Ausgabe 
13.11.1928
 
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torialen Gewinnes und durch dies Reparationszahlungen vermin­dert worden."

Niemand", so sagt derTemps",wird jemals gutgläubig verkennen, daß die Amerikaner ihre Pflicht gegen sich selbst und gegen die anderen während des großen Krieges erfüllt haben. Aber man kann auch nickt zulassen, daß die von allen in dem großen Dölkerringen gebrachten Opfer f i ch in eine einfache Geldfrage auslösen, daß vergossenes Blut und ausgegebenes Geld gleich f ch w e r ins Gewicht fallen sollen."

Das neue Kabinett poincare.

Don unserer Berliner Redaktion.

Entgegen der Erwartung auch der fvanzösi- schon Öffentlichkeit ist eS Poincarö gelungen, nach mehrtägigen Verhandlungen am gestrigen Sonntag ein neues Kadinett zu bilden. In diesem Kabinett sind aber di« Radikalen, also die starke Fraktion Herriot, nicht mehr ver­treten und vom rechten Flügel her ist der Füh­rer der Rechtsrepublikaner, der viel umstrittene Louis Marin ausgeschieden, um durch zwei gemäßigtere Mitglieder der Demokratisch-Repu­blikanischen Vereinigung ersetzt zu werden, von denen einer, Vonnefous, das Hanbels- ministerium übernimmt. Gewichtsmähig bedeutet das in noch höherem Maße als arichmetisch eine Verschiebung nach rechts; denn obwohl die links von den Radikalen stehende Fraktion der So­zialrepublikaner mit Vriand, Painleve und Forgeot, sowie mit dem bisherigen Pen- sionsminster Anteriou noch stärker als bisher vertreten ist, fallen die 123 Stimmen der Radikalen künftighin fort.

Die Mehrheit der Regierung, die bisher eine erdrückende war, wenn sie auch bei der geringen fraktionsmährgen Bindung der französischen Ab­geordneten nicht in allen Fällen eine so sichere war. wie das zahlenmäßig den Anschein hatte, ist dadurch ganz erheblich reduziert worden. Denn es stehen nun die Radikalen, die Sozia­listen, die Kommunisten, die Rechtspartei und einige Fraktionslos«. bzw. Splitter mit 260 bis 270 Stimmen außerhalb der Regierung, die ihrerseits über 330 bis 350 Stimmen verfügen würde wenn sich die Abspaltung der Radi­kalen nicht ber künftigen Abstimmungen überhaupt als Hindernis für die Herstellung einer ge­schlossenen Regierungsfrvnt erweisen sollte.

Das für uns Wesentlichste ist freilich das Verbleiben Vriands und die Verstär­kung seines fraktionsmähigen Einflusses auf das neue Kabinett. Denn dadurch wird Gewähr geleistet für die Aufrechterhaltung des außen- polittschen Kurses, der bisher verfolgt wurde. Lind auch das Wiederauftauchen des ehemaligen Kriegsministers M a g i n o t, freilich in der für politische Entscheidungen weniger maßgeblichen Rolle des Kolonialministers, wird dieser Entwick­lung kein Hindernis in den Weg legen können. Man hat also offenbar versucht, die unfreiwillige Rechtsentwicklung, die durch das Ausscheiden der Radikalen herbeigeführt wurde, durch die Personenwahl und durch die Verstärkung des Vriand-Flügels wett über seine fraktionsmäßige Stärke hinaus einigermaßen zu paralysieren. In der Tat haben die Sozialrepublikaner nun etwa «in Siebentel der in der Regierungskoali­tion verttetenen parlamentarischen Mandat«, aber mitt 4 von 15 Portefeuilles mdyr als ein Viertel der Ministerposten.

