Nr. 2<3 Erstes Blatt
1Z8. Jahrgang
Montag, 15. Oktober 1928
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Die Scholle
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General-Anzeiger für Oberhefsen
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Dr Friede. Will). Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr Will) Lange für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Diumschein: für den Anzeigenteil Kurt Hillmcmn, sämtlich in (Bieben.
„GrafZeppelin" heute nachmittag in Lakehurst erwartet
Schnelle Behebung einer Havan'e.—passieren der Bermudas.-Kurs auf die amerikanische Küste.—„An Bord alles wohl".
Ein Sonntag in Zeichen Zeppelins.
Seitdem das stolze Luftschiff „Graf Zeppelin" am Morgen des 11. Oktober zu seinem großen Amerika- flug gestartet ist, gibt es für das deutsche Volk nur noch einen Gedanken, ein Empfinden: Zeppelin! Begleitet von den heißen Segenswünschen eines ganzen Volkes hat der Luftriese seinen Weg über den Ozean angetreten, in fieberhafter (Ermattung wurden die Meldungen über den Verlauf der Fahrt buchstäblich verschlungen, und bange Sorge senkte sich am Sontag in aller Herzen, als die Nachricht oon der leichten Beschädigung des Luftschiffes eintraf, und das Eintreffen über amerikanischem Boden sich immer länger verzögerte. Wie das Luftschiff über ein Meer voller Gefahren und Tücken dahinstrich, so daheim ein Meer voll Hoffnungen und Sorge. In Stadt und Land^gab es nur noch eine Frage: W 0 i st der Z e p p e l i n jetzt? Vor den Zeitungsaushängen, in den Straßenbahnen, am Biertisch, am Telephon, überall nur ein Thema: Zeppelin! Der Rundfunk dürfte wohl noch nie so viele Hörer gehabt haben wie an diesem Sonntag. Am Sonntagabend steigerten sich die Erwartungen bis zur Siedehitze. Gerüchte schwirrten umher, daß das Luftschiff bereits gelandet sei, und man wollte das Gegenteil einfach nicht glauben. Unterdessen kämpfte das Luftschiff mit starken Gegenwinden und bahnte sich mühsam seinen Weg dem Ziel entgegen. Beim Erscheinen dieser Zeilen wird das stolze Werk deutscher Technik wahrscheinlich schon in Lakehurst gelandet lein, bejubelt und bewundert von einem Volke, das noch Immer ehrliche Begeisterung für hohe technische Leistungen und tapferen Wagemut aufgebracht hat. Für uns aber bedeutet dieser Tag einen jener stolzen Augenblicke, die unvergeßlich fein werden.
An Zwischenbericht ans Madeira
Berlin. 14. Ott. Der „Lok.-Anzeiger" veröffentlicht einen Drahtbericht aus Funchal (Madeira) von dem deutschen Konsul Gesche, wonach ein Po st beutel des „Graf Zeppelin" mit Reiseberichten an der Küste von Madeira ins Wasser gefallen war, jedoch später aufgefischt werden konnte. Die Bewohner Madeiras, so heißt es in dem Telegramm des Konsuls, sind begeistert über den Zeppelin, der ziemlich niedrig über unsere Stadt hin- wegflog. Die ganze Bevölkerung war auf den Deinen und überall hörte man Worte der großen Bewunderung für baä deutsche Können. Rach den Berichten des an Bord befindlichen „Lokal- Anzeiger"-Derichterstatters Rolf Brandt von Samstag früh machte das Luftschiff gute Fahrt. Die fünf Motoren arbeiten gleichmäßig. Die Windverhältnisse waren günstig. Den stärksten Sindruck machte auf die Passagiere die R achtln h r t über die unendliche Weite des Ozeans. Südlich der Azoren war ein Rachtgewitter ju beobachten, das von dem Luftschiff umfahre n wurde.
Die Havarie.
Schnelle Behebung, aber verminderte Fahrtgeschwindigkeit
Washington. 13. Oft. (ID23.) Das ZRarincamf veröffentlicht die beiden Funksprüche, in denen der »Graf Zeppelin" eine Havarie und deren vorläufige Beseitigung mitteille. Der erste, vom Kommandanten Rosendahl stammende, lautet:
11.25 Uhr Greenwicher Zeit. Standort 32 Grad -nördlicher Breite, 42 Grad westlicher Länge, fiurs- klchtung Kap hatteras. Fahren mit halber Geschwindigkeit, ungefähr 35 Knoten. Luftgeschwindigkeit vegen Beschädigung des Ueberzugs der B a ck b 0 r d - S t a b i l i f i e r u n g s f 1 ä ch e. Nehmen Reparaturen vor. soweit es die 23er- hällnisse gestatten. Ersuchen, daß ein Fahrzeug unserem Kurs folgt und sich bereithält. (Brüllten Wetterberichte nach Westen. Sind augenblicklich in Regenböen.
