berichteten Sinne ausgesprochen hat: tatsächlich hat er während der deutsch-französischen Verhandlungen (Ende April) in Poris gewellt und mit den maß» gebenden Persönlichkeiten Zusammenkünfte gehabt. Deutschfeindliche Aeußerungen hat er gewiß nicht gescheut; nach dem belgischen Gesandten waren seine Reisen geeignet, die Stimmung zu verschärfen, und ein Jahr darauf kritisieren sie sogar sein Auftreten als unnütz und gefährlich. Einige Jahre später (1909) hat Eduard an einer anderen Stelle gegen Deutschland geschürt: er hat, wie wir aus Geheimberichten des russischen Botschafters in Rom erfahren, dem König Viktor Emanuel und dem Minister Tittont das Schreckgespenst eines nahe bevorstehenden englisch-deutschen Krieges vor Augen gehalten, um sie in ihrer Dreibundspolitik irrezumachen. So ist die Möglichkeit, daß er auch 1905 in Paris Delcassö gegenüber weitgehende antideutsche Aeußerungen getan hat, gewiß nicht von der Hand zu weisen.
Maa aber Eduards Rolle auf sich beruhen, gewiß ist, daß die englische Regierung in einer politisch bereits gespannten Lage versucht hat, die deutsch-französischen Beziehungen zu verschärfen, in der Absicht, der deutschen überseeischen Politik Steine in den Weg zu werfen. Auch vor einem Kriege Frankreichs und Englands gegen Deutschland scheute sie sich nicht. Daß es damals nicht zum Kriege gekommen ist, verdankt man einerseits der Furcht der französischen Minister vor der deutschen militärischen Ueberlegenheit und andererseits der Mäßigung Deutschlands, das nicht daran gedacht hat, die so günstige militärische Lage auezunutzen und einen Krieg gegen das au Lande so gut wie isolierte Frankreich heraufzubeschwören.
Oberheffen.
Wiesecker Gasfragen.
£, Wieseck, 13. Ott. Dor Eintritt in die Tagesordnung der gestrigen Sitzung des G e - meinderals legte Derbandsvorsihender Denner vom Zweckveroand Wieseck-Allen-Duseck die Abrechnung vom ersten Halbjahr 1928 vor, die einen Gesamtumsatz von 61 205,40 Mk. oufweist. Mit halbstündiger Verspätung konnte Bürger- meister Schomber die Sitzung eröffnen mit dem Ersuchen an einzelne Gemeinderäte, für die Folge pünktlicher zu erscheinen. Dei der Erledigung der Tagesordnung beschäftigte man sich zunächst mit der Beratung und Genehmigung des Gas- Regulativs. Hm den Gemeinderat wieder in alle Einzelheiten über die Gasversorgung ein- zuweihen, verlas Bürgermeister Schomber den am 5. 3anuar 1928 zwischen der Gemeinde Wieseck und der Gas- und Kraftwerke A.--G. Derlin-Wilmersdori abgeschlossenen Vertrag. Das Regulativ ist auf Grund des Regulativs der S.adt Gießen ausgestellt und enthält die Bestimmungen über Gasabnahme, Instal alion. sowie Instandhaltung der Anlage. Im wesentlichen fei auf folgende Paragraphen aufmerksam gemacht:
§ 4. Zuleitung: Die Lage und Weite der Zuleitung bestimmt im Einverständnis mit der Gemeinde die Gas- und Kraftwerke-Aktiengesell- schaft, der allein die Herstellung der Zuleitung bis zum Gasmesser sowie das Seyen der letzteren in Verbindung mit der Hauptleitung zusteht. Besondere Wünsche des Abnehmers sind nach Möglichkeit zu berücksichtigen.
§5. Innenleitungen: Hausleitungen vom Gasmesser bis zu den Verbrauchsstellen können auch von ansässigen Installateuren hergestellt werden, sofern dies geprüfte Installateure sind: sie müssen in allen Fällen um Genehmigung bei der Verwaltung nachsuchen. Wenn von Installateuren hergestellte Zuleitungen nicht den Installationsvorschriften entsprechen und bei der Prüfung, di« durch die Verwaltung oder deren Beauftragte vorzunehmen ist. beanstandet werden. ist di« Verwaltung nicht verpflichtet, Gas in solche Leitungen zu geben. Für jede zweite oder weitere Prüfung solcher Leitungen hat der Gasabnehmer eine Gebühr von 3 Mk. zu zahlen. Eine Haftpflicht erwächst der Verwaltung aus den Prüfungen jedoch nicht.
