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verein gründeten, ör gab dann einen Abriß aus der Gießener Schühengeschichte vvm Jah.e 1604 ab, wo der Bestand einet, Gießener Schüße:g s.l.schaft zum erslenmal urljtznd ich fest­stellbar ist, bis zum Jahre 1878, toi »bei er die verschiedenen Phasen der ©nttotdlung jbeä Gieße­ner Schützentoesens in großen StrichM fesselnd skizzierte. Aach der Auflösung der Schühenae- sellschaft im Jahre 1876 wurde am £1. Oktober 1878 der Schützenverein Gießen gegründet und gleichzeitig eine fertige Schießordrurfg. erlassen, dec unmittelbar danach das EröffnuziPsschietzen folgte. 1881 trat der Verein dem MTwlrheini- schen Schützenbund bei. Bom Gießenejr Schützen- verein ausgehend, wurde im Jahre 1885 der Gauverband Hessen-Aassau gegründet und im Jahre 1886 das erste Verba adsschstH'ien dieses Gauverbandes in Gießen ab gehalten 1888/89 wurde von dem Verein das heutige Schützen- Haus erbaut, am 19. Mai 1889 toul'br es in feierlicher Weise eingeweiht. Im Jjchre 1899 hatte dir Echützenverein das Schützsvfest des Schütze.,bundes Mit.elrßei r-Dade -P <tiß l.ier und damit einen außerordentlichen Hohe^ untt des schießspvrtlichen Lebens rn unserer ültadt. 26 Mitglieder des Vereins haben den grollen Krieg zur Verteidigung des Vaterlandes n^itgemacht, zwei sind auf dem Felde der Ehre geblieben, aber ihr Andenken wird im Verein allezeit in Ehren lebendig bleiben. Mit den Behörden, der Uni» versität, den hiesigen Vereinen und ttyfen aus­wärtigen Drudervc einen hat der 1 Hießen er Schützenverein cllez it bis auf den heutigen Tag beste und herzliche Beziehungen unterhalten. In schießspvrtacher Hinsicht konnte ec dutch zahl­reiche Mitglieder bei großen Wettschiejü-rn eine ganze Anzahl wertvoller Ehrenpreise Mr Gie- en erringen. Pflege des guten deutschen Schühengeistes hingebende Liebe zum ^deutschen Daterlande, Forderung aller Bestrebungen, die auf die Einigkeit und das Glück des Deutschen Volkes abzielen, haben im Gießener Schützen- Verein von jeher eine gute Heimstätte, gehabt und wurden als wichtige Destandtctfle der Schützenausbildung angesehen. Das soll «dn Gie­ßener Schützenverein auch weiter so bleiben; in diesem Geiste will er mithelfen an dem Aufbau eines neuen, freien, deutschen Vaterlankfies für ein einiges und glückliches deutsches VolZ. (Leb­hafter Beifall.)

Nachdem die Militärkapelle die Große Fantasie aus Wagners OperTannhäuser" .stn her­vorragender Weise zu Gehör gebracht und arsichlic- ßnd Frl. Weeg mit blendenden StimmittM und prächtiger Nuancierung, gesangskünstlerisch stün ge­schliffen, unter guter Begleitung durch die Ä^litär- kapelle die Arie der Agathe aus K. M. v. Hebers OperDer Freischütz" gesungen hatte wofür beiden Mitwirkenden mit Recht starker BeiKkll ge­spendet wurde folgte die «lange Reihe ber

Glückwunschansprachen.

Oberbürgermeister Dr. Keller sprach nL/nens der Stadt Gießen dem Verein herzliche GlückuIchrsche zum Jubiläum, warme Anerkennung für dv bis­herige Tätigkeit des Vereins unter der Parckle des Dienstes an Volk, Vaterland und GemeinwokW, und beste Wünsche für die Zukunft aus. Er würdigte» da­bei in ausgezeichneten und beredten Wörtern die hohen Ideale des deutschen Schießsports unj), die wertvolle Erziehungs- und Ausbildungsarbe^ der Schützenoereine an den in Generationen iuimer wieder folgenden Männern, die sich zu fchilßsem vaterländischen Tun in den Schützenvereinqn ,zu- fommenfinden.

