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mit dem Kurzwellensender des Zeppelih zu den ver­abredeten Zeiten gegebenen Zeichen auf allen Beob­achtungsstellen gut ausgenommen worden. Nach Abschluß der Versuche dürfte im Interesse der Fahrtsicherheit des Zeppelin dieser 'bereits vor einem neuen Flug mit einer allen Anforderungen entsprechenden Kurzwellensende- und empfangsan- läge ausgerüstet werden.

Wie wichtig das Vorhandensein einer derartigen Anlage ist, ergibt sich wohl am besten daraus, daß bei der verunglückten Nobile-Expedition lediglich durch einen Kurzwellensender, der bekanntlich bei ganz geringen Betriebsmitteln große Entfernungen zu überbrücken in der Lage ist, die Rettungsaktion in so kurzer Zeit zu einem Erfolg fuhren könnte.

9000 Kilometer in so Stunden.

Eine erste Teilschätzung der zurückgelegten Flugstrecke.

Berlin, 14. Oft. (WTD.) Am Sonntagnach-- mittag um 4 älhr war das LuftschiffGraf Zeppelin" genau 80 Stunden unterwegs. Das ist ungefähr dieselbe Zeit, die der Z. R. III vor vier Jahren für seine Fahrt von Friedrichshafen nach Lakehurst gebraucht hat. Z. R. III hat aller­dings bei weitem nicht so große Um­wege zu machen brauchen, wieGraf Zeppelin", der nach seinem Standort von Sonntagfrüh 5 Uhr schätzungsweise bereits über 8000 Kilo­meter zurückgelegt hatte und nach seinem mut­maßlichen Standort nach 80stündiger Fahrt un­gefähr 9000 Kilometer bewältigt haben dürfte. Diese Angabe kann sich allerdings nur auf ungefähre Berechnungen stützen, da man ja nicht weih, wie groß im einzelnen die Umwege bei lokalen Störungen waren, zumal, die be­kanntgewordenen Standortmeldungen sich ver­schiedentlich widersprachen. Immerhin dürfte eine Strecke von 9000 bisher zurückgelegten Kilo­metern der Wirklichkeit ziemlich nahe kommen. Das bedeutet eine Durchschnittsge­schwindigkeit vvn über 100 Kilo­meter, also eine großartige Leistung des Schiffes, wenn man bedenkt, daß sie trotz der zeitweiligen schweren Gegenwinde und der Ha­varie vollbracht worden ist. Die ganze Strecke von Friedrichshafen nach Reuhork, die auf der normalen südlichen Route etwa 7500 Kilometer umfaßt, ist nach den Berechnungen der Sachverständigen durch die Umwege auf etwa 10 000 Kilo­meter verlängert worden, also um ein ganzes Drittel der normalen Route. 2luch mit diesen Berechnungen würde unsere Schätzung der bisher zurückgelegten Strecke übereinstimmen.

Eine Programmrede des Ministers Enriins.

Die Koalitwnsmöglichkeilen in Preußen und im Reich.

Heidelberg, 14.Olt. Auf einer Tagung der Südwestdeutschen Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Dolkspartei, welche die Wahlkreise Hessen-Rassau, Baden, Hessen, Pfalz ; unb Württemberg umfaßt, erörterte Reichswirtschafts­minister Dr. Curt ins verschiedene Möglich­keiten und Wege der Großen Koalition, die er an sich als gegeben für die nächste Führung der politischen Geschäfte im Reiche und in Preu­ßen und als Grundlage einer stetigen und ver­ständigen Politik der Mitte sieht. 3n Preußen freilich werde die Frage der Großen Koalition für di« Deutsche Volkspartei von den Grenzen des schwebenden Konkordats abhängig zu machen sein, während im Reich die Frage des Panzerkreuzerbaues unstrei-tig hemme. Erfreulicherweise lasse der Parlamentarismus manche Wege zur Abtragung hier noch vor- bandener Unstimmigkeiten zu. Der Minister ging dann auf die Krise des deutschen Partei­wesens ein. Zu wenig Beschäftigung mit den geistigen Strömungen unserer Zeit, zu wenig Be­schäftigung mit den wirtschaftlich-sozialen Struk­turänderungen, die die Rachkriegszeit brachte, seien die Ursachen dieser allseitigen Parteiunlust. Ideologien und Taten stimmten heute bei keiner Partei mehr überein. Vereinheitlichung, die aller­dings nur auf stärkste Durcharbeitung der Pro­bleme aufgebaut sein kann, müsse erreicht werden. Immer würden sich freilich nüchterner Formu­lierung reine Gefühlsmenschen entgegenstellen, ipenn und wo diese Stimmungen zur direkten und indirekten Verunglimpfung der Partei und ihrer Führer führen, da zieh.' die Deutsche VolkK- partei ihre Konsequenzen. So sei der Austritt der volksparteilichen Stahlhelmmit- glieder im Reichs- und Landtag zu werten. Die drei nationalen Ziele, um diie di« Deutsche Volkspartei kämpfe, liehen sich dahin umreißen, daß sie den deutschen Landwirt nicht unter­gehen lassen, di« Lebenskraft des deutschen Mit*' telstandes erhalten und die Seele des deut­schen Arbeiters vor der Macht der Ma­schine retten wolle.

