Einzelbild herunterladen

Nr. 135 Erstes Blatt

178. Jahrgang

Montag, 11. Juni 1928

tr|ä)<tei täglid),<nib<t Sonntags Feinlag»

Beilege«.

Bietzenrr FamivendlLU« >m Bild

Die Schalle mowati-EtjCfcipreli.

2 <Petd)searh und 20 Neich,Pfennig fix Trüge» lohn, auch bet Richter- scheinen etnzelnerNummer, nfolge höherer Gewalt. Fernfprechanschlüffe: 61, 54 und 112

Anschrift für Drahtnoch» richten »nzetger »letze» veßscheckkoeto: gieeffnrl am Main 116M.

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Dmtf und Verlag , vrühl'jche Uktversttatr-Vuch- ond Stetnörnderei R. Lange In Sietzen. Schnftlettvng und Sefchästzftelle: Zchulttratze 1.

«»nah», von Anzeigen für die Tagesnummer bis zu» Nachmttrag vorher.

Preis ftir 1 ram höh, für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig für Re- fclameanjeigen von 70 i m Brett, 35 Reichrpfenmg, Vlotzoorfchrift 20* . mehr.

Chefredakteur Dr Fnebr DUH Lange. Berantwonltch für Vol ritz Dr Fr Will) Lang, für Feuilleton Dr H Thgriot, für den übrigen Inl Ernst Blumschein, für den An­zeigenteil Kurt fzillmann. sämtlich in (Bieben

Schweres Eisenbahnunglück bei Nürnberg

Nürnberg, 10.6. (WB ). Heute früh 2.20 Uhr ist der Schnellzug MünchenFrank» furt a. M. D 42 bei der Ausfahrt aus dem Bahnhof Siegelsdorf entgleist. Zweiundzwanzig Personen kamen dabei ums Leben. Sieben Personen wurden schwer, els leichter verletzt.

Die Katastrophe.

Die Entgleisung detz Schnellzuges D 47

Nürnberg, 10. Juni. (WIB.) vn» furchtbare Eisenbahnunglück ereignete fich bei Siegelsdorf zwi­schen Nürnberg und Würzburg, etwa 20 Kilometer nordwestlich Nürnberg, und zwar bei der Ausfahrt noch Hagenbüchach kurz vor einer Weiche bei einer Geschwindigkeit von etwa 80 Kilometer, wie ein Augenzeuge berichtet, war bas krachende Geräusch bei der Entgleisung und das Stöhnen der ver­letzten furchtbar anzuhören. Die Unfallffelle bietet ein Bild schrecklicher Verwüstung. Aos dem Bahnkörper fleht noch ein Packwagen, der etwa 80 Meter in der Richtung noch Würzburg weiterrollte. Der zweite Packwagen legte fich an der Böschung aus die Seite, ebenso der erste Personen­wagen. Der vierte wagen wurde die Böschung hin­unter und aus die Lokomotive geworfen, die sich bei dem Anprall in die höhe stellte und die etwa 10 Meter hohe Böschung hinab st ürzte. Das vordere Drehgestell der Maschine blieb auf dem Bahnkörper stehen. Der fünfte Personenwagen wurde aus den vierten wagen geworfen, den er zerdrückte. Der sechste wogen liegt ebenfalls aus der hohen Böschung.

wie wir weiter hören, bestand der D-Zug aus zehn wogen, einem Packwagen und zwei Schlos- wagen. Der Zng passierte die Station Siegelsdorf, ohne datz der Stationsvorsteher bemerken konnte, dah irgend etwas nicht in Ordnung gewesen wäre. Die Signale waren v o r s ch r i s l s m ä h i g bedien I, ebenso auch das etwa 250 Meter ent­fernte Stellwerk. Als der Zug an dem Stellwerk vorbelgebraufl war, hörte man dort ein heftiges Getöse. Der Beamte des Stellwerks sah die Lokomotive Umfallen und die Böschung hinabstürzen. Das auf dem Bahndamm stehengeblie­bene vordergeflell der Maschine Hot sich fast einen Mieter lief in die Erde eingebohrt. Am meisten mitgenommen wurden die mittleren wagen. Drei der fleben entgleisten wagen scho­ben sich ineinander und stürzten zur Seile.

An der tlnglücksstätte.