Hauptmann Faulenbach als Dertretey pes Kommandeurs und der Garnison fügte den 'Herz­lichen Glückwünschen der Garnison den Wunsch an, daß auch aus den Reihen des Schützenoereinv sich allezeit, wie bisher, Männer finden möchten, bi* sich gern und freudig dem Dienste für Volk und Vater­land widmen.

Se. Magnifizenz der Rektor ber ßanbe5=Unirurfi- tät, Prof. Dr. Herzog, betonte im Anschluß an feine Glückwünsche das allezeit gute Verhältnis ipA« schen Schützenverein, Universität und Stubenjten» schäft, feierte die Arbeit des Vereins als Dienst, am Vaterland und wünschte dem Schützenverein, ball er dereinst feine Hunderjahrfeier in einem freien, Eini­gen und größeren Vaterland möge begehen können.

Hamil, der Araber.

Don Sofie von Uhde.

Die gelbe Lohe der Manege stäubte unäer seinen feinen Husen, als er von einem kräftigem Burschen nur mit Mühe hereingeführt unb Ar- ruckgehalten ward. Den kleinen Kopf auf hettr- licher Biegung des Halses hocherhoben, twjn, schlanken Leib zitternd unter dem seidenschwar^esi Fell, so stand er und sah uns aus wilden Olu^en an. ilm feine edle Gestalt brauste noch »e Freiheit feiner heißen Wüsten, in seinem dunk­len Blick schlummerten alle Geheimnisse des ewi­gen Sandes.

Er stand hier zum Verkauf, der Vierjährige», frisch aus seiner Heimat gekommen und noch zienn lichungebrochen", er, dem der langgestreckte Galopp derKinder Alis" im Blute lag. ES mußte noch viel an ihm gearbeitet werden, aber; er hatte keine Geduld. Er wurde sofort nervös» er stieg, er widersetzte sich. Uni) so vollendet schön er war, es wollte ihn niemand haben.

Aber heute muß er verkauft werden," erklärte , der lange Däne, der diesem Tattersall Vorstand, in dem wir uns zu einem großen Musikreiten ganz München wollte erscheinen versammelt/ hatten.Heute muh er in der Quadrille vor­geritten werden, damit man ihn sieht. Und zwar, werden Sie ihn reiten, wandte er sich an mich,, sonst kann's doch keiner."

Das war ein höchst fatales Lob. Denn ein junges, noch nicht gut zugerittenes Pferd bei einer Quadrille reiten, vor hohen Ehrengästen,, i das war nicht erstrebenswert und der Weg ' zur sicheren Blamage. Ich war bereit, Protest einzulegen.

Aber irgend etwas in dem wilden und schwer­mütigen Auge des Pferdes zog mich an. Ick trat an ihn heran, ich sprach leise mit ihm und strich sanft über seinen Hals: er sah mich fremd an, mit unerhört nobler Abgesondertheit des Blickes, aber er begann doch sich unter meiner Hand zu beruhigen. Und ich bestieg ihn.

Das wurde eine hübsche Quadrille! Ich brachte mit dem lancierenden und ausbrechenden Araber die ganze Sache durcheinander, der Däne rang die Hände. Und oben auf der Empore saßen die schönsten Leutnants, vor denen man eine so ausgezeichnete Figur hätte machen können auf Blitzmädel" oder aufWhite Star". Es war schmerzlich.

Und dennoch verliebte ich mich in das Pferd. Dieses edle Geschöpf, ganz Blut und Aerv, .

