Einzelbild herunterladen

verein gründeten. <3r gab bann Vttnen Bbrrß aus der Gießener Schühengefchichte vvm Jahre 1604 ab. wo der Bestand einet, Gießener Schütze.m s.l.schalt zum cr.ie.imal urÜLnd ich fest­stellbar ist, bis zum Jahre 1878, toiübei er die verschiedenen Phasen der ®nttotdlung des Gieße- rrer Schützenwesens in großen StrichM fesselnd skizzierte. Bach der QIu,löfung der Schüyenge- sellschaft im Jahre 1876 wurde am ,U. Oitober 1878 der Schützenverein Gießen gegründet und gleichzeitig eine fertige Schießordmnig erlassen, dec unmittelbar danach das Ero^fnroiPsscheßen folgte. 1881 trat der Verein dem Mtztelrheini- schen Schützenbund bei. Vom Gießenejc Schuhen- vercin ausgehend, wurde im Jahre 1835 der Gauverband Hesscn-Bassau gegründet und im Jahre 1886 das erste VecbaadsschLfien dieses Gauverbandes in Gießen abgehrlte». 1888/89 wurde von dem Verein das heutige Schutzen- haus erbaut, am 19. Mai 1889 wuide es in feierlicher Vteise eingeweiht. Im Iithre 1899 hatte dir Echühenverein das Schützenfest des Schühe.Vunbrs Mit.elrhei i-Dade -P aL; (irr und damit einen außerordentlichen HöhLA unlt des schießsportlichen Lebens in unserer ßltabt. 26 Mitglieder des Vereins haben den grollen Kneg zur Verteidigung des Vaterlandes nchtgemacht, zwei sind aus dem Felde der Ehre geblieben, aber ihr Andenken wird im Verein allezeit in Ehren lebendig bleiben. Mit den Behörden, der tlni- versität, den hiesigen Vereinen und tiefen aus' wartigen Druderve einen hat der Gießener Echützenvercin allez it bis auf den heutigen Sag beste und herzliche Beziehungen unterhiflten. In schieß sportlicher Hinsicht konnte ec dus ch zahl­reiche Mitglieder bei großen Wettschiewen eine ganze Anzahl wertvoller Ehrenpreise tfür Gie­ßen erringen, Pflege des guten .deutschen Schützengelftes hingebende Liebe zum Deutschen Daterlande, Förderung aller Bestrebungen, die auf die Einigkeit und das Glück des Deutschen Dolles abzielen, haben im Gießener Schützen- Verein von jeher eine gute Heimstätte gehabt und wurden als wichtige Destandtktile der Schützenausbildung angesehen. Das soll "ifrn Gie­ßener Schützenverein auch weiter so bfelfren; in diesem Geiste will er mithelfen an dem Aufbau eines neuen, freien, deutschen Vaterlands für ein einiges und glückliches deutsches DolL. (Leb­hafter Beifall.)

Nachdem die Militärkapelle die. Große Fantasie aus Wagners OperTannhäuser" .in her­vorragender Weise zu Gehör gebracht und arischlic- ßnd Fcl. Weeg mit blendenden StimmittÄn und prächtiger Nuancierung, gesangskünstlerisch nein ge­schliffen, unter guter Begleitung durch die Ätzlitär- kapclle die Arie der Agathe aus K. M. o. Wbers OperDer Freischütz" gesungen hatte wofür beiden Mitwirkenden mit Recht starker BeiM ge­spendet wurde folgte bie «lange Reihe der-

Glückwunschansprachen.

Oberbürgermeister Dr. Keller sprach iwnens der Stadt Gießen dem Verein herzliche Glücku-.fnsche zum Jubiläum, warme Anerkennung für die bis­herige Tätigkeit des Vereins unter der Pacche, des Dienstes an Volk, Vaterland und GemeinwokL, und beste Wünsche für die Zukunft aus. Er würdigte^ da- bei in ausgezeichneten und beredten Worten die hohen Ideale des deutschen Schießsports unfci die wertvolle Erziehungs- und Ausbildungsarbe) der Schützenvereine an den in Generationen iiumer wieder folgenden Männern, die sich zu schicem vaterländischen Tun in den Schützenvereinchr .zu­sammenfinden.

