hüten aus­schöpfen. Ich hatte nur ein Rachtzeug an und war beinahe tot, als wir gerettet wurden.

Die letzten Augenblicke derVestris".

Bericht eines Augenzeugen

Dec Ingenieur O l Maxey aus Richmond (Vir­ginia), einer der von dem LloyddampferBerlin geretteten Ueberlebenden dervestris, bettchtetr bei der Landung in Reuyork über seine Erlebnisse beim Untergang dervestris il a.: Sonntagnacht wütete ein furchtbarer Sturm. Plötzlich spurte man einen ft arten Ruck. Gleich darauf füllte das einströmende Wasser die Kohlen­bunker und den Mafchinenraum. Die Frauen und Kinder wurden in den ersten drei Rettungsbooten untergebracht. Eins davon hatte ein Leck und sank in etwa 50 Fuh Entfernung vom Schiff. Mehrere Boote kenterten, sobald sie das Wasser berührten. Schreckensrufe erfüllten die Luft, als die in den Boo­ten untergebrachten Frauen und Kinder ins Meer geschleudert wurden. Soweit sich beobachten ließ, wurden sie jedoch von anderen Booten wieder auf­gefischt. Zwei Rettungsboote konnten infolge des Ueberliegens des Schiffes überhaupt nicht f r e i g e m a ch t werden. Ich befand mich mit etwa

90 anderen Passagieren und Mannschaften noch an Bord, als das Schiff sich plötzlich umlegte, wir sprangen über Bord. Ich wurde unter Wasser ge­zogen. wir schwammen dann 2 Stunden, bi» wir von einem Rettungsboot ausgenommen wurden. Ich habe gesehen, wie sich zwei Boote mit wasser füllten. Ein Boot riß sich los, ehe es freigemacht war. Alle Rettungsboote leckten anscheinend, während der ganzen Zeit, die wir im Boot ver­brachten, waren wir damit beschäftigt, das elndrin- genbe wasser auszuschöpfen. Rachts sahen wir d i e LichterderRettungsdampfer. wir hatten jedoch selbst feine Rakete, wir riefen aus Leibes­kräften, blieben aber zunächst unbemerkt. Später sahen wir im Lichte der von dem DampferBerlin" aufsteigenden Raketen In unserer Rähe einen Mann und eine Frau auf einem wrack- stück treiben. Beim verlassen des Schiffes waren die meisten Boote überfüllt. Der zweite Steward schwamm zwischen den einzelnen Fahrzeugen hin und her, um eine bessere Verteilung der Insassen zu er­reichen und die lleberbelaftung einzelner Boote zu vermindern. Als dievestris versank, sahen wir den Kapitän auf dem Sturmdeck stehen. Die Flotille der Rettungsboote bemühte sich zunächst, in der Rächt zusammenzubleiben, wir wurden aber bald von der Strömung auseinander getrieben. Endlich erschien dieBerlin und nahm uns an Bord.

Helden.

UeberetnfHmrfienb berichten die Passagier« über zahlreich« Heldentaten der Mann­schaft. Der Quartermaster L i c o r i c a , unter dessen Kommando das Rettungsboot 14 stand, hab« allein 20 Personen lebend ge­rettet. Er sprang wiederholt ins Meer, um hilflos treibende Passagiere zu retten und um die dem Doot fehlenden Ruder zu beschaffen. Der Telegraphist O'Loughlin blieb bis zum letzten Augenblick den Hilferuf aussendend an seinem Apparat und ist mit dem Schiff versunken. Der Passagier Stada und die Stewardeß Clara Ball blieben 24 Stun­

den an Wrackstücke geklammert auf dem Meer, ehe sie gerettet wurden.

Ein Totenschiff.

