Opposition einstweilen nicht „poNtlsch^, hierzu ist das Bauerntum allzu zersplittert, es fehlt ihm an Organisation und Stoßkraft, es fehlt ihm vor allem an Führern. Aber wo es eine Kraft, sei es auch eine Passive, wie in diesem Falle, und eine Stimmung (in Ermangelung einer „Ideologie"!) gibt, da kommen früher oder später auch die Führer! Das ist nur eine Zeitfrage. Werden sie aus den Reihen der sog. „dritten Kraft", also aus dem nichtkommunistt- schen, „fachmännischen" Beamtentum, dessen Einfluh in den letzten Iahren stark gestiegen ist (und durch die Parteizwistigkeiten der Kommunisten noch gestärkt wird) kommen oder etwa aus der „(Roten Arme e", die trotz ihres kommunistischen Anstrichs im Kerne doch eine Bauernannee viel mehr als eine Proletarierarmee ist? Hierfür müssen wir die Antwort einstweilen der Zukunft überlassen.
Oberheffen.
Landkreis Gießen.
!—I Lollar, 11. Febr. Die beiden Volks- hochschulabende, die von Dr. Neumann, Gießen, abgehalten wurden, fanden bei den Teilnehmern, die sehr zahlreich erschienen waren, größtes Interesse. Dr. Neumann sprach als Fachmann auf einem der jüngsten Gebiete der Wissenschaften, der Individual- Psychologie. Noch zweimal, Montag, den 13. und den 20. d. M. wird Dr. Neumann in der hiesigen Volkshochschule sprechen.
V Mainzlar, 11. Febr. liniere Hebamme Katharine Dietz, die schon fast ein halbes Jahrhundert ihren Dienst in der Gemeinde gewissenhaft versehen hatf trägt sich mit dem Gedanken, einer jüngeren Kraft Platz zu machen. Unter vier Bewerberinnen, die sich gemeldet hatte.' wählte unsere Gemeindevertretung Frau Marg. Pfeiffer, die als Hebamme ausgebildet werden sollte. Das Kreis-Gesundheitsamt Gießen stellt sich nun auf den Standpunkt, daß die Gemeinde keine eigene Hebamme brauche, den Dienst könne die Hebamme aus dem benachbarten Daubringen mit versehen. Diese Stellungnahme hat in unserer Einwohnerschaft Erstaunen hervorgerufen: man fragt sich, was wohl die Gründe seien, dah in einer Gemeinde von über 900 Einwohnern, wie Daubringen, der Hebamme noch soviel Zeit zur Verfügung stehe, daß sie in der Lage sei, eine Gemeinde von 700 Einwohnern mit zu versehen. Man will sich mit der Enftcheidung des Kreisgesundheitsamtes nicht zufrieden geben und eine Eingabe an das Ministerium nach Darmstadt richten.
t Treis a. d. Lda., 11. Febr. Missionar Bachmann von der Herrnhuter Brüdermission, der Jahrzehnte in Deutsch-Ostafrika gestanden und 1916 von den Engländern vertrieben worden war, sprach in der hiesigen Kirche über die religiösen Sitten der dortigen Bewohner und zeigte, wie diese nur durch den Einfluß des Christentums gebessert werden konnten. — Als Nachfolger des als Fortbildungsschullehrer nach Lollar versetzten dritten hiesigen Lehrers Eberle wurde Lehrer Schädel, seither Schulverwalter in Staufenberg, ernannt.
Bg. Großen-Buseck, 11. Febr. Die erste diesjährige Holzversteigerung brachte, obwohl der Distrikt „Schwalbenwald" ziemlich ferne liegt, recht an-sehnliche Preise. Buchenscheitholz kam auf 32 bis 35 Mark je zwei Raummeter: Buchenknüppel 28 bis 32 Mark; 5 Raummeter Buchen reisig kosteten 12 bis 15 Mark.
. a. Reiskirchen, 12. Febr. Große Sorge bereitet unserer Gemeindeverwaltung die Wasserleitung. 1911 erbaut, ergab damals die am Westabhang des Burgküppels gelegene Quelle täglich 400 Kubikmeter Wasser. Der tägliche Verbrauch für das ganze Dorf wird auf 90 Kubikmeter geschätzt. Nie Wasscrbelieferung hat auch abgenommen, in den letzten Fahren ist sie außergewöhnlich schlecht. Der höchstgelegene Ortsteil, das sogenannte Liegens kann nur in einzelnen
Der Fluch der Fremdenlegion.