Hauptmann Faulenbach als Vertreter; -es Kommandeurs und der Garnison fügte den ^Prz. lichen Glückwünschen der Garnison den Wunsch an, daß auch aus den Reihen des Schühenvereins sich allezeit, wie bisher, Männer finden möchten, bnt sich gern unb freudig dem Dienste für Volk und VäÄec- land widmen.

Se. Magnifizenz der Rektor der Lanbes-Unirtersi- tät, Prof. Dr. Herzog, betonte im Anschluß an seine Glückwünsche das allezeit gute Verhältnis ZLvi- schen Schützenverein, Universität und ötuben|ten= schäft, feierte die Arbeit des Vereins als Dienst, am Vaterland und wünschte dem Schützenverein, ball er dereinst seine Hunderjahrfeier in einem freien, Eini­gen und größeren Vaterland möge begehen können.

Weitere Glückwunschansprachen hielten, unter Dar- bringung von wertvollen Jubiläumsgaben mannig­fachster Gestalt: Frau Horn für die Gießener Schützenschwestern: Professor Dr P o p p (Frank- furta M.) für den Deutschen Schutzenbund, den Verband Mittelrhein, Baden und Pfalz, sowie für den Frankfurter Schützenoerein: Heerth (Mainz) für den Gau Mittelrhein; Dr. Engelmann (Wetzlar) für die Schützengesellschaft des Kreises Wetzlar: Vertreter des Gau-Schützenverbandss Hef- sen-Rasfau und der Schützenvereine Biedenkopf und Offenbach: Schindling für den Schutzenverein Höchst a.M.: Korts für den Schützenverein Ober­ursel:' Barthelmes für die Schützengcsellschaft Gießen 1926; Erle für den Turnverein 1846; Reiber für die Gießener Rudergesellschaft 1877; Frl. Fabian für die Schützentöchter; Textor für die Schützengesellschaft Lich: Schmal! für den Verein Rudersport Gießen 191-3; Noll für den VereinGeselligkeit-Frohsinn 1864"; Kunstmaler Gorsch (Frankfurt a. M.-Höchst) im eigenen Na­men, der ein selbstgemaltes Bild Eckeners als ständig mahnendes Vorbild für alle Deutschen über­reichte; Hirsch für die Gießener Burger-Gesell- schäft; Müller für die Kleinkaliberschutzenabtei- Lung des Schützenvereins. In sämtlichen Anspra­chen, die stets lebhaften Beifall auslösten, wurde dem Verein hohe Anerkennung gezollt für fein bis­heriges Wirken und ihm beste Wünsche für die Zu- funft ausgesprochen. Als Geschenke wurden u. a. überreicht eine Bowle, Pokale, Becher, Fahnen­schleifen, Fahnennägel usw.

Dec Vorsitzende Ph. Nicolaus dankte namens des Vereins für diese vielfachen Ehrungen und die wertvollen Geschenke unb versprach weitere treue Schützenbrüberschaft unb Freunbschaft zu allen Gratulanten biefes Jubiläumstages.

Die Militärkapelle unter Obermusikmeister L ö b e r s Stabführung beschloß bie Feier mit dem ausgezeichneten Vortrag der Großen Fantasie aus WagnersMeistersinger von Nürnberg".

Oer weitere Der aus -es Tages.

Nach der Akademischen Feier fand im Saale des Casö Leib ein Festes sen statt. Hierbei brachte dec Vorsitzende Ph. Nicolaus das Hoch auf bas Va­terland und den Herrn Reichspräsidenten v. Hin­denburg aus, anschließend wurde gemeinsam der erste Vers des Deutschlandliedes gesungen. Auf Vor­schlag des Vorstandes wurde sodann an den Herrn Reichspräsidenten v. Hindenburg ein Gruß- unb Ergebenheitstelegramm abgesanbt. Ein Doppel- guartett des Baucrfchen Gesangvereins und Kurt Richter erfreuten in hohem Maße durch ihre Ge­sangsvorträge, bie man mit lebhaftem Beifall be­dankte. Anschließend war auf der Lieüigshöhe 5 - Uhr - Tee mit Konzert, abends F e st b a l l im Saale des Gesellschaftsvereins.

Spengler- und Installateure- Tüßung in Gießen.

