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Was fordert die Wirtschaft vom neuen Reichstag?

Eine Rede

Hermann Fischers vor dem Has'abund.

Berlin, 9.3um. (WB.) Aus der eißung des Wirtschasspolttischen Gesamrausichuffes des H a n j a - bundes für Gewerbe, Handel und Industrie hielt Dr. Hermann Fischer, Mitglied des Reichstages, eine Rede ,ynu Thema:Was fordert die Wirtschaft vom neuen Reichstag?" Der Redner führte u. a. aus Der Produktionsaufschwung des Jahres 1927 ist zum Stillstand, sogar teilweise zum Ab­bröckeln gekommen. Der Anteil der industriellen Fertigwaren an der Einfuhr ist überhoch. Die Ausfuhr an industriellen Fertigwaren ist zu ge­ring, um den erhöhten Einfuhrbedarf Deutschlands ouszugleichen. Die Schwierigkeiten dieser Lage sind nicht zwangsläufig bedingt. Uebersteigerte Steuer­lasten, unzweckmäßige Sozialgesetzgebung, falsche Zielsetzungen der Tarispolitik von Reichspost und Reichsbahn, hemmende Wirkungen der Reste der Zwangswirtschaft, Schematismus auf dem Gebiet der Lohnpolitik, alles dies hat e i n e unwirt­schaftliche Aufblähung der Geste- hungsk osten der Wirtschaft und die welt - wrrtschaflich isolierte Preiserhöhung verschuldet. Daraus ergibt sich die Aufgabenstellung für die künftige Wirtschaftspolitik: Preisabbau durch Senkung der wirtschaftlichen Ge­st ehungsko st en, Stärkung des Binnenmarktes. Hebung der Ausfuhr von Fertigwaren zur Erhol- tung eines der Gesamtheit des Volkes Arbeit geben­den Produktionskapazität, «stärker denn je müssen wir für Privateigentum und Indivi­dualismus eintrctcn. Rach wie vor ruht die Hauptkraft auch von Gewerbe, Handel und In­dustrie in den mittleren und kleineren Betrieben. Ihre Erhaltung ist die Lebensfrage für die deutsche Wirtschaft. Hingegen wird die Frage der Zukunft des Rep arationsproblems für uns von steigender Bedeutung. Wir müssen di« Frage der inneren Aufbringuvgsschwie- r i g k e i t wieder stärker in den "Vordergrund rücken. Wir müssen in der öffentlichen Verwal­tung die durch unsere Lage bedingte Ein- s ch r ä n k u n g endlich durchführen. Unser finanzpo­litisches Ganzes muß endlich die Klarheit und Ab­grenzung erfahren, aus der In- und Ausland er­kennt, daß die Reparationen einen überaus erheb­lichen Anteil der deutschen wirtschaftlichen Lei­stungsfähigkeit in Anspruch nehmen.

Die Parteiführer beim Reichspräsidenten.

Berlin. 10. Juni. (VDZ.) Der Herr Rcichsprä^s ident empfing Samstag vor­mittag dm ^Präsidenten Loebe. Er be­stätigte Herrn Loebe. daß er am Dienstag den Auftrag zur Bildung des Kabi­netts erteilen werde, da die Regierung erst am Montag zurücktreten werbe. Er gedenke^ den Auftrag einem Sozialdemokraten zu über­geben. Im Anschluß an die Besprechung emp- sing Reichspräsident v. Hindenburg die Füh­rer der großen Reichstags Partei en in der Reihenfolge ihrer Fraktionsstärke. Wie dieGermania" hört, haben bei den Be­sprechungen mit Ausnahme der Deutschnationa- len die Parteien ihre Bereitwilligkeit ausge­sprochen, in einem unter sozialdemokratischer Mhrung stehenden Kabinett mitzuarbei- ten. Auzch die Wirtschaftspartei soll ihre grundsätzliche Bereitschaft zur Beteiligung an der neuen Reichsregierung zum Ausdruck ge­bracht haben. Der Vorsitzende der Sozialdemo­kratischen Partei. Hermann Müller - Fran­ken, unterrichtete, wie derVorwärts" mel­det, den Reichspräsidenten über die Entschlossen­heit der Sozialdemokratie zur Mitverantwortung und zur Führung der künftigen Regierung.

Oer Oonezprozeß.