Die zweite 2Neldung lautete: Fahren mit oer- ningerter Luftgeschwindigkeit und 50 Knoten Boden- .geschwindigkeit. Um 14.30 Uhr Greenwicher Zeit mar der Standort 33 Grad nördlicher Breite und •45 Grad westlicher Länge. Führen vorläufige Ausbesserungen aus. halten gegenwärtig Dampfer- ßilfe nicht für nötig. (Erbitten wettervor- «usfage für gegenwärtigen Kurs.
Der Hearst-Korrespondent Wiegand berichtet von 3orb des „Graf Zeppelin" Einzelheiten über Len Augenblick, in dem das Luftschiff durch eine »läßliche Bö leicht beschädigt wurde. 2ie Passagiere saßen gerade beim Frühstück, als ein vindstoß das Schiff erfaßte. Durch das Aufbäumen '.es Luftschiffes stürzten die Tische um, und cls Tafelgeschirr fiel herunter und zerbrach, wäh- »?nd des Augenblicks der Gefahr klingelte -ody hay nach Bedienung. Gelächter über merkwürdige Verhalten im Eckfalon half über Vie gefährliche Situation hinweg. Dr. Eckener be- Diiickwünschte die Lady wegen ihrer Kaltblütigkeit and dankte ihr. daß sie dazu beigetragen habe, daß
öle männlichen Passagiere ihren 2H u t behielten. Die Beschädigung entstand dadurch, daß eine Vertikal-Bö die untere Bespannung der linken Steuerfläche elngeriffen hat.
Kein Grund zur Beunruhigung.
Der Konstrukteur Dr. Dürr über die Ausbesserungsmöglichkeiten an Bord. Das WTB. erkundigt) sich in Fredrichshasen bei Dr. Dürr, dem Konstrukteur des „Gras Zeppelin" telephonisch nach seiner Ansicht über die Beschädigungen des Luftschiffes. Dr. Dürr erklärte:
liegt kein Grund zur Beunruhigung vor. 3n der Tat ist die Stabilisierungsfläche nach den letzten bei mir eingegangenen Rachrichten auch bereits wieder in stand- gesetzt. Man kann nämlich von innen an die Bespannung he^an ommen, indem man über die Konstru.tionst ile geht, und kann die abgeschlagene Bespannung wieder bifes.i en. Sollte sie sich nicht von den Krnstrultionslellen gelöst haben, sondern zerrissen s.in, so kann man eoenso gut die zerris enen Teile wieder ane nander befestigen. Refervebespannung ist nicht an Bord, aber es schadet auch nicht, wenn schlimmsten'alls eine Oeffnung bleibt. Die Steuerfähigkeit ist nicht beeinträchtigt. Das ist das wesentliche. Der einzige Rachteil ist, daß d i e Geschwindigkeit etwas vermindert ist. Rach der Durchführung der Reparatur habe ich bereits eine Mitteilung bekommen, daß der „Graf Zeppelin" wieder mit 8 7 Stundenkilo- rne tern fährt."
Heber die Ursache des Defekts erftärte Dr. Dürr schließlich noch, daß die Stabilisierungsflächen sehr stark beansprucht würden, wenn das Schiff scharfe Veränderungen in der Höhenlage vornimmt, also schnell steigt oder heruntergeht. Dadurch entsteht in der Flosse erheblicher ilntet'örud, und es ift durchaus möglich, daß das Zerreißen hierauf zurückzuführen ist. Das Schiff tft übrigens durch schwere Regenböen gefahren. Zn Friedrichshaf:ner Fachkreisen wird daraus hingewicsen, daß die Instandsetzung der beschädigten Stabilisierungsfläch? mit großer Lebensgefahr für di: Männer verbunden war, die sich dieser Aufgabe unterzogen haben. Da die Beschädigung die untere Bespannung betroffen hat, schwebten sie auf den schmalen Gerü st teilen über dem tief unter ihnen liegenden Ozean, so daß die Gefahr des Abstürzens bei dem schweren älnwetter ihnen vor Augen stehen mußte: umsomehr ist dieses Bravourstück treuer Pflichterfüllung und persönlichen Mutes hervorzuheben. ■Unter den Männern, die das schwere Werk vollbrachten, sind besonders die drei Ingenieure Bäuerle, Siegle und der junge Knud Eckener, der Sohn Dr. Eckeners, zu nennen.