Von Felix Baumann.
3m Gewalt-Friedensdiktat von Versailles hat Deutschland in Artikel 179. Teil V, Kapitel 3, ananerkennen müssen, dah Frankreich Reichsdeutsche für die Fremdenlegion antoerben darf. Rach früher getroffenen Vereinbarungen hat Frankreich das Recht, noch bis zum 3ahre 1931 in fast allen europäischen Ländern für die afrikanische Söldnertruppe anzuwerben. Und da die meisten Staaten dann Frankreich nicht mehr gestatten werden, seine Werbetätigkeit in ihnen fortzu- setzen, so dürfte es Deutschland ganz besonders im Auge behalten, um so mehr als ein französischer Ministerbeschluh im Jahre 1921 die Stärke der Fremdenlegion seit 1923 auf 50 000 Mann festgesetzt hat unö diese Zahl noch nicht erreicht worden ist.
Die sieben Regimenter, aus denen sich die französische Fremdenlegion zusammensetzt, zählen heute 38 000 Mann, darunter gegen 22 000 Deutsche — was der beste Beweis für die erfolgreiche Werbetätigkeit der Franzosen auf deutschem Boden ist. Wenn man bedenkt, daß die Verluste der Legion durchschnittlich auf 75 bis 80 Prozent beziffert werden, so kann man sich leicht vorstellen, wieviele deutsche Gebeine in afrikanischer und tonkinesischer Erde ruhen oder in der Wüste bleichen.
Immer und immer wieder wird in den Leitungen, in Büchern und Broschüren, durch Flugblätter, Vorträge und Film-Vorführungen vor dem Eintritt in die Fremdenlegion, in diese moderne Hölle auf Erden, gewarnt. Aber die Rot in den deutschen Landen und die Abenteuerlust unbesonnener Elemente erleichtern den franko- fischen Werbern die Arbeit und treiben der Legion immer neue Beute in die Arme — betörte Menschenkinder, die zu spät einsehen, daß sie einem Sklavenleben in der Fremde zum Opfer gefallen sind.
„Geht hinunter nach dem Süden, nach 3gli und Golea, ins Tuat und Gurarra," schreibt der Forschungsreisende Artbauer, „seht sie an die schwankenden, ausgemergelten Gestalten, die hohläugig und bleich Blockhäuser und Straßen und Bahnlinien bauen, die bei mangelhafter Ernährung den rasenden Durst mit brackigem heißem Wasser vergeblich zu löschen suchen, die von Fieberdelirien geschüttelt reihenweise liegen bleiben am Rande der halbfertigen Straße, gleich in Rotten wie die Fliegen umfallen, vom Hitzschlag getroffen in der glühenden Sonne der Großen Wüste, vor deren mörderischen Strahlen sich die Bedauernswerten, nur mangelha t bekleidet, nicht schützen können. Meist unsere Landsleute find es, die irgendein gewissenloser Deutschenfresser ohne jeden Schein von Recht
Stunden mit Wasser versorgt werden. Ein in letzter Zeit vorgenommenes Probepumpen hat ergeben, dah der Brunnen täglich nur noch 70 Kubikmeter liefert. Der Brunnen hat demnach einen Rückgang von 400 auf 70 Kubikmeter zu verzeichnen. Trotzdem müßte auch diese Menge nahezu genügen. Für die Gemeinde ergibt sich nun die Rotwendigkeit, neues Wasser zu erschließen. Hierzu liegen zwei Pläne vor. Zunächst soll der bisherige Brunnen weiter in die Tiefe gebohrt werden, um neue Wasseradern anzu- stechen. Dieser Versuch ist auf 1000 Mark veranschlagt. Führt er nicht zum Ziel, dann soll in dem Wiesengrund östlich des Burgküppels nach neuem Wasser gesucht werden. Hierfür ist der Kostenanschlag 2000 Mark. Führen beide Versuche nicht zum Ziel, dann bleibt nichts anderes übrig, als das Rohrnetz umzubauen. Gerade diese Aufgabe wird sich als sehr dringend erweisen. Auf Vorschlag des Kreisbauamtes wurden damals Mannesmannrohre verwendet, aber sie haben sich schlecht bewährt. Alljährlich hat die Gemeinde für Ausbesserungsarbeiten große Ausgaben, und es besteht die Vermutung, dah die Llndichtigkeiten gar nicht alle festgestellt werden können, da sich das Wasser einen unterirdischen Ablauf geschaffen hat: denn sonst mühte die vorhandene Wassermenge für den Bedarf genügen. Alles in allem findet hier der Gemeindevorstand eine Arbeit, bei der die Entscheidung über das „Wie" recht schwer ist.