Lchuellc Hilfeleistung für die Lpfer.

Die Szenen, die sich am Zuge obspielten, waren herzzerreihend. Auch die Unverletzten hotten zumeist die Selbstbeherrfchung verloren und wenige eilten den Verunglückten sofort zur Hilfe. Sin Dahnarbeiter erzählte, er habe au« einem der Wagen nur drei Kinder be­freien können, während die anderen Reisen­den xum Teil tot. zum Teil verletzt und nicht erreichbar waren. Ein in einem Wagen ein- geschlosfener und fast unverletzter Greis muhte mit an sehen, wie einem Toten die Beine ab­genommen werden muhten, um die Leiche aus Den Trümmern zu befreien. Die meisten Toten und Schwerverletzten befanden sich in den vier Wagen, in die der Dampf der Lokomottve hinein­strömte. jo dah die Insassen des Wagen« verbrüht wurden. Sin Mann war mit dem Kopf zwischen die Tür eine« Wagens einge­klemmt worden und konnte erst nach 2* 3 Stun­den befreit werden. Bald nach dem Unfall waren Hilfs- und Gerätezüge von Würz­burg und Nürnberg angesordert worden, die nach etwa 20 Minuten ausfahren konnten. An der Unfallstelle waren genügend Aerzte, um den Verletzten die erste Hilfe zuteil werden zu lassen. Die Schwer- und Leicht­verletzten wurden in die Krankenhäuser nach Nürnberg und Fürth verbracht.

Der einalcisige Detricb an der Unfallstelle wurde zwölf Stunden nach dem Unglück wie­der ausgenommen. Es war ein eigentüm­liche« Gefühl, die Züge in ganz langsamer Fahrt passieren zu sehen und dabei zu bemerken, wie ihre Passagiere alle Fenster dicht beseht hielten, um möglichst viel von der Unglücksstätte in sich auszunehmen. Der Umstand, dah «ich unter den Getöteten ziemlich viele Sisenbahnbe- d i e n st e t e befinden, ist daraus zu erklären, dah sich Teilnehmer an einem Eisen- bahnlehrkurs in München auf der Rück­reise nach ihrer unterfränkischen Heimat befan­den. Die Unglücksstätte. die die grohe Men­schenmenge aus beiden Städten Rürnberg und Fürth nur aus der Ferne zu beschauen vermag, da das Flüßchen Zenn auf der einen Seite ein Räherkvmmen verhindert, und auf der anderen

Seite scharfe Absperrung herrscht, bietet, ob­wohl nur wenige Wagen wirklich demoliert sind, ein erschütterndes Bild. Auster den Wagen lie­gen losgelöste Schienen, zersplitterte Wagen­teile und Schwellen herum, bazwischen Klei­dungsstücke von Fahrgästen und Spuren von dem entsetzlichen Schicksal der Opfer.

Oie Ursache der Entgleisung.

Attentat ober Dammrutsch

Rürnberg, 11. Juni. (TU.) Der Vertreter der Telegraphen-Union begab sich nach Dekannt- werden de« schweren Eisenbahnunglücks bei Sie- gelSdorl sofort an die Unglücksstätte, die c in furchtbare«, grauenerregendesBild darbot Die von der LondeSpolizei abgefperrte Unfallstelle wurde von Taufenden von Personen umlagert, die die Verwüstungen besichtigen wollten. Die Lokomotive de« Unglückszuges war den ungefähr 10 Meter hohen Bahndamm hin- untergeflürzt. hatte fich in der Luft um sich selbst gedreht und lag in entgegengesetzter Fahrtrichtung. Die 1)-Zugwagen halten sich zum Teil ineinandergeschoben. Gegenwärtig wer­den die langen Wagen in mehrere Teile zersägt, damit die einzelnen Teile die Bö­schung hinuntergeworsen werden können, um auf diese Weise die VerkehrSstrecke freizulegen.