Nie Sicherheit des „Graf Zeppelin".
„Sich nicht gleich aufregen" sagt Dr. Eckener.
Der Sonderberichterstatter des WTB. in Friedrichshafen hatte wenige Tage vor dem Aufstieg des „Gr-af Zeppelin" zur Amerikafahrt über die Sicherheit des Luftschiffes mit Dr. Eckener eine älnterhaltung, die jetzt angesichts der inzwischen ja wieder beseitigten Beschädigung des Schiffes von besonderem Interesse sein dürfte. Dr. Eckener führte aus: Dr. Dürr hat das Schiss so gebaut, daß wir es mit vollkommenem Vertrauen in den Ozeanverkehr einsehen können. Wir haben weder Fallschirme noch das vielbesprochene aufblasbare Gummiboot an Bord, sondern alle Sicherheitsvor- lehrungen sind in die Konstruktion hinein- gelegt. Der „Graf Zeppelin" hat fünfMotore. Es tut seiner Sicherheit keinen Abbruch, wenn davon wirklich der eine oder der andere ausfällt. Das Schlimmste, was einem Schiff, ebenso einem Luftschiff, passieren kann, ist, daß es steuer- los wird. Wenn die Hauptsteuerung in der vorderen Gondel versagt, tritt die Reserve- Neuerung in der Hinteren Gondel m Tätigkeit. Man könnte sich auch vorstellen, daß in einer außerordentlichm Sturmboe eine Beschädigung der Hülle einträte, obwohl sie eine viel stärkere Beanspruchung verträgt, als etwa gleichdicke Aluminumplatten. Sie besteht aus einem ausgezeichneten, besonders imprägnierten Stoff. Unter Umständen kann man d i e Bespannung wieder zus ammenzi chen. Aber selbst, wenn uns bei einer solchen Beschädigung eine Gaszelle ausläuft, kann das Schiff ruhig weiterfahren, ja sogar, wenn der noch nie dagewesene Fall eintritt, daß uns das mit drei Zellen zustößt. Man kann das Luftschiff vielleicht mit einem Dampfer vergleichen: wie er seine Schotten hat, hat der „Graf Zeppelin" seine Zellen. Wir werden also auch im schlimmsten Fall immer noch den nächsten Dampfer ober das nächste Land ansteuern können, wenn auch mit verlangsamter Fahrt. Endlich ist auch die Funkstation eine Sicherheitseinrichtung. Auf alle Fälle, schloß Dr. Eckener seine Ausführungen, sagen Sie unseren Leuten
in der Heimat, sagen Sie es ihnen jetzt oder wenn wir unterwegs sind, sie sollen sich nicht gleich a u f r e g e n, wenn die Rachrichten einmal ausbleiben ober nicht so günstig scheinen. Wir bringen das Schiff schon hinüber und herüber.
Oie letzte Etappe.
Die Bermudas überflogen. — Kurs auf Lakehurst
Lakehursi, 15.Oktober. (2VTB. Funkspruch.) Die Verbindung mit dem „Graf Zeppelin" ist während des ganzen Sonntags äußerst spärlich gewesen. Dr. Eckener Hal nur wenige Posilionsan- gaben gesandt und auch diese erst aus dringenden Wunsch des Kommandanten der Flugstation. Die Behebung der am Samstagmittag eingetretenen Havarie Hal die Fahrt des Lustschisses erheblich verlangsamt, während der Rächt wurde nach einem Funkspruch des Kommandanten Rosendahl mit etwa dreiviertel normaler Geschwindigkeit gefahren. Am Sonntag früh 1 Uhr mitteleuropäischer Zeit war der Standort des Luftschiffes 34,40 Grad nördlicher Breite und 55,10 Grad westlicher Länge. Sonntagvormittag 11.35 Uhr mitteleuropäischer Zeit wurde die Position mit 35 Grad Nord und 65 Grad West angegeben. Etwa um 5 Uhr nachmittags mitteleuropäischer Zeit wurde von der Küstenwache bei Kap hatteras (Rord- carolina) ein Funkspruch aufgefangen, wonach der Zeppelin 33,40 Grad nördlicher Breite und 68 Grad westlicher Länge stand. Um 6 Uhr nachmitags befand sich das Luftschiff etwa achtzig Meilen nordöstlich der Bermudas mit Kurs nach Südwester». Angesichts der notwendigen Verringerung der Marschgeschwindigkeit war dies nach einem Funkspruch von Bord wünschenswert, um ein Gebiet günstigerer winde zu erreichen. An Bord sei alles wohl, Brennstoff sei genügend vorhanden. Die Bermudas wurden Sonntagabend 6.41 Uhr amerikanischer Zeit (etwa Montag 0.41 Uhr mitteleuropäischer Zeit) mit mäßiger Geschwindigkeit, die auf 32 bis 40 Kilometer geschäht wurde, gegen starken Rordwestwind ziemlich niedrig überflogen. 