Weitere Glückwunschansprachen hielten, unter Dar­bringung von wertvollen Jubiläumsgaben mannig­fachster Gestalt: Frau Horn für die Gießener Schützenschwestern: Professor Dr. Popp (Frank­furt a. M.) für den Deutschen Schützenbund, den Verband Mittelrhein, Baben und Pfalz, sowie für den Frankfurter Schützenverein; Heerth (Mainz) für den Gau Mittelrhein: Dr. Engelmann (Wetzlar) für die Schützengesellschaft des Kreises Wetzlar; Vertreter des Gau-Schützenverbandss Heß fen-Nassau und der Schützenvereine Biedenkopf und Offenbach: Schinbling für den Schützenverein Höchst,a. M.; Korts für den Schützenverein Ober­ursel: Barl Helmes für die Schützengesellschaft Gießen 1926; Erle für den Turnverein 1846; Reiber für die Gießener Rudcrgesellschaft 1877; Frl. Fabian für die Schützentöchter: Textor für die Schützengesellschaft Lich; S ch m a l l für den Verein Rudersport Gießen 1913; Noll für den VereinGeselligkeit-Frohsinn 1864"; Kunstmaler Gorsch (Frankfurt a. M.-Höchst) im eigenen Na­men, der ein selbftgemaltes Bild Eckeners afe ständig mahnendes Vorbild für alle Deutschen über­reichte; Hirsch für die Gießener Bürger-Gesell­schaft; Müller für die Kleinkaliberschützenabtei­lung des Schützenvereins. In sämtlichen Anspra­chen, die stets lebhaften Beifall ouslösten, wurde dem Verein hohe Anerkennung gezollt für sein bis­heriges Wirken unb ihm beste Wunsche für die Zu­kunft ausgesprochen. Als Geschenke wurden u. a. überreicht eine Bowle, Pokale, Becher, Fahnen­schleifen, Fahnennägel usw.

Der Vorsitzende Ph. Nicolaus dankte namens des Vereins für diese vielfachen Ehrungen und die wertvollen Geschenke und versprach weitere treue Schützenbrüderschaft und Freundschaft zu allen Gratulanten dieses Jubiläuinstages.

Die Militärkapelle unter Obermusikmeistcr Löbers Stabführung beschloß die Feier mit dem ausgezeichneten Vortrag der Großen Fantasie aus WagnersMeistersinger von Nürnberg".

Oer weitere Der auf des Tages.

Nach der Akademischen Feier fand im Saale des Cnfs Leib ein Festessen statt. Hierbei brachte der Vorsitzende Ph. Nicolaus das Hoch auf das Va­terland und den Herrn Reichspräsidenten o. Hin­denburg aus, anschließend wurde gemeinsam der erste Vers'des Deutschlandliedes gesungen. Auf Vor­schlag des Vorstandes wurde sodann an den Herrn Reichspräsidenten v. Hindenburg ein Gruß- und Ergebenheitstelegramm abgefanbt Ein Doppel­quartett des Baucrschen Gesangvereins unb Kurt Richter erfreuten in hohem Maße durch ihre Ge­sangsvorträge, die man mit lebhaftem Beifall be­dankte. Anschließend war auf ber Liebigshöhe 5 - Uhr - Tee mit Konzert, abends Festboll im Saale bes Gcsellschaftsvereins.

Spengler- unb Znstallateure- Tagunß in Gießen.

Die Spengler- mnd Jnstallations- meister aus Hessen und Hessen- Aassau hatten sich gestern hier in stattlicher Zahl zum 2. Bezirkstag etjjgefunben. Der Verbandsvvrsitzende Herrmann-Frankfurt am Main betonte in der Begrüßungsansprache, daß die Absicht bestehe, durch Kräftigung der 0r- aanifation in Oberhessen den Derbandsmitglle­dern stärkere älnterstutzung im Existenzkampf zu bieten.

Aachdem der Vertreter Gießens die Ver­bandskollegen begrüßt halle, erfolgte durch Decker- Frankfurt der Bericht über den Stand des Verbandes und die Tätigkeit der Leitung. Die Auseinandersetzung mit der Süddeutschen Röhren-Großhandels-Gesellschast kam zur Sprache, Ziel ist eine Verständigung gegenüber den Schwarzarbeitern und Gelegen­heitsarbeitern. Die Reichsverbingungsordnung hat keine wesentliche Aenderung gebracht, das Unterbietungswesen blüht weiter. Auf ein Ver­zeichnis günstiger Großhandelsfirmen für sämt­liche Jnstallationsartikel wurde besonders auf­merksam gemacht. Eine lebhafte Aussprache folgte dem interessanten Vortrag. Es wurden Beschwer­den laut über die mangelhafte Berücksichtigung der Interessen der Handwerksmeister durch die

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dieser scheue und stolze Fremdling hatte es mir angetan. Und als wir von den Gäulen stiegen, trat ich vor den Dänen hin, der mir mit dem Blick eines enttäuschten Vaters ent­gegensah, und kaufte den Araber. Aa, das gab kein schlechtes Hallo!

Alle Lichter wurden wieder entzündet, zwi­schen Sattelzeug und Aeitröcken wurde eine Tafel" gedeckt, und wir feierten bei Seckt und Kaviarbrötchen das große Ereignis. Doch in vorgerückter Stunde entwich ich und schlich mich heimlich in den nächtlichen Stall.