Kowno. 10. Juni. (TA.) Der angeklagte Ingenieur Odrow erklärte, daß die den Do- ncz-Betrieben gelieferten deutschen Maschinen sehr gut waren, aber schlecht verwendet wurden. Die eingetroffenen elektrischen Lokomoti­ven und andere elektrische Anlagen haben sich im Donez-Gebiet nicht bewährt. Die deutschen Sachverständigen hätten versucht, die Maschinen richtig anzuwcndcn, bis jetzt sei das aber nicht gelungen. Odrow erklärte, daß er seine früheren Aussagen in gewissem Sinne ändern müsse. Auf die Frage des Staatsanwalts, ob Odrow Beziehungen mit dem Ausland unterhalten habe, erklärte er, einige Male Briefe von dem gewese­nen russischen Industriellen Dworschanschik erhalten zu haben. Was in diesen Briefen stand, sei ihm unbekannt, da er sie an den ebenfalls angcllagten Ingenieur Sutschewski weiter- aeleitet habe. Sutschewski erklärte, daß der Industrielle Dworschanschik sich für den heutigen Zustand des Donez-Beckens interessierte und wissen wollte, welche neuen Kohlengru­ben nach der Revolution im Donez-Debiet ent­standen seien.

Der oberfchlesische SchulkonsM.

Die Entscheidung des Völkerbundsrats.

G e n f, 9. Juni. (DTB.) Der Dölkerbundsrat hat die erste Beschwerde, die die albanische Regie­rung wegen der Lage der albanischen Min­derheiten in Griechenland vor den Rat gebracht, a b g e l c h n t und in bezug auf die zweite Klage wegen Enteignung albanischer Staatsange­höriger in Griechenland direkte Verhau d- lungen zwischen den beiden Parteien als bestes Mittel zur Beilegung des Streitfalles empfohlen.

Zum deutsch - polnischenSchulkonslikt beschloß der Völkerbundsrat in Anwendung des Haager Urteils, daß in Zukunft die Erklärungen der Erziehungsberechtigten über die Sprache der Kinder von folgenden Prinzipien geleitet sein sollen:

1. Jede Person, die einen Antrag auf Er­richtung von Minderheitsschulen oder Zulassung eines Kindes zu schon bestehenden Schulen stellt, muß gemäß ihres Gewissens und unter eige­ner Verantwortlichkeit erklären, wel­ches die Sprach« des Kindes ist. für dessen Erziehung sie verantworllich ist. Diese Freiheit der Erklärung stellt keine unbegrenzte Möglichkeit dar. di« Sprache, in der das Kind unterrichtet werden soll und die entsprechende Schule zu wählen. Die polnische Regierung ift berechtigt, zu Wtnderheitenschulen diejenigen .'lin­der nicht zuzulassen. deren Sprache nach Er- fldrung der Erziehungsberechtigten nur das

Polnische ist oder bezüglich deren Sprache die Erklärung fehlt.

2. Polnische Behörden dürfen Erklärungen ver­antwortlicher erziehungsberechtigter Personen über die Sprache der Kinder keiner Rach­prüfung. Bestreitung, keinem Druck und keiner Beeinträchtigung in irgend einer Form unter- Werfen. Ferner wird Die polnische Regierung vom Volke rbundsrot ausgefvrdert, bte Er­ziehungsberechtigten. die seinerzeit beanstandete Erklärungen abgegeben haben, darauf hinzu-

weisen, daß sie neue Anträge auf Er­richtung einer Minderheitsschule stellen können. Die er Beschluß des Rates ift auf die Fälle von Starawies Gieraltowicc und Biertultau. die zu Beschwerden deutscherseits geführt haben, an- zuwenden. In einigen anderen Fällen wird es dem Ermessen der polnischen Regierung über­lassen. in diesen Fragen dem Gerste der Kon­ventionen über Oberschlesien Rechnung zu tragen. Die Ratssitzung wurde dann vom Präsidenten für geschlossen erklärt.

3n Funkverbindung mit derAalia".

Die Mannschaft auf zwei Eisschollen nordöstlich Spitzbergen?

