Ausgabe 
13.9.1928
 
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Nr. 216 Erstes Matt

178. Jahrgang

Donnerstag 15. September 1928

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Onid eil» Perle«; Brübl'ldje Untoc.'ßlälr Slich^ und Stchtömderel H. lange In Sieben. SdjrtftkitMng und 6efd>äftsWelIe: SdjnlftraDe t.

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2 ?t«d>*oiarh imb 20 -kttchopteRNig für Träge» lohn, auch bei Richter- ^tmenein|elncr9lummeni infolge höherer Gewalt. Jtrn|prtd)an|d)||e: 61, 64 anö 112

Lmlchrtfl für Droh Mach' richten Bnjeiger Otetze» PollArdtonfo:

greefferl am Dloln 11886.

Zn'.ohmr pon Injetaci (Ar die Tagrenammcr bi» jnm Nachmittag vorher.

Pret» ler I am Höhe für 1ntfi<;fn von 27 mm BreUe örtlich 8, auetnärt» 10 Reichspsennig, für Ve» Mlflmeonwgen von 70 mm Breite 35 »Pfennig, Dlatzvorschrist 20' , mehr.

dbefTtbakttnr Dr ^nebr Dtlh Longe. VeroMwoNlich für Tcl.tib Dr Fr Will» Longe (dr Feuilleton Dr H Thyriot. für ben übrigen Teil Gruft vlumschein, für ben An« leigenteil Hurt AiDmann. sämtlich in Gießen

Verlin-Roskauer Vilanz.

Don Dr. Paul Xohrbach.

Auch ohne ben Tod bei Grafen Tfcodborff- Rantzau wäre es an btt Zeit, bas bisherige Er­gebnis btc H«u6sch-ru s s isch»n Politik zu überblidcn. 3n ben DezicHungen Deutschlands zu ben westlichen Rkächten ifl offenbar ein Wendepunkt eüigetrrten, bei drm es sich zeigen muh, ob wir noch irgendwelche Trümpfe, außer dem was wir durch uns selbst wieder bebrüten, im Spiel liegen haben. Rur bebenf en freie Opti­misten ltunen barauf hoffen, bah wir bei der bie*maligen Tagung des Völkerbundes, wo es hart auf Han geht, andere als moralische Erfolge bavontraflcn werden. Auch solche find keineswegs in verachten Das, die mhaltSlecre und gereizte lebe, in der Br ianb bem Reichskanzler ant- tvortete. in der Völkerbundsversammlung laut itklatscht wurde und nur die Skandinavier bem deutsch^ Schweigen affiftierten. bedenk et sach­lich gar nichts Ss sitzen so viele Leute mit schlechtem Gewissen in Gens, die allen Anlaß haben, sich hinter der französischen Dek- kung zu verkriechen, bah. wo e-3 um Abrüstung und Minderheilen geht, ein Beifall für Deutsch­land undenkbar ist. Fraenbeinmal aber müssen wir natürlich auch wirkliche Ersolge sehen, und ber Aufbau unseres Verhältnisses zu Sowjet» ruhland ist von den Verteidigern einer Art von beutsch-russischer Entente nicht selten in diesem Sinn bewertet worden. Vir wollen von bem. was jetzt in Genf geschieht, ganz absehen und uns überleben, welche Früchte die s inerzeit in Rovallo vollzogene Annäherung Deutschlands an Ruyland getragen hat, nachdem der Mann, ber ihr stärkster und unermüdlichster Tkrtreter war, vom Schauplatz abberufen worden ist.