§ 6: Der Gasabnehmer hat dafür zu sorgen, daß jede Veränderung an seiner Gasleitung der Verwaltung rechtzeitig mitgeteilt wird. Verläßt «in Gasabnehmer die bisher benutzten Räume, so hat er dies der Verwaltung vorher mitzuteilen, andernfalls bleibt er für di« Zahlung des weiteren Verbrauchs an Gas In diesen Räumen haftbar.
§ 7. Gasmesser: Der Gasverbrauch wird durch amtlich geeichte Gasmesser gemessen. Die Gasmesser sind Eigentum der Gemeinde. Das Setzen und die ordnungsmäßige Instandhaltung obliegt der Gas- und Kraftwerke-Aktiengesell- schaft.
§ 11. Minde st gebühren: Das Gas kostet 22 Rpf. je Kubikmeter. Als Mindestabnahme kommen 10 Kubikmeter pro Monat zur Berechnung. Gas zum Beheizen von Wohnungen oder sonstigen Räumlichkeiten wird zu einem Preise von 12 Rpf. je Kubikmeter geliefert, in welchem Falle ein besonderer Gasmesser aufzustellrn ist.
Jede Veränderung des Gaspreises erfolgt nur mit Zustimmung der Gemeinde.
Hierbei ist der Gemeinderat einstimmig der Meinung, daß die vorgesehene Mindestabnahme von 10 Kubikmeter viel zu hoch gegriffen ist und gerade vieler hohe Sah dazu betgetragen hat, daß viele Einwohner von der Anlage der Gasleitung absehen wollen. Um eine Erleichterung für die Interessenten zu schaffen, wird vom Gemeinderat die Mindestabnahme von 5 Kubikmeter vorgefchlagen: er ist der bestimmten Meinung, daß die Dertragspartne.in daraus eingehen wird.
In § 12, Gasmessermiete, ist vorgesehen: Für jeden leihweise aufgestellten Gasmesser sind für Derzinsung und Tilgung sowie für Reparaturen seitens des Konsumenten monatlich an Miete zu zahlen: Für einen Sflammigen Gasmesser 0,75 Mk., für einen lOflammigen 1 Mk., für einen 20flammigen 1,25 Mk., für einen 30° flammigen 1,60 Ml.
Hierzu wird angeregt, doch die Sähe der Stadt Gießen anzunehmen. Bei den übrigen Paragraphen wurde dem Regulativ zugestimmt. — Die Gasanschlüsse in den Gemeindegebäuden sollen gelegt werden, es sei denn, daß die Mieter sich weigern, Gas abzunehmen. In diesen Fällen sollen mit den Gas- und Kraftwerken besondere Vereinbarungen für die Ge- meindegebäude schriftlich festgelegt werden. — Die Verpachtung von Gemeindegelände an Wilhelm H o f zwecks Errichtung einer Geflügelfarm wurde dahin geregelt, daß Hof für jeden Morgen pro Jahr 10 Mk. Pacht bezahlen soll, die Pachtdauer wurde auf 15 Jahre vorgeschlagen. 3m Anschluß an die öffentliche Sitzung fand eine nichtöffentliche Sihiang statt.
Buntes Allerlei.
Das Aussterben der vierten Klasse.
Mit der Abschaffung der vierten Klasse bei der Reichsbahn stirbt diese im europäischen Verkehrsnetz fast ganz aus. Das Vierklassenshstem ist heute nur noch in einigen östlichen und südöstlichen Staaten, wie in Polen vorhanden und wird außerdem noch in Elsaß-Loth- ringen entsprechend dem allen System bei- behalten. Das Vierklassensystem ist überlebt, während sich das Dreiklassensh st em in den meisten europäischen Staaten bewährt hat. Ein reines Zwei.lassensystem haben in Europa nur die englischen Bahnen, da dort die zweite Klasse nur in einigen besonderen Zügen nach den Kanalhäfen geführt wird. Alle übrigen europäischen Staaten haben, was die Klassenzahl anbelangt, ein Drei lassensystem. Allerdings ergeben sich in der Praxis wesentlich« Ver- schiebungen, wie z. B. in Rorwegen, wo auf vielen Strecken nur die dritte Wagen- klasse gefahren wird.