Die Pferde schliefen, hinter einem Verschlage hervor kam das ruhige Atmen der Stallwache. Ein Tier unb noch eines hob den Kopf nach mir mit leisem Klirren der Kette, als ich zwischen ihnen hindurch zu dem Araber schlich. Er stand wach mitten in seiner Box, den feinen kleinen Kopf mit einer wilden Geste zurückgeworfen: das schwache Licht warf matten Glanz über sein nachtschwarzes, seidiges Fell. Und wieder traf mich aus seinen großen schwermüsigen Augen jener dunkle und stolze Blick, der mich welten­weit von ihm absonderte.

Warum schlief er nicht? Warum kreiste er hin und her in dem engen Raume? Quälte ihn Er­innerung an die Weile feiner Wüsten, über die er mit tanzenden Hufen geflogen war, starkes Hengstfüllen zwischen den schlanken Stuten? Lebte in seiner Tierseele noch ein Klang jener eintönig-wilden Beduinenlieder, gesungen in nächtlichen Lagern am Rande der gelben Un­endlichkeit? War er heimwehkrank, dieser dunkle Fremdling?

Ich sprach lange zu ihm wie zu einem Men­schen. Ich erzählte ihm von dem Haus und dem , Garten am Rande des Sees, wo er mit mir leben würde, von den Wiesen, über die er hin- piegen sollte, frei und unbeschwert, von den t killen Wassern, in denen er Kühlung finden konnte. Ich liebkoste ihn, ich warb um sein Der- . trauen, wie nur je um ein menschliches Herz. Lind er duldete es schließlich ohne Zittern, daß ich meine Arme um feinen Hals legte. Als ich ,ging, folgte mir sein Blick.

Am anderen Lage ritt ich mit ihm heim in .meine Wälder.

Es bedurfte Lines unerhörten Maßes an Ge- .duld, um seine übergroße Nervosität zu besiegen, Unb unermüdliche Arbeit an der Longe und unter dem Sattel war nötig, bis er endlich seine Hinterhand heranreiten ließ und am Gebiß kau­end weich und im Gehorsam ging. Dann wurde er . herrlich. Er trug sich unerhört schön in Aktion,

Großlieferanten Frankfurts. Für den Fall, daß die Einigungsbemühungen fehlschlagen sollten, wurde die Gründung einer Groheinkaufsgesell- schaft auf genossenschaftlicher Grundlage in Vor­schlag gebracht.

Becker- Frankfurt referierte dann über Zweck und Ziele der FachverbLnde. Sie sollen das Gemeinschaftsgefühl wecken, das Standesbewußtscin Härten. Rur durch Geschlos­senheit könne man standespolilische Fragen lö­sen, z. B. Handwerkernovelle, Reichsoerdin­gungsordnung, Steuersragen, Preismethoden und a. m. Installateur- und Spenglermeister Rö­tz i g e r - Gießen gab wertvolle Beispiele und Ergänzungen über Meldepflicht.

Derbandsgeschäftsführer Dr. Kappe (Köln) hielt bann einen sehr lehrreichen Vortrag überDer Staat, bie Wirtschaft unb mir Mei - per". Er schilderte bie Notlage unb Bedrängnis Des Mittelstandes, besonders ber Handwerksmeister, deren Lebensnotwendigkeit er betonte. Selbst der Reichswirtschaftminister Curtius habe dies mit den Worten unterstrichen: Der eigentliche Träger ber Kultur, der stärkste Hüter des Volkstums und ein Bollwerk gegen die Massenüberflutung sei der Mit­telstand. Das Handwerk sei in den letzten Jahren stark vernachlässigt worden. Dagegen finde der Ar­beitnehmer größtes Entgegenkommen, während dem Handwerk wenig Erleichterung gewahrt wurde. Die heutige Belastung fei kaum noch tragbar. Hierher gehörten die Real- und Gewerbesteuer, die Sonder- befteuerungen, die Sozialversicherungen, die den Boden der gesunden Wirtschaft untergraben und die Existenz des einzelnen bedrohten. Man nehme dem Arbeitnehmer die Verantwortung, man verschärfe den Gegensatz zwischen Kapital und Arbeitnehmer. Redner wandte sich gegen die schematische Gleich­setzung des Mittelstandes mit der Großindustrie im Arbeitszeitgesetz. Das Vordringen der öffentlichen Hand in die Privatbetriebe dürfe nicht unterschätzt werden. Der Vortraa endete unter allgemeiner Zu- stimmung mit den Worten: Ohne einen gesunden Bauern- und Mittelstand kein gesunder Volksstaat.