$ Grünberg, 12. Febr. Die Entwicklung im abgelaufenen Geschäftsjahr 1927 kann für die hiesige Bezirkssparkasse als überaus günstig bezeichnet werden. Der Zuwachs an Spareinlagen betrug 345 156 Mk. Er überstieg die Zugänge der vorhergehenden Jahre um eine bedeutende Summe. Es kann dies als ein erfreuliches Zeichen wiedererwachenden Vertrauens bezeichnet werden. Diese Zunahme der Einlagen muh um so höher bewerte! werden, da die wirtschaftlichen Verhältnisse im hiesigen Bezirk durchaus nicht als günstig zu bezeichnen sind. Die Entwicklung der Spareinlagen seit der Stabilisierung ist wie folg!: Stand Ende 1924: 126246 Mk. 1925:.343864 Mk. 1926: 598 712 Mk. 1927: 943 869 Mk. Die Zahl der Sparkonten betrug Ende 1927: 1616. 3m Sch eck- und Giroverkehr beliefen sich die Guthaben der Kunden am 3ahresende auf 146 291 Mk. Die Bestände der Kaffe an Spar- und Scheckeinlagen haben also den Betrag von 1 Million Mark überschritten. Die Aufwertungseinlagen, die rund 440000 Mark betragen, sind in dieser Summe nicht enthalten. Wenn diese hinzugerechnet werden, so betragen die Gesamtl estände über V/2 Mill. 2RL Die Mittel der Kasse sind in folgender Weise angelegt: Darlehen gegen Hypotheken 397 991 Mark, Darlehen an Mitgliedsgemeinden und Feldbereinigungsgesellschaft 258 347 Mk.. gegen sahungsgemäße Sicherheit im Konto-Korrent- verkehr 249 341 Mk.. Schuldschein-Darlehen an Private gegen Bürgschaft 156 377 Mk., Wertpapiere 54 025 Mk., Wechsel 10 480 Mk., Guthaben bei der Girozentrale 36 659 Mk. Die Kasse gewährt Darlehen z. Z. nur an Bezirks-Einwohner und Mitgliedsgemeinden. Das durch Spareinlagen sich ansammelnde Kapital kommt also ausschließlich dem Bezirk zugute. Es war der Kasse infolge der günstigen Entwicklung möglich. den Ansprüchen der Darlehnsuchenden zum größten Teil gerecht zu werden.
Kreis Friedberg.
$ Friedberg, 12. Febr. Die 3ndustrie- und Handelskammer Friedberg (für Öie Kreise Friedberg, Büdingen und Schotten) hat einen langgehegten Plan nun verwirklicht, indem sie hier eine zw eijährige o f f e n t = liche Handelslehranstalt eröffnete. Diese wird in HebcEeinftimmung mit dem Schuljahr der übrigen Schulen nach Ostern ins Leben treten. Der Unterricht wird in 30 Wochenstunden erteilt Zu den üblichen kausmämnschen Unter- vor das Kriegsgericht bringt, die von ebenso gewissenlosen, gegen alles Deutsche voreingenommenen Richtern in wenigen Minuten verurteilt werden, ohne sich mit ihrer meist unvollkommenen Kenntnis der französischen Sprache verteidigen zu können, ja ost, ohne zu wissen, wessen sie angeklagt sind! Verurteilt zu einem Bagno, das ixe Phantasie nicht grauenhafter erfinden kann, von dem kaum 40 Prozent als Wahnwitzige oder als ausgebildete Verbrecher wiederkehren — der Rest schlummert, wie so unzählige Tausend, im heißen Sand der Sahara, zum Opfer gefallen der fürchterlichen Arbeit unter nwrderischem Klima, der ekelhaften unzureichenden Rahrung, dem schleichenden Fieber und schwächenden Typhus — ober den Dolchen und Kugeln und Knüppeln erbitterter Araber und Tuareks, die sich an halbverhungerten wa enlosen Sträflingen rächen für alle Unbill, die sie erdulden müssen von den Vertretern der .Großen Ration'!"