Durch Kohlenoxydgas gelötet.
Zwei Telegraphenarbeiter, die mit Installa- iionsar beiten beschäftigt waren, wurden im Waldhotel Rotschrei bei Todtnau im Wiesental bei Freiburg in ihren Betten tot auf» gefunden. Rach dem ersten Befund der staads» anwaltschaftlichen Untersuchung scheint eine Kohlenoxydvergiftung vorzuliegen, die in den Abgasen einer unter dem Schlafzimmer befindlichen L i ch t m o t o r s , der während der Rächt lief, ihre Ursache hatte. Das Gas ist durch die undichte Decke in das Schlafzimmer eingedrungen. Zwei andere Arbeiter, di« im gleichen Zimmer schliefen, sind mit dem Leben davongeiommen, haben aber im Saufe der Nacht an Erbrechen und Unwohlsein zu leiden gehabt.
Der Varagraphenkrieg.
In der Mitgliederversammlung des Verbandes sächsischer Industrieller wurde zu einem Vortrag über „Länderkonserenz und Verwaltungsreform" von einem Redner folgendes ausgeführt: „Ich habe neulich die Begutachtung des Ge, setzes über biß Abfälle von Edelmetall im Hausierhandel gehabt. Dieses Gesetz ist veröffentlicht vom Reich. Im R e i ch waren es neun Paragraphen und die Ausführungsverordnung. Dann kamen 22 Verordnungen und 22 Ausführungsverordnungen der Länder dazu. Wir .sind auf etwa 400 Paragraphen gekommen, um den Absatz von Abfällen der Edelmetalle im Hausier, handel zu regelnI"
Asfen-Promenade.
Das Bild muß allerdings zum Malen gewesen ein. Ging da neulich ein Abgeordneter i m Boulogner W äl dchen bei Paris spazieren, harmlos vergnügt. Ratür ich ohne zu wissen, daß am Vormillag fünf Affen aus dem Zoologischen Garten ausgebrochen waren, die sich auf dm Bäumen dieses Wäldchens vergnügten. Run haben Affen be
kanntlich eine fatale Angewohnheit, alles nachzumachen. Als sie daher den Abgeordneten langsam und würdig, die Hände auf dem Rücken auf und ab gehen sahen, kletterten sie von den Bäumen herab und gingen, langsam und würdig, die Hände auf dem Rücken, hinter dem Abgeordneten her. Menschen sammelten sich an, Photographen knipsten, doch der Abgeordnete merkte erst etwas, als ein kleiner Junge zu seiner Muller sagte: „Guck mal, lauter Affen!" Woraus sich der Mann umdrehte, während die „anderen" Affen wieder rasch auf die Bäume kletterten.
Ein neues Hochhaus in Stuttgart.
In Gegenwart von Vertretern der württembergi- fchen Regierung und des Landtages, sowie höherer Beamter des Reiches und des Landes wurde heute an dem Platz des früheren Staats- m i n i ft e r i u m 5 an der Königsstraße das neuerbaute zehn Stockwerke hohe staatliche Geschäftshaus feierlich eingcweiht. Um die Erinnerung an die bedeutendste Gestalt unter den Leitern des wurt- tembergischen Staates im 19. Jahrhundert, des Ministers F r h r n. v. M i 11 n a ch t, der von 1870 bis 1900 in dem früheren Staatsministerialgebäude wirkte, wachzuhallen, hat das Staatsminffterium beschlossen, ihm zu Ehren dem Bau den Namen „M i 11 n a ch t - D a u" zu geben. Die Bauzeit betrug eineinhalb Jahre, die Kosten 3 Millionen Mk.
Rekordsucht treibt neue Blüten.
Wie es nicht anders zu erwarten war, hat der in einem Berliner Restaurant „gestartete" Dauerredner P a r l a t u s, der einen Rederekord von 132 Stunden auszustellen beabsichtigt, bereits ein Pendant gefunden. Rachdem Parlatus sein Programm heruntergeredet haben wird, sofern er es überhaupt durchzuführen in der Lage ist, wird sich an der gleichen Stelle eine Frau produzieren, die sich mit der Absicht trägt, 132 Stunden z u schweigen. Der älnsinn, dem die Behörden nicht, wie man annahm, rechtzeitig gesteuert haben, treibt also seine schönsten Blüten, und es wird nicht lange dauern, so wird sich ein ganzer Gesang- oder Schau- spielervercin zu dem gleichen lllnsinn verleiten lassen.