Es folgten bann verschiedene Berichte. Herr­mann (Frankfurt) referierte über bie Landesfach- verbandstagung und die damit verbundene hervor­ragende Ausstellung von Meisterstücken in Koblenz. Er forderte für die gleiche Ausstellung 1929 in Kassel zu starkem Besuch auf. Becker (Frankfurt) berichtete vom Reichsoerbandstag in Halle. Der Reichsverband zähle rund 17 000 Handwerksmeister, habe ein Vermögen von 75 000 Mark und einen letztjährigen Rechnungsüberschuß von 15 000 Mark, der Fachschule konnte er 12 000 Mark übergeben. In München soll die nächste Reichstagung abge­halten werden. Dr. Kappe (Köln) forderte in der Aussprache, daß die Gas- und Wasserwerke mit den Meistern zusammenarbeiten sollten.

Nach dem üblichen Schlußwort durch den Ver- bandsleiter fand die Tagung ihren Abschluß.

Oer Raubirberfatt im Darmstädter Schloß.

3000 Mark Belohnung.

Lpd. Darmstadt, 13. Ott. Wie die Staats­anwaltschaft mitteilt, sind auf die Ergreifung der Täter des Raubüberfalles auf Öen Grasen Harden berg von ungenannter Seite weitere 2500 Mark Belohnung ausgesetzt wor­den, so daß jetzt mit den vom Justizministerium bewilligten 500 Mark insgesamt 300 0 Mark zur Verfügung stehen.

Gerichtssaal.

WSA. Frankfurt a. KL, 14. Oft Das hie­sige Schwurgericht verurteilte den 24jährigen Maschinenschlosser Josef Rämig wegen Tot- schlagsu nfer Zubilligung mildernder Umstände und wegen fahrlässiger Körperverletzung zu drei Jahren und drei Wochen Gefängnis. Der Angeklagte hatte in der Aacht zum 20. Mai d. I. seine Verlobte, die 24jährige Hausangestellte Anna Gläser, erstochen, um darauf einen Selbstmordversuch zu machen, indem et sich die Pulsader öffnete. Das milde Urteil ist darauf zurückzuführen, daß das Gericht in der Verhand-

stark wie er war und Aart zugleich, er flog strah­lend vor Grazie und Kraft über Hindernisse hin unb war aufs höchste zu trainieren mit sei­nen trockenen, st ah th arten Beinen. Ich habe alle meinen großen Distanzritte mit ihm ge­macht, über viele Landstraßen Deutschlands und Oesterreichs sind wir zusammen vagabundiert.

Ich stand oft und sah ihm zu, wie er sich im ©arten oder auf den großen Wiesen Herumtrieb, mit wehender Wähne, mit fliegendem Schweif, die seltsam feinen Fesseln seiner Rasse badend im hohen Gras, ein schöner Wildling noch immer. Sah er mich, so stieß er ein leises Wiehern aus, unter dem seine Rüstem bebten, er flog heran, und seinen kleinen Kopf auf meine Schulter le­gend, ließ er sich liebkosen.

Er hatte alle Scheu verloren. Da die Tür seines Stalles den ganzen Tag offen stand und er gehen konnte, wohin er wollte, folgte er mir meist auf Tritt unb Schritt, ja bis ins Haus, in alle ebenerbigen Zimmer, was den Teppichen nicht Wohltat. Er schien sein Heimweh vergessen zu haben, er steckte den ganzen Tag voll Hebet« mut, hetzte tobenb mit den Hunden durch den Garten unb jagte den kleinen Kater Peter auf die Bäume. Aur zuweilen sah ich ihn stehen, des Abends auf den Wiesen, den feinen Kopf zurück­geworfen mit jener kämpferischen Geste, die ihm eigen war, vom Abend licht umflossen wie von Blut, ein schönes Bild aus Bronze. Dann stand in seinen dunklen Blicken wieder jene wilde Schwermut, die in den Liedern seines Stammes lebt, unb ich mußte mich fragen, ob doch noch immer, in unbewußten Tiefen der rätselvolle Zauber seiner Wüsten lockte.