Charakteristisch ist ferner an dem neuen Kabi­nett der Verzicht PoincarLS aus das Finanzporteseuille. Wenn man das auch vielleicht als eine Kundgebung der Lleberzeugung auffassen kann, daß die finanzpolitische Mission Poincar^s von ihm selbst als vollbracht an­gesehen wird, so ist doch die Mottvierung nicht uninteressant, die er beim Verlassen der konsti­tuierenden Sitzung selbst gegeben hat: daß er während der Reparationsverhandlungen viel­leicht Paris verlassen und sich nach Berlin begeben müsse. So erfreulich es an sich wäre, wenn nach dem Beispiel Dr. Stresemanns auch ein amtierender politischer Führer Frankreichs nach Berlin käme, wird man doch diesen Zu­sammenhang nur dann verstehen, wenn Poin- care damit irgendeinen Llnierzeichnungsvorgang im Auge gehabt hat. Denn es ist kaum anzu­nehmen, daß Sachverständigen-Verhandlungen selbst Anlaß oder Gelegenheit zu einer Beteili- §ung amtierender Staatsmänner geben könnten.

m ganzen wird man das neue Kabinett Pvin- carö erst beurteilen fimnen, wenn sich aus seiner Tättgkeit ergibt, inwieweit der Wegfall der Radikalen sie beeinflußt.

Schwere Schiffskatastrophe in dm amerikanischen Gewässern.

Der DampferBestris" gesunken.

Die Rettungsboote noch nicht aufgefunden.

Reuyork, 12.Roo. (WTB.) Der In Seenot be­findliche DampferB e f( r i» funkle, daß er 32 Grad Schlagseite habe und ein starke» Leck. Das S chifs sinke langsam. An Bord derBestris" befanden sich 140 Passagiere, 210 Mann Besatzung. Diese bestiegen nach den letzten Funkmeldungen die Rettungsboote. DieBestris" ist im Jahre 1910 gebaut und hat einen Gehalt von 10 494 Tonnen. Dec Dampfer war von Reuyork nach Barbados und den südamerikanischen Häfen unterwegs. Das Schiff ist Samstag nacht in der Rähe der Küste in einen Sturm geraten, wobei sich die Ladung verschob, so daß dos Schiff Schlagseite erhielt.

Lin Telegramm, das der DampferSan Juan" von derBestris" erhielt, besagt, daß das Deck aus Steuerbord bereit» unter Wasser ist und daß es dem Schiff unmöglich ist, weilerzufah- ren. Ls herrsche ziemlich starker Seegang. Der DampferSan Juan" hofft, um 16.30 Ahr örtlicher Zeit dieBestris" zu erreichen. Außerdem sind noch andere Schiste zur Hilfeleistung unterwegs, darun­ter fünf Küstenwachlschifse. von denen eines über eine Geschwindigkeit von 32 Knoten verfügt, außer­dem der DampferLreole" der Morgan-Linie, ein japanischer Dampfer, der etwa hundert Meilen von dem Schauplatz des Unglücks entfernt ist, und der DampferSanta Barbara, der um 11.10 Ahr örtlicher Zeit etwa 140 Meilen entfernt war, im ganzen etwa zehn Schiffe.

Passagiere und Mannschaft des Dampfers Bestris", die sich um 13 Ahr amerikanischer Zeit in die Boote begeben und das Schiss sei­

nem Schicksal überlasten muhten, sind entgegen den Erwartungen, die man auf Grund der von den verschiedenen Dampfern einlrefsenden Meldungen hegte, noch von keinem der zu Hilfe eilenden Fahrzeuge ausgenommen worden. Das Wetter in der Rühe der llnglücks- stelle hat sich anscheinend in einem solchen Grade verschlechtert, daß die hilfsschisfe Schwierig­keilen beim Dorwörl»kommen finden.

Der DampferSanta Barbara meldet, daß er die Schiffbrüchigen nicht vor 19 Ahr erreichen zu können glaubt. Der MarinekuiierDavis glaubt, wenigstens am 17 Uhr amerikanischer Zeit eintreffen zu können. Der LloyddampferBerlin" versucht unter Ausgebot seiner ganzen Maschinen- krasl, ebenfalls die Schiffbrüchigen noch rechtzeitig zu erreichen. Sollte es keinem der Dampfer möglich sein, vor Einbruch der Dunkelheit in Sicht der Boote za kommen, so würde das eine Erschwerung de» Retterwerkes bedeuten, da die Rettungsboote durch da» rauhe Wetter auseinanderge.ie- b e n werden dürften.