Landwirtschaft und Einzelhandel.

Eine Rede des Reichsernährungsministers.

Berlin, 13. Oft. (WB.) In der Mitglieder­versammlung der Hauptgemeinschaft des deut-. schen Einzelhandels begrüßte namens der Reichs­regierung der Reichsmini st er für Ernäh­rung und Landwirtschaft, Dietrich, die Versammelten mit einer Rede, in der er erklärte, der Einzelhandel sei immer noch ein kräftiger und leistungsfähiger Bestandteil des Mittelstandes. Die Konkurrenz der Kon­sumvereine falle immer noch nicht so ins Gewicht, daß man von einer Verdrängung des Einzelhandels ernstlich reden könne. Die Konsum­vereine haben nur dann eine Existenzberechtigung, wenn sie ohne staatliche Begünstigung dem Einzelhandel gewachsen sind. Irgendeine steuerliche oder sonstige Bevorzugung läßt sich nicht verantworten. Die vom Handel beanstandete Aktion des letzten Reichstages zur Rationali­sierung des Genossenschaftswesens ist nicht nur nötig gewesen angesichts der Zu­stände, die sich da und dort herausgestellt haben, sondern auch im Interesse der Absahverhältni se der Landwirtschaft. Diese Frage ist eine Kern­frage für den Bestand der deutschen landwirt­schaftlichen Produktion. Di« Standardisie­rung gerade der im Kleinhandel eine besondere Rolle spielenden landwirtschaftlichen Er­zeugnisse ist eine Voraussetzung dafür, daß der inländische Produzent wieder bestehen kann. Der Redner wies auf die katastrophale Lage hin, die in der Landwirtschaft dadurch entstanden ist, dah der Großhandelsindex für Agrarstoffe Mitte

Lloyd George gegen Chamberlains AnßenpMk.

England hat den JriedensverLrag gebrochen.Oer Völkerbund eine Komödie, Locarno eine Zolle.

London, 13. Oft (T. U.) Auf einer Massen­versammlung in Varmouth, dem Tagungsort des Liberalen Parteitages, hielt Lloyd George eine Rede, in der er die Außenpolitik der Re­gierung scharf angriff. Chamberlain sei ledig­lich eine Figur, die von anderen geleitet werde und deren Anweisungen er ausführe. Die gegen­wärtige Außenpolitik Englands stelle eine Ge­fahr für den Frieden Europas und der Welt dar. Deutschland habe seine Ver­pflichtungen in der Abrüstungsfrage dem Geiste und den Buchstaben nach t> o 11 erfüllt, während die Alliierten nichts getan hätten. Die britische Regierung habe in den vier Jahren ihrer Amtszeit praktisch nichts ge­tan, um die feierlichen Verpflichtungen, Die Großbritannien 1919 übernommen habe, durch­zuführen. Der Bezeichnung des englisch- französischen Fl o 11 e n a bk o m m e n s als den unheilvollsten Vorgang feit dem Kriege, stimme er durchaus zu. Eine Politik ge­gen Italien sei unsinnig, aber eine gegen Amerika gerichtete Vereinbarung sei ein reiner Wahnsinn. Frankreich, die Tsche- chei und Polen seien jetzt in der Lag«, acht' Mil- lionen Soldaten ins Feld zu stellen, aber auf einer Abrüstungskonferenz werde nicht ein­mal die Erörterung dieser Tat­sache erlaubt.

