Handelt es sich zwischen Europa und Amerika nicht viel weniger um einen geographischen Unterschied als um Len Gegensatz von zwei aufeinander- folgenden Zeitaltern unserer westlichen Kultur, die zwei verschiedenen Lebensauffassungen entspre- chen? Die eine erblickt im Menschen nicht nur ein Produktionsmittel und Instrument des materiellen Fortschrittes, sondern den unabhängigen Geist, dem in sich selber ein Ziel gesetzt ist: ine andere, die Auffassung der industriellen Massenproduktion, stellt den ganzen Menschen, samt und sonders, in den Dien st des materiellen Zielst redens. So betrachtet, treten — eine eigenartige Perspektive — gewisse, europäischem und asiatischem Denken gemeinsame Züge hervor: die Auseinandersetzung wird auf eine breitere Basis ge- stellt, sie wird zur Rede und Gegenrede zwischen Ford und Gandhi.
Zwischen Flensburg und der Königsaue. Don unserer 'Berliner Redaktion.
Der Versailler Vertrag hat dafür gesorgt, daß Deutschland im Vörden wie im Süden, im Osten wie im Westen gleichzeitig bluten und wertvolle Teile feines nationalen Bestandes Vergeben muhte: schon um überall an unseren Grenzen freiwillige Wächter aufzustellen, die eine antideutsche Politik machen muhten, wenn sie ihren Raub nicht wieder zurückgeben soffen. Auf diese Weise hat Dänemark den nördlichen Teil Schleswig-Hol st eins „erobert", freilich unter dem Deckmantel einer Volksabstimmung. Wie solche Abstimmungen mit Hilfe einer feindlichen Besatzungsmacht gehandhabt werden, wie vor allem die Zahlenergebnisse aus- gewertet werden, das haben wir am schlagendsten in Obcrschlesien gesehen. Aber auch in Nord- schleswig ist es nicht viel anders gegangen, wobei noch zu berücksichtigen ist, daß die Abstimmung unter den deprimierenden Rachwirkungen der Riederlage und unter rücksichtsloser Ausbeutung wirtschaftlicher Röte erfolgte. Die Dänen haben 1920 den Stimmenfang glänzend organisiert, der Volksmund hat eigens den Begriff der „S p e ck-- dänen" geprägt, für die Leute, die sich durch Speckpakete oder andere handgreifliche Vorteile zur Stimmenabgabe für Dänemark einfangen liehen. Aber die Ernüchterung hat nicht lange auf sich warten lassen, die Dänen sind als Erlöser ins Land gezogen: viel Freude an ihrem neuen Erwerb haben sie nicht gehabt. Die ehemals deutschen Gebiete waren industriell und agrarisch aus das deutsche Hinterland e i n g e st e l l t. Rachdem ihnen nun durch eine willkürlich gezogene Grenze diese Verbindungen abgeschnitten waren, sahen sie mit ihrer Produktion fest, die in Dänemark nicht unterzubringen war. Und das Ergebnis ist eine wirtschaftliche Krise gewesen, die, wenn heute noch einmal ab- gqsttmmt würde, vermutlich auch dreiviertel der Dänen veranlassen würde, für die Rückkehr nach Deutschland zu stimmen, weil sie in ihrem jetzigen Zustand kaum imstande sind, Haus und Hos vor dem drohenden Bankrott zu halten. Trotzdem haben die Kopenhagener Eiderdänen die Politik der nationalen Vergewaltigung nicht aufgepeben. Das Deutschtum in der Rordmark kämpft einen schweren Kampf gegen Vergewaltigung und Unterdrückung. Als letztes Hilfsmittel hat der deutsche Abgeordnete Schmidt-Wodber, der Sprecher der deutschen Minderheit im Folketing einen Gesetzentwurf eingebracht, der für die Deutschen die Selbstverwaltung in Kirchen und Schulen sicherstellen will, um s i e wenigstens vor dem nationalen Terror zu schützen. Viel Hoffnung auf einen Erfolg seines Vorstohes wird er freilich selbst nicht haben. Die Dänen stellen sich plötzlich auf den Standpunkt, daß ein Minderheitenrecht nur dort besteht, wo Unterschiede in der Rasse, Sprache und Religion gegeben sind: was sie — mit Recht — für Rasse und Religion in Nordschleswig ablehnen. Daß sie aber dabei gleichzeitig auch dem moralischen Anspruch, den sie früher aus Rordschleswig geltend machten, nachträglich den Boden wegziehsn, übersehen sie. Sie übersehen auch, daß gerade in Rordschleswig die Gefahr eines Hinüberspringens der nationalen Gegensätze ins Wirtschaftliche sehr groß ist, daß bann aber die Frontstellung ganz anders wird, weil auch ein großer Teil der Dänen dann mit den Deutschen nicht nur kulturelle, sondern and) wirtschaftliche Autonomie verlangen und damit die Loslösung Rordschleswigs von Dänemark einleiten wird. Was für die Dänen um so gefährlicher ist, als ja ohnehin die Grenzziehung, wie sie uns nach der Abstimmung aufgezwungen wurde, auf die Dauer politisch, national und wirtschaftlich unmöglich ist.