Die Eigentümerin des DampfersBestris", die Lampord-Holt-Linie, teilt mit, daß sich der japa­nische Konsul 3 n u o t) e in Buenos Aires an Bord des verunglückten Schiffes befand. Anker den Passa­gieren befinden sich viele Frauen und meh­rere kleine Kinder. Der DampferSan Inan" teilte durch Funkfpruch mit, daß er d i e U n g l ü ck s st e l l e, wo der DampferBestris" in Seenot geraten ist, erreicht habe. Lr habe die Stelle abgesucht, habe aber keine Spur von den Rettungsbooten entdeckt. Auch von dem DampferP o r t o r i c o" wurde ein Funkspruch gleichen Inhalts aufgefangen.

Rettungsboote der ^Vestris" geborgen.

Reuyork, 13. Rov. (WTB. Funkspruch.) Ein hier eingetroffener Funkspruch besagt, daß ein amerikanischer Dampfer Rettungsboote des gesunke­nen DampfersBestris" aufgefunden hat und m i t der Aebernahme beschäftigt ist. Nähere Einzelheiten fehlen noch.

Zehn Fahre Deuisch-Oesierreich.

Oie Jubiläumsfeier in Wien.

Empfänge beim Bundespräsidenten.

Wien, 12. Rov. (WTB.) Der ©taatrfeiertag wurde heute früh durch eine musikalische Tag- wache in den Kasernen eingeleitet. Um 9 Uhr zelebrierte Kardinal P i f f I, Fürsterzbischof von Wien, ein feierliches Hochamt im Stephansdvm. Rach der kirchlichen Feier defilierten die Truppen vor dem Bundespräsidenten, der so­dann im Palais am Ballhausplatz die Glück­wünsche der Präsidien des Rationalrates und des Bundesrates, der Bundesregierung und des Diplomattschen Korps entgegennahm. Beim Emp­fang der Bundesregierung hielt

Bundeskanzler Or. Seipel

eine Ansprache, in der er auf den ohne prak­tische Anerkennung des Selbstbe­stimmungsrechtes von den Siegern zu- geteilten allzu beengten Lebens- und Wirtschaftsraum des österreichischen Volkes hinwies. Er erklärte weiter: Die Herstellung freundnachbarficher Beziehung nach allen Setten ist der Ausgangs- und Schlüsselpunkt der ganzen auswärtigen Politik Oesterreichs. Im Rahmen des Völkerbundes, dessen entscheidenden Beistand Oesterreich erfahren hat, nimmt unser Staat einen ehrenvollen Platz unter den übrigen Staaten Europas ein. Mit ihnen zusammen, allen voran mit dem Deutschen Reiche, dessen Bewohnern wir durch die Bande des Blutes, der Sprache und der Geschichte so innig vev- bunden sind, arbeiten wir gemeinsam an der Linderung der Leiden unseres Erdteils und an dem Ausbau eines friedlichen Europas. Der Bundeskanzler gedacht« sodann der während der letzten zehn Jahr« im Innern geleisteten Arbeit und hob die Probleme hervor, die noch zu lösen seien, vor allem die wahre innere Be­friedung des Landes und die Befreiung der Wirtschaft von den letzten Ausnahme­gesetzen der Kriegszeit. Romens der Bundes­regierung und d«S ganzen Landes bankt« er dem Bundespräsidenten schließlich dafür, daß er stets die Würde der Republik und die Derfassungs- treue gewahrt und die Lage der Arbeiterschaft durch wirksame Ratschläge gebessert habe.

Bundespräsident Dr. Samisch

dankte dem Bundeskanzler und beleuchtete dann die in den letzten zehn Jahren erzielten Fort­schritte und betonte schließlich, daß die öster­reichische Wirtschaf tnoch immer nicht vollständig saniert sei. Unter solchen Umständen erscheine es ihm als selbstverständlich, daß Oesterreich nach einem Anschluß an ein größeres Wirtschaftsgebiet streben oder mindestens verlangen müsse, daß die Zölle der benachbarten Staaten weitestgehend herab­gesetzt werden. Gelinge das eine oder das andere, dann, glaube er, werden auch die wirtschaftlichen Verhältnisse sich dauernd bessern.

Festsitzung des Rationalrats.

Wien, 12. Rov. (WTB.) Der Rattonalrat hielt heute um 1 Uhr mittags anläßlich der Zehn­jahrfeier der Republik eine Festsitzung ab. Die Präsidentenestrade war reich mit Flaggen und mit Emblemen in den Farben der Republik ge­schmückt. Die Tribünen waren von einer festtäg­lich gekleideten Zuhörerschaft dicht besetzt. Auf der Regierungsbank hatten mit Bundeskanzler Seipel sämtliche Minister Platz genommen.

