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Aus der provinAt'alhauptstadi.

Gießen, den 15. Oktober 1928.

Abschluß der Gießener Ferienkurse.

Am Samstag, 13. d. M., wurden die Siebe­ner Ferienkurse zum Abschluß grbrachi. Dormittags kurz nach 11 Uhr versammelten sich die Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Leo» gangeS im Hörsaal des Botanischen Instituts, wo oct Kursleitcr, Pros. Dr. Küster. den letzten Vortrag hielt. Prof. Küster, der Botaniker der Ludoviciana, hatte em Thoma acwäylt. das s-inem Fachgebiet zwar nahe lag, zugleich aber auch, all­gemeineres Interesse beanspruchend, darüber Hit» ausreichte: Deutsche Gartentunst und Oie ten> Wicklung der deutschen Kunstgärten. Er ging von den allgemeinen und vera^ichsweise bekannten Zusammenhängen zwischen K.mstübung aller Art und den Boden- und Klunavorhältnißen eines Landes aus. Bei uns in Deutschland sind, wie der Vortragende ausführte, die Bedingungen gerade für Gartenkunst am schlechtesten. In einer karten- mäßigen Darstellung mühte unser Gebiet etwa ziemlich genau diagonal aufgeteilt werden: der -Kcrboften ist im allgemeinen gartenfrei, der Süd- Westen gartenreich. Die erste große Dlüteze:1 der deutschen Gärten ist nach dem 30jährigen Kriege anzusehen. Die ffinttmdlung wurde nun im einzelnen mit einer Analyse der wichtigsten Kunstgärten an Hand von Lichtbildermaterial aufgezeigt: es wurden -. D. besprochen und in ihrer Qlnlaae entwickelt: Herrenhausen bei Han- neuer, Wilhelmshöhe, Schleißheim und Bymphen- bura, dw Münchener Schöpfungen Max Ema­nuels, ferner aus der Rhnngegend Brühl, Bonn und Mainz (die 1792 von den Franzosen zerstörte Favorite"), In Bayern ist zunächst Würzburg zu nennen, wo der ursprüngliche Charakter eer An­lagen noch erhalten ist, und dann vor allem Veitshöchheim, des en Park mit geringen Mitteln zu restaurieren wäre. Ferner in Wien Belvedere (Prinz Eugen) und Schönbrunn (Fischer von Er­lach), dann Schwetzingen und im Borden Sans­souci. 'Die Blüte der Dresdener Gartenkunst fällt in die Zeit Auausts des Starken (Zwinger). Eine zweite große Periode steht unter vorwiegend englischem Einfluß und bevorzugt den sogenann- len landschaftlichen Stil. Kassel, Sanssouci, Wör­litz und München (Englischer Garten) gehören in diese Entwicklung, die etwa mit den Anlagen des vrelscit'.gen Grafen Pückler-Muskau abzu­schließen toore. In neuester Zeit werden die Fürstenschöpfungen durch öffentliche Anlagen 'Friedhöfe und Parks) verdrängt. Der Charakter des Gartens als eines städtebaulichen Faktors ist in der Gegenwart (Kassel, München) nicht zu unterschätzen.

Bach seinem mit lebhaftem Beifall aufgenom- menen Dortrage richtete Prof. Küster einige herzliche Worte des Abschieds an die Teilnehmer in den Ferienkurse, Worte des Dankes auch für bewiesenen Eifer, Aufmerksamkeit und den har­monischen Ton des Zusammenlebens; er gab lerner dem Wunsche Ausdruck, die Kursteil­nehmer möchten die Deranstaltung und die Stadt Sieben in freundlicher Erinnerung behalten, und hoffe auf ein Wiedersehen bei noch stärkerer Be° ieiligung im nächsten Jahre.

