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Freitag, d. 12. OKI. 1928, 7"avd5.

2lbend des Freitags westlichen Hälfte vom ungefähr 36 Grad Winde und vielfach

-eigen daher über der Atlantischen Ozean bis Äordbreite westliche wieder Regen. Erst den Bermudas und

gebiet neuerdings Energie gewonnen und sich vertieft. Schiffsbe richte von Rachmittag und

Werden neue Steuern notwendig?

Reichsfinanzminister Hilferding über die Aussichten für den neuen Etat.

im Raume zwischen.

der amerikanischen Ostküste b eitet sich wieder ein Hochdruckgebiet mU heite­rem Wetter aus. Für die östliche Küste der Bereinigten Staaten wird jedoch bald ein Tiefdruckgebiet maßgebend fein, das zwischen der Hudson-Dah und dem unteren Lo- renzstrom in Entwickelung begriffen ist und das südostwärts vorstöht. Unter seinem Einfluß hiben bereits die Winde zwischen Reuyork und Reufundland sich jetzt z u ckz u d r e h en be­gonnen. Es wird Anschluß an das Tief vor Reufundland gewinnen. Dieses Tief dürfte wer­ter südöstlich Vordringen, so daß es noch für die Fahrt des Zeppelin in Betracht kommen

Hessen und die Lutherdenkschnst.

Bedenken der Darmstadter Regierung.

Darmstadt. 12. Oft (TU.) Die amtl'che hef- fische Pressestelle keilt mit: DieDarmstadter Zeitung", das hessische Regierungsorgan, ver­merkt }U den dieser Tage veröffentlichten Vor­schlägen des Lutherbundes folgendes: Die wir erfahren, sieht man in hessischen maß­gebenden Kreisen in den Vorschlägen des Rundes zur Erneuerung des Reiches bis jetzt keine Lö­sung der großen Probleme der Reichsreform. Der vund versucht, mit seinem Vorschlag den Dualis­mus zwischen dem Reich und Preußen zn beseitigen, hierbei ober stellt er ein um sieben Millionen Einwohner vergrößertes Preußen den verbleibenden süd- und mitteldeutschen Ländern noch unmittelbarer als bisher gegen­über. Das ist aber offenbar nicht der weg. zu größerer Vereinheitlichung Deutschlands zu kommen. Mit größtem Bedenken aber erfüllt, daß nicht zu erkennen ist, wie auf dem vorgeschlagenen Dege die doch angeblich erstrebte Dezentralisation er­reicht werden soll, vom Standpunkt dessen, der nur einen stark dezentralisierten staatlichen Aufbau für erstrebenswert und möglich hält, ist es nicht ver­tretbar. sieben Millionen deutsche Staatsbürger, die ihre Angelegenheiten bisher selbst verwaltet haben, in ein zentralistisch regiertes Staatsgebilde, auch wenn es stall Preußen Reichsland heißt, einzubeziehen. Line so tiefgrei­

Das Spielen der Nationalhymne wird bestrast.

Unverständliches Urteil des englischen Militärgerichts in Königstein.

Wiesb ade n, 12.Okt. (TU.) Dor dem eng­lischen Militärgericht hatten sich am Freckagnachmittag der Kapellmeister Hiege, der Leiter der Kurkapelle in Königstein, und der Bürgermeister von Königstein, Böhm, wegen Spielens des Deutsch­landliedes anläßlich der Schl oh be­te u ch t u n g in König st ein am 15. März zu verantworten. Der englische Staatsanwalt be­tonte, die Rheinlandvrdonnanz sei im gemein­samen Interesse der Engländer und der Deutschen erlassen worden, um Meinungsverschiedenhei.en zu vermeiden. Wohl sei bei amtlichen Feiern das Absingen des Deutschlandliedes g e st a t t e t, da hierbei kaum englische Soldaten anwesend wären. Bei öffentlichen Ber­an st altungen im Freien sei jedoch die E r. laubnis der Besatzungsbehörden zu­vor einzuholen. Gegen dies« Bestimmung hätten sich die Angeschuldigten vergangen. Bürger­meister Böhm betonte, er habe geglaubt, es handele sich bei der Veranstaltung um eine amtliche Feier, zumal auch viele Dertretcr der Behörden anwesend waren. Der Der.eidiger, SenatSPräsident Dr. Führ, Landau, beantragte für beide Angeklagten Freisprechung, zumal an dem betreffenden Abend keinerlei Un­stimmigkeiten zwischen Deutschen und Engländern vorgekommen seien und auch kein Engländer an dem Dor-

dürfte.