Oslo, 11. 3uni. (1BB. Funkspruch.) Die italienische Gesandtschaft hat von dert i U a bi Milano" die folgende Meldung erhalten:wir haben gestern deutliche Zeichen von der3taUa" ausgenommen, die ihren Standort angegeben hat. Zur Zeit haben wir ohne jeden Zweifel von neuem mit ihr Verbindung. DieItalia" befindet sich in der Räbe des Rordostlandes von Spitzbergen, wir erwarten noch die genaue Feststellung ihre, Standortes." Die italienische Ge­sandtschaft erhielt heute nacht um 430 Ähr ein weiteres Telegramm von derCitta di Milano", in dem der Standort derItalia" mit 80 Grad 37* nördlicher Beeile und 27 Grad östlicher Länge angegeben wird, weiterhin heißt es in dem Telegramm, daß dieItalia" Hilfe anfordere. Auch dem russischen EisbrecherM a l i g i n". der auf der Suche nach derItalia" ist, ist es am Samstag nach großen Schwierigkeiten gelungen, die Funkverbindung mit derItalia" wieder herzustellen. Der Eisbrecher versuchte am Sonntag ein Flugzeug auszusenden, um dieItalia" auf- zufindeu.

wie derMontag" aus Kopenhagen berichtet. Hal der Kapitän derCitta bi Milano" am Sonntag auf die Frage bes Vertreters berBer­linde Tidende", ob der Kapitän wisse, wie die Italia" gescheitert sei, geantwortet, darüber könne er nichts sagen. Er habe aber am Samstag in einem halbstündigen klaren Gespräch von Biagi gehört, daß die Mannfchaslen sich aus zwei großen Eisschollen befänden, sich also in zwei Teile geteilt hätten, die beide einander nicht sehen könnten. Die beiden Eisschollen seien ziemlich weil vom Lande weg. Die eine werde in Richtung aus Land getrieben. Ls sei sehr schwierig, den Leuten zu Hilfe zu kommen. Die ein­zige Möglichkeit fei, daß ein Flugzeug auf einer großen Eisscholle landen könnte, um bann nach unb nach die Leute zu holen.

Die Organisation der Hilfsaktion für Nobile. Oslo. 10. Juni. (WB.) Der ÄriegSmimfter hat von Hauptmann Rijser Larsen folgen­des Telegramm erhalten:

Die von der .Italia" angegebene Position in 80 Grad 30 Min. nördlicher Breite und 28 Grad östlicher Länge ist anscheinend so sicher, daß alle Bemühungen darauf gerichtet werden müssen, dorthin zu gelangen. Die Wetterlage

hindert nicht, nordwärts zu fliegen. Entsprechend meiner Ditte ift der Dampfer .Dragan za" nach Kmgsbah zurückgerufen worden, um Be­triebsstoff. andere Ausrüstung und meine Ma­schine aufzunehmen, wenn ich nicht vorher ab­fliege. Forscher Wind in Verbindung mit der Strömung der Hinlopenstrahe wird den Druck des Eises vermindern. Der DampferBraganza" wird nach Rorden zurückkehren und zur Ilnter- stützung unserer Expedition solange wie möglich den Weg fortsetzen. um uns in den Stand zu setzen. Flüge zu unternehmen, um die Lage der3talia zu bestätigen. Ich habe dem Ka­pitän derCitta di Milano" empfohlen, den stärksten sowjetrussischen Eisbrecher herbei- zurufen. um zu der angegebenen Position der .Italia" vvrdrin^n zu können. Ich habe auch empfohlen, noch ein Hundegesp ann von Green Harbour hinzuzuziehen, um längst des Rordostlandes Lebensmittellager anzu­legen. fall» der Eisbrecher nicht Vordringen kann. Ferner habe ich empfohlen, an den Flieger Maddelena die Bitte gelangen zu lassen, seinen Abflug zu beschleunigen, da unsere Ma­schinen keinen Proviant mitnehmen können, weil wir genötigt sind, jeden Platz für den erforderlicher Betriebsstoff zum Rück­flug zu reservieren. Die Pläne für unsere Srkundungsslüge hängen davon ab. wie weit der DampferBraganza" vorwärts kommen kann. Rach den Erfahrungen Lützow-HolmS und der an Land gegangenen Abteilungen ist es ausgeschlossen, daß dieItalia" westlich von Hinlopen sich befindet. Wir wollen aber trotz­dem auf unseren Flügen in östlicher Richtung die Rordtüste des Rordostlandes absuchen."

Italien in freudiger Hoffnung.