1.45 Uhr mitteleuropäischer Zeit wurde das Luftschiff von der 5L Georgs-Insel gesichtet. 5 Uhr morgens mitteleuropäischer Zeit befand es sich 150 Meilen westlich der Bermuda-Gruppe. Der Funkverkehr mit der Station von Savannah (Georgia) wurde aufgenommen. Man nimmt an, daß „Graf Zeppelin", der für mindestens 150 Stunden Betriebsstoff an Bord hat (25 000 Kubikmeter Blaugas und 14 Tonnen Benzin), mit direktem Kurs auf Lakehurst hier am Montag nachmittag e i n t r e f f e n wird. Das Marineamt hat bereits am Sonntag drei in Charleston (Südkarolina) folgende Zerstörer angewiesen sich bereit zu halten, um gegebenenfalls innerhalb einer Stunde zur Hilfeleistung für den „Graf Zeppelin" abzufahren, falls das Luftschiff Beistand erbittet.
SieneuestepssitwnbesLuMUs
Friedrichshafen, 15. OfL (WTB. Funkspruch.) Auf der hiesigen Werftstation ist ein Funkspruch der amerikanischen Marine eingetroffen, wonach sich,heute um 5 Uhr mitteleuropäischer Zeit der „Gras Zeppelin" 2 7 0 Kilometer nord- westlich Bermudas in Richtung hatteras befindet.
Rach den bis heute vormittag vorliegenden wet- lernachrichten ist das Schiff gezwungen worden, infolge sehr starker Rordwestwinde nach Süden abzudrehen. Ls sucht jetzt ein südliches Hochdruckgebiet auszunuhen und Kap hatteras zu erreichen, wo es etwa gegen 12 Uhr mitteleuropäischer Zeit einlrefsen soll, von da ab wird es dann direkten Kurs nach Lakehurst nehmen. Die Strecke zwischen hatteras und Lakehurst beträgt 500 Kilometer.
Es wird hier angenommen, daß das Schiff m i t halber Geschwindigkeit fährt und daß die Motoren stark abgedrosselt arbeiten, heute nachmittag etwa gegen 2 Uhr werden hier neue wetter- nv.chrichien erwartet, worauf man sich endgültig über das an der Ostküste der vereinigten Staaten herrschende Wetter und über die dortigen Windverhältnisse im klaren sein wird.
Fieberspannung in Lakehursi.
Tausende erwarten die Ankunft.
Lakehurst, 15. Oft. (WTD. Funkspruch.) Infolge b:8 unausgesetzten Zustroms von Menschen, bic der hier mit zunehmender Spannung erwarteten Ankunft des „Graf Zeppelin' beiwohnen wollen, ist auf allen nur mäßig breiten Landstraßen in einem Umkreise von 2D Meilen eine derartige Menge von Kraftfahrzeugen im Anrollen, daß der Verkehr völlig gestaut ist. Auf der 9 Meilen langen Landstraße Lakewood—Lakehurst stehen die Automobile in dreifachen Reihen. Sie müssen
stundenlang warten, ehe sie toi.bet ein paar Meter vorrücken können.
Deutsch-amerikanisch« Pressevertreter tre fen aus allen Teilen der Union in Lakehurst ein. Western- ilnion und Radiogesellscha't haben im Raum der Luftschiffhalle ein provi.orisches Bur:au mit sechs Fernfprechleitungen cingerich.et. Außerdem hat die Western-Union zu den zwei im kleinen (51 fen» bahnbureau befindlichen Leibungen noch 12 toätere gelegt, so daß insgesamt 20 Leitungen für Weitergabe der Presseberichte zur Verfügung stehen. Die Hauptschwie.igleit bildet in Lakehurst zur Zeit die Frage der Verpflegung der unzähligen Fremden sowie der Wohnungsfrage. Diele Autobesiher haben aber bereits erklärt, daß sie in ihren Wagen nachten wollen, während Diele andere i m Freien kampieren wollen. Ab Sonntag 6.55 älhr morgens war erhöhte Alarmbereitschaft angesagt.
Vorläufig kein Verkauf an Spanien.