Erdbeben in Mexiko.
Ein Erdbeben, das in der Rächt zum Dienstag Mexiko-Stadt heimsuchte, dauerte etwa fünf Minuten. Als die Erdstöße einsehten, stürzten Tausende von Personen in größter Panik aus den Häusern, Kinos und Hotels auf die Straße. Zur Zeit des Erdbebens tagte die mexikanische Deputiertenkammer. Die Sitzung wurde sofort aufgehoben und die Abgeordneten suchten sich durch schleunige Flucht zu retten. Das Beben wurde in neun mexikanischen Städten verspürt. Bisher sind Verluste an Menschenleben nicht bekannt, dagegen soll der Materialschaden besonders in der Stadt Oaxaca, deren südlicher Teil zerstört sein soll, sehr bedeutend sein.
Landkreis Gießen.
Dg. Grohen-Duseck, 13. Ott. Heute begeht der älteste Einwohner unseres Dorfes, Konrad B o n a r i u s, Schloßstraße, feinen 9 0. Geburtstag. Er fühlt sich körperlich und geistig noch recht frisch und konnte, wie auch an anderen Arbeiten, an der diesjährigen Kartoffelernte tätigen Anteil nahmen.
* Leihgestern, 13. Oft. Eine seltene Jubiläumsfeier nahm dieser Tage hier einen würdigen Verlauf. Der Schäfer Heinrich Habe r m e h I stand am vergangenen Dienstag 4 0 Jahre im Dienste der hiesigen Schäfereigesellschaft. Diese ehrte den Jubilar, indem sie ihm einen Fackelzug darbrachte, dem eine Musikkapelle vorausmarschierte, die vor dem Hause des Jubilars zu Beginn der Feier zwei schone Volkslieder spielte. Das Vorstandsmitglied Gg. Jung gedachte in einer Ansprache der langjährigen treuen Dienste des Jubilars und gab der Hoffnung Ausdruck, daß es ihm vergönnt sein möge, in bester Gesundheit und im guten Einvernehmen mit der Schäfereigesellschaft, wie seither, noch lange Jahre seinen Dienst versehen zu können. Rachdem der Jubilar einen Korbsessel und eine Geldspende als Geschenk entgegengenommen hatte, wurde auch der Schäferin, die dem Jubilar in den Sommermonaten täglich das Mittagessen ins Feld gebracht hatte, eine schone Torte als Geschenk überreicht. Ein von der Musikkapelle Sarnes (Watzenborn) flott gespielter Marsch schloß den ersten Teil der Jubiläumsfeier. Mit der Schäferschippe in der Hand und mit geschmücktem Hut begab sich der Jubilar dann mit den Veranstaltern in das Lokal der Metzgerei und Wirtschaft Gg. Sern, wo in guter Stimmung noch einige Stunden weitergefeiert wurde.
> Aus der nördlichen Wetterau, 12. Oft. Jetzt ist die Kartoffelernte, die trotz anfänglicher Bedenken sich als gute Mittelernte erwiesen hat, soweit beendet. Es hat sich gezeigt, daß die Landwirte, die nicht allzufrüh mit der Ernte begannen, ein Geschäft gemacht haben; denn die Knollen haben nach dem Regen an Dicke beträchtlich zugenommen. Mancher Landwirt hebt sich deshalb das Einbringen der Resternte auf nächste Woche aus. Die noch meist grünen Kartoffelsträucher haben des Futtermangels wegen als Viehfutter Verwendung gefunden. Im Gegensatz zu den Vorjahren, da unsere Kartoffel schon während der Ernte waggonweise zum Versand kam, ist die bis jetzt verladene Mengs sehr gering. Der Handel wird zur Zeit meist von einheimischen Händlern bestritten, die bestrebt sind, vor allen Dingen den Bedarf der Provinzial- Hauptstadt zu decken. Dort wird gerade das Erzeugnis unserer Gegend, die als Kartoffelgebiet weithin bekannt ist, besonders bevorzugt. Auch die Dickwurzernte hat diese Woche ihren Anfang genommen. Der Ertrag bleibt um ungefähr ein Drittel hinter der vorjährigen Ernte zurück.