Der Abschluß des Flottenabkommens mit Frank­reich bedeut« nach seiner Ansicht eine völlige Abkehr von den vertraglichen Abmachungen, die Großbritannien durch die Unterzeichnung des Friedensvertrages eingegangen sei und die Deutschland damals ausgezwungen worden seien. Bei diesem Friedensvertrag handle es sich keines­wegs um «inen Vergleich oder einen Kontrakt, sondern um etwas, was von Deutschland an­erkannt worden ist und um etwas,von dem wir

damals sagten, daß wir es tun werden und von dem wir jetzt sagen, daß wir es nicht tun werdet." Lloyd George rief:Schande auf ein großes Land!" und fuhr fort: Großbritannien hat einen Fetzen Papier unterschrieben: Groß­britannien hat niemals in seiner Geschichte sein Wort gebrochen. Jetzt aber reißt es den Ver­trag in Stücke. Er kündigte an, daß eines Tages Rußland wieder auferstehen und wieder in die Kombination der europäischen Rationen eintreten werde. Lloyd George betonte, daß, wenn der augenblicklichen Polittk nicht Halt geboten werde, die V ö lkerb u nd s s a tz ung eine Ko­mödie fei und Locarno «ine Falle. Unter riesigem Beifall schloß Lloyd Georg«: Wenn man Frieden will, muh man für den Frieden arbeiten. Man muh für den Frieden dieselben Opfer bringen, die man für den Krieg bringen würde. Dies wird die größte, edelste und hciligft« Aufgabe sein, deren Vollendung sich der Libera­lismus im Interesse der Menschheit zur Aufgabe gemacht hat.

Die liberalen Blätter vertreten in Leitartikeln die Ansicht, daß der Verlauf des liberalen Partei­tages in Varmouth sich leicht als ein Wende­punkt für die Liberale Partei erweisen könne. D e Empfehlung einer Zusammenarbeit mit der Arbeiterpartei wird begrüßt. Der sozialistischeDaily Herald" sagt in einem Leit­artikelUnsere Antwort an Llo^d George", daß die Arbeiterpartei mit keiner anderen Partei zusammengehen werde. Die der Lloyd Georgr-Rede zugrunde liegenden Voraus­setzungen, daß im nächsten Unterhaus die Lage im wesentlichen die gleiche sein werde, wie im Jahre 1924, werde von der Arbeiterpartei ab» gelehnt, die entschlossen sei, alles zu tun, durch die Wahlen nicht nur die Rcg erungsgewalt, sondern die wirkliche Macht zu erhalten.

Das Geheimnis um Anastasia.

Eine Erklärung -er Zarenfamilie zum Fall Tschaikowsky.

Darmstadt, 13. Okt. (WTB.) Die Fa­milie des ehemaligen Zaren von Rußland veröffentlicht zu dem Fall der Frau von Tschaikowsky die nachstehende Er­klärung:

Die Presse hat oft über eine Frau berichtet, die sich Frau von Tschaikowsky nennt, und die Großfürstin Anastasia Rikojalewna, Tochter des Zaren Rikolaus II., zu fein behaup­tet. Auf wunderbare Weise will sie dem Tode entronnen sein. Rach den Zeitungsmeldungen sollen verschiedene Persönlichkeiten in ihr die Großfürstin wiedererkannt haben. Wan fragt nun häufig bei uns an, ob diese Meldungen der Wahrheit entsprechen. Da unser Schweigen so gedeutet würde, als fei die Möglichkeit eines solchen Tatbestandes denkbar, halten wir es für unsere Pflicht, um allen Vermutungen und fal­schen Gerüchten ein Ende zu bereiten, folgende Erklärung abzugeben:

Die Großfürstin Olga Alexandrowna, die mit den Kindern des Zaren, ihres Bruders, auf sehr vertrautem Fuß stand, hat die sog. Frau von Tschaikowsky gesehen und gesprochen. Die Großfürstin erklärt nun auf das bestimmteste, daß diese Frau nichts mit der Persönlichkeit der Großfürstin Anastasia Nikola­jewna gemein hat. Die Ehrendame Ihrer Ma­jestät, Baronesse Buxhöveden, Herr Gil­liard, der Hauslehrer des Großfürsten-Thronfol- gers und zugleich französischer Sprachlehrer der Zarentochter, und Frau Gilliard, die letztere betreute, alle diese Persönlichkeiten, die mit der Zarenfamilie bis zu deren Internierung in Jeka­terinburg im Mai 1918 zusammen waren, haben ebenfalls Frau o. Tschaikowsky gesehen und gesprochen und auch diese haben auf das allerbestimmteste er­klärt, daß sie in der fraglichen Frau keineswegs die Großfürstin 21 n ajt a f i a Nikola­jewna erkennen. Herr S. K o st r i t s k y, der Zahnarzt der kaiserlichen Familie, der die Zähne aller Kinder zu behandeln pflegete und diese zuletzt in Tobosk im Jahre 1918 sah, hat Gipsabdrücke des Ober- und des Unterkiefers der Frau von Tschaikowski in seinen Händen gehabt. Er konnte aber nur feststellen, daß diese Abgüsse keines­wegs in der Ordnung der Zähne denen der Großfürstin entsprechen. Herr v. Bischof, der Direktor des Institutes der Polizeiwissenschaft an der Universität Lausanne, hat ebenfalls nach einer pein­lich genauen Begutachtung und Vergleichung der Photographien der Großfürstin mit öfenen der Frau von Tschaikowsky erklärt: Es ist unmög­lich, daß eine llebereinftimmung der Persönlich­keiten zwischen Frau von Tschaikowsky und der

Großfürstin vorliegen kann. Indem wir uns nun auf alle diese Zeugenaussagen stützen, geben wir hiermit unserer festen Ueberzeugung Ausdruck, daß die Frau, die sich Frau v. Tschaikowsky nennt und zur Zeit in den Vereinigten Staaten lebt, nicht die Großfürstin Anastasia Nikola­jewna i ft.

Unterzeichnet ist diese Erklärung von sämtlichen Mitgliedern der Zarenfamilie.

Sie Mer Witte von Rußland geftorven.

Kopenhagen, 13.Oft. (TU.) Die Mutter des letzten, von den Bolschewiken ermordeten russischen Zaren Ä'ckolaus II., die Kaiserin Maria Feodorowna, Witwe des Zaren Alexander III., geborene Prinzessin Dagmar von Dänemark, ist im 81. Lebensjahr in ihrem däni­schen Exil Hvidöre bei Kopenhagen gestorben. An ihrem Sterbebett wellten ihre älteste Tochter, di« Großfürstin Tenia und ihr Enkel Prinz Andreas. Maria Feodorowna ist das Schicksal zuteil geworden, ihre beiden Söhn«, Kaiser R i k o l a u s II. und den Großfürsten Michael, durch Mörderhand zu verlieren und, an der Stufe des Greisenalters stehend, den Zu­sammenbruch des Reiches zu erleben, das ihr in früher Jugend zur zweiten Heimat wurde. Ihre politische Rolle im kaiserlichen Rußland ist im allgemeinen Wohl stark überschätzt worden, wenngleich in ihr der Gedanke des absoluten Weltherrschertums bis zuletzt ein« starke Stütze fand. Ihr willensstarker Mann duldete auch von ihrer Seite keine Einmischung in die Staats­geschäfte und ihr Sohn Nikolaus II. stand wohl zu sehr unter dem Einfluß seiner Gemahlin, als daß Spielraum für eine politische Betätigung der Mutter vorhanden gewesen wäre. Di« ausge­sprochene Deutschfeindlichkeit der Zarin-Witwe leitete sich vom deutsch-dänischen Krieg 1864 her. Ihr Vater war der dänische König Christ i a n IX., derSchwiegervater von Europa", ihre Schwester, die erst im vergangenen Jahre verstorbene Köni­gin Alexandra von England, Gemahlin König Eduards VII., eine andere Schwester ist di« Herzo­gin von Cumberland in Gmunden, ein älterer Bruder war der König Georg I von Griechenland. Rach Ausbruch der bolschewistischen Revolution flüchtete sie aus der Krim durch Deutschland nach Dänemark und hat die letzten Jahre mit ihrer Tochter, der Großfürstin Olga, und einem Hofstaat von etwa 30 Personen in ihrer Villa Hvidöre bei Kopenhagen zugebracht.