Oberheffen.
Fortbestand der Primen der Oberrealschule Buhbach.
* Butzbach, 13. April. (Gig. Drahtbericht.) Am Ostersamstag erhielten die Eltern der Schüler der Obersekunda die Mitteilung, daß der Fortbestand der Primen der hiesigen Oberrealschule zweifelhaft sei. da die notigen Wittel In Höhe von 20 423 Mk. im Voranschlag für 1928 nicht aufzubringsn seien: sie sollten vorsorglich die Kinder anderwärts an* melden. Darob große Erregung, eine Einberufung einer Bürgerversammlung, in der die erschienenen Stadtverordneten gebeten wurden, für den Weiterbestand der Oberklassen einzutreten. 3n der gestern abend abgehaltenen Stadtver- ordnetensihung wurde nach eingehender Aussprache, an der sich in der Hauptsache die bürgerlichen Parteien beteiligten, auf Antrag des Stadtverordneten E i n b r o d t der Beschluß gefaßt, die Oberrealschule als Voll- anstalt weiterbestehen zu lassen. •Heber die Aufbringung der Mittel soll der Finanzausschuß beschließen. Gegen den Antrag stimmten die Kommunisten. Die Sozialdemokraten enthielten sich der Stimme, weil sowohl den Beigeordneten, als auch der Stadtverordnetenversammlung von dieser einschneidenden Maßnahme vorher nicht Kenntnis gegeben worden war. Seitens der Stadtverwaltung wurde noch folgende Entschließung vvrgeschlagen, die einstimmig angenommen mürbe:
„Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Butzbach richtet an die hessische Regierung in letzter Stunde das dringende Verlangen, die Gemeinden bei der Erhaltung der höheren Schulen zu unterstützen. Gerade die Doffanstalten in den zentral gelegenen
Phönix Hermlannm.
Eine Römersiadi, die ans der Asche entsteht.
Don unserem Sonderberichterstatter Or. Hermann Budzislawsli.
chonen,
iem Boden nie-
Jahre, im April 1927, hat man nun endlich in großzügiger Weise begonnen, die alte römische Stadt wieder aufzudecken. Längst hatte sich indessen die vergeßliche Bevölkerung dieses scho unheilvollen Landes wieder auf bi
bcrgelaffen, der auch nach der Katastrophe des Jahres 79 häufig von Erdstößen erschüttert wurde. Aus der Lavaschicht, über der Stadt Herculanum, stehen heute die drei Orte Portici, Refina und Torre bet Greco, enp verwachsen mit Neapel, lachende, schmutzige, kinderreiche, vergnügt-traurige Orte, wie sie überall in Süditalien zu finden sind - im ursprünglichen Sinne deö Wortes auf dem Vulkan tanzend.