Die Kursteilnehmer dankten ihrerseits durch einen Sprecher aus ihrer Mitte für die reiche Anregung und Belehrung, die allen durch die

Gießener Ferienkurse zuteil geworden seien, und würdigten insbesondere mit warmer Anerkennung die Bemühungen des Kursleiters Pros. Küster, die in jeder Hinsicht zu einem vollen Erfolge geführt haben.

Reichsbahnflausen.

Dor Tisch hörte stchs ganz leidlich an. Nicht wahr, die vierte Klasse verschwindet, wir haben nur noch eine Holzklasse, die künftig einmal gerade­zu sashionabel ausgestattet wird. Die erste Klasse verschwindet auch, abgefchen natürlich von einigen Zügen, in denen sie auf Grund internationaler Ab­machungen bestehen bleiben muß. Der Deutsche der Zukunft fährt nur noch in zwei Klassen. In der Uebergangszeit wird es natürlich einige Schwierig­keiten geben, aber es wird nicht lange dauern, und dann ist alles in herrlichster Ordnung.

Die Praxis sieht sich etwas anders an. Aufmerk­same Beobachter haben festgestellt, daß die erste Klasse tatsächlich nicht verschwunden ist, sondern munter weiterbesteht. Man erzählt sich, daß alle l)-Züge von Berlin nach Hamburg, für die dock weiß Gott keine internationalen Abmachungen in Frage kommen, frisch-fröhlich die erste Klasse weiterführcn. Außerdem hat die Reichsbahnverwal­tung eine nicht unerhebliche Zahl von b e s ch l e u - niaten Personenzügen zu natürlich zuschlagpflichtigen Eilzügen avan­cieren lassen. Die Reichsbahn hat ferner der fröhlichen Hoffnung Ausdruck gegeben, daß künftig Die zweite Klasse stärker als bisher benutzt wird. Das mag man ihr im Interesse ihrer Finanzen wünschen. Was aoer wird nun, wenn hier plötz­lich ein Wagenmangel eintritt? Durch die Presse ging die Nachricht, daß die Reichsbahn in diesem Falle dazu übergehen würde, eine Anzahl der durchaus nicht sehr luxuriösen dritter Klasse Wagen in solche zweiter Klasse durch Aufle­gung von Polstern umzuwandeln. Ideal kann auch dieser Zustand nicht genannt werden. Die Oef- fenllichkeit ist nachgerade der Meinung geworden, daß die deutsche Reichsbahngesellschaft nach der Er­höhung ihrer Tarife auch einmal dazu übergehen könnte, etwas für die Bequemlichkeit der Reifenden zu tun, denn es geht nicht an, daß die jetzigen, wenig erquicklichen Zustände noch jahrelang auf das Konto Uebergangserschei- nungen gebucht werden. Bei aller Würdigung der finanziellen Schwierigkeiten der Deutschen Reichs­bahngesellschaft, deren Belastungen durch die Dames- leistungen das deutsche Volk keinen Augenblick ver­kennen sollte, hat aber dasselbe deutsche Volk schließlich einen Anspruch daraus, künftig einiger­maßen vequem zu reifen. Vor allem sollte man es vermeiden, die sicherlich doch vorausgesehe- n e n Uebergangsschwierigkeiien dem Publikum 00» Auenthalten, denn der stimmungsmäßige Rückschlag in der öffentlichen Meinung, der jetzt einzutreten droht, kann der Reichsbahngesellschaft nicht gerade angenehm (ein.

Bornotizen.

Tagestalender für Montag. Licht­spielhaus, Bahnhofstraße: Llnterwelt. Astoria- Lichtspiele: Der Held der Arena.

Daten für Dienstag, den 16. Oktober.

Sonnenaufgang 6.25 Uhr, Sonnenuntergang 17.06 Uhr. Mondaufgang 9.16 Uhr, Monduntergang 18.16 Uhr.

1456: Gründung der Universität Greifswald; 1726: der Maler Daniel Chodowiecki in Danzig ge­

boren (gestorben 1801); 1856: der Dichter Oskar Wilde in Dublin geboren (gestorben 1900).