Erste Erfahrungen.

Berlin. 12. Oktober. (DB.) Dis zum Postie­ren von Madeira hat derGraf Zeppelin" in noch nicht ganz dreihigstündiger Fahri eine Strecke zu­rückgelegt. die in gerader Luftlinie etwa 2 8 0 0 Kilometer umfaßt. Man kann aber annehmen, daß der Weg des Luftschiffes b i s Madeira mindestens 3000 Kilometer ausmacht: denn es wird sicher nicht immer in ge­rader Linie, sondern in Bogen um kleinere Un­wetter herumgesahren sein. Damit würde derGras Zeppelin" bisher eine Durchs chnittsge- schwindigkeit von mindestens 100 Kilometer gefahren sein. Interessant ist der Vergleich mit der großen Deutschlandfahrt, bei der das Schiff in 34$ Stunden etwa 3200 Kilometer zurücklegte, was einer Durchschnittsgefchwindlgkeit von gut 90 Kilometer entsprach, wenn man aus seiner jetzigen Jafjrf die Gegenwinde in Rech­nung stellt, so ist die bisher erzielte Geschwindigkeit als normal anzusehen.

Von fachmännischer Seile wird darauf hingewie- sen, daß das spärliche Eintressen von Meldungen aus dem Schiss mit der starken Inanspruchnahme der Funkstation durch den Wetterdienst zu erklären sei. Die Führung des Schisses muh sich ihre Wetterkarten selbst zusammenslellen und braucht als Material dafür natürlich sehr viel Meldungen. Schon auf der großen Dentschlandsahrt ist die Funkstation während saft vier Fünftel der Fahrzeit durch Wettermeldungen beansprucht worden. Diese Be­lastung hat wohl dazu beigetragen, daß auch die Werst in Friedrichshafen bisher überhaupt noch keine Positionsmeldungen von Bord bekommen hat. Die Vertreter der hearft- prcsse sind offenbar die einzigen, denen es bisher gelungen ist, nennenswerte Rachrichten durchzu­bringen. Ls scheint, daß die Boebftafion in der Zeit, die von Wettermeldungen frei ist, von Hearst vollkommen blockiert ist, so daß z. B. ein Telegramm, das die Friedrichshafener werstteitung gestern abend abschickte, erst nach sieben Stunden in die Hände von Dr. Eckener gelangt ist.

Roch den bis heute abend bei der werft vor- liegenden Wettermeldungen herrschen auf dem At­lantik weiterhin schwere scharfe West­winde bis zum 3 5. Grad nördlicher Breite; unter diesem dürfte Windstille bzw. Osl- wind Herrchen. Darauf ist auch die hier mit großer Befriedigung aufgenommene Schnelligkeit der Fahrt desGras Zeppelin" von Gibraltar bis Madeira zurückzusühren. und es wird als sicher angenommen, daß er Mitwind gehabt hat, und dabei eine Geschwindigkeit von 150 Kilometer erreichte. Das Schiff dürfte nunmehr direkten Kurs nach den Ber­mudas-Inseln nehmen und so an den Azo­ren südlich vorbeikommen.

Amerika in Erwartung des Zeppelins.

Nach Mitteilung Arnsteins noch in diesem Jahre ein zweiter Rundflug geplant.