Die Spengler- und Installations- meister aus Hessen und Hessen- Bassau hatten sich gestern hier in stattlicher Zahl zum 2. Bezirkstag eingefunden. Der Verbandsvorfihende H e r r m a n n'° Frankfurt am Main betonte in der Begrüßungsansprache, daß die Absicht bestehe, durch Kräftigung der Or­ganisation in Oberhessen den Derbandsmitglie- dern stärkere Unterstützung im Existenzkampf zu bieten.

Bachdem der Vertreter Gießens die Ver- bcmdskollegen begrüßt hatte, erfolgte durch Decker- Frankfurt der Bericht über den Stand des Verbandes und bie Tätigkeit der Leitung. Die Auseinandersetzung mit der Süddeutschen Böhren-Großhandels-Gesellschaft kam zur Sprache, Ziel ist eine Verständigung gegenüber den Schwarzarbeitern und Gelegen­heitsarbeitern. Die Reichsverdingungsordnung hat keine wesentliche Aenderung gebracht, das Unterbietungswesen blüht weiter. Auf ein Ver­zeichnis günstiger Grohhandelsfirmen für sämt­liche Jnstallationsartikel wurde besonders auf* raerffam gemacht. Eine lebhafte Aussprache folgte dem interessanten Vortrag. Es wurden Beschwer­den laut über die mangelhafte Berücksichtigung der Interessen der Handwerksmeister durch die

»iiniMmBi,!um III .....

93er-

Für den Fall, daß fehlschlagen sollten, Großeinkaufsgesell- Grundlage in Vor-

Iimg feststellen konnte, daß bet Angeklagte durch das Verhalten seiner Verlobten schwer gereizt worben sei.

Gerichtssaal.

WSB. Frankfurt a. TL, 14. Okt. Das hie­sige Schwurgericht verurteilte den 24jährigen Maschinenschlosser Josef Bämig wegen Tot- sch 1 a g s unter Zubilligung mildernder Umstände und wegen fahrlässiger Körperverletzung zu drei Jahren und drei Wochen Gefängnis. Der Angeklagte hatte in der Bucht zum 20. Mai d. I. seine Verlobte, die 24jährige Hausangestellte Anna Gläser, erstochen, um darauf einen Selbstmordversuch zu machen, inbem eT sich dre Pulsader öffnete. Das milde Urteil ist darauf zurückzuführen, daß das Gericht in der Derhand-

öer Raubüberfall

im Darmstädter Schloß.

3000 Mark Belohnung.

Lpd. Darmstadt, 13. Okt. Wie die Staats­anwaltschaft mitteilt, sind auf die Ergreifung der Täter des Baubüberfalles auf den Grafen Hardenberg von ungenannter Seite weitere 2500 Marl Belohnung ausgesetzt wor­den, so daß jetzt mit den vom Justizministerium bewilligten 500 Mark insgesamt 3000 Mark zur Verfügung stehen.

Es folgten bann verschiebene Berichte. Herr» mann (Frankfurt) referierte über bie Landesfach- verbandstagung unb bie damit verbundene hervor­ragende Ausstellung von Meisterstücken in Koblenz. Er forderte für die gleiche Ausstellung 1929 in Kassel zu starkem Besuch auf. Becker (Frankfurt) berichtete vom Reichsoerbandstag in Halle. Dec Rcichsverband zähle rund 17 000 Handwerksmeister, habe ein Vermögen von 75 000 Mark und einen letztjährigen Rechnungsüberschuß von 15 000 Mark, ber Fachschule konnte er 12 000 Mark übergeben. In München soll die nächste Reichstagung abge­halten werden. Dr. Kappe (Köln) forderte in ber Aussprache, baß bie Gas- und Wasserwerke mit den Meistern zusammenarbeiten sollten.

Nach dem üblichen Schlußwort durch den bandsleiter fanb die Tagung ihren Abschluß.

Großlieferanten Frankfurts, die Einigungsbemühungen wurde die Gründung einer schäft auf genossenschaftlicher schlag gebracht. r . t

Decker-Frankfurt referierte dann über

Zweck und Ziele der Fachverbände. Sie sollen das Gemeinschaftsgefühl wecken, das Standesbewußtscin stärken. Bur durch Geschlos­senheit könne man standespolrusche Fragen lo­sen z. D. Handwerkernovelle, Bcrchsverlnn- aungsordnung, Steuersragen, PrriLmethoden und a. in. Installateur- und Spenglermeister B o - dig er-Gießen gab wertvolle Beispiele und Ergänzungen über Meldepflicht.