Langsam werden große Teile von Portici, Refina und Torre del Greco wieder verschwinden müssen, denn der Boden soll jetzt den Raub wieder herausgeben, den er vor 2000 Jahren begangen hat, und der Spaten, ober richtiger: die Bohrmaschine ist schon an der Arbeit, Herculanum von seinem steinernen Leichentuch zu befreien. Professor M a j u r i, dec Direktor des berühmten Nationalmuseums in Neapel und Leiter der pompejanischen und herculanischen Ausgrabungen, schildert mir in seinem Arbeitszimmer die Fortschritte, die im letzten Jahr gemacht worden sind und von denen die ganze Welt Wunderdinge erwartet. „Es sind die schwierigsten Grabungen, die je gemacht wurden", sagt er, „nicht zu vergleichen mit denen in irgendeinem Teil der Welt. Aber dafür darf man hoffen,
Landstädten müssen im Interesse der kulturellen Entwickelung unseres Volkes erhalten werden. Dies ist den Gemeinden infolge ber fortwährend steigenden finanziellen Lasten allein ohne ilnter- stühung des Staates nicht länger möglich. Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Butzbach erwartet deshalb
l.baß die nach dem Kriege ausgebauten Voll- anstalten denjenigen, die vor dem Kriege errichtet wurden, finanziell gleichgestellt werden; und
2. daß eine gesetzliche Regelung ber G a st - schulbeitrüge zur Entlastung der Schulsitzgemeinden baldigst herbei- geführt wird."
Liebestragödie in Bad'Aauheim.
WSR. Bad-Nauheim, 12. April. Heute abend 5.30 Uhr erschoß hier in der Ludwig- straße ein Student die Tochter eines hiesigen ArzteS. DaS Mädchen saß mit feiner Mutter auf einer Dank, als ber Student Plötzlich auf beide zutrat und die Tochter durch zwei Schüsse aus einem Armeerevolver nieder- streckte. Hierauf richtete der Mörder di« Waffe gegen sich selbst und brachte sich einen tödlichen Schuß in die Schläfe bei. Zwischen den beiden jungen Leuten bestand seit längerer Zeit ein Liebesverhältnis.
Es handelt sich um den Sohn und die Tochter von zwei angesehenen hiesigen Aerztefamilien. Das Liebesverhältnis zwischen den beiden jungen Leuten wurde von per Familie des Mädchens nicht geduldet. Der junge Mann war 24 (Zähre alt unb studierte in Gießen Medizin: das Mädchen war 21 Jahre
Vor genau einem Jahr hat die italienische Regierung die Ausgrabung der im Jahre 79 n. Ehr. verschütteten bedeutenden Stadt Herculanum im größten Umfang in Angriff genommen. Unser Sonderberichterstatter schildert auf Grund einer längeren Unterredung mit Prof. Majuri. dem Direktor des Nationalmuseums in Neapel und Leiter der pompejanischen und herculanischen Ausgrabungen, den augenblicklichen Stand der bedeuffamen Arbeiten.
Neapel, im April.
Wenn die untergehende Sonne den Vesuv violett überflutet und die dicken, schweflig- schmutziger Watte ähnlichen Wolken, die dem Krater entsteigen, purpurrot aufleuchten, wird der Wanderer, bet vom Posilip nach Neapel schlendert und die blauen, grünen, gelblich-roten und purpurnen Farben des abendlichen Meeres bewundert, von einem leichten Grauen vor den dunklen Gewalten gepackt, die geheimnisvoff im Innern der Erde walten und an dieser Stelle großartig, majestätisch, drohend dem menschlichen Auge sichtbar werden. Am Tage freilich sieht der Vesuv ebenso harmlos aus wie der Aetna, dieser schneebedeckte, 3000 Meter hohe Berggipfel Siziliens, oder der Stromboli, der kegelförmig aus dem Meere auftaucht und im Abstand von ein bis zwei Stunden Lava und Asche ins Wasser sendet. Gewaltig, furchterregend ist jedoch ber Eindruck, den man erhält, wenn die Dämmerung den Vulkanen ihre Schwerfälligkeit zu nehmen, die feuerspeienden Berge zu lebendigen, unheildrohenden Wesen zu machen scheint. Unvorstellbar, daß Menschen den Mut aufbringen, solcher Naturmacht zu trotzen. Dennoch — an den Abhängen des Vesuv und des Aetna steht Haus an Haus, und sogar der Stromboli, dieser grausige Vergkegel von 800 Meter Höhe, rings von einer Wasferwüste umgeben, ist besiedelt, bietet über 2000 Menschen Obdach.