Lakehurft, 12. Okt. (WTD.) Angesichts der bevorstehenden Ankunft desGraf Zeppelin beginnen sich die Hotels in der Umgebung von Lakehurft bereits zu füllen. Für die 1800 Seelen zählende Einwohnerschaft bildet der Zeppelinflug das einzige Gesprächs­thema. Ueberall, auf der Straße und m den Läden, stehen Gruppen beisammen die die Flug­berichte auf das Lebhafteste und mit größter Zuversicht besprechen. Alle Leute, auch die Offi­ziere des Lufthasens, sind davon überzeugt, daß das Luftschiff genau f o fahrplanmäßig wie ein Ozeandampfer eintreffen wird. 3n der näheren Umgebung des Flugfeldes schie­ßen Derkaufsstände aus dem Boden, tn denen Erfrischungen und die verschiedenartigsten Cr- innerungsartikel zu haben sind. Besonders leb­haften Absatz finden Winiatur-Zeppe- line. Dr. Arnstein, der frühere Konstruk­teur der Zeppelinwerft in Friedrichshafen und jetzige Dizepräsident der Goodyear Zeppelin Company in Akrvn (Ohiv), erklärte, derGraf Zeppelin" dürste sehr bald seine Rückreise antreten, denn, so viel er wisse, hoffe Dr. 6(le­ner, noch in diesem 2 ahre einen zwei- ten Rundflug zu unternehmen. Auch auf seiner Rückreise werde das Luftschiff wahrschein­lich einige Passagiere mitnehmen. Es lägen bereits mehrere Anfragen von Personen vor, die die Rückreise mitmachen möchten.

3n Reuhork wurde eine durch Rundfunk ver­breitete interkonfessionelle Andachts­übung abgehalten, bei der ein stilles Gebet für den Erfolg des Zeppelinfluges verrichtet wurde. Es sprachen katholische und protestantische Geistliche. Zum Schluß wurden die letzten Meldungen Über den Flugverlauf verlesen.

Ein amerikanischer Meteorologe bewundert Eckeners Nevigation.

Reuyork, 12. Oft (WTD.) Der Leiter der hiesigen Wetterwarte, der Meteorologe Kimball, erklärte heute einem Vertreter der Associated Preß' Auf dem Kurs, den der Zeppelin ein­geschlagen habe, herrsche im allgemeinen günstiges Wetter vor. Ratürlich fei immer

die Schritte auf dem dritten Wege nicht allzu zahlreich und stark zu werden brauchten. Rähere Einzelheiten über diesen letzten Punkt zu geben, sei vor endgültiger Stellungnahme des Kabinetts nicht möglich. Der deutsche Steuerdruck sei hoch, und die neuen Steuern müßten so gewählt wer­den, daß der Druck auf die Wirtschaft nicht etwa durch eine falsche Auswahl des Steuer- objekts unerträglich würde.

Der Minister streifte in diesem Zusammenhang die Frage des Steuervereinheit- lichungsgefetzes. Tie Widerstände der Länder gegen das Gesetz seien sehr groß, es sei aber zu hoffen, daß der Reichsrat die dritte Lesung des Gesetzes rechtzeiüg erledigen werde, damit es dem Reichstage bei seinem Zu­sammentritt vorgelegt werden könne.

Zu den Sorgen Über den ordentlichen Etat komme aber noch die Sorgefürdenaußer- ordentlichen Etat. Aus dem Jahre 1926 bestände noch ein Fehlbetrag von 661 Millionen Reichsmark, der aus dem Etat für ordentliche Ausgaben entnommen worden sei und dadurch die Geldlage des Reiches beengt habe. Es dürften daher in diesem Jahre keine neuen nennens­werten außerordentlichen Ausgaben entstehen. Aus reparations- und währungspolitischen Grün­den könne ein Defizit nicht zugelassen werden. Wenn aber auch das bevorstehende Etatsjahr, das erste der vollen Reparations­zahlung, schwer sein werde, so brauchten wir deshalb den Wut nicht sinken zu lassem Die Gen­fer Derhandlungen hätten zur Einsetzung eines Experten-Komitees geführt, das sich mit der Endlösung der Reparationsfrage zu beschäftigen habe. Der Dawesplan habe bei allen kritischen Vorbehalten an Stelle der Gewaltlösung den Versuch gemacht, die wirtschaftliche Vernunft wieder in die Herrschaft einzusetzen und damit die wirtschaftliche Erholung Deutschlands ge­bracht. Bei der heutigen Verflechtung der Welt­wirtschaft könne fein Glied gesunden, wenn Deutschland krank bleiben würde. Der Dawesplan sei ein Provisorium. Des­halb erfordere dieselbe Vernunft, die ihn geschaf­fen habe, seine Tleberprüfung und damit die Befreiung aus seiner Llnsicher- h e i t, die dem weiteren Wiederaufbau Deutsch­lands und damit das Wiedererstarken der gesam­ten Weltwirtschaft hindere. Gelänge es, die Lasten herabzusetzen, dann wäre damit der Krieg auch wirtschaftlich liquidiert imö Deutschland stände vor neuen Möglichkeiten.

