Ausgabe 
11.12.1928
 
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178. Zahrgmg

Dienstag, y. Dezember 1928

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General-Anzeiger für Oberhessen

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Bolivien und Paraguay auf dem Kriegspfade.

Wen« dn Staat, der f a ft dreimal f o groß w i e Le u t s ch l a n d ist, gegen einen Nachbarstaat «etwa von der Ausdehnung Jugoslawiens vorgeht, die diplomatischen Beziehungen abbricht und offen mit dem Krieg droht, so ist da» eine ernste Ange­legenheit. Da» mächtige Reich, das dem fremden Ge­sandten die Pässe zugestellt hat, hat freilich nur örel Million en Einwohner, also bei wei- ttm nicht die Bevölkerungsziffer Berlins, und Para­guay, besten Gesandter von Bolivien heimgeschickt worben ist, hat ungefähr eine Million Einwohner, bleibt also an Menschenzahl weiter hinter Hamburg zurück. Paraguay hat ein Heer von 3500 Mann und 100 Offizieren, während Bolivien» Armee aus 4300 Soldaten besteht, zu denen freilich im Kriegsfall 64 000 Nationalgardisten kommen sollen. Ein Waffengang zwischen den beiden südamerikani- schen Republiken ist also nicht mit euro­päischen Kriegen zu vergleichen, und die(Eröff­nung der Feindseligkeiten", von der soeben berichtet wurde, besteht auch nur darin, daß 200 Paraguay- irische Soldaten eineGrenzfestung" mit stürmen- der Hand genommen haben, obwohl eineStreit­macht" von 25 bolivianischen Soldaten ,Heldenhaft" Widerstand leistete.

Ter Konflikt zwischen Paraguay unb Bolivien, hon de.n die europäische Ocf,"cnt U>feit jetzt zum erstenmal etwas hört, ist tatsäch.ich schon ein halbes Jahrhundert alt und wurde in zahllo.en Konferenzen zu sch'.icht.n versucht. Hm Den Streitfall zu verlteh.-n, braucht man nur einen Blick auf die Karte von Südamerika zu werfen. Etwas nördlich vom Wendekreis des Sle.nbocks verläuft die Grenze zwischen Paraguay und Bolivien, die auf sehr einfache Weise ge­zogen worden ist: um Arbeit zu sparen, hat man c in Lineal genommen und durch einen ge­raden Strich festgesetzt, wo Boliviens Souve­ränität aufhart und die Republik Paraguay be­ginnt. Daß eine solche Grenze den wirt­schaftlichen und politischen Rotw«n- d i g k e i t e n der beiden Staaten nicht g -recht wird, ist selbstverständlich. Das strittige Gebiet ist der Thaco Boreal, östlich des FlusseS Piloamayo, ein ungeheures W.idegelände. das zum Teil von Bolivien und zum Teil von Para­guay beansprucht wird. Fast ein halbes Jahr tagte in Buenos Aires eine Konferenz bolivia­nischer und paraguaynischer Staatsmänner, di« einen Vermiftlungsvorfch ag finden sol te, aber im April dieses Jahres unverrichteter Sache auseinandergehen mußte. Run ist den Paraguah- anem der unklare Zustand nicht mehr recht, sie haben einen Angriff unternommen, und es ist nicht ausgeschlo sen, daß sich daraus ein Kr.eg entwickeln wird. Man darf nicht ein» towikn, daß das kleine Paraguay sich.r.ich ein» sichtig genug fein wird, den großen Gegner im Tioröen nicht zu reizen. Bon 1361 bis 1870 hat Paraguay unter feinem Präsidenten Lopez den Mut gehabt, gegen Brasilien, Argen­tinien und Hruguay Krieg zu führen mit dem Ergebnis, daß die kleine Republik da­mals fünf Sechstel ihrer Bewohner verlor.