Cs ist sehr bemerkenswert, daß jetzt auch in englischen Blättern warnende Stimmen gegen den Eintritt in die Fremdenlegion hörbar werden. Bisher ist der Brite nur eine vereinzelte Erscheinung in der Legion gewesen und aus den Aufzeichnungen George Manningtons - „A. Saldier of the Legion" — und Frederie Martyns — „Life in the Legion" — geht hervor, daß die englischen Legionäre viel besser als die deutschen behandelt und sehr schnell befördert werden. Aus diesem Grunde erscheint die Fremdenlegion hier in einem ganz anderen Lichte, was daraus zurückzusühren ist, daß Mannington in seiner Eigenschaft als Sekretär beim Brigade- ftab und Martyn als Feldwebel ein sehr angenehmes Legionärleben geführt haben. Trotzdem zerrüttete das mörderische Klima Tonkins die Gesundheit Manningtons, so daß er bald nach seinem Austritt aus der Legion starb. Einige englische Blätter haben ihm zum Vorwurf gemocht, das Leben in der Legion viel zu rosig geschildert, die internen Verhältnisse nur gestreift unö den Schwerpunkt auf seine kriegerischen Abenteuer gelegt zu haben,
ilnb in der Tat stehen Manningtons und Martyns Schilderungen in einem krassen Gegensatz zu den Enthüllungen ihres Landsmannes Harry Peel im „Daily Expreß". Peel hat die skandalösen Verhältnisse in der Legion rücksichtslos aufgedeckt und den Eintritt in die Landsknechtstruppe als ein Verbrechen am eigenen Leibe hingestellt.
Doch eine, größtes Aufsehen erregende Warnung ist von dem Major E. P. W r e n ergangen, öer nach seiner Dienstzeit in der britischen 2Irmee in die Legion eingetreten ist, sich beute literarisch betätigt und eine Reihe von Büchern über die Fremdenlegion verfaßt Hat. Diese Werke, der auch ins Deutsche übertragene unö verfilmte Roman „Beau Geste“ und die
richtSfächern kommen noch Englisch, Wirtschaftsgeschichte, Volkswirtschaftslehre, Bürgerkunde als Lehrgegenstände, dazu noch Hauswirtschaft in der Mädchenklasse.
Bad-Nauheim, 12. Febr. Die jüngste Sitzung der Stadtverordneten galt der Besprechung des vom Polizeiamt vorgelegten Entwurfs der neuen Straßenpolizeioerordnung. Die umfangreiche Verordnung bringt in 59 Paragraphen Bestimmungen über die Erhaltung der Reinlichkeit, die Aufrechterhaltung der Ordnung und allgemeinen Sicherheit auf öffentlichen Wegen, den Schutz der Anlagen und Kureinrichtun- gen, die Aufrechterhaltung der Ruhe, den Gewerbebetrieb auf öffentlichen Wegen, die Beförderung von Vieh, außerdem Vorkehrungen gegen Beschädigung und Belästigung von Personen. Die Versammlung war im allgemeinen mit der Verordnung einverstanden, machte aber zu einer Reihe von Einzelbestim- mungen Abänderungsvorschläge und wünschte ferner Streichung einiger Bestimmungen.
:: P o y l - G ö n s. 11. Febr. Die WSR.-Rach- richt in Rr. 35, dah bei Renovierungsarbeiten in der hiesigen Kirche das Grab eines „Ritters von Göns" aufgefunden wurde, entspricht nicht den Tatsachen. Beim Wegräumen der Steinplatten fand sich unter der Kanzel ein großer Grabstein, dec allerdings das Wappen der Grasen von Göns trägt. Die ausgesprochene Vermutung, da h hier ein Graf von GönS seine letzte Ruhestätte gesunden habe und einige Angaben aus der Chronik haben wohl einen phantas iebegabten Herren zu seiner Schilderung vom Türkenkrieger und der reichen Beute veranlaßt. Der Grabstein wurde auf Veranlassung von Pfarrer Ä a u m a n n abgehoben, und es ergab sich beim Rachgraben, daß ein Grab nicht vorhanden war. 3edenfalls wurde bei einer früheren Erweiterung der Kirche, die auf dem Friedhof stand, der Stein von einem Grabe weggenommen und unter die Kanzel gelegt. Später wurde er dann mit Steinplatten zugedeckt. Dah nun der Stein, als altes Grabdenkmal einen besonderen Platz in der Kirche erhalten wird, ist selbstverständlich. Das Hessische Hochbauamt Friedberg hat das „Grab" weder geöffnet noch untersucht.