Leistungsprobe in eigener Regie.
Berlin, 14. Oktober. (WB) Nach einer Meldung aus Neuyork soll d i e spanische Luft- schiffahrtgesellschaft den „Graf Zeppelin" für 1,2 Millionen Dollar g e - kauft haben. Auf telephonische Anfrage des WTB. wird diele Nachricht von dem Generaldirektor der Zeppelin - Luftschiffbau - G. m. b. H., Kommerzienrat C 0 lsmann , dementiert. Kommerzienrat Colsmann erklärt, daß ein solcher Abschluß bis zum Ausstieg des „Gras Zeppelin" zu seiner Amerikafahrt nickt erfolgt fei. Der Vertreter der spanischen Gesellschaft, Oberst H e r r e r a , befindet sich an Bord des Schiffes, um einen persönlichen Eindruck von der Praxis des Transozeanverkehrs im Luftschiff zu gewinnen, und es sei ja auch bekannt, daß der Luftschiffbau seit längerem mit Spanien verhandelt. An sich sei nichts dagegen einzuwenden, daß der „Graf Zeppelin" eines Tages nach Spanien verkauft werde, wenn damit die Mittel gewonnen würden, um das Luftschisfahrtsproblem weiter zu entwickeln. Dazu sei aber vertragsmäßig die Z u - stimmung der Reichsregierung erforderlich. Vorläufig sei aber nur beabsichtigt, das Schiss zu ver chartern. Ehe es jedoch soweit komme, wolle die Luftschiffbau G. m. b.H. selbst mit der Durchführung ihres großen Fahrprogramms erst einmal zeigen, welche Leistungen aus dem Schiff herauszuholen seien.
Französische SiebenWhigfeiten
TLl. Paris, 14. Oft. Ein Teil ber französischen Presse kann sich gegenüber den Leistungen des Zeppelins hämischer Bemerkungen nicht enthalten. Wenn der Zeppelin im Kampf gegen das schlechte Wetter zur Zeit nur eine Stundengeschwindigleit von 100 Kilometer fliegt, so gibt bas dem „QUatin“ Veranlassung, die ganze Leistung anzuzweifeln und» zu schreiben, daß die Schnelligkeit vollkommen ungenügend sei, um einen regelmäßigen Luftverkehrsdrenst über den Ozean einzurichten. Auch die Meldungen der Schifsslei- tungen, daß der am Samstag eingetre ene Unfall nur geringfügiger Ratur sei, wird mit der ironischen Frage begleit't. warum dann von der amerikanischen Ma.ineleitung Begleitschiffe angefordert worden seien.
Versuche mit Kurzweliensunk.
Tie ersten Erfahrungen auf dem „Graf Zeppelin".
Eigene Drahtmeldung des .Gießener Anzeigers".
Berlin, 14. Oktober. In Fachkreisen hielt man es für unverständlich, daß das Luftschiff „Graf Zeppelin" außer seiner normalen Funkausrüstung nicht mit einer Kurzwellensende- und empfangsanlage ausgestattet worden war, zumal der vorhandene Haupt- sowie der Notscnder infolge ihrer recht geringen Energie keine Gewähr bieten, daß eine ständige Funkverbindung mit dem Festland hergestellt werden kann. Nachdem bereits einige Stunden nach dem Start des „Grafen Zeppelin" mit der Funkstelle in Nauen keine Ver - ständigungsmöglichkeit infolge ungünstiger atmosphärischer Verhältnisse gegeben war. Härte man, daß auf einer kurzen Welle eine Verbindung sowohl mit Norddeich, Stiel und der Versuchsanstalt für Luftschiffahrt in Adlershof bei Berlin möglich war. In aller Heimlichkeit war auf Veranlassung der Versuchsanstalt für Luftschiffahrt für Versuchszwecke ein Kurzwellensender mit einer ßeiftung von etwa zwei Watt eingebaut worden, der aber nicht dem regelrechten telegraphischen Verkehr dienen darf. Im Einvernehmen mit der Deutschen Betriebsgesellschaft für Bordtelegraphie, werden diese Versuche auf dem 40-Meterband von der Versuchsanstalt für Luft- schiffahrt durchgeführt. Es soll nun zunächst versucht werden, welche der kurzen Wellen für den Verkehr vom Luftschiff zum Festland die geeignetste ist. Nach Durchführung dieser Versuche beabsichtigt man, die Leistung zunächst auf 15 Watt, später auf 100 Watt zu bringen. Wie wir von der Deutschen Versuchsanstalt für Luftschiffahrt erfahren, sind die