Kreis Friedberg.
> Gambach, 12. Oft. Die Firma Schneider von hier, die den Kraflomnibusver- kehr Gambach — Holzheim — Grüningen — Steinberg — Gießen unterhält, hat jetzt eine geräumige, neuzeitlichen Anforderungen entsprechende Autogarage bauen lassen. Der Verkehr auf der Strecke, der In der Zeit der Erntemonate immer etwas zurückgeht, scheint jetzt wieder aufzuleben.
Kreis Büdingen.
Ri d d a, 12- OH. Das überaus starke Angebot an Ferkeln, wie es aus fast allen auf Landwirtschaft eingestellten Gemeinden vor- liegt, laßt erkennen, daß auf dem Gebiet der
Schweinezucht noch keine rückläufige Bewegung eingesetzt hat. Da im allgemeinen die Rachfrage im Herbst geringer ist, als im zeitigen Frühjahr, wo der Richtlandwirt fein Schlachtschwein einlegt, sind jetzt die Preise sehr niedrig. Für fünf bis acht Wochen alle Tiere werden 8 bis 15 Mk. bezahlt. Im Hinblick auf das starke Angebot sind die Ferkelbesitzer fvoh, überhaupt ab- sehen zu können. Soweit sich übersehen läßt, dürfte die Schweinemast im nächsten Jahr kaum hinter der des abgelaufenen Jahres zurückbleiben. Die billigen Ferkelpreise in Verbindung mit guten Schlachtpreisen regen zum Einlegen an. — Dei den eingekellerten K a r t o f - fein will man an bestimmten Sorten, insbesondere den Odenwälder Blauen, schwarze Stellen im Fleische beobachten, die auf beginnende Fäule hindeuten. Ob es sich dabei um zu frühes Ernten bei heißem Wetter, unn EntartungLerscheinungen oder durch die trockene Witterung bedingte Schädigungen handelt, ist schwer zu sagen. Im allgemeinen aber ist der Ertrag über Erwarten gut,
Kreis Schotten.
□ Laudach, 12. Oft. Die Arbeiten der Kanalisation in der nördlichen Hälfte unserer Stadt sind jetzt beendigt („Untere Langgasse, Markt- platz, Grünes Meer, Planke") bis auf einige Haus- anschlüsse. Auch die Unterführung der sog. „W a s ch b a ch" durch die „Kleine Halle" in einem betonnierten Kanal von 1,70 Meter Höhe und ein Meter Breite ist fertiggestellt. Ebenso ist die Röhren- leitung am „Bürgeler Weg", wodurch der Uebertauf der Wetter bei Hochwasser abgeleitet werden soll, zur Ausführung gebracht. — Gestern wurde die älteste Bewohnerin unserer Stadt, Frl. Marie Kolb, geb. 25. Juni 1837, zur letzten Ruhe bestattet. Die alte Dame, bis in die letzten Tage verhältnismäßig rüstig, hatte ihren Lebensabend im „Altersheim" des hiesigen Johann-Fried- rich-Stiftes" verbracht. Sie war die Schwester der beiden Frauen des Bürgermeisters Daniel Ritter, der von 1866 bis 1884 amtierte. — Die Kartoffelernte ist jetzt beendet. Sie ist vorzüglich ausgefallen. Auch die Dickwurzernte ist sehr befriedigend. Sie ist zur Zell noch in vollem (Bang. Diese Hackfrucht hat teilweise durch M a u s e f r a ß gelitten.
§ Lllrichstein, 12. Olt. Im Laufe dieses Sommers haben hier verschiedene öffentliche und mehrere private Gebäude neuen Anstrich erhalten und sind teilweise neu geschindelt worden, so die Spar- und Leihkasse, die Kimpelsche Buchhandlung und die Synagoge. Das schmucke, gefällige Aeußere der neu hergestellten Häuser trägt zur Verschönerung des Straßenb'cldes nicht unerheblich bei. — Schon lange wurde es als ein Mißstand empfunden, daß unsere Gemeinde nicht im Besitz eines Leichenwagens war und bei Beerdigungen der Sarg auf unseren doch vielfach recht steilen und abschüssigen Straßen getragen werden mußte. Das war besonders im Winter bei Glatteis oft schwierig. Vorige Woche wurde nun ein gebrauchter, nvch gut erhaltener Leichenwagen, der einer Wormser Gemeinde gehört hatte, von Bürgermeister Appel für die Gemeinde erworben. Er wird künftig bei den Beerdigungen verwendet werden.