Kreis Schotten.
□ Laubach, 11. Febr. Hier wurde unter großer Teilnahme der Bevölkerung der gräfliche Rentamtmann Georg Bohn beerdigt. Dekan Vvlp bot mit beredten Worten ein Lebensbild des pflichttreuen, bescheidenen und selbstlosen Mannes. 3m Rainen der Bezirkssparkasse legte Oberamtsrichter Zimmermann einen Kranz nieder, ebenso im Hamen des 3ohann- Friedrich-Stifts Bürgermeister Böhm, im Ramen des Kasinos desgl. Studiendirektor Dr. Hainer. Die Trauerfeier war von stimmungsvollen Liedern des Kirchenchors und des Gesangvereins „Harmonie" umrahmt. Gg. Bohn, geb. in Eberstadt bei Darmstadt 22. Mai 1860, trat 1. Oktober 1884 in gräfl. Dienste, wurde 22. Rov. 1897 Rentmeister, 1. Oktober 1909 Rentamtmann und trat 1. 3an. 1925 in Ruhestand. — Der Zweig- Verein Laubach des Vogelsberger Höhenklubs hielt im „Solmser Hof" feine diesjährige Hauptversammlung ab. Der Vorsitzende. Obersekretär Elbe, teilte zunächst mit, daß der Mitgliederbestand (79 Mitglieder) sich behauptet habe. Zehn Wanderungen wurden im Vereinsjahr ausgesührt. Ausführlich wurde über die Hauptversammlung des D. H. C. in Kassel berichtet. Die Rechnungsablage ergab einen Ueberschuß von 199 Mark. Man beschloß, einen Daufonds zur Wiedererrichtung einer Schuhhütte auf dem Ramsberg zu begründen. Die Kosten werden sich auf etwa 600 Mark belaufen. An drei Mitglieder konnten Auszeichnungen verliehen werden. Sechs Bänke sollen neu auf- gestellt werden. Eingehend wurde der neue Wanderplan beraten; zwölf Wanderungen, darunter eine zweitätige in den anziehenden „Mooser Grund", sind vorgesehen. Der große Herbst-
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ausf lug des D. H. T. wird am 16. September nach Laubach stattfinden. Rach Erledigung des geschäftlichen Teils hielt Prof. Dr. R o e s ch e n einen Vortrag über „die Vogelsberger und Wetterauer Räuberbanden zu Anfang des vorigen 3ahrhunderts". 3nsbesondere widerlegte er die irrige Angabe von den Räubereien „des Schin- derhannes" in hiesiger Gegend, die auch in Laubach erzählt werden. Aus den gerichtlichen Untersuchungsakten wissen wir ganz genau, daß 3ohannes Bückler, der sog. Schinder- Hannes, niemals in Oberhessen gewesen ist. An den Vortrag schloß sich eine lebhafte Aussprache. — Der hiesige Bürger- Verein hielt unter dem Vorsitz von Fabrikant Hohmann im „Schützenhof" seine diesjährige Hauptversammlung ab. Der Vorsitzende erstattete zunächst den Rechenschaftsbericht. Der Verein zählt zur Zeit 152 Mitglieder. Die Finanzverhältnisse sind günstig: es ergibt sich ein Kasfenbestand von 78 Mark. 3m verflossenen 3ahr hatte der Verein keine Veranlassung, besonders hervorzutteten. Weiter wurde die Frage der Entwässerung der Lauch ach eingehend erörtert. Es wurde beschlossen, die Wiederherrichtung des Abflußgrabens in die Wege zu leiten, und die Anlieger aufzufordern, auf ihrem Gelände diesen Graben in Ordnung zu halten. Betreffs der Wahl eines Beigeordneten als Ersatz für den schwer erkrankten Kaufmann Diehl wurde be- schlossen, keinen Kandidaten aufzustellen, jedoch den Gemeinderat zu ersuchen, die Erledigung dieser Angelegenheit zu beschleunigen. 3m Aprll wird eine Hauptversammlung ftattfinÖen. worin, den Satzungen gemäß, ein neuer Vorstand gewählt werden wird.