Als Graf Drockdorss-Rantzau als deutscher Botschafter nach Moskau g.ng, gab es unter bene«, die ihn persönlich genauer kann­ten. einig?. Don betten man im Vertrauen hören konnte: Gr hat nicht vergessen, was ihm die E-nienteleute in Versailles angetan haben, und jetzt will er ^a \ >:cn! Die Szene in

der Spiegelgalerie von Versailles, wo der deutsche Vertreter nachlässig seine Handschuhe auf das Papierkonvm'ut warf, das die Verurteilung Deutschsand» zu dem Gewaltsrieden enthielt und das hm als dem Repräsentanten des verur­teilten Verbrechers übergeben wurde, ist bekannt. Er hat die schwere Ausgabe, unter solchen Um­ständen sich und damit Deutschland keinen Zoll- breit Haltung zu vergeben, vorbildlich gelöst. Seine Unterschrift hat et verweigert und ist vom Amt beS Auhenministers zurückgetreten. Denn er wirtlich emige Zahre später bei bet Abfahrt nach Moskau von seiner Stimmung bei ber Rückerinnerung an Versailles etwas hat durchbficken lassen, so braucht man nicht au glau­ben. daß die ®runbfätbuna dabei persönuch war S.e wird vielmehr politi'ch a.'welen sein, aus der Hoffnung heraus. Deutschland in Moskau ein Stück Revanche für Versailles zu verschasfen. 3n diesem Sinn mag wo!)t eine gewisse innere Verwandtschaft zwischen Vrockdorsf-Ranhau und ben sogenannten Rationalbolschewisten bestan­den Haven, mit fern Unterschied natürlich, bah bet erfahrene Diplomat auf keinen Fall an ein Zusammenwirken mit den Dafsen. fei eS unter welchen Umständen auch immer, gedacht haben kann.

Das ist nun aber Wirklichkeit von feinen Zielen geworben? Denig - wenn überhaupt etwas! Vielleicht war der einzige Moment, wo Deutschland mit Moskauer Hilse einen gewissen Druck aus seine Derhandlungsgegner hat aus- üben können, ber Abschluß deS Vertrages in Locarno Eine Dvche danach sagte (Stamberlain bei einem Empfang englischer Pres'evertreter in London. Deutschland habe sich in Locarno geweigert, alle Verpslichtungen eines Völker- bunbsmitgliedes zu übernehmen, daher dürfe es auch nicht darauf rechnen, in alle Rechte eingesetzt zu werden. Er meinte dabei auf der einen Seite den bekannten deutsch-russischen Vor­behalt wegen Reutralität im Falle einer Völker- bundsesekution gegen Ruhland, und daS .Recht", auf daS Deutschland darum keinen Anspruch habe, war bei jener Unterhaltung die Zuteilung eine- Kolonial Mandats. Das deullche SonderperhältniS zu Ruhland ist von Anfang an ein Gegenstand englischen MihbehagenS und tnglischen Argwohns gewesen. Daraus kann man Algern, bah eS für uirs auch ein Druckmittel hätte sein können, wenn man mit Rußland als einem wirklichen politischen Part­ner hätte operieren können. Da» war aber letzten Endes unmöglich, ersten» wegen ber welt- revolutionären Prinzipien bes VolfchewismuS. zweitens weil die Sowjetmacht zusehends schwä­cher wurde

. Politik Brockdorfs-Rantzaus wurde lahrelang von den Vertretern der deutschen Dirk- ^Hof^ genügt, weil diele von hier aus auf eine ',arJc^''febung deS deutschen ErportS nach Ruß- land hofften. Die Moskauer Diplomatie ist schein- dar derctlwillig auf dielen Gedanken eingegangen und hat große Vorteile man denke an den bekannten Kredit von 300 Millionen - daraus gezogen. Am Ende aber stellte sich heraus dah die von Deutschland gewährten Kredite ruflilcher- 'eits gar nicht dazu benutzt wurden, die Käufe in Deutschland entsprechend zu vergrößern, fon- rrnm^.u,m,Likm auf diele Weise frei werden- den Mitteln die russischen Handelsbeziehungen mit England und den Vereinigten Staaten mög- Nchst voricilhalt zu entwickeln. Heute g'aubt kein Mensch in Deutschland noch an nennenswerte Aussichten des russischen Geschält». und der 3n-

Llnsere Vertragstreue ist bewiesen.