Wir schwammen zusammen, nachts, wenn bas Mondlicht silbern über den Wassern lag, die uns umspielten wie flüssiger Glanz. Wir schwam­men in die Weite des Sees hinaus, meine Hand an seiner Mähne, wir tauchten wieder und wieder hinein, trunken vvm warmen Glück der Sommernächte, unb neben und, ein gottergebener kleiner Schatten, schwamm ber Pudel Pan.

Wir durchstveiften zusammen die Wälder, diese geliebten Heimatwälder, bis an den Rand der Berge. O, diese Ritte vor Tau unb Tag und erstem Dogellied, von Morgenkraft geschwellt unb Jugendfreude! O, dies stillberuhigte Heim- kehren am Abend, mit losem Zügel, durch den nächtlichen Duft, durch den Aachttau der Wiesen, zwischen flüsterndem Schilf unb kleiner Welle. O göttlich-heiteve, göttlich-freie Zeit, die von Krieg noch nichts tourte unb nichts von Schicksals­wende.

lung feststellen konnte, daß bet Angeklagte durch das Verhakten seiner Verlobten schwer gereizt worden fei.

Oberheffen.

Großfeuer in Trais-Horloff.

r Trais-Horloff. 14. Oktober. Heute na# zwischen 12 unb 1 Uhr ertönte hier Feuer­alarm. Die mit Erntevorräten reich angefüllten Scheunen des Schreinermeifters Friedr. Schmidt und des Schmiedemeisters Hublitz standen m Flammen. Das Vieh konnte gerettet werden bis auf die Hühner, die direkt in bie Flammen flogen. In kürzester Zeit waren bie diesige unb die Feuer­wehren der umliegenden Ortschaften Utphe, Inhei­den, Steinheim, Rodheim, Langd und Freiwillige Feuerwehr von Hungen zur Stelle unb nahmen die Bekämpfung des Feuers auf. Da die Wasser­leitung nicht genügende Wassermenaen lieferte, wurde mittels ber Feuerspritzen Wasser aus ber etwa 100 Meter am Brandherde vorbeifließenden Horloff entnommen. Anfänglich wehte mittelstarker Wind und es bestand große Gefahr, daß sich das Feuer weiter verbreitete, zumal die Flammen mitt­lerweile auch die Stallungen unb die Werk­stätte des Schreinermeifters Schmidt schon er­griffen hatten. Sämtliches Werkzeug unb die gesamte Motoranlage wurden ein Raub der Flammen. Als die erst spät herbeigerufene Kreis-Motorsvritze von Gießen unter Leitung des Kreisfeuerwehrinspektors D i ck o r e.. (Gießen) an der Brandstelle eingetroffen war, konnten die an­deren Feuerwehren bald außer Tätigkeit treten, da die enorme Wirkung ber Motorspritze in kürzester Zeit das Feuer erstickte. Gegen 3 Uhr gab der yie- fige Feuerwehrkommandant Wolf Löcher, der bis zum Eintreffen ber Gießener Motorspritze bis Brandbekämpfung leitete, den Feuerwehren der umliegenden Dörfer den Befehl zum Wrücken. Der Schaden ist ziemlich groß. Er soll durch Dersicke- rung gedeckt sein. Die Ursache des Brandes ist vis jetzt unbekannt.

Landkreis Gietzeu.

V Mainzlar, 14. Ott. Mit dem Ein- brHtgen der letzten Hackfrüchte ist man bei uns jetzt beschäftigt. Auch diese Ernte ist trotz der Trockenheit gut ausgefallen. Die Aus­saat der Winterfrucht ist nunmehr bis auf den Weizen beendet. Stellenweise treten jedoch die Mäuse dermaßen stark auf, daß schon mehrfach zu ihrer Bekämpfung Gift ausgelegt werden mutzte. Daß trotz der sehr geringen Obsternte fast gar keine Rachfrage nach O b st und hauptsächlich nach Birnen besteht, dürfte zu den Seltenheiten gehören. So tourte bei der letzten Gemeindeobstversteigerung auf Birnen überhaupt kein Gebot abgegeben. Heberall sieht man jetzt unter den Birnbäumen die abgefallenen Früchte massenhaft liege» unb unter den Einflüssen der Witterung vollständig verderben.