Unglücksfalle, die die wackelnde Erdkruste verschuldet hat, scheinen schnell vergessen zu werden. Bei dem Erdbeben, das vor 20 Jahren Messina heimsuchte, sind allein in dieser Stadt 84 000 Menschen ums Leben gekommen, und heute wohnen in dem barbarisch häßlichen Messina, das die modernen Italiener für die schönste Stadt ihres Landes halten, wieder 120 000 Menschen. Fährt man durch Sizilien ober Calabrien, so erfährt man, daß fast jeder Ort ein ober mehrere Wale durch Erdbeben zerstört worden ist: stets wurde er bald darauf wieder aufgebaut. - Auch die Bevölkerung, die vor 2000 Jahren am Fuße des Vesuv lebte, war nicht furchtsamer. 3m 3ahre 29 n. Ehr. richtete ein Erdbeben in Pompeji und Herculanum heftigen Schaden an; 13 Jahre darauf ließ Vespaffan Herculanum neu aufbauen — aber schon im Jahre 79 n. Ehr. erfolgte eine neue Katastrophe. Bei einem furchtbaren Ausbruch des lange Zeit erloschen geglaubten Vesuv wurden Pompeji und Herculanum unter Massen von Asche, Lava, Tuff und Bimsstein begraben, und bis jetzt ist eS erst gelungen, Pompeji wieder auszugraben, während Herculanum noch immer unter einer 15 bis 20 Meter hohen Steinschicht wie in einem Sarge ruht. Vor genau einem
Dinge zu sehen, die selbst Pompeji nicht bieten konnte. Die Flüchtlinge aus Pompeji haben ebenso wie die Bauern, die später in dieser Gegend wohnten, unermüdlich die Trümmer ber verschütteten Stadt nach Schätzen durchsucht, Kostbarkeiten auf eigene Faust ausgegraben und die Steine der oberen Stockwerke für neue Bauten verwendet, so daß Pompeji heute nur einen unvollkommenen Eindruck von einer alten römischen Stadt vermittelt. Die dicke Steinschicht. die über Herculanum liegt, hat eine ähnliche Beraubung verhindert. Dazu kommt, daß diese Stadt weit mehr Kunstwerke besaß als die Handelsstadt Pompeji". 3n Herculanum hatten die reichsten Römer ihre Villen, unter anderen auch Gäsars Schwiegervater LuciuS EalpurniuS Pifo Eaefo- nius, ber bei der Verwaltung Mazedoniens phantastische Reichtümer erworben hatte und sein Geld dazu benuhte, eine kostbare Sammlung von Plastiken anzulegen, die man schon vor langer Zeit auSgegraben hat. 3n dem Haus des Piso hat man außerdem eine große Bibliothek gesunden, die einige bisher unbekannte, für die Philosophie des Altertums sehr bedeutsame Schriften des Epikur enthielt. 3n Herculanum haben auch bedeutende Gelehrte des Altertums gelebt, und Professor Majuri ist fest überzeugt, daß wichtigste Werke und kostbare Bronze- plastiken bald gehoben fein werden. Schon die unsystematischen, planlosen Grabungen früherer Zeit haben Kostbarkeiten zutage gefördert, die heute Glanzstücke des Nationalmuseums in Neapel bilden. Da sieht man die prächtigen Reiter- ftatuen des jüngeren und des älteren Marcus Nonius Baloo. den würdigen Kopf des Euripides, strenger gehalten als die enffprechenden Plastiken aus ber Sammlung Farnese, ein wunderbares Bronzeporträt von Scipio Africanus dem Aelteren, der einen ganz modernen, scharf um- riffenen Kopf hatte und mit dem energisch vorspringenden Römerkinn, dem harten, nachdenklich weiffchauenden Blick, den glatten festen Lippen einen unvergeßlichen Eindruck macht, und schließlich, neben Atlethenköpfen, Epheben, zwei Kämpferstatuen von lebendigster Schönheit, neben vielen großen und bedeutenden Plastiken den durchdachten, von Gedanken zerwühlten, mit struppigen Haaren bedeckten Bronzekopf des Seneca, ein Meisterwerk ohnegleichen.