Kein Gchachergeschäst mit Krankreich um die vorzeitige Rheinlandräumung.

Dah sich trotz der oetblüffcnbcn Rede Bri- andS der Reichskanzler Hermann Müller und Staatssekretär von Schubert mit den Vertretern derjenigen Mächte, die an der Bot­schaftersonserenz beteiligt und somit für die Räu- mungsfrage zuständ.g find, an den Vera- tun gS tisch gesetzt haben, um die Räumung des Rheinlande- zu erörtern, ist nur zu bil­ligen. ES wäre voreilig gewesen, aus einem Ge­fühl der Verärgerung heraus alle Drücken hinter sich abzubrechen und den Gegnern völlig freie Hand zu lassen. Gerade unter den jetzigen Um­ständen erscheint es von um so größerer Be­deutung. bah die Reich-regierung durch ihre berufenen Vertreter den DerhandlungSführern der andern Mächte ihre Auffassung über die Be­rechtigung deS politischen, juristischen und mo­ralischen Anspruchs Deutschlands aus die s o s o r t i ge und bedingungslose Räumung deS RheinlandeS barlegt. Die Forderung, daß als Antwort auf de Rede Driands der Reichskanzler und die deutsche Delegation sofort von Gens obre.'en sollten, hat zwar gefühls- mäß g manche- für sich, wäre aber nichtSdesto- weniger politisch unklug. Gerade in der großen Po.ilik muh immer daS Motto gelten: Sine ira et studio.

Dir tonnen aber nicht verhehlen, dah unS bei dcr Art. in der anscheinend die Verhand­lungen begonnen worden sind und geführt wer­den. nicht recht wohl zumute ist. Leider wird die deutsche Oesfenllichkcit so gut wie gar nicht darüber unterrichtet, und nur mit ein paar nichts­sagenden Redensarten abgespeist, wobei man sich hinter die berühmte Verabredung über die Ver­traulichkeit verschanzt. Da» hindert aber die andern nicht, in ihrer Presse, namentlich in der französischen, alle Schat.ierungen Indiskre­tionen. mannigfache Andeutungen und ganze Be­richte za bringen, durch die die öffentliche* Meinung in allen Ländern offensichtlich be­einflußt werden soll und wird. Wir müssen leider wiederum die unerfreuliche Erfahrung machen, dah man sich auf unserer Seite von der veralteten Auffassung der diplomatischen Äor- rvktheit nicht sreiAumachen vermag und dadurch vor der Oef'entlichkeit immer wieder in« Hinter- tres en gerät. Wenn man also fast ausschliehlich zur Beurteilung der Vorgänge auf Berichte der französischen Presse angewiesen ist, so ist eS nur natürlich, dah sich dr- deutschen Leser» das Gefühl bemächtigt, man sei im besten Zuge. Zugeständnisse zu machen oder in Aus icht zu steilen und feine besten Trümpfe vorzeitig aus ter Hand za geben.

Danz richtig hat der Reichskanzler bei Beginn der Besprechungen in der Sechser-Konferenz den Beschluß deS Reichskabinetts noch­mals mitgeteilt, nachdem er ihn bereit» in den Einzelbesprechungen dargelegt hatte. Danach be­steht für Deutschland ein unanfechtbarer, juristischer und moralischer An­spruch auf Räumung de» besetzten Gebiete», und zwar auf Grund des Artikel» 231 de» Versailler Vertrages Rach dem Be­schluß des ReichSkabinettS darf die Räumung»- frage nicht mit der Revision des Da- wesabkommenS und den Reparations­zahlungen. sowie mit den Kriegsschulden ber Siegermächte an Amerika in inneren Zu­sammenhang gebracht werden. Daraushin ist so- sort von ber Gegenseite, namentlich von Frank­reich. die Antwort erteilt worden, daß baS besetzte Gebiet al» Pfand für die Einhaltung des DaweSabkommen» zu gelten habe. Der deutschen Behauptung, durch die Unterzeichnung de» Da­wesabkommens und die Zulallung der inter­nationalen Kontrolle über untere Finanzgeba­rung habe da» Deutsche Reich die ihm im Der- failler Vertrage aufcrlegten Verpflichtungen er­füllt, steht die gegnerische Aufsafsung gegenüber.