K Grünberg, 14. Ott Aus der jüngsten Gemeinderatssitzung ist uo. folgendes zu berichten: Dem Maurermeister Bocher aus Mücke wird die Erlaubnis erteilt, für den Dindewaldschen Reubau etwa 45 Kubikmeter Mauersteine im städtischen Steinbruch am Sich- berge zu brechen. Es wird ihm dabei zur Pflicht gemacht, daß der Steinbruch nach Beendigung der Arbeiten wieder in ordnungsmäßigen Zu­stand gebracht wird. Der Preis pro Kubikmeter wird auf 50 Ps. festgesetzt. Die ©arten* strafte soll bis zur Schulstraße durchgesüprr werden. Zwecks Ankaufs des notwendigen Ge­ländes sollen die Gelände-Kommission und der Bürgermeister mit den bett. Grund­stückseigentümern verhandeln. Ein Gesuch bes Lehrers Kröhle um Herstellung ber Diebsturmstrahe bis zu seinem von K. Christ gekauften Baugelände wird vorerst abgelehnt, und zwar so lange, bis die davor liegenden Bauplätze nach der Stadt zu bebaut werden. Die beiden Schafweiden werden an die Pächter Gruber und Grünewald für das Jahr 1929 wieder zu den gleichen De* dingungen verpachtet. Der Pachtpreis be­trägt pro Jahr für jeden Pächter 1500 Mark, lieber die Beschränkung der Fahrge-

Er kam nur zu bald, der ewig, der immer aufs neue Trennende. Und er riß auseinander auch hier.

Es erging Befehl, bie Pferde zu stellen. Ich konnte Hamil micht retten, unb so gab ich ihn denn wenigstens einem befreundeten Offizier mit, der mir versprach, alles nur Mögliche für daS Pferd zu tun. Unb bann kam ber bittere Ab­schied.

Drei Tage stand der Araber rwch in einer Baracke vo-r München, mit einem großen Pferde- transport. Unb obwohl ich gelobt hatte, nicht mehr zu kommen, trieb es mich doch hin, M noch einmal zu sehen. Ich stand auf dem großen Platz vor den Ställen unb sprach mit den Lstd zieren da zerriß ein Wiehern bie Luft, ein wiehernder Schrei, und das Pferd, das meine Stimme, gehört hatte, schlug, an seiner Halfter reihend, wie rasend gegen die Wände seines Verschlages. Ich stürzte hinein.

Ach, ich hätte besser daran getan, nicht mehr zu Eommen. Richts nimmt den Schatten einer sol­chen Erinnerung je wieder ganz hinweg, nichts kann mich den brennenden Vorwurf dieser schwer­mütigen Tieraugen vergessen machen, die stumm* brennenbe Frage dieses klagenden Blickes, vor ber ich machtlos stand. Wie sollte ich diesem ®e* schöpf das bittere Gebot der Stunde begreiflich machen, wie mein eigenes ohnmächtiges Leid? Kein Weg führte von meiner Welt in seine. Hier erhob sich bie bunlle Wand.

Ich bekam getoeulich Bescheid über meinen fernen Kameraden. Alle acht Tage kam eine Felbpostkarte mit ehrlichem Berichte. Ich toufjtt alles: wann er auf hartem Boden stehen mufjtf und wann er Stroh zum Lager hatte, wann tt Hafer bekam und wann nur Heu; und das Herz wurde mir leichter, wenn ich ihn in den schönen Ställen eines verlassenen Schlosses wußte.

Aber eines Tages kam ein Brief von fr em* der Hand, schonungsvoll mitgctcilt ein letzter Gruß: Baron C. war gefallen. Sein Lldjutam übernahm das Pferd. 2lber wenige Tage spattt schlug eine Granate in bie Dorf strafte, hx bet Hamu stand, unb traf ihn mit ihrem Splitter* regen. Man mußte in Deckung gehen, es bueb leine Zeit, dem schwerverwunbeten Pferde den erlösenben Schuß zu geben; unb so starb er denn einen bittern Tod, treu bis zum letzten auch er

Unb irgendwo auf einem französischen Aaet keimt unb reift ber gelbe Weizen über feinem kleinen, feinen Araberschädel.

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