Auch Boliviens Geschichte beweist, daß auf die pazi.iftifche Gesinnung der bolivianischen Staatsmänner nicht unbedingt zu rechnen ist. Einst war Bolivien ein Teil des großen Inka- reiches; dann wurde es von den Spaniern erobert. Dach einer bewegten Geschichte proklamierte man am 6. August 1825 die unabhängige Republik Bolivien, die nach den Fveiheitslämpser Boli­var benannt worden ist. Abgesehen von den zahlreichen Revolutionen, die teils von den Weißen, teils von den Indios angezettelt wur­den, abgesehen von Mutigen Parteikämpfen iliü> gelegentlichen Feldzügen nomadisierender Rothäute m die benachbartenJagdgebiete", hat Bolivien in der kurzen Zeit seines Bestehens auch eine Reihe richtiger Kriege geführt. Don 1L79 bis 1834 kämpfte es an der Seite Perus gegen Chile, verlor und mußte die Küstcn- provinz Atacama abtreten. Das war ein gro­ßer Berlust, der auch heute noch nicht verschmerzt ift; denn damit wurde Bolivien zu einem Din­nen st a a t, ohne Ausgang an den Stillen Ozean, rings von nicht immer wohlwollenden Rach- barn eingeschlossen, auf deren Güte es ange­wiesen ist. Immer wieder hat Bolivien erklärt, daß es die beiden Ortschaften Tacna und Arica erhalten müsse, um wieder einen Zu­gang zum QRter zu gewinnen. Tacna und Arica lind ebenso strittiges Gebiet zwischen Peru und Chile wie der Chaco Dereal zwischen Bolivien und Paraguay; die Bereinigten Staa­ten, die in allen südamerikanifchen Ländern große Kapitalien angelegt haben, also an einer gleichmäßigen Erschließung dieser Gebiete inter- elsiert sind, unterstützen die bolivia­nische Forderung, durch Hergabe von Tacna und Arica den Streit zwischen Bolivien, Peru und Chile zu beseitigen, und die Zustim- inung der U. S. A. verleiht der bolivianischen Regierung eine gewisse Kraft.

Aber die Provinz Atacama ist nicht das ein­zige Gebiet, daS Bolivien verloren hat. An leinen mächtigen Rachbarn Brasilien, der es im Osten ganz umklammert, mußte Bolivien im Jahre 1903 das Territorio Ratcio- nal d e Colontas abtreten. Cs ist ver­ständlich, daß die Bolivianer jetzt nicht einen weiteren Teil ihres Gebietes aufgeben wollen. Der Chaco Boreal besteht zwar zunächst in der Hauptsache aus Biehweiden, und an solchem Gelände hat man im mittleren Teil Südamerikas

keinen Mangel. Aber in unmittelbarer Rähe deS strittigen Territoriums sind große Pe­troleumfunde gemacht worden, und daS verleiht dem Kampfoojekt eine ganz andere Wich­tigkeit. Ein Teil der Petroleumquellen zieht sich sogar unmittelbar durch den Chaco Boreal bis auf den Boden von Paraguay hinüber. Die Petroleumquellen beginnen im Rorden im Fluß­gebiet deS Rio Grande, der zum Stromnetz des Amazonenstromes gehört; etwa auf der Höhe von La Paz, nur sehr weit östlich der boliviani­schen Hauptstadt, sind die ersten Petroleumfunde gemacht worden. 2n einem breiten Streifen, an dessen Rand Santa Cruz liegt, der ein Stück deS Kordillierenlandes durchquert und dann hin­unterführt bis zum Rio Pilcamayo, dessen Lauf er folgt, erstreckt sich das Petroleumgebiet dann in nordsüdlicher Richtung. Besonders in der Gegend des Beremejo ist der ganze Boden pe­troleumhaltig, und es gilt, nur diese Boden­schätze entsprechend auszunutzen, um auS dem bisher so schwach besiedelten Gebiet ein neues Bevölkerungszentrum in Südamerika zu machen. Cs ist dabei ganz besonders beachtens­wert, daß das bolivianische Petroleum erheblich reiner ist als das Erdöl anderer Länder. So berichtete kürzlich Dr. Anze-Soria, der neue bolivianische Gesandte in Berlin, daß er sich vor einiger Zeit mit einem deutschen Petroleum­fachmann in Südamerika über das bolivianische Petroleum unterhalten habe und ihm von die­sem unparteiischen Sachverständigen versichert worden sei, die Reinheit des bolivianischen Pe­troleum fei unübertrefflich. Hinter dem Konflikt der beiden südamerikanifchen Republiken, die vorläufig nur über geringe Machtmittel ver­fügen, schlummert also ein großer wirtschaftlicher Jnteressenkampf um einen der wichtigsten Roh­stoffe der Welt, ifm daS Petroleum, für dessen Besitz schon oft mit Menschen und Kanonen ge­kämpft worden ist.

Gespannte Lage.

Eine Intervention Argentiniens?