daß von einer Erfüllung erst nach Leistung aller fälligen Zahlungen gesprochen werden könne Die völlig unlogisch dieser Gedanlengang ist. erhellt au» der anderen Tatsache, dah unab­hängig von der Erfüllung der Zahlungen da» Versailler Diktat selbst bestimmte Räumungssristen für da» besetzte Gebiet festsetzt und al» Bedingung für eine vvr - zeitige Räumung nur bc Garantie der Er­füllung der Zahlungsverpflichtungen bestimmt.

Hieraus geht hervor, dah trotz unterer An­strengungen, trotz unserer peinlichen Erfüllung des DaweS-)lbkvm mens noch immer die Pfän­dertheorie geltend gemacht wird, abwech­selnd mit der sogenannten SicherheitS- theorie. Der Reichskanzler hat zwar rein formal die deutsche Auffassung vertreten, aber eingewilligt, dah parallel zu den Verhandlungen über die Räumung solche über die Reparations­zahlungen gehen sollen Auch das wäre schließ­lich ertiäghd), denn e» ist nun einmal klar, dah ein gewifser innerer Zufammenhrng vorhanden ist. Höchst bedenllich aber muß man werden, wenn man hört, dah von der andern Seite zur Unkerstützurg der Piänderlh orie die Frage der Einrichtung einer interalliierten Äon- trolle im Rheinland nach der Räu­mung angeschnitten worden ist. Gerade hierüber schweigen sich die deutschen Vertreter in Genf trotz aller Anzapfungen liSher noch l eharr ich au» Wir dürfen auch nicht einen Aug en blick irgend­welche Zweifel darüber aufkvmmen taffen, dah

wir uns auf derartig. Abmachungen oder über­haupt nut auf Verhandlungen in dieser Hinsicht nicht einlallen können, werden und dürfen

Deutschland hat alles getan!

Berlin, 13 Scpt (Priv Tel. de» WTB f Der 3 0 r HJ ä r I»' nimmt die für heute vorgesehenen Genfer Raumungooerhandlungen zum Anlaß, noch einmal da» R ä u m u n g 9 p r o b I r in In einem Leitartikel eingehend zu behandeln. Cs IxifU darin u. o.: Die deutsche Republik hat ihre Ver­tragstreue bewiesen. Die Abrüstung ifl im Rah­men de» vertrage» durchgesuhrt worden, ce ifl zwei Jahre Her, daß die Alliierten die» anerkannt Haben. Die Bestimmungen über die entmilitarisierle Zone wurden so genau beobachtet, baß sie seit langem tu keinen Beanstandungen geführt haben Allgemein ist die Pünktlichkeit anerkannt, mit der feit vier Jahren die Reparationszahlungen geleistet werden.

Die gesicherte Republik, der Dawesplan und die HeparalioneerfüQung durch Deutschland stellen vürgschaften für die Durchführung de» ver­trage» dar, die die vürgfchast der Rheinlandbe- fahung an wert weit übertrifft.

Aber Deutschland erfüllt liicht nur den Vertrag von Versailles, es hat sich darüber hinaus in den Dienst des Frieden» gestellt die obligatori­schen Schiedsoerträge mit allen Nachbarstaaten, hie Anerkennung der allgemeinen obligatorischen

Putschpläne in Spanien.

Mehrere tausend Verhaftungen.

Varl». 13. SepL (MTV. Funkspruch.)fjaoa» berichtet aus hendaye, daß au» Spanien an bet Grenze eingetroffene Nachrichten, dlc absolut glaubwürdig feien, die Entdeckung eine» weitverzweigten Komplott» melden. 3a Barcelona feien 7 4 Personen verhaftet worden, darunter der Direktor eine» radikalen Blatte».