Ein unbeschreiblicher Gegensatz zwischen diesen Kunstwerken, die in der Erde ruhten, und der traurigen Vorstadt-Wirklichkeit, die sich über dem alten Herculanum heute erhebt, und durch die man endlos mit der Straßenbahn zu den Grabungsstcllen fährt. „Es besteht kein Zweifel, daß dort unten wertvollste Kunstschätze in großer Zahl ruhen", versichert Professor Maiuri, „und es wird nicht mehr lange bauern, bis sie der Menschheit wieder gehören werden. Vor genau einem Jahr wurden die Arbeiten von neuem auf genommen; zunächst wurden die oberen Stockwerke von drei Häusern freigelegt und Straßenzüge festgeftc-llt, die nun systematisch freigelegt werden sollen. Dabei wird besonders auf die Erhaltung ber oberen Stockwerke Rücksicht genommen, die in Pompeji vernichtet sind. Schon jetzt hat mgn viele Dinge gefunden, die im benachbarten Pompeji zerstört wurden; alle Gegenstände aus Holz find nämlich in Pompeji durch die einbringenbe Feuchtigkeit verfault, während sie in Herculanuin erhalten blieben, da das Wasser die 20 Meter tiefe Lavaschicht nicht zu durchdringen vermochte. Betten, Schränke, tausend Dinge sind in eine Art Kohle verwandelt („carbonizzato" sagte Professor Majuri) und zeigen anschaulich, wie man vor 2000 Jahren gelebt hat. 3n einem weiteren 3ahr wird man so weit sein, daß auch für Laien der Besuch der neuen herculanischen Ausgrabungen lohnend fein wird'. — Wie lange wird es dauern, bis die ganze Stadt wieder zu sehen ist? — „Hm Pompeji auszugraben, hat man zwei Jahrhunderte gebraucht", erwidert Professor Majuri. ..Herculanum wird In fünf bis sechs 3afrren so sehenswert wie Pompeji fein. Die italienische Regierung gibt Millionenbeträge für die Ausgrabung, und von englischer Seit? ist ebenfalls ein gewisser Betrag zur Verfügung gestellt worden." Die Finanzierung scheint also gesichert zu sein, und schon in kurzer Zeit werden wir in den Dillen reicher Römer spazierengehsn können, deren Einrichtung unversehrt erhalten geblieben ist, da die Natur den Ort mit einem steinernen Panzer von ber Außenwelt abschloh, als wollte sie späteren Generationen ein authentisches Denkmal einer unerhört reichen und entwickelten Kultur erhalten, die vor zwei 3afn x ten für die Ewigkeit geschaffen schien und heute nur noch mühsam aus Trümmern zu rekonstruieren Ist.
alt. Die Tat geschah, als Mutter und Tochter auf einer Bank die Rückkehr des Vaters 'abwarteten, der in einem gegenüber liegenben Hause einen Krankenbesuch machte. Das junge Mädchen wurde noch lebend In bas Kranken hau« gebracht, wo es aber bald nach der Einlieferung v e r - starb. Der Täter starb bald nach dem tödlichen Schuß, ben er sich in ben Kopf beibrachte.
Landkreis Gietzcn.