= Dodenhausen II, 11. Febr. Hier fand unter der Leitung des Bürgermeisters Moser eine Versammlung statt, die sich mit den Bahn - bauprojekten im Vogelsberg beschäftigte. Herr Keil, Fettdrücken, trat dabei für das Projekt Schotten—Alsfeld ein, während die Vertreter des Ohmtal-Ausschusses, H a n s u l t und 3 ä g e r, Ober-Ohmen, sich für das Ohmtalbahn-Projekt einsetzten. Das Ergebnis der Ver- sammlung war, daß zwei Gemeinden sich von dem Projekt Schotten—Alsfeld abwandten und drei Gemeinden sich für das Ohmtalbahn-Projekt erklärten.
Kreis Lauterbach.
P Schlitz, 11. Febr. 3n voriger Woche und auch noch in den ersten Tagen dieser Woche hielt Pfarrer Lic. Runge von der Leipziger Mission in fast allen Gemeinden des Schützer- l a n d e s durchweg sehr gut besuchte Mission-- go11esdienste und Missionsvorträge. Er sprach über die Rotwendigkeit der äußeren Mission gerade in unfern Tagen und über die Aufgaben, die daraus der Heimat erwüchsen. Dah diese Veranstaltungen der Stärkung deS Missionsinteresses und der Teilnahme an diesem großen Werke dienten, dafür legten schon äußerlich die für die Leipziger Mission gespendeten Gaben Zeugnis ab. So gingen ein in den Pfarreien: Schlitz 112 Mk., Queck 93 Mk., Hartershausen 27 Mark, Kreutzersgrund 18 Mark und Huhdorf 15 Mark. Außerdem wurden insgesamt für etwa 60 Mk. Missionsschriften verkauft.
Starkenburg.
WSN. Darmstadt, 11. Febr. Ein in der Dragonerkaserne wohnendes Ehepaar kam in Wortwechsel, in dessen Verlauf die Frau einen Hammer ergriff und dem Mann ins Ge- sicht schlug. Der Ehegatte wurde mit schweren Gesichtsverletzungen nach dem Stadtkrankenhaus überführt.
* Darmstadt, 12. Febr. Die Errichtung eines Rrebergall-Denkmals, mit dem Standort in der Rähe des Marktes, wird sich jetzt verwirklichen. Die Hess. Spielgemeinschaft hat durch Aufführungen von Dialektdramen und durch Sammlungen die Wittel bereits zum größten Teil aufgebracht. Runmehr wurde der Entwurf
Trilogie „Beau Sabreur", „The Stepsons of France“ und „W^es of Virtue“, haben den Geist romantischer Schwärmer in England so geweckt, daß die Legion in der letzten Zeit einen beträchtlichen britischen Zuwachs erhalten hat, wodurch in England eine große Beunruhigung entstanden ist. Dadurch hat sich Wren bewogen gefühlt, seinen eigenen Büchern entgegenzutreten, öffentlich darum zu bitten, seine cejuöerungen des französischen Legionärslebens nicht mitzzuver- stehen.
Er bekennt: ,,3n die Legion einzutreten, ist ein Fehler und ein Wahnsinn!“ Unö schreibt wie Artbauer: „Man exerzierte, bis man fühlte, daß man dem 3rrfinn nahe war. Man marschierte, bis einem zum Bewußtsein kam, daß ein Kilometer mehr den Tod bringen müßte. Die Kameraden waren absolut nicht die romantischen Helden, wie man sich eingebildet hatte. Sie bildeten eine kosmopolitische Gesellschaft von Arbeitern, die ihrer Arbeit entsagt hatten und in einer Uniform für einen halben Penny täglich jede Arbeit leisteten, wofür sie Soldaten genannt wurden. Denn der Legionär ist eher ein Arbeiter. der zuweilen kämpfen muß. als ein Soldat, der auch manchmal arbeitet. Er marschiert — er marschiert immer; und die Straße folgt ihm, sie folgt ihm immer. Hat er sich einmal der Legion verschrieben, so gibt es nur zwei Wege aus dieser Knechtschaft: den Tod oder die fünfjährige Dienstzeit. Und der Legionär zieht manchmal den Tod als den schnelleren Weg vor.