Eine in Bordeaux erscheinende Zeitung Der- össentlicht über die Vorgänge in Spanien eine Depesche ihres Madrider Korrespondenten, worin es u. a. heißt: Die Reise des Kö­nigs nach Stockholm benutzend, hatten Liberale. Republikaner und Kommunisten ein Komplott ge­bildet mit dem Ziele, die Regierung zu stürzen. Der Minister des 3nnern erhielt Kenntnis von der Durchführung eines Gene­ralstreikes. der für den 14. Septem­ber geplant war. Hieraus ordnete der Minister die Verhaftung einer großen Zahl von Mitgliedern der Armee, Journalisten und fonfhger hervorragender Persönlichkeiten an.

Insgesamt wurden mehrere lausend Derhas- lungen oorgenommen. Die Regierung ist Herrin der tage.

Gescheitert.

Madrid, 13. Sept lWTD. Funkspruch - Die für die letzte Rächt oorbe reitete Durch­führung des Komplott» ist dank der po.'.zeilichen Maßnahmen gescheitert. SS wurden mehrere Verhaftungen vorgenommen. S'ne eingehende Untersuchung ist eingeLeitet.

Ein in letzter Stunde den Zeitungen yugegan- genes Kommunique besagt: Für heute nacht

war ein von verschiedenen Elementen und Per­sonen angezettelte« Komplott geplant, das dank dem Eifer de» Leiters und de» Per­sonals der Sicherheitspollzei zur Stunde als gescheitert angesehen werden kann. Die not­wendigen Verhaftungen sind vorgenommen und eine eingehende Untersuchung eingclcitet worden, um da» von den Verschwörern verfolgk Ziel, die ihnen zur Verfügung stehenden OH.Hel und den Umfang der Verantwortung genau sestzu- fteilen. Do» Komplott sollte den Stolz und Dhrgei» von Leuten befri edigen. Me nicht an den Schaden dachten, den sie Span.en gerade in diesem Augenblick zu.ügen fonn.en, wo dieses in Gens einen neuen Beweis für die Achtung der Well erhalten hat Veileicht war die Ursache des Kompio IS der Verdruß und der Reid, die die dieser Tage stattlindenden gewalügen Kundgebungen der Anhänglichkeit an die Regierung hervorgcrusen haben. Da» Land kann beruhigt sein.

Auflehnung baskischer Provinzen.

Paris, 13.Sept. (®2B. Funkspruch) .Jour­nal" berichtet aus San Sebastian, daß die vier baskischen Provinzen Biscano, Alaoa, Navarra und Guipuzcoa, die feil langen, eine autonome Verwaltung und Steuergcrechtsame besitzen, in großer Erregung seien, weil die spanische Regierung eine Verordnung betreffend den öffentlichen Unterricht und die soziale Rürlorqe erlassen habe, die der autonomen Regie zuwider- laufe. Daher hätten sämUiche Provinzial, und (Bcmeinberäte der Provinz Navarra zu d e - monftrieren beschlossen Die Maßnahmen der Regierung hatten die Geister in Navarra in Wal­lung gebracht. Die Regierung halte, um Unruhen vorbeugen zu können, in den angrenzenden Provin­zen Truppen zum Eingreifen bereit.

genieurprozeß bat leibst denen die ihre Ruß­landgläubigkit immer noch nicht aufgeben well­ten. einen letzten Stoß versetzt. Wie rück ichtS- los man in Rußland auch schon vorder das deutsche Kapital, das sich in da» Sotoj et gebiet wagte, auszub atcn bemüht war. hat die Gelchichte der Mologa Konzession bewiesen.

Die Sowjetregierung ist teils nicht imstande, teil» hat sie gar nicht den Dillen. Deutsch­land eine Rückendeckung, sei e» wirtfchastlich oder politisch, zu gewähren. Die Dirtlchaflsverhält- niffe_ in Rußland werden immer schlechter, die Abhängigkeit des Kreml von den Bauern und der bäuerliche Widerstand gegen die Getreide- ablieferung und gegen ben Steuerdruck wird immer stärker, die Bergwerke und die Fabriken werden immer weniger leiftungs'ähig. und nur das diplomatische Geschick der Svwjetvertreter im Auslande und gegenüber den fremden Ver­tretungen in Moskau bleibt da» gleiche.