211. Don der LandeS-llniversität Gießen. Studierende, die bereits hier immatri­kuliert sind und ihre Studien hier fortsetzen wollen, haben sich auf dem Universitäts-Seire- tariat, Dismarckstrabe 22 (Zimmer 16), 2. Stock, anzmnelden, um die Ausweisiarte abstempeln zu lassen uni) ihre Wohnung anzugeben. Dies hat in der Zeit vom 15. Oktober bis zum 10. Bovem- der, vormittags von 9 bis 12 Uhr, zu geschehen. Anmeldungen zur Immatrikulation werden in der gleichen Zeit auf dem Sekretariat (Zimmer 9), 1. Stock, angenommen. Bach dem 10. Bovember werden Anmeldungen nur dann angenommen, wenn die Derspätung in genügender Weise ent­schuldigt wird.

* Aufgehobene S t r a ß« u s v e r ru n - gen. Dom Oberhessischen Automobicklw' c B. (A. v. D.). Gießen, werden uns folg ndc auf­gehobene Straßensperrungen mitee eilt: Gie­ßen Steinbach im Zuge der Straße GießenLich ab 13. Oktober. Ortsdurchfahrt Groß korben bis zur Gehs; itze im Zuge der Straße Großkarben Ilbenstadt ab 15. Oktober.

** Neuerung im öffentlichen Fern­sprechverkehr. Das Reichspostministerium hat angeordnet, daß sämtliche öffentliche Fern­sprechstellen und Fernsprechautomaten im ganzen Reich eine einheitliche Bezeichnung erhalten. In weithin sichtbaren roten Buchstaben auf wei­ßem Feld wird ein Schild, das bei Dunkelheit beleuchtet werden kann, an den Fernsprechstellen angebracht, das die Bezeichnung trägt:Oeffent- licher Fernsprecher." Darunter kommt ein klei­neres Schild, das auch in jeder Fernsprechstelle zu finden sein wird, mit dem TextNimm Rück­sicht auf Wartende, fasse dich kurz."

* Wohlfahrtslehrgang des Roten Kreuzes. Morgen vormittag 10 Uh, beginnt in der Aula der Universität der vom Roten Kreuz veranstaltete Lehrgang für Wohlfahrts­pflege mit den ersten Dorträgen. Interessenten seien darauf besonders hingewiesen.

** Volkshochschule. Die Herbst- und Win­terkurse der Dolkshochschule beginnen am Mon­tag, 29. Oktober, 20 Uhr, in der Universität. Das Kursverzeichnis ist erschienen und wird kostenlos abgegeben. Siehe die Anzeige in heu­tiger Bummer.

*f Ein schwererllnglücksfall ereignete sich gestern abend gegen 10 Uhr in Krofdorf, dicht am Eingang des Dorfes aus der Richtung von Gießen her. Dort stieß ein Motorrad, das von Willy Wagner, Krofdorf, gr'ührt wurde und auf dem als Mitfahrer der Fritz Emme­rich aus Krofdorf saß, mit einem Iagdwagen zusammen. Bei dem Zusammenprall wurden die beiden Motorradler von ih.er Maschine geschleu­dert. Hierbei erlitt Wagner einen ilnter- schienkelbruch, während Emmerich mit einer schwe­ren Gehirnerschütterung bewußtlos an der 11 n- glücksstelle liegen blieb und von der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz in Gießen noch ohne Besinnung nach der Gießener Klinik verbracht werden mußte. Die Insassen des durch den Anprall umgefallenen Wagens wurden wei­ter nicht verletzt. Pferd und Wagen blieben unbeschädigt. Wie wir heute früh hören, dürfte Emmerich einen schweren Schädelbruch davon­getragen haben. Der bedauernswerte Mann ist

zur Zeit noch bewußtlos. Dem anderen 3Wbtv radler geht es den llmständen entsprechend gut.