Sofort nach Bekanntgabe de« Eisenbahnrmglück« bei Siegelsdors begab sich auf Anordnung des Generaldirektors der Reichsbahngesellschaft der xu- ständige Referent für Unfallwesen an die Unglücksstelle. Auch vom Reichsverkehrsministe­rium wurde ein Dezernent entsandt. Reichsbahn­direktionspräsident K ä p p e « befindet sich an der U/ifallstelle. Von der bayerischen Gruppen­verwaltung ist Ministerialdirektor Dr. D a s ch (München! an die Unfallstelle geeilt. Der D- Zug 47 hatte die Route MünchenRürn­bergWürzburg Frankfurt a. M. Dortmund. Der Zug bestand au« Lokomotive und Tender, zwei Packwagen, vier Wagen dritter Klasse, zwei Wagen 1., 2. und 3. Klasse, zwei Schlafwagen und zwei Postwagen. Die Wagen liefen in der ausgeführten Reihenfolge. Die Loko­motive überschlug sich und es wurden über die Lokomotive die beiden Packwagen und die ersten Personenwagen geworfen. Dadurch entgleisten im ganzen sechs Personenwagen. Die beiden Schlas- und die beiden Postwagen blieben unversehrt. Aus welche Weise sich das schwere Unglück er­eignen konnte, wurde bi« jetzt noch nicht sest- gestellt. Man neigt der Ansicht, dast es sich um ein Attentat auf den Zug handelt. Rach anderer Auffassung hat ein Dammrutsch zur Entgleisung des Zuges Anlast gegeben. Rach einer Blättermeldung teilt die Reichsbahn­direktion Rürnberg mit: Die Möglichkeit eine« Attentat« bei der Gisenbahnkata strophe von SiegelSdors kann bestehen, aber ein Beweis dafür ist nicht erbracht worden, die Ursache ist vielmehr immer noch nicht feststellbar.

Oie Toten.

München, 10. Juni. (Priv Tel.) Wie amtlich mitgeteilt wird, wurden bisher folgende Todesopfer ermittelt:

1. Referendar Dr. August Kesseler aus Würz­burg.

2. Geschäftsreisender Kaiser, Herkunft unbe­kannt.

3. Ingenieur Eugen Kr ovarcy aus Ungarn.

4. Der Lokomotivführer des verunglückten Zuges, Imhof aus Würzburg

5. Stellwerksmcister Joseph Sirr aus Gmunden.

6. Stellwerksmeister Erhard Oberhausen aus Gmunden.

7. Stellwerksmeister Johann IaeckeI aus Würz­burg.

8. Oberwerksmeister Peter Baier aus Schwein- furt

9. Bergwerkspraktikant Helmut Gebhardt aus Pirna.

10. Eisenbahner Kaspar Klug aus Köln-Rippes.

11. Elise Donner, Frau eines Lokomotivführers aus Altenhundem.

12. Eisenbahner Leonhard E u I aus Oberhausen im Rheinland

13. Dessen Ehefrau Toni E u l.

14. Eine noch nicht ermittelte Frau.

15. Johann WoIfert, Rangieraufleher aus Ober­nau bei Aschaffenburg.

16. Eine unbekannte Frau von 25 Jahren.

17. Eine unbekannte Frau von etwa 30 Jahren.

18. Eine unbekannte 60jährige Frau.

19. Die Ehefrau des Eisenbahnschloflers Büchner aus Würzburg.

20. Frl. Erika v. ßaf fert-Waldeck, Kaufmanns­tochter aus Leutersdorf am Rhein.

21. Bruno Knotek, Leiter der Deutschen Edel­stahlwerke in Bochum

22. Robert Donner, Lokomotivführer aus Alten­hundem.

Oie Namen der Schwerverletzten sind:

1. Kaspar Koch, Eisenbahner aus Ottobeuren.

2. Matthias F i e s ch h u t aus Würzburg

3. Johann Sch 1 oter, Lokomotivführer aus Aschaffenburg.

4. Johann Schreck, Lokomotivführer aus Aschaf- fenburg.

5. Dirkhard Büchner, Eifcnbahnfchlosser aus Würzburg.

6. Erna Hilf, Direktorswchter aus München.

7. Anna Prottengeier aus Nürnberg

Reichsbahn und Tariferhöhung.

Fortsetzung der Verhandlungen mit der Reichoregierung.