September 133,5 war, während der Index für Fertigfabrikate, also für das, was der Dauer kaufen muß, sich auf 140 bis 160, bei Texttlien und Schuhzeug auf nahezu 180 beläuft. Der Einzelhandel ist auf Gedeih und Verderben mit dem Grade der Wohlhabenheit der ganzen Be­völkerung verbunden, der Grad der Wohlhaben­heit des Gesamtvolkes hängt aber entscheidend davon ab, dah der größte Erwerbszweig, die Landwirtschaft, nicht völlig verarmt. An den Detailhandel wie an das ganze deutsche Volk ist die Bitte zu richten, den inlän- dischenProduzenten den Vorzug zu geben. Die möglichst weitgehende Ernährung des deut­schen Volkes aus den Erzeugnissen der deutschen Landwirtschaft ist für die Lebenshaltung und die Zukunft unseres Volkes vielleicht das w i ch t i g st e Problem.

Die politischen Ziele des Stahlhelms.

Düsterbergtz Kritik an der Außenpolitik.

Halle, 14.Okt. (TU.) Auf einer Stahlhelm­tagung, an der Prinz Oskar, der älteste Sohn des Kronprinzen, der Herzog von Koburg, General Mat­ter, Graf von der Goltz, Admiral von Schröder, Admiral von Krosigk und Feldmarschall von Macken­sen teilnahmen, sprach der Bundesführer, Oberst­leutnant Düsterberg, über die politische Lage Das Ergebnis der Politik, die die Annäherung zwi­schen England und Frankreich verhindern sollte, sei

die Wiederherstellung der Entente auf Grund eines englisch-französischen Geheimabkom­mens gewesen, während die deutlichen Annähe­rungsversuche Italiens, das heute eine große politische Macht darstelle, unbeachtet geblieben wären. Düsterberg warnte davor, daß sich Deutsch­land nun auch bei den neuen Verhandlungen über die Reparationsfrage in die von Frankreich ange« strebte a n t i a m e r i k a n i s ch e Front in der interalliierten Schuldenfrage drängen lasse. Die deutsche Politik habe die nationalen Kräfte nicht zu nuhen verstanden, sondern sie als lästige Ruhestörer bekämpft. Das sei eine Folge des parlamentarifchen Systems, das den Mi­nister bei den Verhandlungen mit dem Feind ängst­lich nach rückwärts auf die parlamentarische Mehr­heit blicken ließe. Der Stahlhelm sei entschlossen, das Uebel an der Wurzel zu packen. Die Verstär­kung der Macht des Reichspräsidenten sei aus Gründen einer starken Staatsführung not­wendig. Wie notwendig die Aufhebung der Immunität hei Landesverrat sei, habe noch in den letzten Tagen die landesoerräterische Veröffentlichung eines um Jahre zurückliegenden gegenwärtig vollständig gegenstandslosen Vertrages der Reichswehr mit Rußland gezeigt. Reichsinnen­minister Severina habe auf der Bundesver­sammlung des Reichsbanners in Hannover mit einer amtlichen Sabotage des Stahlhelm-Volks- begehrens gedroht. Gegenüber der Haltung der Deutschen Volkspartei wies Düsterberg darauf hin, daß in der Nationalversammlung von Weimar der Volksparteiler Dr. Heintze den über­

triebenen Parlamentarismus der Weimarer Verfaß sung scharf getadelt habe. Uebdrparteilich und un« politisch im verwaschenen Sinne fei der Stahlhelm n i e gewesen. Die tiefgehenden Weltanschauungs­gegensätze in unserem Volke ließen sich nicht durch eine Politik der mittleren Linie überkleistern. Im Zeichen des Stahlhelms schieden sich die Geister. Am Anfang des Jahres 1929 müsse der Stahlhelm zu seiner großen politischen Aktion fertig- stehen.

Ziele despreußischenKonkordalS?