Präsident Miklas

hiell eine feierliche Ansprache, in der er zunächst einen Rückblick auf die Umsturztage warf und

die Rolle der Volksvertretung kennzeichnete, die damals di« Geschicke des Staates in die Hand genommen und das Land aus den schwersten Ge­fahren herausgeführt hatte.

Präsident Mikla. führte Weiber aus: ES ist ein erhebendes Bewußtsein, zu sehen, wie unser so kleines Land namentlich auf kulturellem Ge­biete in der großen Welt immer mehr eine ganz besondere Sendung erfüllt. Die Festtage dieses Sommers haben uns den klaren, reinen Zu­sammenklang unserer Herzen mit denen un­serer Brüder im Deutschen Reiche und überall sonst in der Welt gezeigt, wo deutsche Mutter­laute erklingen. Wenn uns auch Grenzpfähl« trennen, wir gehören doch alle zusammen zu einem Volke. Unser Volk, das vor zehn Jahren in diesem Freistaate Herr seinen eigenen Schick­sals geworden ist, feinem irdischen Herrscher mehr untertan, nur Gott allein und sich selbst verantwortlich, mag, einer gü­tigen Vorsehung vertrauend, bangen Tagen ent­gegensehen. die seinen Sorgen und Defchwer- niffen Abhilfe, seinem nationalen Hoffen, Er­füllung bringen mögen. Der Präsident brachte ein dreifaches Hoch auf die Republik und das österreichische Doll aus, in das die Versammlung, die sich bei seinen Schlußworten erhoben hatte, begeistert einstimmte.

Giaaisbejahung Der Heimatwehren.

Eine Feier der Selbstschutzverbände.

Innsbruck, 12. Rov. (TU.) Zum ersten Male fett dem 12. Rovember 1918 feierten dies­mal auch die bürgerlichen Kreise den Staatsfeiertag. Die Bundesführung der öjter- reich.schen Selbstschutzverbände hatte einen großen Heimatwehrt ag nach Innsbruck einberufen, auf dem auch der Dundesfühver der österreichischen Selbstschutzverbände, Dr. Sterdler, das Wort ergriff. Er führte u. a. auS: Bisher fei von nichtsozialldemokratischer Sette die Teil­nahme an den Feiern des 12. RovemberS abge­lehnt worden, well diese Feier von den Sozial­demokraten als eine Art Familienfest betrachtet werde, unter Hinweis auf die Rolle, öie sie bei der Ausrufung der Republik gespielt hätten. Außerdem sei aber bisher die Verfassungsfeier abgelehnt worden, weil man entweder den Zu­sammenbruch des allen Kulturreichs beklagt oder den neuen Staat verworfen habe, da er ein Hindernis für di« Vereinigung aller deutschen Stämme sei. Dr. Steidler fuhr dann fort: .Wir alliven vaterlandstreuen Kreise, die in unseren österreichischen Wehrvereinen vom Bodensee bis zur ungarischen Grenze vereinigt sind, haben nun­mehr eine Revision unserer Stellung zum Staate vorgenommen. Die Frage nach Staatsform, Wappen und Fahne war für uns niemals die entscheidende. So sind wir dazu gelangt, die Republik Oesterreich zu nehmen, wie sie ist, als ben und von einer höhe­ren Fügung zugewiesenen Boden, auf dem wir zu wirken und zu leben haben. Wir verneinen nicht den Staat, wir bejahen ihn weil wir ihn mit unserem Gei st er­füllen, nach unseren Ideen ausgestalten und für das deutsche Voll ihn wiedererobern und sichern wollen. Wenn wir unsere Sen­dung richtig verstehen, so ist vielleicht wie früher einmal die Rordmark nach einem Zusammenbruch des deutschen Volkes, diesmal di« Südmark auserfehen. auf die Zukunft und das Geschick der Ration einzuwirken." Die Rede schloß mit dem Gelöbnis, auszuharren und zu kämpfen mit allen Kräften, bis die Freiheit wiedergewon­nen sei.

Sturz der Dynastie Bratianu?