Rom. 10. Juni. (SU.) Sonderausgaben der Morgen- und Mittagsblätter bringen in grober Aufmachung die letzten Rachrichten über bte von Citta di Milano" am Freitag gehörten Funk- sprüche der .Italia". Diese Rachrichten haben in den Dormitlagsstunden an mehreren Stellen Freudenkundgebungen ausgelöst. Der Druck, der seit 14 Tagen auf Italien lastet, hat sich in die beste Hoffnung gewandelt, daß die Rordpolflieger gerettet werden können. Mit um so größerer Spannung werden nähere Rach- richten erwartet. Die Funkstation San Paula bei Rom und die zuständigen Stellen werden un­unterbrochen von nah und fern um ergänzend« Auskunft angerufen. Aus Straßen und Plätzen hört man lebhaft die Frage besprechen, ob Hilfe rechtzeitig gewährt werden könne und ob wohl noch alle 16 leben, ileber die schwere Lage der Italia-Mannschaft ist man sich Hat, hat aber die Zuversicht auf Rettung.

Das Kabinett Braun vor dem Landtag.

Keine Neubildung der preußischen Regierung.

Berlin, 9. Juni. DaS Haus ift gut beseht. Auch Abg. Dr. Ponfieck (Christi. Rat. Dauern- partei), der eine Schuhklappe vor dem verletzten linken Auge trägt, hat feinen Plah wieder ein­genommen. Alterspräsident Gras Posadvwski er­öffnet die Sitzung und teilt mit, daß der Ael- testenrat beschlossen habe, den Kommunisten G o h l k e wegen Beteiligung an den gestrigen Borgängen auf 8 Tage auszuschliehen. (Stürmische Pfui-Rufe bei den Kommunisten 2lbgeordneter Gohlke ist nicht im Saale an­wesend). Es folgt nunmehr die Präsidentenwahl. Abg. Herold (Z.) schlägt vor, den früheren Präsidenten Bartels durch Zuruf wiederzu­wählen. Da mehrere Vorschläge vorliegen, muh Zettelwahl vorgenommen werden. Als Abg. Dr. Ponfieck aufgerufen wirb, begrüßen ihn die Kom­munisten mit Lärm und Rufen: Wie ist die Abreibung gestern bekommen? Auch die Ramen der Inhaftierten unb ber Ausgeschlossenen wer­den von den Kommunisten mit lärmenden Rufen aufgenommen. Romens auf ruf und Auszählung der Stimmzettel nehmen fast eine Stunde in An­spruch. Es haben erhalten: Abg. Bartels (Soz) 348 Stimmen, Abg. Eberlein (Korn) 48 Stimmen. Abg. S>r. Leh (Rat. Soz.) 12 Stim­men, Abg. Schäfer eine Stimme. Abg. Kauf­hold (Dntl.) eine Stimme. 3n der schallenden Heiterkeit, die der Feststellung dieser Einzel- ftimmen folgt, gehen die Ramen anderer Kandi­daten, die nur eine Stimme erhielten, unter. Abg. Bartels nimmt die Wahl an und übernimmt sofort unter lebhaftem Beifall das Präsidium. Es folgt die Wahl der Vize- Präsidenten. Aus Vorschlag des Abg. He­rold (Z.) wird Dr. v. KrieS (Dntl.) als erster Vizepräsident, auf Vorschlag des Abg. Leinert (Soz.) Dr. Porsch (Z.) als 2. Vize­präsident durch, Zuruf wiedergewählt. Abg. Heilmann (Soz.) erflärt, die Kommunisten hätten zwar entgegen den parlamentarischen Gepflogen­heiten ihre Stimmen nicht für Bartels abge­geben. Trotzdem schlage er den Vertreter der viertstärksten Fraktion, den Abg. Schwenk (Kom.) als 3. Vizepräsident vor. da die Kom­munisten im Aeltestenrat erklärt hätten, sie wüß­ten. welche Pflichten sie mit dessen Wahl über­nehmen. Abg. Schwenk (Kom.) wird mit 181 Stimmen gewählt. Er nimmt die Wahl an.