An der eigenen Geeuntiichtigkcit zugrunde gegangen.

lieber die Ursache der Katastrophe des englischen Dampfersvestris" äußert sich der Kapitän eines Hamburger lleberseedampfers, der über die Struktur des Dampfersvestris" ge­nau unterrichtet ist. Dieser Sachverständige lehnt die bisherigen Angaben, daß das Schiff infolge einer Verschiebung der Ladung und der daraus entstandenen Schlagseite den Stürmen zum Opfer gefallen sei, ab. Er glaubt vielmehr, daß die vestris an ihrer eigenen Seeuntüch­tig ke 11 zugrunde gegangen 1 ft. Das Schiff habe schon seit über zehn Jahren nicht mehr zur Lloydklasse la gehört. Er habe gerade in der letzten Zeit viele Leute, darunter auch Deutsche gesprochen, die auf dervestris gearbeitet hatten. Alle diese hätten übereinstimmend ausgesagt, dah das Schiffein klappriger Kasten" fei. wiederholt seien auf ihren letzten Fahrten neben ausgedehnten Maschinenschäden 21 n - dichtungen entstanden, die teilweise unter der Kiellinie lagen. Die Schiffsplanken seien alt und vielfach zerbrechlich gewesen und hätten selbst einem mäßigen Sturm nicht widerstehen kön­nen. vor dem Kriege habe da» Schiff schon einmal Infolge einzelner Undichtigkeiten nur mit Mühe und Rot einen Hasen erreichen können. Dies vernichtende Urteil eines Fachmannes wird bestätigt durch die Aussage des Seemanns Sa­dowski, der der Besatzung de» Schiffe» angehörte und erklärt hat, jede Luke de» Dampfers sei schadhaft gewesen. Die Speigatten, die das Abläufen des im Sturm auf Deck schlagenden wasser» sichern sollen, seien verstopft gewesen. Auch die Schottentüren im Schiffsinnern seien nicht wasserdicht gewesen.

Oie panzerkreuzerkn'fis.

Oie Haltung der sozialistischen Minister.

Berlin, 15. Noo. (TU.) Ueber die Gründe, die di« sozialdemokratische Reichstagsfraltion veranlaß­ten, für die Abstimmung über den Panzerkreuzer- antrag Fraktionszwang auch für alle im Kabinett sitzenden sozialdemo­kratischen Minister zu beschließen, teilt der Vorwärts folgendes mit: Die sozialdemokratische Rcichstagsfraktion habe sich der Auffassung, daß sich der Kabinettschef, der nach der Verfas­sung die Richtlinien der Politik zu bestimmen habe, nicht in öffentlicher Abstimmung gegen andere Kabinettsmitglieder stellen dürfe, nicht anschließen können. Diese Auffassung fei von Reichskanzler Müller den Fraktionen oorgetragen worden. Aus der kurzen Aussprache der Fraktion sei heroorgc- gange», daß sie eine Trennung des Partei- Vorsitzenden möge er letzt auch Reichs­kanzler sein von der Fraktion für un­möglich halte, nickt nur im Interesse der Par­tei, sondern auch in seinem eigenen Interesse. Mül­lers Fernbleiben von der Abstimmung hätte bedeu­tet,- daß er s i ch selb st als Parteiführer geopfert hätte, um Schwierigkeiten im Kabinett zu vermeiden. Dieses Opfer wolle die Fraktion nicht bringen, weil fie Müller auch in Zukunst als Vorsitzenden behalten wolle.

Ein anbei er Gesichtspunkt sei aber für bi« Fraktion entscheidend getoe-en. Die Massen der Partei hätten durch ihr Fernbleiben vorn kommunistischen Dolksbegeh'.en ein betoun» bernswertes Beispiel von Geschlossenheit und Disziplin gegeben. Dieses Beispiel sollte sein Gegenstück färben in der vollkommenen Ge­schlossenheit und Disziplin der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion. Die Sozi albemo kra- tie kämpfe nicht gegen bie Wehrmacht an sich, sonbem gegen eine Marineleitung, bie für ihr? unzweckmäßigen unb kostspieligen Pläne den Reichspräsidenten, den Reichswehrminister und bas Gros bet bürgerlichen Parteien einzuspannen Oerffanben habe. Sie vertrete mit der aller­größten Entschiedenheit den Standpunkt, bah bie Volksvertretung ih.e Souveränität nicht preis­geben dürfe gegenüber militärischen Stellen, die gegen Dernunstgrünbe ihr Prestige stellen.