An demselben Tage, wo in Berlin der deutsch-rumänische Vertrag unterzeich­net wurde, hat der Führer der Bauern in Bukarest fein neues Kabinett zus-ammen- geftellt. Das ist für Rumänien mehr als ein Szenenwechsel. Eigentlich solange das Land exi­stiert, sind immer die Bratianus di« wirk­lichen Könige gewesen, ob sie nun selbst aus der Bühne ihre Roll« spielten oder hinter den Ku­lissen standen, um ihre Puppen tanzen zu lassen. Erst war es der Vater, dann sein Sohn Ionel, dessen Erbschaft wieder nach seinem Tode sein Bruder Vinttla übernahm. Wir haben damals schon die Ueberzeugung ausgesprochen, daß der dritte Drattanu dieser Aufgabe nicht g e wach sen sei. Gewiß, die Schwierigkeiten hatten sich gehäuft, das Mißverhältnis zwischen der breiten Masse des Volkes, die nur zum Steuer - zahlen da ist, und den oligarchischen Führern, die nur für ihre eigene Kasse sorgten, war immer größer geworden, zumal feit den letzten Frie­densschlüssen, die ein Groß-Rumänien geschaffen hatten. In den vergangenen zehn Jahren aber war nichts geschehen, um eine innere Verbindung zwischen den neuerworbenen Landesteilen und dem alten Staat zu bekommen, im Gegenteil, zumal die den Ungarn abgenommenen Provin­zen, die kulturell wesenillch höher standen, httten das Gefühl, daß sie völlig rechtlos geworden waren. Hier hat denn auch die Bauernbewegung ihren Ausgang genommen und ihren starken

Ausdruck gefunden mit dem Marsch der Hundert- tausende auf Kronstadt, der fast schon den Be­ginn einer Agrarrevolte bedeutete.

Ionel Braiianu hätte es vielleicht noch ver­standen, diesen Stoß abzubiegen, Vinttla war dazu nicht klug genug. Er hat geglaubt, die Be­wegung würde sich totlaufen, und an diesem Optimismus solange festgehalten, bis er darüber stolperte. Freilich im letzten Augenblick hat dann auch er mit den üblichen Mätzchen gear­beitet. Er hat die kommende Bauemregierung sabotieren wollen, indem er sie in das parlamen­tarische System der Vergangenheit hincinpreßte. Aber auch damit ist er gescheitert. Maniu, der Führer der Bauern, hat es a b g e l e h n t, in ein Koalitionskabinett zu treten, er hat es auch abgelehnt, ohne Auflösung des Parla­ments die Regierung zu übernehmen. Das hat seinen guten Grund, denn nach rumänischem Brauch hat die Opposition in der Kammer nur soviel Vertreter, als es der Regierung paßt. Die neuen Herren wären also hilflos gewesen, wenn sie sich von dieser Bindung nicht frei machten. Ob sie imstande sind, di« traurige Erbschaft zu meistern, di« ihnen Bratianu hinterließ, ob sie wirklich einen Volks st aat aufrichten kön­nen, das müssen sie erst beweisen. Sie sind im Parlament und in der Regierung Reulinge, wer­den also mancherlei Fallen auf ihrem We^e finden. Dafür sind sie freilich getragen von der Hoffnung der breiten Masse des Volkes. Wenn es ihnen aber nicht gelingt, sich durchzusehen, dann werden sie bald verspielt haben, allerdings kaum.

um Drattanu wieder den Platz freizumachen, son­dern dann ist Rumänien für die offene Revolution reif.

Aus aller Welt.