mit 'bier Möglichkeit lokaler Stürme zu rechnen, da derartige Stürme auf dem Atlan­tischen Ozean stets auftreten könnten. Jedoch fei nach den Anzeichen auf Grund der Berichte der Wetterwarte keine Gefahr eines all­gemeinen großen Sturms. Kimball drückte feine Bewunderung für das unge­wöhnlich gute Urteil aus, das Dr. G ck e - ner tn der Frage der Ravigation bewiesen habe und hob besonders hervor, daß er auf dem von ihm gewählten Kurs jetzt die Mög­lichkeit habe, die derzeit herrschenden günstigen Rordo st Passatwinde auszunützen. Gestern nacht habe es auf den Azoren zwar geregnet, er glaube jedoch nicht, daß der Zeppelin durch lokale Sturmwetter behindert werde.

Lebhaftes Interesse in England.

London, 12. Okt. (WB.) Die gesamte Presse verfolgt mit größtem Interesse den Flug desGraf Zeppelin" und veröffentlicht eingehende Berichte darüber. DerMan­chester Guardian" schreibt, das augenblickliche Unternehmen habe ausgezeichnete Aus­sichten auf Erfolg trotz der schlechten Wettervoraussagen. Die Bedeutung des Fluges werde fein, daß er bis zu einem gewissen Matz die Ansichten zahlreicher Sachverständigen be­stätigen werde, daß das Luftschiff zwar als Waffe unbrauchbar sei, aber in Zukunft die rascheste und eine der bequemsten Me­thoden für die Zurück legung einer großen Entfernung bieten werde.

Ein Gruß von Bord an den König von Spanien.

Madrid, 12. Okt. (WB.) Der König hat von Bord des LuftschiffesGraf Zeppelin" einen von dem spanischen Oberstleutnant H e r r e r a unterzeichneten Funkspruch erhalten, worin der Kommandant und die ganze Besatzung desGraf Zeppelin" dem König herzliche und ehr­erbietige Grüße übermittelt.

Berlin, 12. Okt. lWTD., Vor der Haupt­gemeinschaft des deutschen Einzelhandels gab Reichsfinanzmini st er Dr. Hilferding in großen Ilmriffen ein Bild der Finanzlage des Reiches. Für den nächsten Etat sei eine Stei­gerung der Aep a r a t i on sau s g a ben um etwa 312 Millionen Reichsmark zu erwarten, während auf der Einnahmeseite große Posten fehlten, die noch im vorigen Etat enthalten waren. 165 Millionen Reichsmark Mün^gewinn und 125 Millionen Reichsmark äleberschüsse aus den früheren Jahren seien verbraucht, so daß in oiesem Jahre für einen Ausfall von 6 0 0 Millionen Reichsmark Ausgleich ge­schaffen werden müsse. Hierbei feien noch die Forderungen der Resforts unberücksichtigt.

Zur Bilanzierung eines Etats gäbe es nur drei Wege: erstens Ersparnisse zu machen, zweitens die Hoffnung aus vermehrte Einnahmen aus Steuern und drittens den Weg neuer Steuern. Der Redner erörterte sodann die Möglichkeiten dieser drei Wece. Dom Bruttoetat von etwa 12 Milliarden gehe etwa die Hälfte als äleberweisung an die Länder und Gemeinden, während dem Äeich ein Rettoketrag von 6,3 Milliarden übrig bleibe. Der größte Teil hiervon werde durch zwangsläufige Aus­gaben, die durch die bestehenden Gesetze her- vorgerufen sind, verbraucht. Der Weg einer Aen- derung der Gesetzgebung sei aber kaum zu be­schreiten. Weder die Kri^sbeschädigtenfürsorge noch die Beamten in ihren Gehältern, noch schließ­lich die Sozialversicherung könnten gekürzt wer­den. Unter Berücksichtigung der Reparations­lasten von 1.2 Milliarden Reichsmark bl'eben nur eine Milliarde Reichsmark für fach- liebe Ausgaben übrig. Ersparnisse auf diesem Gebiet bedeuteten al o einen Verzicht auf Wünsche und gewisse Ausgaben im Interesse des Volkes.