Derbandsgeschäftsführer Dr. Kappe (Köln) hielt bann einen sehr lehrreichen Vortrag überDer Staat, die Wirtschaft unb wir Mel - ft er". Er sch.lderte bic Notlage unb Bedrängnis tzes Mittelstandes, besonders der Handwerksmeister, deren Lebensnotwendigkeit er betonte. Selbst der Reichswirtschaftminister Curtius habe dies mit den Worten unterstrichen: Der eigenlliche Träger der Kultur, ber stärkste Hüter des Volkstums und ein Bollwerk gegen die Masfenüberflutuna sei der Mit­telstand. Das Handwerk sei in den letzten Jahren stark vernachlässigt worden. Dagegen finde der Ar­beitnehmer größtes Entgegenkommen, während dem Handwerk wenig Erleichterung gewährt wurde. Die heutige Belastung sei kaum noch tragbar. Hierher gehörten die Real- und Gewerbesteuer, die Sonder­besteuerungen, die Sozialversicherungen, die den Boden der gesunden Wirtschaft untergraben und die Existenz des einzelnen bedrohten. Man nehme dem Arbeitnehmer die Verantwortung, man verschärfe den Gegensatz zwischen Kapital und Arbeitnehmer. Redner'wandte sich gegen die schematische Gleich- fehung des Mittelstandes mit der Großindustrie im Arbeitszeitgesetz. Das Vordringen der öffentlichen Hand in die Privatbetriebe dürfe nicht unterschätzt werden. Der Vortragendete unter allgemeiner Zu­stimmung mit den Worten: Ohne einen gesunden Bauern- unb Mittelstand kein gesunder Volksstaat.

Oberhessen.

Großfeuer in Trais-Horloff.

r Trais-Horloff, 14.Oktober. Heute nacht zwischen 12 unb 1 Uhr ertönte hier Feuer­alarm. Die mit Erntevorräten reich angefüllten Scheunen des Schreinermeisters Friedc. Schmibt und des Schmiedemeisters Hublitz standen m Flammen. Das Vieh konnte gerettet werben bis auf die Hühner, bie bireft in bie Flammen flogen. In kürzester Zeit waren bie diesige unb bie Feuer­wehren ber umlicgenbcn Ortschaften Utphe, Jnhei- ben, Steinheim, Robheim, Langb und Freiwillige Feuerwehr von Hungen zur Stelle unb nahmen die Bekämpfung des Feuers auf. Da bie Wasser- leiiung nicht genügende Wassermenaen lieferte, wurde mittels der Feuerspritzen Wasser aus ber etwa 100 Meter am Brandherbe vorbeifließenben Horloff entnommen. Anfänglich wehte mittelstarker Winb unb es beftanb große Gefahr, daß sich das Feuer nxiter verbreitete, zumal bie Flammen mitt- lerweile auch bie Stallungen unb bie Werk­st ö t t e des Schreinermeisters Schmidt schon er­griffen hatten. Sämtliches Werkzeug und bie gesamte Motoranlage wurden ein Raub ber Flammen. Als bie erst spät herbeigerufene Kreis-Motorsoritze von Gießen unter Leitung des Kreisfeuerwehrinspektors D i ck o r e (GieHen) an der Brandstelle eingetroffen war, konnten die an­deren Feuerwehren bald außer Tätigkeit treten, da die enorme Wirkung der Motorspritze in kürzester Zeit das Feuer erstickte. Gegen 3 Uhr gab ber hie- sige Feuerwehrkommandant Llbolf Löcher, der bis zum Eintreffen ber Gießener Motorspritze die Brandbekämpfung leitete, den Feuerwehren der umliegenden Dörfer ben Befehl zum Abrücken. Der Schaden ist ziemlich groß. Er soll durch Versilbe­rung gedeckt sein. Die Ursache des Brandes ist vis jetzt unbekannt.

Landkreis Gießen.