Berlin, 9. Juni. (WB.) Der Verwal­tung s r a t der Deutschen Reichsbahngesellschast beschäftigte sich heute in einer austeroi.deutlichen Sitzung mit der von der Aeichsregierung au dem Tarifantrag der Reichsbahn gegebenen Antwort 3n einem darüber auSgegebenen Kommunique heißt e«: Der Verwaltungsrat kann in dieser Antwort keine die Sache er­ledigende Entscheidung erblicken. So be- arühenSwert c« ist, datz die Reichsregierung der Reichsbahn bet der Reubeschaffung von Kapital behilflich sein und eine Vereinbarung über die Tilgung der Kredite treffen will, deren Lasten sich über den 1 ftanua- 1965 hinaus erstrecken,

so betreffen doch beide Erklärungen nicht den Antrag auf Tariferhöhung.

Die Regelung der erwähnten TilaungSsrage ist bei der Bemessung der geforderten Tariferhöhung bereits vorausgesetzt. Ebenso ist babei vorausgesetzt, datz die Reichsbahn im Jahre 1928 noch 200 Millionen Mark Reukapital auinehmen kann. Bei dem Antrag auf Tariferhöhung han­delt es sich aber nicht um die Mittelbcfchaflung für Kapitalzuwachs, sondern um den AuS - gleich der Betriebsrechnung, der nur urch BetriebSeinna hm e n erio'.gen kann. Gegenüber der Ansicht der ReichSregierung. datz für 1928 mit höheren Einnahmen ge­rechnet werden könne, wird auSaeführt, datz sich die bisherigen Ergebnisse de« Jahres au» den Schätzungen der Reichsbahn, die dem Tarifantrag Kn^cHegen, decken. Dagegen seien seit Fer- lung der Tarifdenkschrift die Betriebs­ausgaben durch Erhöhung der Elfen- und Kohlenpreise weiter angewachsen.

Da die Antwort der Reichsregierung im allge­meinen die Reigung erkennen läßt, Die schwie­rigen Fragen l n Vereinbarung mit der Reichsbahn zu lösen, so hat der Derwal- tungsrat unter Ossenhaltung seine« Rechte«, das ReichSbahngcricht aruuntfen. beschlossen, zunächst mit allem Rachdruck die Verhandlungen mit der Reichsregierung aus Erledigung De« TariserhöhungSantrag« toeiter zu be­treiben.

Nach der Eroberung Pekings.

zielle Begründung de« Rücktritt« de« Ober­befehlshaber« ist, datz da« Ziel Der Ratio-

Oer Kampf um die Beute.

Die Freundschaft der Generale Jen und Feng, die gemeinschaftlich al« Sieger in Pe­king eingezogen find, ist nicht von langer Dauer gewesen. Sie liegen sich bereit« beide in den Haaren, weil jeder auf die besten Teile deS eroberten Gebiete« Anspruch erhebt. Dabei hat sich herauSgestellt, datz sie schon v o r der Er­oberung Pekings Vereinbarungen über die Verteilung der Deute getroffen hatten, die aber dadurch, datz die Japaner sich in Lchantung festsehten, wieder über den Hausen geworfen worden sind. Infolgedessen kann der General Feng Schantung und Tsingtau nicht bekommen, er möchte dafür Tientsin in seine Tasche stecken, womit der Gouverneur von Schansi, General Jen, nicht einverstanden ist, weil dann Peking sür ihn wertlos wird. Rach der Riederlage Tschangtsolins konzentriert sich nun die allgemeine Aufmerk­samkeit auf den Streit der Generale, namentlich auf das Verhalten de« .christlichen" Generals Feng, der schon Truppen um Peking und Tietztsin zusammenzieht und entschlossen zu fein scheint, sich den Löwenanteil an der Deute mit Gewalt zu holen. Durch diesen Streit können aber alle Erfolge der jüngsten Kämpse wieder verloren gehen. Fängt erst der eine General an, Ansprüche auf bestimmte Gebiete zu erheben, dann werden ihm rasch alle anderen folgen und fich nicht scheuen, aus egoistischen Gründen den Bürgerkrieg wieder aufflammen zu (affen.

Tschiangkaischek tritt zurück.

Peking, 10. Juni. (WB.) Die Streitkräfte des Generals Pa oh ul in. die mit Zustimmung der südchinesischen Regierung in Peking zu - rückgehalten worden waren, um die Polizei bei der Aufrechterhaltung Der Ordnung zu unter­stützen. wurden bei T u n g t s ch a u. als sie von Peling nordwärts vorrückten, durch die Truppen FengjuhslangS abgefangen und nach Pe­king zurückgedrängt, wo sie entwaffnet und gefangengenommen wurden. Das diplo­matische Korps, das ergebnislos mit Den örtlichen Befehlshabern Fengs verhandelt hat, hat jetzt einen energischen Protest bei der Ranking- Regierung gegen diesen Bruch Der Verein­barung feiten« der Südchinesen eingelegt.