§ Vom Oberhalb, 12. Oft. In verschiedenen Bezirken wurden im Sonnner die Schnei- sen durch Anbringung von Ramenstafeln kenntlich gemacht, durch die die Orientierung sehr erleichtert wird. Auch kommen einige schone alte Rainen dadurch wieder mehr zur Geltung, die noch daran erinnern, daß auf dem Boden, der jetzt wieder mit Wald bepflanzt ist, früher einmal zehn Jahre lang ein Remvntedepot
gewesen ist. Kammern- und FohlenstaUschneHl in der Rahe des Wiesenhofs sind solche Schneisen- und Distriktsnamen, die noch heute öle Erinnerung an die Jahre 1872 bis 1882 feft* halten, in denen das Remontedepot dort bestanden hat, an das sich heute nur noch die ältere Generation zu erinnern vermag.
Kreis Lauterbach.
P. Schlitz, 12. Oft. Hier fand ein sehr gut besuchtes Dekanats fest der Inneren Mission statt. Direktor Pfarrer Schneider von der Epileptischen» und Krüppelanstalt Rie- der-Ramstadt h.elt die Festpredigt und erzählte in einer Rachversamnrlung in ergreifender 'Weiss von der Rot, aber auch von dem Segen, den die Anstalt für diese Aermsten unter den Armen bedeute. Wie sehr der Redner es verstand, dis Herzen zu bewegen, bewies schon der stattliche Ertrag der Kollekte, welch: in Hohe von 265 Mk. Rieder-Ramstadt überwiesen werden konnte. — Im Anschluß an einen von Generalsekretär Thiel hier abgehaltenen Vortrag, bildete sich eine Ortsgruppe des Evangelischen Bundes, der bereits 50 Mitglieder beigetreten sind.
P. Hartershausen, 12. Oft. Hier spielte sich eine interessante Kirchenge- meindevertreterwahl ab. Waren doch für diese Wahl in unserem flehten Dörfchen zwei Listen ausgestellt worden: auf der einen befanden sich die Anhänger und aus der anderen die Gegner der im Dau begriffenen Wasser lei- tung! Es erhielten die Erstgenannten, „ble Rassen" 5 Sitze, während „die Trockenen" mit 7 Mandaten die Mehrheit erreichten.
Preußen.
Kreis Wetzlar.
Q Wetzlar, 12. Oktober. Am nächsten Sonntag findet hier die hundertjährige Jubelfeier der Rheinischen Mission statt, die vormittags 11 älhr mit einem Kinder gvttes- dienst in der Hospitalkirche ihren Anfang nimmt. Um 12 U&r ist im Dorn Festgottesdienst, in welchem Pfarrer Schmidt aus Siegen die Fest- Predigt halten und der hiesige Kirchenchor Mitwirken wird. Rachmittags 3 il^r beginnt di« Rachversammlung im Schützengarten unter Mitwirkung der Posaunenchöre des Kreises Wetzlar. Anschließend an die Jubelfeier wird eine Mif - sionsausstellung im „Schützengarten" eröffnet, in der vieles aus den Arbeitsgebieben der Rheinischen Mission auf Sumatra, Rias, China, Südafrika und Reuguinea zu sehen ist. Die Ausstellung ist 14 Tage lang geöffnet (Bgl» die Anzeige in der h:utigen Rümmer). Die Jubelfeier sollte bereits früher stattfinden, nrußte jedoch durch die Gastpredigten in der Wetzlarer Pfarr- stellenbesetzung wiederholt verschoben werden, Di« große Jubiläumsfeier der Rheinischen Mission hat am 19. und 20. September in Barmen statt- gesunden und war besonders auch aus dem Kreise Wetzlar gut besucht.
Klein-Rechtenbach, 12. Oft Diese« Tage fand hier kurz nach der beendeten Zusammenlegung eine Grund st ücksverpachtung durch einen auswärtigen Besitzer statt, die sehr gut besucht war. Insgesamt wurden rund zehn Morgen Land auf eine Dauer von neun Jahren verpachtet: für das Ar wurden 1,10 bis 3,20 Mk. Sacht bezahlt, ein Betrag, der als angemessen zeichnet werden muh.