V Mainzlar, 14. Okt. Mit dem Ein­bringen der letzten Hackfrüchte ist man bei uns jetzt beschäftigt. Auch diese Ernte ist trotz der Trockenheit gut ausgefallen. Die Aus­saat der Winterfrucht ist nunmehr bis auf den Weizen beendet. Stellenweise treten jedoch die Mäuse dermaßen stark auf. daß schon mehrfach zu ihrer Bekämpfung Gift ausgelegt werden mußte. Daß trotz der sehr geringen Obsternte f ast gar keine Bachfrage nach O b st und hauptsächlich nach Birnen besteht, dürfte zu den Seltenheiten gehören. So wurde bei der letzten Gemeindeobstversteigerung auf Birnen überhaupt kein Gebot abgegeben. Aeberall sieht man jetzt unter den Birnbäumen die abgefallenen Früchte massenhaft liege« und unter den Einflüssen der Witterung vollständig verderben.

§ Grünberg. 14. Oft Aus der jüngsten Gemeinderatssitzung ist u. a. folgendes zu berichten: Dem Maurermeister Bocher aus Mücke wird die Erlaubnis erteilt, für den Bindewaldschen Beubau etwa 45 Kubikmeter Mauersteine im städtischen Steinbruch am Sich- berge zu brechen. Es wird ihm dabei zur Pflicht gemacht, daß der Steinbruch nach Beendigung der Arbeiten wieder in ordnungsmäßigen Zu­stand gebracht wird. Der Preis pro Kubikmeter wird auf 50 Pf. festgesetzt. Die ©arten* strahe soll bis zur Schulstraße durchgeführt! werden. Zwecks Ankaufs des notwendigen Ge­ländes sollen die Gelände-Kommission und der Bürgermeister mit den betr. Grund­stückseigentümern verhandeln. Ein Gesuch des Lehrers Krohle um Herstellung der Diebsturmstrahe bis zu seinem von K. Christ gekauften Baugelände wird vorerst abgelehnt, und zwar so lange, bis die davor liegenden Bauplätze nach der Stadt zu bebaut werden. Die beiden Schafweiden werden an die Pächter Gruber und Grünewald für das Jahr 1929 wieder zu den gleichen Be­dingungen verpachtet. Der Pachtpreis be­trägt pro Jahr für jeden Pächter 1500 Mark. Heber die Beschränkung der Fahrge-

Hamil, der Araber.

Don Sofie von Llhde.

Die gelbe Lohe ber Manege stäubte un^er seinen feinen Hufen, als er von einem kräftigem Burschen nur mit Mühe hereingeführt und gu- rückgehalten ward. Den kleinen Kopf auf herz­licher Biegung des Halses hocherhoben, biJn schlanken Leib zitternd unter dem seidenschwar^esr Fell, so stand er und sah uns aus wilden Augen an. Um seine edle Gestalt brauste noch »e Freiheit seiner heißen Wüsten, in seinem dunk­len Blick schlummerten alle Geheimnisse des ewi­gen Sandes.

Ec stand hier zum Verkauf, der Vierjährige^ frisch aus seiner Heimat gekommen und noch zienv* lichungebrochen", er, dem der langgestreckte; Galopp berKinder Alis" im Blute lag. Es mußte noch viel an ihm gearbeitet werden, aber, er hatte keine Geduld. Er wurde sofort nervös» er stieg, er widersetzte sich. Lind so vollendet schon er war, es wollte ihn niemand haben.

Aber heute muß er verkauft werden," erklärte der lange Däne, der diesem Tattersall Vorstand, in dem wir uns zu einem großen Musikreiten ganz München wollte erscheinen versammelt hatten.Heute muh er in der Quadrille vor­geritten werden, damit man ihn sieht. Uni) zwar, werden Sie ihn reiten, wandte er sich an mich,, sonst kann's doch keiner."

Das war ein htzchst fatales Lob. Denn ein junges, noch nicht gut zugerittenes Pferd bei einer Quadrille reiten, vor hohen Ehrengästen,, das war nicht erstrebenswert und der Weg zur sicheren Blamage. Ich war bereit, Protest einzulegen.

Aber irgend etwas in dem wilden und schwer­mütigen Auge des Pferdes zog mich an. Icb trat an ihn heran, ich sprach leise mit ihm und strich sanft über seinen Hals; er sah mich fremb an, mit unerhört nobler Abgesondertheit des Blickes, aber er begann doch sich unter meiner Hand zu beruhigen. Unb ich bestieg ihn.