" Kriegsbeschädigtentagung in Gieß en. Der Landesver and Ooerhessen ZentralrerbandeS deutscher K.iegsbeschädig.e: und Kriegshinterbliebener hält srinen diesjährigen Landesverbandstag am 28. Oktober in Gießen ab. In Verbindung damit soll eine öffentliche Kundgebung über d e Frage der Kriegsbeschädig­ten- und Hinterblie.enenvorsorgung ftatifinbcn.

De r heutige Polizeibericht mel­det: In der Bacht zum 14. d. M. wurde in der Krofdorfer Straße zum Nachteil eines Wirtes ein Kellereinbruch ausgesührt. Entwendet wur­den 3 Literflafchen Weißwein. 4 Flaschen Sekt, 4 Krüge Steinhäger und 2 Liter Rum. In der Bacht zum 15. wurde in der Bleichstraße zum Nachteil der Firma Schade & Füilgrabe eine Erker^cheibe eingeschlagen und daraus einige Düchs-en Oelsardinen entwendet. Anscheinend ist hier die Tat mittels Eintretens mit dem Fuß ausgesührt worden. In der gleichen Nacht wurde. im Seltersweg ebenfalls eine Erkerscheibe ein» I geschlagen. Sachdienliche Mitteilungen, die zur Ermittelung der Täter zweckmäßig find, nimmt die Kriminalpolizei entgegen.

** Aufgehobenes Paßvisum. Der Sicht- vcrmcr.sz r ang zw s e i Den schl nd uni) Spanien ist vom 15. d. M. ab aufgehoben.

* Auftrieb zum heutigen Frank­furter Schlachtviehmarkt: 471 Ochsen, i 96 Bullen, 745 Kühe, 492 Färsen, 489 Kälber, I 104 Schafe, 5594 Schweine.

' Berliner Börse.

Berlin, 15. Oft. (WTD. Funkspruch.) Im heutigen Frühverlehr bleibt die Tendenz abwar­tend. Geschäft konnte sich noch nicht entwickeln, so daß Kurse noch nicht zu hören sind. Am De­visenmarkt nennt man: Paris 124.23, gegen Mai­land 92.62, Spanien 30.02, das Pfund 485, den Dollar 4.20 etwa.

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bedeutend vergrößerten Verkaufsräume im ersten Stock werden heute eröffnet und laden wir zur unverbindlichen Besichtigung höflichst ein. Anläßlich der Reichsporzellan­woche zeigen wir besonders schönes Zier- und Getrauchsporzellan und bitten um gefl. Beachtung unserer Schaufenster

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Bekanntmachung.

Unter Zugrundelegung der Reichsver- dingungsordnung sollen die nachstehend aufgeführten Arbeiten für den Bühnenbau auf der Liebigshöhe vergeben werden:

i. Erd- und Maurerarbeiten.

2. Zimmerarbeiten. 9105V

3. Dachdeckerarbeiten.

Die Unterlagen liegen bei uns offen. An- aebotsformulare sind daselbst zu haben. Die Angebote sind verschlossen, oersieaelt und mit entsprechender Aufschrift versehen bis zum (Eröffnungstermin

Donnerslag, den 18. Oktober 19a vormittag» 10 Uhr bei uns einzureichen.

Zufchlagsfrtzl drei Wochen.

Gießen, den 13. Oktober 1928.

Städtisches Hochbauamt: O r a p e r t.

Donnerstag, den 18. Oktober lasten die Erben deL verstorbenen Christ. Kraft in Ovenhausen (Haltestelle Frte- delhaufen), von vormittags 9 Uhr an

2 Kühe. 1 Wagen und sonstige Ge­rate sowie Heu und Stroh

öffentlich gegen bare Zahlung versteigern.

Wagner, Ortsgerichtsoorsteher.

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