Was den zweiten Weg betreffe, so entspreche die bisherige Entwicklung der Einnahmen voll den Erwartungen. Die Steuereinnahmen des ersten Halbjahres hätten mit rund 4,5 Milliarden Mark das Etatsoll um etwa 100 Millionen Mark überschritten. Die weitere Entwick­lung der Einnaymen sei aber von der Konjunk­turentwicklung abhängig. Bei optimistischer Beurteilung könnte so eine gewisse Reserve eryosft werden, doch dürfe nicht vergessen werden, daß durch den Rückgang gewisser Zolleinnahmen ande­rerseits wieder ein Ausfall entstehen werde.

Der Redner gab der Hoffnung Ausdruck, daß durch das Beschreiten der ersten beiden Dege

trag Anstoß genommen habe. Das Ge­richt schloß ftch der Auffassung, daß es sich um eine amtliche Feier gehandelt habe, nicht an und sprach den Kapellmeister, der sich den Weisungen des Bürgermeisters habe fügen müssen, frei, ver­urteilte jedoch Öen Bür ger me ister zu 10 0 Mark Geldstrafe.

Ein neuer Flaggenzwischensall in Zweibrücken.

Berlin, 13. Oktober. (Priv.-Tel.) Wieder haben unbekannte Täter die französische Fahne vom Of fizierskasino in Zweibrücken heruntergeholt. Das ist der zweite Zwischen­fall dieser Art, der in einem Zeitraum von weni­gen Monaten verzeichnet werden muß. Es dürste noch in aller Erinnerung sein, welche pein­lichen Folaen für das Reich, besonders aber auch für die Zweibrückener Bevölkerung selbst aus der in der Nacht vom 30. April zum 1. Mai vor­genommenen Entwendung der Trikolore entstan­den. Die Franzosen setzten sofort ihren polizeilichen Geheimdienst in Bewegung, der ip der rücksichts­losesten Weise arbeitete, bis sie dann sehr schnell herausbekamen, daß einige inzwischen gefluchtete junge Burschen die Täter waren. Nur nach langen und wenig erfreulichen diplomatischen Derhandlun- gen und auch lediglich mit Rücksicht auf die damals unmittelbar bevorstehende Unterzeichnung des Kellogg-Paktes erklärten sich die Franzosen bereit, von einer Auslieferung der Schuldigen Ab­stand zu nehmen, die zu verlangen auf Grund Der bestehenden Vereinbarungen ihr Recht war. Nicht verhindern ließ sich die Enthebung des deutschen P o l i z e i k o m m i f s a r s Bauer von seinem Amte, mit dessen Vorgehen in dieser Affäre die französischen Besatzungsbehörden nicht einverstanden waren. Kaum ist diese leidige Ange­legenheit aus der Welt geschafft, da finden sich schon wieder einige törichte Leute, die nichts besse­res zu tun wissen, als eine französische Flagge her- abzureißen und dem Deutschen Reich neue U n annehmlichkeiten zu schaffen, das auf der­artige .Heldentaten" durchaus keinen Wert fegt

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sende skaalsorganisalorlsche Aenderung verlcmgl gleichzeitig enlscheidende Schritte, die ein wirk­liches Eigenleben der einzelnen Teile des Reiches sicherstellen." Im übrigen wird auch betont, daß dort, wo zum Zwecke der Entwicklung sich Zu­sammenschlüsse als notwendig oder doch för­derlich erweisen sollten, diese bei den großen Inter­essen, die für die beteiligte Bevölkerung auf dem Spiele stehen, doch wohl nur nach sachlicher Uebereintunft möglich seien. Die hessische Re­gierung beabsichtigt, in dem Landerausschuß zu den Fragen der Becfassungs- und Verwaltungs­reform eingehend Stellung zu nehmen.

Bayern lehnt ab.

Es soll alles beim Alten bleiben.