Wie bie Blätter melden, wird sich das Reichskabineti am Donnerstagvormittag mit der Frage e:ner Zustimmung der sozialdemo­kratischen Kabmettmitgliedrr zu dem gegen den Panzerkreuzerbau g:r ch.elen so ,raldemokralischeu Anttag beschäftigen. Diese Tatsache sei auch be­stimmend für die Zentrums fraktion ge­wesen, sich am Mittwoch ohne Beschluß­fassung zu vertagen, um erst bie Entscheidung deS Kabinetts abzuwarten. Außerdem wird ge­meldet, daß der Reichspräsident am Dvn-

Demokratische Auffassung der Lage, nevstagvormittag den Reichskanzler zum Vortrag über die politische Lage empfangen wird. Ueber die Sitzimg der demokratischen Reichstagsfraktion, bie ihre Entscheidung erst am heutigen Donnerstag treffen wirb, berichtet der Demokratische Zeitungsdienst, im Verlaufe der Aussprache sei u. a. betont worden, daß die poli­tische Verantwortung für den Panzerkreuzerbau nicht die jetzige Rttchsvegierung, sondern die frühere R« i ch s r e g i e r un g und die frühere Reg', erungskoalition zu tra­gen habe. Die demokratische Reichstagsfraktion hab« damals gegen den Panzerkreuzer gestimmt und infolgedessen gar keine Veranlassung, der damaligen Regierungsmchrheit die Verantwor­tung abzunehmen. Innerhalb der demokratischen Reichstagsfraktion sei man sich der Verantwor­tung bewußt, die die Fraktion gegenüber den künftigen großen Aufgaben zu tragen habe. Dazu brauche es eine gefestigte Koalitions­regierung, dazu sei es aber auch nötig, dah nicht von einer Partei, wie es jetzt von der Sozialdemokratie gesch hen ist, Anträge gestellt würden, deren Ernsthaftigkeit a s guten Gründen bezweifelt werden tonne. Roch demBörsen-Courler" werden sich di« de­mokratischen Minister Koch und Dietrich bei der QCbftimmung der Stimme an t galten. Wie bieDAZ. berichtet, rechnet man in parlamen­tarischen Kreisen mit ber Ablehnung des sozialdemokratischen Antrages. Der Optimismus werde namentlich durch die Gewißheit genährt, daß die Deutschnationalen, was nunmehr feststehe, gegen den Antrag stimmen wollten. Ein Antrag derMttschastsparlei.

Ein umfassendes Marinebauprogramm gefordert.

Berlin, 15. Noo. (VDZ.) Die Reichstagsfrak­tion der Wirtschaftspartei hat, wie das VDZ.- Bureau erfährt, am Mittwoch in einer gemeinsamen Sitzung mit den Vertretern der verschiedenen Land- tagsfraktionen der Wirtschaftspartei beschlossen, zur Panzerkreuzerdebatte am Donnerstag folgenden An­trag einzubringen: Der Reichstag wolle beschließen, die Reichsregierung zu ersuchen,

1. umgehend ein auf längere Sicht a b ge­selltes Bauprogramm oorzulegen, das alle Deutschland aus dem Versailler Vertrag belassenen Rechte für die Aufrüstung der Marine erschöpft. Die­ses Programm soll den Ausbau der Seestreitkräfte in einer Weise vorsehen, die es ermöglicht, unter Berücksichtigung der modern st en tech- Nischen und militärtechnischen Grund-