Ministerpräsident Or. Braun

ber sofort das Wort erhält, wird von den Kom­munisten mit Rufen empfangen: »Rieder mit der Koalition!" _ES lebe di« Arbeiterregie­rung!" Abg. Ley (Rat.-Svz.) ruft andauernd mit lauter Stimme:Redefreiheit für Adolf Hitler!", bis Vizepräsident Dr. v. Kries ihm einen Ordnungsruf erteilt. Als endlich Ruhe em- früt betont Ministerpräsident Dr. Braun, daß bic Neuwahlen für die bisherige RegierungS- koalition unb damit für bic Regierung

eine Mehrheit ergeben haben. Da die Re­gierung noch vor den Wahlen dem Landtag einen Rechenschaftsbericht erstattete, waren die preußischen Wähler in der Lage, in voller Kenntnis der Ergebnisse der Regierungspolitik ihre Entscheidung zu treffen. In der Entscheidung am 20. Wai hat sich die Wählerschaft mit Mehr­heit für die Politik der preußischen Regierung ausgesprochen, so daß für die Regie­rung fein Anlaß vorliegt, zurückzutreten (Lärm bei den Kommunisten unb auf der Rechten). Die Regierung wird vielmehr gestärkt und in ihrer Auffassung von der Richtigkeit ihrer Polittk bekräftigt, diese Politik unbeirrt fortsetzen. Es ist dies die Politik, die die preußische Regie­rung seit März 1920, wo ich zum erstenmal die Ehre hatte, ein neues preußisches Kabinett diesem Hohen Hause vorzustellen, konsequent und ziel- llar betrieben hat. Es bedarf daher keines neuen Regierungsprogramms. Wie es sich prakttsch auS- gewirkt hat. ist aus ben zahleiunäßigen Angaben des Rechenschaftsberichts «sichtlich. Die Regie­rung wird auch in Zukunft im Rahmen des praktisch Möglichen vor allem beistehen ben breiten Massen des durch ben Krieg unb seine Folgen vielfach verarmten Mittelstandes und den Riesenheeren der Industrie- und Land­arbeiterschaft. Auch wirb sich die Staats­regierung die Fürsorge für die durch ben Ver­sailler Vertrag in schwer« wirtschaftliche unb kulturelle Bedrängnis geratene Grenzbezirke Preußen- besonders angelegen fern lassen.

vor allem wird die Regierung nachhaltig die die Landwirtschaft fördernde Tätigkeit sortsehen und die landwirtschaftliche Erzeugung möglichst steigern.

Sie wird auf Pflege des Innenmarktes unb die Verbesserung der Exportmög­lichkeiten bedacht sein. Die eigenwirtschastliche Betätigung des Staates erftrebt eine vorteilhafte Versorgung der Bevölkerung auf besonders wichtigen Bedarfsgebieten unter Ausschaltung monopolistischer Gefahren. Weiter wird die Staatsregierung in der Pflege des Gesundheitswesens und der Bekämp­fung der Wohnungsnot nicht erlahmen; sie wird die kulturelle Hebung des Volkes durch plan­mäßige Fortsetzung der Neugestaltung un­sere» gesamten Schul - und Bildungs­wesens unter tatkräftiger Förderung aller Be­gabungen mit dem Ziel der Hebung des geifliacn und ethischen Niveaus des Volke» betreiben. Die wirtschaftliche, geistige und kulturelle Hebung des Volkes wird einen weiteren Rückgang der Ärimuudi- tät und damit die Entlastung der Strafrechtspflege bcrbeifübrcn,_bie eine weitere Verbesserung und Der- edelung des Strafvollzuges ermöglicht. Die Iustizoer- maltung wird fortfahren, die Rechtspflege oolkstüm. lich zu gestalten. Auch in der inneren Berwaliung wrrd der alle Kurs fortgesetzt, die heutige Staats- form zu befestigen und in ollen Zweigen der Staats­

verwaltung zur restlosen Auswirkung $u bringen. Der Benvallnngsreform.

in erster Linie die Stäbl«- unb ßanbgtmewbe- otbnung, di« Provinzial- unb Kreisordnung usw. werben auch ben neuen Landtag beschäftigen nicht nut wegen ber notwendigen Vereinfachung, sondern namentlich um der Ersparnisse willen. Di« Staatsregierung toirb weiterhin bemüht sein, die steuerliche Belastung der Wirt­schaft mit deren Leistungsfähigkeit im Einklang zu halten und dahin zu wirken, daß die S teuer- nertoaltung vereinfach, unb der cnbgültige Fi­nanzausgleich bald herbei geführt wird. 3m Ver­hältnis von Reich und Ländern wird die Staatsregierung das Primat des Reiches an­erkennen, aber doch di« verfassungsmäßigen Rechte unb Interessen Preußens auch in Zrckunft mit Rachdruck vertreten. Preußen hat stets treu zum Reich gestanden unb wird es auch in Zu­kunft tun, darf aber nicht schlechter behandelt werden als ander« Länder. Die inner- unb außenpolitischen Problem« erfordern gemeinsame Arbeit aller Vollst«!«. unbeschadet parteipoliti­scher unb weltanschaulicher Gegensätze. Sollten daher außer den derzeitigen Regierungsparteien Parteien dieses Hohen Hauses, bte zum heutigen Staate positiv eingestellt unb geteilt such, an der Festigung unb dem Ausbau der heutiger, oet- fafsungsrechtUchen Verhältnisse mitzuvirken, sich zur loyalen Mitarbeit an der Re­gierung entschließen, dann wird die StaatS- regienmg bereit sein, zu gegebener Zeit in eine Beratung über die Erweiterung der Re - gierungsbasis einzutreten.