Mit fine.m Wort: Die deutsch-russische Bilanz ist nicht befriedigend. 3n der KrisiS, in die Deutschland letzt von neuem feinen westlichen Rachbarn gegenüber eingetreten ist. hat die russische Karte keinen Den. Wan kann sich auch schwer andere Verhältnille denken, un­ter denen sie einen wirklichen Den gewinnen könnte. Dir finb und bleiben darauf angewie­sen. uns in den Verhemdlungen mit Frankreich, das jetzt ollenfichtlich England hinter sich hat. nicht» zu vergeben Untere Position kann da­durch auf die Dauer nur befler werden, die

französische ebenso aut die Dauer immer mir schlechter.

Seipel über die Anschlußfrage.

Köln, 12. Sept. (D. B> Der österreichische Bundeskanzler Dr. Seipel erklärte dem Gen­fer Vertreter der .Kölnischen DoUSzeitung" über die Anschluhfrage. An eine Auswerfung der An'chlußfrage zur Unzeit, an eine Durch­setzung einer Revision der Friedens­verträge in irgend einem Puntte mit 0 c- waltrnahnahmen, denkt niemand in Deutschland und Oesterreich. Denn aber jemand in unseren Ländern vom Anschluß Oester­reichs an da» Reich spricht, so steht rr damit durchaus auf dem Boden der Fr-cdenS- verträge. die den Weg gezeigt haben, wie 'rgenb einmal, wenn der Friede Europas dadurch nicht mehr gefährdet zu werden braucht, der Anschluß gemacht werden Fann. Deswegen sind die Regierungen gar nicht in der Lage, den Angehörigen verfchiederrer polltitcher Par­teien das Reden vom Anschluß zu ver­bieten. Roch tocrigcr find sie selostrerstandtich in der Lage, für irgendeine andere Leistung den Anschluhartt'el b:r F nedensverträge au zu geben. Für den Augenblick sehe ich allerdings viel aktuellere Fragen der Innen- und Außenpoli­tik vor unS. auf deren Lösung alle Kräfte kon­zentriert werden muffen. Denn einmal der Augenblick gekommen fern wird, in dem unS

keine aktuellen Tagesfragen abhalten, den Platz in der D?lt zu beziehen, bet uns dauernd zu­kommen soll, dann werden wir fäb g und bereit fein, unsere Entscheidungen in voller Unabhän­gigkeit zu treffen.

Gaar-Derireter

beim Reichskanzler.

Genf. 12. Sept. iWB., Reichskanzler Mül­ler empf.ng heute in Gegenwart der Staats­sekretäre v. Schubert und Pünder eine Ab­ordnung von Vertretern verschiedener politifcher Parte,en de« Saargebietes, und nahm chre Dariegunge- über tne gegenwärtigen Verhält- n <k im Saargebiet, sowie ihre Wünsche zu einigen Fragen entgegen. In der Warndtfrage konnte der Reichskanzler gegenüber den im Saar- gefnet umlaufenden Gerüchten über die Bereit- ttr..Ttg!eit der Reichsregierung, das Warndt­gebiet gegen bestimmte Kompen'aiirmen ab- *> u i r e 1 e n. mit aller Entschiedenheit feststellen, daß dielen Gerüchten jegliche Grundlage fehle, und dah de Reichsregierung selbstverständlich nie daran gedacht habe und nicht daran denke, jemals derartige Pläne in Erwägung zu ziehen. Die übrigen Fragen, die den Degentranü der Aussprache bildeten, liegen auf wirtschaft­lichem und sozialpolitischem. Gebiet. Der Reichskanzler sagte wohlwollende Prüfung der hierzu vovgebrachten Wünsche zu.