Das wurde eine hübsche Quadrille! Ich brachte mit dem lancierenden und ausbrechenden Araber bie ganze Sache durcheinander, der Däne rang die Hände, lind oben aus dec Empore sahen bie schönsten Leutnants, vor denen man eine so ausgezeichnete Figur hätte machen können auf Blitzmädel" oder aufWhite Star". Es war schmerzlich.

lind dennoch verliebte ich mich in das Pferd. Dieses edle Geschöpf, ganz Blut und Berv,

dieser scheue und stolze Fremdling hatte es mir angetan. Unb als wir von den Gäulen stiegen, trat ich vor den Dänen hin, der mir mit dem Blick eines enttäuschten Vaters ent­gegensah, und kaufte den Araber. Ba, das gab kein schlechtes Hallo!

Alle Lichter wurden wieder entzündet, zwi­schen Sattelzeug und Beitröcken wurde eine Tafel" gedeckt, und wir feierten bei Seckt und Kaviarbrötchen das große Ereignis. Doch in vorgerückter Stunde entwich ich und schlich mich heimlich in den nächtlichen Stall.

Die Pferde schliefen, hinter einem Verschlage hervor tarn das ruhige Atmen der Etallwache. Ein Tier und noch eines hob den Kopf nach mir mit leisem Klirren der Kette, als ich zwischen ihnen hindurch zu dem Araber schlich. Er stand wach mitten in seiner Box, den feinen kleinen Kopf mit einer wilden Geste zurückgeworfen; das schwache Licht warf matten Glanz über fein nachtschwarzes, seidiges Fell. Und wieder traf mich aus seinen großen schwermütigen Augen jener dunkle und stolze Blick, der mich welten­weit von ihm absonderte.

Warum schlief er nicht? Warum kreiste er hin und her in dem engen Baume? Quälte ihn Er­innerung an die Weite seiner Wüsten, über die | er mit tanzenden Hufen geflogen war, starkes Hengstfiillen zwischen den schlanken Stuten? Lebte in seiner Tierseele noch ein Klang jener eintönig-wilden Beduinenlieder, gesungen in nächtlichen Lagern am Bande der gelben Un­endlichkeit? War er heimwehlrank, dieser dunkle Fremdling?

Ich sprach lange zu ihm wie zu einem Men­schen. Ich erzählte ihm von dem Haus und dem Garten am Bande des Sees, wo er mit mir leben würde, von ben Wiesen, über die er hin-^, fliegen sollte, frei unb unbeschwert, von den \ killen Wassern, in denen er Kühlung finden konnte. Ich liebkoste ihn, ich warb um fein Ver­trauen, wie nur je um ein menschliches Herz. Und er duldete es schließlich ohne Zittern, daß ich meine Arme um seinen Hals legte. Als ich ,ging, folgte mir sein Blick.

Am anderen Tage ritt ich mit ihm heim in .meine Wälder.

Es bedurfte eines unerhörten Maßes an Ge­duld, um seine übergroße Bervvsität zu besiegen, Und unermüdliche Arbeit an ber Longe und unter dem Sattel war nötig, bis er endlich seine Hinterhand heranreiten lieh unb am Gebiß kau­end weich unb im Gehorsam ging. Dann wurde er . herrlich. Er trug sich unerhört schon in Aktion,

stark wie er war unb zart zugleich, er flog strah­lend vor Grazie und Kraft über Hindernisse hin unb war aufs höchste zu trainieren mit sei­nen trockenen, stahlharten Beinen. Ich habe alle meinen großen Distanzritte mit ihm ge­macht, über viele Landstraßen Deutschlands und Oesterreichs sind wir zusammen vagabundiert.

Ich stand oft und sah ihm zu, wie er sich im Garten oder auf den großen Wiesen herumtrieb, mit wehender Mähne, mit fliegendem Schweif, die seltsam feinen Fesseln seiner Basse badend im hohen Gras, ein schöner Wildling noch immer. Sah er mich, so stieß er ein leises Wiehern aus, unter dem seine Büstern bebten, er flog heran, und seinen kleinen Kopf auf meine Schuller le­gend, ließ er sich liebkosen.