Berlin, 13. Oft. ^TU.) Rach dem demokra­tischen Zeitungsdienst hat bei den Verhandlungen zwischen der Kurie und dem preußischen Staat die Kurie gewünscht, daß das bisherige Collegialstift Aachen in ein Bistum umgewandelt werden soll. Die sachliche Be­rechtigung dieser Umwandlung dürste kaum be­stritten werden können, schon angesichts der Größe der Diözese Köln. Außerdem gingen gr- wisse Wünsche darauf hin, den Fürstbischofs von Breslau zum Erzbischofs zu ma­chen. Die Schaffung eines Bistums Essen sei im Laufe der Verhandlungen zwar gefor­dert. di« Forderung sei jedoch abgelehnt worden. Bei der Frage der Vorbildung der Geistlichen spiele das collegium germani- cum in Rom eine Rolle, da die Kurie wünsche, daß eine Anzahl von Geistlichen, die in die­sem Kollegium studiert haben, als Geistliche in Deutschland zugelassen werden sol-. len. Besonders gefährlich seien bei den Ver­handlungen auch die Forderungen erschienen, die darauf hinausliefen, dah die katholische Kirche ein Mitbestimmungsrecht bei der Einsetzung von weltanschaulichen Professuren erhält.

GchweresEisenbahnunglückinEnglan-

London, 13. Oft. (TU.) In der Grafschaft Gloucesterfhire stieß heute vormittag 5.20 Uhr ein (3 ü t e r 3 u g in starkem Rebel in der Röhe von Stroub mit dem nach Bristol fahrenden Per­son e n z u g 3usammen. äuq bevor der Personen- zug Lharfield erreichte, sollte ein Güter3ug von der Hauptlinie nach einer Seitenlinie umrangiert werden. Der Lokomotivführer des Personen3uges er­kannte die Gefahr zu spät und fuhr fast mit voller Kraft auf die Lokomotive des rangie­renden Güter3uges auf. Beide Maschinen wurden vollkommen zerstört. Die Trümmer fingen sofort 5 e u e r und verbrannten bis auf die Me­tallteile. Die Katastrophe wurde noch dadurch ver­größert, daß der Güterzug Petroleum und Del mit sich führte, die sich bei den Zusammenstoß über die Trümmer ergossen und ebenfalls sofort Feuer fingen. Die Flammen waren so stark, daß jede Rettung für die unter den Trümmern liegenden Personen unmöglich war. Die Feuerwehr konnte sich erst später einen weg 311 den Opfern der Katastrophe schaffen. Bisher sind 11 Person en als vollkommen verkohlte und uner­kennbare Leichen aus den Trümmern g e 3 0 g e n worden. Man vermutet jedoch, dah sich noch einige Arbeiter unter den Trümmern befinden. Von den 21 verletzten haben eine Anzahl so schwere Verletzungen erlitten, daß mit ihrem Aufkommen kaum zu rechnen ist.

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^c.rervo raussage.

Der hohe Luftdruck Hal sich ostwärts ausge­breitet und nimmt zur Zeit Zentraleuropa mit in fein Bereich. Kaltluft und nächtliches Auf­klaren brachte Mittel- und Süddeutschland Frost. München meldete h:ute morgen noch minus 5 Grad, Gießen minus 3 Grad. Lieber England lagert ein^ruaiallgcuiet, das auch unserem ^ez.rk wieder Temperaturanstieg und Riederschläge brin­gen dürste.

Wettervoraussage für Dienstag: Bewölkungszunahme und Temperaturanstieg. Später Uebergang zu Aiederschlägen.

Witterungsaussichten für Mitt­woch: Wolliges Wetter, Temperaiuren -wi^cyen Tag und Rächt weiter mehr ausgeglichen. Ein­zeln« Niederschläge.

Lufttemperaturen am 13. Oktober: mittags 6,9 Grad Celsius, abends 0,3 Grad Celsius: am 14. Ok­tober: morgens2,9 Grad Celsius. Maximum 7,2 Grad Celsius, Minimum 5,5 Grad Celsius. Erd­temperaturen am 13. Oktober: abends 6 Grad Cel­sius: am 14. Oktober: morgens 3,8 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 8% Stunden.