Langemark-Feier der Kieler SfubentenfdjafL

Zum Gedenken der in der Zeit vom 9. bis 14. Rovember bei Langemark gefallenen Studen­ten und Abiturienten vereinigte sich die Kieler Studentenschaft Sonntagabend zu einem Fackel­zug, der sich von der Unioerfität nach dem Aussichtspunkt Bellevue an der Kieler Föhrd« bewegte. Üiniversttätsprofessor Dr. Mau hielt eine Rede, in der er an die Opfertat der deutschen Studentenschaft und Abi­turienten bei Langemark erinnerte und darauf hinwies, daß die deutsche Studentenschaft di« Patenschaft über die Kriegergräber bei Lange­mark übernommen habe. Diese. Ehrenpflicht und di« Gedenkfeier feien ein äußerer Dank. Zu ihn müsse sich ein innerer Dank gesellen. Riemand wünsche eine Wiederholung des Krieges. Sollte aber einmal wieder das Vaterland zu den Waffen greifen müssen, so werde die Studenten­schaft und di« deutsche Jugend genau s o opfermutig in den Kampf gehen. Die Ge­genwart fordere von den Studenten, sich in den Dienst der Volksgemeinschaft zu stellen und auch den Gegnern Verständnis entgegenzubringen. Es gäbe eine Volksgemein­schaft sachlicher Gegensätze, aus der fruchtbares Tun erwachse. Mtt dem Deutschlandlied sand die Feier ihren Abschluß.

Das Ergebnis

des Heidelberger Univerfitäts-Reubau-Weltbewerb».

Von den eingegangenen Entwürfen für den Deubau des Hörsaalgebäudes der Heidelberger Tlniverfttät sind vom Preisgericht folgende Entwürfe ausgezeichnet worden: 1. Preis Professor Gruber (Danzig), 2. Preis Pro­fessor Freefe (Karlsruhe), 3. Preis Architekt Kuhn (Heidelberg). Lobend erwähnt wurde der Entwurf des Professors Schmitthenner (Stuttgart), außerdem waren in engsten Wett­bewerb gekommen di« Entwürfe von Professor Länger (Karlsruhe) und Professor Rüster (Berlin).

Bon Piratenschiffen umringt.

Der bei der Fae-Insel in der Rähe von Futtchau auf Grund gelaufene chine­sische Dampfer »Hsin Tschi" ist nach den in Schanghai eingegangenen Meldungen von etwa 20 Piratenschis en umringt. Das Schiff gilt als verloren, wenn nicht die sofort entsandten schnellen Torpedoboote rechtzeitig eintreffen. An Bord des Dampfers befinden sich 900 chine­sisch« Passagiere und einige Engländer und Amerikaner. Die Reisenden wurden auf der Fae-Insel gelandet, doch nimmt die dortige Bevölkerung eine ausgesprochen feindselige Haltung gegenüber den Schiffbrüchigen ein.

Für 75 000 Mark Seidenstoffe gestohlen.

Große Deute machten Einbrecher, die in die Raume einer Berliner Seidengroßhand- l u n g in der Markgrafenstraße eingedrungen waren. Die Diebe brachten zunächst die über dem Geschäftslokal gelegenen, zur Zeit leerstehenden Räume auf. Dann durchbohrten sie den Futzboden und gelangten durch die Deffnung in das Seiden­geschäft. Dort stahlen sie für 75 000 Mark kost­bare Stoffe. Die Kriminalpolizei hat die Ver­folgung der Diebe aufgenommen und bereits den Taxameterchauffeur verhaftet, der mit feinem Auto die Beute der Diebe fortgefchafft hat.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Das ausgedehnte Druckfallgebiet, das sich bis über Skandinavien erstreckt, ließ an feiner Südseite durch weitere Warmluftzufuhr nach Deutschland die Tern^ peraturen ansteigen. In unserem Bezirk lagen sie durchschnittlich vier bis sechs Grad höher als vor 24 Stunden und da die Winde wieder langsam nach Westen umdrehen werden und infolgedessen die maritimen Luftmassen aus etwas höheren Breiten zufließen dürften, so gehen die Temperaturen wie­der langsam etwas zurück. Niederschläge, wenn auch nur vereinzelt, sind immer noch zu erwarten.

Wettervoraussage für Mittwoch: Wolkiges Wetter, allmählich etwas frischer, ver­einzelt Niederschläge, südwestliche bis westliche Winde.

Witterungsausfichten für Donners­tag: Wenig Aenderung der Wetterlage.

Lufttemperaturen am 12. November: mittags 8,2 Grad Celsius, abends 9,2 Grad Celsius: am 13. Nov.: morgens 9,5 Grad Celsius. Maximum 9,6 Grad Cel­sius, Minimum 4,9 Grad Celsius. Erdtempera­turen am 12. November: abends 5,7 Grad Celsius; am 13. November: morgens 6,8 Grad Celsius. Niederschlag 0,8 Millimeter.