Er hatte alle Scheu verloren. Da die Tür seines Stalles den ganzen Tag offen stand und er gehen konnte, wohin er wollte, folgte er mir meist auf Tritt unb Schritt, ja bis ins Haus, in alle ebenerbigen Zimmer, was den Teppichen nicht Wohltat. Ec schien sein Heimweh vergessen zu haben, er steckte den ganzen Tag voll Heber» mut, hetzte tobend mit den Hunden durch den Garten und jagte den kleinen Kater Peter auf die Bäume. Bur zuweilen sah ich ihn stehen, des Abends auf den Wiesen, den feinen Kopf zurück­geworfen mit jener kämpferischen Geste, die ihm eigen war. vom Abendlicht umflossen wie von Blut, ein schönes Bild aus Bronze. Dann stand in seinen dunklen Blicken wieder jene wilde Schwermut, die in ben Liedern seines Stammes lebt, und ich mußte mich fragen, ob doch noch immer, in unbewußten Tiefen der rätselvolle Zauber seiner Wüsten lockte.

Wir schwammen zusammen, nachts, wenn das Mondlicht silbern über den Wassern lag, die uns umspielten tote flüssiger Glanz. Wir schwam- men in die Weite des Sees hinaus, meine Hand an seiner Mähne, wir tauchten wieder und wieder hinein, trunken vvm warmen Glück ber Sommernächte, und neben uns, ein gottergebener kleiner Schatten, schwamm der Pudel Pan.

Wir durchstreiften zusammen die Wälder, diese geliebten Heimatwälder, bis an den Band der Berge. O, diese Bitte vor Tau unb Tag und erstem Dogellied, von Morgenkraft geschwellt und Iugendfreude! O, dies stillberuhigte Heim- tehren am Abend, mit losem Zügel, durch den nächtlichen Duft, durch den Bachttau der Wiesen, zwischen flüsterndem Schilf und kleiner Welle. O göttllch-heiteve, göllllch-freie Zeit, die von Krieg noch nichts wußte und nichts von Schicksals­wende.

Er kam nur zu bald, der ewig, der immer aufs neue Trennende. Lind er riß auseinander auch hier.

Es erging Befehl, die Pferde zu stellen. Ich konnte Hamil -nicht retten, und so gab ich ihn denn wenigstens einem befreundeten Offizier mit, der mir versprach, alles nur Mögliche für das Pferd zu tun. ilnb dann kam der bittere Ab­schied.

Drei Tage stand der Araber noch in einer Baracke vor München, mit einem großen Pferde­transport. Lind obwohl ich gelobt hatte, nicht mehr zu kommen, trieb es mich doch bin, ihn noch einmal zu sehen. Ich stand auf dem großen Platz vor den Ställen und sprach mit den Offi­zieren da zerriß ein Wiehern die Luft, ein wiehernder Schrei, unb das Pferd, das meine Stimme, gehört hatte, schlug, an seiner Halfter reihend, tote rasend gegen die Wände seines Derschlages. Ich stürzte hinein.

Ach, ich hätte besser daran getan, nicht mehr zu lammen. Bichts nimmt den Schatten einer sol­chen Erinnerung je wieder ganz hinweg, nichts kann mich den brennenden Dorwurf dieser schwer­mütigen Tieraugen vergessen machen, die ftumm- bnennende Frage dieses klagenden Blickes, vor der ich machtlos stand. Wie sollte ich diesem Ge­schöpf das bittere Gebot der Stunde begreiflich machen, tote mein eigenes ohnmächtiges Leid? Kein Weg führte von meiner Welt in seine. Hier erhob sich die dunkle Wand.

Ich bekam getoeulich Bescheid über meinen fernen Kameraden. Alle acht Tage kam eine Feldpostkarte mit ehrlichem Berichte. Ich wußte alles: wann er auf hartem Boden stehen mußte und wann er Stroh zum Lager hatte, wann er Hafer bekam und wann nur Heu; und das Herz wurde mir leichter, wenn ich chn in den schönen Ställen eines verlassenen Schlosses wußte.

Aber eines Tages kam ein Brief von frem­der Hand, schonungsvoll mitgeteilt ein letzter Gruß: Baron C. war gefallen. Sein Lldjutant übernahm das Pferd. Aber wenige Tage später schlug eine Granate in die Dorfstraße, in der Sjamu stand, und traf ihn mit ihrem Splitter- iegen. Man mußte in Deckung gehen, es blieb leine Zeit, dem schwerverwundeten Pferde den erlösenden Schuß zu geben; und so starb er denn einen bittem Tod, treu bis zum letzten auch er.

Unb irgendwo auf einem französischen Acker keimt unb reift der gelbe Weizen über seinem kleinen, feinen Araberschädel.