Reuyork. 10. Dez. (TU.) Rach Meldnn- gen auS La Paz lehnte Bolivien die Der- mlttlungSvorfchläge Mer'/oZ, Chiles und Perus ab. Bvliv en macht g« tend, daß durch di« Haltung Paraguays feine Hoheitsrechte a n g e t a ft e t seien. Während in Paraguay Ruhr herrscht, ist man in Bolivien außerordent­lich erregt und glaubt an einen Krieg. In Bo­livien ist mite weile ein Amnestieerlah er­gangen. Cime Klärung der ftrittigen Lage der bebten südamerikanifchen Staaten wird nunmehr durch die Intervention Argenti­niens für möglich gehalten. Weiter wird be­richtet. daß Washington an der An^e egen- heit besonders irtwessiert ist, vor allem im Hin­blick auf die Reise Hoovers, der über die Anden nach Buenos Aires toeitcr^ureifen be­absichtigt. Paraguay u.ib Bolivien ziehen ihre Truppen in dem str.ttigen Gebiet zusammen. Bolivien verfügt über 7500 und Paraguay über 2500 Aktive. Der bolivianische Kongreß billigte durch großen Beifall die bisher verfolgte Re­gierungspolitik.

Der Gesandte Boliviens in Paraguay hat heute feine Pässe erhalten. Es wurde ihm eine Rote überreicht, in der die Regierung von Paraguay jede Berantwvrtung für den Zwi­schenfall ablehnt.

Nie panamerikanische Konferenz greift ein.

Washington, 10.Dez. (1DIB.) Bel der heu­tigen Eröffnung der panamerikanischen Konferenz zur Schaffung einer Schiedsgerichts­und Dergleichskonveniion betonte Präsident Eoolidge, daß die lateinameritanifchen Staaten stets das Bestreben gezeigt hätten, alle auftauchen- dcn Meinungsverschiedenheiten und Streitigkeiten auf gütlichem Wege beizulegen. Staatssekretär Kellogg, der hierauf zum Vorsitzenden der Kon- serenz gewählt wurde, wies daraus hin, daß seit dem Weltkriege bei allen Völkern der Wunsch immer stärker werde, den Krieg als Werkzeug der natio­nalen Politik auszuschalten, ihn zum Der- brechen zu stempeln und an seine Stelle das Ver­fahren der schiedsrichterlichen Austra- gung aller Streitigkeiten zu sehen. Der panametl- kanische Kongreß betrachtet die Krise zwischen Bolivien und Paraguay für so ernst, daß eine sofortige Sitzung des Sonderausschusses einuerufen wurde, um die Lage zu erwägen.

Inzwischen hat die bolivianische Regierung an das Staatsdepartement eine Rote gesandt, die eine ausführliche Darstellung des Grenzzwischenfalles gibt, und versichert, daß die Kavallerie von Para­guay bolivianische Truppen auf boli­vianischem Gebiet angegriffen habe. Ls verlautet, daß die Rote im wesentlichen identisch mit Roten ist, die an alle Regierungen gesandt wurden, mit denen Bolivien freundschaftliche Beziehungen unterhält und daß sie den heute eigens zu diesem Zweck gebildeten Vergleichsausschuh uner­wähnt läßt. Bevor der Ausschuß heute abend seine Arbeit begann, machte der Geschäftsträger von Paraguay in Washington Mitteilung davon, daß

die Delegierten seines Landes auf dem panameri­kanischen Kongreß von ihrer Regierung ermächtigt worden sind, nöt gensalls an den Sitzungen des Ausschusses teilzunehmen.

Was macht der Völkerbund?

Lirengc Beobachtung der formalen Voraussetzungen für ein Eingreifen.

Lugano, 10. Dez. (WTB.) Der Grenz- zwrschensall zwischen Bolivien und Paraguay wird m den Kreisen verschiedener Ratstelegationen mit Interesse besprochen. Es sind Erwägungen im Gange, ob sich der Dölkerbundsrait im Hin­blick auf eine s r iedliche Regelung des Streitfalles an beide Parteien wenden könnte, die Mitglieder des Völkerbundes sind, wenngleich Bolivien seit Jahren nicht

Chamberlain besuchtStresemann

Chamberlains

Unterhausrede zur Mumungsfrage.