Abg. Steinhoff (Dn.) bracht« hierauf ein Mißtrauensvotum gegen die Staatsrrgie- rung ein. Die Aussprache über die Regie rungs- erfiärung wurde auf Montag vertagt.

Aus aller Wett.

Gefängnis für einen fjo lei tauber.

Auf die Sängerin Rajdl-Oestwig aus Berlin, die in der »Aegyptischen Helena" die Partie derAithra" spielt, war am 11. Mai spät abends in ihrem Dresdener Ho­telzimmer, das sie mit ihrem elfjährigen Sohn bewohnte, ein Raubüoerfalt verübt worden, wobei dem Täler allerbingS nichts in die Hände fiel. Der Tätet, der sich eine Ge­sichtsmaske angefertigt hatte, ergriff nach für- Aem Kampfe mit der Lieberfallenen die Flucht, tonnte aber tags darauf feftaenommen wer­den. Gr hatte sich nun in der Person des 19jähri- gen Hotelpagen Rieger vor dem Schöffen­gericht zu verantworten. Er wurde wegen räu­berischer Erpressung unter Zubilligung mildern­der ilmftänbe zu einem Jahr Gefängnis verurteilt.

Lin roclleree Opfer bet Schleimünber Ezolosion.

Der Obermattosengefreite Daum ift seinen schweren Verletzungen erlegen. Damit ift die Zahl der Opfer des SprengunglückS bet Schlei- münbe auf sieben gestiegen.

Drei löbliche Babeunfälle in Berlin.

Infolge des sommerlich warmen Wetters hatte der Badebctrieb an den Gewässern der Berliner Um­gebung in großem Umfange eingesetzt. Leider er­eignete sich in den Freibädern eine Reihe von Un­fällen, von denen drei tödlich verliefen. Im Freibad W a n n s e e ertrank ein junger Mann. Seine Leiche konnte noch nicht geborgen werden. In der Rohe von Lindwerder ging der Maler Adolf Peters, anscheinend infolge eines Herzschlags, vor den Augen feiner Braut in der Havel unter unb ertrank Es ist Die jetzt noch nicht gelungen, die Leiche w bergen. Der dritte tödliche Badeunfall ereignete sich im Frei­bad Tegel ort.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Die Störung über ber Nordsee flacht sich langsam ab unb schreitet nach Skandinavien weiter, infolge- besten geht ihr Einfluß auf unser Wetter langsam dem Ende zu, wenn sich zunächst auch der Sitterungs charakter noch veränderlich gestaltet und gelegentlich leichte Schauern auftreten. Unter dem Einfluß des sich aus Westen her ausbrritenden hohen Druckes wird alsbald da» Wetter freundlicher und durch die Sonnenstrahlung wärmer.

Voraussage für Dienstag: Rach ver­änderlichem, kühlem Wetter mit vereinzelten Regen­schauern ruhiger, aufbeitemb und wärmer.

Voraussage für Mittwoch: Heiter bis wolkig, warmer, durchweg trocken.

Lufttemperaturen am 10. Juni mittag» 19,4 Grad Eelfius, abends 15 Grad Eclsius: am 11. Juni: morgens 13,9 Grad Eelfius. Maximum 23,2 Grad Eelfius, Minimum 12,8 Grad Celsius. Erdtem- peraturen in 10 Zentimeter Tiefe am 10. Juni: abends 19,8 Grab Celsius: am 11. Juni: morgen» 15-8 Grad Celsius Niederschläge 0,8 Millimeter Sonnenscheinbauer zwei Stunden.