Die Ausländer und die Schansitruppen sind sehr entrüstet über den Vertrauensbruch Feng- juhsrangs. Der Ausschuh für öffentliche Sicher­heit ist zurückgetreten. Der Führer der gesangen­genommenen Rordtruphen. General P a o j u l i n. scheint im Sesandtschaftsviertel Zu» flucht gefunden zu haben, Fengs Truppen hal­ten Peking so gut wie umzingelt und sind mindestens doppelt so stark wie die Echansi- Streitkräfte.

Die Schwierigkeiten, in die das diplomatische Korps durch die Haltung Fengs geraten ist, wer­den noch vermehrt durch den Rücktritt De 6 G ener als Tschiangkaischek. Die ofli-

nahften, Peking, erreicht fei, und datz er des­halb feine Aufgabe beendet habe. Tat­sächlich aber ist Tschiangkaischek entmutigt über Die Intrigen unD über Den Kampf um die Macht, Der Die südlichen Führer trennt. Sein Rücktritt läßt Fengjuhsiang al« ein­zige überragende Gestalt in China zurück. Die Tatsache, datz Fengs Anhänger, Wang, morgen in Ranking sein neue« Amt als Autzen - Minister übernehmen wird, macht e« wahr­scheinlich, datz der Protest de« diplomatischen Korps gegen Den begangenen Vertrauensbruch keinen besonderen Eindruck Hervorrufen wird. Auf jeden Fall hat e« aber die Ranking^Regie­rung damit in ihrer Hand, gegen Fengjuhsiang ei nzusch reiten.

Oer Streit der Generale.

Um den Besitz der Hauptstadt.

Berlin, 10. Juni. (TU.) General Feng hat den Vorschlag der Ranking-Regierung, seine Truppen aus Peking zurückzuziehen, abge­lehnt. Er verlangte zum Oberbefehlshaber de« Pekinger Militärbezirk« ernannt zu werd.n. Gene­ral Jen | i schon erklärte der chinesischen Presse, dah <r alle Mahnahmen ergreifen werde, um einen Zufammenftotz zwischen seinen und General Fengs Truppen zu vermeiden. Trotzdem bleibt der Konflikt zwischen beiden Gene­ralen noch bestehen. Sonntag fand in Peking ein KriegSrat statt, der sich mit der allgemeinen Lage in der Rordmandschurei beschäftigte. General Feng sordert, datz Die Truppen Jen sie schans Peking sofort verlassen, um den Kampf gegen Tschangtlolin erneut aufzunehmen. Die ja­panischen Militärbehörden in Peking haben jedoch erklärt, dah Truppenentsendungen nach der Rord­mandschurei nur mit Genehmigung des japanischen Oberbefehlshabers Mar­schall Ugaki stattfinden dürfen. Der Autzenn.i- ntfter der Ranking-Regierung, Dr. Wang, trifft Montag in Peking ein und wird Die Verhand­lungen mit dem japanischen Gesandten in Peking. Vicomte 2 oschisawa. aufnehmen.

Neue Operation Tschangtsolins.

London, 10. Juni. (TU.) Wie aus Peking ge­meldet wird, nahmen die Aerzte am Freitag eine neue Operation an Marschall Tschangtsolin vor, wobei ihm bas linke Bein abgenom­men wurde Der Sohn des Marschalls erklärte mit Bestimmtheit, dah sein Vater am Leben und d i e Krise übe r w unben sei. Er will sich heute noch nicht darüber äuhern, wer das Unglück feines Vaters verschuldet habe. Das Geheimnis werde aber bald ausgedeckt werden. Der Marschall habe feinen Haß gegen den Süden nicht aufgegeben. Er bereite neue Mahnahmen zum Kampfe vor. Wie aus Tientsin gemeldet wird, sind 18 Mellen von der Stadt Kämpfe zwifchen den Nord» und Südtruppen im Gange. Die Südtruppen haben Den Hasen Taku besetzt. Den die Nordtruppen zurückzuerobern ver­suchen. - -