Kreis Biedenkopf.
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# Holzhaus en bei Gladenbach, 12. Oft. Es dürste in weiten Kreisen bekannt sein, daß zur Pfarrei Holzhaufen bei Gladenbach der der Filialort Damshausen gehört Man fragt sich, wie das kommt, da doch der Fußweg von Holzhausen nach Damsbach 3,25 Kilometer lang ist und über Herzhausen führt, das zum Kirchspiel Dautphe gehört, wahrend der Fahrweg 13,6 Kilometer lang ist, immer einfach geregnet, und über die Dörfer Runz- hausen, Bollnhausen, Sinkershausen und Diedenshausen führt, die zu den Pfarreien ©laben* «dach 1 uab 2 gehören. Die Gemeinden Holzhauses und Damshausen gehörten bis 1659 zum Kirchspiel Dautphe. Dann wurde Holzhaasen selbständig. Erster Pfarrer wurde ein damaliger Vikar in Dautphe: da sich dieser aber gegen seinen Pfarrer etwas renitent gezeigt hatte, wurde ihm zur Strafe Damshausen als Filialort beigegeben. Lind unter dieser Strafe haben alle übrigen Pfarrer von Holzhausen und die beiden Gemeinden bis auf den heutigen Tag zu leiden, und sie werden weiter darunter leiden, wenn dieser mittelalterliche Zustand, der in de« heutigen Zeit unhaltbar ist,, nicht bald beseitigt wird. Der Pfarrer von Holzhausen hat die weiteste Filiale in der ganzen nassauischen Landeskirche. In Holzhausen sagt man: „Uns bleibt teilt Pfarrer wegen Damshausen": und in Damshausen sagt man: »Wie soll es werden, wenn irk den nächsten Jahren infolge des Geburtenrück« ganges in den Kriegsjahren nur ein Junge obrt gar nur ein Mädchen wöchentlich ein- ober zweimal zur Konfirmandenstunde nach HolzhauseN muh, durch Wald und Feld, bei Wind und Wetter, auf schmalem Pfad, den sonst feind Menschenseele geht." Außerdem gehört Doms- Hausen auch zum SlandeSamtsbezirk Holchausen. Wohin aber nun mit Damshausen? Zwei Wegs wären gangbar. 1. Damshausen käme zu Wei- tershausen. das allerdings zur hessischen Landeskirche gehört. Aber dieses Hindernis ließe sich leicht beseitigen mit Hilfe der DerwaltungZreform die Reichsinnenminister Severing ja in nahe Aussicht gestellt hat. 2. 3n Sinkershausen würde eine Hilfspredigerstelle errichtet und ihr die Gemeinden Frohnhausen, Sinkershausen, Bellnhauseir. Diedenshausen und Damshausen zugeteilt. ^Dadurch würden die beiden Pfarrer in Gladenbach, die 13 Gemeinden zu bedienen haben, wesent- • lich entlastet, und konnten sich diesen mehr toib‘ men, da in einigen derselben jetzt jährlich nut zweimal Gottesdienst gehalten werden kann. An . Stelle von Damshausen konnte man bann Herz- \ hausen zu Holzhausen schlagen. Die Herzhäuser würden die Vorteile haben, daß sie nicht mehr den 5V» Kilometer langen Weg zur Kirche in Dautphe zu gehen brauchten, sondern daß jeden zweiten Sonntag in ihrem eigenen Dorf Gottesdienst abgehalten werden konnte, ferner auch daß ihre wenigen Konfirmanden nicht 51/?. sondern nur 2i/» Kilometer zur Konfirmandenstunde zu gehen hätten. Auch würde der Dautpher Pfarrer, der 7 Filialen zu bedienen hat, wesentlich entlastet. Als einziger Rachteil bliebe für die Herzhäuser, wie auch für die Einwohner der übrigen in Betracht kommenden Gemeinden, vielleicht eine geringe Erhöhung ihrer Kirchspie^- beiträge. Jedenfalls werben der am 16. b. M. in Gladenbach zusammcntretende Kreiskir^ > chentag sowie die Landeskirchenregierung in 1 Wiesbaden Wittel und Wege finden müssen.
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