Lugano, 10. De;. (TU.) Außenminister Sir Austen Chamberlain stattete am Wontagnach­mittag Dr. Strefemann einen Inständigen Tee­besuch ab. Die Unterredung sand ohne Dolmetscher statt. Heber da» Ergebnis der Unterredung wird die übliche Mitteilung solgenden Inhalte» gemacht:

Zwischen der deutschen und der englischen Delegation hat heute die erste Fühlungnahme stattgefunden. Der englische Außenminister Chamberlain stattete Dr. Strefemann einen Be­such ab. 3n der Unterredung sind die im Vor­dergründe de» politischen Interesses stehenden fragen in freundschaftlichem Ton erörtert worden."

8» besteht der Eindruck, daß im Laufe dieser Un­terredung die Reparationsfrage und insbe­sondere die Bildung de» Sachverständigenausschusse» nicht berührt worden ist. vielmehr dürfte im Vordergrund der Unterredung die Erklärung Cham­berlains im Unterhause über die Auslegung des Artikel» 431 des Versailler Vertrages ge­standen haben, auf den sich der deutsche Rechtsan­spruch stützt. Es kann angenommen werden, daß Dr. Strefemann den englischen Außenminister auf den peinlichen Eindruck aufmerksam gemacht hat, den diese Erklärung in der gesamten deutschen Oessentlichkeit hervorgerufen hat. ferner dürsten hierbei auch englische juristische Gut­achten zur Sprache gekommen sein, aus die sich Chamberlain In seiner Unterhauserklärung gestützt haben soll. Bekanntlich handelt es sich hierbei um zwei Gutachten der englischen Kronjuristen ans den Jahren 1922 und 1926, die jedoch in verschiedenen punkten widersprechende Auffassungen vertreten und die der deutschen Oessentlichkeit bis­her noch nicht b e f an n t geworden sind. Die Abrüstungssrage ist allem Anschein nach in der Unterredung zwischen Stresemann und Cham­berlain nicht berührt worden, da diese Frage nach dem gegenwärtigen Stand noch viel zu große Schwierigkeiten bereitet, als daß eine aussichtsreiche Erörterung jetzt bereits stattfinden könnte. Die Un­terhaltung der beiden Staatsmänner, die sich feit März dieses Jahres nicht mehr gesprochen haben, war, wie weiter erflärt wird, sehr freundschaftlich.

Dr. Strefemann wird nunmehr in den nächsten Tagen die Besuche Chamberlains und Briands e r - widern. An die Aussprache zu Zweien werden sich dann voraussichtlich weitere Besprechungen mit Einschluß des italienischen und des japanischen Ver­treters anschließen.

England erkennt poincares Führung an.

Lugano, 10. Dez. (TU.) Erklärungen, die Chamberlain am Montag der englischen Presse abgegeben hat, haben hier ein gewisses Aufsehen erregt, da aus diesen unzweideutig die Annahme derfranzüsifchenThese in der Reparations­frage und Räumungsfrage durch die englische Regie­rung heroorgeht. Chamberlain weist in seiner Er­klärung gegenüber der englischen Presse darauf hin, daß zuerst die Reparationsfrage geregelt werden müsse. Nach dem Abschluß kämen erst Ver­handlungen über die Nheinlandräumung in Frage. Damit wird der in der Sechs-Mächie-Ent- schließung im September eingenommene Standpunkt, nach dem Reparations- und Räumungsverhandlun- gen parallel laufen sollen, aufgegeben und die fran­zösische These der Abhängigkeit der Rhein­landräumung von der Reparations­frage anerkennt. Es kann kein Zweifel bestehen, daß diese Regelung von deutscher Seite aufs schroffste abgelebt wird. Die Erklärung Chamberlains, daß gegenwärtig das Schwergewicht der Repara­tionsverhandlungen bei Poincar 6 und Chur- chill liege, wird allgemein gleichfalls in der Rich-

mehr an den Arbeiten der Bundesversammlung teilnirnrnt. In bezug auf Grüchte, die v^n einem bevorstehenden Schritt des Rates wissen wollen, ist jedoch festzustellen, daß dieser sich nur nach Anrufung durch eine der beiden Parteien mit der Angelegenheit befassen könnte. Eine sblche Anrufung ist bisher nicht erfolgt. Eine weitere Möglichkeit wäre, daß eines der Ratsmitglieder auf Grund von Artikel 11 des Paktes die Frage vor den Rat bringen würde, um diesen zunächst zu veran- Iaffen, beide Parteien als Bölkerbundsmitglicder an ihre durch den Pakt übernommene D e r * pflichtungen zur friedlichen Rege­lung von Streitfällen zu erinne;T. Ob diese Erwägungen, an denen sich bis jetzt nur einige wenige Delegationen beteiligen, von den Übrigen Ratsmitgliedern als zweckmäßig erachtet werden, steht noch dahin.

tung verstanden, daß die englische Regierung P o i n c a r 6 allein d i e Führung der Reparations­verhandlungen überlassen hat. Mit diesen Tatsachen, die schon lange bekannt sind, jedoch jetzt eine neue Bekräftigung erfahren haben, muß auf deutscher Seite für die weiteren Verhandlungen gerechnet werden.