Beuern, 11. April. Gestern, am 10. April, mar ein Jahr verflossen, dah unsere Autolinie eröffnet und dem Betrieb übergeben wucke. Aus diesem Anlaß hatten geschäftig Hände unfern V«r. kehrsomnibus mit Girlanden festlich geschmückt. Der Errichtung unsrer Autolime stand vor Jahresfrist ein Teil unserer Einwohner sehr skeptisch gegenüber, da mit Rücksicht auf die zu befahrende kurze Strecke Beuern—Äroßen-Buseck bk Rentabilität des Unter» nehmens stark angezweifelt tourte. Das Ergebnis des abgelaufenen Jahres hat nun bewiesen, daß die gehegten Bedenken unbegründet sind. Das Berkehrs- auto wirt außer von der Arbeiterschaft, für die es ja besonders ein« große Erleichterung bedeutet, da ie morgens und abends von und zur Bahn befördert werden kann, auch von dem übrigen Teil der Bevölkermrg unseres Ortes regelmäßig benützt. Die Linie ist sozusagen ein Bedürfnis für unser abseits oom Verkehr gelegenes Dorf aeiüorten. Auch die finanzielle Seite kann als zufriedenstellend ang< sehen worden. Der Verkehr hat sich in letzter Zeit erbebtiib gesteigert. Der Unternehmer hat sich in- olgedessen vor acht Tagen erschlossen, einen mo« xmen geschlossenen Sechsfi verwogen, der sich be« onders zu Krankentransporten und Sonderfahrten eignet, m Betrieb zu stellen.
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LJ Ober-Ohmen, 12. April. Linser Rathaus, ein schöner Fachwerkbau, soff neuen Anstrich erhalten. Wie man
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soll habet der Vorbau über ber Trevpe, bet dem ganzen Gebäude seinen altertümlich«,, ehrwürdigen Charakter verleiht, Wegfällen, ba einige Balken und Sparren im Lause ber Zeit morsch geworben find. Es wäre schade, wenn dies die Gemeinbevrrtretung zuließs. Dies, Balken sind doch wohl ohne besondere Wüy« zu ersetzen. Es wäre angebracht, die Gemcind, holte sich einmal von dem Denkmalpfleger für Hessen, Professor Walde in Darmstadt, cü Gutachten über die geplante Renovierung tet Rathauses ein. Die Unfoften hierfür sind nicht sehr bedeutend, und die Gemeinde hat bic Gewähr dafür, daß die Renovierung in sachgemäße, Weise erfolgt.
Starkenburg.
WSR. Darmstadt, 12. April. Die Frei, willige Sanitätshauptkolonne be< geht in diesem Jahre ihr vlerzigjäbrig«>< Bestehen. Um dieses Jubiläum würdig z» feiern, werden schon feit geraumer Zeit vom HauptfestauSschuß und einer Anzahl von sinter« ausschüssen umfangreiche Vorarbeiten für daß Fest erledigt. Die Festfolge ist bereit« in ben Hauptzügen festgelegt. Dem Empfang der auswärtigen Gäste am Samstag, 30. 3unl, mittags, soll sich eine Besichtigung der Ausstellung ober der Sehenswürdigkeiten Darmstadt« anschffeßen. Am Abend versammeln sich alle Festteilnehmer zu einem Begrühungsabend mit buntem Programm, zu dem namhafte Künstler ihre Mitwirkung zugesagt haben. Al« Hauptfesttag il Sonntag, 1. Juli, vorgesehen. ®« ist beabsichtigt, vormittags einen feierlichen akademischen Festakt zu veranstalten, an den sich dann eine eingehend, Besichtigung der Ausstellung anschließt. dieser Ausstellung sollen Krankenbeförderun^s- mittel Derinfektions- und Wiederbelebungsgerät, und dergleichen gezeigt werden. Große Fachfirmen aus Darmstadt, Frankfurt usw. hab« ihre Teilnahme zugesagt. Die Ausstellung wird einige Tage vor und nach den Hauptfesttagen in der Darmstädter Festhaffe offengehalten. Um 14 Uhr wird sich ein Festzug der hiesigen und auswärtigen Mitglieder der Freiwilligen Sanitätskolonnen vom Roten Kreuz durch die Straß« der Stadt bewegen. Der Zug wird sich an ber Festhalle auflösen und hier soll alsdann eine große Schauübung abgehalten werden, um die Leistungsfähigkeit ber Freiwilligen Sanitätskolonnen vor aller Oeffentlichkeit zu zeigen.
Preußen.
Zum Marburger Irauenmord.