München, 12. Okt. (Prioatmeldung.) Die baye­rische Staatsregierung steht, wie nach Informa- tionen an maßgebender Stelle gesaat werden kann, den Vorschlägen der Denkschrift des Bundes zur Er­neuerung des Reiches ablehnend gegenüber mit der Auffassung, daß letztes Ziel auch dieser Vor- schläge nichts anderes als der Ein­hei t s st a a t fei. Die bayerische Regierung steht demgegenüber auf dem Standpunkt, daß Reichsein­heit do zu bejahen ist, wo Neichsnotwendig. feiten in Frage kommen, daß aber der Einheits­staat geradezu verhängnisvoll für das deutsche Volk märe, wo Reichsnotwendigkeiten, wie beispielsweise in der Außenpolitik, nicht in Frage stehen. Die Konstruktionen der Denkschrift zur künftigen Gestaltung Preußens bzw. des aus Preußen und den norddeutschen Staaten zu bilden­den Reichslandes sieht man als unmöglich an, insbesondere steht man auch der Verteilung der Stimmen in dem vorgesehenen Reichsrat ablehnend gegenüber, da 71 Stimmen des norddeutschen Reichslandes nur 18 Stimmen der süddeutschen Länder gegenüberstehen würden. Die bayerische Staatsregierung ift der Auffassung, daß eine Besserung der Verhältnisse nur dadurch geschaf­fen werden kann, daß die Reichszuständrg- feiten, so weit sie Reichsnotwendigkeiten betref­fen, genau aogegrenzt werden, und daß alles, was nicht Reichsnotwendigkeiten umfaßt, den Ländern überlassen wird. Auch in der Frage der Enklaven und Exklaven sieht sie bei gutem Willen Lösungsmöglichkeiten als gegeben, wobei allerdings nicht eine Terminologie Platz grei­fen dürfte, daß etwa die Pfalz als baye­rische Exklave anzusprechen sei.

Aus dem Hessischen Landing.

Darmstadt, 12. Oft. Der Aeltestenrat des Landtages tritt am Freitag, dem 19. Oktober zusammen, um den Antrag des Landbundas be­treffend Sparmaßnahmen in Hessen und den eventuellen Zusammentritt des Landtags zu beraten. Am Donnerstag sand eine Sitzung des Gesehgebungsausschusses statt, in der eine Reihe von Strafsachen erledigt wurden. Hierbei be­schloß der Ausschuß, daß in allen Fallen, in denen eine Prüfung durch eine Vorinstanz noch nicht stattgefunden hat, die Regierung den Ein­gebern mitteilen solle, fte mögen sich zunächst an die Aufsichtsbehörde bzw. an den Iustiz- minister wenden. Zur Eingabe Phil. Reehrig- Gießen wird die Regierung ersucht, nach Ab­lauf der jetzigen dreimonatigen Tlrlaubsgewäh- rung den Fall erneut zu prüfen, ob der Straf­rest erlassen werden kann. Die nächste Sitzung des Ausschusses ist auf Dienstag, 23. Oktober, anberaumt worden.

Interessante Nachwahl in England.

London, 12. Okt. (WB.) Bei den Grgän- zungswahlen in Tavistock erhielt der konserva­tive General r i g f) t 10 745 Stimmen, der Liberale F l e t s h e r 10 572, der Kandidat der Arbeiterpartei Davies 2 449 Stimmen. Bei den Wahlen hatten seinerzeit die Konserva­tiven mit einer Mehrheit von 1 300 Stimmen gesiegt. Der Wahlkampf war sehr scharf. Der Ausgang der Wahlen gilt als em wichtiges Anzeichen für die Stärleverhültnisse der Par­teien in Westengland.

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An der Vorderseite des im Westen lagernden Hochdruckgebietes sind bei uns Kaltluftmassen ein- gedrungen, die die Temperaturen stark zum Sinken brachten und Barometeranstieg verursachten. Das Hoch wird sich ostwärts ausbceiten, so daß auch wir in sein Bereich gelangen. Es ist daher nut meist heiteren, vorwiegend trockenem Wetter zu rechnen. Leichte Nachtfrostgefahr bleibt bestehen.

Wettervoraussage für Sonntag. Meist heiter, zeitweise bewölkt, Temperaturen nachts bis in Gefrierpunktsnähe, trocken.

Witterungsaussichten für Montag: Keine wesentliche Aenderung.

Oie Wetterlage.