Eröffnung der 53. Ratstagung.

Drei Punkte der Tagesordnung vertagt.

Lugano, 10. Dez. (WTB.) Der Dölker- bundsrat ist heute vormittag 11 Uhr unter dem Borsitz des französischen Außenministers D r l a n d, der auf Grund ter alphabetischen Reihenfolge den finnischen Außenminister Pro- cope in der Präsidentschaft für das nächste Bierteljahr ablöst, zu der üblichen vertraulichen Sitzung zusammengelreten und J>at damit die 53.Ratstagung eröffnet Bereits eine Stunde vor Eröffnung der Tagung sainmelte sich eine za^reich« Zufchauermenge vor dein Kur!aal-Ge- bäude an, das, rote ein großer Teil der Stadt mit den Fahnen der verschiedenen Rationen reich geschmückt ist. Die Ankunft der einzelnen Rats­mitglieder und der Delegationen erregt« bei den Zuschauern lebhaftes Interesse. Gegen 11.30 Uhr wurde di« Arbeit auf genommen, nachdem kurz vorher die Ratsmitglieder den üblichen Ansturm der Photographen über sich ergehen lassen muß­ten. Die erste öffentliche Sitzung der 53. Ratstagung wurde von dem neuen Ratspräsi­denten Briand kurz vor 11.30 Uhr eröffnet. Die Erledigung der Tagesordnung brachte die Vertagung der Beratung des Tätigkeitsberichtes des Mandatsausschusses bts zur Früh- jahrssesjion. Zum ungarisch-rumänischen Optanten st reit gab Driand dem Rat von den bevorstehenden direkten Verhandlungen un­garischer und rumänischer Bevc^llmächtigter Kennt­nis, die Mitte Dezember in Wien beginnen sollen. In einer der nächsten Ratstagungen soll diese Frage weiter behandelt werden. Ebenfalls vertagt wurde schließlich der englische Antrag auf Herabsetzung der jährlichen Ratstagungen von vier auf drei. Die nächste Sitzung wurde auf Dienstag anberäumt. Es ist vorgesehen, daß di« Rachm'itta-ge möglichst sitznngsfrei bleiben, was die Fortsetzung der bereits am Sonntag auf» genommenen politischen Besprechungen erleichtern wird.

Rußland

und die weltpolitische Lage.

Litwinow kritisiert die Bündnispolitik der Nachkriegszeit.

Moskau, 10. Dez. (WTB. Funkspruch.) Im Zentralexekutivkomitee der Sowjetunion führte Volkskommissar Litwinow über die inter­nationale Lage u. a. aus: Die Locarno­abmachungen förderten die Politik der Siegermächte in der ersten Rachkriegsperiode uni) engten die politische Handlungssrecheit Deutsch­lands erheblich ein. Es leben die diplomatischen Intrigen nach dem Borkriegsmuster wieder auf. Bas markanteste Beispiel derartiger diploma­tischer Tätigkeit sind das englisch-fran­zösische Abkommen und die jüngsten eng­lisch-japanischen Verhandlungen. Die Teilnehmer an dieser Abmachung und an dicien Verhandlungen behaupten offiziell, daß diese von nur beschränkter Bedeutung seien. Es genügt jedoch, nur in der englischen Presse nach­zulesen, um zu der Lieberzeugung zu gelangen, daß wir es mit sehr bedeutsamen und bedrohlichen Erscheinungen zu tun haben.

Die Sowjetregierung muß die Teilnahme der unmittelbaren Rachbarn der Sowjet union an interna ionalen Kombina­tionen und Gruppierungen, sowie alles, was ihre Interessen unmittelbar berühren töimte, beson­ders wachsam verfolgen. In dem Bestreben, zur Wahrung des Weltfriedens nach Kräften beuutragen, hält es die Dowjetregierung des­halb für ihre Pflicht, internationale Intrigen, denen Elemente des Krieges inne wohnen, auf­zudecken. Daneben weiß die Sowjetregierung

Die MMerbesprechimgen werden fortgesetzt