WSR. Marburg, 12. Aprll. Bei der gerichtlichen Besichtigung des Tatorte« der Ermordung der Frau Krämer trug der jugendliche Mörder Weil ein zynisch-dreistes Wese« zur Schau, ör hat trotz feiner 17 Jahre scho» manches auf dem Kerbholz und deshalb auch ost Bekanntschaft mit der Polizei gemacht. Wie die „Obechess. Ztg." erfährt, hat er zuletzt Einbrüche in Ntederbeisheim, Homberg und Marburg verübt. Die gerichtliche Leichenöffnung hat ergeben, daß ber Tod durch eine schwer« Zertrümmerung des Lchädelknochens mit Verletzung des Gehirns verursacht ist. Der Täter hat m't einen Holzknüppel jein Opfer mit großer Gewalt so lange auf den Kops geschlagen, bis ber Tod eintcat. Zunächst hat Weil ein Sittlichkeitsverbrechen an b« Krämer ausgeführt und sie bann getötet, um bte einzige Zeugin der Untat stumm zu machet, Rach T'erübung dieses Verbrechens hat er in derselben Nacht noch ein Gartenhaus al Rotenberg erbrochen. Weil ist am 12. Wäch 1911 in Offenbach geboren. Obwohl er die Tat an sich nicht bestreitet, hat er gegen den Haff» befehl Bestywerde eingelegt.
Oie neue Mordtat auf dem Westerwald
WSR. Wirges, 12. April. Die furchtba« Fa milien trag ödie, die sich voraesteM abend hier abspielte, hat nunmehr ein drittes Opfer gefordert. Wie berichtet, wurde b* Bruder der Geliebten deS Arbeiters Frort L a m o 11 c ebenfalls von dem Mörder uep Selbstmörder durch zwei Revolverfchüffe nieder» gestreckt. Er war so schwer verletzt »orpe* bah er in das Dembacher Krankenhaus Lberfüho werden muhte, wo er noch in ber gleichen Nacht
cP G r ü n i n gen, 12. April. Die Einsegmurn der diesjährigen Konfirmanden fand am zweiten Osterseiertage statt. Es wurden 13 Kinder, 8 Mädchen und 5 Knaben, konfirmiert. Die Feier fand noch eine Verschönerung durch zwei gut porgetragens Lieder der Schulkinder unter Leitung des Lehrers E i f f. Mit Beginn btt neuen Schuljahres kommen 20 Kinder zur Schulaufnahme. Da 13 Schüler an Ostern zur Entlassung gekommen sind, erfährt die Ge- sarnffchülerzahl keine wesentliche Aenderung.
Kreis Büdingen.
tz. Bad Salzhausen, 12. April. Rach kurzem Kranksein starb hier die Dadekassiererni und Gemeinberechnerin Anna K o r e l l Wwe. geb. Schwan. Sie hat die beiden verantwortungsvollen Posten, die früher getrennt von Männern aus- gefüllt waren, viele Jahre mit großer Gewissen, Hastigkeit, Treue und Verständnis bekleidet und war daher allgemein geehrt und beliebt, nicht nur bei den hiesigen Einwohnern, sondern au( bei den Kurgästen. Sie hat ein Alter vo, 53 Jahren erreicht. — —
Kreis Schotten.
V Gebe rn, 12. April Am zweiten Oste» feiertag stürzte auf b:r Straße zwischen Wenings und Merkens ritz ein 28j ädriger Mann so unglücklich von feinem Fahrrad, daß er an den erlittenen Folgen gestern ver, starb. Der Verunglückte hinterläßt eine Witwe mit zwei kleinen Kindern. — Beim Holzsägen mit der Kreissäge schnitt sich am DieirStag em 22jäbriger Bursche aus Gedern im nah«» Steinberg den Daumen, Zeige- uni Mittelfinger der rechten Hand ab.
± Köddingen, 12. April. In unsere? Dorfe treten feit Ostern die Masern außer, ordentlich heftig auf. Fast der gro ß tß Teil der Schulkinder liegt krank darnieder. Da sich unter ben Erkrankten auch eine Anzahl Konfirmanden befinden, muß in diesem Jahre sogar die Konfirmation, Die acht Tage nach Ostern ftattfinben müßte, um einige Wochen verschoben werden. SU findet wahrscheinlich an Pfingsten statt.