Wren schildert den Selbstmord eines Legionärs aus guter Familie, der sich nach einem wahren Höllenmarsch durch Gewehrschuß in den Mund tötete. Auch Frederie Martyn erwähnt einen ähnlichen Fall, in dem sich ein Deserteur erschoß, um den Verfolgern nicht lebend in die Hände zu fallen. — Rach Wren ist von Romantik in der Legion keine Spur zu finden. „Auch ich hatte einst ein Phantasiebild geschaut", bekennt er. „hatte mich unter einer Schar fröhlicher Helden gesehen, unberührt von Langeweile. Müdigkeit, Krankheit, grausamer Ueberarbeitung, beim Sturmangriff auf eine von Banditen verteidigte Kasbah; ich sah Bajonette blitzen, einen herrlichen Rahkampf und schließlich den Ruhm in Form eines Kreuzes oder Sterns, den Dank des Kommandanten und die Glückwünsche der Kameraden. Doch es kam anders — man folgte dem Stern — man trug das Kreuz." Wren nimmt Vezug auf das unlängst erschienene Buch eines Offiziers der Legion, der in den Legionären nur Romantiker erblickt und eine falsche Vorstellung von ihrer Mentalität gibt. „Rein", erklärt Wren, »der Legionär ist keine romantische PersonlichkeiL 3ch sehe mich gezwungen, jedem zu widersprechen, der in diesem Weg einen zur Romantik zu erblicken glaubt. Wahrscheinlich ist ein elendes Leben und ein elender Tod."
Wrens Warnungen sollten auch ein Echo in Deutschland finden, um durch eine Fatamorgana irregeleitete Romantiker vor dem Eintritt in die Fremdenlegion zu bewahren — vor diesem 3n° ferne, von dem man nur sagen kann. „3hr, die ihr eintretet, laßt alle Hoffnung fahren!"
Das Augzeug als Steuereinnehmer.
Für die kartographische Aufnahme unbekannter Landstrecken wird die Fliegerphotographie in immer steigendem Umfang verwendet. Die Engländer benutzen diese Aufnahmen aus der Luft dazu, um die Gegenden ihres Weltreiches zu kartieren, die wegen ihrer schwierigen Zugänglichkeit noch fast ganz unbekannt sind. Auf diese Weise hat man genaue Karten von Aegypten, aus dem Orient, von Kanada und Britisch- Guyana erhalten. Die kartographische Aufnahme des oberen Flußgebietes des Sambesi in Rord- Rhodesien wurde erst kürzlich auf diesem Wege> vollendet. Man geht dabei so vor, dah die Flieger reihenweise Aufnahmen von der Gegend machen, die sie überfliegen, wobei auf jeder neuen Aufnahme sich ein bestimmtes Stück mit dem vorhergehenden deckt. Diese einzelnen Aufnahmen werden dann mosaikartig zusammengesetzt, so daß sie ein getreues Bild der aufgenommenen Landschaft bieten. Mit diesen Aufnahmen verfolgt man aber nicht nur wissenschaftliche, sondern auch sehr praktische Zwecke. Die Eingeborenen der bisher unzugänglichen Gebiete, die bisher von der englischen Herrschaft nur wenig zu spüren hatten, werden nämlich dann zu Steuern herangezogen, und so wird das Flugzeug zum Steuererheber. Lils interessantes Beispiel dieser Erschließung jungfräulichen Gebietes für die Steuer wird in der „Umschau" die Fliegeraufnahme von Sarawak in Britisch-Rord-Borneo angeführt. Sarawak liegt gerade am Aeauator und besteht fast ganz aus schwer zugänglichem Urtoalö; seine Geländeverhältnisse waren daher fast unbekannt. Durch die Luftphotographie sind nun mächtige breite Strome entdeckt worden, die zahllose Zuflüsse aus dem Hochland erhalten. Dadurch wird das Land überaus fruchtbar, und man konnte ungeheuere Felder von Sago, Reis und anderen Ruy- früchten feststellen. Auf den Fliegeraufnahmen lassen sich die verschiedenen Arten der Vegetation, die Pflanzungen und Rodungen der Eingeborenen genau erkennen, und wo so viel Wohlstand herrscht, da müssen auch Steuern bezahlt werden. Die englischen Steuerbeamten sind also nun imstande, mit dem Flugzeug auch den unzugänglichsten Urtoalö zu erreichen und von den Schätzen der Bewohner zu fordern, was dem Staate gebührt.


